In den NachrichtenNerdkrams
Nachtrag zum Thema digitale Mündigkeit: “Nutz’ Linux, da wirste nich’ ausspioniert!”

Die Lösung für alle Überwachung­sprob­leme laut Twit­ter: “Skype und Face­book wer­den überwacht! Lasst es uns unter Lin­ux nutzen!”


Auch und ger­ade vor dem Hin­ter­grund der NSA-betriebe­nen total­en Überwachung und mein­er Auf­forderung zu mehr dig­i­taler Mündigkeit werde ich gele­gentlich spöt­tisch gefragt, warum ich auf einem mein­er Sys­teme nach wie vor auf Win­dows set­ze, das böse Win­dows mit dem NSAKEY von dem bösen Microsoft, das sich per­fider­weise an die Geset­ze hält, und nicht eben­falls auf FreeB­SD oder andere ver­meintlich über­legene (weil offene) Sys­teme. Beson­ders häu­fig ernte ich diese Kri­tik von Lin­uxnutzern. Das ist ein wenig merk­würdig.

Dass der Quell­code von Lin­ux näm­lich weit­ge­hend offen ver­füg­bar ist, bedeutet noch keine Fehler­frei­heit oder Sicher­heit. Veröf­fentlichte Sicher­heit­slück­en in ver­bre­it­eten Lin­ux­di­en­sten bis hin zu Kernkom­po­nen­ten (etwa su/sudo) sind nahezu an der Tage­sor­d­nung. Viele Köche sehen mehr, aber sie verder­ben eben auch den Brei. Auch unter Umstän­den kri­tis­che Lück­en bleiben da schon mal monate‑, gar jahre­lang unbe­merkt. “Nimm Lin­ux, da fall­en Fehler schneller auf”. Hier hast du 2 Mil­liar­den Zeilen Quell­code der aktuellen Ver­sion, der mor­gen schon wieder ver­al­tet ist, guck sel­ber, ob da irgen­dein Hin­tertürchen drin ist. Es ist schön, dass ihr den Quell­code the­o­retisch ken­nen kön­nt, aber ver­traut ihr ihm? Wenn ja: Warum?

Es gibt keine fehler­freie Soft­ware, das sollte jedem Com­put­er­nutzer klar sein. Aber kann es nicht auch sein, dass die NSA sich selb­st Hin­tertüren in Win­dows einge­baut hat? — Möglich ist das natür­lich. Die NSA ist poten­ziell unser Feind, das hat jed­er außer der Kan­z­lerin wahrschein­lich bere­its gemerkt, und ihre Bon­bons sind höchst­wahrschein­lich vergif- oh:

SELin­ux wird maßge­blich von der NSA und von dem Lin­ux-Dis­trib­u­tor Red Hat entwick­elt. (…) Für Ker­nel 2.4.x gibt es einen Patch, in Ker­nel 2.6.x ist SELin­ux direkt inte­gri­ert.

“Nimm Lin­ux, das ist sich­er vor der NSA”. Klar, der Quell­code ist offen. Und — habt ihr ihn über­prüft? Aber ich ver­ste­he schon: Die Lin­ux-NSA ist gut und die Win­dows-NSA ist böse. So ein­fach geht das. Und eigentlich ist ja auch nicht die NSA schuld, son­dern Microsoft und Google und Face­book und Apple sind schuld, dass sie Dat­en ihrer Benutzer her­aus­geben. (Dass Microsoft dies aus­drück­lich verneint hat, wird gern vergessen.) Bei PRISM ging es im Übri­gen — das wird bei diesem The­ma gern vergessen — auch nie darum, ob irgendwelche Hin­tertüren in Betrieb­ssys­te­men vorhan­den sind, vielmehr ermöglicht es Geheim­di­en­sten ange­blich, auf live geführte Kom­mu­nika­tion und gespe­icherte Infor­ma­tio­nen bei den beteiligten Inter­netkonz­er­nen zuzu­greifen. Angriff­sziel von PRISM sind also nicht “eure Com­put­er”, es ist die cloud. Die cloud, das sind Google Dri­ve und Google Mail und die iCloud und Face­book und Win­dows Azure und Win­dows Sky­Drive und Drop­box und Ubun­tu One und auch eure “im eige­nen Land”, aber eben meist auf fremder Hard­ware liegende own­Cloud. Das Betrieb­ssys­tem, mit dem wir unsere Dat­en hochladen, ist hier­bei vol­lkom­men uner­he­blich. PRISM ist keine Samm­lung von Tro­jan­ern, die direkt auf dem Lap­top Bilder von euren Briefen und Mails machen. Das Prob­lem ist nicht das Betrieb­ssys­tem, das Prob­lem sind die ach-so-nüt­zlichen Pro­gramme, mit denen ihr eure Dat­en bear­beit­et. Office 365, Pho­to­shop Cre­ative Cloud, Google Dri­ve — ihr lasst nicht nur zu, dass “eure Soft­ware” nicht mehr euch gehört, ihr spe­ichert die damit erstell­ten Werke auch auf frem­den Rech­n­ern, ist halt so prak­tisch.

