In den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXV: “Zu genial für die Deutsche Bahn”

Woa­ha­ha­ha:

Mit “Call a Bike” hat­te die Bahn den öffentlichen Nahverkehr um eine geniale Idee bere­ichert. (…) Vor eini­gen Wochen hat die Deutsche Bahn offen­bar gemerkt, wie genial das Sys­tem ist. Und dann wohl beschlossen, dass dies nicht zu ihr passt.

So ungern ich auch Jour­nal­is­ten für irgend­was lobe: Frank Stock­er gehört hier­mit meine vorzüglich­ste Hochachtung.

MusikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXIV: Legal oder Angebot?

sueddeutsche.de berichtete gestern:

Es wird kaum noch ille­gal kopiert — weil es Alter­na­tiv­en gibt. (…) In Skan­di­navien ver­bre­it­eten sich rel­a­tiv früh Dien­ste wie Spo­ti­fy oder Net­flix , die den ein­fachen, legalen Zugang zu Musik und Fil­men ermöglichen. Dabei kauft der Nutzer nicht mehr einzelne Songs, son­dern erwirbt durch eine pauschale Zahlung Zugang zu mehr als 20 Mil­lio­nen Liedern. So ver­lieren die ille­galen oder hal­ble­galen Möglichkeit­en des Net­zes ihre Attrak­tiv­ität.

sueddeutsche.de berichtete am Dien­stag über Spo­ti­fy:

Grup­pen wie Led Zep­pelin und AC/DC haben ihr Reper­toire bis heute nicht freigegeben, diverse kleinere Kün­stler ver­ließen den Dienst nach einiger Zeit frus­tri­ert.

Ich schrieb im August 2012 zum gle­ichen The­ma:

Aber wer Vielfalt will, der kann ja auch ein­fach ins Inter­net guck­en.

Ich finde den ille­galen Dateitausch jeden­falls nicht trotz, son­dern wegen Spo­ti­fy immer noch inter­es­sant. Dass Medi­en­jour­nal­is­ten einen nicht allzu bre­it gefächerten Musikgeschmack haben und zufrieden mit dem sind, was man ihnen hin­wirft, ist ein wenig trau­rig zu sehen, aber sicher­lich nicht repräsen­ta­tiv. Ich empfehle Mel­dun­gen wie die ein­gangs erwäh­nte jeden­falls weiträu­mig zu umfahren.

PiratenparteiWirtschaftPolitikIn den Nachrichten
Die Lage der Nation (Stand: 19. Juli 2013)

(Vorbe­merkung: Ich würde mir niemals anmaßen, sach­liche und aus­ge­wo­gene Berichter­stat­tung über poli­tis­che Vorgänge, die mich als Wäh­ler mas­siv mis­sacht­en, auszuüben. Auch jet­zt nicht.)

Ach was: Das deutsche PRISM ist wahrschein­lich doch das­selbe wie das US-amerikanis­che PRISM. Das Kan­zler­amt (CDU) wider­spricht dieser Darstel­lung, das Vertei­di­gungsmin­is­teri­um (CDU) bekräftigt sie. In anderen Län­dern hätte man eine Regierung, deren Organe sich gegen­seit­ig auf Kosten der Wäh­ler belü­gen, ver­mut­lich bere­its unsan­ft entsorgt. Ob die Frage, ob es zwei oder nur ein PRISM gibt, mith­il­fe dessen deutsche Bürg­er kon­tinuier­lich ihre Pri­vat­sphäre zugun­sten irgendwelch­er Sicher­heit ein­büßen, über­haupt die entschei­dende ist, gilt es beizeit­en zu prüfen.

(Ein kurz­er Real­itätsab­gle­ich: 41 Prozent der deutschen Wäh­ler wür­den momen­tan CDU/CSU wählen. Ein Staat, der euch das lästige Denken erspart, klingt doch ein­ladend, oder?)

Und es bleibt nicht bei PRISM. Da kommt noch viel mehr. Und wir wollen wahrschein­lich gar nicht wis­sen, was das gekostet hat. Detroit ist näm­lich pleite. Haben wir eigentlich schon mal eine ganze Stadt gerettet? Gibt es dort eine Bank?

