In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik XCIV: Wie Dennis Schirrmacher einmal SSL nicht verstand

Manch­mal, wenn bei “heise online” keinem Redak­teur mehr etwas zu irgendwelchen Kino­seifenopern ein­fällt (siehe hier, hier, hier u.a.), wagt ein­er von ihnen den ger­adezu frechen Vorschlag zu machen, man könne ja stattdessen etwas über diese komis­che Tech­nik, von der ger­ade alle reden, bericht­en; hppt, Inter­nett und wie das alles heißt. Dann kommt ein lustiger Artikel wie dieser hier her­aus, dessen Autor Den­nis Schirrma­ch­er (“Medi­en­wis­senschaftler”, zuvor bei der auch nicht viel besseren Zeitschrift “AUDIO TEST” als Chefredak­teur beschäftigt) schon in der Ein­leitung von einem Pub­likum aus­ge­ht, das eigentlich auch viel lieber etwas über irgendwelche Filme lesen würde:

HTTPS-Web­seit­en weck­en Ver­trauen.

Da auch diese Webpräsenz hier, auf der ihr diesen Text lesen kön­nt, via https aus­geliefert wird (und damit wahrschein­lich eine “HTTPS-Web­seite” ist), bedeutet das, ihr kön­nt mir ver­trauen. Ich habe mir näm­lich ein Zer­ti­fikat instal­liert, mit dem ich nachgewiesen habe, dass ich Schreibrechte auf dem Web­serv­er habe, und das dafür sorgt, dass die Über­tra­gung manch­er Dat­en zwis­chen euch und mein­er Webpräsenz ver­schlüs­selt wird. Damit weise ich wed­er nach, dass ich keine böswillige Soft­ware auf eurem Rech­n­er instal­lieren möchte (na — JavaScript noch aktiviert?), noch, dass ich iden­tisch mit dem Kasper im Impres­sum bin.

Modern world

Aber in eurem Brows­er ist möglicher­weise ein Schloss vor der Adresse zu sehen. Deswe­gen kön­nt ihr mir ver­trauen.

Doch auch Online-Gauner kön­nen sich oft über Umwege ver­trauenswürdi­ge Zer­ti­fikate ausstellen.

Und zwar, indem sie für ihre Gauner­web­site ein Zer­ti­fikat beantra­gen. Kön­nt ihr ver­trauen, ist ein Schloss dran.

Nun haben Krim­inelle das erste Let’s‑Encrypt-Zertifikat genutzt, um Ver­trauenswürdigkeit vorzu­gaukeln.

Was Den­nis Schirrma­ch­er hier “vor­gaukelt”, möchte ich gar nicht weit­er bew­erten, aber offen­bar stellt es für zumin­d­est ihn eine bericht­enswerte Neuigkeit dar, dass eine Zer­ti­fizierungsstelle (CAc­ert, StartSSL, Let’s Encrypt, …) gar nicht wis­sen möchte, was der Empfänger mit dem Zer­ti­fikat vorhat, so lange seine Anfrage valide ist. Ob die Krim­inellen damit “Ver­trauenswürdigkeit vor­gaukeln” wollen, weiß ich nicht, aber wenn sie über ein aus­re­ichend viel tech­nis­ches Wis­sen ver­fü­gen, um sturzfrei eine Web­site einzuricht­en, dann ist davon auszuge­hen, dass das Unsinn ist.

Online-Gauner waren in der Lage, sich eine Sub­do­main für eine legit­ime Domain einzuricht­en und dafür erfol­gre­ich ein Let’s‑Encrypt-Zertifikat zu beantra­gen, warnt Trend Micro.

