Montagsmusik
The Alan Parsons Project — Sirius / Eye in the Sky

(Und dann ist Mon­tag, und man hört das lang­weilige alte Zeug aus dem Radio mal mit Gehör für den Text und denkt dann noch mal darüber nach.

Believe me, the sun in your eyes
made some of the lies worth believ­ing.

Und eigentlich ist man sich dann ja auch wieder nicht ganz sich­er, ob man nicht wieder und wieder genau so gehan­delt hat und han­deln wird, wie’s den größt­möglichen Schaden anrichtet, weil Leben Macht ist und es nichts macht zu leben, über­haupt aber auch immer: Ver­lust. Ver­lust und Erd­beeren.

Guten Mor­gen.)

Nerdkrams
Poweramp: New-Version, aktivieren auf Haut

Unter Android nutze ich bevorzugt den Musik­spiel­er Pow­er­amp mit dem KitKat-Skin. Für let­zteren gab es heute eine Aktu­al­isierung, die eine Verknüp­fung für die offen­bar neue Poweramp-“SkinLib” instal­lierte.

Diese hier:

Ausblenden Haut Symbol

New-Sym­bol wird in Launch­er erscheinen. Haut aktiviert, Wer­fer ver­schwun­den.

:-?

Ich glaub’, ich werde zu alt für diesen elek­tro­n­is­chen Fir­lefanz. Ich ver­ste­he kein Wort.

Politik
Die Protest-PARTEI.

Seit die Pirat­en es geschafft haben, sich, pro­vokant for­muliert, von ein­er pro­gres­siv­en Bürg­er­rechts- und Nerd­partei zu ein­er irgend­wie linken Sozial­partei zu wan­deln, die für Demon­stra­tio­nen gegen Rechts noch eher zu haben ist als für Protest gegen TTIP und Dinge mit ähn­lich kom­plizierten Abkürzun­gen, hat sich auch der Kreis der­er, die bish­er mit den Pirat­en sym­pa­thisierten, weil sie so anders waren, verklein­ert. Die Piraten­partei, so höre ich dieser Tage des Öfteren aus meinem Bekan­ntenkreis, habe dem Wäh­ler nichts mehr zu bieten, und wer früher die Pirat­en gewählt habe, sei nun pauschal bei der PARTEI bess­er aufge­hoben.

Die PARTEI sollte inzwis­chen bekan­nt sein: Der poli­tis­che Arm des Satiremagazins “Titan­ic” tritt seit eini­gen Jahren bei Wahlen als Alter­na­tive zu ern­sthafter Poli­tik an und nimmt dabei die Inhalt­sleere von Wahlplakat­en eben­so auf’s Korn wie Durch­hal­teparolen alteinge­sessen­er Poli­tik­er. Ein oft zitiertes Mot­to der PARTEI ist es, Inhalte zu über­winden. Warum man sie wählen sollte? Ganz ein­fach: Sie sei sehr gut.

Mir reicht das nicht.

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KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Last Remaining Pinnacle — 64

Last Remaining Pinnacle - 64Das US-amerikanis­che Duo Last Remain­ing Pin­na­cle beziehungsweise ihr damals aktuelles Album “Vis­i­tors” fand ich 2012 bere­its sehr gut, in der Folge allerd­ings hörte ich nicht mehr viel von der Band. Heute nun traf eine E‑Mail ein: Am kom­menden Mittwoch, dem 21. Mai 2014, und somit genau zwei Jahre nach “Vis­i­tors” erscheint mit “64” ein neues Last-Remain­ing-Pin­na­cle-Album namens “64”.

Warum “64”? Darauf geht die E‑Mail nicht ein. Es sind auch tat­säch­lich nur acht und nicht etwa 64 neue Stücke enthal­ten. Last Remain­ing Pin­na­cle bleiben sich und dem Garage-Noise-Rock dabei treu: Verz­er­rte Gitarre, peitschen­des Schlagzeug und gewohnt effek­tre­ich­er, krautiger Gesang erfreuen den Son­ic Youth und The Vel­vet Under­ground schätzen­den Musik­fre­und außeror­dentlich.

Wenige Durch­hänger wie das zäh dahin­fließende “Forces” fall­en da auch nicht weit­er ins Gewicht, allein schon das großar­tige “Hal­low Sky” recht­fer­tigt die Geduld. Mit “Man­tle Rota­tion 4 (C.M.E.)” ist auch ein Nach­fol­ger des schon 2012 geson­dert erwäh­n­ten “Man­tle Rota­tion 3” auf “64” zu find­en, und allmäh­lich scheint es mir, als sollte ich dem­nächst ein­mal Auss­chau nach den ersten bei­den Teilen der “Man­tle Rota­tion” hal­ten.

