PersönlichesMusik
Vinyl 3 / Ein Plä­doy­er.

caschy frug heu­te:

Ich weiss (sic! A.d.V.) gar nicht mehr, wann ich wirk­lich das letz­te Musik-Album mal gekauft habe. Wie schaut es bei euch aus?

Ich mei­ner­seits habe mein bis­lang letz­tes Musik­al­bum erst in die­ser Woche gekauft, weil der Wil­le, Din­ge zu besit­zen, mir wie wohl den mei­sten Men­schen gege­ben ist; Musik, die mir gefällt, wie frü­her Video­kas­set­ten für einen begrenz­ten Zeit­raum zu mie­ten (und gege­be­nen­falls zu ver­län­gern) wider­spricht mei­nem Selbst­ver­ständ­nis. Ein gutes Musik­al­bum möch­te ich ja auch in ein paar Jahr­zehn­ten noch ohne wei­te­ren Auf­preis hören kön­nen, nicht nur bis Ende der Woche (oder des Jah­res).

Bei caschy in den Kom­men­ta­ren merkt Ste­phan Lipp­hardt an:

Ich nut­ze aus­schließ­lich Strea­ming. (…) Daten­trä­ger, CDs, MP3, LPs etc. fin­de ich nur noch unhand­lich.

Für­wahr, „MP3s“ sind schon ziem­lich sper­rig, damit zu ver­rei­sen ist ein Ärger­nis son­der­glei­chen. Die pas­sen ja nicht mal ins Hand­ge­päck. Herr Lipp­hardt ist also umge­stie­gen auf Strea­ming (laut caschy somit auf ein ster­ben­des Pferd), denn ein Tablet oder einen Lap­top (oder gar einen Desk­top­rech­ner) fin­det er offen­sicht­lich nicht so sper­rig wie einen MP3-Spie­ler. Musik im chro­nisch kaputt­kom­pri­mier­ten MP3-For­mat, so las ich kürz­lich, ermü­de das Gehirn; wahr­schein­lich ist unge­fähr so etwas damit gemeint. (Ande­re Kom­men­ta­to­ren, etwa Micha­el Mey­er, brin­gen auf caschys Fra­ge hin ja auch nur noch ein „Spo­ti­fy <3“ her­vor. Län­ge­re Tex­te kann Mit­mensch Trend­nut­zer auf sei­nem gad­get sowie­so nicht mehr feh­ler­frei tip­pen.)

Vie­le Musik­grup­pen haben sich ent­spre­chend ori­en­tiert und ver­kau­fen ihre Wer­ke pri­mär auf Schall­plat­te mit bei­geleg­tem Down­load­code oder ganz ohne phy­si­schen Ton­trä­ger. (Der Musik­grup­pe, deren CD ich vor weni­gen Tagen erwarb, nahm ich aller­dings nur eine CD-Pres­sung ab, dies schon des­halb, weil die ein­zi­ge phy­si­sche Alter­na­ti­ve eine Kas­set­te gewe­sen wäre.) In einer Zeit, in der nur noch zwei Arten von Leu­ten CDs kau­fen, einer­seits die­je­ni­gen, die sie sowie­so gleich nach Erhalt digi­ta­li­sie­ren und dann nie wie­der aus dem Schrank holen wol­len, ande­rer­seits die­je­ni­gen, denen es um das art­work und die Hap­tik geht, ist das erfreu­lich kon­se­quent. Eine Schall­plat­te hat oben­drein nor­ma­ler­wei­se eine deut­lich län­ge­re „Lebens­dau­er“ als das che­misch insta­bi­le Medi­um CD, tech­nisch gese­hen ist auch das heu­te lei­der übli­che Kaputt­kom­pri­mie­ren der ent­hal­te­nen Musik auf Kosten der Dyna­mik auf Vinyl deut­lich schwie­ri­ger als das einer CD. Die CD ist ein ster­ben­des Medi­um, und so schlimm ist das nicht.

Wen wun­dert es da noch, dass Plat­ten­spie­ler mit USB-Anschluss einen stei­gen­den Markt­an­teil haben? Ein Musik­al­bum hört man als Freund von Nicht­down­loads sowie­so nicht pro Lied, son­dern im Gesam­ten, und die Digi­ta­li­sie­rung ist denk­bar ein­fach – der Plat­ten­spie­ler ist ein Ton­ein­gangs­ge­rät wie sonst zum Bei­spiel ein Mikro­fon. Zu die­ser Digi­ta­li­sie­rung sind nicht mal „Ripping“-Programme nötig wie noch bei der CD, ein ein­fa­cher Audio­re­cor­der, wie er selbst in Win­dows seit vie­len Jah­ren ent­hal­ten ist, genügt voll­kom­men.

Auch ich nut­ze gele­gent­lich Strea­ming, manch­mal per Band­camp, manch­mal per Groo­veshark, manch­mal per Spo­ti­fy, manch­mal auch per Ama­zon. Ich nut­ze es als Hör­pro­be, um zu wis­sen, ob sich die Anschaf­fung des jewei­li­gen Musik­al­bums loh­nen könn­te. Blind­käu­fe wage ich nur gele­gent­lich, sie enden zu häu­fig mit einem mau­en Ein­druck. Bei die­sem Strea­ming geht es aber auch genau dar­um: „Nur mal rein­hö­ren.“ Nie­mals käme ich auf die Idee, mit der Begrün­dung, es gebe ja einen preis­wer­ten Stream davon, vom Kauf eines gran­dio­sen Musik­al­bums abzu­se­hen. Zwar bele­gen die Musikal­ben Platz im Schrank, aber sie gehen voll­stän­dig in mei­nen Besitz über. Wenn mei­ne Fest­plat­te mal explo­diert oder mei­ne Abon­ne­ments alle­samt aus­lau­fen – die Musik bleibt ver­füg­bar, lässt sich jeder­zeit zur por­ta­blen Nut­zung in eines die­ser „ver­lust­frei­en“ For­ma­te über­füh­ren und wird jeden digi­ta­len Trend, jeden cloud-Anbie­ter über­le­ben.

CDs „hal­ten“ bei sorg­sa­mem Umgang etwa zehn Jah­re (oder wenig mehr), dann frisst sich die Che­mie lang­sam durch die Ton­schicht, und selbst das ist im schnelllebi­gen Inter­net eine lan­ge Zeit. Eine Schall­plat­te hin­ge­gen über­lebt, wenn er sie nicht gera­de als Piz­za­tel­ler oder für ähn­li­che Per­ver­si­tä­ten ver­wen­det, bei eben­sol­chem Umgang oft sogar ihren Besit­zer.

Die­ter Boh­lens „Super­stars“ wer­den es ver­mut­lich nie auf eine Schall­plat­te schaf­fen. Allein das soll­te Anreiz genug sein.

Senfecke:

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