Und was, wenn nicht?
Kurz verlinkt CXVII: Brüste, Bärte und Bäume.
Zum Glück studiere ich Informatik:
Weil es an ihrer Uni zu wenige Tutoren gibt, haben Berliner Sportstudenten bei einen Akt-Kalender mitgewirkt, in dem sie nackt zu sehen sind.
Ich finde ja, die Fakultät für soziale Arbeit an „meiner“ Hochschule hat auch deutlich zu wenige Tutoren. Wie wär’s?
Andere Kulturen, andere Sitten:
Mit der einen Hand packte er den langen Bart (…) und mit der Schere in der anderen Hand schnitt er entschlossen die grauen Strähnen ein Stück unterhalb des Kinns ab. (…) Dieses Foto und andere Bilder ähnlich brutaler Bart- und Haarschneideaktionen (…) sind jetzt wichtige Beweisstücke vor einem Bundesgericht in Cleveland (Ohio).
(Hervorhebung von mir.)
Eigentlich fehlt doch da nur noch irgendwo das Präfix „Terror-“, oder?
In weiteren Nachrichten: Mutige und couragierte AntifaschistInn_ösen fällten nachts einen Baum gegen Rechts.
Tapfer, tapfer. Es ist jedoch inkonsequent, dass das Bekennerschreiben auf Deutsch, der Sprache von Militarismus und Deutschtümelei (Auszug aus der Begründung für’s Abhacken der deutschen Eiche), verfasst wurde. Vielleicht wäre Französisch die klügere Wahl gewesen.
muspy: Musikneuheiten per RSS und Mail
Vor ungefähr einem Jahr gab der britische Musikjournalist Simon Reynolds zu Protokoll, Musik sei die entscheidende Kunstform, weil an ihr die Zeit quasi ablesbar sei. Dabei sieht das mit der Zeit, glaubt man den Medien, nicht unbedingt rosig aus: In einer Zeit schneller Internetverbindungen kauft doch keiner mehr Musik, einself.
Dabei lassen sich die Medien von der Realität nicht blenden: Musikfreunde, die Musik nicht nur beim Bügeln und Autofahren hören, geben sich mit Dreißig-Sekunden-Schnipseln auf Amazon.de eben nur ungern zufrieden und hören lieber etwas ausführlicher, wie die Katze im Sack miaut: [Die Studie zeigt], dass mehr illegale Downloads zu mehr verkauften Alben führen.
Wie aber bemerkt man, dass die Lieblingskünstler ein neues Album veröffentlicht haben, ohne jedes Musikmagazin zu kaufen und jedes Musikblog zu lesen? Nun, das vermeintlich tote RSS könnte die Lösung sein.
Seit mehreren Jahren protokollieren viele Musikfreunde, unter anderem ich, ihre Hörgewohnheiten per Last.fm. Dessen Datenbank, befüllt unter anderem von den Benutzern des Dienstes, kennt so obskure Künstler, dass es doch wünschenswert wäre, gäbe es eine Möglichkeit, bei Neuzugängen automatisch informiert zu werden. Dies haben sich auch andere Leute gedacht, und so hat es sich ergeben, dass in den letzten paar Jahren viele Webdienste entstanden, die auf genau diese Funktion spezialisiert sind.
Der einfachste dieser Dienste ist wahrscheinlich music-alerts. Auf der Website ist eine kommagetrennte Liste der zu verfolgenden Künstler einzugeben und ein Spamschutz zu überwinden, anschließend wird ein RSS-Feed generiert, der den Abonnenten per Amazon.com-Abfrage auf dem Laufenden hält.
Etwas weiter geht der registrierungspflichtige (aber anscheinend kostenlose) Album Reminder: Die Künstler müssen nicht mehr per Hand eingegeben werden, sondern können direkt aus iTunes und dem eigenen Last.fm-Profil heraus importiert werden. Es ist auch möglich, per E‑Mail statt per RSS-Feed über neue Musikalben (erneut via Amazon-Abfrage) informiert zu werden.