Hören und vorbestellen kön­nt ihr “64” per Band­camp. Das Konzept “zahle, so viel du willst” scheint sich bei “Vis­i­tors” wohl nicht bewährt zu haben, “64” kostet in jed­er Dar­re­ichungs­form — lei­der nicht auf Vinyl — min­destens 8 US-Dol­lar. Ich sage: Gut angelegtes Geld!

Krieg zum Beispiel wäre deut­lich teur­er.

In den NachrichtenComputer
Digitaler Fortschritt

Was ist eigentlich aus all den poli­tis­chen Net­zvere­ins­meiern gewor­den?

Natür­lich: Der “Dig­i­tale Gesellschaft e.V.”, der Vere­in mit dem wohl däm­lich­sten Namen aller Net­zvere­ine, ist medi­al präsent, Markus Beckedahl (ich berichtete) ist ja auch über­all, er hört sich eben gern reden. (Was über­haupt so ein Prob­lem der Net­zge­mein­schaft ist: Die, die sie antreiben, sind andere als die, die ständig davon reden, wie toll es doch sei, ein Teil davon zu sein.)

Und D64, der von Kom­pe­ten­z­granate Nico Lum­ma (das war der hier) mit­ge­grün­dete und ‑geführte Net­zpoli­tik­stuh­lkreis der SPD? Nun, dort hat man sich offen­bar daran erin­nert, dass man ja eigentlich etwas tun wollte, und sich mit erhe­blich­er Ver­spä­tung der F.D.P. angeschlossen:

Das im Umfeld der SPD ange­siedelte, aber dur­chaus eigen­ständi­ge D64 – “Zen­trum für dig­i­tal­en Fortschritt” fordert die Ein­führung eines No-Spy-Hard­ware­siegels, das EU-weit vergeben wer­den soll. Das Siegel soll garantieren, dass der End­kunde “abhör­freie Hard­ware” einkaufen kann.

Aber auch nur in Anführungsze­ichen, und zwar sowohl der “dig­i­tale Fortschritt” als auch die “abhör­freie Hard­ware”; denn Fir­men wie Cis­co haben im Wesentlichen eine einzige Möglichkeit, wie sie damit umge­hen kön­nen: Lügen.

Wohl unge­fähr jedes Unternehmen, bei dem Hin­tertürchen in der Hard­ware gefun­den wur­den, hat hin­ter­her beteuert, nichts davon zu wis­sen — eben­so übri­gens Anbi­eter von Web­di­en­sten. Wie gewährleis­tet wer­den soll, dass das Siegel auss­chließlich auf jenen Geräten kleben soll, die garantiert keine Sicher­heit­slück­en haben, ist mir insofern unbe­grei­flich. Im Umkehrschluss ist nicht jedes Gerät, das ein solch­es Siegel nicht erhält, auss­pi­onier­bar. Ein Feigen­blatt ohne viel Wert also; wie alles, was von der SPD so kommt.

Dabei ist die Begrün­dung im Orig­inal­text auch grandios:

Zudem machen die neuen Enthül­lun­gen deut­lich, dass eine europäis­che Tech­nolo­gie-Indus­trie sowie offene Stan­dards stärk­er gefördert wer­den müssen.

Denn bekan­ntlich schützt die Offen­heit eines Stan­dards vor Unter­minierung durch böswillige Zeitgenossen; beziehungsweise eben nicht. Inwiefern die Förderung europäis­ch­er Tech­nolo­gie-Indus­trie etwas dazu beitra­gen soll, dass kein Geheim­di­enst irgen­det­was manip­uliert, ist noch nicht ganz klar — den Date­naus­tausch zwis­chen BND und NSA jeden­falls hat Nico Lum­mas SPD zu ver­ant­worten.

D64 zitiert abschließend die EU-Inter­net­botschaf­terin Gesche Joost, die zum The­ma Inter­net schon so manch­es gesagt hat, was nicht unbe­d­ingt weise war, und passender­weise auch in den eige­nen Vere­in­srei­hen rum­sitzt (wahrschein­lich für die Quote):

Wenn ein Auto europäis­che Sicher­heits­stan­dards nicht erfüllt, darf es nicht einge­führt wer­den. Das gle­iche Schutzniveau sollte min­destens für den Import von Net­zw­erk­tech­nik und Hard­ware aus den USA und anderen Län­dern gel­ten.

