LyrikPersönliches
Sie. (Fragment 7)

„Sag, warum bist du verschlossen, wenn du weißt, was du vermisst?“
— EAV: Es tut weh und es tut gut (Bäng, Bäng)


… Er hatte nie an Wunder geglaubt, seit er sich zurückerinnern konnte.

Warum gerade jetzt? Immerhin hatte er sich schon oft genug den Kopf gestoßen beim Versuch, ihre Gunst zu gewinnen, und jedes Mal wartete er, bis die Wunde verheilt war, und nahm erneut Anlauf. Immer wieder jedoch hatte er selbst das Tor in ihr Herz verschlossen und konnte es doch nicht verhindern, dass Widersacher den Moment nutzten. Ihm blieb nichts übrig als tatenlos zuzusehen, wie andere das bekamen, was er sich am meisten wünschte.

Und doch kamen sie immer wieder zusammen, und das Spiel begann von neuem. Wie Katzen schlichen sie umeinander, stets wissend, dass die Krallen nur versteckt sind; und er brachte sie oft dazu, ihre Krallen an ihm zu wetzen. Und doch konnte und wollte er das niemals aufgeben. Er hatte niemals für jemanden so viel empfunden, und obwohl er jedes Mal versuchte, seine Wunden von anderen Katzen lecken zu lassen, blieb sie die Konstante, der Ruhepol in seinem Leben.

Warum ausgerechnet sie ihm so viel bedeute, wollte sie nicht nur einmal wissen. Er wusste es nicht. War es möglich, Gefühle zu erklären? – Er hatte in seinem ganzen bisherigen Leben erst zweimal jemandem seine Liebe gestanden. Eine dieser Jemande war längst fort, sie jedoch war auch Jahre später noch da. Sie hatte ihn verzaubert, seit er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Zwar hatte er sich lange geweigert, es sich einzugestehen, aber letztlich schien doch, gemessen an ihr, jede andere Frau in seinem Leben wie ein jämmerlicher und von Anfang an zum Scheitern verurteilter Versuch, sie zu ersetzen. Das war ihm nie gelungen.

Sie hatte ihm gewährt, worum er seit Jahren gefleht hatte. Das Tor stand offen, vielleicht zum letzten Mal. Diesmal schlug er es nicht zu, er schritt hindurch; und wenngleich er sich jahrelang immer wieder in Gedanken ausgemalt hatte, dass ihm schon das Bewusstsein, dass er wahrhaftig bei ihr sein konnte, den Atem nehmen würde, durchlebte er die folgenden Tage wie durch Nebel. Trotzdem warf alles, was geschehen war, mehr Fragen auf als es beantwortete. Wie in Trance hörte er sich selbst „ich liebe dich“ sagen, als sie Abschied voneinander nahmen. Sollte es nochmals Jahre dauern?

Mühsam richtete er sich auf, tastete neben sich und spürte, dass er allein in seinem eigenen Bett aufgewacht war. Der Traum, der seit Jahren wie ein Echo immer wieder in seinem Kopf widerhallte, war vorüber. Oder fing er gerade erst an? Er wusste noch nicht, wohin dieser Weg führen würde, aber er war sich sicher, er würde ihn niemals wieder verlassen. …


„Liebe, Liebe, Liebelei; morgen ist sie vielleicht vorbei.“
— Tony Holiday: Tanze Samba mit mir

Senfecke:

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