KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Combat Astronomy — Kundalini Apocalypse

Combat Astronomy - Kundanini ApocalypseNach so viel schlim­mer Poli­tik wird es Zeit, sich wieder auf die ätherische Kraft Kun­dali­ni im Kör­p­er zu konzen­tri­eren, um vom Zus­tand der völ­li­gen Bestürzung in den der absoluten Glück­seligkeit überzuge­hen. Dabei hil­ft bekan­ntlich Musik.

James Huggetts Musikpro­jekt Com­bat Astron­o­my (“bekämpfe Astronomie!”) macht eben­solche. 2013 erschien mit “Kun­dali­ni Apoc­a­lypse” das sech­ste Stu­dioal­bum von Com­bat Astron­o­my, die momen­tan als Duo aktive “Band” wird hier unter Anderem von Elaine di Fal­co, seit 2008 Sän­gerin von Think­ing Plague (von mir bere­its 2012 aus­führlich gewürdigt), unter­stützt. Was gibt’s zu hören?

Vor allem Bass:

James Huggetts mächtiger Bass dominiert diese Musik so deut­lich, dass man erst ein­mal wenig von dem mit­bekommt, was hier son­st noch passiert.

Dabei ist das so manch­es. Nehmen wir als Beispiel Stück 2, “Path Find­ers”: Vere­inzelt erklingt ein schräges Sax­ophon über einem anhal­tenden Chort­ep­pich, plöt­zlich zerreißt’s die Stille: Bass, Schlagzeug, Gitarre, dazu weit­er­hin das gele­gentliche Sax­ophon. Frau di Fal­co steuert Gesang bei, der gar keinen Text hat. Ver­rückt. Zwis­chen­durch aller­lei Elek­tron­ik, Key­board­gek­limper, schon wieder der Chor. Bratz, bratz-bratz. Freifor­m­jazz auf Met­alun­ter­grund. Abrupt endet jeden­falls let­zter­er, während erster­er anhält. Keine Sorge, das Pfeifen seid nicht ihr, das ist Teil des Stücks. Assozi­a­tion: broken.heart.collector (ohne die Holzin­stru­mente).

So ähn­lich funk­tion­iert die kom­plette “Kun­dali­ni Apoc­a­lypse”. Zwar scheint mein Chakra nach dem Hören noch immer unverän­dert zu sein, aber schön war’s halt doch. Hope­ful­ly some of you wind up check­ing this thing out and find out about a cool band though, if you’re inter­est­ed in jazz and met­al fusions. Das klingt nach mir.

Außer bei Ama­zon gibt’s “Kun­dali­ni Apoc­a­lypse” übri­gens auch via Band­camp zum Kauf, an let­zterem Ort auch als Kom­plettstream. Kost’ ja nichts.


An dieser Stelle übri­gens meinen verbindlich­sten Dank an den Fem­i­nis­mus, der mich nun endlich dazu bewegt hat, dem CCC beizutreten.

In den NachrichtenPiratenparteiWirtschaft
Hooliganpiraten und Ausländergold

Gut: Es spricht sich langsam herum, dass “die Pirat­en” keinen Rich­tungsstre­it aus­fecht­en.

Die Auseinan­der­set­zung in der Piraten­partei find­et nicht zwis­chen “links” und “rechts” statt, son­dern zwis­chen laut­en, poli­tis­chen Hooli­gans und Leuten, die eine Poli­tik jen­seits der vorhan­de­nen Denksch­ablo­nen machen wollen.

Schlecht: Die Kar­ri­eris­ten in der Partei gehen trotz­dem nicht weg. Vielle­icht haben sie den Text nicht gele­sen.

(Bonus­pointe aus aktuellem Anlass: Wisst ihr übri­gens, mit wem einige Mit­glieder der Piraten­partei — ange­treten auch mit dem Anspruch, Lob­by­is­mus zu bekämpfen — mor­gen gemein­sam “für den Bürg­er” gegen Atom­en­ergie demon­stri­eren wollen? Richtig: Mit der Wind­wärts Energie GmbH. — Manch­mal glaube ich ja, die machen das mit Absicht.)


