PolitikIn den Nachrichten
Stuttgart raus aus der EU!

Die öffentliche Mei­n­ung neigt nicht zur Beson­nen­heit. Als bekan­nt wurde, dass in Istan­bul — die Hin­ter­gründe set­ze ich ein­fach mal als bekan­nt voraus — Demon­stran­ten nicht mehr nur abgewehrt, son­dern aktiv ange­grif­f­en wur­den, formierten sich im Inter­net sofort virtuelle Sprechchöre: Die Türkei darf nicht in die EU rein, weil man so was näm­lich als EU-Land nicht macht, also auf Demon­stran­ten schießen und der­gle­ichen. Na gut, in Stuttgart ist das vielle­icht erlaubt, aber doch nicht in der EU! (Ich nehme an, ihr merkt selb­st, wo das Prob­lem liegt.)

Szenen­wech­sel. Vor fünf Jahren gab Clau­dia Roth in einem Inter­view bekan­nt: “Türkei ist für mich zweite Heimat. Ich mache seit zwanzig Jahren Türkeipoli­tik (…).” Und so ist es auch nur wenig erstaunlich, dass sich die Grüne auch in eher unruhi­gen Zeit­en in der Türkei aufhält (“[i]hr Gesicht ist Roth rot und geschwollen” — im Bun­destag kom­men­tiert das auch nie­mand) und hin­ter­her lamen­tiert:

“Das fühlt sich an, als würde man vergiftet”, berichtet Roth. “In einem großen Fest­saal in dem Hotel war eine Art Lazarett, da waren viele Ärzte und viele Ver­let­zte.” Es sei klar gewe­sen, dass es sich um eine Ambu­lanz han­dele. Den­noch habe die Polizei weit­er Trä­nen­gas ver­sprüht. “In ein­er Kriegssi­t­u­a­tion wäre das ein Kriegsver­brechen”, sagte Roth N24.

Ach, in der Türkei herrscht kein Krieg. Stimmt ja! Die Bun­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung definiert Krieg so:

Krieg beze­ich­net einen organ­isierten, mit Waf­fen gewalt­sam aus­ge­tra­ge­nen Kon­flikt zwis­chen Staat­en bzw. zwis­chen sozialen Grup­pen der Bevölkerung eines Staates (…).

Stimmt; ist kein Krieg, die Demon­stran­ten haben ja keine Waf­fen.

Und jet­zt stellt euch vor, Clau­dia Roth wäre Bun­desmin­is­terin. Beängsti­gend, nicht?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXVII: Hauptsache, Fernsehen geht.

Man sollte meinen, in Griechen­land (das war das Land mit den Finanzprob­le­men aus den Nachricht­en, habt ihr vielle­icht mit­bekom­men) gäbe es ern­sthafte Prob­leme und Auf­stände. Und tat­säch­lich schwelt dort der Zorn der Wut­bürg­er und eskaliert gele­gentlich:

Die Wut war groß, jet­zt gibt Griechen­lands Regierungschef Sama­ras ein biss­chen nach. Der geschlossene Staatssender ERT soll zumin­d­est wieder Nachricht­en­pro­gramme senden.

Der Staat ist pleite, die Jugen­dar­beit­slosigkeit erre­icht unan­genehme Werte; aber Haupt­sache, die Glotze läuft. So muss das sein.

Und das eigentlich Erschreck­ende ist: Auch in Deutsch­land würde es nicht kom­plett anders ver­laufen. Gebt dem Pöbel bil­lige Unter­hal­tung und er wird schweigen. Die Welt ist reif, sie will gepflückt wer­den.

Fotografie
Ampelmann.

Ihr habt euch diese Woche noch nicht für das Tun ander­er Leute geschämt? Dann wird es Zeit.

Ein heißer Anwärter auf den Fremd­schäm­grund der Woche ist dieses possier­liche Ampelmän­nchen, das mir heute in einem großen Elek­tron­ikfach­markt auffiel:

Ampelmann

Der Text unten auf der Ver­pack­ung lautet “Inklu­sive Ampel­mann Song! Inklu­sive Ampel­mann Video!” — bei­des selb­stver­ständlich ohne Binde­strich.

Ampel­mann-Lied und ‑Video. Natür­lich.

In den NachrichtenNerdkrams
“Und plötzlich merkt ihr, dass man sich an einem Messer ja verletzen kann.”

