Montagsmusik
Kapnorth — Metropolis

Allmäh­lich lässt sich die Sonne blick­en. Für seine Flüche, es möge endlich warm wer­den, wird sich als­bald noch so manch­er Lands­mann schä­men.

Bis dahin: Küh­le Musik aus der Schweiz.

Kap­north — Metrop­o­lis (Offi­cial Video­clip)

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenparteiMir wird geschlecht
#PiratinnenKon

Zur zurzeit zu Ende gehen­den, von Mit­glieds­beiträ­gen finanzierten “Piratin­nenKon”, der, wie der ein­schlägi­gen Presse zu ent­nehmen ist, als work­shop zur gemein­schaftlichen Erfas­sung der Gründe, warum Fem­i­nis­mus total viel wichtig und Maskulis­mus total viel schädlich für die poli­tis­chen Ziele der — aus­gerech­net — Piraten­partei ist (Irrsinn), angelegt war, ist alles Nötige auf Twit­ter zu lesen.

Die keynote, gehal­ten von ein­er linken Fem­i­nistin, han­delte davon, dass, um Diskri­m­inierung zu bekämpfen, es sin­nvoll sei, selb­st zu diskri­m­inieren. Ein­fach mal Män­ner beschimpfen und — Zitat — guck­en, wie sich das anfühlt. Guter Anfang.

Zwar wurde, weil auch viele denk­ende, fem­i­nis­muskri­tis­che Men­schen anwe­send waren, die Diskus­sion­sphase — das sei lobend erwäh­nt — wert­neu­tral vom Miteinan­der in der Partei anstelle des alten Män­ner-Frauen-Stre­its beherrscht. Man bedenke: Es gibt mehr als zwei Geschlechter.

Lei­der blieb es nicht piratig. (Unbe­d­ingt die Kom­mentare lesen!)

Am Anfang der Piratin­nenKon stand eine gegen­seit­ige Huldigung der Ver­anstal­terin­nen, Danksa­gun­gen an sich selb­st. Wahrschein­lich hat­ten sie geah­nt, dass das hin­ter­her nicht mehr geht.

Eine PiratenKon ist geplant.


Nach­trag: Ich empfehle außer­dem Had­mut Danischs aus­führlichen Bericht. Vor­sicht: Real­satire.

In den NachrichtenNerdkrams
Apropos Monokulturen

Die Entwick­ler des Zwer­gen­browsers Opera hat­ten vor ein­er Weile angekündigt, die eigene Browserengine Presto durch WebKit zu erset­zen. WebKit, eine Abspal­tung des aus KDE stam­menden KHTML, das als Grund­lage für Kon­queror diente, ist zwar auch alles andere als fehler­frei, jedoch auf­grund der Ver­wen­dung in Safari sowie Chromi­um (und Google Chrome) recht ver­bre­it­et. Oben­drein könne man sich, so Opera, mit dem Wech­sel auf die Entwick­lung des Browsers selb­st konzen­tri­eren und müsse nicht mehr so viel Energie in die Unter­stützung immer neuer Web­stan­dards steck­en. (Dass man die kurz­er­hand ent­lasse­nen Mitar­beit­er eigens für die Entwick­lung der Engine eingestellt hat­te, sei hier mal nicht weit­er ver­fol­gt, ist halt die Krise und so.)

Ein Rück­blick: In den 1990er Jahren tobte der so genan­nte Browserkrieg. Das im Web­seg­ment noch ver­gle­ich­sweise neue Unternehmen Microsoft hat­te mit der Inte­gra­tion eines Web­browsers in sein Betrieb­ssys­tem Win­dows das Qua­si­monopol von Netscape, dessen Brows­er “Nav­i­ga­tor” beziehungsweise Inter­net­suite “Com­mu­ni­ca­tor” all­ge­gen­wär­tig schien, ange­grif­f­en. Netscape fand das natür­lich weniger gut. Ein Ergeb­nis der fol­gen­den Rechtsstre­it­igkeit­en war es, dass Microsoft in Europa alter­na­tiv browser­freie Ver­sio­nen seines Betrieb­ssys­tems anbi­eten musste. (Und gegen die Bün­delung von Chrome mit Chrome OS, gegen die Bün­delung von Safari mit Apple-Sys­te­men sagt natür­lich kein­er was. Google und Apple sind eben “die Guten”.) Netscape ver­sank trotz­dem in der Bedeu­tungslosigkeit und stellte seinen Code unter eine freie Lizenz. Nach eini­gen Umstruk­turierun­gen sind daraus inzwis­chen Sea­Mon­key und Mozil­la Fire­fox erwach­sen. Die dom­i­nan­ten Engines waren lange Zeit Gecko (Mozilla/SeaMonkey), Tri­dent (Microsoft) und WebKit (Google/Apple).