Ich selbst verwende momentan muspy, das (was ich für gesondert erwähnenswert halte) auf einem FreeBSD-Server läuft, auf die MusicBrainz-Datenbank zurückgreift und außer meinem Last.fm-Konto angeblich auch ein eventuell vorhandenes Facebook-Profil für den Import nutzen kann – letzteres ist dann von Bedeutung, wenn man blöd genug war, einen ebenfalls eventuell vorhandenen Spotify-Zugang mit Facebook zu verknüpfen, womit immerhin ein indirekter Import von Spotify in muspy möglich wäre.
Ich mache mal ein Beispiel.
Nach der Registrierung – gefragt sind lobenswerterweise nur E‑Mail-Adresse und Passwort – und anschließender Anmeldung ist die Seite „Artists“ zugänglich. Hier können Künstler manuell eingegeben werden, ansonsten kann muspy auch auf Last.fm zugreifen. Auf der Importseite genügt es hierfür, den eigenen Last.fm-Benutzernamen sowie die gewünschte Suchtiefe (etwa: die Top-100-Künstler der letzten 12 Monate) einzugeben.
Einen Klick auf „Import“ und eine Bestätigung später befüllt muspy die eigene Künstlerliste dann nach und nach. Das Editieren ist natürlich möglich; wenn in die erzeugte Liste aus irgendeinem Grund also irgendein Scheiß (zum Beispiel Placebo) gelangt sein sollte, ist er zwei Klicks später wieder draußen. Die Künstler werden alphabetisch sortiert aufgelistet:
Standardmäßig informiert muspy per E‑Mail über Neuerscheinungen der „abonnierten“ Interpreten. Dies lässt sich in den Einstellungen unterbinden, wo auch festgelegt werden kann, dass zum Beispiel nur Studioalben (keine Liveaufnahmen, Kompilationen und dergleichen) von Belang sind. In den Einstellungen und oben in der Navigationsleiste befindet sich ein RSS-Symbol, über das der RSS-Feed zur Verfügung steht:
Dieser RSS-Feed lässt sich dann mit jedem RSS-Leser (etwa RSSOwl, FeedDemon oder den Firefox-„Livemarks“) verfolgen:
Ich nehme an, die anderen genannten Dienste funktionieren ähnlich.
Zugegeben: Für den Gelegenheits-Musikhörer ist ein solches Angebot allenfalls ein störendes Hintergrundrauschen. Für diejenigen aber, die Musik so sehr schätzen, dass sie oft den Wald vor lauter Bäumen aus den Augen verlieren, ist es ein willkommenes und nützliches Werkzeug, das ich denen, die sich jetzt angesprochen fühlen, mit diesem Artikel wärmstens empfehle. Möge es funktionieren.
Die totalitäre Merkbefreiung der Anti-Atom-Lobby
Apropos Quark: Wenn man sich selbst davon überzeugen möchte, dass die piratenparteieigene AG „AntiAtomPiraten“ (nur echt mit BinnenMajuskeln) genau das tut, was sie der AG Nuklearia vorwirft, nämlich mittels der Verbreitung von Halb- bis Unwahrheiten über verschiedene Energieformen den Wähler zu verarschen, dann genügt es eigentlich schon, auf ihrer (den „AntiAtomPiraten“ ihrer) Website vorbeizuschauen. Vorsicht: Ein robuster Magen ist Voraussetzung für das schmerzfreie Weiterlesen.
Da steht nämlich zum Beispiel dies:
Der Solarstrom kann hervorragend dazu genutzt werden, die Spitzenlasten tagsüber abzudecken. Der dynamische Anteil an benötigter Energie ist nahezu deckungsgleich mit den Zyklen der Photovoltaik. Scheint weniger Sonne, gibt es meist mehr Wind.
