In den NachrichtenPiratenparteiMontagsmusik
Ton Steine Scherben — Jenseits von Eden

Am Woch­enende hat der Bun­desparteitag der Piraten­partei Deutsch­land in Neu­markt einen Teil des Bun­desvor­stands neu gewählt. Der Posten des ersten Vor­sitzen­den bleibt mit Bernd Schlömer, der die Partei auch schon mal öffentlich und ent­ge­gen der Mei­n­ung der von ihm oft vorgeschobe­nen Basis als sozial­lib­er­al und für einen Wahlkampf zu demo­tiviert beze­ich­net und auch son­st eine Menge Stuss vor sich hin­plap­pert, wenn er nicht ger­ade einen licht­en Moment hat, beset­zt. Nun, jedes Volk bekommt den Schlächter, den es ver­di­ent.

Den Mon­tagskater macht das alles auch nicht bess­er; zumal man aufwacht und die Welt immer noch die alte ist. Tem­po­ra non mutan­tur, was prak­tisch ist, weil man sich dann selb­st nicht verän­dern muss. Man würde es eben nur gern kön­nen.

Ton Steine Scher­ben — Jen­seits von Eden

Liebe — was ist das? Das ist das Leben in der Stadt.
Was soll daran schlecht sein? Liebe kommt von unten,
Liebe hat schwache Worte; ach, ich bin so müde…

Manch­mal wün­scht man sich, der Teufel bliebe im Detail steck­en.

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Bundesligaliveticker. Allein das Wort schon!

Momen­tan läuft wieder mal ein Bun­desli­gaspielt­ag. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, zur Abwech­slung mal zu schauen, was “SPIEGEL ONLINE” da so als “Livet­ick­er” bewirbt.

Aktueller Auszug aus dem Spiel der Borus­sia Dort­mund gegen den VfL Wolfs­burg:

14. Minute
Tor
1:1 — Torschütze: Perisic

Der Aus­gle­ich! Olic wird schön in den Sechzehn­er geschickt und spitzelt den Ball mit Über­sicht weit­er Rich­tung zweit­er Pfos­ten. Dort muss Perisic nur noch ein­schieben. Sein erstes Tor für den VfL — und das gegen seinen Ex-Klub.

(…)

5. Minute
Tor
0:1 — Torschütze: Ben­der

Anstatt zu flanken, legt Reus einen Freis­toß quer zu Sahin, der den Ball aus hal­brechter Posi­tion gefüh­lvoll in den Sechzehn­er hebt. Dort ist Ben­der zur Stelle und schießt mit links zur Führung ein. Sein erstes Saison­tor!

Ich hab’ schon ero­tis­che Geschicht­en gele­sen, die weniger expliz­it waren.

(Ern­sthaft: Warum liest jemand einen “Livet­ick­er” zu einem Fußball­spiel? — Ander­er­seits gibt es ja auch Leute, die bei Büch­ern erst mal auf den Film warten.)

Internes
Suchbegriffe, Monat Mai 2013

Der Monat hat erst ange­fan­gen, aber wie schon vor etwa einem Jahr haben bere­its viele Leute mit sehr merk­würdi­gen Vor­lieben hier­her gefun­den.

Suchen Mai 2013

Abge­se­hen von offen­sichtlichen Such­be­grif­f­en zu mehr oder weniger aktuellen Tex­ten mein­er­seits gab es auch einige sehr spezielle Anfra­gen:

tele­fon app android 4.0

Nö, für Android brauchst du keine Tele­fon-App, da ist schon eine drauf. Du instal­lierst ja auch keinen Brows­er für Fire­fox.

fer­der die frauen fick­en

Das heißt “Verder”, her­rje!

anständi­ge mäd­chen fick­en gern

Das ist ein wenig pauschal, oder?

fick dene mut­ter in den asch widio

“Widio”. WIDIO! Machen Inzestvideos blöd oder set­zt ihre Betra­ch­tung Blöd­heit voraus? Und warum lässt man solche Leute das Inter­net benutzen?

In eine ähn­liche Kat­e­gorie fällt allerd­ings auch:

pornos aus­lan­der fick­en veise frrauen

Weise Frrauen verzweifeln still.

Apro­pos:

fick­en beim schmalz aus­lassen

Also ich lasse das Fick­en eigentlich immer aus — das Schmalz jedoch eben­falls.

kather­ine jenk­ins brust 14. märz 2010

Am 15. März 2010 war sie nicht mehr inter­es­sant.

pin­guin witze

Hier ent­lang bitte. Wobei: Warst du das?

wie fick­en pin­guiene

Dann näm­lich bess­er nicht.