Man sollte meinen, zumin­d­est der Piraten­partei käme die poli­tis­che Entwick­lung zugute. Und tat­säch­lich erwacht sie aus dem Stand­by­modus und grün­det, agil wie eh und je, erst mal eine AG Rev­o­lu­tion. Vor weni­gen Jahren wollte die Piraten­partei noch das Sys­tem reformieren, jet­zt prokras­tiniert sie das in Arbeits­grup­pen. Natür­lich wäre es vielle­icht auch für einen Wahler­folg im Sep­tem­ber lohnenswert, bei seinen Leis­ten zu bleiben und mit einem klaren Pro­fil zu punk­ten, aber es gibt andere Prob­leme zu lösen, Neon­azis und Flaschenpfand­kürzung und so. Die Regierung kri­tisieren kann man später auch noch.

Das mit PRISM, sagt der Innen­min­is­ter, ist ja auch nicht so schlimm. Wir soll­ten stattdessen froh darüber sein, denn es räumt uns das Super­grun­drecht der Sicher­heit ein. Wir bekom­men mehr Rechte und beschw­eren uns auch noch darüber, wir undankbares Volk.

Es gibt da übri­gens noch so ein Super-Grun­drecht, fest ver­ankert im Grundge­setz:

(3) Die Geset­zge­bung ist an die ver­fas­sungsmäßige Ord­nung, die vol­lziehende Gewalt und die Recht­sprechung sind an Gesetz und Recht gebun­den.

(4) Gegen jeden, der es untern­immt, diese Ord­nung zu beseit­i­gen, haben alle Deutschen das Recht zum Wider­stand, wenn andere Abhil­fe nicht möglich ist.

Ich wäre dann jet­zt so weit.

Netzfundstücke
Trink ’ne Coke mit alles und scharf.

Apro­pos “bescheuerte Werbe­maß­nah­men”: Großes Auf­se­hen erregt zurzeit die merk­würdi­ge Wer­beak­tion “Trink ’ne Coke mit…”. Auf coke.de (bewusst nicht ver­linkt) kann man also einen beliebi­gen Namen eingeben und bekommt im Aus­tausch gegen ein paar Euro virtuellen Geldes eine Liefer­ung damit bedruck­ter Zucker­brause­flaschen und/oder (offen­bar) ‑Dosen. Einen beliebi­gen? So ein­fach will man es dem Stre­ich­fre­und nicht machen.

Dass Namen wie “Hitler”, “Ulrike Mein­hof”, “Mao Zedong” und “Goebbels” in manchen Schreib­weisen nicht erwün­scht (und damit möglich) sind, ist selb­sterk­lärend, auch “… mit dein­er Mud­der” funk­tion­iert nicht (im Gegen­satz übri­gens zu “dein­er Mut­ter” — damit fällt das Geschenk zum Mud­dertag wohl aus). Die nahe liegen­den Begriffe “Zuck­er”, “Säure” und “Gift” sind eben­so uner­wün­scht wie “Rat­ten”, Karies”, “Krebs” und “Syphilis”. Das ges­pan­nte Netz ist aber löchrig, wie es sich für ein gutes Netz gehört — mit “Salz”, “Trip­per”, “Läusen”, “Katzen”, “Schup­pen” und “Knoblauch” dürft ihr eure coke also gern bestellen.

Auch Konkur­renz fürchtet man: Mit Pep­si, Fritzko­la und Dr. Pep­per ist keine coke zu bestellen, jedoch mit den eige­nen Pro­duk­ten Sprite, Fan­ta und 7‑up (“Sev­en Up”). Zahlen sind nicht möglich, Twit­ter­nutzer müssen also auf ihre “Coke mit <3” verzicht­en. Offen­bar sind zumin­d­est Pro­duk­te erlaubt, für die es keine hau­seige­nen Alter­na­tiv­en gibt, etwa Sel­ters, Brokkoli, Sel­l­erie und Rosenkohl. Eine Coca-Cola-Alter­na­tive zu Bären­saft scheint es allerd­ings zu geben, denn auch “Coke mit Bären­saft” kann man nicht bestellen.