Davon, dass die Effizienz der Photovoltaik eher ein Zufallsfaktor ist, ist natürlich keine Rede. Ebenso natürlich ist es aber, dass die „AntiAtomPiraten“ diesem Einwand bereits etwas entgegenzusetzen haben:
In den letzen 10 Jahren blieb der Verbrauch an Primärenergie in Deutschland nahezu konstant, mit leicht fallender Tendenz.
Dass das mit ziemlicher Sicherheit etwas damit zu tun hat, dass in den letzten 10 Jahren viele Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagert haben, wo sie – natürlich mit Atomstrom, denn alle anderen Länder bauen ihre Kernkraftnetze aus gutem Grund weiter aus – weit preisgünstiger arbeiten können als hier, ist offensichtlich, wird aber natürlich ebenfalls nicht erwähnt. Augenwischerei durch gezieltes Weglassen von Fakten ist auch wieder etwas, was nur verwerflich ist, wenn es die Bösen machen.
Dieser Verbrauch – mit Physik hat man es in der Ökolobby offenbar nicht so – von Energie könne problemlos aufgefangen werden, indem man einfach ein Feld von der Größe Hessens plattmacht und Sonnenkollektoren und Windkrafträder oder gleich Windkrafträder aus Sonnenkollektoren hinstellt. In flauen Sommernächten hat man dann halt ein Problem; dies gerade auch dann, wenn man (zu Recht) davon ausgeht, dass die angepeilten (lächerlichen) vierzig Prozent Wirkungsgrad von verbrauchertauglichen Solarzellen in absehbarer Zeit nicht ansatzweise erreicht werden:
Die im Moment erhältlichen Standard-Solarzellen haben einen Wirkungsgrad von bis knapp über 20%.
Wenn also einfach jeder Autofahrer einen Sonnenkollektor von der ungefähren Größe eines halben Fußballfeldes auf sein Dach schnallen würde, wäre zumindest das Energieproblem im Straßenverkehr auch langfristig gelöst. Jedenfalls im Sommer. Juppheidi.
Im Winter steht man, geht es nach den „AntiAtomPiraten“, als fortschrittlicher (kernkraftfreier) Bürger vor ganz anderen Problemen, denn Heizen ist nicht erwünscht:
Alleine durch 100% generative Stromerzeugung und Elektromobilität verringert sich der Bedarf an Primärenergie um etwa 40% (!), die wir bisher als Abwärme an die Umwelt abgeben.
Immerhin ist Standheizung erlaubt.
Alles in allem sind die Berechnungen der „AntiAtomPiraten“ in vorliegender Form zwar theoretisch korrekt, ihre Grundlage jedoch, nämlich das Erreichen eines maximalen Wirkungsgrades, von dem die vorgeschlagenen Energiequellen zurzeit noch weit entfernt sind, ist bisher praxisferner als die von der AG Nuklearia vorgeschlagenen neuen Reaktortypen zur Aufbereitung vorhandenen Atommülls (damit meine ich ausnahmsweise nicht die Disney-„Stars“).
Aber für eine gute Sache darf man anscheinend auch im Namen der Piratenpartei den Bürger belügen.
(Mit Dank an B.!)
LazyTown – You Are A Pirate
Die inhaltliche Arbeit auf im Vorfeld dieses Artikels erwähntem Landesparteitag des niedersächsischen Landesverbandes der Piratenpartei Deutschland, der letztlich erfolgreich verlief, lässt den Quark und Gegenquark der nach außen getragenen innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten dann momentan auch mal vergessen, was ja auch mal ein interessantes Gefühl ist.
Ungefähr so:
(Erleichterung und leckere Himbeeren.)
Guten Morgen.
#lptnds123
Zwei Minuten nach „Beginn“ und somit fast eine Stunde vor Beginn ist es voller Menschen, die sich darüber freuen, dass es noch nicht begonnen hat. Es gibt schlechte Mate und schlechten Kaffee.
Klarmachen zum Dings.

#lptnds123 Vorbereitung

Nur so.
