PolitikNetzfundstückeNerdkrams
Revolutionstüten / Fensterverknappung

Wisst ihr noch, “Die Linke.” in Berlin?

Ob die Pri­vatisierung der GSW oder der inve­storen­fre­undliche Sparkassen­verkauf, ob klein­teilige Immo­biliengeschäfte über den Liegen­schafts­fonds oder die großflächige Betonierung der Spreeufer – die Berlin­er Linkspartei war sich in den let­zten Jahren für wirk­lich nichts zu schade.

“Die Linke.” gibt’s jet­zt auch mit mer­chan­dis­ing:

Privatisierung ist Raub

Im Wald, da sind die Räu­ber,
hal­li, hal­lo, die Räu­ber.
Volk­sweise


Nach­dem auch Fire­fox jet­zt Chromes desk­top­un­tauglich­es Ausse­hen adap­tiert hat, kann man bei Google über weit­ere “Opti­mierun­gen” nach­denken. So ein Browser­fen­ster stört ja nur beim Anguck­en der Web­site.

Das Ziel scheint es zu sein, den “Kioskmodus” — F11 unter Win­dows und anderen Sys­te­men — weit­ge­hend über­flüs­sig zu machen. Und was hat so ein Brows­er noch so alles, was keine Sau braucht? Klar: Die Adresse der angezeigten Web­site.

Wird schon stim­men, wenn da zum Beispiel “Sparkasse” auf dem Bild­schirm ste­ht. — Lasst doch die lästige Web­site unter der URL-Leiste auch gle­ich weg. Sicher­er Phish­ing-Schutz! :mrgreen:

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zu Joachim Gaucks jüngster Rede zur Türkei

Joachim Gauck, Türkei, Mon­tag:

Der Bun­de­spräsi­dent kri­tisiert Inter­netsper­ren [und] Pressezen­sur (…). Er spricht von ein­er Gefahr für die Demokratie (…) “[w]enn eine ver­stärk­te geheim­di­en­stliche Kon­trolle über ihr Leben angestrebt wird. Wenn Protest auf der Straße gewalt­sam unter­drückt wird, und Men­schen dabei sog­ar ihr Leben ver­lieren”.

Die Bun­desregierung, Deutsch­land, heute:

Die Bun­desregierung teilt Joachim Gaucks Kri­tik an der Türkei.

Die Bun­desregierung, das sind CDU und SPD. An bei­den Parteien kri­tisiere ich Inter­netsper­ren, Pressezen­sur, die Gefahr für die Demokratie, wenn eine ver­stärk­te geheim­di­en­stliche Kon­trolle über mein Leben angestrebt wird und wenn sie Protest auf der Straße gewalt­sam unter­drück­en.

Ich wäre ein her­vor­ra­gen­der Bun­de­spräsi­dent.

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Von hinten durch die Brust in’s Auge

Aus der beliebten Rubrik “Mit Satzze­ichen wär’s nicht passiert!”:

Von außen hinter Glas

(via @DLR_next)


Der­weil der kom­mis­sarische, zum Glück also wenig­stens weit­ge­hend unge­fährliche Bun­desvor­stand der Piraten­partei so:

Wir haben in den let­zten Tagen und Wochen die Erfahrung machen müssen, dass Äußerun­gen unser­er­seits, die eigentlich nur der Beant­wor­tung Eur­er Fra­gen dienen soll­ten, post­wen­dend in neue Kla­gen (wie erfol­gver­sprechend oder nicht sie auch sein mögen) einge­flossen sind. (…) Es wer­den keine “öffentlichen” Sitzun­gen zu “nicht öffentlichen” Sitzun­gen, son­dern die Sitzun­gen ent­fall­en ganz und wer­den durch schriftliche Berichte erset­zt.

Man ver­stößt also so lange gegen die Grund­sätze, die für einen kom­mis­sarischen Bun­desvor­stand gel­ten, etwa, dass seine Macht auf die Ein­beru­fung eines außeror­dentlichen Parteitags zur Neuwahl beschränkt ist, bis es der Basis reicht und Sank­tio­nen gefordert wer­den; das nimmt man dann zum Anlass, sich von der Basis in eine unangemessene Ecke gedrängt zu fühlen und ihr das Mit­spracherecht sukzes­sive abzuschnei­den. Wohlge­merkt: Auch dies wegen fehlen­der Hand­lungs­fähigkeit unbefugter­weise.