Ach, gab es denn über­haupt keine inter­es­san­ten Suchan­fra­gen im bish­eri­gen Mai? Doch, eine:

rat zu der musik­gruppe freiwild,ab welchem alter geeignet

Belan­glose “Rock­musik” ist nicht ab, son­dern bis zu einem bes­timmten Alter geeignet. Wer mit, sagen wir mal, Beginn der Volljährigkeit immer noch nichts Besseres hört, der wird diese Hölle niemals mehr ver­lassen kön­nen und den Rest seines Lebens mit, schaud­er, Musik aus dem Radio ver­brin­gen. Es liegt in unser aller Ver­ant­wor­tung, dass das nie passiert! Oder wollt ihr das wirk­lich einem Men­schen antun?

(Bei Leuten allerd­ings, die nach “fick dene mut­ter in den asch widio” suchen, ist das wahrschein­lich nicht mehr son­der­lich schlimm.)

Ich wende mich ab mit Grausen.

Netzfundstücke
Stupssex

“Warum bin ich immer noch Sin­gle?” hört man vielerorten junge und nicht mehr ganz so junge Mäd­chen verzweifelt rufen. Nun, vielle­icht liegt das daran, dass sie es poten­ziellen Bewer­bern nicht leicht machen, über­haupt als jemand zu erscheinen, der das ändern möchte.

Ein anschaulich­es Beispiel wurde mir ger­ade wieder in meine Twit­ter-time­line gespült. Auf Face­book gibt es bekan­ntlich die Funk­tion “Anstupsen”, die wahrschein­lich so was ist wie “Gruscheln” auf Stu­di­VZ. Offen­bar ist die Benutzung dieser Funk­tion inzwis­chen eine Kurz­form für “hal­lo, ich bin total inter­essiert an Sex mit dir” oder ähn­lich­es.

Twit­ter­nutzerin @_kleines__ gab näm­lich bekan­nt:

Mich in FB anschreiben und beste Fre­undin anstupsen.

Män­ner denken wohl, wir reden nicht.

Ohne Ken­nen­lern­chance geblockt.

Warum diese Hal­tung? Nun, das ist doch offen­sichtlich: Wenn ein (wom­öglich schüchtern­er und) an Frau @_kleines__ inter­essiert­er Mann sich näm­lich endlich aus der Deck­ung traut und sel­bige endlich anschreibt (wobei unklar ist, ob mehr als nur eine Begrüßung im Anschrieb stand), dann verpflichtet er sich damit selb­stver­ständlich sofort, jed­welche pos­i­tiv­en Kon­tak­te zu ihren Geschlechtspart­ner­in­nen zu unter­lassen.

“Ich habe mich tierisch in dich ver­liebt und kann nur noch an dich denken” wird wirkungs­los, sobald man eine andere Frau anstupst — Anstupsen ist bere­its der erste Schritt zur späteren Untreue!!1. Wieder was gel­ernt.

Tja — warum sind manche Frauen nur immer noch Sin­gle?

Spaß mit Spam
mm..hi)

mm…Spam) in meinem Postein­gang! Eine gewisse “Mila” (mit Anführungsze­ichen) schreibt mir ohne grundle­gen­des Ver­ständ­nis von Textfor­matierung, näm­lich ohne Zeilenum­brüche, dies:

Hi how a u??My name is Her­da.

Guten Tag, Frau “Mila”-Herda. Ich bin belustigt.

I have a great desire to find a mate and soul mate.

Also einen für’s Bett und einen für’s Sofa qua­si. Müssen die bei­den voneinan­der wis­sen?

I am 29 years old. I am gen­tle and affec­tion­ate girl. I want to find a per­ma­nent mate.

Also einen mate, einen soul mate und einen per­ma­nent mate. Zum Ohrwurm fehlt nur noch der funk soul broth­er. Aber warum soll­ten sich diese Her­ren für Sie, Frau “Mila”-Herda, inter­essieren?

Nun, dafür gibt es Gründe:

For this, I have all the fea­tures. I like to cre­ate com­fort me nice when the house is beau­ti­ful and clean. I think that seri­ous rela­tion­ship is a respon­si­bil­i­ty. But just as they are full of romance and feel­ings.

