In den Nachrichten
Andrej Holm, relativ recherchiert.

Auf SPIEGEL ONLINE ver­wiesen zwei Autoren gestern auf eine Studie, die belegt, dass häus­liche Gewalt gegen Män­ner dur­chaus gele­gentlich vorkommt. Gemäß der Studie — die sex­uelle Gewalt wurde lei­der nicht berück­sichtigt — sind Frauen und Män­ner beina­he gle­ichauf.

Manchen Autoren scheint es schw­erz­u­fall­en, dem Grund­satz zu fol­gen, der Leser möge Gebrauch von sein­er eige­nen Medi­enkom­pe­tenz (ger­ade in Bezug auf Stu­di­en und den SPIEGEL im All­ge­meinen) machen, und so dauerte es nicht lange, bis Andrej Holm für den “Fre­itag” die Studie ver­riss. Sein­er Absicht, die SPIEGEL-Autoren als frauen­feindliche Mies­linge darzustellen, kommt der Ver­riss aber eher nicht zupass:

Nur ein knappes Vier­tel der Gewal­ter­fahrun­gen gegen Frauen (1,2%) wird von den einge­s­tande­nen Gewalt­tätigkeit­en von Män­nern (0,3%) gedeckt.

Um die bei­den Prozen­twerte jedoch gegeneinan­der aufrech­nen zu kön­nen, ist es notwendig, dass die absoluten Zahlen iden­tisch sind, also gle­ichviel Männlein und Weiblein befragt wur­den. Der Studie ist zu ent­nehmen, dass das Quatsch ist:

Aktive und pas­sive Erfahrun­gen kör­per­lich­er und psy­chis­ch­er Gewalt wur­den im Alters­bere­ich von 18 bis 64 Jahren bei ins­ge­samt 5939 Teil­nehmerin­nen und Teil­nehmern, davon 3149 Frauen und 2790 Män­ner (ungewichtete Angaben) erhoben.

Somit ist davon auszuge­hen, dass Andrej Holm die Zahlen sehr wohl bekan­nt sind — die bloßen Prozen­twerte, die ver­hält­nis­mäßig ger­ing scheinen, besitzen also kaum rel­e­vante Aus­sagekraft. 0,3 Prozent von 3149 sind eben nicht 0,3 Prozent von 2790. Somit macht Andrej Holm den gle­ichen Fehler, den er den SPIEGEL-Autoren vor­wirft, wenn er bloße Ver­hält­nisse bemüht:

Die Dif­ferenz zwis­chen Gewal­ter­fahrung von Män­nern (6,9%) und ihren eige­nen Gewalt­tätigkeit­en (3,9%) fällt dabei deut­lich größer aus als bei den Frauen (3,3% vs. 3,4%).

(Dass die Dif­ferenz bei Frauen ins Neg­a­tive geht, die Gewaltver­hält­nisse also kon­trär sind, sei hier aus didak­tis­chen Grün­den nicht weit­er berück­sichtigt.)

Ob die Unter­schiede in den absoluten Zahlen nun eher für Her­rn Holm oder für die SPIEGEL-Autoren sprechen, sei außer Acht gelassen. Gewitzt und somit beachtlich ist vor diesem Hin­ter­grund jedoch Her­rn Holms Fest­stel­lung, dass “mehr Frauen als Män­ner von Gewal­ter­fahrun­gen in der Part­ner­schaft bericht­en”; Kun­st­stück, wenn mehr Frauen als Män­ner befragt wer­den, nicht wahr?

Jour­nal­is­mus: Die Fähigkeit, Medi­enkom­pe­tenz der gewün­scht­en Diskus­sion­srich­tung unterzuord­nen.

Und ich nehme doch so ungern den SPIEGEL in Schutz!

Senfecke:

  1. Hal­lo tux,

    schön dass Du dich so gründlich mit der man­gel­nden Medi­enkom­pe­tenz ander­er auseinan­der­set­zt. Aber das mit den Prozen­ten und Anteil­sangaben hast du nicht wirk­lich ver­standen: In repräsen­ta­tiv­en Unter­suchen (und das behauptet die Gesund­heitsstudie von sich zu sein) wird eben genau davon aus­ge­gan­gen, dass die anteilige Verteilung der erfragten/erhobenen Merk­male auch den Merk­malen der dahin­ter­ste­hende Grundge­samtheit entspricht. Du kannst diese sta­tis­tis­che Annhamen gerne grund­sät­zlich in Frage stellen — aber für die Kri­tik an der Auseinan­der­set­zung um den SpON-Artikel ist deine Argu­men­ta­tion denkbar ungeeignet. Alle von Dir zitierte Ausagen aus dem Beitrag im “Fre­itag” beziegen sich ürbigens auf nichts anders als auf die Prozent-Angaben der Studie.

    Mit besten Grüßen,

    AH

    • Hoi Andrej,

      Prozen­tangaben bleiben Prozen­tangaben, unab­hängig von der Quelle. Die Inter­pre­ta­tion der­sel­ben über­lasse ich selb­stver­ständlich dem Leser — von Täter­diskus­sio­nen hab ich die Nase voll.

      Schö­nen Son­ntag!

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