Blöd: Es gibt keinen europäis­chen Sicher­heits­stan­dard, der vorschreiben würde, dass Autos nicht von der NSA überwacht wer­den dür­fen. Jedes GPS-fähige Auto­mo­bil ist bere­its eine poten­zielle Wanze, auch in Deutsch­land. Was sollen das über­haupt für Sicher­heits­stan­dards sein, die für Autos wie für Net­zw­erkgeräte gel­ten sollen? Es muss vier Räder und eine Hupe haben?

Aber der dig­i­tale Fortschritt ist offen­bar nicht aufzuhal­ten.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Mädchen unter Zugzwang

Da wär’ mir fast das Gesicht ent­gleist:

Immer mehr Mäd­chen set­zten für eine Handy-Auf­nahme im Gleis­bett das Leben aufs Spiel. Bere­its vier Todes­fälle junger Mäd­chen ließen sich in den ver­gan­genen drei Jahren auf diesen Trend zurück­führen.

“Self­ies” an ungewöhn­lichen Orten oder in ungewöhn­lichen Sit­u­a­tio­nen sind ja längst kein Nis­chen­phänomen mehr, son­dern ein erfol­gre­ich­es Geschäftsmod­ell: Guck’ mal, Mut­ti, ich bin in Lebens­ge­fahr!

Vor allem bei Mäd­chen sei dieses Phänomen ver­bre­it­et.

Das sind wohl diese starken Frauen, von denen immer die Rede ist. :facepalm:

Netzfundstücke
Tinder: Da zündet nix.

Ein maßge­blich­er Vorteil des Inter­nets ist es ja auch, dass auch schüchterne Nerds eine geringe Chance haben, gele­gentlich Kon­takt zu Ange­höri­gen des jew­eils anderen Geschlechts aufzunehmen. Die Idee hin­ter Flirtweb­sites wie Par­ship ist dabei so alt wie nahe liegend.

Nun hat sich das Nerd­we­sen in den let­zten paar Jahren ja über­wiegend zum Nomaden­tum bekan­nt, man ist ständig unter­wegs. Dass klas­sis­che Flirtweb­sites da stetig an Reiz ver­lieren, da sich der Aufen­thalt dort nicht mal eben an der Ampel oder auf dem Klo aus­re­ichend pro­duk­tiv gestal­ten lässt, ist insofern eher ein gesellschaftlich­er als ein tech­nis­ch­er Wan­del. Allein schon das Gefrick­el mit den nöti­gen Anmel­dun­gen im Por­tal sein­er Wahl kann auf kleinen Bild­schir­men schnell die Freude an der Über­al­lver­net­zung trüben.

Nun hat das deprim­ierende Face­book ja das mobile Leben insofern vere­in­facht, als eine bloße Reg­istrierung auf sel­bigem Por­tal die Türen zu aller­lei weit­eren Dien­sten öffnet. Der Stream­ing­di­enst Spo­ti­fy etwa war vorüberge­hend nur für Face­booknutzer geöffnet, geeignete Flirt­seit­en aber — Face­book selb­st eignet sich auf­grund sein­er Prüderie wohl nur mäßig gut dafür — fan­den bis­lang keine Ver­bre­itung. Glaubt man dem Trendindika­tor Twit­ter (der ander­er­seits auch den däm­lichen “Euro­vi­sion Song Con­test” als Trend anzeigt), so hat sich nun mit Tin­der — zu Deutsch: “Zun­der” — erst­mals auch in Deutsch­land ein geeigneter Dienst etabliert, der diese Nis­che beset­zt.

Bei Tin­der han­delt es sich zuvörder­st um eine Smart­phone-app, für deren Benutzung man min­destens 18 Jahre alt sein “muss”. Die Infor­ma­tio­nen über das eigene Alter holt sich Tin­der eben­so wie Pro­fil­bilder und den Vor­na­men von Face­book, und da wohl nur wenige junge Men­schen ungeachtet der dor­ti­gen Regeln auf Face­book ihren richti­gen Namen angeben, ist die Behaup­tung in den FAQ, die Face­bookan­bindung sei notwendig, um die Echtheit der poten­ziellen Part­ner zu gewährleis­ten, von vorn­here­in ein Feigen­blatt.

Tin­der funk­tion­iert im Wesentlichen so, dass nach der Verknüp­fung über Face­book regelmäßig abge­fragt wird, welche Per­so­n­en aus ein­er nach Geschlecht, Alter und Umkreis auswählbaren Gruppe momen­tan eben­falls über Tin­der online sind. Dass die app erst ab 18 Jahren freigegeben ist, legt nahe, wofür diese Per­so­n­en dann gehal­ten wer­den sollen. Anschreiben kann man sich aber nur, wenn man sich gegen­seit­ig irgend­wie ertra­gen zu kön­nen glaubt: Find­et Tin­der eine “neue” Per­son, so wer­den Name, Ent­fer­nung, ein optionaler kurz­er (höch­stens 500 Zeichen langer) und daher nicht beson­ders aus­sagekräftiger Pro­fil­text und diverse Bilder aus dem Face­bookpro­fil dieser Per­son angezeigt.