Ich über­set­ze frei: “Hier­für (für die Part­ner­schaft jed­welch­er Art, A.d.V.) bringe ich alle nöti­gen Voraus­set­zun­gen mit: Ich mag es, wenn das Haus sauber ist. Ich halte ern­sthafte Beziehung für Ver­ant­wor­tung, sofern sie voller Roman­tik und Gefüh­le ist”.

Hm.

Kurz gesagt: Frau “Mila”-Herda würde sich gern als Putze andi­enen und wäre damit über­aus glück­lich. Nun, dank der Emanzi­pad­ings kann eine Frau heutzu­tage ihre Stel­lung in der Beziehung ja selb­st nach Belieben definieren. Wer wäre ich, dass ich ihr da reinre­den würde?

Our dreams are the same?

Nee, ich mag nicht putzen und halte Putzen auch nicht für einen essen­ziellen Bestandteil ein­er roman­tis­chen Zweisamkeit.

I’m from Berlin !!!

Zum Glück schrieb sie mir auf Englisch; Berlin­er ver­steh’ ich immer so schlecht.

Vielle­icht sollte ich ihr mal schreiben.

PersönlichesPiratenpartei
Abrechnung mit Fabian Reinbold

(Vorbe­merkung: Ich bin gegen­wär­tig kein Funk­tion­sträger der Piraten­partei, jedoch allmäh­lich über­mäßig gen­ervtes Basis­mit­glied.)

Jed­er ken­nt sie, die pop­ulis­tis­chen Schmierfinken, die für eine bil­lige Schlagzeile jedes Risiko für Dritte in Kauf nehmen wür­den. Bei der BILD ist diese Hal­tung offen­bar zwin­gend voraus­ge­set­zt, das muss nicht expliz­it erwäh­nt wer­den.

Man sollte aber darüber nicht vergessen, dass auch andere Mag­a­zine Brand­s­tifter beherber­gen.

Bei SPIEGEL ONLINE etwa treibt seit Jahren Fabi­an Rein­bold sein Unwe­sen, der seit August 2011 dafür bezahlt wird, den Mythos Piraten­partei zu entza­ubern. (Und ich hat­te schon gedacht, das “Ressort Poli­tik”, in dem er beschäftigt ist, hätte irgend­was mit Poli­tik zu tun.) Die Welle an piratenkri­tis­chen Artikeln auf SPIEGEL ONLINE trägt zu einem beein­druck­enden Teil seine Hand­schrift, gele­gentlich auch zusam­men mit Kol­le­gin und (laut ZDF-Angestell­ter “koegler.nicole”) Pirat­en-Exper­tin Annett Meiritz, die es zumin­d­est noch manch­mal schafft, ihre Aver­sion gegen die Piraten­partei — mit Aus­nahme von Mari­na Weis­band, die sie anscheinend sehr mag — lei­dlich gut zu ver­ber­gen.

Dabei geht Fabi­an Rein­bold so weit wie son­st nur die BILD. Ein­er sein­er Artikel etwa kostete auf­grund ein­er wom­öglich bewusst missver­ständlichen, in diesem Kon­text falschen For­mulierung eine nur neben­bei erwäh­nte Angestellte der Berlin­er Pirat­en im weit­eren Diskus­sionsver­lauf ihren Arbeit­splatz. (Da ich nicht Fabi­an Rein­bold bin, verzichte ich auf Namen­snen­nung oder andere Details, die eine Iden­ti­fika­tion der anderen Beteiligten vere­in­fachen.) Das allein ist eigentlich Grund genug, dass es mir nicht leicht fällt, ihm gegenüber die Con­te­nance zu wahren. Zu rück­sicht­slosen Pop­ulis­ten sollte man nicht nett sein, denn das wer­den sie gegen dich ver­wen­den; und dass es Fabi­an Rein­bold bish­er auf Parteita­gen stets geschafft hat, mich zu mei­den, ist bedauer­lich, denn son­st hätte ich ver­mut­lich längst die Gele­gen­heit genutzt, ihm in mein­er bekan­nt umgänglichen Art seinen Beruf zu erk­lären. Jour­nal­is­ten näm­lich tun so etwas nicht.

