In den NachrichtenMusik
Medienkritik in aller Kürze: Die Flut des Banalen

Nachricht­en an.

Die deutsche Pop-Sän­gerin Annett Louisan (36) beklagt die alltägliche Über­flu­tung mit Belan­glosigkeit­en.

Und dies, wohlge­merkt, in einem Inter­view, das einem von fast jedem lei­dlich unser­iösen Nachricht­en­por­tal ent­ge­gen­grinst.

“Man find­et über­all Dinge, die man nicht sehen, nicht wis­sen will”, sagte die 36-Jährige der “Franken­post” aus Hof.

Ja, zum Beispiel in den Nachricht­en, wo Annett Louisan ihre pri­vat­en Befind­lichkeit­en erläutert. Nun gut, wenig­stens singt sie sie dem Leser nicht vor.

(Hat schon jemand erwäh­nt, wie alt sie ist? 36, übri­gens.)

Das gelte fürs Inter­net eben­so wie für Real­i­ty-Shows im Fernse­hen, aber auch für das eigene Pri­vatleben. Soziale Net­zw­erke nutzt die Kün­st­lerin nur, um einen schnellen Draht zu ihrem Pub­likum zu haben, pri­vat dage­gen über­haupt nicht.

Und manch­mal ist sie bes­timmt sog­ar ein biss­chen müde!

Das sech­ste Album der Wahl-Ham­burg­erin Louisan erscheint an diesem Fre­itag und heißt “Zu viel Infor­ma­tion”.

“Man find­et über­all Dinge, die man nicht sehen, nicht wis­sen will.”

Nachricht­en aus.

PolitikIn den Nachrichten
Die Friedrich-Theorie

Ich habe eine The­o­rie.

Hans-Peter Friedrich, der sich als Innen­min­is­ter dadurch einen Namen gemacht hat, dass er mehr Inter­netüberwachung und Vor­rats­daten­spe­icherung für kle­in­ste Verge­hen forderte, mit der flächen­deck­enden Überwachung der Bürg­er kein Prob­lem hat­te und sie, wenn’s andere tat­en, auch für nicht so wichtig hielt, ist nun, wie allen­thal­ben zu lesen ist, von seinem Amt als Rüben­min­is­ter zurück­ge­treten.

Die Net­zge­meinde jubelt, dass ein­er ihrer ärg­sten Geg­n­er nun — nach Ende sein­er Amt­szeit — doch noch ges­trauchelt ist; allerd­ings über ein ganz anderes The­ma. Nein, so ein Innen­min­is­ter tritt nicht zurück, wenn er die Inter­essen sein­er Wäh­ler kon­se­quent mis­sachtet. Das ist ihm doch schnurzpiepe­gal. Herr Friedrich hat seine Amt­szeit als Innen­min­is­ter bis zum Ende völ­lig unbeschadet über­standen. Nein, im Hause CDU/CSU ist Vol­lver­sagen kein Rücktritts‑, son­dern Auf­stiegs­grund.

Nun wurde aber bekan­nt, dass er in sein­er Amt­szeit als Innen­min­is­ter nicht nur poli­tisch ver­sagt, son­dern auch noch mit der Oppo­si­tion gek­lün­gelt haben soll. “Ver­dacht auf Geheimnisver­rat” heißt das wohl auf Juris­ten­deutsch. In der CDU/CSU kann man sich eben eine Menge krim­ineller Tat­en (Schwarzgeld­kon­ten, Waf­fen­han­del, Tro­jan­erver­bre­itung) erlauben, ohne irgendwelche Kon­se­quen­zen fürcht­en zu müssen; aber sich mit dem Feind einzu­lassen ist eines wahren Christ­demokrat­en nicht würdig. Rübe runter!

Ich habe eine The­o­rie.

Hans-Peter Friedrich ist nicht “auf poli­tis­chen Druck” zurück­ge­treten oder weil ihm sein Fehler bewusst gewor­den wäre. Der merkt nichts mehr. Der poli­tis­che Druck während sein­er Amt­szeit als Innen­min­is­ter war ihm ja auch einiger­maßen egal.

Hans-Peter Friedrich hat lediglich sein ungeliebtes Amt auf ele­gante Weise abgelegt.

Als Innen­min­is­ter hat man Macht, wird einiger­maßen gut bezahlt und kann einem Haufen Men­schen das Leben zur Hölle machen. Als Rüben­min­is­ter ist man nicht mehr indi­vidu­ell, son­dern qua Amt eine Witz­fig­ur.