Nun hat Google beschlossen, sich aus der Tea­mar­beit mit Apple zurück­zuziehen und seine eigene Engine zu entwick­eln. Mit Black­jack und Nut­ten. Das neue Pro­dukt soll “Blink” heißen (alle guten Namen waren wohl schon weg), und Opera kündigte an, dass sie sich anschließen wür­den. Auf den einen Wech­sel kommt es nun tat­säch­lich auch nicht mehr an. Mozil­la entwick­elt der­weil gemein­schaftlich mit Sam­sung unter dem Pro­jek­t­na­men Ser­vo (ich möchte meine Anmerkung zum The­ma “gute Namen” — weit­er oben zu find­en — hier nochmals gedanklich einge­fügt wis­sen) eben­falls eine neue Engine, die kün­ftig in Fire­fox einge­set­zt wer­den (und somit Gecko wohl erset­zen) soll.

Mit diesen Änderun­gen wird der Sta­tus Quo aber nicht verbessert, son­dern ver­schoben. Wo Weben­twick­ler früher den Nis­chen­brows­er Opera berück­sichti­gen mussten, der sich oft ganz anders ver­hielt, ist es kün­ftig der Nis­chen­brows­er Safari, der unter Mac OS X (und — mod­i­fiziert — iOS) nach wie vor den Stan­dard darstellt. Der kün­ftige Sta­tus von Gecko verbleibt der­weil ungek­lärt, was in diesem frühen Entwick­lungssta­di­um noch nicht weit­er erstaunt. Weben­twick­ler ste­hen kün­ftig vor einem ähn­lichen Prob­lem wie bis­lang, nur die Pri­or­itäten ver­schieben sich zwis­chen den Browsern.

Es ist natür­lich nicht ver­w­er­flich, wenn über Jahre gereifte Soft­ware gele­gentlich neu aufge­baut wird, um Alt­las­ten rück­stands­frei entsor­gen zu kön­nen. Das ist bei Betrieb­ssys­te­men nicht anders als bei Browserengines. Die Lob­hudeleien gegenüber Opera, dass man nun endlich keine Rück­sicht mehr nehmen müsse, erscheinen mir jedoch etwas ver­früht, ger­ade auch wegen der unklaren Zukun­ft von WebKit — von dem es oben­drein eine unüber­schaubare Anzahl an Ver­sio­nen gibt, beina­he jedes Betrieb­ssys­tem und jed­er unter­stützte Brows­er hat sein “eigenes” WebKit — und Gecko. Auch weit­er­hin wird es wenige dom­i­nante Brows­er und viele kleine Wet­tbe­wer­ber mit ein­er unter Umstän­den zu berück­sichti­gen­den Anzahl an Benutzern geben. Leichter wird das Leben jeden­falls nicht.

Den Benutzer muss es zumin­d­est nicht scheren: Ein Brows­er sollte stets danach aus­gewählt wer­den, ob er den per­sön­lichen Ansprüchen genügt. Mit welch­er Tech­nik die Web­seit­en angezeigt wer­den, ist aus Benutzer­per­spek­tive zweitrangig, so lange die Anzahl an Darstel­lungs­fehlern über­schaubar bleibt. (Die Acid-Tests geben zwar bunte Bilder und große Zahlen aus, spiegeln jedoch nicht die Real­ität im Web wider.)

Damals, in den 1990er Jahren, war das alles irgend­wie leichter.

PersönlichesPiratenpartei
Beauftragungspiraten my ass.