Eben­so ist es übri­gens nicht möglich, ’ne “Coke mit Min­er­al­wass­er” zu bestellen, denn bei ass schlägt der inte­gri­erte Wort­fil­ter wieder zu. Der ist aus irgendwelchen Grün­den öffentlich ver­füg­bar und bringt mir Wörter (etwa “falkial­ki” und “sloven”) und Namen (etwa Burkhard Gar­weg) bei, die ich bish­er noch nicht kan­nte und die mich tat­säch­lich zur Bil­dung durch Recherche ani­mierten. Doof halt, wenn ein poten­zieller Kunde so heißt.

Offen­bar dur­chaus nicht nur erwün­scht, son­dern aus­drück­lich emp­fohlen wer­den gram­matikalis­che Fehlschläge wie “… mit deinem Held” und “… mit deinem Prinz”, das belegt das Foto des Tages am 16. Juli 2013. Trink ’ne Coke mit Pein­lichkeit. Wahrschein­lich ist es unnötig zu erwäh­nen, dass auch das möglich ist.

Darauf einen Whiskey — ohne Coke. Kann ich näm­lich nicht bestellen.

(via herzmeis­ter der wel­ten)


In weit­eren Nachricht­en und apro­pos Twit­ter: Papst Franz sagt, wer ihm auf Twit­ter fol­gt, der wird von seinen Sün­den befre­it. Dafür mache ich nicht mein schönes Twit­ter schmutzig. Ich gebe nur zu bedenken, dass let­ztes Mal, als irgend­je­mand im großen Stil Ablass verkaufte, ein damit unzufrieden­er Mönch spon­tan die evan­ge­lis­che Kirche grün­dete. Nicht, dass mich per­sön­lich eine weit­ere christliche Split­terkirche stören würde!

Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Mit Bezahlschranken gegen Werbeeinnahmen

Als der Axel-Springer-Ver­lag (nicht mit dem weit weniger ekel­haften Springer-Ver­lag zu ver­wech­seln) einige Inhalte von BILD.de als “BILD­plus” kostenpflichtig zugänglich machte, war ich noch erle­ichtert darüber und frohlock­te, dass nun also BILD selb­st dazu beiträgt, dass die bre­ite Masse nicht ohne zusät­zliche Hür­den weit­er verblödet.

Andere Ver­lage ziehen nun aber nach:

Bis­lang hat man sich bei Zeit Online immer sehr zurück­hal­tend in Bezug auf zahlungspflichtige Online-Inhalte gegeben, nun ist es aber fix. (…) Derzeit seien bei Zeit Online die wichtig­ste Ein­nah­me­quelle die Wer­beer­löse, allerd­ings müsse man kün­ftig so viele Ein­nah­me­quellen wie möglich auf­machen, so Ess­er.

Eine Bezahlschranke vor ein­er Web­site bedeutet automa­tisch weniger Besuch­er, somit weniger Ein­nah­men durch einge­blendete Wer­bung. Es wer­den also mehr Ein­nah­me­quellen aufgemacht, damit weniger Leser mehr zahlen. Aha. — Anders gesagt: ZEIT ONLINE soll (wie schon BILD.de) zum Elitemedi­um wer­den, das nur noch denen voll­ständig offen ste­ht, die es sich leis­ten kön­nen.

Spreu und Weizen. Und damit sind nicht die Leser gemeint.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXIII: Hierarchie als Feind der Demokratie

Ger­ade auch vor dem Hin­ter­grund der aktuellen poli­tis­chen Entwick­lun­gen sollte man sich gele­gentlich dann doch mal wieder fra­gen, worin eigentlich die Ursache sel­biger liegt.

flat­ter hat da eine Idee:

Das Elend aller autoritären Herrschaft, da tun sich Plu­tokratie, Faschis­mus und Staatssozial­is­mus gar nichts, ist die Hier­ar­chie, die Befehls­kette von oben nach unten. Eine demokratis­che Gesellschaft funk­tion­iert ander­sherum[.]

Dass Selb­stver­ständlichkeit­en sep­a­rat erwäh­nt wer­den müssen, lässt mich nicht vom Konzept des aufgek­lärten, mod­er­nen Bürg­ers überzeugt sein, fürchte ich.