Im Novem­ber nan­nte ich die Wahl des Bun­desvor­sitzen­den gut und richtig. Ich beginne an mein­er Aus­sage zu zweifeln.

PolitikIn den Nachrichten
Rosa Luxemburg würde sich schämen (kurzer Nachtrag).

Falls sich übri­gens noch jemand nicht ganz sich­er darüber war, wer eigentlich zu ver­ant­worten hat­te, dass Deutsch­land in den Ersten Weltkrieg gezo­gen war: Die SPD unter Friedrich Ebert natür­lich.

Die gle­iche SPD, die sich heute ihrer ruhm­re­ichen sozialdemokratis­chen (und, was sie nicht sagt, abgeschlosse­nen) Ver­gan­gen­heit rühmt, hat­te schon vor 100 Jahren ein recht eigen­williges Bild davon, was “sozial” ist und was nicht.

(Weshalb dann auch der Ver­such des “sozial­lib­eralen” Flügels der Piraten­partei, sich an der frühen SPD zu ori­en­tieren, mir eher Sorge als Hoff­nung bere­it­et; aber so ist das Volk. Kann man nix machen.)

KaufbefehleMusikkritikMontagsmusik
Kurzkritik: Incura — Incura

IncuraKana­da, du unter­schätztes geografis­ches Anhängsel der USA! Was nicht alles aus dir kommt: OpenB­SD, Cobie Smul­ders, Kuchen mit Semi­kolon und Incu­ra.

Incu­ra sind ein RIO/A­vant-Quin­tett, das kam­mer­musikalis­che Ele­mente, Pro­gres­sive Met­al und Indie-Rock zu einem recht hör­baren und erstaunlich radio­tauglichen Geflecht verknüpft. Die markante Stimme von Sänger Kyle Gruninger ist eine willkommene Abwech­slung in jenen musikalis­chen Gefilden, in denen seine vier Mit­stre­it­er — mal gefäl­lig, mal ver­spielt — wildern. 2013 (hierzu­lande erst kür­zlich) erschien nach eini­gen Jahren des Bandbeste­hens bei der über­haupt recht beachtlichen Plat­ten­fir­ma Insid­e­Out das Debü­tal­bum von Incu­ra, auf dem die Band aller­lei Feines zu Gehör bringt, zum Beispiel “Who You Are”.

Who You Are — Offi­cial Music Video

Auch für Fre­unde gepflegten Gitar­renge­wit­ters ist im Übri­gen was dabei:

Incu­ra — Here To Blame Ani­mat­ed Music Video

Nicht nur an Ostern ein sehr vergnüglich­es Album.

Guten Mor­gen!

Netzfundstücke
UMG: Leck mich im Arsch!

Was passiert eigentlich, wenn man ver­sucht, mit­tels von YouTube bere­it­gestell­ter Tech­niken in einem “sozialen Net­zw­erk” wie Dias­po­ra Musik­stücke eines Kün­stlers zu “teilen”, der seit 223 Jahren tot ist?

Genau:

UMG

Das Urhe­ber­recht muss auch im dig­i­tal­en Zeital­ter sich­er­stellen, dass Men­schen von ihrer geisti­gen Arbeit leben kön­nen.
Ans­gar Hevel­ing (CDU)

(via Elias)

Musik
Mysterium Helene Fischer

Was hört eigentlich “die Jugend” heute so? Scoot­er, Aqua und Eminem wie “wir” damals? Blödsinn: Helene Fis­ch­er natür­lich.

Helene Fis­ch­er, deren Name mir bis dahin ohne zuge­höriges Gesicht schon des Öfteren begeg­net war, sah und hörte ich zum ersten Mal diese Woche auf VIVA. Wom­öglich bin ich damit etwas spät dran, aber ich will ja auch nicht jeden Fir­lefanz ken­nen müssen. Apro­pos Fir­lefanz: VIVA — die Älteren erin­nern sich vielle­icht noch — war um das Jahr 2000 herum ein hip­per Jugend­sender, auf dem den ganzen Tag schlechte Mod­er­a­toren unter Zuhil­fe­nahme dum­mer Witze groteske Pop­musik “präsen­tierten” (lies: ansagten), sozusagen so was wie YouTube ohne die musikalis­chen Licht­blicke. Und was macht Helene Fis­ch­er so für Musik? Nein, nicht etwa Synth-Pop oder son­sti­gen Dis­co­quark: Schlager.

