PersönlichesPiratenpartei
Abrechnung mit Fabian Reinbold

(Vorbe­merkung: Ich bin gegen­wär­tig kein Funk­tion­sträger der Piraten­partei, jedoch allmäh­lich über­mäßig gen­ervtes Basis­mit­glied.)

Jed­er ken­nt sie, die pop­ulis­tis­chen Schmierfinken, die für eine bil­lige Schlagzeile jedes Risiko für Dritte in Kauf nehmen wür­den. Bei der BILD ist diese Hal­tung offen­bar zwin­gend voraus­ge­set­zt, das muss nicht expliz­it erwäh­nt wer­den.

Man sollte aber darüber nicht vergessen, dass auch andere Mag­a­zine Brand­s­tifter beherber­gen.

Bei SPIEGEL ONLINE etwa treibt seit Jahren Fabi­an Rein­bold sein Unwe­sen, der seit August 2011 dafür bezahlt wird, den Mythos Piraten­partei zu entza­ubern. (Und ich hat­te schon gedacht, das “Ressort Poli­tik”, in dem er beschäftigt ist, hätte irgend­was mit Poli­tik zu tun.) Die Welle an piratenkri­tis­chen Artikeln auf SPIEGEL ONLINE trägt zu einem beein­druck­enden Teil seine Hand­schrift, gele­gentlich auch zusam­men mit Kol­le­gin und (laut ZDF-Angestell­ter “koegler.nicole”) Pirat­en-Exper­tin Annett Meiritz, die es zumin­d­est noch manch­mal schafft, ihre Aver­sion gegen die Piraten­partei — mit Aus­nahme von Mari­na Weis­band, die sie anscheinend sehr mag — lei­dlich gut zu ver­ber­gen.

Dabei geht Fabi­an Rein­bold so weit wie son­st nur die BILD. Ein­er sein­er Artikel etwa kostete auf­grund ein­er wom­öglich bewusst missver­ständlichen, in diesem Kon­text falschen For­mulierung eine nur neben­bei erwäh­nte Angestellte der Berlin­er Pirat­en im weit­eren Diskus­sionsver­lauf ihren Arbeit­splatz. (Da ich nicht Fabi­an Rein­bold bin, verzichte ich auf Namen­snen­nung oder andere Details, die eine Iden­ti­fika­tion der anderen Beteiligten vere­in­fachen.) Das allein ist eigentlich Grund genug, dass es mir nicht leicht fällt, ihm gegenüber die Con­te­nance zu wahren. Zu rück­sicht­slosen Pop­ulis­ten sollte man nicht nett sein, denn das wer­den sie gegen dich ver­wen­den; und dass es Fabi­an Rein­bold bish­er auf Parteita­gen stets geschafft hat, mich zu mei­den, ist bedauer­lich, denn son­st hätte ich ver­mut­lich längst die Gele­gen­heit genutzt, ihm in mein­er bekan­nt umgänglichen Art seinen Beruf zu erk­lären. Jour­nal­is­ten näm­lich tun so etwas nicht.

Aber Fabi­an Rein­bold ist Teil dieser Presse, die wir unbe­d­ingt brauchen. Somit ist er auch weit­er­hin nicht nur geduldet, son­dern auch erwün­scht. “Auch schlechte Presse ist Presse”? Ich bezwei­fle es. Nach meinem Dafürhal­ten soll­ten Boule­vard­jour­nal­is­ten, die nicht bericht­en, son­dern mit Sug­ges­tivfra­gen an möglichst promi­nente Parteim­it­glieder auf­bauschen und Skan­dale her­beis­chreiben wollen, nach dem spätestens drit­ten Verge­hen (three strikes hat sich ja bewährt) lebenslanges Hausver­bot auf offiziellen Parteiver­anstal­tun­gen erhal­ten, und ich bin nach meinem Ken­nt­nis­stand nicht der Einzige, dessen fehlende Entschei­dungs­ge­walt alles ist, was zwis­chen Fabi­an Rein­bold und entsprechen­den Kon­se­quen­zen ste­ht. So jedoch kann er auch weit­er­hin jedes missver­ständliche Wort, jede Hal­binfor­ma­tion nutzen, um daraus einen weit­eren Unter­gang für die Partei zu machen. Das neueste Skandälchen ist das Mittelfinger-“Gate”. (Von dem kindis­chen Wort “Stinkefin­ger” nehme ich Abstand — meine Fin­ger duften.)

Achtung, es wird selb­st für Piraten­ver­hält­nisse pein­lich: Auf einem Foto zeigen mehrere Freibeuter demon­stra­tiv Parte­ichef Bernd Schlömer den Mit­telfin­ger. Das Bild postete ein Lan­des­geschäfts­führer. Schlömer sieht den Beginn ein­er “Treib­jagd auf einen Men­schen”.