In den Nachrichten
Kurz gefragt (2): Omid Nouripour!

Herr Nouripour, MdB im Auf­trag der Grü­nen,

wie Sie da Ihr Welt­bild via WELT ONLINE kon­se­quent vor­leben, ist sich­er vor­bildlich, aber ich hätte da ein paar Fra­gen:

Bushi­do ist ein Aufmerk­samkeitspar­a­sit. Das beste Mit­tel dage­gen ist: Ignori­eren!

Frage: Warum reden Sie dann darüber?

Irgend­wann wird dem let­zten Fan auf­fall­en, dass dieser Typ ein Glaub­würdigkeit­sprob­lems (sic! A.d.V.) hat.

Frage: Sie sind Poli­tik­er der “Grü­nen” (das waren die mit dem Krieg), richtig?

Ich war nie Oberli­ga, aber bess­er als Bushi­do kann ich bis heute noch rap­pen.

Frage: Sollte man Sie, Herr Nouripour, jet­zt eigentlich auch ignori­eren?

Nur so inter­esse­hal­ber jet­zt.

MusikNetzfundstücke
“Deine” Musik und meine Musik

Wenn ich in die Bib­lio­thek gehe und mir ein Buch auslei­he, das ich gegen eine geringe Gebühr lesen und kopieren, aber nicht im Orig­i­nal behal­ten darf, ist es dann mein Buch?

Wenn ich in die Videothek gehe und mir eine DVD auslei­he, die ich gegen eine geringe Gebühr lesen und kopieren, aber nicht im Orig­i­nal behal­ten darf, ist es dann meine DVD?

Wenn ich in eine Dis­cothek gehe und mir eine Plat­te anhöre, die von einem DJ gegen eine geringe Gebühr gespielt wird, ist es dann meine Plat­te?

Wenn ich auf Spo­ti­fy (“Deine Musik über­all”), WiMP (“… deine Musik immer dabei”) oder andere Musik­stream­ing­seit­en gehe und ein Lied abspiele, das ich gegen eine geringe Gebühr hören und kopieren, aber nicht im Orig­i­nal behal­ten darf, ist es dann meine Musik?

Schöne, neue, besit­zlose Welt.


Mal was anderes: Gestern hat­te @schwarzblond auf Twit­ter, Her­rn Urbach nicht unähn­lich, bekan­nt gegeben, sie werde aus der Piraten­partei aus­treten, sofern ein Mit­glied des Bun­desvor­stands nicht unverzüglich sein Lob für einen anderen Pirat­en, der sich ihrer Mei­n­ung nach falsch ver­hal­ten hat­te, zurück­nehme. Ich empfehle solchen Vor­fällen übri­gens stets mit Gle­ichgültigkeit zu begeg­nen. Wer seine Mit­glied­schaft in einem nahezu beliebi­gen Vere­in davon abhängig macht, ob ein anderes Mit­glied den eige­nen Wün­schen entspricht oder nicht, der ist in diesem Vere­in tat­säch­lich falsch und sollte nicht am Gehen gehin­dert wer­den. Gerücht­en zufolge ist Frau @schwarzblond übri­gens immer noch da.

In den NachrichtenNerdkrams
Nachtrag zum Thema digitale Mündigkeit: “Nutz’ Linux, da wirste nich’ ausspioniert!”

Die Lösung für alle Überwachung­sprob­leme laut Twit­ter: “Skype und Face­book wer­den überwacht! Lasst es uns unter Lin­ux nutzen!”


Auch und ger­ade vor dem Hin­ter­grund der NSA-betriebe­nen total­en Überwachung und mein­er Auf­forderung zu mehr dig­i­taler Mündigkeit werde ich gele­gentlich spöt­tisch gefragt, warum ich auf einem mein­er Sys­teme nach wie vor auf Win­dows set­ze, das böse Win­dows mit dem NSAKEY von dem bösen Microsoft, das sich per­fider­weise an die Geset­ze hält, und nicht eben­falls auf FreeB­SD oder andere ver­meintlich über­legene (weil offene) Sys­teme. Beson­ders häu­fig ernte ich diese Kri­tik von Lin­uxnutzern. Das ist ein wenig merk­würdig.