Vielle­icht ist das auch ihrem Part­ner Flo­ri­an Sil­bereisen (“DAS Traumpaar der Schlager­szene” laut SchlagerPlanet.com; früher waren “Szenen” ja noch irgend­was, wo man drin sein wollte), den ich zumin­d­est kenne, geschuldet — jeden­falls: Ja, die deutsche Jugend, son­st nur für Alko­hol- und Dro­genexzesse, Unfälle und Kleinkrim­i­nal­ität bekan­nt, hört Schlager.

Aufmerk­same Hör­er bemerken nicht nur: Trotz des harm­losen Schlager-beats ver­birgt sich dahin­ter harte “NSFW”-Lyrik. Sil­ber­monds “Durch die Nacht” hieß und funk­tion­ierte ähn­lich; nur Die Ärzte (“Die Nacht”) durch­brachen das Muster. “NSFW” ist die gängige Abkürzung für alles, was irgend­was mit Schnack­seln zu tun hat; die Buch­staben ste­hen für “not safe for work”, “nicht sich­er für den Arbeit­splatz”, und wer ern­sthaft glaubt, sein Chef habe noch keine aus­re­ichende sex­uelle Aufk­lärung erfahren und hätte daher kein Ver­ständ­nis für der­lei, der ist bescheuert, wenn nicht gar US-Amerikan­er. Ja, die US-Amerikan­er, ein fröh­lich­es Volk voller Waf­fen, Ras­sis­mus und Dro­gen. Nur Fick­en mögen sie gar nicht, das ist ja nichts für Kinder. — Aber ich schweife ab.

Hat­te Ricky Zazikys “Du hast noch Sper­ma in den Haaren” wenig­stens einen gewis­sen Unter­hal­tungswert, so fehlt Helene Fis­ch­ers Schlagerge­dudel indes jeglich­er Reiz. Wie kommt es dann, dass sie in den Medi­en einen der­maßen großen Zus­pruch erfährt? Ganz ein­fach: Sie ist “die neue Traum­frau” (“JOLIE”), weil Män­ner es total klasse find­en, ein­er ver­heirateten Inter­pretin schlim­mer Schlager­musik den Hof zu machen; ähn­lich sieht’s wahrschein­lich auch bei Emma Stone, Schaus­pielerin in gle­ich­falls schlim­men Fil­men, aus, die jeman­dem beim Konkur­renzblatt “JOY” diesen Monat stolz mit­teilte, sie sei “total chao­tisch” (ebd.). Liebenswert: Durch­schnit­tlich attrak­tive, vergebene Frauen, die für ver­w­er­flich­es Tun zu viel Geld bekom­men und dabei noch men­schlich bleiben.

Und so lässt die “JOLIE” (“die kluge Frau ist das neue Sta­tussym­bol des Mannes”, die “JOLIE” ist also ein typ­is­ches Sin­glemagazin) in der aktuellen Aus­gabe dann auch begeis­terte Män­ner zu Wort kom­men, etwa den Stu­den­ten Kevin:

Hätte ich nicht meine Fre­undin, würde ich Helene Fis­ch­er auf der Stelle heirat­en. (…) [Meine Fre­undin] hat sog­ar Ver­ständ­nis dafür, wenn ich von ihr (Helene, A.d.V.) schwärme.

Klar, Helene Fis­ch­er ist (wahrschein­lich treu) vergeben, will das aus unerfind­lichem Grund auch bleiben und ist damit keine ern­ste Konkur­renz — da stört’s die Part­ner­in nicht so sehr. Nur zur Sicher­heit legt Heike Stein­er am Ende des Artikels noch mal nach (“Sehr wahrschein­lich pupst sie nachts auch mal unter der Bettdecke und wacht mor­gens mit Mundgeruch auf.”), damit auch die dümm­sten Leserin­nen begreifen, dass Helene Fis­ch­er kein unerr­e­ich­bares Frauenide­al darstellt; die, wie ich annehme, gle­ichen dümm­sten Leserin­nen, die am auf der gle­ichen Seite erwäh­n­ten “JOLIE”-Test unter dem Mot­to “Wie viel Helene Fis­ch­er steckt in Ihnen?” teil­nehmen, übri­gens. Tja. Und wie viel pupst eure Fre­undin so?