Tinder - Quelle: http://www.mikepalumbo.com/2013/07/15/how-not-to-write-an-android-app-part-8/

Nun gibt es zwei Möglichkeit­en: Find­et man die ober­fläch­lichen Infor­ma­tio­nen, die man über eine Per­son erhält, inter­es­sant, so wis­cht man sie nach rechts, wenn nicht, dann wis­cht man sie nach links. Wis­chen sich zwei Per­so­n­en gegen­seit­ig nach rechts, so kön­nen sie einan­der anschreiben. Ein Rück­gängig­machen ist nicht möglich, wenn man also unacht­sam seine mögliche Traum­frau auf die Neg­a­tivliste set­zt, hat man Pech gehabt. Noch im April 2013 bedauerten die Entwick­ler das, inzwis­chen verkauft man es wohl als fea­ture, wie man in den FAQ lesen kann:

You can’t, you only swipe once, Tin­der on! #YOSO

Ist Tin­der somit über­haupt als Ersatz für ein “Flirt­por­tal” zu gebrauchen? Um men­schlichen Tief­gang scheint es ja nur bed­ingt zu gehen, denn außer weni­gen Fotos, die natür­lich meist nur die Schoko­laden­seite des jew­eili­gen Benutzers zeigen, und der Infor­ma­tion, wie weit man ger­ade voneinan­der ent­fer­nt ist, erfährt man nicht viel übere­inan­der. Dem Inter­netaffinen kommt’s gele­gen: Ange­blich sinkt die Fähigkeit zum ihren Sinn erhal­tenden Erfassen von Tex­ten, je mehr Kurz­texte wie Tweets man liest. Alles, was über 140 Zeichen hin­aus­ge­ht, ist somit bere­its mehr Infor­ma­tion als nötig. Auf Tin­der soll man ja auch nicht seinen Traum­men­schen ken­nen­ler­nen, das wäre hin­der­lich für’s wie auch immer geart­ete Geschäft; es wird der Ober­fläch­lichkeit gefrönt. Statt von Anfang an nur die pos­i­tiv­en Seit­en eines Men­schen ken­nen­zuler­nen, weiß man vorher qua­si nichts über ihn, was über Ausse­hen und Alter hin­aus­ge­ht. Klar, für mancher­lei reicht’s, aber der hype tut für die Auswahl sein Übriges.

Etwa ein Fün­f­tel aller Tin­der-Kon­tak­te, die ihre Fresse gegen­seit­ig ertra­gen kön­nen, hat nach Klärung der weit­eren Fak­ten über­haupt noch miteinan­der verkehren wollen. Ganz schön heiß, dieses Tin­der.

Wir haben das Inter­net als inter­ak­tives Medi­um über­schätzt.
Dieter Gorny, Beruf­spfeife

MusikPiratenparteiMontagsmusik
Rush — 2112

Für den kom­menden Bun­desvor­stand der Piraten­partei Deutsch­land kan­di­dieren auch Wolf­gang Dud­da, seines Zeichens big­ot­ter Kämpfer gegen das Böse, und Mir­co da Sil­va, der als Mot­to für seine etwaige Amt­szeit “Sind wir zu links, bist Du zu rechts.” angab, was nicht unbe­d­ingt dafür spricht, dass irgen­det­was bess­er wer­den wird.

Das Inter­net freut sich der­weil seit Tagen darüber, dass bei der unerträglichen Massen­ver­nich­tungssendung “Euro­vi­sion Song Con­test” eine bär­tige Öster­re­icherin gewon­nen hat (“Öster­re­ich hat eine neue Kaiserin!”, man hört den SPIEGEL-ONLINE-Prak­tikan­ten beina­he durch den Bild­schirm ejakulieren), während zwei Siebzehn­jährige von den jubel­nden Ver­fechtern der Tol­er­anz dafür geschmäht wur­den, dass sie blöder­weise Russin­nen sind. Ich habe offen­sichtlich die Pointe nicht mit­bekom­men.

Ins­ge­samt also ein Mon­tag zum Hardrock­hören, wie mir scheint.

Warum nicht mal wieder was von Rush?