(Vorbe­merkung: Lei­der ist dieser Text zu lang für Twit­ter. Er ist eine Antwort auf die mir dort gestellte Frage, wieso ich mich dem all­ge­meinen Jubel nicht anschließen möchte.)

Was mir in der medi­alen Berichter­stat­tung über die Piraten­partei übri­gens außer der nur mäßig gut getarn­ten Aver­sion seit­ens der üblichen SPIEGEL-ONLINE-Schreiber­linge, die sich auf jedem ver­schisse­nen Parteitag blick­en lassen, um Skandälchen zu suchen und kle­in­ste Unstim­migkeit­en zu meter­lan­gen Klick­streck­en aufzubauschen, denen aber trotz­dem kein Hausver­bot erteilt wird (wir brauchen sie ja, denn wie sollen sie son­st neg­a­tiv über die Partei bericht­en?), ziem­lich miss­fällt, ist dieses Gewese um irgendwelche Beauf­tragten.

Die Piraten­partei ist als basis­demokratis­che Mit­mach­partei konzip­iert, in der jede Stimme grund­sät­zlich gle­ich viel Gewicht hat. Der Gedanke dahin­ter ist die Schwarmintel­li­genz, also die vage Hoff­nung darauf, dass viele Köche den Brei nicht verder­ben, son­dern bis nahe der Per­fek­tion ver­fein­ern. Nichts­destotrotz ist irgend­je­mand auf die strun­zdäm­liche Idee gekom­men, Arbeitsabläufe (etwa beim Umgang mit der hofierten Presse) erle­ichtern zu kön­nen, indem man Beauf­tra­gun­gen erteilt. “Beauf­tragte”, dies sei kurz erläutert, sind im Wesentlichen das, was früher “The­men­pirat­en” hieß: Der Vor­stand der jew­eili­gen Gliederung, die gern “Beauf­tragte” für irgend­was hätte, ernen­nt in Eigen­regie einzelne Mit­glieder zu solchen. Pos­i­tiv wirkt es sich aus, wenn diese Mit­glieder bere­its irgend­was zum jew­eili­gen The­ma beige­tra­gen haben.

Und so ist — nur ein Beispiel — die ehe­ma­lige nieder­säch­sis­che Spitzenkan­di­datin Katha­ri­na “kat­tascha” Nocun als Daten­schutzbeauf­tragte nun­mehr die einzige Per­son, die in der Öffentlichkeit zum The­ma Daten­schutz befragt wird. Dass es eine aktive AG Daten­schutz gibt, inter­essiert nie­man­den mehr. Auf Twit­ter wurde heute auf ein Radioin­t­er­view hingewiesen, in dem es um die Bestands­date­nauskun­ft (ein sicher­lich daten­schutzrel­e­vantes The­ma) gehen sollte — ein­ge­laden war natür­lich die Beauf­tragte. Auch son­st ist eine gewisse Monokul­tur zu sehen: Die The­men­beauf­tragte, die The­men­beauf­tragte, die The­men­beauf­tragte.

Auf meine Frage, welchen nach­weis­baren Mehrw­ert gezielte Beauf­tra­gun­gen mit sich brin­gen, erhielt ich von keinem der Befragten bish­er eine zufrieden stel­lende Antwort. Das ist ein biss­chen schade.

Man ver­ste­he mich nicht falsch: Es ist gut und unter­stützenswert, dass es in der Piraten­partei Men­schen mit Hirn gibt, die auch mal zu Wort kom­men. Das hebt sie wohltuend von den meis­ten anderen Parteien ab. Bedauer­lich ist jedoch, dass dadurch in der Öffentlichkeit der Ein­druck entste­ht, das Konzept Schwarmintel­li­genz (“The­men statt Köpfe”) sei aufgewe­icht. Ich erwarte ja gar nicht, dass — nur ein Beispiel — Frau Nocun sich etwas zurück­hält, denn den meis­ten ihrer Aus­führun­gen kann ich zus­tim­men, wen­ngle­ich ich ihre Art zu reden sehr anstren­gend finde. Ich würde mir jedoch wün­schen, dass diese Beauf­tra­gun­gen den Sta­tus der impliziten Exk­lu­siv­ität wieder able­gen.