Aber Fabi­an Rein­bold ist Teil dieser Presse, die wir unbe­d­ingt brauchen. Somit ist er auch weit­er­hin nicht nur geduldet, son­dern auch erwün­scht. “Auch schlechte Presse ist Presse”? Ich bezwei­fle es. Nach meinem Dafürhal­ten soll­ten Boule­vard­jour­nal­is­ten, die nicht bericht­en, son­dern mit Sug­ges­tivfra­gen an möglichst promi­nente Parteim­it­glieder auf­bauschen und Skan­dale her­beis­chreiben wollen, nach dem spätestens drit­ten Verge­hen (three strikes hat sich ja bewährt) lebenslanges Hausver­bot auf offiziellen Parteiver­anstal­tun­gen erhal­ten, und ich bin nach meinem Ken­nt­nis­stand nicht der Einzige, dessen fehlende Entschei­dungs­ge­walt alles ist, was zwis­chen Fabi­an Rein­bold und entsprechen­den Kon­se­quen­zen ste­ht. So jedoch kann er auch weit­er­hin jedes missver­ständliche Wort, jede Hal­binfor­ma­tion nutzen, um daraus einen weit­eren Unter­gang für die Partei zu machen. Das neueste Skandälchen ist das Mittelfinger-“Gate”. (Von dem kindis­chen Wort “Stinkefin­ger” nehme ich Abstand — meine Fin­ger duften.)

Achtung, es wird selb­st für Piraten­ver­hält­nisse pein­lich: Auf einem Foto zeigen mehrere Freibeuter demon­stra­tiv Parte­ichef Bernd Schlömer den Mit­telfin­ger. Das Bild postete ein Lan­des­geschäfts­führer. Schlömer sieht den Beginn ein­er “Treib­jagd auf einen Men­schen”.

(Her­vorhe­bung von mir; bitte beizeit­en mit der jour­nal­is­tis­chen Ethik des SPIEGELs ver­gle­ichen.)

Dass Fabi­an Rein­bold nicht ver­standen hat, dass “Freibeuter” im Piratenum­feld für “Sym­pa­thisan­ten, die (noch) keine Mit­glieder sind” ste­ht, ist aus­nahm­sweise nicht schlimm; dieses Wis­sen ist auch partei­in­tern lei­der kaum ver­bre­it­et. Doof nur, dass er auch son­st die falschen Schlüsse zieht. Ein “Parte­ichef” (der bei den Pirat­en auch nur ein ein­fach­es Mit­glied ist, was man gar nicht oft genug erk­lären kann), der stel­lvertre­tend für die Pirat­en bekan­nt gibt, dass der Wahlkampf wegen fehlen­der Kraft und Moti­va­tion qua­si ohne­hin vergebens sein würde, tritt so mit Anlauf denen in den Hin­tern, die viel wertvolle Leben­szeit in die Parteiar­beit investieren. Ein aus­gestreck­ter Mit­telfin­ger ist ein Witz dage­gen. Das ist keine Treib­jagd auf einen Men­schen, das ist mehrheitlich­es Ekligfind­en dessen, was Bernd Schlömer so in die Gazetten blub­bert. Wohl nie­mand der Treib­jäger wün­scht Her­rn Schlömer nach­halti­gen per­sön­lichen Schaden. Nur als Ober­vor­stand taugt er halt nix, und die Piraten­partei ist nun ein­mal so struk­turi­ert, dass ein her­zlich­es “halt’ endlich mal die Klappe, Chef, du redest zu viel Scheiße” als Mei­n­ung der Basis und nicht als Affront gew­ertet wird. Die einst von unter anderem Ger­hard Schröder pop­ulär gemachte Ver­trauensfrage würde Bernd Schlömer nach meinem Empfind­en auf­grund divers­er Diskus­sio­nen inner­halb der Basis einen äußerst gerin­gen Zus­pruch attestieren; trotz­dem nehme ich an, dass er anders als Johannes Pon­ad­er sein Amt auf dem kom­menden Bun­desparteitag in Neu­markt nicht ein­fach nieder­legen wird. (Pos­i­tive Über­raschun­gen erwarte ich von ihm schon lange nicht mehr.) Das ist etwas bedauer­lich.

Aber zurück zu Fabi­an Rein­bold. Dieser kann sich offen­bar selb­st nicht entschei­den, worin nun eigentlich sein Prob­lem mit der Piraten­partei liegt. Kurz nach seinem Dien­stantritt bei SPIEGEL ONLINE 2011 befürchtete er noch, die Pirat­en wür­den sich angreif­bar machen. Später war ihm das bei der Suche nach einem Schuldigen nur Recht: Let­ztes Jahr war es Johannes Pon­ad­er (“Das Pirat­en-Prob­lem heißt Pon­ad­er”, Okto­ber 2012), let­zten Sonnabend war es Sebas­t­ian Nerz, nur Bernd Schlömer ist es nie. Wie man es als Pirat schafft, von Fabi­an Rein­bold für jed­welch­es Tun in Schutz genom­men zu wer­den, erschließt sich mir nur als Ver­mu­tung — die bei­den haben in ihrer Vorge­hensweise viel gemein­sam.