I can’t believe you’re say­ing, these things just can’t be true
Our world could use this beau­ty, just think what we might do

Guten Mor­gen!

PolitikFotografie
Die blau-weiß-rote Gefahr

Im Inter­net wer­den vielfach Witze über sie gemacht. Sie habe unre­al­is­tis­che Vorstel­lun­gen von der Welt, ihre überzeugten Wäh­ler seien entwed­er dumm oder geblendet, der Parteivor­stand beste­he aus Pop­ulis­ten und Schwätzern, die bewusst mit den von schlechter “Presse” geschürten Äng­sten der Bürg­er spiel­ten, um wesentliche Grundpfeil­er der frei­heitlich-demokratis­chen Grun­dord­nung aushe­beln zu kön­nen. Würde diese Partei in das europäis­che Par­la­ment gewählt, sie würde unser har­monis­ches Miteinan­der nach­haltig ins Wanken brin­gen. Von ihren einst hehren Ide­alen seien nur mehr Ver­ach­tung und heiße Luft übrig geblieben.

Auch ihre Plakate ern­ten Kri­tik: In blau-weiß-rot­er Far­bge­bung weist die Partei in großen Buch­staben — wohl für ihre tra­di­tionell eher bil­dungs­ferne Wäh­ler­schaft — auf die bevorste­hende Wahl hin und bildet gele­gentlich auch ihre Kan­di­dat­en ab, nicht ohne ein grif­figes Mot­to darunter zu hin­ter­lassen, denn ein­fache Parolen ködern auch den ein­fachen Geist, und es ist erschreck­end, dass diese Masche gemäß aktuellen Umfra­gen tat­säch­lich zu funk­tion­ieren scheint; den denk­enden Wäh­ler jedoch packt beim Anblick der Plakate allen­falls erhe­bliche Übelkeit.

Worum es geht? Na, um die SPD natür­lich.

AfSPD

(“Aus­rich­tung: Rechts”, schlägt Word­Press vor.)


Apro­pos: “Alle Macht geht vom Volke aus”? Recht­spop­ulis­tis­ch­er Scheiß, befind­en Pirat­en. Die ken­nen sich aus.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
re:volution geht anders.

Noch bis heute dauert die diesjährige Kon­ferenz “re:publica” an, auf der die alt­bekan­nte Garde der net­zpoli­tis­chen und fem­i­nis­tis­chen Blog­ger — und David Has­sel­hoff — wie jedes Jahr öffentlichkeitswirk­sam auf ein Podi­um tritt, um sich selb­st dafür zu feiern, dass sie es ja immer schon gewusst hat, und über­flüs­siger­weise darauf hinzuweisen, dass Überwachung von Nutzern nicht in Ord­nung ist.

Das ist beson­ders amüsant, wenn man bedenkt, dass einige der dort anwe­senden Schwafler, darunter der ewige Sascha Lobo, sich selb­st in ein­er Fir­ma für gezielte Onlinewer­bung, deren Zweck es ist, Benutzer zu beobacht­en, engagierten oder bis heute engagieren. Kleine wider­wär­tige, bück­geistige Scher­gen des Großen Brud­ers, die ein Ende der großen Bebruderung ein­fordern, während sie ohne beson­dere Not einen sehr großen Teil des Webs in eine Überwachungs- und Ausspäh­mas­chine ver­wan­deln. Wie viele Leute, die ihr Geld damit ver­di­enen, Such­maschi­nen mit so genan­ntem “SEO”-Scheißdreck vol­lzumüllen, damit auch bloß kein­er auf die Idee kom­men möge, dass eine Web­site vielle­icht für Besuch­er inter­es­san­ter sein sollte als für Such­maschi­nen, sab­bernd und applaudierend im Pub­likum saßen, als Thorsten Kleinz sich über das Geschäftsmod­ell Bull­shit lustig machte, kann ich nur erah­nen.

Diese gän­zlich ironiefreie Zun­ft der Blender 2.0, deren einzig erlerntes, doch ein­träglich­es Handw­erk es ist, die Welt um sie herum gründlich mis­szu­ver­ste­hen, wird nur noch übertrof­fen von denen, die ihnen zujubeln. Endlich sagt’s mal ein­er!

Es braucht jet­zt Laut­sprech­er. Es braucht Verkäufer. Es braucht gute Verkäufer. Und Lobo ist ein­er. Beckedahl auch. Also bezahlen wir sie auch dafür, so lange sie einen guten Job machen. Und das tun sie.