Was spricht dage­gen, auf Inter­viewan­fra­gen zum The­ma Daten­schutz ein­fach mal die AG Daten­schutz zu fra­gen, ob es eine Kon­sens­mei­n­ung gibt, statt die Daten­schutzbeauf­tragte loss­chnat­tern zu lassen? Was spricht dage­gen, die Presse mit dem Arbeits­stand der Arbeits­grup­pen statt mit der Einzelmei­n­ung der Beauf­tragten zu kon­fron­tieren? Die Moti­va­tion, sich aktiv einzubrin­gen, schwindet mit sink­ender Aus­sicht auf Rel­e­vanz des Geleis­teten. Wenn abse­hbar ist, dass man doch nur den Sprachrohren für “sein” The­ma zuar­beit­en wird, dann lässt man es vielfach ganz sein. Zucker­brot und Peitsche.

Ich als Einzelper­son dis­tanziere mich davon, dass Beauf­tragte “in meinem Namen” sprechen, denn Basis­demokratie funk­tion­iert so nicht. Ich würde mir mehr Basis- und weniger Pressear­beit wün­schen.

Lei­der weiß ich aber nicht, ob es bere­its einen Wun­schbeauf­tragten gibt.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz verlinkt CLIV: Armut? Einfach ausrotten!

Endlich tut mal jemand was gegen die Armut:

Der Welt­bank-Chef Jim Yong Kim ruft die 188 Mit­glied­slän­der auf, im Eil­tem­po die extreme Armut auszurot­ten.

Men­sch, dass darauf noch kein­er gekom­men ist! Danke, Herr Kim Jim Kong Welt­bank-Chef!

Und wie soll das geschafft wer­den?

Es gehe darum, das Einkom­men der ärm­sten 40 Prozent eines jeden Lan­des zu erhöhen.

Und was muss man dafür tun?

Bedin­gung sei allerd­ings ein anhal­tendes Wach­s­tum (…). Dafür seien (…) weit­ere Investi­tio­nen in Bil­dung, öffentliche Insti­tu­tio­nen und das Geschäft­skli­ma notwendig.

In anderen Worten: Die Armen sollen halt was Anständi­ges ler­nen, dann klappt’s auch mit dem Einkom­men. Na, zum Glück sagt uns das mal wer!

ProjekteNerdkrams
OpenDownload² und das mit den Downloadpfaden

Meine Fire­fox-Erweiterung Open­Down­load² erfreut sich stetiger Beliebtheit. Die Benutzer­be­w­er­tun­gen befind­en sie über­wiegend für essen­ziell, und es sei unbe­grei­flich, warum so eine Funk­tion­al­ität nicht schon längst Teil von Fire­fox selb­st sei. So weit der Eigen­lob.

Eine Funk­tion, die viele Benutzer jedoch ver­mis­sten, war es, den Stan­dard-Down­loadp­fad anzu­passen. Open­Down­load² spe­ichert auszuführende Dateien üblicher­weise in <temp>/mozOpenDownload, aber viele Benutzer wür­den gern ein anderes Verze­ich­nis wählen. Nun hat das einen großen Nachteil: Open­Down­load² ist eine ziem­lich rein­liche Erweiterung. Dateien, die älter als einen Tag sind, wer­den bei jedem Klick auf “Aus­führen” automa­tisch ent­fer­nt. Was passiert, wenn man zum Beispiel den Desk­top als Down­loadord­ner fes­tlegt, ist der Fan­tasie des Lesers über­lassen.

Ich kön­nte diese Aufräum­rou­tine option­al machen, aber auch dann müsste der Benutzer diese Option ver­ste­hen und aktivieren — men­schlich­es Ver­sagen auch weit­er­hin nicht aus­geschlossen. Auch das “Sper­ren” “wichtiger” Verze­ich­nisse kommt eher nicht in Frage, da diese von Sys­tem zu Sys­tem vari­ieren. Mit Open­Down­load² 3.3.0 — veröf­fentlicht vor kurzem und bere­its durch Ver­sion 3.3.1 abgelöst — bin ich einen Kom­pro­miss einge­gan­gen: Es ist nun nicht mehr nur möglich, son­dern auch zielführend, unter about:config die Zeichen­kette extensions.openDownload2.downloadPath anzule­gen, die den gewün­scht­en Down­loadp­fad angibt.