Vielle­icht hätte man es ja wis­sen kön­nen. Schon 2011 erkan­nten auch eher langsame Medi­en wie SPIEGEL ONLINE, dass Richard Stall­man Recht hat, wenn er schreibt, dass die cloud vor allem Enteig­nung bedeutet.

Wer seine Dat­en, wie öffentlich und belan­g­los sie auch sein mögen, auf einen frem­den Serv­er hochlädt, der gibt damit die Herrschaft über diese Dat­en ab. Wie kann ein Nutzer der cloud prüfen, was der Server­be­treiber mit den Dat­en anstellt? Aber es ist doch so prak­tisch, sein dig­i­tales Leben auf Google und Face­book — nicht nur bei frem­den Anbi­etern, son­dern auch in einem frem­den Land — zu verteilen, man hat ja nichts zu ver­ber­gen.

Und trotz­dem muss erst PRISM, ein Überwachungsszenario, das von Geheim­di­en­sten schon seit Jahren — von der Öffentlichkeit nicht weit­er zur Ken­nt­nis genom­men und für Hirnge­spin­ste von Aluhüten, also Daten­schützern, gehal­ten — auch im Inland prak­tiziert wird, daherkom­men, bis deutsche Blog­ger aus allen Wolken (eben aus der cloud) fall­en:

Lange war sich die Net­zwirtschaft einig: Dat­en und Rechen­prozesse sind in der Cloud am besten aufge­hoben. Doch im Lichte der US-Inter­netüberwachung erscheint das Konzept plöt­zlich wie eine ziem­lich dumme Idee.

Was die Wirtschaft sagt, wird schon stim­men. Natür­lich kann man es auch über­leben, wenn man rus­sis­ches Roulette spielt. Dass erst jemand auf die eine Kugel im Lauf hin­weisen muss, bevor die Mit­spiel­er merken, dass da irgen­det­was gefährlich sein kön­nte, ist allerd­ings ein biss­chen beden­klich. Wie unfass­bar naiv seid ihr eigentlich, ihr Mar­tin Weigerts und ihr Net­zwirtschaftler dieses Lan­des, dass ihr glaubt, der lächel­nde Mann im Anzug mit dem Geld­kof­fer, dem ihr zufäl­lig an der Bushal­testelle begeg­net, sei ver­trauenswürdig genug, dass ihr ihm eure Pass­wörter und euer Leben anver­trauen kön­nt, falls ihr bei­des mal ver­loren haben soll­tet?

Ihr werdet euch noch wün­schen, wir wären para­noid gewe­sen.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt CLXVI: “Warum haben Sie sich dafür entschieden, Ausländer zu sein?”

Supi-Fragestel­lung übri­gens, “Deutsch­land­s­tiftung Inte­gra­tion”, die ihr da habt, wenn sich jemand bei euch für euer Stipen­di­en­pro­gramm “Geh’ deinen Weg” bewer­ben möchte:

Erzählen Sie uns bitte kurz (150 Wörter), warum Sie einen Migra­tionsh­in­ter­grund haben.

“Na ja, ich wurde im Aus­land geboren und meine Fam­i­lie auch” scheint als Anforderung nicht zu genü­gen. Vielle­icht wird eine Antwort wie diese, diese, diese oder diese erwartet.

Ich habe einen Migra­tionsh­in­ter­grund, weil ich mir das so aus­ge­sucht habe. Er macht mich exo­tisch und somit inter­es­sant für Arbeit­ge­ber.

rotfl

(via @KatiKuersch)

Fotografie
“Was für ein Theater!”

Die The­ater­schaus­piel­er in der nieder­säch­sis­chen Qua­si­metro­pole Wolfen­büt­tel haben ihren Wil­helm Tell genau studiert: Selb­stver­ständlich ver­sucht die Titelfig­ur in der Schlüs­sel­szene seinem Sohn einen Apfel in den Kopf zu schießen.

Was für ein Theater!

Klas­sis­che Schul­bil­dung braucht eben auch nie­mand mehr.

Montagsmusik
Ian Anderson — Locomotive Breath

Natür­lich kön­nte das Leben auch ein­fach mal so funk­tion­ieren, wie man sich das vorgestellt hat. Ein Haus mit Garten und Frau und ein­skom­manochwas Kindern wäre vielle­icht zu viel des Guten, so weit wollen wir ja dann auch nicht gehen, aber dieses große Stopp­schild da gefällt schon ästhetisch nicht.

