SonstigesIn den Nachrichten
Viel Schall und Rauch um nichts

Hihi:

Ein Vor­name wie „Pumuckl“ oder „Pep­si-Car­o­la“ kann für ein Kind zur Qual wer­den – doch Deutsch­land ist offen­er gewor­den und bei Standesämtern wer­den ungewöhn­liche Namenswün­sche von Eltern immer sel­tener abgelehnt. (…) Eine Rückbesin­nung auf tra­di­tionellere Namen macht das Münch­n­er Standesamt aus: „Der Trend geht zu tra­di­tionellen Namen zurück“, sagt Leit­er Ger­hardt Wirs­ing.

“Wirs­ing”.

Der Leit­er des Standesamtes, Frank Neu­bert, sagt: „Was in manchen Ohren fremd und exo­tisch klingt, kann in anderen Gegen­den ein gebräuch­lich­er Vor­name sein.“ Dazu zählt er Moka und Jazz für Mäd­chen sowie Orlan­do und Filou für Jungs.

Ein “Filou” ist, das weiß das Wörter­buch, ein nicht­snütziger Lebe­mann. Zumin­d­est das ist tat­säch­lich gebräuch­lich. Ein­fach mal wieder Bus fahren!

Vor ein paar Jahren war es ja noch Sitte, seine Kinder nach Städten zu benen­nen. Ein klein­er Lein­felden-Ech­ter­din­gen, der aus dem Kinder­paradies abge­holt wer­den wollte, ist mir zum Glück noch nicht begeg­net; dafür jede Menge Aldahs und Dig­gas.

Ob das Standesamt das durchge­hen lassen würde?

Er ist über zehn­tausend Jahre alt / und hat viele Namen.
Ton Steine Scher­ben: Mein Name ist Men­sch

PolitikIn den Nachrichten
Rosa Luxemburg würde sich schämen.

Heute vor 95 Jahren wur­den, wie mehrere Quellen bericht­en, die früheren SPD-Mit­glieder Karl Liebknecht und Rosa Lux­em­burg, die sich im Jan­u­ar 1919 als Rev­o­lu­tionäre im Ver­lauf des Jan­u­a­rauf­s­tands für den “Klassenkampf” — in Karl Liebknechts Fall aus­drück­lich auch bewaffnet — ein­set­zten, im Auf­trag des SPD-Poli­tik­ers und späteren Reich­swehrmin­is­ters Gus­tav Noske mit Bil­li­gung des SPD-Reich­spräsi­den­ten Friedrich Ebert erschossen. Pro­vokant for­muliert bedeutet das: Die Wiege der “link­sex­tremen Gewalt” sowie gle­ichzeit­ig die der “Gewalt gegen links” war die frühe Sozialdemokratie.

Dass Rosa Lux­em­burg später Zitat­ge­berin für die “Rote Armee Frak­tion” wurde, hat sie sich sicher­lich nicht aus­ge­sucht, aber dass sie in der DDR im Gegen­teil zwar verehrt, aber nicht zitiert wer­den durfte, ist eine zumin­d­est erzäh­lenswerte Anek­dote. Die SPD hat­te in den ersten Jahren des Ersten Weltkriegs eben noch eine kri­tis­chere Anhänger­schar als heute.

Erst 1917 spal­tete sich die ursprünglich sozial­is­tis­che SPD in einen bürg­er­lichen (MSPD) und einen kom­mu­nis­tisch-sozial­is­tis­chen Flügel (USPD), dem sich auch die Rev­o­lu­tionäre anschlossen, die ihn aber bald wieder ver­ließen und 1918, nach der abwech­sel­nden Aus­ru­fung der Demokratie durch Philipp Schei­de­mann (MSPD) und der sozial­is­tis­chen Repub­lik durch Karl Liebknecht (USPD), schließlich die KPD grün­de­ten. Eine solche Auf­s­pal­tung hat die SPD erst 2004 wieder erfahren, als sich der Arbeit­er­flügel der Partei als WASG selb­st­ständig zu machen begann. Geschichte wieder­holt sich.