Ich habe den Ver­dacht, dass die bei­den Über­allred­ner Markus Beckedahl, dessen mit­tler­weile unerträglich selb­stre­f­eren­zielles Blog namens “Netzpolitik.org” ich seit Monat­en ein­fach nicht mehr zu lesen bere­it bin, und Sascha Lobo, der sich bin­nen weniger Wochen den Tenor sein­er Kolum­nen von “Das Inter­net ist kaputt, aber ich schreibe da trotz­dem weit­er rein” zu “Das Inter­net ist gar nicht so kaputt und ich schreibe deswe­gen weit­er rein” zu verkehren nicht zu blöd war, zwar prinzip­iell bejubelt, aber nicht ein­mal mehr aufmerk­sam ange­hört wer­den. Das ist wahrschein­lich wie auf Konz­erten: Das Pub­likum klatscht bere­its, weil es weiß, wer ger­ade auftritt, und nicht erst, wenn die Dar­bi­etung gefällt. So ähn­lich ist es bei Markus Beckedahl und Sascha Lobo wahrschein­lich auch.

Nein, es braucht jet­zt keine Grün­der von Vere­inen, die sich anmaßen, für die dig­i­tale Gesellschaft zu sprechen, obwohl viele Mit­glieder dieser “Gesellschaft”, zum Beispiel ich, über­haupt nicht gefragt wur­den, ob sie das wollen. Das Netz braucht jet­zt keine Laut­sprech­er, die viel Falsches reden und nichts han­deln außer Wer­be­fir­men zu grün­den und dann in den Sand zu set­zen. Dass die Frei­heit im Inter­net ständig gefährdet ist, ist richtig, wird sich allerd­ings mit Reden und Klatschen nicht ändern.

Es braucht jet­zt Akteure, die nicht nur eine Sprechrolle ein­nehmen; solche, die ihre Stunts noch selb­st drehen. Blender, die die Falschen blenden, sind nicht in der Lage dazu, Hin­dernisse aus dem Weg zu räu­men, weil sie selb­st Hin­dernisse sind.

Aber schön, dass es mal jemand gesagt hat. Applaudieren und auf näch­stes Jahr freuen. Die Welt wird sich­er darauf warten.

NerdkramsIn den Nachrichten
GitHub: Auf zum Atom?

Worauf hat die Welt denn beina­he so drin­gend gewartet wie auf einen einge­bilde­ten Berg? Richtig: Auf Atom.

Atom — ich meine aus­nahm­sweise nicht die Energiequelle — ist ein von GitHub, einem großen Anbi­eter für frem­den Quell­code aller Art, entwick­el­ter Texte­d­i­tor, der beina­he aussieht wie das recht beliebte Sub­lime Text und auch ähn­lich funk­tion­ieren soll, allerd­ings kosten­los und quellof­fen ange­boten wird. (Einen ähn­lichen Ver­such, allerd­ings mit gerin­ger­er medi­aler Aufmerk­samkeit, startete vor ein­er Weile Adobe mit Brack­ets.)

“Kosten­los” ist ja eines der Lieblingswörter von Mit­men­sch Inter­net­nutzer in sein­er Gratis­wolke. Qual­ität gern, aber lieber was geschenkt. Fol­gerichtig wird Text­Mate, eines der Vor­bilder von Sub­lime Text, in der Ver­sion 2.0 eben­falls — beze­ich­nen­der­weise auf GitHub — gratis zur Ver­fü­gung gestellt.

Ein großes Manko von Text­Mate ist, dass es auss­chließlich für Mac-OS-X-Sys­teme entwick­elt wird:; eben­so wie der Atom-Edi­tor übri­gens. Trotz­dem sind bloggende Entwick­ler (oder Gele­gen­heitsskripter) begeis­tert und freuen sich, dass sie jet­zt einen Edi­tor, der auch nicht mehr kann als seine Vor­bilder, nicht mehr müh­sam erbet­teln müssen:

Bish­er musste man um einen Beta-Key bet­teln, wenn man sich die neuste Entwick­lung aus dem Hause Github anschauen wollte.

Auch bei heise.de ist man beein­druckt:

Der auf Googles Chromi­um basierende und Node.js als Back­end nutzende JavaScript-Edi­tor soll die besten Eigen­schaften ander­er Texte­d­i­toren kom­binieren. Die Entwick­ler zogen hier den Kom­fort von Sub­lime und Text­Mate sowie die Flex­i­bil­ität und Erweit­er­barkeit von Emacs und Vim her­an, die sich aber alle­samt nur mit speziellen Skript­sprachen anpassen ließen und nicht allzu intu­itiv seien.