Das sollte gle­ich ein dop­pel­ter Tritt ins Kreuz der Frauen sein, denn junge Män­ner wollen sich heutzu­tage nicht mehr binden:

Drei Män­ner habe ich in let­zter Zeit ken­nen­gel­ernt. Alle drei Geschicht­en ende­ten, bevor sie richtig begonnen hat­ten. Was ist nur los mit den Män­nern von heute?

Dass es daran liegen kön­nte, dass Stef­fi Arend­see, die für ZEIT.de schreibt, vielle­icht ein­fach selb­st nur eine nicht beson­ders gute Part­ner­in ist, kommt ihr nicht in den Sinn: Es muss den Män­nern von heute geschuldet sein, die alle lieber eine geheimnisvolle Helene Fis­ch­er (oder Emma Stone) als eine offen­sichtlich wein­er­liche Zicke wie Stef­fi Arend­see (“Es dauerte zwanzig Minuten, bis er sich bei mir entschuldigte. Ich nahm die Entschuldigung nicht an.”, ebd.) heirat­en wollen. — Es sei doch nichts Schlimmes, “sexy zu sein” (Helene Fis­ch­er über Helene Fis­ch­er), und beschei­den oben­drein.

Ich als Mann finde Helene Fis­ch­er jeden­falls ver­glichen mit dem Trara um sie ziem­lich lang­weilig. Dass ihr Medi­en­mach­er zu wis­sen glaubt, was mich an ein­er Frau pos­i­tiv anspricht, und dieses Etwas aus­gerech­net bei Helene Fis­ch­er verortet, bere­it­et mir nicht ein­mal allzu viel Kopfzer­brechen; den Umstand hinge­gen, dass einige eur­er Leserin­nen eure lob­hudel­nde “Berichter­stat­tung” zum Anlass nehmen kön­nten, “wie Helene Fis­ch­er” (jeden­falls optisch, von Natür­lichkeit wär’ dann allerd­ings keine Spur mehr zu sehen) sein zu wollen und/oder einen Zwist mit dem Part­ner zu begin­nen, der als poten­zieller Helene-Fis­ch­er-Verehrer ja sowieso nur unfrei­willig mit aus­gerech­net ihnen liiert sind, nehme ich euch tat­säch­lich übel. (Warum ihr bei der Frage, was “Män­ner” wirk­lich wollen, niemals solche Män­ner befragt, die ausse­hen oder wenig­stens sind wie ich und die meis­ten mein­er männlichen sozialen Kon­tak­te, und woher ihr die total natür­lichen Aller­welts­bu­bis immer nehmt, die dafür her­hal­ten dür­fen, möchte ich übri­gens auch gar nicht so genau wis­sen.)

Vor Empörung höre jet­zt erst mal was von Rolf Zuck­ows­ki. Ich hab’ den hip­pen Lebensstil halt voll drauf.

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik LXXXIX: Sigmars Verwandlung

Ich bin ja nicht nach­tra­gend; egal, wie wenig ich vom Tun eines Men­schen halte, so weiß ich es doch oft zu würdi­gen, wenn er uner­wartet Wahres äußert.

Annett Meiritz (“twit­tert frei­willig”) etwa, beru­flich SPD-fre­undliche Läster­tante beim SPIEGEL, hat heute nicht nur her­aus­ge­fun­den, dass Deutsch­land regiert wird, son­dern sog­ar, von wem:

Seit eini­gen Tagen ist Angela Merkel nun schon fort. Ihre Abwe­sen­heit fällt aber nicht son­der­lich auf. (…) Dass man von Merkels Pause kaum etwas mit­bekommt, mag an Sig­mar Gabriel (SPD) liegen.