Dass der Quell­code von Lin­ux näm­lich weit­ge­hend offen ver­füg­bar ist, bedeutet noch keine Fehler­frei­heit oder Sicher­heit. Veröf­fentlichte Sicher­heit­slück­en in ver­bre­it­eten Lin­ux­di­en­sten bis hin zu Kernkom­po­nen­ten (etwa su/sudo) sind nahezu an der Tage­sor­d­nung. Viele Köche sehen mehr, aber sie verder­ben eben auch den Brei. Auch unter Umstän­den kri­tis­che Lück­en bleiben da schon mal monate‑, gar jahre­lang unbe­merkt. “Nimm Lin­ux, da fall­en Fehler schneller auf”. Hier hast du 2 Mil­liar­den Zeilen Quell­code der aktuellen Ver­sion, der mor­gen schon wieder ver­al­tet ist, guck sel­ber, ob da irgen­dein Hin­tertürchen drin ist. Es ist schön, dass ihr den Quell­code the­o­retisch ken­nen kön­nt, aber ver­traut ihr ihm? Wenn ja: Warum?

Es gibt keine fehler­freie Soft­ware, das sollte jedem Com­put­er­nutzer klar sein. Aber kann es nicht auch sein, dass die NSA sich selb­st Hin­tertüren in Win­dows einge­baut hat? — Möglich ist das natür­lich. Die NSA ist poten­ziell unser Feind, das hat jed­er außer der Kan­z­lerin wahrschein­lich bere­its gemerkt, und ihre Bon­bons sind höchst­wahrschein­lich vergif- oh:

SELin­ux wird maßge­blich von der NSA und von dem Lin­ux-Dis­trib­u­tor Red Hat entwick­elt. (…) Für Ker­nel 2.4.x gibt es einen Patch, in Ker­nel 2.6.x ist SELin­ux direkt inte­gri­ert.

“Nimm Lin­ux, das ist sich­er vor der NSA”. Klar, der Quell­code ist offen. Und — habt ihr ihn über­prüft? Aber ich ver­ste­he schon: Die Lin­ux-NSA ist gut und die Win­dows-NSA ist böse. So ein­fach geht das. Und eigentlich ist ja auch nicht die NSA schuld, son­dern Microsoft und Google und Face­book und Apple sind schuld, dass sie Dat­en ihrer Benutzer her­aus­geben. (Dass Microsoft dies aus­drück­lich verneint hat, wird gern vergessen.) Bei PRISM ging es im Übri­gen — das wird bei diesem The­ma gern vergessen — auch nie darum, ob irgendwelche Hin­tertüren in Betrieb­ssys­te­men vorhan­den sind, vielmehr ermöglicht es Geheim­di­en­sten ange­blich, auf live geführte Kom­mu­nika­tion und gespe­icherte Infor­ma­tio­nen bei den beteiligten Inter­netkonz­er­nen zuzu­greifen. Angriff­sziel von PRISM sind also nicht “eure Com­put­er”, es ist die cloud. Die cloud, das sind Google Dri­ve und Google Mail und die iCloud und Face­book und Win­dows Azure und Win­dows Sky­Drive und Drop­box und Ubun­tu One und auch eure “im eige­nen Land”, aber eben meist auf fremder Hard­ware liegende own­Cloud. Das Betrieb­ssys­tem, mit dem wir unsere Dat­en hochladen, ist hier­bei vol­lkom­men uner­he­blich. PRISM ist keine Samm­lung von Tro­jan­ern, die direkt auf dem Lap­top Bilder von euren Briefen und Mails machen. Das Prob­lem ist nicht das Betrieb­ssys­tem, das Prob­lem sind die ach-so-nüt­zlichen Pro­gramme, mit denen ihr eure Dat­en bear­beit­et. Office 365, Pho­to­shop Cre­ative Cloud, Google Dri­ve — ihr lasst nicht nur zu, dass “eure Soft­ware” nicht mehr euch gehört, ihr spe­ichert die damit erstell­ten Werke auch auf frem­den Rech­n­ern, ist halt so prak­tisch.