Ein Sprung ins Jahr 2014: Die SPD-Regierung des Stadt­staats Ham­burg hat Gefahrenge­bi­ete ein­gerichtet, in denen Pas­san­ten, die irgend­wie links ausse­hen, präven­tiv einen Platzver­weis bekom­men, egal, wie alt oder gefährlich sie sind. Tat­säch­lich gibt es auch linksradikale Gewalt­täter in Deutsch­land, das ste­ht außer Frage; die Ver­hält­nis- und Recht­mäßigkeit der ange­ord­neten Sank­tio­nen ist allerd­ings etwas, wom­it sich dieser Tage ja aller­lei gute und weniger gute Berichter­stat­ter beschäfti­gen. Die SPD als selb­ster­nan­nte Partei des Volkes möchte aber wider Erwarten nicht, dass man ihr Han­deln als blind­en Eifer gegen eben dieses Volk inter­pretiert, und ruft die übri­gen Ham­burg­er Parteien, Bürg­er und Insti­tu­tio­nen zur Demon­stra­tion gegen linke Gewalt auf. (Noch während ich dies schreibe, ist aus der Demon­stra­tion eine Kundge­bung gewor­den. Die SPD ist dieser Tage erstaunlich flex­i­bel.)

Die Reak­tio­nen auf diesen Aufruf sind ver­schieden, sie reichen von “Was ist von ein­er Regierungspartei zu hal­ten, die Demon­stra­tio­nen plant?” — tja nun, je nach­dem, was mit der Demon­stra­tion bezweckt wer­den soll — bis zu Bon­mots wie diesem:

Cool! Die #SPD will die erfol­gte Abschaf­fung der Sozialdemokratie jet­zt öffentlich und fes­tlich zele­bri­eren: hamburg1.de/aktuell/Demo_gegen_linke_Gewalt_geplant-19615.html

Wie oben erläutert, zeigt der Schreiber trotz sein­er Sym­pa­thien für die “Antifa” hier vor allem seine Unken­nt­nis von der Geschichte der SPD. Vorge­hen gegen linke Gewalt ist kein Zeichen von Abschaf­fung der Sozialdemokratie; ich würde es vielmehr Tra­di­tion­spflege nen­nen. Die gut­bürg­er­liche SPD als Fels, der die Arbeit­er vor der Bran­dung in Form eines feind­seli­gen Staates schützt? Wo lebt ihr denn?

Kön­nte Rosa Lux­em­burg noch lesen, wie der Blick in ihre Zeit und auf ihre ehe­ma­lige Partei heute verk­lärt wird, sie würde sich ver­mut­lich schä­men.

Es hat die Fee doch sehr gequält, dass ihr der linke Flügel fehlt.
Ich sprach: “Da geht’s dir wie der SPD!”
Wise Guys — Kaiser Franz

PolitikIn den Nachrichten
Überraschung: Geheimdienste operierten im Geheimen! (2)

ZEIT.de, 7. Novem­ber 2013:

“Wir reden nicht über ein all­ge­meines No-Spy-Abkom­men”, zitierte die New York Times jedoch einen rang­ho­hen Mitar­beit­er der US-Regierung.

ZEIT.de, 17. Dezem­ber 2013:

Die USA ver­weigern Deutsch­land laut New York Times den Abschluss eines soge­nan­nten Anti-Spi­onage-Abkom­mens.

ZEIT.de, 13. Jan­u­ar 2014:

Immer mehr Infor­ma­tio­nen deuten darauf hin, dass das geplante No-Spy-Abkom­men der Bun­desre­pub­lik mit den USA zu scheit­ern dro­ht.

Es bleibt span­nend.


Oh, USA — richtig. Ihr ken­nt das: Ihr wollt in aller Ruhe einen schö­nen entspan­nen­den Kriegs­film mit vie­len schö­nen Leichen anguck­en, da geräuscht euch ein­er in den Film rein. Da gibt’s nur eine Lösung!

Weil ihn die Tippgeräusche auf dem Handy störten, hat ein Mann in einem Kino in Flori­da einen anderen Besuch­er erschossen. Der soll noch vor dem Beginn des Kriegs­films “Lone Sur­vivor” eine SMS geschickt haben.