Kein “Angela Merkel (CDU)” oder wenig­stens ein “Angela Merkel (59)”; das kann SPIEGEL ONLINE doch eigentlich bess­er. (Dabei wäre die poli­tis­che Kar­riere von Angela Merkel, deren linkslib­erale Partei “Demokratis­ch­er Auf­bruch” sich 1990 vor allem auf­grund mis­er­ablen Abschnei­dens — 0,9 Prozent — bei der Volk­skam­mer­wahl der CDU anschloss, vielle­icht tat­säch­lich einen genaueren Blick wert, aber die Ziel­gruppe von SPIEGEL ONLINE inter­essiert sich wahrschein­lich ein­fach nicht so für Poli­tik.) Das ist Annett Meiritz zumin­d­est bei Sig­mar Gabriel (SPD; “wird sein­er Chefin immer ähn­lich­er”, wie auch immer das nun ver­standen wer­den soll) wieder einge­fall­en.

Dass augen­schein­lich nie­mand mit­bekommt, dass Angela Merkel nicht da ist, kön­nte man jet­zt entwed­er als Steil­vor­lage nutzen oder ver­suchen, dies als Leis­tung Sig­mar Gabriels zu werten. (Würde es eigentlich auf­fall­en, wäre auch Annett Meiritz fort?) Wenn der nun aber sein­er “Chefin” “immer ähn­lich­er” wird, heißt das nicht auch, dass auch seine Abwe­sen­heit immer weniger Kon­se­quen­zen hat? — Schön wär’s ja.

Aber was will man von SPIEGEL ONLINE schon erwarten? Sprach­liche Qual­ität­skon­trolle jeden­falls nicht. Am Mon­tag etwa ließ ein mir bis dahin zu Recht unbekan­nter Felix Knoke dort sein Kon­ter­fei neben einen Artikel mit dieser Über­schrift set­zen:

Angriff in San Fran­cis­co: Frau reißt Jour­nal­ist Google Glass aus dem Gesicht

Aus­for­muliert lautet diese Über­schrift: Ein Jour­nal­ist — Nom­i­na­tiv — riss ein­er Frau — ver­mut­lich Dativ — eine mys­ter­iös mit diesem ver­schmolzene “Google Glass” nicht etwa von der Nase, son­dern aus dem Gesicht. Warum der Jour­nal­ist das tat, ste­ht lei­der nicht im Artikel, auch auf splat­ter-Bilder wurde lei­der verzichtet. Schade!

(mit Dank an L.!)

Netzfundstücke
Sendeschluss in Neuland

Der Zus­tand des “öffentlich-rechtlichen Inter­nets” kurz zusam­menge­fasst:

Aus­gewählte Beiträge der “Ort­szeit” gibt es mon­tags bis fre­itags zwis­chen 9 und 23 Uhr, sam­stags zwis­chen 9 und 17 Uhr sowie son­ntags zwis­chen 13 und 23 Uhr zum Herun­ter­laden[.]

Außer­halb der genan­nten Zeit­en hat die Down­load­abteilung, die die Dat­en auf den Rech­n­er der Besuch­er schiebt, Feier­abend. :irre:

Montagsmusik
Extrabreit und Hildegard Knef — Für mich soll’s rote Rosen regnen

Ich habe vor eini­gen Tagen erschüt­tert fest­gestellt, dass auf den Fernsehsendern, auf denen sich einst Rock­bands tum­melten, mit­tler­weile Schlager von Helene Fis­ch­er gespielt wer­den. Helene Fis­ch­er, das par­ty­girl; damit man nicht immer Rolf Zuck­ows­ki hören muss, nehme ich an.

Dem Trend zu mehr Schlager­musik ger­ade auch in der Jugend kann und will ich mich nicht ver­schließen. Aber dann doch bitte wenig­stens gute:

Extra­bre­it (+ Hilde Knef)-Für mich solls rote Rosen reg­nen

Guten Mor­gen!

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik LXXXVIII: N24 fühlt sich beobachtet

Es ist neu, es ist böse:

Am Dien­stag kann man in den USA erst­mals Google Glass kaufen. Was erwartet die Tech­nik-Freaks: Ist es Spielzeug oder nüt­zlich­es Gerät? Wir ver­rat­en, was man über die Daten­brille wis­sen muss.