Richtig ist hinge­gen, dass es wichtig ist, die Integrität der eige­nen Dat­en stets zu gewährleis­ten. Ob man nun seine Mails mit GnuPG ver­schlüs­selt (das geht unter Win­dows übri­gens mit The Bat! deut­lich leichter als mit dem stroke­li­gen Thun­der­bird, das in diesem Zusam­men­hang gern genan­nt wird), im instant mes­sen­ger sein­er Wahl stan­dard­mäßig OTR-Ver­schlüs­selung aktiviert oder seine Drop­box absichert: Welch­es Betrieb­ssys­tem ihr dafür ver­wen­det, bleibt allein euren Vor­lieben über­lassen. Ihr wollt ver­hin­dern, dass die NSA eure Dat­en bekommt? Vielle­icht soll­tet ihr sie ihr dann ein­fach nicht unge­beten in den Briefkas­ten wer­fen.

Und — sind eure Dat­en sich­er?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXX (2): Wir, die Staatsfeinde, leben wenigstens nicht in der DDR.

Wisst ihr noch, als der Regierungssprech­er die Abhör­si­t­u­a­tion in Deutsch­land mit dem Kalten Krieg ver­glichen hat? Nun, wir haben Glück gehabt, so schlimm ist es nicht, sagt die Kan­z­lerin:

Die Bun­deskan­z­lerin stellt sich in der NSA-Abhöraf­färe hin­ter die deutschen Geheim­di­en­ste. (…) Sie wün­sche sich, “dass wir die notwendi­ge Diskus­sion mit den Vere­inigten Staat­en von Ameri­ka in einem Geist führen, der bei allen mehr als berechtigten Fra­gen nie ver­gisst, dass Ameri­ka unser treuester Ver­bün­de­ter in all den Jahrzehn­ten war und ist.”

Wie eben die Sow­jets immer die treuesten Ver­bün­de­ten der DDR waren, wenn man ein Herr-und-Sklaven-Ver­hält­nis denn zum Bünd­nis per­vertieren möchte; ich zum Beispiel kann mich nicht daran erin­nern, dass “Ameri­ka” Deutsch­land in den let­zten paar Jahrzehn­ten irgen­deinen Gefall­en getan hätte.

Dass deutsche Bürg­er indes von mehreren Staat­en aktiv bespitzelt wer­den, hat mit der Arbeit der Stasi, mit der das gern ver­glichen wird, über­haupt nix zu tun!!1:

“Für mich gibt es über­haupt keinen Ver­gle­ich zwis­chen der Staatssicher­heit der DDR und der Arbeit der Nachrich­t­en­di­en­ste in demokratis­chen Staat­en. (…) Die Arbeit von Nachrich­t­en­di­en­sten in demokratis­chen Staat­en war für die Sicher­heit der Bürg­er immer uner­lässlich und wird es auch in Zukun­ft sein.”

Ach so. Sicher­heit! So kann man es auch sehen: Wir müssen nie wieder Angst vor Daten­ver­lust haben, es gibt ja ein Back­up.

Wer hat noch mal dieses Pack gewählt?

PersönlichesMusik
Mein Musikfaschismus: Die “andere” Geschichte.

Ich hat­te im August 2010 unter dem Titel “Mein Musik­faschis­mus” unter anderem geschrieben:

Mit dem “Sound­track meines Lebens” (…) untrennbar ver­bun­den sind und bleiben so die Texte der Ärzte, der Toten Hosen und der Fan­tastis­chen Vier. Aber das ist eine andere Geschichte.

Vielle­icht ist es an der Zeit, euch diese Geschichte zu erzählen. Keine Sorge: Sie ist trotz ihrer Zeitspanne recht kurz.

In jun­gen Jahren war ich, wie so viele mein­er Altersgenossen, noch leicht zu beein­druck­en von deutschsprachiger Rock­musik. Über das Radio geri­et ich an Die Ärzte, über Fre­unde an Die Toten Hosen (“Zehn kleine Jäger­meis­ter” — wenn man 14 oder 15 ist, find­et man das zum Brüllen). Wie genau ich an die Fan­tastis­chen Vier ger­at­en bin, weiß ich heute nicht mehr — wahrschein­lich trägt eben­falls das Radio die Schuld. “Arschloch! Arschloch! Arschloch!” war tat­säch­lich die zweite Liedzeile, die ich in meinem Leben bewusst auswendig kan­nte; die erste lautete: “Hörst du die Glock­en von Stel­la Maria, von Stel­la Maria, von Stel­la Maria?”. — Ich hat­te, wie erwäh­nt, eine musikalisch gese­hen nicht unbe­d­ingt tolle Kind­heit.