(Hof­fentlich hat er wenig­stens einen Schalldämpfer ver­wen­det.) :irre:

Montagsmusik
District 97 — Open Your Eyes

Eines der erstaunlicheren Ereignisse rund um “Amer­i­can Idol”, die US-amerikanis­che Fas­sung von “Deutsch­land sucht den Super­star”, ist die Geschichte von Leslie Hunt, deren Solokar­riere nach ihrer dor­ti­gen “Ent­deck­ung” branchen­typ­isch schlep­pend ver­lief; statt allerd­ings das Schick­sal der anderen aus­geson­derten Teil­nehmer zu teilen und einen richti­gen Beruf ergreifen zu müssen, bekam sie die Gele­gen­heit, der bis dahin instru­men­tal agieren­den Retro-Prog-Band Dis­trict 97 beizutreten.

Dis­trict 97 wur­den 2006 gegrün­det, sind aber dur­chaus keine Unbekan­nten mehr; nach zwei Stu­dio- und zwei Liveal­ben gaben sie 2013 einige Konz­erte mit John Wet­ton (UK, King Crim­son, Asia, Uri­ah Heep und andere), auf denen sie mancher­lei King-Crim­son-Stück (etwa Fall­en Angel) spiel­ten; und das gar nicht mal schlecht.

Dass Frau Hunt bei diesen Auftrit­ten eher wenig zu Wort kam, ist nicht allzu ver­wun­der­lich, King Crim­son hat­ten nie eine Sän­gerin. Ein biss­chen schade ist es aber schon, denn trotz ihrer Teil­nahme an besagter Fernsehsendung kann sie erstaunlich unnervig sin­gen. Zum Beispiel so:

Dis­trict 97-Open Your Eyes (Offi­cial Music Video)

In diesem Sinne: Guten Mor­gen!

In den NachrichtenNerdkrams
Die Welt vom Sofa aus verändern (2): Der Tag, an dem wir Plakate kleben

Erin­nert ihr euch noch an die Onlinedemon­stra­tio­nen der Piraten­partei? Was haben wir da nicht alle gelacht, wie naiv das doch sei und dass man den Kampf wohl kaum gewin­nen könne, indem man sich im Inter­net “trifft” und unter­hält.

Heute fand ich in meinem Nachrich­t­entick­er die Web­site The Day We Fight Back, eine Art Kam­pag­nen­seite von Mozil­la, der EFF, Red­dit und weit­eren Teil­nehmern. Die Beteiligten erk­lären darauf den 11. Feb­ru­ar 2014 zum “Tag, an dem wir gegen die Massenüberwachung zurückschla­gen”. Das soll fol­gen­der­maßen geschehen:

  1. Man möge sich auf obiger Web­site anmelden und einen Wer­be­ban­ner für die Kam­pagne auf seine Inter­net­präsenz set­zen.
  2. Anschließend möge man sie auch ander­weit­ig bekan­nt­machen. “The Day We Fight Back” stellt dafür Links zu Twit­ter, Face­book und Google+ bere­it — denn gegen staatliche Überwachung kämpft man eben beson­ders erfol­gre­ich, wenn man an über­staatlichen Überwachung­spro­gram­men teil­nimmt.
  3. In den sozialen Net­zen, in denen man angemeldet ist, möge man sein Pro­fil­bild um den Schriftzug “#STOPTHENSA” und das Logo der Kam­pagne ergänzen. Das ist immer­hin etwas klüger als es ein­heitlich kom­plett zu erset­zen, wie es “die Pirat­en” vorgeschla­gen hat­ten.
  4. Option­al möge man eines von vier Wer­be­plakat­en auf Face­book (siehe oben) posten.
  5. Red­dit als Kam­pag­nen­mit­förder­er möchte selb­stver­ständlich auch nicht leer aus­ge­hen. Der näch­ste Schritt: Man möge auf Red­dit an der Diskus­sion über diese Kam­pagne teil­nehmen. Das ist natür­lich viel durch­dachter als eine Mum­ble-Demon­stra­tion.
  6. Abschließend sei’s ges­tat­tet, selb­st kreativ zu sein. “Schreibt einen Kom­men­tar über die NSA, baut eine Web­site, startet irgendwelche Aktio­nen, erzählt uns davon.”

Warum für let­zteren Schritt auf die E‑Mail-Adresse ver­wiesen wurde, ist mir nicht klar. Die Nutzer kön­nen das doch sich­er auch per Face­book tun!