(Her­vorhe­bung von mir; bitte beizeit­en mit der jour­nal­is­tis­chen Ethik des SPIEGELs ver­gle­ichen.)

Dass Fabi­an Rein­bold nicht ver­standen hat, dass “Freibeuter” im Piratenum­feld für “Sym­pa­thisan­ten, die (noch) keine Mit­glieder sind” ste­ht, ist aus­nahm­sweise nicht schlimm; dieses Wis­sen ist auch partei­in­tern lei­der kaum ver­bre­it­et. Doof nur, dass er auch son­st die falschen Schlüsse zieht. Ein “Parte­ichef” (der bei den Pirat­en auch nur ein ein­fach­es Mit­glied ist, was man gar nicht oft genug erk­lären kann), der stel­lvertre­tend für die Pirat­en bekan­nt gibt, dass der Wahlkampf wegen fehlen­der Kraft und Moti­va­tion qua­si ohne­hin vergebens sein würde, tritt so mit Anlauf denen in den Hin­tern, die viel wertvolle Leben­szeit in die Parteiar­beit investieren. Ein aus­gestreck­ter Mit­telfin­ger ist ein Witz dage­gen. Das ist keine Treib­jagd auf einen Men­schen, das ist mehrheitlich­es Ekligfind­en dessen, was Bernd Schlömer so in die Gazetten blub­bert. Wohl nie­mand der Treib­jäger wün­scht Her­rn Schlömer nach­halti­gen per­sön­lichen Schaden. Nur als Ober­vor­stand taugt er halt nix, und die Piraten­partei ist nun ein­mal so struk­turi­ert, dass ein her­zlich­es “halt’ endlich mal die Klappe, Chef, du redest zu viel Scheiße” als Mei­n­ung der Basis und nicht als Affront gew­ertet wird. Die einst von unter anderem Ger­hard Schröder pop­ulär gemachte Ver­trauensfrage würde Bernd Schlömer nach meinem Empfind­en auf­grund divers­er Diskus­sio­nen inner­halb der Basis einen äußerst gerin­gen Zus­pruch attestieren; trotz­dem nehme ich an, dass er anders als Johannes Pon­ad­er sein Amt auf dem kom­menden Bun­desparteitag in Neu­markt nicht ein­fach nieder­legen wird. (Pos­i­tive Über­raschun­gen erwarte ich von ihm schon lange nicht mehr.) Das ist etwas bedauer­lich.

Aber zurück zu Fabi­an Rein­bold. Dieser kann sich offen­bar selb­st nicht entschei­den, worin nun eigentlich sein Prob­lem mit der Piraten­partei liegt. Kurz nach seinem Dien­stantritt bei SPIEGEL ONLINE 2011 befürchtete er noch, die Pirat­en wür­den sich angreif­bar machen. Später war ihm das bei der Suche nach einem Schuldigen nur Recht: Let­ztes Jahr war es Johannes Pon­ad­er (“Das Pirat­en-Prob­lem heißt Pon­ad­er”, Okto­ber 2012), let­zten Sonnabend war es Sebas­t­ian Nerz, nur Bernd Schlömer ist es nie. Wie man es als Pirat schafft, von Fabi­an Rein­bold für jed­welch­es Tun in Schutz genom­men zu wer­den, erschließt sich mir nur als Ver­mu­tung — die bei­den haben in ihrer Vorge­hensweise viel gemein­sam.

Man ver­ste­he mich nicht miss: Kri­tis­che Berichter­stat­tung ist gut und wichtig. Wer jedoch keinen Hehl daraus macht, dass er die Piraten­partei (“pein­lich”, siehe oben) nicht nur kri­tisch betra­chtet, son­dern in sein­er Berichter­stat­tung gezielt, nun, Partei gegen sie ergreift, mag vielle­icht ein tal­en­tiert­er Blog­ger sein, für einen Vertreter von SPIEGEL ONLINE, mithin der so genan­nten “Presse” (das Wort hängt ety­mol­o­gisch mit “pressen” zusam­men, nicht?), ist das aber kein Ver­hal­ten, das man fördern sollte.

Ich empfehle diesen Text als eine War­nung zu betra­cht­en. SPIEGEL ONLINE ist kein ser­iös­es Medi­um. Seine Vertreter sind oft skru­pel­lose und gefährliche Men­schen, denen es nicht um die jour­nal­is­tis­che Wahrheit geht und die für eine reißerische Schlagzeile auch beru­fliche Exis­ten­zen zu ver­nicht­en imstande sind. Es ist falsch, diesen Leuten eine Plat­tform zu geben, auf der sie sich in Szene set­zen kön­nen.

Ange­blich hat Fabi­an Rein­bold sein Handw­erk an der Deutschen Jour­nal­is­ten­schule in München gel­ernt. Diese Schule sollte man im Auge behal­ten.

SPIEGEL ONLINE darf mich hier gern zitieren.

Senfecke:

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