Sonstiges
De sen­ten­tio­lis prae­co­nia­li­bus non comprobatis

Offen­bar sind vie­le Wer­ber hier­zu­lan­de mit ihrem Latein bereits am Ende.

Zu einem neu­en Pro­dukt gehört (dazu wei­ter unten mehr) in aller Regel auch ein ein­präg­sa­mer Wahl­spruch. Im nord­deut­schen Raum bekannt sind etwa die jovia­len slo­gans der Geträn­ke fritz-kola („viel­viel Kof­fe­in”) und Kal­te Muschi („Rot­wein Cola Zeugs (sic!). Schmeckt.”).

Dabei haben nicht alle Fir­men so ein glück­li­ches Händ­chen. „Volks­wa­gen – das Auto” etwa ist zwar ein­präg­sam, aber auch reich­lich bescheu­ert, denn was außer einem Auto soll so ein Volks­wa­gen denn sonst sein? Und was ist dann zum Bei­spiel ein Por­sche? Kon­se­quent sind immer­hin die Ver­ant­wort­li­chen für Bur­ger King, die ihr „Have it your way!”, also „Bekommt es, wie ihr es wollt!”, vor eini­gen Jah­ren kon­se­quent ver­folgt und in den Filia­len selbst die Stu­fen zum Mit­ar­bei­ter­klo sinn­ge­mäß so beschrif­tet haben: „Vor­sicht, Stu­fe! Sie kön­nen die­se War­nung auch igno­rie­ren, dann könn­ten Sie stol­pern und sich weh tun, und das wol­len wir nicht. Ent­schei­dend ist aber, was Sie wollen!”

Das war wenig­stens noch lustig.

In der Spi­ri­tuo­sen­ab­tei­lung eines mir geneh­men Lebens­mit­tel­fach­ge­schäfts erblick­te ich heu­te Geträn­ke der Mar­ke Stein­hä­ger. Eines von ihnen – nicht der bekann­te Schin­ken­hä­ger – besitzt offen­bar, glaubt man dem Wort­laut sei­nes Eti­ketts, einen eige­nen slo­gan in vor­neh­mem Latein: „bibi­te quod bonum est”.

Nun hat das latei­ni­sche Wort „quod” die Eigen­schaft, sowohl ein Pro­no­men als auch eine Sub­junk­ti­on zu sein, wobei die Ver­wen­dung als Sub­junk­ti­on alter­na­tiv auch mit­tels des Wor­tes „quia” mög­lich wäre, was zumin­dest eine ein­deu­ti­ge Fest­le­gung ermög­li­chen wür­de. Der Satz „bibi­te quod bonum est” hat in vor­lie­gen­der Form jeden­falls zwei mög­li­che Bedeutungen:

  1. Trinkt, was gut ist!
  2. Trinkt, weil es gut ist!

Wel­che Bedeu­tung hier zutrifft, ist für den ein­fa­chen Kun­den schwer her­aus­zu­fin­den, viel­leicht genügt es bereits, eine E‑Mail an den Her­stel­ler bezie­hungs­wei­se des­sen Öffent­lich­keits­ar­beits­ab­tei­lung zu sen­den. Das habe ich bis­her nicht aus­pro­biert. Inter­es­sant ist jeden­falls, dass bei­de Bedeu­tun­gen von frag­wür­di­ger Qua­li­tät sind.

„Trinkt, was gut ist!” lädt den Scherz­freund dazu ein, genau des­halb lie­ber auf ein gutes Pils zurück­zu­grei­fen. Ich maße mir an zu behaup­ten, dass ich aus­schließ­lich trin­ke, was gut ist; Wachol­der­schnaps ist indes gegen­wär­tig nicht dar­un­ter. Die Albern­heit die­ser Vari­an­te wird deut­lich, wenn man sie auf ande­re Berei­che über­trägt. Man stel­le sich vor, der Fern­seh­sen­der n‑tv wür­de bewor­ben mit: „Gucken Sie, was gut ist”. Die­sen Sen­der wür­de doch nie­mand mehr ernst neh­men. (Damit wür­de er sich ein­rei­hen in die Rie­ge derer, die es auch nicht bes­ser kön­nen, man den­ke nur an „Mein RTL”.)

„Trinkt, weil es gut ist!” ist zwar per se eine kor­rek­te Beschrei­bung, denn wer kei­ne Flüs­sig­keit zu sich nimmt, wird in abseh­ba­rer Zeit ster­ben, zwei­fel­haft ist aber der Umstand, dass aus­ge­rech­net das Trin­ken von Stein­hä­ger-Erzeug­nis­sen nen­nens­wert gut sein soll. (Und auch hier freut sich der Scherz­freund an der Vor­stel­lung, ein obdach­lo­ser Trin­ker wür­de sein Dasein damit begrün­den, dass ihm gesagt wur­de, es sei gut.)

Wie man die­ses Pro­blem löst? Nun, man könn­te ver­su­chen, einen guten Wahl­spruch auf Deutsch zu erdenken, denn im Deut­schen merkt man als Deutsch spre­chen­der Zeit­ge­nos­se nor­ma­ler­wei­se eher als im Latei­ni­schen, wenn man tota­len Quatsch schreibt. (Wenn ich ande­rer­seits lese, was Leu­te wie Julia Schramm so in die Medi­en rein­kot­zen, bit­te ich die­se Behaup­tung mit Vor­sicht zu genie­ßen; obwohl ich ehr­lich gern wüss­te, ob Frau Schramm wenig­stens in Fremd­spra­chen klu­ge Din­ge schrei­ben kann.) Man könn­te aber auch ein­fach dar­auf ver­zich­ten, für jedes jemals erhält­li­che Gesöff einen Wahl­spruch zu for­mu­lie­ren. Plör­re schmeckt auch dann nicht bes­ser, wenn man ihr einen lusti­gen Auf­druck verpasst.

Bei Musik klappt das doch auch. Oder kennt irgend­je­mand den slo­gan von Madonna?

Senfecke:

  1. Ich neh­me an, es gibt einen Para­gra­phen, der unbe­wie­se­ne Behaup­tun­gen, die mich als einen Trin­ker dar­stel­len, zu Straf­ta­ten erklärt. Es wäre mir sehr genehm, du wür­dest ihn befolgen.

  2. Dei­ne öffent­li­che Behaup­tung, ich wür­de Dich als Trin­ker dar­stel­len und damit Straf­ta­ten bege­hen, legt den Ver­dacht einer Straf­tat zu Dei­nem Nach­teil gemäß §§ 186 StGB nahe. Sieh’ Dich vor.

  3. Du stell­test oben den Zustand der Betrun­ken­heit als einen Dau­er­zu­stand mei­ner­seits dar, inso­fern ist mei­ne Behaup­tung zwei­fels­frei belegt.

  4. Wer dau­ernd betrun­ken ist, muss noch lan­ge kein (abhän­gi­ger) Trin­ker sein. Woher soll ich wis­sen, wie lan­ge Du schon dabei bist?

  5. Mich erkennt man am Ava­tar­bild. Ich fin­de es auch scha­de, dass man mich kopiert, aber ande­rer­seits gefällt es mir ein bisschen.

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