Nun, an ein­er Erneuerung von Vim wird ja eben­so gear­beit­et wie an Emacs-Ver­sio­nen, die das Skripten ein­fach­er machen soll­ten, etwa mit einem Wech­sel der Skript­sprache von Emacs Lisp zu Scheme. Ein Edi­tor, der die Vorteile der bekan­nten Edi­toren miteinan­der verbindet, ohne einen ihrer Nachteile zu übernehmen, klingt zwar zumin­d­est in der The­o­rie inter­es­sant, aber dafür müsste er sich erst ein­mal pos­i­tiv von anderen Edi­toren abheben.

Wom­it aber will Atom das schaf­fen?

Die Web­site sagt zum Beispiel:

Our goal is a deeply exten­si­ble sys­tem that blurs the dis­tinc­tion between “user” and “devel­op­er”.

Der Edi­tor soll also von jedem Benutzer ein­fach und kom­plett frei skript­bar sein. Das sind Vim, Emacs und der­gle­ichen zwar auch, aber sie benutzen nicht so schöne Wer­bephrasen dafür.

Atom comes loaded with the fea­tures you’ve come to expect from a mod­ern text edi­tor.

Atom bringt also alle Funk­tio­nen mit, die Edi­toren wie Notepad++ auch mit­brin­gen. Das ist wirk­lich sehr prak­tisch, aber auch nicht inno­v­a­tiv.

Wo bleiben nun die Inno­va­tio­nen? Na, weit­er oben:

Atom is a desk­top appli­ca­tion based on web tech­nolo­gies.

Tat­säch­lich: Atom basiert auf Chromi­um. Auf einem Web­brows­er. Ein Texte­d­i­tor, der auf einem Web­brows­er basiert. Ein ein­fach­es Werkzeug, das auf ein­er kom­plex­en, schw­eren Plat­tform ste­ht. Ein Texte­d­i­tor, der Face­book kann. Atome hat­te ich mir ja immer als etwas sehr Kleines vorgestellt, aber ich habe noch nie ein Atom gese­hen. Vielle­icht lag ich da falsch.

Aber die Entwick­ler haben sich auch etwas dabei gedacht, denn so kön­nen sie statt sta­tis­chen, plat­tformab­hängi­gen Codes in ihrem Texte­d­i­tor, der nur unter Mac OS X läuft, plat­tfor­munab­hängige Pakete entwick­eln, die die Leis­tungs­fähigkeit des Edi­tors enorm erhöhen. Zum Beispiel Met­rics. Met­rics ist ein wohl stan­dard­mäßig aktives Paket, das essen­zielle Edi­tor­funk­tio­nen enthält: Es sendet Benutzer­dat­en zwecks Auswer­tung an Google Ana­lyt­ics (pro­vokant gesagt also wahrschein­lich an die NSA).

Das tun andere Edi­toren tat­säch­lich meist nicht. Man kann das Paket zwar deak­tivieren — dafür aber muss es erst ein­mal aktiv gewe­sen sein. Das also sind alle Funk­tio­nen, die ich von einem mod­er­nen Texte­d­i­tor erwarte. Ob er wohl auch Texte edi­tieren kann? Die Web­site schweigt sich aus.

Der Edi­tor des 21. Jahrhun­derts, fast so groß wie OpenB­SD. Ich fand das let­zte Jahrhun­dert irgend­wie bess­er.

In den NachrichtenComputer
Placeboverkäufer gibt auf: Grippe ist zu wirksam!

Erin­nert sich noch jemand an Syman­tec?

Syman­tec ist eine dieser Fir­men, die in den späten 1990-er Jahren viel Geld damit ver­di­ent haben, dass unbe­darfte Inter­net­nutzer sich sehr leicht verun­sich­ern lassen und oben­drein der absur­den Ansicht sind, eine Soft­ware (ein Viren­scan­ner, ein Paket­fil­ter, ein anderes Betrieb­ssys­tem) wäre dazu befähigt, ihr men­schlich­es Ver­sagen — also das Klick­en auf alles, was blau und unter­strichen ist — adäquat auszu­gle­ichen. Syman­tec hat­te Fir­men wie Peter Nor­ton Com­put­ing über­nom­men und ver­trieb so jahre­lang erfol­gre­ich Soft­ware wie Nor­ton AntiVirus, die durch die höchst umständliche und fehler­be­haftete Dein­stal­la­tion Bekan­ntheit erlangten; es war eine Zeit­lang üblich, dass auf “fer­tig” gekauften Rech­n­ern bere­its werks­seit­ig ein Viren­scan­ner von Syman­tec oder McAfee instal­liert war.