Hans-Peter Friedrich, als krim­ineller Innen­min­is­ter — ich wieder­hole mich — vol­lkom­men unbeschadet geblieben, wird nun im Netz dafür aus­gelacht, dass er statt des Amtes, das er zum Zeit­punkt sein­er krim­inellen Aktiv­itäten innehat­te, ein Amt ver­lassen “musste”, in dem er unge­fähr so gefährlich war wie eine Schachtel Bio­erd­beeren; und so teuer und blass noch dazu. Er wird weit­er­hin auf Kosten der Steuerzahler Kuhlen in Bun­destagsstüh­le sitzen und dumm guck­en; von seinen Pen­sion­sansprüchen reden wir lieber nicht, son­st regen wir uns wieder nur auf.

Juch­hei, er ist zurück­ge­treten! Das Netz hat gesiegt! Ja, das hat das Netz gut hin­bekom­men, dass seine Amt­szeit als Innen­min­is­ter pünk­tlich mit der Neuwahl endete.

Ich habe eine The­o­rie.

Es ging denen, die Her­rn Friedrichs Rück­tritt forderten, nicht um seine Mis­se­tat­en, denn den Rück­tritt des eben­falls beteiligten Vizekan­zlers Sig­mar Gabriel, der sich als bis­lang schweigen­der Empfänger des ver­rate­nen Geheimniss­es dur­chaus nicht von jed­er Schuld rein­waschen kann, fordert aus den Rei­hen der vox pop­uli kaum jemand. Es ging um bloße späte Rache für ver­schieden­ste Ver­fehlun­gen, von denen ich ja oben einige genan­nt habe. “Aber der hat doch damals…”

Früher wäre es nie so weit gekom­men. Früher hat­te so ein Volk ja noch etwas weniger Geduld mit krim­inellen Min­is­tern.

(Bonus­pointe: Zum The­ma “Rück­tritt eines Ver­sager­min­is­ters” möchte sich mor­gen im DLF Katrin Göring-Eckardt äußern. Katrin Göring-Eckardt hat den miss­lun­genen Wahlkampf der “Grü­nen” zu ver­ant­worten und ist trotz­dem im Amt geblieben. Es spricht also eine Fach­frau. Schön!)

In den NachrichtenNerdkrams
Großkapitalist Mozilla?

Vor dem Hin­ter­grund, dass Mozil­la kon­tinuier­lich an einem freien Web zu arbeit­en behauptet, klingt diese Mel­dung ver­mut­lich etwas wun­der­lich:

Mozil­la zeigt beim Öff­nen eines neuen leeren Tabs stan­dard­mäßig eine Seite mit Vorschaubildern der am meis­ten genutzten Seit­en an. (…) Mozil­la plant, diese Seite mit teil­weise gespon­serten Kacheln vorzubele­gen.

Skan­dal! Mozil­la — ein gewin­nori­en­tiertes Unternehmen, das viel Geld in die Entwick­ung eines kosten­losen Browsers steckt — würde gern auch welch­es ver­di­enen. Auf Kosten der ehrlichen nicht zahlen­den Kun­den! Die erste Panikreak­tion in den ein­schlägi­gen Foren: “Fire­fox fliegt runter! Ich instal­liere jet­zt Chrome!”

Google Chrome ist übri­gens ein unfreier Brows­er, dessen Entwick­lung eben­falls Geld kostet. Nun kön­nte man argu­men­tieren, dass Google nicht unbe­d­ingt zu den Unternehmen gehört, denen man knappe finanzielle Mit­tel unter­stellen sollte; aber wo kommt das Geld her?

Chrome enthält zum Beispiel die RLZ-Bib­lio­thek. Diese Bib­lio­thek erlaubt es, den Erfolg von Ver­mark­tungskam­pag­nen (etwa eine Part­ner­schaft mit Inter­net­por­tal­en, von denen man einen “angepassten” Chrome herun­ter­laden kann) zu messen. Chrome dient also als Ver­mark­tungsve­hikel für Googles eigene Dien­ste, die ihnen jede Menge Wer­beein­nah­men bescheren; zu Las­ten des Benutzers, ver­ste­ht sich. Dass die Entwick­ler­schar von Google Chrome — anders als Mozil­la — auf Wahl­frei­heit seit­ens der Benutzer keinen Wert legt, ist allerd­ings nichts Neues.