Das Wort “Weltschmerz” ist ein deutsch­er Exportschlager, und es nähme mich nicht Wun­der, würde man uns darum auch noch benei­den. Ziegen­mist.

Ian Ander­son. Loco­mo­tive Breath live in Mála­ga 08.02.2013 HD 1080

Old Char­lie stole the han­dle,
and the train, it won’t stop going,
no way to slow down

Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXV: Steuergelder bei der Arbeit

Offen­sichtlich genügt es der F.D.P. nicht mehr, im Kampf gegen Steuer­erhöhun­gen auf bloße Worte zu set­zen. Jet­zt müssen Tat­en her:

In weni­gen Tagen läuft in den Kinos der deutschen Lan­deshaupt­städte ein Spot der FDP-Frak­tion an. Die Lib­eralen wollen darin ihre poli­tis­chen Errun­gen­schaften loben. Das Geld für den Spot stammt nach Infor­ma­tio­nen des SPIEGEL aus öffentlichen Kassen.

Seht ihr, ohne Steuer­erhöhun­gen wird es so etwas bald nicht mehr geben!

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Das kürzeste Jahrhundert der Welt.

Die meiste Jahrhun­dert­flut aller Zeit­en rollt durch das deutschsprachige Inter­net (ich berichtete). Und weil der Umstand, dass Großstädte seit Tagen meter­hoch unter Wass­er ste­hen, offen­bar ohne irgendwelche ‑lative nicht gut genug verkauft wird, müssen eben Übertrei­bun­gen her­hal­ten.

Insofern kann man Denise Peik­ert von der FAZ zu ihrem Jahrhun­dert­text nur beglück­wun­schen, bedarf­sweise begleit­et von sarkastis­chem Jahrhun­der­tap­plaus:

Als 2002 schon ein­mal eine Jahrhun­dert­flut durch Dres­den rollte, stieg Sebas­t­ian Kretschmar in seine Wattho­sen und zog los.

(Her­vorhe­bung von mir.)

Möge das Gelächter noch jahrhun­derte­lang nicht verklin­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Ulf Homeyer, Junge Union Hessen

Dieser Artikel ist Teil 7 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Zu den unan­genehmen Gewal­texzessen anlässlich der “Blockupy”-Proteste in — unter anderem — Frank­furt merkt die Junge Union Hes­sen — wer son­st? — an:

Beson­ders erschüt­tert sei man von der Welle der Sol­i­darisierung mit gewalt­täti­gen Link­sex­tremen, die ver­mummt und bewaffnet zu ein­er ver­meintlich friedlichen Demon­stra­tion gekom­men seien. „Nie­mand darf der Illu­sion ver­fall­en, dass es sich dabei um friedliche Aktivis­ten gehan­delt hat. Wer mit Farbe gefüllte Glas­flaschen auf Polizis­ten wirft, nimmt schw­er­ste Ver­let­zun­gen in Kauf“, so der stel­lvertre­tende Lan­desvor­sitzende Ulf Home­y­er.

Waren es nicht die hes­sis­chen Polizis­ten, die ver­mummt und bewaffnet zu ein­er ver­meintlich friedlichen Demon­stra­tion gekom­men sind? Das sind also alles gewalt­bere­ite Link­sex­treme! Von denen sollte man sich dis­tanzieren!

Die Forderung der Grü­nen Jugend Hes­sen nach ein­er Kennze­ich­nung der Polizis­ten sei blanker Hohn. Man dürfe nicht vergessen, dass bei dem Ein­satz am Woch­enende Polizis­ten zum Teil schw­er ver­let­zt wor­den seien – unter anderem wurde ein Beamter mit einem Schrauben­zieher ange­grif­f­en und ver­let­zt.

Die Ver­anstal­ter sprechen von mehreren Hun­dert Ver­let­zten, davon einige bewusst­los. Die Polizei gibt an, dass 21 Polizis­ten ver­let­zt wur­den. Klar­er Fall: Hier haben sich einige Hun­dert dieser radikalen Link­sex­trem­is­ten selb­st Ver­let­zun­gen zuge­fügt, um das Anse­hen der ehrbaren Polizei zu schmälern. Wo soll das nur hin­führen?

„Wer gewalt­tätige Link­sex­treme in ein­er solchen Art und Weise in Schutz nimmt dis­qual­i­fiziert sich von jeglich­er poli­tis­chen Diskus­sion“, so die JU Hes­sen, die sich seit jeher gegen jeglichen Extrem­is­mus ausspricht.