Man ver­ste­he mich nicht miss: Kri­tis­che Berichter­stat­tung ist gut und wichtig. Wer jedoch keinen Hehl daraus macht, dass er die Piraten­partei (“pein­lich”, siehe oben) nicht nur kri­tisch betra­chtet, son­dern in sein­er Berichter­stat­tung gezielt, nun, Partei gegen sie ergreift, mag vielle­icht ein tal­en­tiert­er Blog­ger sein, für einen Vertreter von SPIEGEL ONLINE, mithin der so genan­nten “Presse” (das Wort hängt ety­mol­o­gisch mit “pressen” zusam­men, nicht?), ist das aber kein Ver­hal­ten, das man fördern sollte.

Ich empfehle diesen Text als eine War­nung zu betra­cht­en. SPIEGEL ONLINE ist kein ser­iös­es Medi­um. Seine Vertreter sind oft skru­pel­lose und gefährliche Men­schen, denen es nicht um die jour­nal­is­tis­che Wahrheit geht und die für eine reißerische Schlagzeile auch beru­fliche Exis­ten­zen zu ver­nicht­en imstande sind. Es ist falsch, diesen Leuten eine Plat­tform zu geben, auf der sie sich in Szene set­zen kön­nen.

Ange­blich hat Fabi­an Rein­bold sein Handw­erk an der Deutschen Jour­nal­is­ten­schule in München gel­ernt. Diese Schule sollte man im Auge behal­ten.

SPIEGEL ONLINE darf mich hier gern zitieren.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: SPIEGEL ONLINE und das subtile Vorurteil

Ach, “SPIEGEL ONLINE”, eine Frage hätte ich dann schon noch.

Am dieswöchi­gen Dien­stag schrieb deine Autorin Frauke Lüp­ke-Nar­ber­haus über eine geschlecht­sneu­trale Umk­lei­dek­abine an einem Gym­na­si­um in Stock­holm:

Es passt, dass diese Idee aus Schwe­den kommt.

Auf eine Erk­lärung für diesen Satz habe ich bis zum Ende des Artikels verge­blich gewartet, stattdessen geht Frauke Lüp­ke-Nar­ber­haus mehrfach auf Ereignisse an diesem einen Gym­na­si­um ein. Das ist ein biss­chen schade.

Aber es passt, dass dieser Text auf SPIEGEL ONLINE ste­ht.

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt CLIX: Das BKA und der Markenrechtstrojaner

Nach­dem vor eini­gen Jahren ein erster “Bun­de­stro­jan­er”, also ein mit ille­galen Meth­o­d­en arbei­t­en­des Werkzeug zur mehr oder weniger unbe­merk­ten Onlineüberwachung ver­meintlich­er Straftäter, eher weniger regelkon­form war, hat das Bun­desin­nen­min­is­teri­um nun nachgebessert:

Das Bun­desin­nen­min­is­teri­um hat zehn Lizen­zen des Fin­Spy-Tro­jan­ers für die „Quellen-Telekom­mu­nika­tion­süberwachung“ (Quellen-TKÜ) erwor­ben. (…) Das BKA will den eingekauften Tro­jan­er über­gangsweise ein­set­zen, bis die Behörde eine Überwachungssoft­ware in Eigen­regie entwick­elt hat.

Dass auch bei diesem neuen Tro­jan­er nicht alles regelkon­form abläuft, ste­ht außer Frage. Der Konz­ern hin­ter “Fin­Spy” beziehungsweise “Fin­Fish­er”, Gam­ma Inter­na­tion­al, sieht sich bere­its mit der ersten Klage kon­fron­tiert; nicht jedoch wegen der Entwick­lung ille­gal ver­wend­bar­er Anwen­dungssoft­ware, son­dern aus marken­rechtlichen Grün­den:

Mozil­la hat die Fir­ma Gam­ma Inter­na­tion­al abgemah­nt, welche die Überwachungs-Soft­ware Fin­Fish­er, auch bekan­nt als Staats-Tro­jan­er, her­stellt. Der Grund: Diese Soft­ware gibt sich als Fire­fox aus und bege­ht damit einen Miss­brauch der Mozil­la-Marke.