Mozil­la ist aber — anders als Google — nicht im Besitz mehrerer Wer­be­fir­men, sie müssen also anders an Geld kom­men. Die Part­ner­schaft mit Google (die Google-Suche ist nicht unbe­d­ingt aus Qual­itäts­grün­den Teil von Fire­fox) hat von Anfang an nur die wenig­sten Nutzer gestört, Funk­tio­nen wie das Social API, das Por­tale wie Face­book auf aus­drück­lichen Wun­sch des Benutzers direkt in den Brows­er inte­gri­eren kann, brin­gen Mozil­la trotz der wer­ben­den Funk­tion kein Geld ein.

Würde Mozil­la also darauf verzicht­en, ver­schiedene Wer­be­for­men auszupro­bieren, würde das Schick­sal des Erfol­gsmod­ells Thun­der­bird — dessen Entwick­lung ja seit Jahren aus ähn­lichen Grün­den weit­ge­hend been­det ist; es fehlt schlicht an per­son­ellen und finanziellen Ressourcen — wohl bald auch Fire­fox und davon abgeleit­ete Brows­er wie Sea­Mon­key ereilen.

Beste­hende Fire­fox­pro­file rührt die geplante Änderung übri­gens sowieso nicht an; zumal Fire­fox als freier Brows­er gewisse Kon­fig­u­ra­tions­möglichkeit­en offen lässt: Wer vor jeglichen gespon­serten Kacheln auf der Neuer-Tab-Seite, auf der sich beim durch­schnit­tlichen Inter­net­nutzer oft Seit­en wie Face­book, Twit­ter und Google — alle­samt natür­lich völ­lig frei von dem Ver­dacht, irgend­was mit Finanzierung zu tun zu haben — tum­meln, auch in Zukun­ft sich­er sein möchte, der schal­tet diese Seite eben ein­fach ab.

Das klingt wohl ein­fach nicht so schön reißerisch.

NetzfundstückeIn den NachrichtenWirtschaft
Gib dem veganen Affen Xucker!

Ach, was haben wir nicht alle über den her­rlichen Veg­an­er­witz gelacht: “Ganz schön anstren­gend, veg­an zu kochen. Es gibt Holz.”

Irgen­dein Ver­mark­ter hat da wohl die Pointe nicht ver­standen und präsen­tiert uns “Xuck­er”, Zuck­er­ersatz aus Xylit:

1 kg grobkörniger Xuck­er (Xylit / Xyl­i­tol / Birken­zuck­er) aus Finn­land in ein­er prak­tis­chen Dose. Dieses Xylit wurde aus dem Ursprungs­ma­te­r­i­al Holz (FSC) hergestellt. Die Kör­nung ist etwas gröber als die von Haushalt­szuck­er. Veg­an.

“Was? Diese Veg­an­er schüt­ten Birken in ihren Tee?!” Nein, nein, das ist selb­stver­ständlich ein Missver­ständ­nis:

Die Beze­ich­nung Birken­zuck­er wird aus werblichen Grün­den oft benutzt, ist aber irreführend: Es wird in Finn­land ent­ge­gen aller Behaup­tun­gen wed­er aus Birken­rinde noch ‑holz hergestellt, son­dern zu 95 % aus Buchen­holz.

Birken wären ja auch wirk­lich lächer­lich.


Apro­pos lächer­lich: Die USA (das waren die mit der vorüberge­hen­den Staat­spleite neulich) haben auch ein paar Wer­be­fach­leute range­lassen. Diese Wer­be­fach­leute haben auch gle­ich Maß­nah­men ergrif­f­en:

Als promi­nentes Beispiel kann hier das US-Außen­min­is­teri­um genan­nt wer­den, das ins­ge­samt 630.000 US-Dol­lar in Face­book-Wer­bung investiert hat, um mehr “Likes” zu gener­ieren.

Über­set­zt: “Die Amerikan­er” haben 463.644 deutsche Stun­den­löhne ein paar Leuten zur Ver­fü­gung gestellt, die auf dieses alberne “Gefällt mir”-Symbol klick­en, sobald ein­er von ihnen auf Face­book irgen­deine Grütze von sich gegeben hat. Geschäftsmod­ell Dingeanklick­en. Ich wäre ein her­vor­ra­gen­der Ökonom. Inter­es­sant an diesem Vor­gang ist aber vor allem die Frage nach dem Nutzen. Klar: Das in “Gefällt­mirs” investierte Geld wird als Wer­bekosten deklar­i­ert. Was auf diese Art bewor­ben wer­den soll, weiß ich nicht, vielle­icht die US-amerikanis­che Außen­poli­tik.