Die gewalt­täti­gen Link­sex­tremen waren, wenn ich mich recht entsinne (siehe oben), die hes­sis­chen Polizis­ten, richtig? In Schutz nimmt diese Gewalt­täter der stel­lvertre­tende Lan­desvor­sitzende Ulf Home­y­er. Ich empfehle die War­nung der Jun­gen Union Hes­sen ernst zu nehmen und jede poli­tis­che Diskus­sion mit Ulf Home­y­er kün­ftig zu mei­den. Ein Idiot ist bekan­ntlich in der Lage, eine Diskus­sion auf sein Niveau her­abzuziehen und dort auf­grund sein­er Erfahrung zu bril­lieren.

“Gewalt erzeugt Gegenge­walt, hat man dir das nicht erzählt?”
– Die Ärzte — Schun­der-Song

Nerdkrams
Todo.txt und Orgmode: Warum kompliziert, wenn’s auch einfach geht?

Zu den Din­gen, die den durch­schnit­tlichen Benutzer mehrerer Com­put­er (etwa Lap­top und Smart­phone und Spiel-PC) trotz (oder wegen) all des Webzwein­ul­lquatsches immer noch zu über­fordern scheinen, gehört es offen­bar, eine Liste zu erledi­gen­der Dinge anzufer­ti­gen, die auf allen benutzten Sys­te­men gle­icher­maßen zur Ver­fü­gung ste­ht. Wie son­st ist es zu erk­lären, dass immer wieder neue Vari­anten des Konzepts “Liste von Din­gen mit Datum­sangabe” als neues kom­mendes Ding ange­priesen wer­den?

All die Wun­derlists, Too­dle­dos und Astrids haben jeden­falls eines gemein­sam: Sie machen es zu kom­pliziert.

Früher, bevor der Com­put­er Dinge verkom­plizierte, bestanden solche Lis­ten noch aus reinem Text, wichtige dead­lines wur­den gele­gentlich auch in papier­nen Kalen­dern notiert. Beson­dere Spe­icher­for­mate waren nicht notwendig, auch keine Dechiffrier­meth­o­d­en: Benötigt wur­den lediglich Lese- und Schreibken­nt­nisse.

Im Jahr 2003 ent­stand mit dem orgmode ein erstaunlich später Ver­such, dieses ein­fache Konzept in dig­i­taler Form nachzu­bilden. Die entste­hen­den Dateien enthal­ten Pri­or­itäten, Datum­sangaben und auch son­st aller­lei Infor­ma­tio­nen, die man für ein todo benöti­gen kön­nte. Der essen­zielle Vorteil gegenüber oben genan­nten Alter­na­tiv­en: Die .org-Dateien sind reine Text­dateien ohne beson­dere For­matan­weisun­gen — sie lassen sich in jedem Texte­d­i­tor fehler­los und ein­fach bear­beit­en. Mit Mobile­Org gibt es auch eine Android-app inklu­sive ein­er Möglichkeit, die .org-Dateien per Inter­net freizugeben, was für uns Mehrg­erätenutzer ein deut­lich­es Plus ist. (Ob diese app ein wid­get zur schnellen Über­sicht noch zu erledi­gen­der Auf­gaben besitzt, weiß ich lei­der nicht.)

Doof am orgmode ist es, dass man mehr oder weniger an Emacs gebun­den ist. Einige weit­ere Texte­d­i­toren neben Emacs, der die Ref­eren­z­im­ple­men­tierung des orgmodes bis heute beherbergt, haben inzwis­chen auch Syn­tax­high­light­ing und weit­ere Unter­stützung für das orgmode-For­mat als Plu­g­in erhal­ten; stets aktuell ist jedoch nur die Orig­i­nalver­sion, Inkom­pat­i­bil­itäten nicht aus­geschlossen. Außer­dem hat die Aufteilung in mehrere Dateien zwar struk­turelle Vorteile, aber den Nachteil, dass es kom­pliziert­er wird, alle Auf­gaben im Blick zu behal­ten.