Tech­nik-Freaks wissen’s, dem Rest erklärt’s N24 (Mot­to unten auf der Web­site: “aktueller Qual­ität­sjour­nal­is­mus rund um die Uhr”), bekan­nt für seine Panzer­berichter­stat­tung im hau­seige­nen Fernsehsender. Das ist sehr nett, sicher­lich macht sich die jahre­lange Erfahrung in “Jour­nal­is­mus” irgend­wie bemerk­bar.

Oder doch nicht?

Mit Google Glass ist es nun möglich, ohne zusät­zliche Geräte und lediglich durch Sprach­s­teuerung in sekun­den­bruchteilen (sic!) Filme und Fotos zu pro­duzieren.

“Ohne zusät­zliche Geräte” außer der Google-Brille mit Sprach­s­teuerung; was ein Fortschritt gegenüber dem bish­eri­gen Zus­tand ist, als man Fotos noch umständlich “ohne zusät­zliche Geräte” (außer dem Smart­phone mit Sprach­s­teuerung) machen musste.

N24 inter­essiert an Google Glass jeden­falls zu Beginn beina­he nur die Foto- und Vide­o­funk­tion. Die sei zwar irre inno­v­a­tiv, aber gefährlich:

Durch Wi-Fi und über UMTS/LTE kön­nen die gemacht­en Auf­nah­men auch sofort ins Inter­net gestellt und mit den Fre­un­den geteilt wer­den. Ger­ade diese Funk­tion lässt Daten­schützer hell­hörig wer­den. Es beste­ht die Gefahr, dass Men­schen ohne Zus­tim­mung und Wis­sen fotografiert oder gefilmt wer­den. Ob die Kam­era von Google Glass aktiv ist, ist für Außen­ste­hende kaum ersichtlich.

So ist’s halt mit “Smart­phones” auch; wenn draußen die Jugend herum­ste­ht und sich einan­der die neuesten Katzen­videos und/oder Sex­chats zeigt, weiß ich als Pas­sant nicht, ob nicht einige der ver­meintlich nur Zeigen­den stattdessen ihre Umge­bung fil­men und/oder fotografieren. Aber so ein “Smart­phone” hält man in der Hand und trägt es nicht auf der Nase, weshalb es über den Ver­dacht, mit­tels sein­er Kam­era und/oder seines Mikro­fons als “Wanze” benutzt zu wer­den, natür­lich erhaben ist. Würde ja nie­mand tun.

Zudem ist es weit­er­hin fraglich, was Google mit den gespe­icherten Dat­en untern­immt. Sollte sich Google Glass wirk­lich so ver­bre­it­en, wie sich das Unternehmen es erwün­scht, wird Google Zugriff auf Mil­lio­nen von Infor­ma­tio­nen erhal­ten.

Weit­er unten im Artikel schreibt der Autor, Google Glass biete derzeit “kaum Vorteile gegenüber einem Smart-Phone” (sic!), aber Nachteile scheint es auch kaum zu geben. Android-Smart­phones sam­meln ja auch “Mil­lio­nen von Infor­ma­tio­nen” (wen­ngle­ich mich ja schon inter­essieren würde, in welch­er Ein­heit das gemessen wird; sei’s drum).

Vielle­icht ist das auch beim Ver­fassen des Artikels aufge­fall­en, so dass man Gefahr lief, nicht überzeu­gend genug vor dem Teufel­szeug zu war­nen. Na, ein Argu­ment zieht immer:

Prob­leme solle es bere­its mit ille­galen Auf­nah­men von Kinofil­men gegeben haben. Für Kino­be­treiber ist es nicht mehr zu erken­nen, ob Raubkopi­en erstellt wer­den.

Google Glass ist nur gut für Raubkopi­en, weil man damit Dinge fil­men kann! Ver­bi­eten!

Wenn der Autor hier nur etwas kon­se­quenter gewe­sen, hätte er den Gedanken weit­erge­spon­nen: Wer mit “aktivem” Google Glass sein Kind badet, fer­tigt damit außer­dem Kinder­pornografie an — und wer weiß, was Google dann damit macht!!1!elf

Zum Glück gibt es wackere Rit­ter, die etwas dage­gen unternehmen:

Dage­gen beste­ht bere­its eine große Gegen­be­we­gung, die befürchtet, dass ihre Pri­vat­sphäre gefährdet sei.