Denn wer sich eine neue Poli­tik kaufen möchte, entschei­det sich immer für die mit den meis­ten Face­bookklicks. :irre:

PolitikIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Elmar Brok, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 9 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Ihr habt’s sich­er alle mit­bekom­men: Die Bürg­er der Schweiz haben sich demokratisch gegen Massenein­wan­derung entsch­ieden.

Natür­lich ist das Geschrei jet­zt groß, demokratisch getrof­fene Entschei­dun­gen will man als aufrechter Bürg­er der EU natür­lich nicht ein­fach hin­nehmen, wenn sie der eige­nen Weltan­schau­ung zuwider­laufen. Nein, da muss bestraft wer­den und gescholten!

Zum Beispiel von Elmar Brok. Elmar Brok ist Auss­chuss­ware Vor­sitzen­der des Auswär­ti­gen Auss­chuss­es im Europäis­chen Par­la­ment, Mit­glied der CDU (was auch son­st?) und däm­lich genug für fol­gen­den Hirn­fick:

“Das ist schon ein Schlag”, sagte Brok. Die Schweiz genieße große Vorteile, “weil sie ein Stückchen in die Europäis­che Union inte­gri­ert ist”, und brauche “qual­i­fizierte Arbeit­skräfte”. Daher, so Brok, sei der Aus­gang der Abstim­mung “nicht ver­ständlich”.

Wir hal­ten fest: Elmar Brok hält gebür­tige Schweiz­er nicht für qual­i­fizierte Arbeit­skräfte, son­dern für Leute, die drin­gend auf aus­ländis­che Bil­liglöh­n­er angewiesen sind, weil sie “ein Stückchen” in die Europäis­che Union inte­gri­ert seien und daher irgendwelche “Vorteile” (vielle­icht die kosten­losen guten Ratschläge aus dem Hause CDU) genössen; wie auch immer, so ohne Euro und mil­itärische Allianz.

’s sind eh schon so viele:

Der Anteil der Aus­län­der in der Schweiz wird mit 23,5 Prozent (fast 1,9 Mil­lio­nen) angegeben.

Schä­men sollte sich die Schweiz! Die soll­ten sich ein Beispiel an uns in der EU nehmen!

Gut 34 Mil­lio­nen Migranten leben in der EU (ohne Kroa­t­ien) — die Quote liegt bei 6,8 Prozent. (…) Mit einem Aus­län­der­an­teil von rund 9 Prozent (7,2 Mil­lio­nen) liegt Deutsch­land EU-weit im oberen Mit­telfeld.

Schämen!!1!1eins

Dieser Herr Brok ist schon ein drol­liges Kerlchen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Trombone Shorty & Orleans Avenue — Fire and Brimstone

Die erste E‑Mail wurde vor fast 30 Jahren, im August 1984, ver­schickt. Der Umgang mit dieser brand­neuen Tech­nik will gel­ernt sein; das Jour­nal­is­tengewerbe, schon im antiken Römis­chen Reich nicht unbekan­nt, hat jeden­falls die älteren Rechte und muss das deswe­gen auch gar nicht kön­nen:

Jour­nal­is­ten kön­nen ein­fach nicht nicht ihren Senf zu irgend­was geben.

Gegen gesellschaftliche Missstände hil­ft ohne­hin kein Jour­nal­is­mus, der die vox pop­uli ohne­hin stets nach Gut­dünken zu ver­drehen ver­mag. Das begin­nt in großer Welt­poli­tik und endet in den per­sön­lich­sten Lebens­bere­ichen. Divide er (sic) impera – es wer­den nicht nur die Nich­trauch­er gegen die Rauch­er gehet­zt, son­dern ganz all­ge­mein die Men­schen immer mehr separi­ert, vere­in­samt oder in die Kör­per­losigkeit des Inter­nets getrieben, wo sie nichts groß anstellen kön­nen. (…) Kaufen Sie Schuss­waf­fen. Ziehen Sie Kon­se­quen­zen! Schwe­fel und Feuer (1. Mose 19,24), Feuer und Schwe­fel.

Und dazu Jazz.

Guten Mor­gen!

KaufbefehleMusikkritik
Special Providence — Soul Alert

Special Providence - Soul AlertUnbe­d­ingt beacht­enswert ist übri­gens auch “Soul Alert”, das dritte und bis­lang let­zte Stu­dioal­bum von Spe­cial Prov­i­dence. Spe­cial Prov­i­dence ist ein ungarisches Jaz­zrock­quar­tett, das stilis­tis­che Abwech­slung eben­so zu schätzen weiß wie ich. Sehr schön!