Wie schön:

Der EU-Gipfel hat Don­ner­stagabend das endgültige Aus für das Bankge­heim­nis für Aus­län­der beschlossen.

Endlich ist Schluss mit der lästi­gen Recht­sauf­fas­sung, das Ver­mö­gen von Aus­län­dern sei Pri­vat­sache. Die sind ja selb­st schuld, wenn sie ihr Gold leicht­fer­tig unserem Volk anver­trauen.

Das hat sich ja bewährt.

(…) man (…) nehme ihnen alle Barschaft und Klein­od an Sil­ber und Gold, und lege es bei­seite zum Ver­wahren.
Mar­tin Luther: Von den Juden und ihren Lügen

MusikIn den Nachrichten
“Anders! Nicht besser!”

Übri­gens, Johannes Strate (c/o “Revolver­held”),

die heuti­gen Gazetten informieren über Ihr Vater­glück, das Sie wie fol­gt bejubel­ten:

Revolver­held-Sänger Johannes Strate freut sich, dass sein ein­jähriger Sohn Emil Papas Stimme im Radio erken­nt. “Wenn er unsere Songs hört, dann guckt er schon genau hin und reagiert darauf anders, als wenn er andere Lieder im Radio hört.”

Ihr Thron­fol­ger, Herr Strate, ist somit bere­its kein kleines Kind mehr, son­dern hat seine Tauglichkeit zu einem voll­w­er­ti­gen Mit­glied ein­er denk­enden Gesellschaft unter Beweis gestellt; denn wir alle, die wir uns für zu denken imstande wäh­nen, reagieren anders, wenn wir Ihren ewigen Teenag­er-Empörungspop ertra­gen müssen, als zum Beispiel auf gute Musik, etwa so:

Sie soll­ten eigentlich viel öfter Ihre Musik hören.

Bitte meld’ dich nicht,
mach’ dich nicht lächer­lich!
Revolver­held: An dich

(Das war jet­zt etwas unsach­lich.)

PersönlichesLyrik
Sie. (Fragment 9)

“We can’t afford the time to sit and cry or to won­der why.
We’ve got so many things start­ed to say, we have to get through.”
– Tin­der­sticks: Rent­ed Rooms


… Sie waren zu weit gegan­gen.

Es spielte keine Rolle mehr, wer sie waren oder was sie einan­der bedeuteten. Es hat­te sich viel getan, seit sie damals in den Wirren der neuen Zeit aufeinan­der­trafen, fest ver­wurzelt in ihrem eige­nen Geflecht, das sie niemals aufgegeben hät­ten.

Die Zeit aber blieb nicht ste­hen. Während ihr Wurzel­w­erk sich immer fein­er ver­flocht, löste er sich aus seinen Ket­ten und schwebte davon, ob er wollte oder nicht; und manch­mal blieb er auf seinem Flug hän­gen an den auf­steigen­den Bal­lons, verf­ing sich in den Lia­nen sein­er Unzulänglichkeit. Sie hat­te ihn durch die Wirren begleit­et, nie als sein Schat­ten, jedoch, wenn er wie so oft strauchelte, als jemand, der ihm das Mess­er lieh, das ihn befre­ite. Trotz allem, was sie tren­nte: Nie hätte er das mis­sen wollen.

Eine unacht­same Berührung war es, die ihn aus seinen Tagträu­men hochschreck­en ließ, ver­sunken im Gedanken an eine Zeit ohne Sor­gen, an den let­zten Tag, an dem er glück­lich gewe­sen war, an dem Ort, an dem er sich lebendig fühlte. Ob es der selt­sam ver­traute Ort war, der Alko­hol oder die Melan­cholie, die ihn vom Hor­i­zont aus umwe­hte? Er wusste es nicht und er weigerte sich, darüber nachzu­denken.

Er musste fliehen.