Und N24 mit­ten­drin.

PolitikIn den Nachrichten
“… dort aber soll er liegen bis zum Tage des jüngsten Gerichts.”

Die Bun­desregierung tut endlich was:

Nach wochen­lan­gen Diskus­sio­nen hat der Bun­destag am Don­ner­stag ohne Debat­te die Mit­glieder der Kom­mis­sion gewählt, die in den näch­sten zwei Jahren die Grund­la­gen für die Suche nach einem Atom­müll-End­lager fes­tle­gen sollen.

Auf­grund der Anforderun­gen, die das The­ma der “dauer­haften” Lagerung radioak­tiv­en Mate­ri­als stellt, gehören diesem “Experten­gremi­um” (taz), gar dieser “Expertenkom­mis­sion” (Tagesspiegel) nicht irgendwelche Laien an, son­dern Leute, die sich ausken­nen:

Ulrich Klee­mann (…)
• Hält den Salz­s­tock Gor­leben für geol­o­gisch ungeeignet, um dort Atom­müll zu lagern

Das tut zwar die Kassiererin bei Lidl wom­öglich auch, aber die ist eben keine Exper­tin und wurde daher nicht gefragt. Nein, nein, wenn schon End­lager­suche, dann nur mit Leuten, die wis­sen, wie man jahrhun­derte­lang brisantes Mate­r­i­al unter sicherem Ver­schluss hält:

Als Vertreter der gesellschaftlichen Grup­pen ste­hen zur Wahl: (…) Ralf Meis­ter (Evan­ge­lis­che Kirche in Deutsch­land), Pro­fes­sor Georg Mil­bradt (Kom­mis­sari­at der Deutschen Bis­chöfe), (…).

So weit, so logisch: Wer eignet sich als Experte für Gift­müll mehr als ein Vertreter ein­er dieser “christlichen” Sek­ten?

Und für das Mate­r­i­al find­et sich sich­er in irgen­deinem vatikanis­chen Giftschrank auch noch ein Plätzchen. :aufsmaul:

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik in Kürze: Alles Nazis außer Mutti!

Endlich erk­lärt uns mal jemand, warum die AfD eine recht­spop­ulis­tis­che Neon­azi­partei ist:

Es sei “Kern recht­spop­ulis­tis­ch­er Agi­ta­tion”, die unter­drück­ten Bedürfnisse der ein­fachen Men­schen anzus­prechen, sagt der Berlin­er Poli­tik­wis­senschaftler Hajo Funke auf “tagesschau.de”.

Und ein ernst zu nehmendes Presseerzeug­nis wie die “Huff­in­g­ton Post” fragt natür­lich auch nicht nach, wenn ein Experte was erzählt; dass näm­lich ein Ein­satz für die ein­fachen Men­schen, deren Bedürfnisse im Wirtschaft­slib­er­al­is­mus kaum Gehör find­en, schon nahe an der Gren­ze zur Volksver­het­zung ent­langschramme.

Die Piraten­partei fordert ein reformiertes Urhe­ber­recht? Recht­spop­ulis­tis­che Agi­ta­tion! Die Linke fordert Reichen­s­teuer und bezahlbare Woh­nun­gen? Recht­spop­ulis­tis­che Agi­ta­tion! Von den Nazi-Steuersenkun­gen (F.D.P.) und den erneuer­baren Nazi-Energien (Die Grü­nen) reden wir lieber gar nicht erst. Frei vom Ver­dacht, recht­spop­ulis­tis­che Agi­ta­tion zu betreiben, ist ver­mut­lich allein eine Partei, die die “Bedürfnisse der ein­fachen Men­schen” gar nicht weit­er zur Ken­nt­nis nimmt.

Wenn es so eine Partei doch nur gäbe! Das wäre ein Traum, nicht wahr?


Ach, falls ihr euch noch immer nicht sich­er seid, ob euch der Heart­bleed-Fehler, der ein Ausle­sen eur­er Pass­wörter im Klar­text — mit OpenB­SD wär’s nicht passiert — ermöglicht, bet­rifft, und “ja” euch nicht ein­deutig genug ist: Hier kön­nt ihr das über­prüfen.