Auf Gesang wird bei den vier Her­ren mit den ulki­gen Umlaut­en in ihren Namen tra­di­tionell verzichtet, für das zehnte Stück “Fences of Real­i­ty” haben sie sich allerd­ings den ungarischen Sänger Balázs Tan­ka von der mir unbekan­nten Musik­gruppe Tur­bo an Bord geholt; der allerd­ings, was ich bedau­re, seinem Idiom eben­falls das Englis­che vorzieht. Irgend­was ist ja immer.

Das Album ist exakt 1 Stunde lang, keine Sekunde mehr oder weniger. Diese Zeit wis­sen die Musik­er dur­chaus gut zu nutzen. Das Eröff­nungsstück “Babel Con­fu­sion” begin­nt (wie sollte es bei diesem Titel auch anders sein?) mit Stim­mengewirr, nach einem kurzen Pro­gres­sive-Met­al-Inter­mez­zo geht es aber jazz­ig weit­er. Bassist Atti­la Fehérvári beherrscht sein Instru­ment und wagt sich damit auch mal in den Vorder­grund; sel­ten, wenn “Babel Con­fu­sion” wieder in Met­al­ge­filde abdriftet und Gitar­rist Már­ton Kertész bril­lieren darf, fügt er sich in die Rhyth­mussek­tion ein. Der Pro­gres­sive Rock mit­samt seinen Spielarten zieht sich nicht nur durch dieses Stück, son­dern durch das ganze Album.

Apro­pos “stilis­tis­che Abwech­slung”: “Lazy Boy”, das zweite Stück, wird durch­zo­gen von einem merk­würdi­gen New-Wave-beat mit ein­er eben­solchen Melodie, die den Jaz­zrock nur unzure­ichend zu verdeck­en ver­sucht. Zum Glück! Nach dreiein­halb Minuten plöt­zlich: Tech­no. Tech­no? Noch bevor man fer­tig ist, sich darüber zu wun­dern, bläst wieder der Pro­gres­sive Met­al aus dem Kopfhör­er, dazu gibt’s Rave vom Key­board. Dann: Sym­phon­ic Pro­gres­sive Rock. Dann wieder: Pro­gres­sive Met­al. Lang­weilig ist “Soul Alert” jet­zt schon nicht. Dass Key­board­er Zoltan Cséry gele­gentlich, etwa zu Beginn von “Aspara­gus” (“Spargel”, ahja), Easy Lis­ten­ing zu simulieren ver­sucht, soll davon nicht ablenken.

An Ideen man­gelt es den Musik­ern von Spe­cial Prov­i­dence nicht, “K2” entwick­elt sich bin­nen weniger Sekun­den von einem min­i­mal­is­tis­chen Elek­tron­ikstück über Jazz zum Sym­phon­ic Rock und wieder zurück. Aufmerk­samkeit wird emp­fohlen, auch für das nur 3:49 Minuten lange “Stand­ing Still”, das trotz seines Namens noch ein­mal der etwas lauteren Gan­gart der Rock­musik huldigt, bevor es mit dem Titel­stück “Soul Alert” wieder jaz­zrock­ig zuge­ht.

Son­st so? “Fences of Real­i­ty”. Bass, Schlagzeug, Key­board­tep­pich. Die Melodie kenn’ ich doch irgend­woher? Ah, “Lazy Boy” wird hier zweitver­w­ertet, und zwar bess­er. Balázs Tan­ka singt, nein, ruft einen Text, den ich ger­ade nicht fehler­frei zusam­men­bekomme, auf hörenswerte Weise ins Mikro­fon hinein, und dann ist das Album auch schon vor­bei.

Auf ihrer Web­site beschreiben Spe­cial Prov­i­dence ihre Musik als “Prog­jaz­zrock­met­al­tur­bochill”. Selt­sam ist sie zweifel­sohne, und mir per­sön­lich geht das Key­board gele­gentlich ein wenig auf die Ner­ven; aber — ich wieder­hole mich — irgend­was ist ja immer. Einen Stream von “Soul Alert” gibt es jeden­falls auf Bandcamp.com zu hören. Möglicher­weise soll­tet ihr das tun.

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Medienkritik extern (in Kürze): Fack se Oi!

Vic­to­ria Nuland:

Weißt du, fuck the EU!