“Online-Gauner” — puh, wenig­stens ist noch nicht von “Cyber-Gaunern” die Rede — haben also die DNS-Ein­träge für eine “legit­ime Domain” (wie genau sieht denn eine “ille­git­ime Domain” aus?) ändern und für die unter ihrer Kon­trolle ste­hende neue Sub­do­main ein Zer­ti­fikat beantra­gen kön­nen, da die Zer­ti­fizierungsstelle grund­sät­zlich davon aus­ge­ht, dass dir eine Domain, die du ver­wal­test, auch gehören darf. Die eigentliche Mel­dung daran ist, dass eine Domain offen­sichtlich teil­weise mit vollen Recht­en gekapert wer­den kon­nte. Das passiert nicht über­mäßig sel­ten, hat aber mit Zer­ti­fikat­en erst ein­mal nicht beson­ders viel zu tun. Das ist Den­nis Schirrma­ch­er aber ver­mut­lich (zu Recht) nicht inter­es­sant genug, eben weil es recht häu­fig passiert, und so glaubt er einen ganz anderen Skan­dal gefun­den zu haben: Let’s Encrypt verteilt wie bish­er auch CAc­ert und StartSSL kosten­los Zer­ti­fikate an Leute, denen eine Domain zu gehören scheint. Kreisch!

Das Anle­gen ein­er Sub­do­main ist nicht ohne weit­eres möglich. Denkbar wäre, dass die Online-Gauner auf irgen­deinem Weg an die Zugangs­dat­en für die Domain-Ver­wal­tung gekom­men sind.

Ja, denkbar ist sicher­lich richtig, höchst­wahrschein­lich bis beina­he als gesichert anzuse­hen ist für einen anständi­gen Redak­teur von “heise online”, der sich mit der Materie, über die er bericht­en soll, nicht so recht auszuken­nen scheint, eben zu spez­i­fisch. Unter der Über­schrift “CA als Fil­ter für gefährliche Inhalte?” — Spoil­er: nein — find­et er dafür schließlich doch noch einen Schuldigen daran, dass Krim­inelle sich ein­fach irgendwelche Domains aneignen kön­nen:

Let’s Encrypt sieht den Auf­gaben­bere­ich ein­er CA nicht darin, Inhalte zu fil­tern.

Das ist aber ganz schön nach­läs­sig von Let’s Encrypt, dass sie als Zer­ti­fikatsstelle nicht darauf acht­en, dass auf der zer­ti­fizierten Web­site kein Übel passiert. Man stelle sich vor, die Zulas­sungsstelle würde bei der Ver­gabe von Kennze­ichen nicht dafür Sorge tra­gen, dass der Fahrzeughal­ter kein Übles im Schilde führt!

Was macht man nun eigentlich als ein­fach­er Web­surfer mit der Infor­ma­tion, dass ein grünes Schloss in der Adressleiste des Browsers zu Den­nis Schirrma­ch­ers Über­raschung gar nicht bedeutet, dass da keine Krim­inellen unter­wegs sind? Die Lösung ste­ht da eigentlich nur impliz­it:

Die Sub­do­main soll auf einen Serv­er ver­weisen, der unter Kon­trolle der Krim­inellen ste­ht und Wer­bung mit Schad­code verteilt.

Das wesentliche Prob­lem mit dem Geschilderten ist also wed­er, dass “Online-Gauner” eine Sub­do­main ein­gerichtet haben, noch, dass eine fiese Zer­ti­fizierungsstelle ein­fach Domains vali­diert, sobald man nach­weist, dass man sie admin­istri­eren kann; das wesentliche Prob­lem ist es, dass schädliche Wer­be­ban­ner von dieser zer­ti­fizierten Domain aus­geliefert wer­den. Dage­gen indes gibt es wirk­same Abhil­fe: Ein­fach einen Wer­be­block­er wie Adguard oder uBlock instal­lieren. Natür­lich ist in Den­nis Schirrma­ch­ers Artikel davon allerd­ings keine Rede, denn “heise online” will ja auch von irgend­was leben.

Der Artikel auf “heise online” ist übri­gens nicht über https abruf­bar. Was das wohl bedeutet?