Als sie darüber sprachen, schien es ihm noch unwirk­lich­er als je zuvor. War sie immer noch die, die er zu ken­nen glaubte? Je mehr er über sie erfuhr, desto unsicher­er wurde er. Bis dahin war es wie selb­stver­ständlich erschienen, ihr zu begeg­nen. Je öfter sie sich for­t­an begeg­neten, desto ver­rück­ter wurde es für sie, die gebotene Dis­tanz zu wahren, da ein Schritt zurück täglich schw­er­er erschien und ein Schritt nach vorn immer auch ein Schritt näher zur Zer­störung gewe­sen wäre. Sie woll­ten einan­der nicht ver­let­zen und scheit­erten an sich selb­st.

Nun, da sie einan­der atem­los gegenüber saßen, berauscht voneinan­der und doch betrübt von der Gewis­sheit, dass sie einan­der zum Greifen nah, aber let­ztlich unerr­e­ich­bar waren, sann er sich zurück an den Ort, an dem er sich gebor­gen fühlte. “Was”, dachte er, “ist Liebe eigentlich?”, während er in ihren Armen lag und wusste, dass nichts mehr von dem, was er jet­zt sagen oder tun würde, von Bedeu­tung sein würde.

Der Mond schwieg, als die Erin­nerung seinen Sinn trübte. Wie schön sie doch war; wie schön es doch gewe­sen war. Er fühlte sich frei und war sich gewiss, dass diese Frei­heit ihren Trib­ut fordern würde. Er ahnte nicht, wie hoch der Preis sein würde. …


“We’re alone and I’m lis­ten­ing;
I’m lis­ten­ing so hard that it hurts.”
– Leonard Cohen: Amen

Nerdkrams
OpenBSD als schlanke Alternative auf betagten ThinkPads

Dass ich das Betrieb­ssys­tem FreeB­SD sehr schätze, ist für regelmäßige Leser mein­er Texte ja kein Geheim­nis mehr. Ein Blick über den Teller­rand bleibt den­noch erhel­lend.

Vor ein­er Weile erstand ich ein gün­stiges ThinkPad T60. Meine ander­swo kurz geschilderte Lei­dens­geschichte beim Ver­such, ver­schiedene BSDs darauf zu testen, möchte ich hier gar nicht en detail repro­duzieren, son­dern das Augen­merk auf eine ganz andere Frage lenken: Wie lässt sich ein “ural­ter” 32-Bit-Lap­top opti­mal nutzen?

‘OpenB­SD als schlanke Alter­na­tive auf betagten ThinkPads’ weit­er­lesen »

PolitikIn den Nachrichten
Entspannung, Dialog, Zusammenarbeit (2)

Der West­en so:

Nach dem Umsturz in Kiew (…) hat­ten rus­sis­che Sol­dat­en die Krim fak­tisch beset­zt und die moskautreue Region­al­regierung in Sim­fer­opol ein Ref­er­en­dum abhal­ten lassen: 96,8 Prozent sprachen sich dabei am ver­gan­genen Son­ntag für einen Anschluss an Rus­s­land aus.

Der West­en betra­chtet dieses Votum jedoch als völk­er­rechtswidrig und hat inzwis­chen eine Rei­he von Sank­tio­nen beschlossen.

Die grüne “taz” so:

Wagenknecht meint zum Beispiel fälschlicher­weise, der West­en habe kein Recht, die Ver­let­zung des Völk­er­rechts durch Rus­s­land zu kri­tisieren. Denn: Der West­en habe ja, von Irakkrieg bis Koso­vo, selb­st das Völk­er­recht ver­let­zt. In dieser Logik dür­fen sich kün­ftig nur noch San Mari­no und Liecht­en­stein auf das Völk­er­recht berufen. Das Völk­er­recht, das die Linkspartei gern wie eine Mon­stranz vor sich herträgt, ist dann nur noch ein Haufen Papi­er.

Aber… aber DAS VÖLKERRECHT!!1 :aufsmaul:

Spaß mit Spam
Kurzspam: “This is not spam!”

Unter dem Betr­e­ff “Sport­ing shirts” erre­ichte mich heute eine Mail, deren Absender mir sicher­lich lediglich Infor­ma­tio­nen zukom­men lassen wollte; Infor­ma­tio­nen, deren schiere Wichtigkeit eine Über­mit­tlung in Textform natür­lich von vorn­here­in lächer­lich erschienen ließ:

This is not spam

This mes­sage is not SPAM. The con­tent is infor­ma­tive.