Mit meinem ersten ernst zu nehmenden Liebeskum­mer wenige Jahre später fie­len also die Ken­nt­nis der Lied­texte von Für uns (Die Ärzte), Der Froschkönig (Die Toten Hosen) und Sie ist weg (Die Fan­tastis­chen Vier). Das sind vielle­icht keine ide­alen musikalis­chen Voraus­set­zun­gen für die Ver­ar­beitung der ver­flosse­nen ersten Liebe, und geholfen hat es auch nicht, aber das wohl wesentlich hil­fre­ichere “OK” von Farin Urlaub lag mir damals noch nicht so nahe. Heute erscheint es mir wahrschein­lich, dass ich seel­is­chen Schmerz immer mit Gegen­schmerz zu bekämpfen ver­suchte statt ihn mit fröh­lichem Pop zu übertö­nen. Por­tu­gal. The Man wären ver­mut­lich eben­falls in der Lage, mich aus der dama­li­gen seel­is­chen Lage zu befreien, aber ich hat­te es schlicht nicht ver­sucht.

Einige Jahre später lernte ich eine Frau ken­nen, die wie ich die Fan­tastis­chen Vier vor allem wegen ihrer Texte zu schätzen wusste. Wir hörten oft “Viel” und teil­ten unser Leid, dass sich in den Tex­ten eigentlich unser ganzes Leben spiegelte. Als sie irgend­wann, wie ich es längst gewohnt war, das Inter­esse an mir ver­lor, begann für mich auch der Text von “Ewig” etwas Per­sön­lich­es zu bedeuten, und immer wieder auch “Der Froschkönig” und später “Nichts in der Welt”. Dass junge Men­schen heutzu­tage ihren Kum­mer meist (wenn schon nicht in Alko­hol) in englis­chsprachigem Pop oder manch­mal Grunge ertränken, kann ich insofern nur begren­zt ver­ste­hen. Kurt Cobain (oder Tay­lor Swift) mochte gele­gentlich Ähn­lich­es besin­gen wie das, was im Herzen der unglück­lich Ver­liebten vor sich geht, aber das Herz spricht nun mal die Mut­ter­sprache, auch dann, wenn man als unglück­lich ver­liebter Teenag­er “i miss u” in Baum­rinden (und auf virtuelle Pin­nwände) ritzt und dabei “ich ver­misse dich” fühlt. Zum Fühlen ist so ein Herz nie zu bequem, und das ist eigentlich ärg­er­lich. Vielle­icht ist auch das eine Man­i­fes­ta­tion meines Musik­faschis­mus’: Gefühls­be­wäl­ti­gung mit englis­chsprachiger Pop­musik kann ich nicht ernst nehmen.

Part­ner­in­nen also, ob nun mit enger oder nahezu ohne Bindung gegenüber einan­der, kamen und gin­gen, sie blieben nie lange. Zurück aber blieben immer die Toten Hosen, die Ärzte und die Fan­tastis­chen Vier mit ihren zeit­losen Tex­ten, die so überzeu­gend wie son­st wohl nur wenige die Emo­tion­swelt eines Ver­lasse­nen abzu­bilden und nicht nur zu para­phrasieren ver­mö­gen und so das Leid des Hör­ers teilen, statt ihm nur die kalte Schul­ter zum Ausweinen zu zeigen.

Dafür soll­ten wir diesen Kün­stlern ewig dankbar sein.

SonstigesIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXII: Warum Verlierer nicht gegendert werden

Da die Medi­en gern Stu­di­en bemühen, um die Diskri­m­inierung irgendwelch­er Men­schen­grup­pen zu bele­gen (ich berichtete), kann es heil­sam sein, gele­gentlich auf einan­der wider­sprüch­liche Stu­di­en aufmerk­sam zu machen. Medi­enkom­pe­tenz will gel­ernt sein.

Im Gegen­satz zu den Stu­di­en, die eine struk­turelle, gesellschaftliche Diskri­m­inierung auss­chließlich der Frauen diag­nos­tizieren, ste­ht zum Beispiel eine Daten­er­he­bung des Sta­tis­tis­chen Bun­de­samts, die Wal­ter Holl­stein — ein Mann, ver­ste­ht sich — auf Sueddeutsche.de zusam­men­fasst. Ich gehe davon aus, dass bere­its dieser Satz manchen ver­meintlich aufgek­lärt-pro­gres­siv­en Leser zu der Behaup­tung ver­leit­en wird, dass ein Mann gar nicht fähig sei, objek­tiv über Geschlechter­rollen zu bericht­en. Nur: Wer dann?

Also, der Herr Holl­stein so (teils zitieren­der­weise):

“Medi­en und Frauen haben Män­nern über Jahrzehnte erzählt, sie seien über­flüs­sig, gewalt­tätig, dumpf und sowieso ein Irrtum der Natur. Da ist es doch kein Wun­der, dass sie keine Stützen der Gesellschaft wer­den wollen.” (…) In den ver­gan­genen vier Jahrzehn­ten sind Tren­nun­gen und Schei­dun­gen zu etwa 75 Prozent von Frauen aus­ge­gan­gen. Nun sor­gen Män­ner vor, indem sie sich erst gar nicht mehr auf eine Beziehung ein­lassen — vor allem nicht auf eine, die staats- und standesamtlich zemen­tiert wird. (…) Die Poli­tik ist an dieser Entwick­lung nicht unschuldig. Sie hat über vier Jahrzehnte hin­weg nur Mäd­chen und Frauen gefördert. Das ange­blich so starke männliche Geschlecht hat sie vergessen.