In den NachrichtenMir wird geschlechtPolitik
Typisch Claudia Roth

Die Mod­ezarin der ehe­ma­li­gen Friedenspartei “Die Grü­nen” hat in ihrem denk­freien Raum eine ein­fache Antwort auf das all­ge­gen­wär­tige Warum zu den sil­vestri­gen Über­grif­f­en ein­er afrikanis­chen Bande gegenüber Frauen in Köln gefun­den:

„Es ist doch nicht so, dass wir jet­zt sagen kön­nen, das ist typ­isch Nordafri­ka, das ist typ­isch Flüchtling“, sagte Roth im WDR. „Hier geht es um Män­nerge­walt und hier geht es um den Ver­such, eine Sit­u­a­tion — Sil­vester­nacht — auszunutzen, als wäre das ein rechts­freier Raum.“ (…) Man dürfe aber nicht ver­suchen, die Vor­fälle zu miss­brauchen, um Stim­mung gegen Flüchtlinge zu machen.

Wir ler­nen zweier­lei. Erstens: Eine Sil­vester­nacht ist über­raschen­der­weise kein rechts­freier Raum. Genau genom­men ist sie über­haupt kein Raum. Zweit­ens: Es ist nicht typ­isch Nordafri­ka, wenn Nordafrikan­er sex­uell über­grif­fig wür­den. Da dürfe man jet­zt nicht pauschal­isieren und von “Nordafrikan­erge­walt” sprechen, als wären alle Nordafrikan­er Gewalt­täter. Natür­lich ist das aber typ­isch Mann. Nur ein patri­ar­chalis­ch­er Sex­ist oder Jour­nal­ist würde diesen offen­sichtlichen Umstand bestre­it­en.

Es ist aber auch nicht so, dass wir jet­zt sagen kön­nen, das ist typ­isch “Die Grü­nen”, das ist typ­isch Frau. Hier geht es um Clau­dia Roth und hier geht es um den Ver­such, eine Sit­u­a­tion — Vor­fälle in der Sil­vester­nacht — auszunutzen, als wäre das eine Wer­be­fläche. Man darf jet­zt auch nicht ver­suchen, diese Mel­dung zu miss­brauchen, um Stim­mung gegen die Grü­nen zu machen.

Die sind bes­timmt gar nicht alle so doof.

In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
The Delta Saints — Heavy Hammer

Guten MorgenEs ist Mon­tag. Hur­ra!

Und das Jahr begin­nt schon schön: FreeB­SD ist kein Spielplatz für Knal­lköpfinnen mehr. Sollen die sich doch weit­er mit Linus Tor­valds beschäfti­gen. — Es war indes, glaubt man der Presse, sel­ten so über­raschend wie heute, dass wir alle über­haupt noch leben, um den Wochen­tag und den Fem­i­nis­mus doof zu find­en: “München ent­ge­ht IS-Anschlag” titelte das lokale Quatschblatt am Woch­enende, was eigentlich auch nur “ein nicht völ­lig aus­geschlossen­er Anschlag hat wie üblich nicht stattge­fun­den” bedeutet. Die links daneben ste­hende, sicht­bar klein­er betitelte Mel­dung, eine Frau schwebe nach einem Tre­f­fer durch eine Sil­vester­rakete in Lebens­ge­fahr, find­et mut­maßlich kaum Beach­tung durch die Leser­schaft. Die Frau hat ja auch Glück gehabt, es hätte ein Ter­ror­ist und nicht nur eine harm­lose Rakete sein kön­nen.

Die Koali­tion aus SPD und CDU/CSU, die vor weni­gen Wochen noch neue Panz­er­liefer­ungsverträge mit den Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rat­en genehmigt hat, ist der­weil außer sich: Im Nach­bar­land wer­den ja Leute getötet! Wie bar­barisch, diese Mis­sach­tung des Rechts auf Leben. Noch ein paar Stur­mgewehre dazu?

Fein, dass wir noch leben. So kön­nen wir gemein­sam sein und schwel­gen.

Guten Mor­gen.

Persönliches
Honig im Kopf: Bummzisch, Neujahr 2016!