Fühlt ihr euch auch so gut informiert wie ich?

Montagsmusik
Leonard Cohen — So Long, Marianne

(Und dieser Mon­tag schlägt ja immer auch in jed­er nur erden­klichen Härte zu, weil man dann eben doch zu viel investiert in das mit der Ein­samkeit oder ihre Über­win­dung, und während Rus­s­land sich die Krim ein­ver­leibt, sich aber partout weigert, auch Ost­deutsch­land mitzunehmen, und während in Berlin irgendwelche SEO-Arschlöch­er, die nie etwas Anständi­ges gel­ernt haben, völ­lig von der Erken­nt­nis über­rascht wer­den, dass Inter­net­nutzer sich gele­gentlich auch mal für den Inhalt ein­er Web­site und nicht nur für ihre Metatags inter­essieren, und während beina­he der halbe Bun­desvor­stand der Piraten­partei die schwe­lende Diskus­sion über den Umgang mit ide­ol­o­gisch verblende­ten Spin­nern nicht mehr aus­sitzen will und sich in den dor­ti­gen Kom­mentaren wohl jede nur denkbare Schreib­weise von “Rück­grat” find­et, fällt es mir schw­er, das alles in mehr als kurze Neben­sätze zu pressen, weil dann ja doch wieder alles über­lagert wird von der Schw­er­mut.)

Leonard Cohen Live on Ger­man TV, 1979 1 So Long Marianne2

(Kön­nen wir Berlin nicht ein­fach gegen die Schweiz ein­tauschen?)

Guten Mor­gen.

Piratenpartei
“… von MEINEN Gebühren!”

Erin­nert sich noch jemand an Anke Dom­scheit-Berg?

Anke Dom­scheit-Berg (Frau von Daniel Dom­scheit-Berg, dessen Umtriebe nor­maler­weise wesentlich inter­es­san­ter sein soll­ten) ist nicht nur gele­gentliche Kan­di­datin für alles Mögliche (momen­tan für die “Europal­iste”) in der Piraten­partei Deutsch­land, son­dern oben­drein Fem­i­nistin und Buchau­torin, die nicht nur ihr Blog (Vor­sicht: Ver­weis auf Anke Dom­scheit-Bergs Blog!), son­dern auch von der Basis — also unter anderem von mir — bezahlten web­space der Piraten­partei für Eigen­wer­bung nutzt (siehe zum Beispiel hier, hier und hier).

Und wie putzig sie die Vollbeschal­lung auf allen Kanälen zu begrün­den ver­sucht!

Das ist natür­lich Wer­bung in eigen­er Sache, aber hätte ich nicht gewollt, dass Men­schen mein Buch lesen, dann hätte ich auch keines geschrieben[.]

So weit die Rah­men­hand­lung.

Anke Dom­scheit-Berg ist oben­drein allerd­ings nicht nur Mitgliedsbeitrags‑, son­dern auch GEZ-Zahlerin (hat sie das Memo nicht gele­sen?), und als solche find­et sie es natür­lich total blöde, wenn andere Autoren, die sie nicht mag (zum Beispiel Thi­lo Sar­razin), von ihren Gebühren was sagen dür­fen:

Ich zahle GEZ, um ras­sis­mus u men­schen­feindlichkeit bei buchmesse eine plat­tform zu bieten?! WTF. @ard mess­e­s­tand: pic.twitter.com/2Ay3AjMhfb

Nun kann man von Thi­lo Sar­razin hal­ten, was man will (straf­bare Äußerun­gen hat er offen­bar bis­lang nicht getan), aber mir erschließt sich der direk­te Zusam­men­hang nicht. Darauf ist Anke Dom­scheit-Berg später noch ein­mal einge­gan­gen: Es wider­spreche dem Bil­dungsauf­trag, “finanziert von öffentlichen Geldern”, Her­rn Sar­razin eine Plat­tform zur Ver­mark­tung seines Buch­es zu bieten; es fordere auch nie­mand ein Ver­bot, ihn reden zu lassen, nur eben nicht wer­bend in der ARD.