Angela Merkel (indi­rekt):

Die Belei­di­gung der EU durch die US-Diplo­matin Vic­to­ria Nuland sei “abso­lut inakzept­abel”, sagte Chris­tiane Wirtz, stel­lvertre­tende Regierungssprecherin von Angela Merkel, in Berlin.

Blog­ger “Muriel”:

(…) Und ich würde mir so sehr wün­schen, Frau Merkel wäre ein­mal nicht über dieses Stöckchen gesprun­gen, son­dern hätte den Jour­nal­is­ten wenig­stens ein­mal so etwas geant­wortet wie “Na und? Warum denn auch nicht? Wis­sen Sie, was ich manch­mal in ver­traulichen Gesprächen sage? Klar wis­sen Sie das. Unge­fähr sowas, wie Sie auch manch­mal in ver­traulichen Gesprächen sagen, und jed­er andere auch, und wir bei­de wis­sen, dass ‘Fuck the EU’ im Ver­gle­ich noch rel­a­tiv zahm ist, oder? Wollen Sie mich nicht lieber was Inter­es­santes fra­gen wie zum Beispiel, was wir mit unseren hoff­nungs­los kaput­ten und miss­gestal­teten Sozial­sys­te­men machen, oder was die EU tun kann, um ärmeren Län­dern die Chance zu geben, zu vernün­fti­gen Bedin­gun­gen mit unseren Bürg­ern han­deln zu treiben und so allmäh­lich erträgliche Lebens­be­din­gun­gen und sowas wie Wohl­stand für die ihren zu schaf­fen? Hier, passen Sie auf, ich sags gle­ich auch selb­st für Sie: Fuck the EU. Haben Sies, oder soll ich noch mal?”

Aber ’s ist eben die Phrasenkan­z­lerin; was soll’s.


Der­weil die Piraten­partei Nieder­sach­sen mit­tels virtuellen Mit­glieder­entschei­ds so:

Ini­tia­tive i574: Pirat­en wählen

Die Pirat­en Nieder­sach­sen rufen dazu auf zur Europawahl die Pirat­en zu wählen.

Was passiert, wenn dieser Vorschlag nicht angenom­men wird, ste­ht dort nicht. Wahrschein­lich implodiert dann irgend­was.

(via @glueckundgeld)

Piratenpartei
Piraten: Nichts gesagt? Viel Quatsch!

(Vorbe­merkung: Ja, ich tu’ mir den Piraten­quatsch immer noch an.)

Was hat­ten wir denn lange nicht? Ach, richtig: Erk­lärun­gen, wieso die Piraten­partei Deutsch­land “gescheit­ert” sei.

Die NSA und andere staatliche Stellen überwachen uns auf Schritt und Tritt, und die Pirat­en schweigen dazu. Schließlich ist die Neuaus­rich­tung als poli­tis­ch­er Arm der Antifa und Gen­der Bewe­gung im vollen Gange, da kann man sich nicht mit so Neben­säch­lichkeit­en wie Bürg­er­rechte aufhal­ten.

“Die Pirat­en schweigen”, und zwar ziem­lich laut; Chris­t­ian Tret­bar — hihi — vom merk­würdi­gen “Tagesspiegel” nan­nte sie lau­thals still beim The­ma Überwachung. Man muss schon absichtlich weghören, um von “den Pirat­en” beim The­ma nichts zu hören (und selb­st dann immer noch mehr als von anderen so genan­nten Bürg­er­rechtsparteien wie den unsäglichen “Grü­nen”). Fol­gerichtig lesen manche Twit­ter­nutzer schon ab diesem Satz gar nicht mehr weit­er.

Dabei sind die fol­gen­den Sätze auch nicht weniger beacht­ens- und fazial­palmierenswert. Zur “Neuaus­rich­tung als poli­tis­ch­er Arm der Antifa” äußert sich “KopfzuTisch” selb­st wenige Sätze später noch ein­mal:

Es treten Pirat­en aus, weil man (sic! A.d.V.) sich lokale Ver­bände auch gegen linke Gewalt posi­tion­ieren[.]