Dieser Artikel ist Teil 5 von 15 der Serie Neu­jahr

Laut, teuer und sinn­los, so muss Sil­vester sein. Die Deutschen freuen sich nicht leise, wenn der Kalen­der ihnen das schon mal ges­tat­tet, sie wollen laut und deut­lich jedem, der es noch nicht wusste, zeigen: Seht her, wir sind doof. Von 2014 gel­ernt: Die im Dezem­ber Ver­stor­be­nen, ins­beson­dere die Son­der­linge, bekom­men in den Föje­tongs die ihnen zuste­hende Aufmerk­samkeit, obwohl Jahres­rück­blicke zusam­men mit den Schokowei­h­nachtsmän­nern schon im Okto­ber qua­si durch waren. Sind ihre Namen wirk­lich wichtig?

Die “Stiftung für Zukun­fts­fra­gen” ermit­telte vor ein paar Tagen, dass über die Hälfte der Befragten im Jahr 2015 “angstvoll in die Zukun­ft” blick­te, dabei gibt es in der Gegen­wart doch genug zu bekla­gen. 2015 haben wir ver­loren, unsere Frei­heit und unser Miteinan­der. Dieser Weg wird kein lei- ein­fach­er sein. Anders, nicht schlechter!

Manch­es war ja doch ganz schön. Mehr davon, nur ein biss­chen mehr. Ein Leben voller Woch­enen­den mit ihr und Musik und überdies und vor allem ohne die Abers wäre wahrschein­lich wun­der­voll. Adler müsste man sein und weniger doof. 2015 war eben auch: Behäbiges Erken­nen, was wichtig ist.

Schon seit Wochen wer­den gute Vorsätze angekündigt, als wolle man sich gegen­seit­ig in der Zahl sein­er Laster übertrumpfen; nur, wer weiß, dass er sich falsch ver­hält, kann den guten Vor­satz fassen, diesen Fehler nicht zu wieder­holen, und spart sich dann doch lieber das kom­plizierte Nach­denken darüber, warum er nicht vor dem Sil­vester­abend damit begin­nen kann. Und so sitzt man am Ende doch wieder umgeben vom Funken­re­gen, in dem so vieles ver­pufft, irgend­wo im Halb­dun­klen und macht, was man ja irgend­wie zuver­läs­sig am besten kann: man ver­misst. Sil­vestere­in­samkeit ist schön­er, wenn man sie nicht teilen muss.

Hal­lo, 2016. Du wirst es schw­er haben.

In den Nachrichten
Keine Raketen.

Diese Nachricht zum diesjähri­gen Sil­vester schlägt ein wie eine Bombe: Keine Raketen in Brüs­sel. Diese Ter­ror­is­ten nehmen uns auch noch das let­zte biss­chen, woran wir noch Spaß haben; selb­st den Ein­tausch von Geld gegen Dinge, die man anzün­det und ihnen dann beim Explodieren zuguckt, wollen sie uns jet­zt verleiden!!1!

Zum Glück bleiben Raketen, mit denen man Zivilis­ten spren­gen kann, weit­er­hin vernün­ftiger­weise erlaubt. Alles Andere wäre ja auch wirk­lich dumm von uns.

In den NachrichtenMontagsmusik
Lou Reed & Metallica — The View

HackereuleHach ja, der 32c3. Gestern wurde er offiziell eröffnet, die “Keynote” hat­te aber mit Hack­er­tum nicht viel zu tun: Man müsste doch, man sollte mal. Wohl dem, der Durch­hal­teparolen grund­sät­zlich nicht ernst nehmen kann. Ach, Min­der­heit­en — von wegen “Gen­der Pay Gap”: Anson­sten iden­tis­che Pro­duk­te kosten mehr, wenn sie rosa sind. Auf Twit­ter spekulierten Frauen darüber, ob sie deshalb dumm oder naiv seien; dabei ist das Prob­lem, dass Leute über­teuerten Unsinn kaufen, kein geschlechtlich­es, son­dern ein allen­falls kalen­darisches. Für gesellschaftlich erwün­scht­en Quark wie Wei­h­nacht­seinkäufe ste­hen sie da schon mal sechs Stun­den im Stau. Der mündi­ge Men­sch will lei­den.