Richtig ist hinge­gen, dass es wichtig ist, die Integrität der eige­nen Dat­en stets zu gewährleis­ten. Ob man nun seine Mails mit GnuPG ver­schlüs­selt (das geht unter Win­dows übri­gens mit The Bat! deut­lich leichter als mit dem stroke­li­gen Thun­der­bird, das in diesem Zusam­men­hang gern genan­nt wird), im instant mes­sen­ger sein­er Wahl stan­dard­mäßig OTR-Ver­schlüs­selung aktiviert oder seine Drop­box absichert: Welch­es Betrieb­ssys­tem ihr dafür ver­wen­det, bleibt allein euren Vor­lieben über­lassen. Ihr wollt ver­hin­dern, dass die NSA eure Dat­en bekommt? Vielle­icht soll­tet ihr sie ihr dann ein­fach nicht unge­beten in den Briefkas­ten wer­fen.

Und — sind eure Dat­en sich­er?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXX (2): Wir, die Staatsfeinde, leben wenigstens nicht in der DDR.

Wisst ihr noch, als der Regierungssprech­er die Abhör­si­t­u­a­tion in Deutsch­land mit dem Kalten Krieg ver­glichen hat? Nun, wir haben Glück gehabt, so schlimm ist es nicht, sagt die Kan­z­lerin:

Die Bun­deskan­z­lerin stellt sich in der NSA-Abhöraf­färe hin­ter die deutschen Geheim­di­en­ste. (…) Sie wün­sche sich, “dass wir die notwendi­ge Diskus­sion mit den Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka in einem Geist führen, der bei allen mehr als berechtigten Fra­gen nie ver­gisst, dass Ameri­ka unser treuester Ver­bün­de­ter in all den Jahrzehn­ten war und ist.”

Wie eben die Sow­jets immer die treuesten Ver­bün­de­ten der DDR waren, wenn man ein Herr-und-Sklaven-Ver­hält­nis denn zum Bünd­nis per­vertieren möchte; ich zum Beispiel kann mich nicht daran erin­nern, dass “Ameri­ka” Deutsch­land in den let­zten paar Jahrzehn­ten irgen­deinen Gefall­en getan hätte.

Dass deutsche Bürg­er indes von mehreren Staat­en aktiv bespitzelt wer­den, hat mit der Arbeit der Stasi, mit der das gern ver­glichen wird, über­haupt nix zu tun!!1:

“Für mich gibt es über­haupt keinen Ver­gle­ich zwis­chen der Staatssicher­heit der DDR und der Arbeit der Nachrich­t­en­di­en­ste in demokratis­chen Staat­en. (…) Die Arbeit von Nachrich­t­en­di­en­sten in demokratis­chen Staat­en war für die Sicher­heit der Bürg­er immer uner­lässlich und wird es auch in Zukun­ft sein.”

Ach so. Sicher­heit! So kann man es auch sehen: Wir müssen nie wieder Angst vor Daten­ver­lust haben, es gibt ja ein Back­up.

Wer hat noch mal dieses Pack gewählt?

PersönlichesMusik
Mein Musikfaschismus: Die “andere” Geschichte.

Ich hat­te im August 2010 unter dem Titel “Mein Musik­faschis­mus” unter anderem geschrieben:

Mit dem “Sound­track meines Lebens” (…) untrennbar ver­bun­den sind und bleiben so die Texte der Ärzte, der Toten Hosen und der Fan­tastis­chen Vier. Aber das ist eine andere Geschichte.

Vielle­icht ist es an der Zeit, euch diese Geschichte zu erzählen. Keine Sorge: Sie ist trotz ihrer Zeitspanne recht kurz.

In jun­gen Jahren war ich, wie so viele mein­er Altersgenossen, noch leicht zu beein­druck­en von deutschsprachiger Rock­musik. Über das Radio geri­et ich an Die Ärzte, über Fre­unde an Die Toten Hosen (“Zehn kleine Jäger­meis­ter” — wenn man 14 oder 15 ist, find­et man das zum Brüllen). Wie genau ich an die Fan­tastis­chen Vier ger­at­en bin, weiß ich heute nicht mehr — wahrschein­lich trägt eben­falls das Radio die Schuld. “Arschloch! Arschloch! Arschloch!” war tat­säch­lich die zweite Liedzeile, die ich in meinem Leben bewusst auswendig kan­nte; die erste lautete: “Hörst du die Glock­en von Stel­la Maria, von Stel­la Maria, von Stel­la Maria?”. — Ich hat­te, wie erwäh­nt, eine musikalisch gese­hen nicht unbe­d­ingt tolle Kind­heit.