Der poli­tis­che Arm der Antifa ver­liere auf­grund der Reak­tio­nen auf die Sache mit der anar­chosyn­dikalis­tis­chen Flagge Mit­glieder, weil er sich gegen diese Kat­e­gorisierung wehre, und das sei schlecht und ein Zeichen dafür, dass (“KopfzuTisch” wiederum später) die Pirat­en “links vom Teller­rand in die Bedeu­tungslosigkeit” fall­en. Hui! Meine plöt­zlich auftre­tenden Kopf­schmerzen sind sich­er nur wet­terbe­d­ingt und keine Folge dieser Argu­men­ta­tions­kette. — Dass die von der “Mut­ter­partei” weit­ge­hend unab­hängig agierende Jugen­dor­gan­i­sa­tion “der Pirat­en” — die “jun­gen Pirat­en”, die eng mit der “Piran­tifa”, die kein offizieller Ver­band der Piraten­partei ist, ver­flocht­en sind — tat­säch­lich eher zu den Grü­nen passen würde und mit den “Grundw­erten” der Piraten­partei nicht viel zu tun hat, sei mal verziehen. Wir waren ja alle mal jung, dumm und poli­tisch, von grif­fi­gen Parolen abge­se­hen, weit­ge­hend desin­ter­essiert, und die Grü­nen sind Jut­ta Dit­furth und Kon­sorten let­ztlich auch los­ge­wor­den (Michael Ebn­er).

Man kann den Pirat­en vieles — zum Beispiel den immer noch nicht partei­weit umge­set­zten ständi­gen Mit­glieder­entscheid, den Nich­tauss­chluss von Oliv­er Höf­in­g­hoff, den Ver­lust ein­stiger cool­ness mit­tels rück­läu­figer Ver­wen­dung nautis­ch­er Meta­phern — vor­w­er­fen und sollte das auch tun; “KopfzuTisch” hat auch ein paar Beispiele gefun­den, nur sind’s eben die Falschen.

Wir fassen zusam­men:

Die Pirat­en sind tot.

Oder eben auch nicht.

Dieser ver­fluchte, untote Pirat ver­ste­ht keinen Spaß.
Pro­duk­tbeschrei­bung eines Piratenkostüms

PolitikNetzfundstücke
Klatschvieh, QuakeNet, Überwachung

Lesenswert (1): Ste­fan Nigge­meier hat sich für ein paar Stun­den zwis­chen das Pub­likum divers­er Fernsehsendun­gen geset­zt und ist etwas irri­tiert.

René, der Warm-Upper, ver­sucht sein Bestes, das Pub­likum bei Laune zu hal­ten. Bald wer­den seine Ansagen in den Umbau­pausen zu Durch­hal­teparolen: Nach Spiel neun, ver­spricht er, werde Wass­er verteilt wer­den, und keine Sorge: Es sei genug für jeden da. Die ersten Worte der Mitar­bei­t­erin, die endlich mit einem Gebinde von Plas­tik­flaschen die Treppe herun­terkommt, als Spiel vier, fünf, sechs, sieben, acht und neun vor­bei sind, laut­en dann: »Kön­nt ihr es euch bitte ein­teilen, wir haben nicht genug für alle.«

Wenig­stens wer­den “leergeklatschte” (ebd.) Zuschauer gele­gentlich unauf­fäl­lig durch frische, noch über Rest­wass­er ver­fü­gende Per­so­n­en erset­zt; son­st wäre das ja unmen­schlich.


Lesenswert (2): Die Betreiber des IRC-Net­zes Quak­eNet find­en die Angriffe auf IRC-Infra­struk­tur im Auf­trag der britis­chen Regierung nicht zum Lachen.

We urge the British gov­ern­ment to ini­ti­ate an imme­di­ate and thor­ough pub­lic inves­ti­ga­tion into the actions of GCHQ and to assure users, com­pa­nies and com­mu­ni­ties who rely on the inter­net that they are safe from being acci­den­tal­ly tar­get­ed by the broad, oppres­sive and legal­ly grey ham­mer of agen­cies under their con­trol.

Da bin ich mal ges­pan­nt.


Lesenswert (3): Das US-amerikanis­che Außen­min­is­teri­um find­et, in Rus­s­land wird zu viel überwacht.

Besuch­er der Win­ter­spiele im rus­sis­chen Sotschi sollen davon aus­ge­hen, dass ihre Kom­mu­nika­tion vom Staat und Krim­inellen auss­pi­oniert wird, warnt die US-Regierung.

So viel Ein­sicht hätte ich ihnen gar nicht zuge­traut.

MusikNetzfundstücke
“Danke”, HTC!

Besten “Dank” für diesen Mehrw­ert:

Schlankes Design. Bom­bastis­ch­er Sound. Duale Stereo-Front­laut­sprech­er lassen im Zusam­men­spiel mit kräfti­gen Ver­stärk­ern alle um Dich herum Deinen Sound hören. Teile Deine Musik, teile Deine Videos, teile Deine Spiele – in der richti­gen Laut­stärke.