Apro­pos Lei­den: Es ist Mon­tag; nicht irgen­dein Mon­tag, son­dern ein Mon­tag, der zeigt, dass es auch anders geht. Mitunter fehlt zur Per­fek­tion nur ihre warme Gebor­gen­heit inmit­ten des hek­tis­chen Durcheinan­ders. Ich kann das nur empfehlen. Wohl dem, der die bessere Hälfte ist.

Und wohl dem, der den Mon­tag mit etwas Miteinan­der und her­nach mit etwas Rock­musik begin­nt.

Lou Reed & Metal­li­ca — The View live

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2015 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 15 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Die bish­er schön­ste Nachricht des Jahres 2015 war es, dass Phil Collins nie wieder ein Lied kom­ponieren möchte. Das ist vielle­icht in der gewalti­gen Nachricht­en­menge völ­lig unterge­gan­gen; vor nicht allzu langer Zeit berichtete Ste­fan Nigge­meier in der “Frank­furter All­ge­meinen Zeitung” davon, dass Claus Kle­ber anlässlich sein­er Hon­o­rarpro­fes­sur beklagte, dass die Jugend zu einem bedeu­ten­den Teil Nachricht­en nur noch häp­pchen­weise statt in voll­ständi­ger Dar­bi­etungs­form zur Ken­nt­nis nehme; im sel­ben Artikel war davon die Rede, dass es Nachricht­en also so gehe wie Musik. Offen­sichtlich ist die Jugend über die Schön­heit aktueller musikalis­ch­er Klein­ode gar nicht mehr informiert (das liegt bes­timmt an den zu kurz zusam­menge­fassten Nachricht­en). Höch­ste Zeit also, dass wir uns wieder ein­mal mit der pri­mas­ten Musik des Jahres 2015 befassen.

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In den Nachrichten
Stolz und Vorurteil

“Ich bin froh über alles, was ich erre­icht habe.”

Das, so sug­geriert das Boule­vardmedi­um “SPIEGEL ONLINE”, ist das hap­py end ein­er merk­würdi­gen Geschichte:

Zwei Minuten lang durfte sich Ari­ad­na Gutiér­rez als Miss Uni­verse fühlen. Dann merk­te der Mod­er­a­tor, dass er die Falsche zur Schön­heit­sköni­gin gekürt hat­te.

Es ist ver­mut­lich gle­ich dop­pelt erniedri­gend, erst dafür, nicht man selb­st zu sein, einen über­flüs­si­gen Wet­tbe­werb zu gewin­nen und dann auch noch zu erfahren, dass das ein Irrtum war. So ein Finale der “Schön­heit­skönig­in­nen” erre­icht man ja üblicher­weise nicht durch Ausstrahlung, soziale oder all­ge­meine Intel­li­genz oder wenig­stens gutes Ausse­hen; was übri­gens auch erk­lärt, warum ich noch nicht nominiert wor­den bin.

“Ich bin froh über alles, was ich erre­icht habe.”

Meinen aller­her­zlich­sten Glück­wun­sch. Leis­tungsträger sind ja immer willkom­men.

In den NachrichtenMontagsmusik
echolyn — Mei

PlüschEs ist Mon­tag, es ist selt­sam schw­er­mütig. Die Woche vor dem Fest ist tra­di­tionell nicht die leicht­este für Men­schen, die gern ihre Ruhe haben. Dank Vehe­menz ste­ht zumin­d­est der Last-Christ­mas-Zäh­ler noch auf Null, eine Änderung bleibt ungewün­scht. Trotz­dem: Sehn­sucht. Man möchte eigentlich gar nicht daran denken, schon, weil Mon­tag ist und man nicht da ist, wo man eigentlich sein wollte und ver­mut­lich sollte.