Dabei ist zur Erk­lärung erwäh­nenswert, dass der Tro­jan­er nicht so tut, als sei er ein Brows­er:

Gam­mas Soft­ware ist kom­plett eigen­ständig und benutzt lediglich Mozil­las Marken­ze­ichen um sich als Fire­fox und damit als ver­trauenswürdi­ges Pro­gramm zu tar­nen. Der Spi­onage-Tro­jan­er gibt sich als Firefox.exe aus und bein­hal­tet die dazuge­höri­gen Her­steller-Infor­ma­tio­nen wie die Ver­sion­snum­mer von Fire­fox und Copy­right-Hin­weise von Mozil­la. In den Quell­code wurde außer­dem das “Assem­bly Man­i­fest” von Fire­fox wortwörtlich einge­bun­den.

Die Zuständi­gen bei Gam­ma Inter­na­tion­al kön­nen allerd­ings froh sein, dass sie ihr Pro­dukt nicht davidbowie.exe genan­nt haben. Der GEMA traue ich inzwis­chen alles zu.

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenWirtschaft
Mehr Hartz IV für alle!

Heute wird wie jedes Jahr der Kampf­tag der Arbeit­erk­lasse zele­bri­ert. Während einige Leute diesen Tag nutzen, um geräuschre­ich die NPD zu kri­tisieren, und andere der Ansicht sind, eine polizeilich genehmigte Kundge­bung sei total rev­o­lu­tionär, haben zumin­d­est die Gew­erkschaftler und einige Parteien auch den früheren Sinn dieses Tages, näm­lich die Vertre­tung der Rechte ein­fach­er Arbeit­nehmer, nicht vergessen.

Zum Beispiel die SPD.

Die Gew­erkschaften wollen durch Mitbes­tim­mung und Tar­if­poli­tik die Lage der arbei­t­en­den Men­schen verbessern. (…) Denn nur gute Arbeit sichert gute Renten.

Deshalb fordern SPD und Gew­erkschaften unter anderem dies:

  • einen geset­zlichen Min­dest­lohn von min­destens 8,50 Euro – flächen­deck­end, in allen Branchen, in Ost und West
  • die Ver­hin­derung des Miss­brauchs von Werkverträ­gen
  • die Abschaf­fung der Möglichkeit, befris­tete Arbeitsverträge ohne Sach­grund abzuschließen

Dass die “8,50 Euro” laut DGB, auf den die SPD sich hier stolz beruft, zu einem Einkom­men unter der Armutsgren­ze führen wür­den, sei mal gnädig ver­schwiegen, immer­hin war von min­destens 8,50 Euro die Rede. (Gut, die SPD spricht aus­drück­lich von “guter Arbeit für alle”, nicht von “gut bezahlter Arbeit für alle”, insofern kann man es ihr ohne­hin nicht begrün­det vor­w­er­fen.)

Dass die Agen­da 2010 einen Real­lohn­ver­lust von etwa neun Prozent mit sich brachte, wie der dor­tige Kom­men­ta­tor “Garfield” anmerk­te, set­zt den Forderun­gen von SPD und Gew­erkschaften allerd­ings die Eselsmütze auf. Die Hartz-IV-Geset­zge­bung machte die Ver­hin­derung des Miss­brauchs von Werkverträ­gen eben­so schwieriger wie die Abschaf­fung der Möglichkeit, befris­tete Arbeitsverträge ohne Sach­grund abzuschließen. Im Wesentlichen ruft also die SPD dieses Jahr dazu auf, gegen die Poli­tik der SPD zu demon­stri­eren.

Nicht, dass wir das nicht sowieso tun soll­ten.

Sonstiges
Von der Unsterblichkeit

“Scheiße, ich frag’ mich, welch­er gottver­dammte Zauber hält diese leere Hirn­waschkul­tur am Leben?”
– Slime: Unsterblich


Das Philoso­phiemagazin “Hohe Luft”, dessen Name sich­er irgen­det­was Tief­schür­fend­es zu bedeuten hat, stellt in sein­er aktuellen Aus­gabe die rhetorische Frage, ob der Tod wirk­lich das Ende des Lebens zu bedeuten habe, nur um sie sogle­ich zu verneinen. Was aber bleibt vom Leben?