Ich mein­er­seits bedanke mich bei Wal­ter Holl­stein dafür, dass ich nun endlich weiß, dass meine gele­gentlich ver­spürte Ein­samkeit nur ein Zeichen mein­er Frei­heit ist.

(Super-Sym­bol­fo­to auch: “Beim Käserollen am Cooper’s Hill in Glouces­ter, Großbri­tan­nien, kugeln junge Män­ner den Berg hin­unter.” Ich hat­te mir mein Leben irgend­wie anders vorgestellt.)

ProjekteNerdkrams
Neues: eMule beba 2.72 sowie OpenDownload² 3.4.2

Für diejeni­gen unter euch, die hier mitle­sen, weil sie gern Neues von meinen eher tech­nis­chen Pro­jek­ten erfahren möcht­en, gibt es übri­gens wieder zwei Nachricht­en zu ver­melden. Ich bitte um Beach­tung sowie um Verzei­hung für die außer­plan­mäßige Unter­brechung des gewohn­ten Ablaufs.

Erstens:
Vor ein paar Tagen habe ich Open­Down­load² aktu­al­isiert. Diese Erweiterung rüstet den “Ausführen”-Knopf für Down­loads in den Browsern Fire­fox und Sea­Mon­key nach. Sie hat nun ein eigenes Sym­bol bekom­men und macht hof­fentlich weniger Fehler beim Erken­nen, wann eine Datei aus­führbar ist und wann nicht. (Nach­trag von Mitte August 2013: Nein, macht sie nicht — eine neuere Ver­sion ist bere­its hochge­laden wor­den.)

Zweit­ens:
Ich habe heute endlich die Arbeit an eMule beba 2.72 been­det. Es wurde ein langjähriger, größer­er (aber blöder) Fehler behoben, der die Bew­er­tung von Clients in der Warteschlange unter Umstän­den inko­r­rekt vor­nahm. Außer­dem wurde die Ver­sion­süber­prü­fung verbessert.

Fra­gen und Anre­gun­gen zu diesen Pro­jek­ten, ins­beson­dere zu den neuen Ver­sio­nen, nehme ich wie gewohnt unten im Kom­men­tar­bere­ich ent­ge­gen. Besten Dank für die Aufmerk­samkeit.

Sonstiges
(So was wie) Medienkritik in Kürze: Zeichentrick in der Schwebe

Ein inter­es­santes medi­enüber­greifend­es Phänomen im com­ic und im Zeichen­trick — sta­tisch wie ani­miert — ist die weit­ge­hend ähn­liche Darstel­lung von Schwe­bezustän­den. Tat­säch­lich scheinen Außerirdis­che, Raum­schiffe und weit­ere flugfähige Ele­mente eines solchen Medi­ums grund­sät­zlich Hum­meln im Hin­tern zu haben; sie heben und senken sich kon­tinuier­lich.

Bemerkenswert ist, dass Galax­ius vom Sax­ilus in der Serie “Fam­i­lie Feuer­stein” (1959 — 1966) noch nicht zur schwank­enden Schwebe neigte:

The Flint­stones Meet The Great Gazoo 2

In der Gegen­wart und Zeichen­trick­zukun­ft dage­gen hat man das offen­bar vergessen; seit eini­gen Jahrzehn­ten bis in ferne Zukun­ft scheint es auf der Zeichen­trick­erde mit­tler­weile unmöglich zu sein, den unbe­wegten Schwe­bezu­s­tand zu erre­ichen (cf. Futu­ra­ma 7x14 “2‑D Black­top” und weit­ere Episo­den mit “schweben­den” Fahrzeu­gen und Raum­schif­f­en). Die Fernsehserie “Dark­wing Duck” etwa ist eine reich­haltige Quelle für anschauliche Belege (man beachte etwa die Kinder am Anfang dieser Episode; Laufen ist eben sooo 21. Jahrhun­dert), Analo­gien sind in den meis­ten Dis­neytrick­pro­duk­tio­nen zu find­en. Dieser Drang nach Verdeut­lichung des Schwe­bezu­s­tands man­i­festiert sich sog­ar in nicht ani­mierten comics, in denen das In-der-Luft-Ste­hen nicht ohne die einst von Rudolph Dirks erdacht­en Bewe­gungsstreifen zu funk­tion­ieren scheint. Bloße Effek­thascherei?

Die aus mir uner­gründlichen Grün­den beliebte Film­rei­he “Star Trek” zum Beispiel, die selb­st auf bloße Effek­thascherei set­zt, zeigt des Öfteren im freien Raum schwebende Objek­te, auch Raum­schiffe. Die ste­hen ein­fach in der Luft, die schwin­gen nicht auf und ab. Wenn vor eur­er Nase plöt­zlich ein Polizist aus der Zukun­ft appari­erte und, während er mit euch spricht, ständig in der Luft herumwack­elt, wie viel Respekt würdet ihr ihm zollen kön­nen, sofern er ihn ver­di­ente?