Die von mir zurzeit bevorzugte Alter­na­tive ist Todo.txt. Dieses For­mat fol­gt ähn­lichen Zielset­zun­gen wie der orgmode, ist jedoch frei von den erwäh­n­ten Nachteilen: Zum Einen gibt es keinen Stan­dard­ed­i­tor für das For­mat (es ist nicht ein­mal ein offizielles Plu­g­in vorhan­den), zum Anderen beschränkt sich das For­mat auf eine einzige Datei (eben die Datei Todo.txt), was nicht nur die Über­sicht, son­dern auch das Syn­chro­nisieren erle­ichtert. (Offiziell wird zurzeit nur Drop­box unter­stützt, natür­lich funk­tion­iert aber auch jed­er andere ähn­liche cloud-Dienst.) Dafür ist es möglich, für jeden Ein­trag eine Pri­or­ität, Anfangs- und End­da­tum, einen “Kon­text” und ein “Pro­jekt” festzule­gen. Es gilt: Jede Auf­gabe entspricht ein­er Zeile.

Ein Beispiel:

(A) 2013-06-04 Schreibe Artikel über Todo.txt +nichtblog @online

Diese Zeile besagt: Die höch­st­pri­or­isierte (“(A)”) Auf­gabe — Teil des Pro­jek­ts “nicht­blog” im Kon­text “online” — wurde am 4. Juni 2013 geplant. Hier­bei sind fast alle Angaben option­al — valide wäre also auch ein­fach:

Schreibe Artikel über todo.txt

Eine aus­führliche For­matbeschrei­bung (englis­chsprachig) ist im Pro­jek­twi­ki zu find­en.

Es gibt diverse Desk­to­pe­d­i­toren für Todo.txt, unter anderem für Win­dows und Lin­ux. Einige von ihnen sind auf der Pro­jek­tweb­site ver­linkt. Ich mein­er­seits benutze in der Regel den von mir bere­its 2011 gepriese­nen Edi­tor Sub­lime Text für diese Auf­gabe — immer­hin han­delt es sich bekan­ntlich um “nor­male” Text­dateien. Um mir das trotz­dem ein biss­chen zu vere­in­fachen, entwick­le ich gele­gentlich ein Syn­tax-High­light­ing-Plu­g­in für Sub­lime Text, das Far­bkodierun­gen für die einzel­nen Ele­mente hinzufügt.

Außer dem recht mächti­gen Kom­man­dozeilen­skript “Todo.txt CLI” gibt es von der Entwick­lerin auch eine mobile app für iOS und Android, die ein Drop­boxkon­to zwar zwin­gend voraus­set­zt, aber alles Nötige mit­bringt. Auch ein wid­get ist ver­füg­bar:

Todo.txt-Widget (Screenshot von Gina Trapani, lizenziert unter by-nc-sa)

Natür­lich ist das alles weniger cool als die umfan­gre­ich gestal­tete Hype-app der Wahl zu benutzen. Ander­sherum betra­chtet aber: Todo.txt und .org-Dateien wer­den noch ver­füg- und benutzbar sein, wenn die kleinen Unternehmen, die für die Alter­na­tiv­en ver­ant­wortlich sind, längst nicht mehr existieren.

Man kann es auch übertreiben mit dem ver­meintlichen Kom­fort.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXIV: “Wann kommt die Flut?”

Was macht eigentlich Angela Merkel ger­ade? Da Wahl­jahr ist, macht sie das mit der Volk­snähe:

Bei ihrer Reise in die Hochwasserge­bi­ete hat Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel den geschädigten Men­schen Gelder des Bun­des zuge­sagt.

Das Wort “Reise” finde ich hier wie auch den “Besuch” in der Über­schrift “Kan­z­lerin besucht über­flutete Gebi­ete” sehr gelun­gen — Angela Merkel als Katas­tro­phen­touristin? Dann fühlt sie sich in der “ehe­ma­li­gen” DDR ja gle­ich dop­pelt zu Hause. (Im Folge­satz ist von ein­er “Tour” die Rede. Sportlich!)

Merkel trug Wan­der­schuhe statt Gum­mistiefel und ver­sprach den Men­schen schnelle Hil­fe.

Natür­lich trug sie keine Gum­mistiefel, denn sie war ja auch nicht dort, um anzu­pack­en. Während etwa Mit­glieder der Piraten­partei Sand­säcke schleppten, schwadronierte die Kan­z­lerin vom Geld:

Der Bund werde 100 Mil­lio­nen Euro als Soforthil­fe für die betrof­fe­nen Regio­nen bere­it­stellen, sagte Merkel am Mittwoch in Pas­sau. (…) “Wenn die Mit­tel sehr schnell abfließen, wer­den wir sich­er noch mal berat­en”, fügte Merkel hinzu.

