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Guapo — Black Oni

Guapo - Black Oni“Black Oni” ist das sech­ste Stu­dioal­bum der 1994 gegrün­de­ten britis­chen Musik­gruppe “Guapo”, die auch schon mal mit Ruins und Cer­berus Shoal zusam­men musiziert haben. Wer diese Bands ken­nt, der weiß, was er hier zu erwarten hat. Zur Ety­molo­gie: Ein Oni ist in der japanis­chen Mytholo­gie eine Art Mon­ster oder Dämon gut- oder böswilliger Natur. Ob ein schwarz­er Oni etwas anderes tut als ein ander­s­far­biger, ist mir nicht geläu­fig. Hüb­sch ist er jedoch eher nicht.

Zurück zum Album: Bere­its das cov­er, ein Schwarz­graubild eines entwurzel­ten Baumes mit­ten im Wald, lässt hof­fen. Fröh­lichen Indiemist möge man bitte woan­ders suchen.

Und tat­säch­lich: Es begin­nt mit bedrohlich anschwil­len­den Geräuschen, elek­tro­n­isch und nach der Ver­to­nung der Arbeit in ein­er Met­all­fab­rik klin­gend. Ein Pfeifton gesellt sich dazu, der nach etwa zwei Minuten, kurz bevor dem Hör­er der Kopf platzt, seine Kli­max erre­icht. Es fol­gen etwa eine Minute lang Bass, Schlagzeug und merk­würdi­ge Gitarre, anschließend wieder Fab­rikgeräusche.

Ger­adlin­iger ver­läuft da schon Stück 2 (“II”), das von einem treiben­den Schlagzeug und einem für mich als Laien nicht sofort zu iden­ti­fizieren­den Tas­tenin­stru­ment geführt wird. Es wech­seln sich immer wieder die Stim­mungen, Span­nungs­bö­gen wer­den immer wieder neu errichtet. Das Mel­lotron, das bis dahin nur spo­radisch zu iden­ti­fizieren war, hat seinen großen Auftritt jedoch im fol­gen­den Stück “III”, das in einem wahren Zeuhl-Feuer­w­erk (lei­der ohne Gesang) endet. Mel­lotron? Ja, King Crim­son (ins­beson­dere die Impro­vi­sa­tio­nen der frühen 1970er Jahre) lugen hier und da ums Eck.

Nach dieser Explo­sion ist Stück Num­mer 4 (“IV”), ein wabern­des, elek­tro­n­is­ches Klanggemälde, das Fre­un­den früher Krautrock­pro­tag­o­nis­ten wie Klaus Schulze oder Tan­ger­ine Dream zusagen kön­nte, gle­ich­sam die Ruhe nach dem Sturm; oder vor ihm? Das abschließende — na, wer errät es? richtig — “V” ist wiederum unver­mit­telt ein­set­zen­der Retro-Prog mit aller­lei Syn­the­siz­er-Finessen, der mit steigen­der Dauer (“V” ist immer­hin knapp 13 Minuten lang) an Geschwindigkeit abn­immt und über einen Doom-Mit­tel­teil wiederum im Kraut(-rock) endet.

Ihr seht: “Black Oni” als Ganzes stilis­tisch einzuord­nen ist nicht leicht. Ich erkenne Postrock, Zeuhl, Space-/Krautrock und das alt­bekan­nte RIO/Avant. Artver­wandt? Gong, King Crim­son, vielle­icht auch Frank Zap­pa. Der geht als Ver­gle­ich ja immer. Allen Stück­en gemein­sam ist der fehlende, nein, aus­bleibende Gesang. Schlimm? Nein. Im Gegen­teil: Ich mag es. Und ihr soll­tet das auch tun.

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