Kurz verlinkt CXVI: Ermittler finden Wasser im Mittelmeer
Ermittler finden NPD-Wahlplakate bei Neonazis
Das ist dermaßen dämlich, dass es den Ermittlern selbst nicht aufgefallen ist. Stattdessen frohlocken sie:
„Das kann ein weiterer Baustein sein. Wenn eine echte Chance zu einem Verbot besteht, sollten wir das machen“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) SPIEGEL ONLINE.
Außer der kreuzdämlichen Überschrift ist auch folgender Gedanke erwähnenswert: Vielleicht sollten die Neonazis also künftig stattdessen Unheilig-Plakate sammeln, um auch dort ein Verbotsverfahren zu vereinfachen, immerhin sei dies, so SPIEGEL ONLINE, ein eindeutiger Beleg für die enge Zusammenarbeit mit besagter „Musikgruppe“. Ein positiver Nebeneffekt wäre es, dass niemand in diesem Land mehr Unheilig hören müsste, wenn er zufällig an einem Radio vorbeigeht.
Falls hier zufällig ein Neonazi mitliest: Ginge das vielleicht?
Danke im Voraus!
Ein reines Gewissen für wenig Geld
Für die (Achtung, Bonuswitz) Wirtschaftswoche stellte Sebastian Matthes am dieswöchigen Montag fest, dass die Reste seiner geliebten CD-Sammlung, die er jahrelang liebevoll aufgebaut und die man ihm in Studententagen schließlich teilweise entwendet hatte, mit dem Deutschlandstart von Spotify, dem Streamingdienst, den ich bereits vor einem Jahr weitgehend ignorierte, für ihn völlig an Bedeutung verloren haben. Jahrelang investiertes Herzblut hin oder her, es ist eben so praktisch, für nur fünf bis zehn Euro im Monat kaputtkomprimierte Versionen der Musik hören zu können, die man sonst gekauft hätte. Herr Matthes muss einen ziemlich langweiligen Musikgeschmack haben, immerhin sind bekannte Musikgruppen wie die Beatles und King Crimson aus vertraglichen Gründen nicht bei Spotify vertreten.
Aber Spotify ist nun mal das neue kommende Ding, für das man auch mal seine Ansprüche an die Tonqualität herunterschraubt: Unter dem Strich steht (für 2011, A.d.V.) ein Verlust von 375 Millionen Kronen (zum damaligen Eurokurs etwa 40 Millionen Euro), 2010 belief sich das Minus auf 235 Millionen Kronen. Das bedeutet, in absehbarer Zeit dürften die Einschränkungen der kostenfreien Version von Spotify erweitert werden, um den Verlust aufzufangen – großartige Aussichten für die Nutzer alternativer Dienste wie etwa Grooveshark.
Dass Grooveshark, anders als Spotify, zurzeit keine Lizenzgebühren an Künstler zahlt, nennt netzwertig.com-Autor Martin Weigert als einen Grund, Spotify trotzdem zu bevorzugen, und sei’s nur für das Gewissen:
CDs im Regel zu haben, wenn man schon Jahre lang nix mehr kauft, halte ich für ein maximal das eigene Gewissen beruhigendes Argument.
Dass ich auf Streamingdienste als Ersatz für eine anständige Musiksammlung teilweise verzichte und stattdessen auch weiterhin Tonträger kaufe, wusste Herr Weigert hier noch nicht. Der Gedanke ist aber interessant: Um Künstler zu unterstützen, muss man nicht ihre Konzerte besuchen oder ihre Tonträger erwerben, sondern kann auch einfach für fünf Euro im Monat (oder komplett gratis, Spotify zahlt’s ja eh‘) unbegrenzt ihrem output lauschen. Ein Spotify-Abonnement – ähnlich Simfy – als Ablassbrief?
Pro Lied bekommen die Rechteinhaber 0,41 Cent (also 0,0041 Euro) von Spotify, die sie sich dann irgendwie mit den Interpreten, also den eigentlich Kreativen, teilen dürfen. Nach dem neuen Mercedes bleibt eben nicht mehr viel übrig. Wäre ich Spotify-Kunde, mein Gewissen wäre alles andere als rein, würde ich deshalb auf den Kauf von richtigen Musikalben verzichten.