Worauf ich eigentlich hin­auswill, ihr Manga‑, Com­ic- und son­sti­gen Zeich­n­er: Schweben ist ein unbe­wegtes Tun. Nehmt das bitte wohlwol­lend zur Ken­nt­nis.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLXXI: “Bürgerkrieg: Droht jetzt ein Bürgerkrieg?”

Ver­ständ­nis­frage:

Tage­lange teils blutige Massen­proteste, die zum Sturz eines Präsi­den­ten und zur Machtüber­nahme durch das Mil­itär des jew­eili­gen Lan­des führen, würdet ihr doch auch “Bürg­erkrieg” nen­nen, oder?

N24 nicht.

Nach tage­lan­gen teils bluti­gen Massen­protesten für und gegen den Islamis­ten Mur­si hat­te das Mil­itär den ersten freigewählten Präsi­den­ten Ägyptens am Mittwochabend gestürzt und unter Arrest gestellt. Weltweit löste die Entwick­lung Sorge vor weit­er­er Gewalt bis hin zu einem Bürg­erkrieg aus.

Huch — am Ende wird noch jemand ver­let­zt!

Piratenpartei
Ostdeutsche Intriganzpiraten

(Vorbe­merkung: Vielle­icht wäre es für das Anse­hen der Piraten­partei klüger, auf diesen Text zu verzicht­en. Ich per­sön­lich würde aber gern weit­er­hin mit Stolz statt voller Scham dazu ste­hen, Pirat zu sein; dazu gehört es, auch unbe­queme Vor­fälle zu pro­tokol­lieren. Ich bin Pirat und ich finde das gut. — Alle Namen wur­den gekürzt, um weit­eren Schaden abzuwen­den.)

In unser­er beliebten Rei­he “warum man die Piraten­partei momen­tan nicht in irgendwelchen Par­la­menten sehen wollen sollte” hat sich schon seit Wochen nichts mehr getan. Die Piraten­partei wäre aber nicht die Piraten­partei, wenn sie diesen untrag­baren Zus­tand nicht schnell­st­möglich rev­i­dieren würde. Nun: Mis­sion erfol­gre­ich!

Am Sonnabend näm­lich fand in Dessau im schö­nen Sach­sen-Anhalt, dem Land der Frühauf­ste­her (wer halt son­st nüscht hat), bekan­ntlich ein außeror­dentlich­er Parteitag der dor­ti­gen Piraten­partei statt. Nach­dem im Mai der Vor­stand großteils zurück­ge­treten war, war der Lan­desver­band prak­tisch entschei­dungs- und damit hand­lung­sun­fähig. Dass die Ein­ladun­gen für den anber­aumten Ter­min teil­weise einige Tage zu spät abgeschickt wur­den und damit der Parteitag the­o­retisch anfecht­bar ist, ist ein inter­es­santes Bon­mot, aber bei Pirat­en ja längst guter Stil. (Ob das noch zu Prob­le­men führen wird, bleibt abzuwarten.)

Auf diesem Parteitag jeden­falls sollte also ein neuer Lan­desvor­stand gewählt wer­den. Da die eigentlich beab­sichtigte Ver­samm­lungsleitung, unter anderem beste­hend aus dem gegen­wär­ti­gen Lebens­ab­schnitts­ge­fährten der ehe­ma­li­gen Lan­desvor­sitzen­den, nen­nen wir sie Frl. O., wom­öglich auf­grund von Befan­gen­heit nicht fähig gewe­sen wäre, sich nicht aktiv ins Wahlgeschehen einzu­mis­chen, bot sich ein Team aus Nieder­sach­sen an, das bere­its Erfahrun­gen als Ver­samm­lungs- und Wahlleitung gesam­melt hat­te; so hat­te etwa der desig­nierte Ver­samm­lungsleit­er in diesem Team zuvor schon einige Parteitage auf kom­mu­naler wie auf Lan­desebene geleit­et. Dieses Team hat­te sich, um opti­mal auf die Auf­gabe vor­bere­it­et zu sein, im Vor­feld des Parteitags qua­si unun­ter­brochen mit der Geschäft­sor­d­nung des Parteitags beschäftigt und sie an vie­len Stellen rechtssich­er umgeschrieben, um weit­ere Anfech­tun­gen zu erschw­eren. (Dass das nicht ganz geklappt hat, siehe oben, ist zumin­d­est nicht dem Team anzu­las­ten.) Bis dahin stand diese — von allen ver­meintlich unbe­merkt — wegen des Begriffs der “Beurkun­dung”, ursprünglich mit­tels copy & paste aus der Geschäft­sor­d­nung eines Bun­desparteitags kopiert und somit für einen Lan­desparteitag eigentlich nicht ein­mal tauglich, auf sehr wack­li­gen Füßen. Ein Hauch hätte genügt, sie umzuw­er­fen. Nun stand also ein einge­spieltes Dreierteam aus opti­mal vor­bere­it­eten Frei­willi­gen zur Ver­fü­gung, die Ver­ant­wor­tung für den rei­bungslosen Ablauf des Parteitags auf sich zu nehmen.