Unsterbliche Fig­uren unser­er Tage sind unter anderem der olle Jesus, Elvis, Andy Warhol und Mar­i­lyn Mon­roe. Erster­er ist vielle­icht auf­grund der nicht zweifels­frei gesicherten Geschehnisse sep­a­rat zu betra­cht­en. Fan­gen wir doch gle­ich mal mit ihm an. Jesus (der über­lieferte, nicht ein­mal der his­torisch belegte, der ver­mut­lich eher unspek­takulär lebte und starb) ist heute unsterblich, weil ihm viele Wun­der nachge­sagt wer­den (eigentlich sollte Rasputin auch eine Reli­gion bekom­men) und die Kanon­isierung des Neuen Tes­ta­ments nur die vorteil­haften Geschicht­en über ihn kumulierte. Der Mythos Jesus wurde also kün­stlich aufge­baut, um eine Iden­ti­fika­tions­fig­ur zu haben, die jahrhun­derte­lang das stille Vor­bild für die Chris­ten sein sollte. (Aus gutem Grund sind außerkanon­is­che Schriften heutzu­tage kaum ver­bre­it­et.) Diese Iden­ti­fika­tions­fig­ur ist auch viele Jahrhun­derte nach ihrem Tod den meis­ten Men­schen in ihrem ange­blichen Wirken bekan­nt; manche nen­nen es “Tra­di­tion”. Diese Art der Unsterblichkeit ist eine, die dem Unsterblichen ziem­lich pein­lich wäre, würde er irgend­wann ins Reich der Leben­den zurück­kehren, wie es ja immer wieder prophezeit wird. Wäre ich maßge­blich dafür ver­ant­wortlich, dass jahrhun­derte­lang ziem­lich unan­genehme Kriege geführt wür­den, ich würde mich wohl prompt ein zweites Mal ziem­lich tot fühlen.

Dieser Jesus also ist eine Aus­nahme, denn er ist nicht unsterblich in dem, was er uns hin­ter­lassen hat. Anders sieht es bei Elvis, Andy Warhol und Mar­i­lyn Mon­roe aus. Alle drei haben in ihrem Fachge­bi­et (“Musik”, “Kun­st” und “Schaus­piel”) Dinge voll­bracht, an denen wir uns noch ein halbes Jahrhun­dert später direkt, ohne Umweg über ver­staubte Büch­er oder die stille Post, zu erfreuen ver­mö­gen, so uns denn der Sinn danach ste­ht. Die machten’s, so “Hohe Luft”, offen­bar richtig: Sie schufen mehr oder weniger Großes für die Nach­welt, die wohl noch über mehrere Gen­er­a­tio­nen hin­weg das Loblied der Erschaf­fer sin­gen wird.

Wir aber, was wird aus uns, die wir nicht viel erschaf­fen, was von Wert ist? Unsere Tweets wer­den irgend­wann genau so ver­schwinden wie unsere län­geren Texte, unsere gele­se­nen E‑Books, unsere E‑Mails. Nur das E‑Government wer­den wir nicht mehr los. Unsere Nach­fahren wer­den vielle­icht noch unsere Plat­ten­samm­lung bewun­dern, unsere Büch­er­samm­lung, vielle­icht gar etwas daraus in den eige­nen Bestand übernehmen und sich daran erfreuen. Als Men­schen jedoch wer­den wir wohl über­wiegend schlicht weg sein. Und warum sollte uns das stören?

Warum strebt der Men­sch danach, nach dem Tod noch etwas zu bedeuten? Vielle­icht ist es die Verzwei­flung, die Weigerung zu akzep­tieren, dass das Leben umson­st gewe­sen sein soll. Leben, um unsterblich zu wer­den, erscheint mir allerd­ings etwas unvol­lkom­men. Jemand, der immer nur nach Ein­fluss, Bekan­ntheit oder son­stiger Macht strebt, find­et neben­bei nur schw­er­lich Zeit, an seinem Leben aktiv teilzunehmen. Was muss ein solch­er Men­sch nur für ein Leid erdulden! Nein, zum Idol soll­ten wir ihn uns nicht machen, vielmehr seinen Tod als mah­nen­des Beispiel ehren: Seht ihn an, den erfol­gre­ichen Men­schen! Auf dem Weg zur Unsterblichkeit ver­säumte er es zu leben, und nun ist er auf ewig gefan­gen in sein­er Berühmtheit und weiß doch nichts mehr daraus zu machen als seinen Erben das Leben zu verkom­plizieren.