Warum so umständlich? Nun, about:config warnt den Benutzer beim ersten Aufruf, dass alles, was er hier ändert, nach­halti­gen Schaden anricht­en kann:

about-config

Ein Kon­fig­u­ra­tions­di­a­log ist schnell gedanken­los aus­ge­füllt. Wer aber diesen Umweg in Kauf nimmt, der sollte wis­sen, was er tut — davon gehe ich zumin­d­est aus. “Falsche” Pfade funk­tion­ieren zumin­d­est nicht. Das Vorhan­den­sein des Pfades wird von Open­Down­load² über­prüft.

Und wie entkommt man der Aufräum­rou­tine? Tja, gar nicht. Open­Down­load² ist kein Ersatz für einen Down­load­man­ag­er oder den nor­malen “Speichern”-Knopf von Fire­fox. Wer eine auszuführende Datei dauer­haft behal­ten möchte, der sollte sie auf der Fest­plat­te spe­ich­ern und manuell aus­führen — das ist nur wenig mehr Aufwand. Alter­na­tiv berichtete ich im Dezem­ber 2011 über DropIt, das Dateien stapel­weise in vorgegebene Ord­ner ver­schieben kann. Als Lin­ux- und BSD-Nutzer schreibt man sich für so etwas ver­mut­lich eher ein Shellscript.

Zu beacht­en ist, dass das Ver­schieben natür­lich erst nach dem Aus­führen durchge­führt wer­den sollte, da Open­Down­load² son­st die Datei nicht mehr find­en kann und eventuell unschöne Fehler­mel­dun­gen aus­gibt.

Weit­ere Anre­gun­gen sind willkom­men.

SonstigesNetzfundstücke
Ka Freitag, ka G’schrei

Ob sich die Anhänger des toten Jesus über­haupt Gedanken darüber machen, was er davon hielte, wenn er nach etwa zwei Jahrtausenden wieder auf die Erde zurück­kehrt und über­all Bilder seines Todes hän­gen sieht? Bizarr, wie eigentlich alles, was die katholis­che Kirche eine Feier oder gar einen Fest­tag nen­nt.

Das ganze Kar­fre­itags­brim­bo­ri­um ist ein deut­lich­es Zeichen dafür, dass die Tren­nung von Staat und Kirche (ich berichtete) drin­gend vol­l­zo­gen gehört, wird doch immer­hin selb­st Nichtkatho­liken das Tanzen ver­boten. Klar, Kar­fre­itag ist ein stiller Tag, außer Schank- und Speise­be­trieben (erlaubt nach § 6,2 NFeiertagsG) — gemeint ist wahrschein­lich eine katholis­che Messe — ist kein Feiern erwün­scht. Auf Messen darf allerd­ings wahrschein­lich schon noch gesun­gen wer­den, ver­mut­lich das Gottes­lob.

Und flat­ter hat Recht:

Das andere ist dann diese Geschichte mit dem Lat­ten­juppfre­itag. Da darf kein­er niemals nicht in ein­er Kneipe eine Musik hören und schon gar nicht tanzen. Begrün­dung: Das sei ein stiller Feiertag. Stiller Feiertag! Und wet­ten, dass diese “Stillen” ihre akustis­chen Massen­ver­nich­tungswaf­fen wieder baumeln lassen, bis uns das Blut die Hälse herabrin­nt? Wet­ten?!

Pünk­tlich um 17:55 fing vor der Tür soeben das grenzbescheuerte Angelus-Läuten an. Natür­lich: So ein katholis­ch­er Gläu­biger kriegt’s halt auf­grund seines geisti­gen Hor­i­zonts ohne das Gebim­mel nicht auf den Schirm, wie spät es ist.