Spotify ist allenfalls ein valider Ersatz für Radio, das ja in einer noch immer sehr verbreiteten Form (per Rundfunk, nicht per Internet) nicht unbedingt durch Vielfalt besticht:
Radio. Spielt einfach den ganzen Tag genau das, was sich zur Zeit eh die meisten Leute kaufen, um es sich zu Hause anzuhören. So logisch.
Je öfter ein Lied im Supermarktradio (oder in einem anderen Radio, das ich gerade versehentlich höre) gespielt wird, desto weniger habe ich persönlich Lust darauf, Geld auszugeben, um es – das Lied – in physischer Form zu besitzen. Viel interessanter und vermutlich auch für die Verkaufszahlen förderlicher wäre es doch, würden Radiosender mehr „B‑Seiten“ von den eigentlichen singles der bekannten Künstler spielen oder gelegentlich auch mal Lieder von Musikern propagieren, die gerade nicht in irgendwelchen Hitparaden (inklusive Oldie-Hitparaden) die Plätze 1 bis 100 belegen.
Der englische Moderator John Peel hat gezeigt, dass es funktioniert. Ich wüsste wirklich gern, was unsere öffentlich-rechtlichen Sender (beziehungsweise ihre Verantwortlichen) daran hindert, ähnliche Größe zu beweisen. Eine Einschaltquote ist staatlich finanzierten Sendern ja zumindest in der Theorie gänzlich unwichtig.
Aber wer Vielfalt will, der kann ja auch einfach ins Internet gucken. Schönen Dank auch.
De sententiolis praeconialibus non comprobatis
Offenbar sind viele Werber hierzulande mit ihrem Latein bereits am Ende.
Zu einem neuen Produkt gehört (dazu weiter unten mehr) in aller Regel auch ein einprägsamer Wahlspruch. Im norddeutschen Raum bekannt sind etwa die jovialen slogans der Getränke fritz-kola („vielviel Koffein“) und Kalte Muschi („Rotwein Cola Zeugs (sic!). Schmeckt.“).
Dabei haben nicht alle Firmen so ein glückliches Händchen. „Volkswagen – das Auto“ etwa ist zwar einprägsam, aber auch reichlich bescheuert, denn was außer einem Auto soll so ein Volkswagen denn sonst sein? Und was ist dann zum Beispiel ein Porsche? Konsequent sind immerhin die Verantwortlichen für Burger King, die ihr „Have it your way!“, also „Bekommt es, wie ihr es wollt!“, vor einigen Jahren konsequent verfolgt und in den Filialen selbst die Stufen zum Mitarbeiterklo sinngemäß so beschriftet haben: „Vorsicht, Stufe! Sie können diese Warnung auch ignorieren, dann könnten Sie stolpern und sich weh tun, und das wollen wir nicht. Entscheidend ist aber, was Sie wollen!“
Das war wenigstens noch lustig.
In der Spirituosenabteilung eines mir genehmen Lebensmittelfachgeschäfts erblickte ich heute Getränke der Marke Steinhäger. Eines von ihnen – nicht der bekannte Schinkenhäger – besitzt offenbar, glaubt man dem Wortlaut seines Etiketts, einen eigenen slogan in vornehmem Latein: „bibite quod bonum est“.
Nun hat das lateinische Wort „quod“ die Eigenschaft, sowohl ein Pronomen als auch eine Subjunktion zu sein, wobei die Verwendung als Subjunktion alternativ auch mittels des Wortes „quia“ möglich wäre, was zumindest eine eindeutige Festlegung ermöglichen würde. Der Satz „bibite quod bonum est“ hat in vorliegender Form jedenfalls zwei mögliche Bedeutungen:
- Trinkt, was gut ist!
- Trinkt, weil es gut ist!