:wallbash:

KaufbefehleMusikkritik
Fantasy — Paint A Picture

Fantasy - Paint A PictureDie 1970er Jahre waren der­art voller junger, auf­streben­der Musik­grup­pen ins­beson­dere aus Großbri­tan­nien, dass es nur wenige von ihnen zu so etwas wie Ruhm gebracht haben. Fan­ta­sy gehören zu denen, denen ihre Konkur­renz zum Ver­häng­nis gewor­den ist.

Fan­ta­sy (nicht die US-amerikanis­che Dis­coband gle­ichen Namens) wur­den um 1970 herum als Chapel Farm gegrün­det, änderten mit dem Unfall­tod ihres Bassis­ten, der an seinem achtzehn­ten Geburt­stag betrunk­en zu unacht­sam an Klip­pen ent­lang­bal­anciert war, und fol­gen­den Umbe­set­zun­gen aber ihren Namen in Fire­queen und began­nen Demobän­der an Plat­ten­fir­men zu ver­schick­en. Poly­dor nahm sie unter der Bedin­gung unter Ver­trag, dass sie den Namen Fire­queen durch irgen­det­was Unblödes erset­zten; so wurde es eben Fan­ta­sy. (Bei Poly­dor standen später unter anderem Bro’­Sis und Take That unter Ver­trag. Tem­po­ra mutan­tur.) Poly­dor gewährte Fan­ta­sy dann einen Drei­jahresver­trag und warf 1973 das Debü­tal­bum “Paint A Pic­ture” auf den Markt.

Diese For­mulierung ist tre­f­fend gewählt, denn ein kom­merzieller Erfolg blieb aus. Fan­ta­sy waren ihrer Zeit nicht voraus, son­dern waren spät dran. Für sym­phonis­che Rock­musik mit ein­er Vielfalt an Ein­flüssen und unblö­den Tex­ten von bis dahin unbekan­nten Grup­pen wollte sich in der Zeit zwis­chen Hardrock und Punk kaum noch jemand Zeit nehmen. Auf Druck Poly­dors wurde in einem Tag die Sin­gle “Polite­ly Insane” geschrieben und aufgenom­men, um den kom­merziellen Erfolg zu steigern. Wenn ich 2014 höre, was Plat­ten­fir­men 1973 für verkaufenswert hiel­ten, muss ich ja immer fast ein biss­chen weinen.

Fan­ta­sy — Polite­ly Insane (1973)

Gen­tle Giant (“Young Man’s For­tune”), Car­a­van (“Silent Mine”), Star­cas­tle, die frühen Van der Graaf Gen­er­a­tor, (natür­lich) Gen­e­sis und aller­lei andere zeit­genös­sis­che Bands standen für “Paint A Pic­ture” musikalisch Pate, die Gitarre set­zt genau da die richti­gen Akzente, wo man sie braucht, und selb­st der Gesang, meist der Flaschen­hals ein­er Band aus dieser Musikrich­tung, ver­mag zu gefall­en.

Zum Fol­geal­bum “Beyond The Beyond”, das 1974 aufgenom­men wer­den sollte, kam es dann aber vor­erst nicht mehr. Wohl auf­grund des nicht erfol­gten Durch­bruchs mit “Paint A Pic­ture” ließ Poly­dor die Gruppe fall­en, die sich anschließend ent­täuscht auflöste. Dass das Album 1992 doch noch erschien (wenn auch nur auf CD), ist insofern eine erfreuliche Über­raschung. Ander­er­seits: Wer weiß, was passiert wäre, hätte Poly­dor damals Fan­ta­sys Poten­zial erkan­nt?

Wenig­stens ist ihre Musik unvergänglich.

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkramsPiratenpartei
Kurz verlinkt: Antifa, Kernkraft, Minimalismus

Sind in der Piraten­partei jet­zt (ich berichtete) nur noch Ver­rück­te? Aber nein! Vielmehr ist es eine radikale Min­der­heit, die den “nor­malen Pirat­en” (Don Alphon­so) die Arbeit unnötig erschw­ert. Teil dieser radikalen Min­der­heit ist auch Julia Schramm (das war die hier), die sich diese Woche mal als linksradikale Marx­istin posi­tion­iert. Mal guck­en, wo sie näch­ste Woche ste­ht.