Und bis zur Bun­destagswahl werdet ihr sowieso wieder vergessen haben, welche Partei daran schuld ist, dass eine immer klein­er wer­dende Gruppe religiös­er Fanatik­er uns qua Gesetz den Tag ver­miesen kann. Ich kenne euch doch. Und hin­ter­her will es wieder kein­er gewe­sen sein.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CLIII: The NEXT Steinbrück

Am 23. und 24. April 2013 wird in Berlin wieder ein­mal die “NEXT” stat­tfind­en, eine Kon­ferenz unter dem Mot­to “Lead­ing. Euro­pean. Dig­i­tal.”, also “führend, europäisch, dig­i­tal”. Hat wohl irgend­was mit Net­zpoli­tik zu tun und mit t3n, Wired, der Telekom und ähn­lichen Unternehmen einige namhafte Part­ner aus dieser Branche. (Eine Liste gibt es unten auf der furcht­bar unüber­sichtlichen NEXT-Web­site.)

Zu den diesjähri­gen Red­nern zählen Neel­ie Kroes, EU-Kom­mis­sarin für Dig­i­tale Agen­da, deren Berater hierzu­lande noch bekan­nter sein dürfte, ein Wikipedia- und ein Googlemi­tar­beit­er sowie viele weit­ere Per­so­n­en.

Ein kurz­er Gedanken­sprung: Zur anste­hen­den Bun­destagswahl 2013 wird auch Herr Stein­brück von der SPD gewählt zu wer­den ver­suchen. Das war nicht nur der hier, son­dern auch der hier:

Im Netz find­et [Stein­brück] als Poli­tik­er kaum, als Pri­vat­per­son gar nicht statt. Auf die Frage, wie er denn seine eigene Kom­mu­nika­tion im Inter­net beschreiben würde, antwortete er kür­zlich auf ein­er Podi­ums­diskus­sion: “Mir wird von meinen Mitar­beit­ern geschildert, was dort passiert.” (…) Der SPD-Spitzen­poli­tik­er schwärmte öffentlich nur halb scherzhaft von der “guten alten Zeit des Post­briefs” und schob trotzig hin­ter­her: “Ich habe nicht das Gefühl, dass ich unter ein­er Käse­glocke sitze.”

Und jet­zt ratet mal, wer auf der diesjähri­gen NEXT eben­falls was sagen darf. Kommt ihr nie drauf!

Das kann ja nur ein riesiger Erfolg wer­den.

Musik
J***** B***** ist doof.

Die (ver­mut­lich) Twit­tererin @Regendelfin ist aus den ein­schlägi­gen Medi­en vielle­icht eini­gen von euch bekan­nt. Ich folge dem Regen­delfin auf Twit­ter schon deshalb, weil es dort gele­gentlich wirk­lich unfass­bar flache Wort­spiele zu lesen gibt. Flache Wort­spiele mag ich.

Nun machte der Regen­delfin gestern den Fehler, einen kri­tis­chen Kom­men­tar, Justin Bieber betr­e­f­fend, zu twit­tern (sagt man das noch, “twit­tern”?). Das rief natür­lich die beliebers auf den Plan, eine Art fun­da­men­tal­is­tis­che Sek­te, die sich der bedin­gungslosen Verehrung Justin Biebers hin­gibt; das durch­schnit­tliche Alter dabei reicht nicht ansatzweise an das Alter des Verehrten her­an, der nun auch nicht ger­ade zu den alten Leuten zählt.

Und so ließ etwa Twit­ter­mit­glied @1997MariaBiebs — “Biebs” klingt so lächer­lich wie es wohl auch gemeint ist, soll jedoch offen­bar eine Kurz­form von “Bieber” sein, denn zwei Sil­ben über­fordern den durch­schnit­tlichen belieber bere­its deut­lich — ver­laut­en:

du bist eine Kleine hässliche F**** @Regendelfin Pass auf was du gegen Justin sagst sonnst bekommst du Stress Glaub mir du N***

Die Sterne entstam­men dem Orig­inaltweet; was ein “N***” sein soll, erschließt sich mir selb­st dann beim besten Willen nicht, wenn ich annehme, dass ein “*” für exakt 1 Zeichen ste­ht. “Nuss”? “Nase”? “Napf”? “Null”?