Welche Bedeutung hier zutrifft, ist für den einfachen Kunden schwer herauszufinden, vielleicht genügt es bereits, eine E‑Mail an den Hersteller beziehungsweise dessen Öffentlichkeitsarbeitsabteilung zu senden. Das habe ich bisher nicht ausprobiert. Interessant ist jedenfalls, dass beide Bedeutungen von fragwürdiger Qualität sind.
„Trinkt, was gut ist!“ lädt den Scherzfreund dazu ein, genau deshalb lieber auf ein gutes Pils zurückzugreifen. Ich maße mir an zu behaupten, dass ich ausschließlich trinke, was gut ist; Wacholderschnaps ist indes gegenwärtig nicht darunter. Die Albernheit dieser Variante wird deutlich, wenn man sie auf andere Bereiche überträgt. Man stelle sich vor, der Fernsehsender n‑tv würde beworben mit: „Gucken Sie, was gut ist“. Diesen Sender würde doch niemand mehr ernst nehmen. (Damit würde er sich einreihen in die Riege derer, die es auch nicht besser können, man denke nur an „Mein RTL“.)
„Trinkt, weil es gut ist!“ ist zwar per se eine korrekte Beschreibung, denn wer keine Flüssigkeit zu sich nimmt, wird in absehbarer Zeit sterben, zweifelhaft ist aber der Umstand, dass ausgerechnet das Trinken von Steinhäger-Erzeugnissen nennenswert gut sein soll. (Und auch hier freut sich der Scherzfreund an der Vorstellung, ein obdachloser Trinker würde sein Dasein damit begründen, dass ihm gesagt wurde, es sei gut.)
Wie man dieses Problem löst? Nun, man könnte versuchen, einen guten Wahlspruch auf Deutsch zu erdenken, denn im Deutschen merkt man als Deutsch sprechender Zeitgenosse normalerweise eher als im Lateinischen, wenn man totalen Quatsch schreibt. (Wenn ich andererseits lese, was Leute wie Julia Schramm so in die Medien reinkotzen, bitte ich diese Behauptung mit Vorsicht zu genießen; obwohl ich ehrlich gern wüsste, ob Frau Schramm wenigstens in Fremdsprachen kluge Dinge schreiben kann.) Man könnte aber auch einfach darauf verzichten, für jedes jemals erhältliche Gesöff einen Wahlspruch zu formulieren. Plörre schmeckt auch dann nicht besser, wenn man ihr einen lustigen Aufdruck verpasst.
Bei Musik klappt das doch auch. Oder kennt irgendjemand den slogan von Madonna?
Zola Jesus – Vessel
Und dann eben doch wieder Montag und diese spontane Lust, in eine Zitrone zu beißen und dabei Zola Jesus zu hören.
Guten Morgen.
Medienkritik LXXIII: Für mehr Monokulti!
Für die meist ziemlich scheußliche „taz“ schlug Hanna Gersmann gestern vor, die EU gegen „Elitenbildung“ (H. Gersmann über ihr Idealbild von Europa) zu schützen und Europa zu einem leuchtenden Vorbild in Sachen „Multikulti“ (ebd.) zu machen.
Wirklich ernst zu nehmen ist aber ein anderes Projekt der letzten Monate: die Gegenbewegung zum Urheberrechtsabkommen Acta. Plötzlich interessierten sich Tausende Netzaktivisten für EU-Politik, schrieben Protest-Mails, gingen auf die Straße. Und die EU-Politiker kamen unter Druck, mussten reagieren. Ihre Sprache: zuallererst Englisch. (…) Europa muss (…) im besten Sinne – sagen wir – indischer werden: Englisch wird Amtssprache für alle. Wenn man sie nicht sprechen kann, muss man sie zumindest verstehen können.
Denn genau so funktioniert „Multikulti“ (immer noch H. Gersmann): Indem man die Vielfalt der Sprachen zwar gnädig toleriert, aber als Verkehrssprache eine ganz andere importiert, nämlich von außerhalb Europas. Esperanto, Englisch, ganz egal.