Ich stimme ihr insofern zu, als öffentlich-rechtlich­er Rund­funk meines Eracht­ens nicht der Selb­st­darstel­lung Einzel­ner dienen sollte (obwohl ich mir noch nicht ganz sich­er bin, ob nicht schon das Abspie­len von Musik nicht mehr als bloße kom­merzielle Wer­bung für die jew­eili­gen Inter­pre­ten ist).

Anke Dom­scheit-Bergs Buch trägt übri­gens den Titel “Mauern ein­reißen!”. Das “Kul­turge­spräch” über die Über­win­dung von Mauern — Ende Jan­u­ar 2014 im SWR, einem Sender der ARD — hat­te damit sicher­lich nichts zu tun.


Nach­trag: Soeben erfahre ich, dass das, was ich oben “ihr Blog” nan­nte, trotz der Adresse ankedomscheitberg.de und des Impres­sums gar kein Teil ihrer Web­site ist, denn auf ihrer Web­site — anders als auf besagtem Blog — ste­he “nix von piraten­partei”. Da hat mich doch das Piraten­signet in der Adresszeile fast in die Irre geführt!

Nach­trag (2): Anke Dom­scheit-Berg ist wieder einge­fall­en, dass sie gar nicht Lan­des­geschäftsstelle heißt; ein eigenes Signet hat sie sich aber immer noch nicht zugelegt. P wie Panke.

SonstigesMir wird geschlecht
Medienkritik LXXXVI: Cosmopolitan deckt auf: Von Schwärmen und Därmen

Cosmopolitan April 2014Die dies­monatige “Cos­mopoli­tan” — nach Eige­naus­sage in der enthal­te­nen Zooey-Deschanel-Lob­hudelei ein “Mag­a­zin, das son­st Bühne ist für sexy-selb­st­be­wusste Frauen, die es faust­dick hin­ter den Ohren haben” — enthält einen Artikel namens “Ihr Schwarm: Der Darm”, in dem Giu­lia Enders (begeis­terte Medi­zin­stu­dentin) der­art enthu­si­astisch darüber referiert, wie großar­tig das men­schliche Ver­dau­ungssys­tem doch sei, dass ich mir das Heftchen nicht ent­ge­hen lassen kon­nte. Welch­er Mann lässt ein­ma­lige Chan­cen, sein Wis­sen über die Frauen weit­er zu ver­tiefen, schon gern ungenutzt?

Und was inter­essiert die Frauen so?

Nun:

11 Män­ner, 1 Frage: Was ist wirk­lich guter Sex?

Im zuge­höri­gen Artikel — passend zum heuti­gen “Schnitzel-und-Blowjob-Tag” — kom­men 11 total natür­liche Män­ner und eine Sta­tis­tik zu Wort: 82 Prozent der Män­ner sei es “laut secret.de” — dass ein­er der Befragten dieses Por­tal emp­fiehlt, ist sicher­lich nur ein Zufall — wichtig, dass Frauen “auch mal” die Ini­tia­tive ergrif­f­en, aber nur etwa die Hälfte der 11 Män­ner schilderte ein entsprechen­des Erleb­nis. Da hat jemand nicht aufgepasst!

(Den lusti­gen, wenig­stens nur eine Seite lan­gen Artikel “Die Pim­mel-Per­spek­tive”, in dem Redak­tion­spim­mel Max König im Namen der Män­ner dringliche Fra­gen wie “Bevorzugt ihr Jün­gere?” pauschal beant­wortet und der die Rubrik “Sex” in dieser Aus­gabe der “Cos­mopoli­tan” beschließt, möchtet ihr gar nicht erst lesen. Wirk­lich nicht.)

Son­st so? Ein raum­greifend­es The­ma scheint mal wieder das Ausse­hen zu sein, gle­ich drei Titelthe­men wet­teifern um Aufmerk­samkeit, mal mit Gegen­sätzen, …

Unge­sund leben, super ausse­hen: Par­ty, Fast Food, Stress — so sieht es Ihnen kein­er an

… mal mit Hyper­la­tiv­en:

Kündi­gen Sie das Gym!: Die effek­tivsten Home­train­ings — Kick­en sog­ar Couch-Pota­toes!