Beacht­enswert ist auch, dass Christo­pher Lauer sich von der­lei Umtrieben öffentlich dis­tanziert. Sollte es in näch­ster Zeit wieder ruhiger um ihn wer­den, wäre das also nicht beson­ders über­raschend.


Diese Mel­dung ist schon etwas älter, aber immer noch lesenswert: Kana­da ver­bi­etet Kohlekraftwerke, um die Luft sauber zu hal­ten; in Deutsch­land steigt die Braunkohlev­er­heizung der­weil auf neue Spitzen­werte, um den Energiev­er­lust auf­grund des Ausstiegs aus der Kernkraft aufz­u­fan­gen. Deutsch­land: Wo saubere Luft der Homöopathie geopfert wird.

(via @Nuklearia)


Ich bin ja nicht nur Musik­fre­und und poli­tis­ch­er Agi­ta­tor, son­dern mache manch­mal auch was mit Com­put­ern. In dieser Eigen­schaft pries ich im Juni 2010 die Vorzüge eines min­i­mal­is­tis­chen Win­dows mit tas­taturges­teuert­er Fen­ster­ver­wal­tung. Unter Unix und seinen Nach­baut­en ist let­ztere nun schon seit vie­len Jahren nichts Neues mehr, abseits von Gnome, KDE und Open­box gibt es eine Vielzahl an Fen­ster­ver­wal­tern, die die Arbeit im Voll­bild wie auch mit mehreren Fen­stern nebeneinan­der deut­lich vere­in­fachen. Im Zusam­men­spiel mit dem Sta­tis­tik­w­erkzeug conky lassen sich so flex­i­ble und viel­seit­ig anpass­bare Arbeit­sumge­bun­gen schaf­fen (alle drei Kon­fig­u­ra­tio­nen zeigen awe­some mit conky in der “Haupt”- oder ein­er eige­nen Leiste), in denen man zwis­chen Voll­bild- und gekachel­ten Anwen­dun­gen sowie virtuellen Desk­tops (auch mehreren gle­ichzeit­ig) per Tas­tenkürzel (unter awe­some frei kon­fig­urier­bar, stan­dard­mäßig dient die Win­dow­staste als “Mod­i­fika­tor”) wech­seln kann. Spart Bild­schirm­platz, erhöht die Pro­duk­tiv­ität. Im Forum von #! Lin­ux gibt es einen mehr oder weniger aus­führlichen Test (mit Bildern) von über 30 mal “kachel­nden”, mal (wie KDE, Mac OS X und Win­dows) “schweben­den” Fen­ster­ver­wal­tern abseits der “großen” Desk­top­umge­bun­gen, den ich jet­zt ein­fach mal als Ein­stieg empfehle.

In den Nachrichten
So was von out!

Ich spare mir einen Link, da’s ohne­hin jede so genan­nte “Zeitung” momen­tan über ihre Web­site (man­nig­fach vervielfältigt per Twit­ter und der­gle­ichen) in heller Aufre­gung bekan­nt­gibt: Thomas — hehe — “Ham­mer” Hit­zlsperg­er, ehe­ma­liger deutsch­er Fußball­na­tion­al­spiel­er, habe nicht ein­fach verkün­det, dass er Män­ner als Lebenspart­ner bevorzugt; nein, er habe sein com­ing-out, sein out­ing gehabt, kurz: er habe sich geoutet. Mir als Fre­und wohlüber­legter Wort­wahl ver­schlägt es mir da aus­nahm­sweise mal nicht wegen der Ver­wen­dung eines Lehn­worts die Sprache.

Was diese Begriffe näm­lich eigentlich aus­sagen, ist, dass man sich als Men­sch mit nicht het­ero­sex­uellen Vor­lieben ver­steck­en müsse, bis man sich raus traue aus der Deck­ung. Das com­ing-out — hehe — als “Befreiung” — wovon?

Hit­zlsperg­er sagt: “Ich habe mich nie dafür geschämt, dass ich nun mal so bin”.

Wovon hat er sich dann befre­it? Das “erk­lärt” Jan Schnor­ren­berg:

Klas­sis­che “Män­ner­domä­nen” wie der Fußball skizzieren die Männlichkeit und tun dies auch über den Auss­chluss von Homo­sex­u­al­ität, auch wenn dies gar nicht der Leben­sre­al­ität der Beteiligten entspricht.