Hehe, “abfließen”. Hehe­he.

Par­don.

Pas­saus Ober­bürg­er­meis­ter Jür­gen Dup­per (SPD) dank­te der Kan­z­lerin für das “klare Sig­nal” (…).

Die Bürg­er arbeit­en schw­er und ver­suchen irgend­wie ihr Hab und Gut vor dem Totalver­lust zu bewahren; die Kan­z­lerin trägt Wan­der­schuhe und schaut mal vor­bei. Auch ich als Wäh­ler danke für das “klare Sig­nal”.

Gern wieder!

Musikkritik
Kurzkritik: Mr Averell — Gridlock

Mr Averell - GridlockWas macht eigentlich David Jack­son? Nun, seit seinem Ausstieg bei Van der Graaf Gen­er­a­tor vor eini­gen Jahren blieb der Stil prä­gende Sax­o­phon­ist nicht musikalisch untätig und tat sich mit ver­schiede­nen anderen Kün­stlern zusam­men. Ein­er dieser Kün­stler ist René van Com­menée, ein nieder­ländis­ch­er Kün­stler, der gele­gentlich auch was mit Musik macht. Sein neuestes Pro­jekt, eher liedori­en­tiert, heißt Mr Averell (offen­bar ohne den Punkt). Ich hab’s mir mal ange­hört.

Dass das Album mit der Geräuschcol­lage “Lock” begin­nt, ist zwar ein viel ver­sprechen­der Anfang, lei­der fällt das Niveau schnell. Der Gesang Her­rn van Com­menées erin­nert an Joe Cock­er, Tom Waits und den späten Bob Dylan, jedoch deut­lich jünger. So klingt “Break the mir­ror” auch eher nach einem See­mannslied als nach ein­er Avant­gardekom­po­si­tion. Gele­gentlich dür­fen aber auch andere Per­so­n­en ans Mikro­fon, im fol­gen­den “Kiss the girl!” zum Beispiel die mir bis­lang unbekan­nte Lene Lovich. David Jack­son steuert Dop­pel­horn­spiel dazu bei, neben ihm sind auf dem Album auch Hugh Ban­ton (Orgel), Stu­art Gor­don (Geige, Elek­tron­ik), John Ellis (diverse Sait­enin­stru­mente) und Judge Smith (Eupho­ni­um) zu hören, alle­samt aus ver­schiede­nen Inkar­na­tio­nen von Van der Graaf Gen­er­a­tor bekan­nt. “Kiss the girl!” klingt entsprechend wie eine sehr fröh­liche, beina­he dem Pop zuge­hörige Tanzver­sion von Van der Graaf Gen­er­a­tor. (Warum wird so etwas eigentlich nie als Sin­gle veröf­fentlicht?)

Weite Streck­en von “Grid­lock” wer­den von René van Com­menées Akko­rdeon (See­mannslieder — da sind sie wieder) dominiert. Das klingt nur ober­fläch­lich lang­weilig. Immer wieder wird der Hör­er davor bewahrt, einzuschlafen, etwa mit dem belusti­gen­den, plöt­zlichen Refrain von “Box­es”. René van Com­menée kann aber auch den Ham­mill: Der schon vom Titel her ham­mil­lesque “The fear of dream­ing (For Mar­ijke)” kön­nte eben­so wie das dreizehnsekündi­ge “100 presents” von dessen Solow­erken stam­men. Fröh­lich­er wird’s dann wieder im Titel­stück (“Grid­lock”), in dem wiederum Lene Lovich Her­rn van Com­menées Duettpart­ner­in ist, und auch das abschließende “Ridee­hoo!!” ist wohl fröh­lich gemeint, klingt aber eher nach ein­er Mis­chung aus Kirmes- und Coun­try­musik.

Wer sich von der illus­tren Gästeliste hat täuschen lassen, der sei vor “Grid­lock” gewarnt. Für ein RIO-Album ist es zu liedori­en­tiert, einem VdGG-Anhänger dürfte es deut­lich an Span­nung fehlen. Licht­blicke sind die sel­te­nen starken Momente von David Jack­son eben­so wie die Duette mit Lene Lovich, eine Frau, zu der ich wahrschein­lich auch mal Genaueres erlesen sollte; lei­der gibt es zu wenige von diesen.

Die Musik­presse find­et “Grid­lock” ziem­lich klasse. Aber was kann man von denen auch erwarten?