Es fällt mir als nicht direkt in den Entschei­dung­sprozess involviertem Pirat­en also nicht unbe­d­ingt leicht, etwas anderes als die Gier nach Machter­halt zu unter­stellen, wenn ich den Umstand bew­erten soll, dass Frl. O. eigens einen Gegenkan­di­dat­en für die Ver­samm­lungsleitung aus München (Bay­ern) ein­fahren ließ. Um ihrem Gegenkan­di­dat­en Rück­halt aus der Ver­samm­lung zu ver­schaf­fen, ver­bre­it­ete sie wissentlich Unwahrheit­en über die Konkur­renten; sie hät­ten das nie gemacht und keine Erfahrung oder der­gle­ichen. Ja, Frl. O., son­st vor allem dafür bekan­nt gewor­den, sich nur allzu gern mit Leuten zu umgeben, die im Hin­ter­grund die Fäden zu ziehen glauben, hat eine faszinierende Kar­riere hin­ter sich; von der Ver­samm­lungsleitungsnovizin zur Teller­wäscherin im inner cir­cle. Dafür müssen andere lange buck­eln!

Trotz aller Ver­net­zung und Strip­pen­zieherei scheit­erte ihr Vorhaben, die Wahl des neuen Vor­stands unter die eigene Ägide zu stellen. Der eigens aus München angekar­rte Ver­samm­lungsleit­er bekam zumin­d­est angesichts der erdrück­enden Vielzahl an Men­schen im Pub­likum — ganze 50 akkred­i­tierte Pirat­en stell­ten den Höchst­wert des Tages dar — Lam­p­en­fieber und weigerte sich, seinen zuerkan­nten Posten auszuüben. Stattdessen stellte er sich also als Wahlleit­er zur Wahl; wohlge­merkt: als vol­lkom­men unvor­bere­it­eter Wahlleit­er (der sich das dur­chaus anmerken ließ), der nicht ein­mal mit der gülti­gen (also alten) Geschäft­sor­d­nung ver­traut war, wollte er einen Teil des einge­spiel­ten Teams erset­zen. Wohl auch auf­grund der Für­sprache Frl. O.s wurde er zumin­d­est in diesem Amt bestätigt. Inwiefern das nun eine Verbesserung gegenüber der ursprünglich geplanten Beset­zung sein sollte, ist mir unbekan­nt.

Der Parteitag lief dann auch ohne größere Prob­leme ab. Warum nun eigens jemand aus Bay­ern anreisen musste (wofür ihm Fahrtkosten aus Parteikassen zuste­hen), bleibt zu hin­ter­fra­gen. Die Tor­pedierung der Ver­samm­lungsleitung ist zumin­d­est gescheit­ert. Beängsti­gend ist jedoch, warum es sich ein ganz­er Lan­desver­band, in dem es in den let­zten Monat­en nicht unbe­d­ingt gesit­tet und pro­duk­tiv vorg­ing, es fördert, dass ein ehe­ma­liges Vor­standsmit­glied ver­sucht einen geregel­ten Ablauf der Neuwahl zu ver­hin­dern. Beden­klich ist dabei auch, dass dieses ehe­ma­lige Vor­standsmit­glied wohl kein­er­lei Kon­se­quen­zen zu befürcht­en hat.

Wer will Pop­corn?

In den NachrichtenNerdkrams
PRISM? Digitale Mündigkeit!

Ich werde gele­gentlich gefragt, warum ich als Alter­na­tive zu dem nicht erst wegen PRISM und TEMPORA höchst beden­klichen Online­di­enst Google Mail grund­sät­zlich empfehle, einen eige­nen Mailserv­er aufzuset­zen. Sei das nicht über­trieben, wenn man es mit einem Durch­schnittsnutzer zu tun hat, der nur mal eben seinen Mail­verkehr abwick­eln will?

Tja: Nein.

Dabei ist das eigentliche Prob­lem nicht ein­mal, dass es schwierig ist, einen “fer­ti­gen” Mailan­bi­eter zu find­en, der garantiert keine Hin­tertürchen für NSA oder BND offen hält und den Inhalt von Mails nicht an Wer­bepart­ner ver­scher­belt. (Ob es einen solchen über­haupt gibt, bleibt festzustellen.) Das Prob­lem ist das mit der dig­i­tal­en Mündigkeit.