Mit meinem ersten ernst zu nehmenden Liebeskum­mer wenige Jahre später fie­len also die Ken­nt­nis der Lied­texte von Für uns (Die Ärzte), Der Froschkönig (Die Toten Hosen) und Sie ist weg (Die Fan­tastis­chen Vier). Das sind vielle­icht keine ide­alen musikalis­chen Voraus­set­zun­gen für die Ver­ar­beitung der ver­flosse­nen ersten Liebe, und geholfen hat es auch nicht, aber das wohl wesentlich hil­fre­ichere “OK” von Farin Urlaub lag mir damals noch nicht so nahe. Heute erscheint es mir wahrschein­lich, dass ich seel­is­chen Schmerz immer mit Gegen­schmerz zu bekämpfen ver­suchte statt ihn mit fröh­lichem Pop zu übertö­nen. Por­tu­gal. The Man wären ver­mut­lich eben­falls in der Lage, mich aus der dama­li­gen seel­is­chen Lage zu befreien, aber ich hat­te es schlicht nicht ver­sucht.

Einige Jahre später lernte ich eine Frau ken­nen, die wie ich die Fan­tastis­chen Vier vor allem wegen ihrer Texte zu schätzen wusste. Wir hörten oft “Viel” und teil­ten unser Leid, dass sich in den Tex­ten eigentlich unser ganzes Leben spiegelte. Als sie irgend­wann, wie ich es längst gewohnt war, das Inter­esse an mir ver­lor, begann für mich auch der Text von “Ewig” etwas Per­sön­lich­es zu bedeuten, und immer wieder auch “Der Froschkönig” und später “Nichts in der Welt”. Dass junge Men­schen heutzu­tage ihren Kum­mer meist (wenn schon nicht in Alko­hol) in englis­chsprachigem Pop oder manch­mal Grunge ertränken, kann ich insofern nur begren­zt ver­ste­hen. Kurt Cobain (oder Tay­lor Swift) mochte gele­gentlich Ähn­lich­es besin­gen wie das, was im Herzen der unglück­lich Ver­liebten vor sich geht, aber das Herz spricht nun mal die Mut­ter­sprache, auch dann, wenn man als unglück­lich ver­liebter Teenag­er “i miss u” in Baum­rinden (und auf virtuelle Pin­nwände) ritzt und dabei “ich ver­misse dich” fühlt. Zum Fühlen ist so ein Herz nie zu bequem, und das ist eigentlich ärg­er­lich. Vielle­icht ist auch das eine Man­i­fes­ta­tion meines Musik­faschis­mus’: Gefühls­be­wäl­ti­gung mit englis­chsprachiger Pop­musik kann ich nicht ernst nehmen.

Part­ner­in­nen also, ob nun mit enger oder nahezu ohne Bindung gegenüber einan­der, kamen und gin­gen, sie blieben nie lange. Zurück aber blieben immer die Toten Hosen, die Ärzte und die Fan­tastis­chen Vier mit ihren zeit­losen Tex­ten, die so überzeu­gend wie son­st wohl nur wenige die Emo­tion­swelt eines Ver­lasse­nen abzu­bilden und nicht nur zu para­phrasieren ver­mö­gen und so das Leid des Hör­ers teilen, statt ihm nur die kalte Schul­ter zum Ausweinen zu zeigen.

Dafür soll­ten wir diesen Kün­stlern ewig dankbar sein.

SonstigesIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXII: Warum Verlierer nicht gegendert werden

Da die Medi­en gern Stu­di­en bemühen, um die Diskri­m­inierung irgendwelch­er Men­schen­grup­pen zu bele­gen (ich berichtete), kann es heil­sam sein, gele­gentlich auf einan­der wider­sprüch­liche Stu­di­en aufmerk­sam zu machen. Medi­enkom­pe­tenz will gel­ernt sein.