Dass ein “neuer” Virus oft erst ein Jahr in freier Wild­bahn zu find­en ist, bevor solche Viren­scan­ner über­haupt von sein­er Exis­tenz erfahren, hat­ten Mitar­beit­er von Syman­tec bere­its 2012 erk­lärt. Warum man dann über­haupt noch einen Viren­scan­ner kaufen sollte, blieb unklar.

Syman­tec selb­st weiß es jeden­falls nicht, wie ver­schiedene Web­sites heute ver­melden:

Syman­tec wolle sich jet­zt auf Schaden­be­gren­zung konzen­tri­eren und Fir­men beim Umgang mit Hack­er-Angrif­f­en helfen. (…) Die Hack­er kämen ja ohne­hin ins Sys­tem, Schutz­soft­ware hälfe nicht. So scheint jeden­falls die Mei­n­ung der Syman­tec-Führung zu laut­en.

Für diese Erken­nt­nis hat Syman­tec ganze 24 Jahre gebraucht. Meinen Glück­wun­sch.


(“Geil bescheuert” — allein die Phrase schon.)

Montagsmusik
Nine Inch Nails — Piggy

Ah, Mon­tag! Immer wieder ein Genuss. Diese Woche gilt es freudig zu begrüßen!

Zum Beispiel mit Nine Inch Nails.

nine inch nails: pig­gy

Hey pig, nothing’s turn­ing out the way I planned;
hey moth­er­fuck­ing pig, there’s a lot of things I hoped you could help me under­stand.

Desil­lu­sion­iert? Quatsch. Mon­tag, das ist alles.

Guten Mor­gen!

KaufbefehleMusikkritik
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra — Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra - Fuck Off Get Free We Pour Light on EverythingDie Band mit dem elend lan­gen Namen, der in sein­er aktuellen Form noch nicht ein­mal der läng­ste der Bandgeschichte ist (diesen Reko­rd dürfte “Thee Sil­ver Mt. Zion Memo­r­i­al Orches­tra & Tra-La-La Band with Choir” im Jahr 2003 bis auf Weit­eres hal­ten), ist eines der unzäh­li­gen weit­eren Musikpro­jek­te, die aus dem als Dronetrio gegrün­de­ten und qua­si neben­bei weit­er­hin aktiv­en Kollek­tiv God­speed You! Black Emper­or (kurz GY!BE) her­vorgin­gen. Der “Choir” im ehe­ma­li­gen Band­na­men ist allerd­ings immer noch da, alle fünf derzeit­i­gen Band­mit­glieder bedi­enen gele­gentlich auch mal das Mikro­fon. Nach vier Jahren gibt es nun also wieder ein neues Stu­dioal­bum.

Schon auf dem Vorgänger­al­bum “Kol­laps Tradix­ionales” von 2010 reicherten die Musik­er den musikalis­chen Weltschmerz, der bis dahin über­wiegend als Schw­er­mut und Trauer daherkam, mit zorniger Verzwei­flung an; seit der Geburt von Ezra, dem gemein­samen Sohn zweier Band­mit­glieder, ist diese Verzwei­flung, wie man weiß, schier­er Wut gewichen; Wut auf die Poli­tik im Beson­deren, die dem fried­fer­ti­gen Miteinan­der der Men­schen Steine in den Weg zu leg­en pflegt. So wütend wie auf “Fuck Off Get Free We Pour Light on Every­thing” hat man Efrim Menuck seit dem “GY!BE”-Debüt “f#a#∞” von 1997 nur sel­ten gehört.

Thee Sil­ver Mt. Zion Memo­r­i­al Orches­tra — What We Loved Was Not Enough (Live at Lee’s Palace)

Die von Ezra gesproch­ene Zeile am Anfang des Albums — “We live on the island called Mon­tre­al, and we make a lot of noise because we love each oth­er!” — gibt also auch dessen Rich­tung vor: Hier wird die Liebe der Men­schen zueinan­der mit Musik vertei­digt. Vertei­digt wer­den muss sie offen­bar zumin­d­est gegen die Poli­tik, nicht gegen die Kirche, denn jüdis­ch­er Glaube bleibt eben­so ein Antrieb wie die Vater­schaft:

Lord, let my son live long enough to see that moun­tain torn down!
Aus­ter­i­ty Blues

Mit “f#a#∞”, der ver­ton­ten Apoka­lypse, hat “Fuck Off Get Free We Pour Light on Every­thing” insofern auch die Endzeit­stim­mung gemein­sam: And the day has come when we no longer feel (“What We Loved Was Not Enough”), mech­a­nisch agiert ein Men­sch in fremder Dunkel­heit eben anders. Befre­it euch, wir begießen alles mit Licht.

Großar­tige Musik.