Zum Glück ist selb­st 1997MariaBiebs aufge­fall­en, dass da etwas nicht ganz stim­mig ist, und so schob sie einen zweit­en Tweet hin­ter­her:

@Regendelfin du Kleine Hässliche Fo*** belei­di­ge noch ein­mal meinen Justin dann bekommst du Hässlichkeit Stress -.-

Na gut, unter “Fo***” kann ich mir dann immer­hin was vorstellen. Dass 1997MariaBiebs als Avatar­bild einen halb­nack­ten Justin Bieber (ver­stößt das eigentlich gegen irgendwelche Kinder­pornografiege­set­ze?) anstelle eines Porträt­fo­tos von sich selb­st ver­wen­det, lässt mich über ihre Def­i­n­i­tion von “Hässlichkeit” nur mut­maßen; zusam­men­fassend lässt sich zumin­d­est sagen, dass es Stress geben wird. Ich bitte an dieser Stelle das Pos­ses­sivpronomen “meinen” zu beacht­en, das der Däm­lichkeit des Tweets sozusagen die Kro­ne auf­set­zt. Däm­liche Tweets lasse ich ungern unbeachtet:

Die kleine @1997MariaBiebs möchte aus dem Kinder­paradies abge­holt wer­den.

Ich hielt spätestens nach der Wieder­hol­ung der Stres­san­dro­hung indes die Span­nung nicht mehr aus; ich kon­nte nicht wider­ste­hen und musste ein­fach her­aus­find­en, was passiert, wenn man Justin Bieber öffentlich für nicht sehr gut befind­et:

@1997MariaBiebs Justin ist das untal­en­tierteste Würstchen, das ich je gese­hen habe. Freue mich schon auf deinen “Stress”. :-) @Regendelfin

Hil­fre­ich eilte @Jackiebieebs (Namen­skon­strukt siehe oben, dies­mal jedoch mit der Extra­por­tion Qui­etschigkeit; dem Pro­fil­bild nach etwa @2001Jackiebieebs) her­bei und lieferte sich ein Wort­ge­fecht mit mir, in dem ver­sucht wurde, mir klarzu­machen, dass ich kindisch sei:

@tux0r @1997MariaBiebs @Regendelfin Und trz. Ist sowas zu schreiben Kinder­garten , weil du sie damit öffentlich etwas bloßstellst oder so.

Wir ler­nen:

  • Kindergarten/Bloßstellen oder so:
    “_NICKNAME_ ben­immt sich heute ziem­lich kindisch und ihr Lieblingsmusik­er hat kein Tal­ent.”
  • vol­lkom­men in Ord­nung:
    “_NICKNAME_, ich werde dir Stress machen, weil du meinen Lieblingsmusik­er nicht magst, du _SCHIMPFWORT_!”

Puh, Twit­ter hat schon kom­plizierte Regeln.

Aber ich sei ja auch selb­st schuld, wenn mir Justins Fan­schar Stress macht, pflichtete 1997MariaBiebs wiederum bei:

@tux0r @Regendelfin last ein­fach Justin in ruhe da brauchst du dich nicht wun­dern wenn ich auss­raste !!!

“Tut mir Leid, Herr Wacht­meis­ter, ich hat­te keine Wahl — er hat meinen Lieblingsmusik­er untal­en­tiert genannt!11eins”; stimmt, wun­dern würde mich das spätestens jet­zt auch nicht mehr. Und natür­lich sei dieses Aus­ras­ten kindisch, aber ich eben auch:

@tux0r @Regendelfin ihalt ein­fach deine klappe okay -.- du bist doch Kindisch ;) aber auch egal !!

Denn selb­stver­ständlich sei jemand, der anderen mit blu­mi­gen Worten Stress andro­ht, nicht kindis­ch­er als jemand, der darüber ungläu­big den Kopf schüt­telt; und “du bist kindisch” sei natür­lich eine keines­falls sach­di­en­lichere Äußerung als “ALTER ICH HAU DICH!!1”.

