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Medi­en­kri­tik XCI: Brain-Kil­ler Intouch

In der Welt der Frau­en­zeit­schrif­ten gibt es nicht nur Maga­zi­ne mit Brüll­buch­sta­ben wie JOY und JOLIE, auch mit klei­nen Buch­sta­ben kann gro­ßer Quatsch auf’s Papier gebracht wer­den.

Zum Bei­spiel im Maga­zin „Intouch“, das in sei­ner noch aktu­el­len Aus­ga­be vor dem „Beau­ty-Kil­ler Alko­hol“ warnt:

intouch

Außer Mariah Carey, die ich per­sön­lich nie beson­ders hübsch fand, zäh­len zu den Opfern des Alko­hols laut „Intouch“ auch Frau­en wie „Lady Gaga“, deren ein­sti­ge Schön­heit allein der Alko­hol auf dem Gewis­sen habe. Lady Gaga – wir erin­nern uns – sieht unter ihrer Mas­ke unge­fähr so aus:

Lady Gaga

Was hat der Alko­hol laut „Intouch“ mit ihr ange­stellt? Hat er sie blon­diert, gro­tesk geschminkt und in häss­li­che Büh­nen­ver­klei­dung gesteckt? Aber nein:

Zu ihren schlank­sten Zei­ten brach­te Lady Gaga gera­de ein­mal 42 Kilo auf die Waa­ge. Extra-Kilos am Bauch und kräf­ti­ge Ober­schen­kel – inzwi­schen wiegt die 1,55 Meter klei­ne Sän­ge­rin rund 57 Kilo.

Das ergibt einen BMI von 23,7, gemein­hin als Ide­al­ge­wicht bekannt; 42 Kilo fal­len in die Kate­go­rie „Unter­ge­wicht“ und sind ein Grund, sich ernst­haft Sor­gen um sei­ne Gesund­heit zu machen. Eine bedau­er­li­che Aus­nah­me? Nein. „Lind­say Lohan: + 10 Kilo“, und Mariah Carey bekommt ihr, hihi, Fett ja bereits auf der Titel­sei­te weg. Schlimm, was Alko­hol aus Men­schen (zum Bei­spiel Intouch-Redak­teu­rin­nen) macht.

Dabei hat man bei „Intouch“ nur etwas gegen den guten Geschmack, nicht gegen Dicke, denn ab Sei­te 42 macht sich Redak­teu­rin Julia Zuraw dar­über lustig, dass Kanye West „irren Diät-Zoff“ ver­an­stal­tet, indem er die Schwe­stern sei­ner Frau Kim Kar­da­shi­an für zu dick befin­det. Ande­rer­seits:

Hof­fent­lich ver­ges­sen die Hol­ly­wood-Bräu­te vor lau­ter Abnehm-Wahn nicht, dass ihre Gesund­heit wich­ti­ger ist als Size Zero…

Irre.

Hab‘ ich da „stil­los“ gehört? Aber nein, die „Intouch“ ist doch nicht stil­los. Dort weiß man, was sich gehört, zum Bei­spiel im „Exklu­siv­be­richt“ über Yvonne de Bark, die im Rah­men der Fern­seh­sen­dung „Pro­mi Shop­ping Queen“ total fer­tig­ge­macht wur­de:

„Es war respekt­los, wie die Grup­pe auf mei­ner Klei­dung her­um­ge­tram­pelt hat.“

Rolf sieht das nicht so. Er fin­det nichts Schlim­mes an dem, was pas­siert ist.

Und so hält sich das Mit­leid dann auch beim Leser in Gren­zen, was gut ist, denn sonst mute­te es viel­leicht komisch an, sich nur 24 Sei­ten spä­ter hämisch über ver­meint­li­che Klei­dungs­miss­grif­fe von Uma Thur­man („Blü­ten-Bla­ma­ge“: „Die­ses Kleid ist jeden­falls reif für den Kom­post.“) und Lily Aldridge („Seven­ties-Saue­rei“: „Hap­pi­ness ist (…) beim Betrach­ter abso­lut aus­ge­schlos­sen.“) zu amü­sie­ren ange­regt zu wer­den.

Von „Intouch“ gibt es auch einen Able­ger namens „Intouch Style“ („das ange­sag­te­ste Fashion-&-Beauty-Magazin“, immer­hin mit Bin­de­stri­chen dazwi­schen). Ich wage kaum mir vor­zu­stel­len, wor­um es dort geht.

Um Stil wahr­schein­lich eher nicht.