Nachdem vor einigen Jahren ein erster “Bundestrojaner”, also ein mit illegalen Methoden arbeitendes Werkzeug zur mehr oder weniger unbemerkten Onlineüberwachung vermeintlicher Straftäter, eher weniger regelkonform war, hat das Bundesinnenministerium nun nachgebessert:
Das Bundesinnenministerium hat zehn Lizenzen des FinSpy-Trojaners für die „Quellen-Telekommunikationsüberwachung“ (Quellen-TKÜ) erworben. (…) Das BKA will den eingekauften Trojaner übergangsweise einsetzen, bis die Behörde eine Überwachungssoftware in Eigenregie entwickelt hat.
Dass auch bei diesem neuen Trojaner nicht alles regelkonform abläuft, steht außer Frage. Der Konzern hinter “FinSpy” beziehungsweise “FinFisher”, Gamma International, sieht sich bereits mit der ersten Klage konfrontiert; nicht jedoch wegen der Entwicklung illegal verwendbarer Anwendungssoftware, sondern aus markenrechtlichen Gründen:
Mozilla hat die Firma Gamma International abgemahnt, welche die Überwachungs-Software FinFisher, auch bekannt als Staats-Trojaner, herstellt. Der Grund: Diese Software gibt sich als Firefox aus und begeht damit einen Missbrauch der Mozilla-Marke.
Dabei ist zur Erklärung erwähnenswert, dass der Trojaner nicht so tut, als sei er ein Browser:
Gammas Software ist komplett eigenständig und benutzt lediglich Mozillas Markenzeichen um sich als Firefox und damit als vertrauenswürdiges Programm zu tarnen. Der Spionage-Trojaner gibt sich als Firefox.exe aus und beinhaltet die dazugehörigen Hersteller-Informationen wie die Versionsnummer von Firefox und Copyright-Hinweise von Mozilla. In den Quellcode wurde außerdem das “Assembly Manifest” von Firefox wortwörtlich eingebunden.
Die Zuständigen bei Gamma International können allerdings froh sein, dass sie ihr Produkt nicht davidbowie.exe genannt haben. Der GEMA traue ich inzwischen alles zu.