Und was macht man dann, wenn man als gestresste Partylöwin mit Faible für unge­sun­den Pappfraß endlich aufge­hört hat, ein Gym­na­si­um Fit­nessstu­dio zu besuchen? Klar: Man wird Top­mod­el und trägt hässliche Fum­mel:

Sporty chic: GNTMs zeigen, wie man den Mega­trend trägt

(Im Inhaltsverze­ich­nis ist übri­gens von “Sporty Chic(ks)” die Rede. Zum Gack­ern.)

“Super ausse­hen” ist dabei leichter als es der Titel sug­geriert:

(…) mit den neuen Cremes pfle­gen Sie Kater, Stress und kleine Sün­den ein­fach weg!

Wegpfle­gen hat dur­chaus Charme, obwohl ich das Wort eher in schlecht­en Altenheimen als im “Beauty”-Bereich ein­er Frauen­zeitschrift verortet hätte. Ich erwäge es nichts­destotrotz beizeit­en in meinen aktiv­en Wortschatz zu übernehmen.

Es gibt jet­zt sog­ar Cremes speziell für Werk­tage und das Woch­enende, (sic!) und sog­ar Masken für den Tag nach der Par­ty.

Maske

Und warum soll man dann auf heimis­che Kraftübun­gen set­zen? Weil man sich, statt allein zu japsen, dabei auch auf Englisch anbrüllen lassen kann:

Unser Tipp für Ihre Fit­ness: Zu Hause den Com­put­er hochfahren. Ehrlich! Denn via Skype kann man nun mit den Fit­ness­gu­rus aus New York trainieren.

Es war schon lange klar: Wir nerds sind den Frauen immer um eine Mate­flaschen­länge voraus. Wir verzicht­en nicht nur auf das Fit­nessstu­dio, son­dern sog­ar auf die passenden Gurus und das Zeit raubende Train­ing. Wir machen uns eben sehr ungern zum Affen.

Darum verzicht­en wir auch auf den “Sex Slang” (sic!), den Wortschatz, der “definitv” (sic!) “nur für Erwach­sene ist”:

Koma­su­tra: Zwei Betrunk­ene haben Sex (oder ver­suchen es zumin­d­est).
Ameisen­tit­ten: Gänse­haut.
Ready for Fred­dy: Beschreibt eine Frau, die geil auf Sex ist.

(Und das geht eine ganze Seite lang so.) :aufsmaul:

Zum Schluss der “Cos­mopoli­tan” “erk­lärt” Moritz Pon­tani, “warum Män­ner nichts mit Büch­ern anfan­gen kön­nen”:

Auu­uh! Vam­pir­sagas sind nix für Män­ner. Bess­er: Zeitun­gen! Hin­ter dem Wis­sensteil macht ihr Ego ähn­liche Geräusche

Büch­er, das weiß die aufgek­lärte “Cosmopolitan”-Leserin näm­lich, sind immer etwas mit Vam­piren. Andere Büch­er gibt es nicht. Oder doch?

Es ist tat­säch­lich wis­senschaftlich erwiesen, dass sie, wenn sie denn mal lesen, Klas­sik­er, Sach­büch­er, His­to­rien­büch­er oder die Zeitung lesen (übri­gens dop­pelt so viel wie ihr).

Män­ner lesen keine Büch­er. Nur Sach­büch­er. Und Klas­sik­er. Und His­to­rien­büch­er. Aber keine Büch­er!

Auu­uh!