Die nahe Welt als Ganzes ist ver­rückt. Glauben­skriege sind scheiße. Außer gegen die! Von dieser Dis­neyschmonzette im Kino, deren Ken­nt­nis ich für keine kul­turelle Bere­icherung hielte, und der gar schreck­lichen Mit­teilung, dass Ste­fan Raab nicht mehr den Clown gibt, ein­mal abge­se­hen ken­nt sie momen­tan nur noch ein großes The­ma: Was soll der FC Bay­ern München nur ohne seinen Train­er machen? Na ja, vielle­icht einen anderen Train­er engagieren und weit­er­ma­chen, aber genüsslich­es Auswalzen ist ja auch mal schön. Seit ein paar Tagen ist die Vor­rats­daten­spe­icherung vor­erst in Kraft, diese Web­site hat damit endlich mal ein dauer­haftes Archiv und ein paar weit­ere Leser bekom­men und die meis­ten Bürg­er inter­essieren sich offen­sichtlich nicht beson­ders dafür. Brot und Spiele, Fre­unde, Brot und Spiele. — Ander­er­seits ist das image der SPD als Arbeit­er­partei damit zumin­d­est nicht beschädigt wor­den. Arbeit­er wur­den ja noch nie beson­ders gut behan­delt.

Ein­fach mal mit den Leuten zu reden ist ver­mut­lich auch zu viel ver­langt. Andere wagen diesen Schritt: Ein­fach mal einen Amok­läufer fra­gen, was der Unsinn eigentlich soll. Es ist, so kann man’s zusam­men­fassen, nicht hil­fre­ich, geis­teskrank zu sein, wenn man nicht ger­ade eine poli­tis­che Kar­riere anstrebt.

Denken wir doch lieber an etwas Schönes. Denken wir an das, was wir brauchen, an das, was wir wollen, und an das, was uns fehlt.

Und denken wir überdies an echolyn.

echolyn — “Mei” Live 2003 With Orches­tra (50 Minute Long Prog Epic)

Guten Mor­gen.

Mir wird geschlechtIn den NachrichtenComputer
Dreimal kurz verlinkt: Sterne, Logik und Verbote

Mor­gen tritt die Vor­rats­daten­spe­icherung endlich in Kraft; still und heim­lich trat auch etwas anderes in Kraft, näm­lich die über­raschende Erken­nt­nis, dass der Bun­desnachrich­t­en­di­enst Ille­gales tat, als er Spi­onage betrieb. Wer hätte das ahnen kön­nen?

Was haben bei­de Mel­dun­gen gemein­sam? Richtig, bei­de Mel­dun­gen waren keine Sekunde lang “Top­mel­dung” auf dem “IT-News”-Portal “heise online” (Beschrei­bung von eben­dort). Stattdessen ist seit gestern eine viel brisan­tere Mel­dung oben an der Seite angepin­nt:

Disney

Ein neuer Dis­ney-Film kommt raus. Ist ja auch recht inter­es­sant.


Ist Logik männlich? Ist der weib­liche Man­gel an Inter­esse an den “knall­harten” philosophis­chen Diszi­plinen formeller Logik und Seman­tik symp­to­ma­tisch für eine Ungerechtigkeit, die mit dem Geschlecht zu tun hat? (…) In ein­er Folge von Stu­di­en der Logik his­torisch­er Fig­uren (…) ergrün­det [die Autorin, A.d.V.] die wech­sel­seit­i­gen Beziehun­gen zwis­chen logis­ch­er Inno­va­tion und unter­drück­enden Sprach­strate­gien und zeigt, dass Logik keine tran­szen­dente Wahrheit ist, son­dern eine abstrak­te Form der Sprache, die von Män­nern gesprochen wird[.]

Kein Witz.


Wenig­stens läuft nicht alles schief: Fehler wer­den ver­boten! Jeden­falls beina­he:

Michael Waid­ner vom Fraun­hofer-Insti­tut für Sichere Infor­ma­tion­stech­nolo­gie (SIT) emp­fahl, bei der Cyber­sicher­heit all­ge­mein anzuset­zen. “Je sicher­er ein Pro­dukt ist, desto schw­er­er ist es auch, in dieses einzu­drin­gen und Nutzer zu überwachen”, betonte er. (…) Der Wis­senschaftler plädierte dafür, “Exploits radikal als Cyber­crime zu ver­bi­eten”.