Men­schen möcht­en grund­sät­zlich die Kon­trolle darüber, was sie wem preis­geben, behal­ten. Sie möcht­en wis­sen, wer ihr Leben wie und warum mitbes­timmt. Da kann es kul­turelle Unter­schiede geben, aber ich habe die Hoff­nung, dass es zum Beispiel ein poli­tisch radikaler Monarch dieser Tage schw­er haben dürfte, in Deutsch­land eine Allein­herrschaft zu erricht­en. Die Men­schen wür­den Fra­gen stellen, auch, weil es schon mehr als genug Dik­taturen auf deutschem Boden gab. Demokratie (par­la­men­tarisch) haben die meis­ten Deutschen gel­ernt, sie haben das Recht auf Mitbes­tim­mung zumin­d­est prinzip­iell ver­standen. Anders ver­hielte es sich wahrschein­lich, wenn sie nie von dem Konzept ein­er Demokratie gehört hät­ten. Viele Bürg­er, die in ein­er Dik­tatur leben, ken­nen alter­na­tive Staat­sen­twürfe vielle­icht nicht ein­mal und hal­ten eine Dik­tatur daher für eine gute Lösung. (Andere hal­ten sie auch in Ken­nt­nis demokratis­ch­er Prinzip­i­en für eine solche. Das hat dann andere Gründe.)

So ähn­lich ver­hält es sich nach meinem Dafürhal­ten mit der dig­i­tal­en Mündigkeit. In ein­er Zeit, in der der gemeine Nutzer über all der Bequem­lichkeit des Inter­nets zuse­hends an Recht­en und Pri­vat­sphäre ver­liert, ist es ins­beson­dere wichtig, dass er das Konzept ver­ste­ht. Google Mail kann nüt­zlich und irre bequem sein, das stelle ich nicht in Abrede. Für den “DAU”, den “dümm­sten anzunehmenden User”, sei alles Andere vol­lkom­men irrel­e­vant, höre ich oft. Aber warum sollte ein solch­er “DAU” immer ein­er bleiben? Tat­säch­lich bin ich davon überzeugt, dass mehr Men­schen sich für die Prob­leme von Drit­tan­bi­e­ter­di­en­sten inter­essieren wür­den, wüssten sie um deren Schwächen.

Das Versenden und Emp­fan­gen von E‑Mails über von Drit­ten kon­trol­lierte Serv­er ist unge­fähr wie das Versenden ein­er Postkarte. Es ist wün­schenswert, dass der Post­bote (der Mailserv­er) nur die Adresse liest und weit­ergibt, aber wirk­lich wis­sen kön­nen es wed­er Absender noch Empfänger. Kon­se­quent schreibt auch hof­fentlich nie­mand Ver­traulich­es auf eine Postkarte. Das beliebte Gege­nar­gu­ment, man schreibe in Mails sowieso nie etwas, was nie­mand wis­sen dürfe, wird an dieser Stelle meist von denen ange­bracht, die Gar­di­nen vor ihr Fen­ster hän­gen und beim Toi­let­ten­gang die Tür hin­ter sich schließen. Warum tun sie das?

Eine mögliche Lösung zur Wahrung des Daten­schutzes auch gegenüber Geheim­di­en­sten ist die Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­selung etwa per GnuPG. Hier­bei wird auss­chließlich ver­schlüs­sel­ter Text über die frem­den Mailserv­er geschickt, den nur der (über­prüf­bare) Absender und der jew­eilige Empfänger lesen kön­nen. Diese Art der Sicher­heit nimmt jedoch (je nach ver­wen­de­tem Mail­pro­gramm) ein wenig Kom­fort aus der Kom­mu­nika­tion, zudem ist sie bei vie­len Web­mailan­bi­etern nicht ein­mal möglich. Die von mir vorgeschla­gene Alter­na­tive ist, wie erwäh­nt, die Instal­la­tion eines eige­nen Mailservers. Ein solch­er Serv­er ist gün­stig zu bekom­men (ein leis­tungss­chwach­er vServ­er genügt, bei Inter­net­fla­trate kann oft auch bere­its der heimis­che Router oder ein aus­rang­iert­er Altrech­n­er ohne Mehrpreis als Mailserv­er ein­gerichtet wer­den) und ermöglicht die volle Kon­trolle darüber, was mit dem Postein- und ‑aus­gang passiert.

Dass dafür min­destens rudi­men­täre Sys­temken­nt­nisse von Vorteil sind, ist neben dem Ein­rich­tungs- und Wartungsaufwand (gele­gentliche Sicher­heit­sak­tu­al­isierun­gen wer­den natür­lich emp­fohlen) der einzige nen­nenswerte Nachteil dieser Lösung. Tat­säch­lich gibt es im Inter­net viele mal umfan­gre­iche, mal eher rudi­men­täre Anleitun­gen für Mailserver­novizen aller Betrieb­ssys­teme, auch Win­dows­nutzer kön­nen sich mit weni­gen Klicks einen funk­tion­ieren­den Mailserv­er ins Wohnz­im­mer stellen.

E‑Mail ist auch nur ein Beispiel für die Prob­lematik. Habt ihr mal darüber nachgedacht, ob der Face­book-Chat wirk­lich ein Gespräch unter vier Augen ist? Wisst ihr so genau, was tech­nisch passiert, wenn ihr eur­er Flamme per What­sApp ein pein­lich­es Bild von euch sendet? Würde es euch unberührt lassen, wenn eure Skype-Tele­fonate über eine dumme Sicher­heit­slücke offen im Inter­net lan­den? Das mag alles im Ver­gle­ich mit selb­st kon­trol­lierten Lösun­gen (zum Beispiel Dias­po­ra, Jab­ber und Mum­ble) so unglaublich prak­tisch sein, aber ist es das wert?

