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Medienkritik LXXIII: Für mehr Monokulti!

Für die meist ziem­lich scheuß­li­che „taz“ schlug Hanna Gersmann gestern vor, die EU gegen „Elitenbildung“ (H. Gersmann über ihr Idealbild von Europa) zu schüt­zen und Europa zu einem leuch­ten­den Vorbild in Sachen „Multikulti“ (ebd.) zu machen.

Wirklich ernst zu neh­men ist aber ein ande­res Projekt der letz­ten Monate: die Gegenbewegung zum Urheberrechtsabkommen Acta. Plötzlich inter­es­sier­ten sich Tausende Netzaktivisten für EU-Politik, schrie­ben Protest-Mails, gin­gen auf die Straße. Und die EU-Politiker kamen unter Druck, muss­ten reagie­ren. Ihre Sprache: zual­ler­erst Englisch. (…) Europa muss (…) im besten Sinne – sagen wir – indi­scher wer­den: Englisch wird Amtssprache für alle. Wenn man sie nicht spre­chen kann, muss man sie zumin­dest ver­ste­hen können.

Denn genau so funk­tio­niert „Multikulti“ (immer noch H. Gersmann): Indem man die Vielfalt der Sprachen zwar gnä­dig tole­riert, aber als Verkehrssprache eine ganz ande­re impor­tiert, näm­lich von außer­halb Europas. Esperanto, Englisch, ganz egal.

Und natür­lich sind auch frem­de Religionen in Ordnung, so lan­ge man sie nur im Privaten aus­lebt, die euro­päi­sche Einheitsreligion hat doch, bit­te­schön, das Christentum (bevor­zugt Protestantismus) zu sein. Und natür­lich ist es völ­lig ange­mes­sen, wenn ein Europäer in sei­nen eige­nen vier oder mehr Wänden Dingen wie Pazifismus, gesun­der Ernährung und sei­nem Hang zur Bildung nach­geht, aber öffent­lich ist gefäl­ligst der American Way of Life zu zele­brie­ren: Waffenvernarrt, über­fet­tet und ten­den­zi­ell dumm hat der moder­ne Europäer zu sein, wenn er in gebro­che­nem Englisch mit sei­nen deutsch-, spa­nisch- oder dänisch­stäm­mi­gen Landsleuten spricht.

Man muss der Versuchung, ein Individuum zu blei­ben, wider­ste­hen, um nicht das Projekt Europa zu schädigen:

Wer ver­hin­dern will, dass Europa ein Projekt der Eliten bleibt, muss dafür sor­gen, dass künf­tig jeder Europäer zwei Sprachen lernt: Englisch und die eige­ne Muttersprache.

Brian: Ihr seid doch alle Individuen.
Volk: Ja, ja, wir sind alle Individuen!
Brian: Und ihr seid alle völ­lig verschieden!
Volk: Ja, wir sind alle völ­lig verschieden!“
– Monty Python: Das Leben des Brian

Einer euro­päi­schen Elite arbei­tet man also effi­zi­ent ent­ge­gen, indem man ihr eine nicht euro­päi­sche Elite als Vorbild oktroyiert.

So ist sie, die „taz“.