Piratenpartei
Ost­deut­sche Intri­g­anz­pi­ra­ten

(Vor­be­mer­kung: Viel­leicht wäre es für das Anse­hen der Pira­ten­par­tei klü­ger, auf die­sen Text zu ver­zich­ten. Ich per­sön­lich wür­de aber gern wei­ter­hin mit Stolz statt vol­ler Scham dazu ste­hen, Pirat zu sein; dazu gehört es, auch unbe­que­me Vor­fäl­le zu pro­to­kol­lie­ren. Ich bin Pirat und ich fin­de das gut. – Alle Namen wur­den gekürzt, um wei­te­ren Scha­den abzu­wen­den.)

In unse­rer belieb­ten Rei­he „war­um man die Pira­ten­par­tei momen­tan nicht in irgend­wel­chen Par­la­men­ten sehen wol­len soll­te“ hat sich schon seit Wochen nichts mehr getan. Die Pira­ten­par­tei wäre aber nicht die Pira­ten­par­tei, wenn sie die­sen untrag­ba­ren Zustand nicht schnellst­mög­lich revi­die­ren wür­de. Nun: Mis­si­on erfolg­reich!

Am Sonn­abend näm­lich fand in Des­sau im schö­nen Sach­sen-Anhalt, dem Land der Früh­auf­ste­her (wer halt sonst nüscht hat), bekannt­lich ein außer­or­dent­li­cher Par­tei­tag der dor­ti­gen Pira­ten­par­tei statt. Nach­dem im Mai der Vor­stand groß­teils zurück­ge­tre­ten war, war der Lan­des­ver­band prak­tisch ent­schei­dungs- und damit hand­lungs­un­fä­hig. Dass die Ein­la­dun­gen für den anbe­raum­ten Ter­min teil­wei­se eini­ge Tage zu spät abge­schickt wur­den und damit der Par­tei­tag theo­re­tisch anfecht­bar ist, ist ein inter­es­san­tes Bon­mot, aber bei Pira­ten ja längst guter Stil. (Ob das noch zu Pro­ble­men füh­ren wird, bleibt abzu­war­ten.)

Auf die­sem Par­tei­tag jeden­falls soll­te also ein neu­er Lan­des­vor­stand gewählt wer­den. Da die eigent­lich beab­sich­tig­te Ver­samm­lungs­lei­tung, unter ande­rem bestehend aus dem gegen­wär­ti­gen Lebens­ab­schnitts­ge­fähr­ten der ehe­ma­li­gen Lan­des­vor­sit­zen­den, nen­nen wir sie Frl. O., womög­lich auf­grund von Befan­gen­heit nicht fähig gewe­sen wäre, sich nicht aktiv ins Wahl­ge­sche­hen ein­zu­mi­schen, bot sich ein Team aus Nie­der­sach­sen an, das bereits Erfah­run­gen als Ver­samm­lungs- und Wahl­lei­tung gesam­melt hat­te; so hat­te etwa der desi­gnier­te Ver­samm­lungs­lei­ter in die­sem Team zuvor schon eini­ge Par­tei­ta­ge auf kom­mu­na­ler wie auf Lan­des­ebe­ne gelei­tet. Die­ses Team hat­te sich, um opti­mal auf die Auf­ga­be vor­be­rei­tet zu sein, im Vor­feld des Par­tei­tags qua­si unun­ter­bro­chen mit der Geschäfts­ord­nung des Par­tei­tags beschäf­tigt und sie an vie­len Stel­len rechts­si­cher umge­schrie­ben, um wei­te­re Anfech­tun­gen zu erschwe­ren. (Dass das nicht ganz geklappt hat, sie­he oben, ist zumin­dest nicht dem Team anzu­la­sten.) Bis dahin stand die­se – von allen ver­meint­lich unbe­merkt – wegen des Begriffs der „Beur­kun­dung“, ursprüng­lich mit­tels copy & paste aus der Geschäfts­ord­nung eines Bun­des­par­tei­tags kopiert und somit für einen Lan­des­par­tei­tag eigent­lich nicht ein­mal taug­lich, auf sehr wack­li­gen Füßen. Ein Hauch hät­te genügt, sie umzu­wer­fen. Nun stand also ein ein­ge­spiel­tes Drei­er­team aus opti­mal vor­be­rei­te­ten Frei­wil­li­gen zur Ver­fü­gung, die Ver­ant­wor­tung für den rei­bungs­lo­sen Ablauf des Par­tei­tags auf sich zu neh­men.

