PersönlichesMusik
Vinyl 3 (2): Wir haben verloren.

Zur Ein­stim­mung auf den diesjähri­gen Record Store Day — ischa bald — schlen­derte ich heute durch eine Fil­iale eines großen Medi­en­ver­trieb­skonz­erns und nahm erfreut war, dass selb­st die Viny­labteilung in einem doch eher für Laufkund­schaft attrak­tiv gemacht­en Ladens in den let­zten Jahren zumin­d­est quan­ti­ta­tiv um ein Vielfach­es angewach­sen war. Ein genauer­er Blick aber ließ mich erah­nen, dass die Ver­mu­tung, dass man selb­st bei denen, die Musik allein nach den damit erziel­ten Umsätzen bew­erten, erkan­nt habe, dass wir Musik­lieb­haber ein bedeut­sames Klien­tel sind, vielle­icht etwas vorschnell getrof­fen wor­den war.

Eine Plat­ten­fir­ma “Edel” — laut Wikipedia ein “Inde­pen­dent-Label” — zu nen­nen und dann auss­chließlich schlimme Schau­d­er­musik­er unter Ver­trag zu nehmen ist ja auch irgend­wie gehäs­sig. Tat­säch­lich aber scheint man dort eine Menge Geld dafür auszugeben, den lang­weili­gen Quatsch, den man gern als “Hits” deklar­i­ert sehen würde, auch den­jeni­gen unterzu­jubeln zu ver­suchen, die um “den Main­stream” bewusst und aktiv einen Bogen zu machen ver­suchen. Dass kein Vinyl­re­gal in großen Ket­ten ohne John­ny Cash und irgendwelche hip­pen Indie-Rock-Bands auskommt, kann ich aus wirtschaftlich­er Sicht noch ver­ste­hen, dies wird oft zumin­d­est aus­geglichen von Can- und Gong-Plat­ten; aber was sollen die weit von jedem Dasein als absichtlich­er Musikhör­er ent­fer­n­ten Indi­viduen in der Ziel­gruppe der Plat­ten­fir­ma “Edel” mit ein­er Vinylver­sion eines Albums ein­er dieser Uff-Tscha-Com­bos anfan­gen? Einen Plat­ten­spiel­er haben die wohl nicht, die Vorteile ein­er 180-Gramm-Vinyl­pres­sung lassen die sich wohl kaum beib­rin­gen. Passt ja nicht mal in das iPhone rein, so’ne Plat­te.

Oder kann es sein, dass man hier seit­ens der Plat­ten­fir­ma die drol­lige Sitte, Vinyl-LPs Down­load­codes für eine kaput­tkom­prim­ierte MP3-Ver­sion des Albums beizufü­gen, kreativ aus­nutzt? “Seht her, für nur knapp 30 Piepen kriegt ihr das Album, das ihr euch son­st für ’nen Euro gemietet hät­tet, als MP3 und zum Inden­schrankstellen.” Die näch­ste Hip­ster­gen­er­a­tion wird ihren älteren Geschwis­tern sehr pein­lich sein. Früher, als man noch ein Instru­ment spie­len oder wenig­stens einiger­maßen erträglich sin­gen kön­nen musste, um als Musik­er wenig­stens lei­dlich erfol­gre­ich sein zu kön­nen, war eine “Gen­er­a­tion” ja noch als “einige Jahrzehnte” definiert, aber da wurde auch noch nicht so früh so viel geschnack­selt.

Can. Gong. John­ny Cash. Madon­na. Eminem. Die Web­site des großen Medi­en­ver­trieb­skonz­erns führt “Vinyl” als eigen­ständi­ge Kat­e­gorie neben “Pop” und “Son­stige” auf, weil’s eben völ­lig egal ist. Pop. Rock. Jazz. Vinyl. Stream. iPods. Papas Gruftimusik. CDs. Haupt­sache, es ist ein Poster dabei.

Im Jan­u­ar 2014 freute ich mich:

Dieter Bohlens “Super­stars” wer­den es ver­mut­lich nie auf eine Schallplat­te schaf­fen.

Ich fürchte, wir haben ver­loren.

Senfecke:

  1. okay, ich stelle mal fest, daß du john­ny cash noch nicht als den ent­deckt hast, der er war.aber das ist okay, du hast ja sich­er noch ne menge zeit. hör dir mal seine ver­sio­nen von “hurt” oder “one” auf seinen “amer­i­can record­ings” an. das sollte die tür auf­machen. den fandich schon gut, als ich seine auf­nah­men in st. quentin hörte. bitte auch mal hören und auf die inter­ak­tion mit dem einges­per­rten pub­likum acht­en.

    pay trib­ute to the man in black. er ist es wert.

      • “toll”?

        weia. ergreifend. der mann singt über sich selb­st …

        im video gibt’s ne stelle, an der seine frau kurz auf der treppe zu sehen ist. das ist die stelle, an der ich nach taschen­tüch­ern greife.

        ich glaube, du ver­passt da was.

        es gibt einen schö­nen film über ihn, der sich tat­säch­lich lohnt.

          • .tux

            sei so lieb und führ dich nicht wie ein her­zlos­es arschloch auf.

            cash ist, als er es singt, tat­säch­lich ein “schmerzens­mann” an der schwelle zum tod.

            es ist zudem nichts ver­w­er­flich­es dran, ein stück zu cov­ern und sowohl bei “one” als auch bei “hurt”, deren orig­i­nale ich ja auch kenne, berühren mich die ver­sio­nen von cash defin­i­tiv mehr.

            • aber okay, ich merke schon, du spielst den troll auf deinem eige­nen blog und unter­lasse es lieber mal, dir so was wie empathie zu unter­stellen …

            • Ja, “Hurt” ist eines der schwächeren Nine-Inch-Nails-Stücke. Das mag schon sein. Aber in musikalis­ch­er Hin­sicht bin ich kein Troll, son­dern ein Musik­faschist. Egal, wie schlecht es Her­rn Cash ging, als er das Lied auf­nahm: Es lang­weilt mich. Vielle­icht fühlt Christi­na Aguil­era ja auch wirk­lich echt­en Liebeskum­mer, wenn sie irgendwelche Liebeskum­mer­schnulzen run­terknödelt. Macht das die Lieder bess­er? Ist etwas deswe­gen gut, weil es aus Herz­schmerz ent­standen ist?

              John­ny Cash war sehr trau­rig und fast tot. Wir haben’s begrif­f­en. Das ist auch nicht schön, die meis­ten Tode sind bedauer­lich. Man muss aber gar kein her­zlos­es Arschloch sein, um mit dem musikalis­chen Ergeb­nis trotz­dem nichts anfan­gen zu kön­nen.

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