:wallbash:

(Das ist eben der immer­gle­iche Appell an den men­schlich-kindlichen Instinkt: Ratio­nal­ität ist der zu besiegende Geg­n­er der­er, die etwas verkaufen wollen; weil man eben mit zwei, drei, vier, fünf und sechs oder zwei­hun­dert Klin­gen Gesichts‑, Bein- und sonst­welche Haare noch abber als ab bekommt. Kauf, du Arsch! Mit Höflichkeit, sei’s juve­niles Du oder dis­tanziertes Sie, wo doch das Er meist ehrlich­er wär’, verkauft sich ein schlecht­es Pro­dukt nicht, es muss schon “witzig” (Max Goldt, “Was man nicht sagt”) oder wenig­stens pfif­fig sein. Wenn’s dazu nicht reicht, dann genügt’s jeden­falls zur Sta­tusauf­besserung: “Seht her, mein mobiles Tele­fon dröh­nt meine Lieblings­funk­tion­s­musik noch auf­dringlich­er durch den Bus als das eure! Labet euch an sein­er Güte!” Dem let­zten franzö­sis­chen König wurde für der­ar­tig pom­pöse Zurschaustel­lung des Reich­tums sein­er Vorgänger die “Rübe” (Hol­ger Roehlig) run­tergeschla­gen, aber in diese schreck­lich engen öffentlichen Verkehrsmit­tel passt die mobile Taschen­guil­lo­tine eben auch nicht mehr. Ein Hoch auf die Sparsamkeit und Klam­mer zu.)

KaufbefehlePiratenparteiNetzfundstücke
Sexy, sexy Karpfen (2): Frauen, die auf Särge starren.

Den Wel­ter­folg “Frauen mit ero­tis­chen Karpfen” habt ihr sich­er schon alle zu Hause und freut euch über jeden neuen Monat.

Aber ihr wollt sich­er nicht immer nur die gle­ichen Motive im Schlafz­im­mer hän­gen haben. Abwech­slung gefäl­lig? Nack­te Frauen auf ero­tis­chen Sär­gen! Ich bin schon ganz steif.

(Gut, so einen Sarg benutzt man meist nur ein­mal im Leben, da ist eine ansprechende Präsen­ta­tion der ver­schiede­nen Ange­bote natür­lich stets willkom­men.)


Apro­pos “will kom­men”: Der nor­drhein-west­fälis­che Lan­desver­band der Piraten­partei sucht einen Pen­e­tra­tionstester. Gefordert sind min­destens drei Jahre Erfahrung im Bere­ich Pen­e­tra­tiontest­ing (die Praxis­er­fahrung ist nachzuweisen!), fre­undlich­es, aber verbindlich­es Auftreten, Belast­barkeit, Ver­schwiegen­heit und Erfahrung mit Exploit Devel­op­ment.

Diese Fer­kel.

(via L.)

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Rio Reiser — Alles Lüge

Gute Nachricht­en: Wir brauchen die Piraten­partei nicht mehr. Wir haben jet­zt die SPD!

Die alte Tante SPD set­zt aufs Inter­net: In den kom­menden Jahren wollen die Genossen zur neuen Net­z­partei wer­den und so junge Wäh­ler zurück­gewin­nen.

Gibt es schon konkrete Pläne? Aber natür­lich!

Jed­er Mit­tel­ständler muss in den näch­sten Jahren in die Cloud um wet­tbe­werb­s­fähig zu bleiben. (…) Daten­schutz im nationalen Maßstab reicht nicht aus, wenn wir gegenüber den USA oder Asien in der dig­i­tal­en Wirtschaft konkur­ren­zfähig wer­den wollen.

Genau — die derzeit­ige Geset­zge­bung, die es unnötig erschw­ert, per­so­n­en­be­zo­gene Dat­en auf Servern in (zum Beispiel) den USA zu spe­ich­ern, ist rück­ständig. Das muss aufhören! Zum Glück haben wir die SPD, die sich dafür ein­set­zt, dass deutsche Daten­schutzrichtlin­ien bald der Ver­gan­gen­heit ange­hören, hippe Jugend­partei, die sie nun mal ist.

Auf diesen Schreck erst mal ein wenig Musik.

Rio Reis­er & Band — Alles Lüge 1986

(Ich weiß auch nicht, wie ich jet­zt auf dieses Lied komme.)

Guten Mor­gen.