Lei­der wurde auf meine Frage, worin denn der angekündigte Stress beste­he, auch nach mehrma­liger Nach­frage nicht einge­gan­gen. Sollte ich also dem­nächst eines bluti­gen Todes ster­ben und meine Leiche mit geplatztem Trom­melfell aufge­fun­den wer­den, so ist die Wahrschein­lichkeit nicht ger­ing, dass ich an ein­er Über­do­sis grauen­vollen Pops dahingeschieden bin. In diesem Fall bitte ich darum, meinen Tod möglichst grausam zu rächen. Besten Dank!

“Music makes the bour­geoisie and the rebel.”
– Madon­na: Music

Sonstiges
Kurz nachgedacht über die Frauenquote

Nur so aus Neugi­er jet­zt:

Da die meis­ten nen­nenswerten Unternehmen wie auch Aktivis­ten­be­we­gun­gen und Parteien inzwis­chen dazu überge­gan­gen sind, eine Frauen­quote von über 50 Prozent für das Ide­al zu hal­ten: In Deutsch­land kamen (hihi!) im Jahr 2011 laut CIA-Angaben auf jede Frau 0,97 Män­ner.

Wenn also die meis­ten der Fordern­den es irgend­wann schaf­fen, ihr Ziel zu erre­ichen, bedeutet das, dass irgend­wann ein­fach nicht mehr genug Frauen für alle anderen Unternehmen, Bewe­gun­gen und Parteien übrig sein wer­den, weil die sich alle auf wenige Sam­melpunk­te konzen­tri­eren (wahrschein­lich die Grü­nen und irgendwelche Tech­nikkonz­erne).

Irgend­je­mand muss sich also frei­willig bere­it erk­lären, eine niedrigere Frauen­quote einzuhal­ten (und sich so dem Spott der Mit­be­wer­ber auszuset­zen). Wie wird der­jenige eigentlich ermit­telt?

Montagsmusik
Henry Fool — Everyone In Sweden

Was macht eigentlich Phil Man­zan­era?

Nun, gele­gentlich tourt er gemein­sam mit Andy Mack­ay und weit­eren früheren Roxy-Music-Mit­stre­it­ern in der Gegend herum. Zwis­chen­durch hat er noch Zeit, Gitarre auf den Musikalben ander­er Musik­grup­pen zu spie­len, etwa auf “Men Singing” von Hen­ry Fool, ein­er siebenköp­fi­gen Band mit Mit­gliedern aus Avant­garde, Jazz und Rock.

Das klingt unge­fähr so:

Hen­ry Fool — “Every­one in Swe­den (edit)”

Ein gutes Album zum Wochenan­fang.

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt CLII: Skandal: H&M‑Mitarbeiter kauft bei H&M!

OHMEINGOTTOHMEINGOTTOHMEINGOTT:

Wikipedia: BP-Mitar­beit­er schreibt am BP-Ein­trag mit

Der Vor­wurf ist gar Furcht erre­gend: Ein Mitar­beit­er des Unternehmens BP, der sich sub­til mit­tels des Benutzer­na­mens “Arturo at BP” tarnt, um seine Fir­men­zuge­hörigkeit pri­ma zu ver­schleiern, hat Änderungsvorschläge einge­bracht, die dann nach Abstim­mung ander­er Benutzer von sel­bi­gen eingepflegt wur­den.

Ander­swo hieße das ja “Primärquelle”, in der Wikipedia ist es ver­pönt, weil die Möglichkeit beste­ht, dass sub­jek­tive Aus­sagen Einzug in einen Artikel find­en. Als Ergeb­nis wird nun darüber disku­tiert, die eis­erne Wikipedia-Regel “Ignoriere alle Regeln!” um eine For­mulierung zu erweit­ern, die unge­fähr so laut­en soll: “Ignoriere alle Regeln, es sei denn, es beste­ht ein Inter­essen­skon­flikt zwis­chen dein­er Per­son und dem zu ändern­den Artikel, dann mach’ dich bess­er vom Ack­er, du doofer Hei­ni!”.

Zum Glück habe ich als Mann noch nie ver­sucht, den Wikipedia-Artikel zu “Mann” — oder gar den zu “Fem­i­nis­mus” — zu ändern. Eine lebenslange Sperre wäre das Min­deste!