Ein sicher­eres Sys­tem ist sicher­er als ein weniger sicheres, und wer in ein Sys­tem “ein­bricht”, der sollte das nicht dür­fen. :)

Zum Glück haben wir Experten.

Politik
Die Lösung

Warum muss jed­er Bürg­er nach­weisen, dass er die geistige und moralis­che Reife besitzt, um mit einem Auto mor­gens Brötchen kaufen zu fahren, aber nie­mand unter Beweis stellen, dass er auch nur die ger­ing­sten Anforderun­gen erfüllt, um als ver­ant­wor­tungs­be­wusstes Wesen akzep­tiert zu wer­den, bevor er durch Stim­ma­b­gabe über das Leben sein­er Mit­bürg­er richt­en darf?

Wäh­ler­führerscheine. Das wär’s.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Gorillaz — Feel Good Inc.

Echt jetzEin Mon­tag und kein Blick zurück. Nicht jede Lücke lässt sich füllen. Damals, als das Ide­al noch siegte; damals, als es uns noch scherte. Wie ret­ten wir denn jet­zt die Welt?

Tüdelüt, die Nachricht­en. Die, wie man sie bisweilen beze­ich­net, “CDU-Rebellen” — ich sehe sie schon vor mir, diese ver­rück­ten Punks — scheuen den Machtkampf, berichtet “ZEIT ONLINE”. Einig Volk wollen wir sein. Der Saar­brück­er Umwelt­dez­er­nent der­weil unter­stützt die Forderung nach Polizeiu­ni­for­men aus fairem Han­del, weil grün immer gut ist. Knüp­pel dazu? Es ist auch nicht leicht, poli­tisch kor­rekt zu sein. Es geht ja immer nur um’s Geschäft. Hotelz­im­mer stornieren gegen Rechts!

Nei-ei-ein, nicht ablenken lassen. Die Welt ist grau. Dezem­ber. Ich habe dieses Jahr noch kaum ein Wei­h­nacht­slied als solch­es wahrgenom­men und schneien tut’s auch nicht. Irgend­was ist faul. Die SPD hat sich nach “hitziger” “Diskus­sion” mehrheitlich für noch mehr Ver­rat entsch­ieden (wie bre­it diese Mehrheit gewe­sen sein muss, ver­mag ich mir bei aller Feier­erfahrung gar nicht auszu­malen).

Nicht immer ist das Ziel, was erre­ich­bar scheint.

(Betrübt schlur­fend ab.)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zu #le1212

Offen­sichtlich demon­stri­eren heute sog. “Neon­azis” in Leipzig für oder gegen irgend­was, Genaueres scheint sich der all­ge­meinen Berichter­stat­tung zu entziehen. Natür­lich nen­nt man das dann nicht Demon­stra­tion, son­dern “Auf­marsch”, als bliebe das Wort “Demon­stra­tion” denen vor­be­hal­ten, deren poli­tis­che Forderun­gen und Ide­ale sich auf “wir sind gegen die” beschränken; dafür sind ihre Eltern 1968 nicht auf die Straße gegan­gen, aber wer will schon sein wie seine Eltern?

Man mag ja fast nicht zuschauen:

Böller und Steine fliegen Rich­tung Nazis

Die Nazis haben ja offen­sichtlich diese Pro­voka­tion bewusst gesucht, immer­hin haben sie sich in antifaschis­tis­che Stadt­teile (ob die Stadt­teile das wis­sen?) begeben. Schuld trägt außer­dem natür­lich die Polizei, die die Demon­stran­ten an größeren Schä­den zu hin­dern ver­sucht, ohne sie bliebe sicher­lich alles friedlich.

Da sind Twit­ter­rev­o­lu­tionäre ja beina­he noch harm­los:

Es kann vorkom­men dass ich hier Gewalt gegen Faschis­ten aus­drück­lich befür­worte.
Sport frei.

Wenn’s für Denksport eben nicht reicht.