Und natürlich sind auch fremde Religionen in Ordnung, so lange man sie nur im Privaten auslebt, die europäische Einheitsreligion hat doch, bitteschön, das Christentum (bevorzugt Protestantismus) zu sein. Und natürlich ist es völlig angemessen, wenn ein Europäer in seinen eigenen vier oder mehr Wänden Dingen wie Pazifismus, gesunder Ernährung und seinem Hang zur Bildung nachgeht, aber öffentlich ist gefälligst der American Way of Life zu zelebrieren: Waffenvernarrt, überfettet und tendenziell dumm hat der moderne Europäer zu sein, wenn er in gebrochenem Englisch mit seinen deutsch‑, spanisch- oder dänischstämmigen Landsleuten spricht.
Man muss der Versuchung, ein Individuum zu bleiben, widerstehen, um nicht das Projekt Europa zu schädigen:
Wer verhindern will, dass Europa ein Projekt der Eliten bleibt, muss dafür sorgen, dass künftig jeder Europäer zwei Sprachen lernt: Englisch und die eigene Muttersprache.
„Brian: Ihr seid doch alle Individuen.
Volk: Ja, ja, wir sind alle Individuen!
Brian: Und ihr seid alle völlig verschieden!
Volk: Ja, wir sind alle völlig verschieden!“
– Monty Python: Das Leben des Brian
Einer europäischen Elite arbeitet man also effizient entgegen, indem man ihr eine nicht europäische Elite als Vorbild oktroyiert.
So ist sie, die „taz“.
Kurz verlinkt CXV: Mit Feldjägern gegen Kaugummispucker
Schwere Zeiten für Schwarzfahrer, Raser und Leute, die bei Rot über Ampeln gehen: Demnächst werdet ihr nicht nur von Rentnern aufgeschrieben, sondern auch von der Bundeswehr gejagt.
Die Bundeswehr darf auch bei Einsätzen im Inland in Ausnahmefällen militärische Mittel zur Abwehr von Gefahren einsetzen. Das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden.
Diese „Ausnahmefälle“ sind genau so klar definiert wie die Voraussetzungen zum Einsatz des Staatstrojaners, räusper:
In ihrem Beschluss unterstrichen die Verfassungshüter, dass bei einem Einsatz „militärischer Kampfmittel“ strikte Voraussetzungen zu beachten seien. Ein Einsatz zur Abwehr von Terrorangriffen sei nur zulässig bei „Ausnahmesituationen katastrophischen Ausmaßes“.
Solche Ausnahmesituationen sind zum Glück dank des Staatstrojaners inzwischen konkret festgelegt; so könnte man die Bundeswehr künftig einsetzen, um Drogendealer beim Geschlechtsakt zu belauschen. Endlich tut mal jemand was!
(via @bundesamtfvs)
Schöneres Bildergucken mit nomacs
Ach ja, das leidige Thema Bildbetrachtung.
Wie bei Texteditoren hat man die Qual der Wahl, wenn man etwas sucht, um Bilddateien komfortabler als mit den dem Betriebssystem/der Distribution standardmäßig beiliegenden Programmen zu betrachten. Während die „Fotoanzeige“ von Windows klar zu wenig Funktionen für den mehr als nur gelegentlichen Einsatz hat, hat Gwenview (KDE) fast schon zu viele.
Windowsnutzer haben sich in der letzten Dekade überwiegend auf entweder das (großartige, weil angenehm wenig überladene) Freeware-Programm IrfanView oder seinen französischen Konkurrenten XnView als gemeinsamen Nenner geeinigt, weil sie ihren Zweck gut erfüllen und obendrein beständig gepflegt werden. Ich meinerseits setze momentan auf eine Kombination aus IrfanView und SageThumbs, das mir den Einsatz eines separaten Bildbetrachters oft erspart.