Diese Men­schen wollen nicht unsterblich über den Tod hin­aus wer­den, sie wollen diese Unsterblichkeit bere­its zuvor genießen kön­nen. Die 15 Minuten Ruhm, die Andy Warhol jedem Men­schen prophezeite, wollen genossen und aus­gelebt wer­den. Ich kann mir zwar vorstellen, dass es eine erlebenswerte Erfahrung ist, wenn man auf der Straße erkan­nt und freudig umjubelt wird, aber ist das bere­its diese Unsterblichkeit, die bere­its Kant in Grundzü­gen ver­stand?

Tat­säch­lich soll­ten wir unsere eigene Sterblichkeit nicht zu besiegen ver­suchen, son­dern jeden Tag auf’s Neue vor unsere Augen hal­ten, denn jed­er ver­strich­ene Tag ist eine ver­tane Chance. Ihr soll­tet das nutzen.

(Und ich sollte aufhören, Philoso­phiemagazine zu lesen.)


“Das let­zte Hemd hat keine Taschen, er nimmt bes­timmt nichts mit.”
– Die Toten Hosen: Ehren­mann

PersönlichesMontagsmusik
Yes — Don’t Go

Tat­säch­lich kann so ein Mon­tag ja dann auch nichts dafür, wenn man Son­ntag abends zurück­kehrt und der Sod bren­nt; der Sitz der Seele ist beim Mann offenkundig der Ver­dau­ungstrakt und nicht der Penis, jeden­falls ver­lebt man hin und wieder so ein Woch­enende voller Obs, Wenns und vor allem Abers in einem oben­drein frem­den Land und lässt sich unbe­merkt mitreißen. Die immens rel­e­vante Lek­tion, vor’m L(i)eben zu ler­nen, lautet nicht “Zähne putzen, dann ins Bett”, son­dern “ein­fach mal was (zum Beispiel sich) fall­en lassen”, nur echt und ehrlich ohne Netz und dop­pel­ten Boden, denn manch­mal zumin­d­est stammt die Tiefe aus den Augen und nicht aus dem Sinn und der Sinn wiederum eben­falls aus ihnen, und alles (ste­ht und) fällt mit dem Moment, der sich partout weigert zu über­dauern. Ein Loblied dem (elen­den) Ver­stand und der ver­dammten Men­schlichkeit.

I keep on fallin’ (Ali­cia Keys), denn wenn man schon sein Inner­stes nach außen kehrt, dann wenig­stens so, dass man nie­man­den vol­lkotzt außer halt sich selb­st. Sehn­sucht ist, wenn man trotz­dem lacht (und lebt und der­gle­ichen, cv. Her­bert Gröne­mey­er, “Men­sch”). Aber der Mon­tag ist ein leichter­er Geg­n­er als das mor­gendliche Spiegel­bild.

You’re just fool­ing your­self again bzw. eben don’t take love for grant­ed, wie immer ohne Gewähr. Superzahl: Null.

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt CLVIII: Gewöhnliche Behinderung.

Behin­derten­park­plätze sind eine bemerkenswerte Erfind­ung des Sozial­sys­tems, dienen sie doch meist dazu, es gebrech­lichen — vul­go eben behin­derten — Per­so­n­en zu ermöglichen, ohne einen allzu großen Umweg die Strecke vom Park­platz zum gewün­scht­en eigentlichen Ziel zurück­le­gen zu kön­nen. (Ähn­lich­es gilt für Frauen­park­plätze.)

“Wie behin­dert muss man sein?” ist in der Jugend­sprache eine häu­fige Floskel. Nun: Wie behin­dert muss man sein? Voraus­set­zung zur Nutzung eines Behin­derten­park­platzes ist eine außergewöhn­liche Gehbe­hin­derung. Das Berlin­er Lan­desamt für Gesund­heit und Soziales etwa erk­lärt:

Außergewöhn­lich gehbe­hin­dert ist die Per­son, die sich wegen der Schwere ihrer Behin­derung dauernd nur mit fremder Hil­fe oder nur mit großer Anstren­gung außer­halb eines Kraft­fahrzeuges bewe­gen kann.

Dies scheint nur zu gel­ten, wenn bei­de Beine kom­plett fehlen:

Nur noch ein Bein zu haben reicht nicht aus, um auf Behin­derten­park­plätzen parken zu dür­fen. Das hat das Lan­dessozial­gericht Sach­sen-Anhalt entsch­ieden.

“Sie sind doch nicht behin­dert, Sie haben doch immer noch ein Bein!”

Ich würde ja sagen, diese Argu­men­ta­tion ste­ht auf wack­li­gen Beinen.