Zum ersten Mal seit Jahren ist der diesjährige “Eurovision Song Contest”, der offenbar in den letzten Tagen sein Finale fand, von mir unbemerkt vorübergezogen. Deutschland hat offenbar einen nicht allzu guten Platz errungen. Warum? Thomas Schreiber (ARD) weiß es:
“Wir sind in einer schwierigen Situation. Es gibt sicher auch eine politische Lage”, sagte Schreiber. “Ich will nicht sagen ’18 Punkte für Angela Merkel’. Aber man muss eben auch sehen, da stand nicht nur Cascada, sondern da stand auch Deutschland auf der Bühne”, sagte der ARD-Mann.
Cascada sind mir ja bisher nur einmal positiv aufgefallen: Deren Sängerin Natalie Horler zierte vor einigen Monaten die Titelseite des deutschsprachigen “Playboy”-Magazins. Das war interessant. Ansonsten kenne ich Cascada als ödes Discogestampfe zu englischsprachigen Allerweltstexten. Da steht Deutschland auf der Bühne, meine Damen und Herren; wie eben auch vor einigen Jahren:
Gewonnen hat eine barfüßige 20-Jährige mit viel Charme und einem eingängigen Liedchen — jung und herzerfrischend wie vor drei Jahren Lena Meyer-Landrut.
“Satellite”, jung und herzerfrischend und unglaublich belanglos. Deutschland, Norwegen, Großbritannien oder Taka-Tuka-Land — wofür steht es? Was ehedem ein Länderwettstreit sein durfte, dessen Protagonisten versuchten, mit Lokalkolorit (“Ein bisschen Frieden”) zu siegen, ist heutzutage nur mehr eine herzlose Schlacht darum, welches Land den Komponisten für die am wenigsten gleichförmige Einheitspopscheiße beherbergt, die dennoch radiotauglich sein muss. Es geht längst nicht mehr um den Inhalt, nur noch um die Form.
Lieber hat man sich hier für einen abgeschmackten Aufguss, also im Grunde gar nicht entschieden, als ein Risiko einzugehen. Lieber wurstelt man sich durch, als beherzt auch mal ein großartiges Scheitern in Kauf nehmen zu wollen. Lieber tut man hier nichts, als etwas zu wagen.
So gesehen: Vielleicht ist doch Angela Merkel schuld.
Das allerdings bezweifle ich ein wenig.



ERSTER! Full ACK! OMG