Im Gegen­satz zu den Stu­di­en, die eine struk­turelle, gesellschaftliche Diskri­m­inierung auss­chließlich der Frauen diag­nos­tizieren, ste­ht zum Beispiel eine Daten­er­he­bung des Sta­tis­tis­chen Bun­de­samts, die Wal­ter Holl­stein — ein Mann, ver­ste­ht sich — auf Sueddeutsche.de zusam­men­fasst. Ich gehe davon aus, dass bere­its dieser Satz manchen ver­meintlich aufgek­lärt-pro­gres­siv­en Leser zu der Behaup­tung ver­leit­en wird, dass ein Mann gar nicht fähig sei, objek­tiv über Geschlechter­rollen zu bericht­en. Nur: Wer dann?

Also, der Herr Holl­stein so (teils zitieren­der­weise):

“Medi­en und Frauen haben Män­nern über Jahrzehnte erzählt, sie seien über­flüs­sig, gewalt­tätig, dumpf und sowieso ein Irrtum der Natur. Da ist es doch kein Wun­der, dass sie keine Stützen der Gesellschaft wer­den wollen.” (…) In den ver­gan­genen vier Jahrzehn­ten sind Tren­nun­gen und Schei­dun­gen zu etwa 75 Prozent von Frauen aus­ge­gan­gen. Nun sor­gen Män­ner vor, indem sie sich erst gar nicht mehr auf eine Beziehung ein­lassen — vor allem nicht auf eine, die staats- und standesamtlich zemen­tiert wird. (…) Die Poli­tik ist an dieser Entwick­lung nicht unschuldig. Sie hat über vier Jahrzehnte hin­weg nur Mäd­chen und Frauen gefördert. Das ange­blich so starke männliche Geschlecht hat sie vergessen.

Ich mein­er­seits bedanke mich bei Wal­ter Holl­stein dafür, dass ich nun endlich weiß, dass meine gele­gentlich ver­spürte Ein­samkeit nur ein Zeichen mein­er Frei­heit ist.

(Super-Sym­bol­fo­to auch: “Beim Käserollen am Cooper’s Hill in Glouces­ter, Großbri­tan­nien, kugeln junge Män­ner den Berg hin­unter.” Ich hat­te mir mein Leben irgend­wie anders vorgestellt.)

ProjekteNerdkrams
Neues: eMule beba 2.72 sowie OpenDownload² 3.4.2

Für diejeni­gen unter euch, die hier mitle­sen, weil sie gern Neues von meinen eher tech­nis­chen Pro­jek­ten erfahren möcht­en, gibt es übri­gens wieder zwei Nachricht­en zu ver­melden. Ich bitte um Beach­tung sowie um Verzei­hung für die außer­plan­mäßige Unter­brechung des gewohn­ten Ablaufs.

Erstens:
Vor ein paar Tagen habe ich Open­Down­load² aktu­al­isiert. Diese Erweiterung rüstet den “Ausführen”-Knopf für Down­loads in den Browsern Fire­fox und Sea­Mon­key nach. Sie hat nun ein eigenes Sym­bol bekom­men und macht hof­fentlich weniger Fehler beim Erken­nen, wann eine Datei aus­führbar ist und wann nicht. (Nach­trag von Mitte August 2013: Nein, macht sie nicht — eine neuere Ver­sion ist bere­its hochge­laden wor­den.)

Zweit­ens:
Ich habe heute endlich die Arbeit an eMule beba 2.72 been­det. Es wurde ein langjähriger, größer­er (aber blöder) Fehler behoben, der die Bew­er­tung von Clients in der Warteschlange unter Umstän­den inko­r­rekt vor­nahm. Außer­dem wurde die Ver­sion­süber­prü­fung verbessert.

Fra­gen und Anre­gun­gen zu diesen Pro­jek­ten, ins­beson­dere zu den neuen Ver­sio­nen, nehme ich wie gewohnt unten im Kom­men­tar­bere­ich ent­ge­gen. Besten Dank für die Aufmerk­samkeit.