MusikNerdkrams
mus­py: Musik­neu­hei­ten per RSS und Mail

Vor unge­fähr einem Jahr gab der bri­ti­sche Musik­jour­na­list Simon Rey­nolds zu Pro­to­koll, Musik sei die ent­schei­den­de Kunst­form, weil an ihr die Zeit qua­si ables­bar sei. Dabei sieht das mit der Zeit, glaubt man den Medi­en, nicht unbe­dingt rosig aus: In einer Zeit schnel­ler Inter­net­ver­bin­dun­gen kauft doch kei­ner mehr Musik, einself.

Dabei las­sen sich die Medi­en von der Rea­li­tät nicht blen­den: Musik­freun­de, die Musik nicht nur beim Bügeln und Auto­fah­ren hören, geben sich mit Drei­ßig-Sekun­den-Schnip­seln auf Amazon.de eben nur ungern zufrie­den und hören lie­ber etwas aus­führ­li­cher, wie die Kat­ze im Sack miaut: [Die Stu­die zeigt], dass mehr ille­ga­le Down­loads zu mehr ver­kauf­ten Alben führen.

Wie aber bemerkt man, dass die Lieb­lings­künst­ler ein neu­es Album ver­öf­fent­licht haben, ohne jedes Musik­ma­ga­zin zu kau­fen und jedes Musik­blog zu lesen? Nun, das ver­meint­lich tote RSS könn­te die Lösung sein.

Seit meh­re­ren Jah­ren pro­to­kol­lie­ren vie­le Musik­freun­de, unter ande­rem ich, ihre Hör­ge­wohn­hei­ten per Last.fm. Des­sen Daten­bank, befüllt unter ande­rem von den Benut­zern des Dien­stes, kennt so obsku­re Künst­ler, dass es doch wün­schens­wert wäre, gäbe es eine Mög­lich­keit, bei Neu­zu­gän­gen auto­ma­tisch infor­miert zu wer­den. Dies haben sich auch ande­re Leu­te gedacht, und so hat es sich erge­ben, dass in den letz­ten paar Jah­ren vie­le Web­dien­ste ent­stan­den, die auf genau die­se Funk­ti­on spe­zia­li­siert sind.

Der ein­fach­ste die­ser Dien­ste ist wahr­schein­lich music-alerts. Auf der Web­site ist eine kom­mage­trenn­te Liste der zu ver­fol­gen­den Künst­ler ein­zu­ge­ben und ein Spam­schutz zu über­win­den, anschlie­ßend wird ein RSS-Feed gene­riert, der den Abon­nen­ten per Amazon.com-Abfrage auf dem Lau­fen­den hält.

Etwas wei­ter geht der regi­strie­rungs­pflich­ti­ge (aber anschei­nend kosten­lo­se) Album Remin­der: Die Künst­ler müs­sen nicht mehr per Hand ein­ge­ge­ben wer­den, son­dern kön­nen direkt aus iTu­nes und dem eige­nen Last.fm-Profil her­aus impor­tiert wer­den. Es ist auch mög­lich, per E‑Mail statt per RSS-Feed über neue Musik­al­ben (erneut via Ama­zon-Abfra­ge) infor­miert zu werden.

Ich selbst ver­wen­de momen­tan mus­py, das (was ich für geson­dert erwäh­nens­wert hal­te) auf einem Free­BSD-Ser­ver läuft, auf die Musi­c­Brainz-Daten­bank zurück­greift und außer mei­nem Last.fm-Konto angeb­lich auch ein even­tu­ell vor­han­de­nes Face­book-Pro­fil für den Import nut­zen kann – letz­te­res ist dann von Bedeu­tung, wenn man blöd genug war, einen eben­falls even­tu­ell vor­han­de­nen Spo­ti­fy-Zugang mit Face­book zu ver­knüp­fen, womit immer­hin ein indi­rek­ter Import von Spo­ti­fy in mus­py mög­lich wäre.

Ich mache mal ein Beispiel.

Nach der Regi­strie­rung – gefragt sind lobens­wer­ter­wei­se nur E‑Mail-Adres­se und Pass­wort – und anschlie­ßen­der Anmel­dung ist die Sei­te „Artists” zugäng­lich. Hier kön­nen Künst­ler manu­ell ein­ge­ge­ben wer­den, anson­sten kann mus­py auch auf Last.fm zugrei­fen. Auf der Import­sei­te genügt es hier­für, den eige­nen Last.fm-Benutzernamen sowie die gewünsch­te Such­tie­fe (etwa: die Top-100-Künst­ler der letz­ten 12 Mona­te) einzugeben.

Einen Klick auf „Import” und eine Bestä­ti­gung spä­ter befüllt mus­py die eige­ne Künst­ler­li­ste dann nach und nach. Das Edi­tie­ren ist natür­lich mög­lich; wenn in die erzeug­te Liste aus irgend­ei­nem Grund also irgend­ein Scheiß (zum Bei­spiel Pla­ce­bo) gelangt sein soll­te, ist er zwei Klicks spä­ter wie­der drau­ßen. Die Künst­ler wer­den alpha­be­tisch sor­tiert aufgelistet:

Stan­dard­mä­ßig infor­miert mus­py per E‑Mail über Neu­erschei­nun­gen der „abon­nier­ten” Inter­pre­ten. Dies lässt sich in den Ein­stel­lun­gen unter­bin­den, wo auch fest­ge­legt wer­den kann, dass zum Bei­spiel nur Stu­dio­al­ben (kei­ne Live­auf­nah­men, Kom­pi­la­tio­nen und der­glei­chen) von Belang sind. In den Ein­stel­lun­gen und oben in der Navi­ga­ti­ons­lei­ste befin­det sich ein RSS-Sym­bol, über das der RSS-Feed zur Ver­fü­gung steht:

Die­ser RSS-Feed lässt sich dann mit jedem RSS-Leser (etwa RSSOwl, Feed­De­mon oder den Firefox-„Livemarks”) verfolgen:

Ich neh­me an, die ande­ren genann­ten Dien­ste funk­tio­nie­ren ähnlich.

Zuge­ge­ben: Für den Gele­gen­heits-Musik­hö­rer ist ein sol­ches Ange­bot allen­falls ein stö­ren­des Hin­ter­grund­rau­schen. Für die­je­ni­gen aber, die Musik so sehr schät­zen, dass sie oft den Wald vor lau­ter Bäu­men aus den Augen ver­lie­ren, ist es ein will­kom­me­nes und nütz­li­ches Werk­zeug, das ich denen, die sich jetzt ange­spro­chen füh­len, mit die­sem Arti­kel wärm­stens emp­feh­le. Möge es funktionieren.