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Medienkritik in Kürze: Von Türen und Toren

Die Medi­en haben sich ger­ade von dem Schock erholt, dass es nun wieder unschick ist, Frankre­ich zu sein, schon kriegen sie vor Begeis­terung den Mund nicht mehr zu: Der Papst hat eine Tür aufgemacht. Ich habe auch schon mal feier­lich eine Tür geöffnet, aber das hielt nie­mand für erwäh­nenswert. Ich finde das etwas schade.

Schon etwas inter­es­san­ter vielle­icht ist aus­nahm­sweise “SPIEGEL ONLINE”, wo man nicht nur einen weit­eren Gauck’schen Aus­bruch der Emo­tio­nen (“Sie sehen mich hier einiger­maßen bewegt”, ebd.) zu ver­melden weiß, son­dern auch weit Tiefer­gründi­ges:

Die Chef-Christ­demokrat­en mögen sich noch so bieder geben, CDU-Funk­tionäre heizen den Hass gegen Ander­s­denk­ende und Flüchtlinge an. Und sie sitzen in den Orts­beiräten, in den Kreista­gen, miss­brauchen die Demokratie für ihre Zwecke.

Hop­pla, ver­lesen, das ste­ht da gar nicht — natür­lich wird auf “SPIEGEL ONLINE” der Unter­schied zwis­chen Regierungs- und Split­ter­parteien berück­sichtigt, es ging natür­lich um die NPD, die wieder ein­mal ver­boten wer­den soll, weil, wie jed­er weiß, poli­tisch Radikale sofort aufhören, radikal zu sein, wenn man einen ihrer öffentlichen Vere­ine auflöst:

Der Staat darf Het­ze und Gewalt gegen Min­der­heit­en nicht tolerieren, son­dern muss eine Gren­ze set­zen.

Zur all­ge­meinen Erbau­ung ist das Bun­desver­fas­sungs­gericht als über­parteilich­es Organ nicht der Staat, denn nur wenig wäre fataler als die unheilige Koali­tion aus CDU/CSU und SPD zu höch­sten Richtern über Recht und Unrecht entschei­den zu lassen; aber wer auf “SPIEGEL ONLINE” über Poli­tik schreibt, der braucht bekan­ntlich nicht viel Wis­sen über sein Ressort.

Dieser hanebüch­ene Quatsch ist in sein­er Gesamtheit übri­gens eine Antwort auf den Kom­men­tar eines anderen Redak­teurs von “SPIEGEL ONLINE”, der da schrieb:

Wie wehrhaft muss der frei­heitliche Staat sich zeigen? Gerät er in der Not in Gefahr, seine eige­nen Werte — Frei­heit, Lib­er­al­ität, Weltof­fen­heit — aus Angst vor der unheim­lichen Bedro­hung hin­tanzustellen? (…)

Während deutsche Kampf­flugzeuge an der Seite ein­er inter­na­tionalen Kriegskoali­tion über Syrien kreisen, Bomben und Raketen als let­ztes Mit­tel für den Schutz der frei­heitlichen Ord­nun­gen vor dem IS auf­bi­eten, sitzen die deutschen Ver­fas­sunghüter (sic! A.d.V.) in ihrem Gehäuse beim Glasper­len­spiel.

Da machen sie wenig­stens nichts kaputt.

Nein, nein, keine Tol­er­anz der Intol­er­anz; Ver­bote lösen bekan­ntlich Prob­leme, bekan­ntlich ist mit dem Ver­bot der KPD vor über sechzig Jahren auch jed­er radikale Kom­mu­nis­mus aus Deutsch­land ver­trieben wor­den, mit dem Ver­bot des Ver­triebs von Soft­ware wie CloneCD jedes Musikkopier­por­tal in der Versenkung ver­schwun­den. Vielle­icht sollte jemand anre­gen, Straftat­en all­ge­mein zu ver­bi­eten — jede Ter­rorge­fahr wäre damit zweifel­sohne aus der Welt geschafft.

Die ein­fach­sten Lösun­gen sind oft die besten.

Senfecke:

  1. Der Satz mit den Ver­fas­sunghütern is ja mal herza­ller­lieb­ster Hirn­fick. Schade dass Dir zu solch infa­men Glasper­len­spielscheiss­dreck nix ein­fällt. (Ich hätte da nen eige­nen Blog- … ääh … Beitrag zu erwartet)

    • Wenn ich jede Doofheit von SPON-Schreiber­lin­gen kom­men­tierte, käme ich ja zu nichts anderem mehr. Die schreiben auch immer einen Brei zusam­men… (manch­mal reicht ein “sic!” für gle­ich mehrere Blöd­heit­en auf ein­mal. Aber ich hab’ noch einen Satz reingeschrieben.)

      Du hast den Job. 8)

      • Ooch nee. Unter Umstän­den müsste ich da den betr­e­f­fend­en Artikel (Kon­text und so, und wie der sich an die nicht vorhan­dene Pointe rantastet) dazu lesen.
        Mit dem allzu durch­sichti­gen pein­lichen Schnipsel hier bin ich schon genug bedi­ent.

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