Es fällt mir als nicht direkt in den Ent­schei­dungs­pro­zess invol­vier­tem Pira­ten also nicht unbe­dingt leicht, etwas ande­res als die Gier nach Macht­er­halt zu unter­stel­len, wenn ich den Umstand bewer­ten soll, dass Frl. O. eigens einen Gegen­kan­di­da­ten für die Ver­samm­lungs­lei­tung aus Mün­chen (Bay­ern) ein­fah­ren ließ. Um ihrem Gegen­kan­di­da­ten Rück­halt aus der Ver­samm­lung zu ver­schaf­fen, ver­brei­te­te sie wis­sent­lich Unwahr­hei­ten über die Kon­kur­ren­ten; sie hät­ten das nie gemacht und kei­ne Erfah­rung oder der­glei­chen. Ja, Frl. O., sonst vor allem dafür bekannt gewor­den, sich nur all­zu gern mit Leu­ten zu umge­ben, die im Hin­ter­grund die Fäden zu zie­hen glau­ben, hat eine fas­zi­nie­ren­de Kar­rie­re hin­ter sich; von der Ver­samm­lungs­lei­tungs­no­vi­zin zur Tel­ler­wä­sche­rin im inner cir­cle. Dafür müs­sen ande­re lan­ge buckeln!

Trotz aller Ver­net­zung und Strip­pen­zie­he­rei schei­ter­te ihr Vor­ha­ben, die Wahl des neu­en Vor­stands unter die eige­ne Ägi­de zu stel­len. Der eigens aus Mün­chen ange­karr­te Ver­samm­lungs­lei­ter bekam zumin­dest ange­sichts der erdrücken­den Viel­zahl an Men­schen im Publi­kum – gan­ze 50 akkre­di­tier­te Pira­ten stell­ten den Höchst­wert des Tages dar – Lam­pen­fie­ber und wei­ger­te sich, sei­nen zuer­kann­ten Posten aus­zu­üben. Statt­des­sen stell­te er sich also als Wahl­lei­ter zur Wahl; wohl­ge­merkt: als voll­kom­men unvor­be­rei­te­ter Wahl­lei­ter (der sich das durch­aus anmer­ken ließ), der nicht ein­mal mit der gül­ti­gen (also alten) Geschäfts­ord­nung ver­traut war, woll­te er einen Teil des ein­ge­spiel­ten Teams erset­zen. Wohl auch auf­grund der Für­spra­che Frl. O.s wur­de er zumin­dest in die­sem Amt bestä­tigt. Inwie­fern das nun eine Ver­bes­se­rung gegen­über der ursprüng­lich geplan­ten Beset­zung sein soll­te, ist mir unbe­kannt.

Der Par­tei­tag lief dann auch ohne grö­ße­re Pro­ble­me ab. War­um nun eigens jemand aus Bay­ern anrei­sen muss­te (wofür ihm Fahrt­ko­sten aus Par­tei­kas­sen zuste­hen), bleibt zu hin­ter­fra­gen. Die Tor­pe­die­rung der Ver­samm­lungs­lei­tung ist zumin­dest geschei­tert. Beäng­sti­gend ist jedoch, war­um es sich ein gan­zer Lan­des­ver­band, in dem es in den letz­ten Mona­ten nicht unbe­dingt gesit­tet und pro­duk­tiv vor­ging, es för­dert, dass ein ehe­ma­li­ges Vor­stands­mit­glied ver­sucht einen gere­gel­ten Ablauf der Neu­wahl zu ver­hin­dern. Bedenk­lich ist dabei auch, dass die­ses ehe­ma­li­ge Vor­stands­mit­glied wohl kei­ner­lei Kon­se­quen­zen zu befürch­ten hat.

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