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Studierx der Gallier

Ver­fechtern des “Gen­der­sternchens”, also der Wort­bil­dung aus Wort­stamm + Aster­isk + weib­lich­er Wor­tendung zur Darstel­lung mehrerer Geschlechter in einem Wort, hat­te ich bis­lang meist, wenig beein­druckt von der Fem­i­nisierung (entschei­dend sind im Deutschen nun mal die Endun­gen), vorgeschla­gen, mich erst wieder zu behel­li­gen, wenn sie ein “gener­isches Neu­trum” etablieren kon­nten, also eine Wort­form, die beschreibt, dass zur ange­sproch­enen Gruppe the­o­retisch Ange­hörige jed­we­den biol­o­gis­chen oder son­sti­gen Geschlechts gehören kön­nten, dur­chaus angetrieben von der Hoff­nung, dass sich das nicht so bald ereignen möge.

Das war ganz offen­sichtlich — jet­zt, da die renom­mierte Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin dieses Ereig­nis ein­treten ließ — eine bescheuerte Idee (lokale Kopie hier):

Es han­delt sich bei der Vor­lesung um eine der ersten, die ange­hende Erziehungswissen_schaftlxs besuchen, die also Weichen für xs Studi­um stellt_setzt_legt und xs Ansicht­en mit­prägt.

(Aus­führliche Anal_ysen für schmerzfreie Leser gibt’s hier und ander­swo.)

Ich* fü_hle mich* ja bere­its dadurch dis_krimi_niert, dass dixs Auto_rxse mir* gegen_über einx Sprachx pfleg_en, dix ich* nicht mehr ver_stehe_sitze_lege.

(Ander­er­seits tät’ mich eine Audiover­sion inklu­sive der Sprech­pause in “Wörtern” wie i_hre schon inter­essieren. Wer schafft’s, ohne in Unernst zu ver­fall­en?)

Erst in dem Augen­blick, als ein all­ge­mein­er Auf­schrei oder Aufkreisch der gequäl­ten Men­schen­natur in jeglich­er Kehle emporstieg, nahm er kalt­blütig laut, kräftig und amtsmäßig das Wort[.]
Wil­helm Raabe: Christoph Pech­lin


Nach­trag, da wir ger­ade bei Sprache waren: Die Deutsche Bahn wurde zum Sprach­wahrer des Jahres 2013 gekürt. Warum? Darum:

Um unsere Mitar­beit­er dabei zu unter­stützen, haben wir ihnen in unserem firmeneige­nen Intranet ein Glos­sar zum The­ma „Anglizis­men“ an die Hand gegeben, mit dem sie ihren alltäglichen Sprachge­brauch kri­tisch unter die Lupe nehmen kön­nen, um eine infla­tionäre Ver­wen­dung englis­ch­er und scheinenglis­ch­er Begriffe zu brem­sen. Das Glos­sar enthält rund 2.200 ver­bre­it­ete Begriffe mit den jew­eili­gen deutschen Entsprechun­gen. (…) „Hot­lines“ wur­den im Zuge dieses Prozess­es zu Ser­vice-Num­mern.

Nun ja; immer­hin nicht “Ser­vice Num­mern”. :roll:

PolitikIn den Nachrichten
Entspannung, Dialog, Zusammenarbeit

Aus ein­er Erk­lärung des Bun­desvor­stands der SPD zur “Krim-Krise” vom 10. März 2014:

[M]ilitärische Gewalt darf nie wieder Mit­tel der Poli­tik wer­den. (…) Als dem Frieden verpflichtete Partei hat die SPD stets in ihrer Außen­poli­tik auf die Prinzip­i­en der Entspan­nung, des Dialoges und der Zusam­me­nar­beit geset­zt, um Kon­fronta­tio­nen zu entschär­fen und Wege für eine friedliche Kon­flik­tlö­sung zu öff­nen.

Aus ein­er Ansprache des dama­li­gen Bun­deskan­zlers Ger­hard Schröder (SPD) anlässlich des Koso­vokriegs vom 24. März 1999:

Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen eine friedliche Lösung im Koso­vo auch mit mil­itärischen Mit­teln durchzuset­zen.