Kompliziert wird es, wenn man mehrere Systeme (etwa Windows und Mac OS X) einsetzt und (wie ich) die Vorliebe pflegt, überall (wo möglich) weitgehend die gleiche Software einzusetzen. Von XnView gibt es seit einer Weile eine experimentelle Multi-Plattform-Version, die unter Windows, Mac OS X und diversen Linux-Distributionen lauffähig ist. Drei Dinge halten mich selbst bislang davon ab, testweise von IrfanView auf dieses Programm umzusteigen:
- Die Stabilität der Software war in einem ersten Test meinerseits – wohl auch aufgrund des Entwicklungsstandes – eher bescheiden.
- XnView sowie XnViewMP sind nicht unbedingt für eine unaufdringliche Bedienoberfläche bekannt (ich bin geneigt, von „überladen“ zu sprechen, wohl wissend, dass man XnView mit einigem Gefrickel auch beinahe benutzerfreundlich konfigurieren kann).
- Es handelt sich, anders als bei den meisten anderen mir bekannten Bildbetrachtern für Linux, um eine proprietäre Anwendung, so dass es nicht einmal einen ideellen Vorteil gäbe.
Eine interessante Alternative kommt, wie so vieles, aus Österreich und heißt nomacs (genauer: „nomacs – Image Lounge“), steht unter der GPLv3 und verfolgt den Ansatz, klein und schnell zu sein, ohne dabei an Funktionalität zu verlieren; im Gegenteil bietet es neben den üblichen rudimentären Bearbeitungsfunktionen (drehen und beschneiden) sogar Funktionen, die ich sonst noch nirgends gesehen habe, etwa die Möglichkeit, mehrere Instanzen (lokal oder per LAN) miteinander zu synchronisieren, so dass eine Aktion automatisch in allen verknüpften Fenstern („Viewern“) parallel durchgeführt werden kann, was ziemlich beeindruckend aussieht:
Für unsereinen amüsantes Detail: Außer Deutsch, Russisch und noch einigen Sprachen gibt es auch eine vorarlbergerische Oberfläche.
Der Name „nomacs“ stammt, so viel konnte ich bislang in Erfahrung bringen, von Überlegungen betreffend den Macbeth Color Checker, von dem ich allerdings auch noch nie etwas gehört hatte. Einprägsam ist „nomacs“ jedoch allemal.
Alle wichtigen Dateiformate einschließlich JPEG und PNG werden lesend und schreibend unterstützt. Anders als IrfanView wird zurzeit auf ein komplexes Pluginsystem und die Unterstützung von exotischen Dateiformaten verzichtet, was der Performanz vermutlich zugute kommt.
nomacs ist momentan vorkompiliert für Windows, Mac OS X, OS/2 und einige Linuxdistributionen verfügbar, unter anderen Systemen (etwa FreeBSD) muss man es sich momentan noch selbst kompilieren. Wenn man eine der genannten Plattformen einsetzt, sollte man es zumindest einmal ausprobieren; trotz der frühen Versionsnummer (zurzeit 0.4.0) ist die Anwendung schon recht ansehnlich geworden.
Nachtrag vom 16. August: Eine FreeBSD-Version – aus technischen Gründen vorerst ohne RAW-Unterstützung – habe ich soeben erstellt, sie muss jedoch vom FreeBSD-Team noch gesichtet werden.
Der wesentliche Unterschied zwischen Google+ und Facebook
Techblogger caschy berichtete gestern darüber, dass Google+ nunmehr „sprechende“ URLs für Benutzerprofile einzuführen beginnt. Dort erfuhr ich, dass entgegen meiner Annahme, außer Sascha Lobo sei niemand mehr auf Google+, offenbar auch Britney Spears dort ihr Unwesen treibt.
Und trotz all der Kritiker, die postulieren, soziale Netzwerke schadeten der Diskussionskultur im Internet, hat sich auf Google+ inzwischen ein intellektuelles Miteinander etabliert, das sicherlich seinesgleichen sucht.

