Es mag bequem sein, mit bun­ten Knöpfen und “mach­ste an und läuft” an der Hand durch das Inter­net geführt zu wer­den. Aber würdet ihr einen Frem­den auf der Straße bit­ten, kurz auf eure Geld­börse aufzu­passen, nur weil er unverdächtig lächelt?

Ihr werdet vom Staat (von welchem auch immer) nur deshalb bei allem, was ihr tut, beobachtet und präven­tiv belauscht, weil es euch nicht schert. Nie­mand kann euch dazu zwin­gen, den nöti­gen Aufwand zu treiben, um Herr über euer dig­i­tales Dasein zu bleiben. Ihr soll­tet nur wis­sen, dass ihr dazu jed­erzeit die Chance habt.

Nutzt sie. Habt Mut, euch eures eige­nen Ver­standes zu bedi­enen.

Ihr habt nur die Frei­heit, die ihr euch nehmt. Das soll­tet ihr niemals vergessen.

Nerdkrams
“Ja oder Ja?”

Wer glaubt, allzu schräge Pro­gramm­texte seien stets die Schuld eines Über­set­zers, der kön­nte zum Beispiel die Android-app STweaks als Gegen­beispiel nehmen:

STweaks

“Es wird fest­gelegt, wie man mit I/O‑Anfragen umge­ht und wie man mit ihnen umge­ht.”

Bei­des! Prak­tisch!

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2013 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 11 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Eeeeeinen­wun­der­schö­nengutentag, werte Fre­unde des ange­wandten Musik­genuss­es!

Ein Blick in meinen Kalen­der wies mich mah­nend darauf hin, dass das erste halbe Jahr 2013 ja qua­si vorüber ist. Das bedeutet, dass es (wie alle sechs Monate) Zeit ist für meine Rückschau der kaufenswertesten Musikalben 2013. Ich muss euch allerd­ings ver­schämt geste­hen, dass ich ein­fach nicht die Zeit gefun­den (oder mir genom­men habe), allen Musikalben, die vielver­sprechend erschienen, genug Zeit zu geben, sich zu ent­fal­ten.
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PolitikIn den Nachrichten
Oh, ein mörderisches Regime. Gleich mal anfreunden.

Die Europäis­che Union dient nicht nur dem Zweck, däm­liche geset­zliche Regelun­gen durchzu­drück­en, die auf Lan­desebene nicht die Leg­isla­tive passieren, son­dern auch dem ein­er möglichst gemein­samen Wirtschafts- und Frieden­spoli­tik inner­halb Europas. Das ist an sich nicht schlimm, amüsant wird’s nur, wenn sich die Pri­or­itäten ungün­stig ver­schieben.

Dass in der Türkei (etwa drei Prozent ihrer Land­masse befind­en sich auf europäis­chem Boden) momen­tan auf Demon­stran­ten und deutsche Poli­tik­er geschossen wird, habe ich ja bere­its kurz erwäh­nt. Da die Türkei sich um eine Auf­nahme in die Europäis­che Union bemüht, ist es natür­lich die ehren­volle Auf­gabe eines EU-Außen­poli­tik­ers, sich mit diesem Fall zu beschäfti­gen.

Das wurde jet­zt getan.

Die Europäis­che Union hat sich sich bei einem Tre­f­fen der Außen­min­is­ter in Lux­em­burg darauf ver­ständigt, ein neues “Kapi­tel” mit der Türkei zu eröff­nen.

Ach, da lässt ein Regierungschef sein Volk met­zeln. Pri­ma, so was fehlt uns noch in unser­er Samm­lung! Ander­er­seits: Das ist ja auch nicht so schlimm, es ist ja nur eine schwierige Lage, aber das geht vor­bei:

Aus Sicht von West­er­welle sei das “eine gute Entschei­dung in schwieriger Lage”, wie sein Sprech­er sagte.

Natür­lich gehe es näm­lich nicht in Ord­nung, wenn friedliche Demon­stran­ten um Leib und Leben fürcht­en müssten, aber die fre­und­schaftlichen Beziehun­gen zwis­chen Deutsch­land und türkischem Geld sollte man deshalb trotz­dem nicht leicht­fer­tig auf’s Spiel set­zen!

West­er­welle hat­te seine Kri­tik an den Unruhen in der Türkei wieder­holt, allerd­ings von “strate­gis­chen, langfristi­gen Inter­essen” gesprochen, die gewahrt bleiben müssten.

Man muss ja zusam­men­hal­ten gegen die Bedro­hung von außen. Da ste­hen ein paar Demon­stran­ten nur im Weg. Eine Demokratie kann so etwas unmöglich dulden!

Ist Weißrus­s­land eigentlich schon in der EU?