Aus einem Gespräch Ger­hard Schröders (SPD, inzwis­chen Rus­s­land) mit “SPIEGEL ONLINE” vom 10. März 2014:

Er selb­st habe als Kan­zler beim Jugoslaw­ien-Kon­flikt eben­falls gegen das Völk­er­recht ver­stoßen. “Da haben wir unsere Flugzeuge (…) nach Ser­bi­en geschickt, und die haben zusam­men mit der Nato einen sou­verä­nen Staat gebombt — ohne dass es einen Sicher­heit­srats­beschluss gegeben hätte.” Insofern sei er mit dem erhobe­nen Zeigefin­ger vor­sichtig, betonte Schröder.

O_o

Aus ein­er Stel­lung­nahme von Sig­mar Gabriel, amtieren­der SPD-Parteivor­sitzen­der, zur Lage in der Ukraine (wiederum let­zte Woche):

Die Men­schen auf dem Maid­an hät­ten für das gekämpft, „was Europa eigentlich aus­macht: für die Idee vom demokratis­chen und frei­heitlichen Zusam­men­leben“

Afghanistan zum Beispiel ist ja selb­st schuld — was liegt’s auch in Asien!

SonstigesNetzfundstücke
*küsst sich*

Das Inter­net ist außer sich vor Freude:

Die Kün­st­lerin Tatia Pllie­va bat 20 einan­der völ­lig unbekan­nte Men­schen, sich vor der Kam­era zu küssen. Das Video davon wurde zu einem viralen Hit.

Selb­st das fast vergessene Twit­terkon­to @SchriftTube, dessen Betreiber bekan­nte YouTube-Videos in max­i­mal 140 Zeichen nacherzählt, wurde reak­tiviert und beschrieb es ähn­lich, eben­so unzäh­lige son­stige Twit­ter-Spaßvögel wie @nutellagangbang.

Und in der Sprache der Jugend mag’s tat­säch­lich um ein Video gehen, in dem sich jemand küsst: “Habt ihr euch geküsst? Iii­ihh, die haben sich geküsst!” Ein Paar (nicht notwendi­ger­weise miteinan­der liiert) küsst sich, wie es sich son­st stre­it­et, liebt, prügelt, tren­nt und verk­lagt; näm­lich nor­maler­weise gar nicht. (Es existiert tat­säch­lich min­destens ein auch als Film erfol­gre­ich­er Roman über eine Per­son, die sich schlägt, aber darüber darf ich nicht reden.) Eine span­nende Aus­nahme ist jeden­falls “fickt euch!”, denn das meint fast immer die Gesamtheit von Einzelper­so­n­en.

Auch in dem Video küsst sich nie­mand — Men­schen küssen dort einan­der, wie sie son­st eben auch einan­der lieben und verk­la­gen, wenn sie sich nicht ger­ade in so ein­er Phase befind­en. (Genau so falsch machen’s immer­hin auch sprachge­wandte Lied­tex­ter wie Die Ärzte, die “hal­ten Händ­chen, küssen sich” im Lied “Regierung” als üblichen Umgang von Pärchen miteinan­der beschrieben; ganz anders dage­gen Ramm­stein in “Herzeleid”: “Bewahrt einan­der vor der Zweisamkeit”.)

Ich bin allerd­ings schon etwas ent­täuscht. Knutschende Paare lang­weilen mich — zwanzig Per­so­n­en, die sich küssen, hätte ich allerd­ings dur­chaus gern gese­hen.

Montagsmusik
IKI — Quisandolele

Ah, endlich wieder Mon­tag, der störend­ste aller Wochen­t­age.

Was stört noch? Richtig: Fliegenge­brumme. Das muss nicht von Fliegen kom­men, es ist auch sehr leicht nachzusum­men, zum Beispiel von IKI. IKI? IKI sind ein selt­sames skan­di­navis­ches Vokalensem­ble, das sich auf Exper­i­men­tal-A-cap­pel­la-Musik spezial­isiert hat. Ich ver­steh’ kein Wort. Aber:

Das Ergeb­nis sind ungewöhn­liche Töne: exper­i­mentell, jazz­ig, pop­pig, soulig, opern­haft, uner­wartet björdesk und so schw­er zu fassen wie die Schwest­ern im Geiste von Coco Rosie.

Schw­er zu fassen wie ein Mon­tag. Wie passend.

IKI — Quisanadolele

Guten Mor­gen.