Der Fußball schließt Homo­sex­u­al­ität genau wie aus? Müssen Fußball­spiel­er regelmäßig zum Schwu­len­test? Richtig: Sie wer­den schlicht nicht gefragt. Müssen sie ja auch nicht, auf dem Fußballfeld ist es ja einiger­maßen egal, ob der Typ im geg­ner­ischen Tor vor dem Spiel homo‑, het­ero- oder pan­sex­uellen Spaß hat­te. Und weil es auf die Spielqual­ität keinen Ein­fluss hat, in welch­er Art von Lebe­we­sen die Mit­spiel­er nor­maler­weise ihren jew­eili­gen Penis versenken, wird darüber auch in der Mannschaft eher sel­ten gesprochen. In Thomas Hit­zlsperg­ers Fall wur­den ín der Mannschaft ange­blich häu­fig Schwu­len­witze gemacht; dass diese Witze ver­mut­lich unterblieben wären, wenn er, statt mitzu­lachen, seine Sex­u­al­ität bekan­nt­gegeben hätte, ist ihm offen­bar nicht ein­mal in den Sinn gekom­men.

Jan Schnor­ren­berg zitiert einen weit­eren Fußballer:

Der Preis für meinen gelebten Traum von der Bun­desli­ga ist hoch. Ich muss täglich den Schaus­piel­er geben und mich selb­st ver­leug­nen. (…) Ich weiß nicht, ob ich den ständi­gen Druck zwis­chen dem het­ero­sex­uellen Vorzeige­spiel­er und der möglichen Ent­deck­ung noch bis zum Ende mein­er Kar­riere aushal­ten kann.

Er spricht im Weit­eren von der “hässliche Fratze der Het­ero­nor­ma­tiv­ität”, die Men­schen “zwinge”, ihre Iden­tität und ihre Gefüh­le zu ver­leug­nen; von ein­er Gesellschaft, in der Homo­sex­u­al­ität etwas Unnatür­lich­es ist. Selb­st aufer­legte Het­ero­nor­ma­tiv­ität ist keine. Jemand, der von “Beken­nt­nis­sen” oder “com­ing-outs” redet, wenn es um Men­schen geht, die nicht het­ero­sex­uell sind, verurteilt diese Eigen­schaft allerd­ings schon durch seine Wort­wahl als etwas Unüblich­es, Unnatür­lich­es.

Ein homo­sex­ueller Fußballer wird von nicht benan­nten Per­so­n­en zum “het­ero­sex­uellen Vorzeige­spiel­er” stil­isiert und muss dieses Bild aufrechter­hal­ten, weil son­st was passieren würde? Angst davor, für etwas aus­gelacht zu wer­den, haben Men­schen mit entwed­er geringem Selb­st­be­wusst­sein oder pein­lichen Tal­en­ten. Drit­ten dafür die Schuld zu geben ist eine mögliche, aber nicht die beste Lösung. Die Gesellschaft ist schuld. Die Sex­u­al­ität eines Men­schen wird für den Großteil der Gesellschaft allerd­ings erst dann rel­e­vant, wenn er sie aus irgendwelchen Grün­den (die auch noch zu klären sind) pub­lik macht.

Andere Medi­en sparen sich übri­gens Wörter mit “out”, die sie ja doch selb­st nicht ver­ste­hen, und reden stattdessen von einem “Beken­nt­nis”. Vergib mir, Vater, ich habe gesündigt. Gibt es über­haupt eine wenig affige Wort­wahl für diese Nicht­mel­dung? Natür­lich: “Thomas Hit­zlsperg­er ist homo­sex­uell”. Eine solche Schlagzeile ließe allerd­ings den fehlen­den Nachricht­en­wert der sex­uellen Vor­lieben eines ehe­ma­li­gen Profis­portlers noch deut­lich­er wer­den. Über die Sex­u­al­ität der Bun­deskan­z­lerin hätte ich ja zum Beispiel auch lieber kein­er­lei Infor­ma­tio­nen. Seht her, Per­son x hat gern Sex mit Per­so­n­en aus Gruppe y!

Qual­ität­sjour­nal­is­mus, wis­senschon.

Piratenpartei
Nachtrag: Die Piraten zur Europawahl (2)

Während sich auf Twit­ter “die Pirat­en” und “die Antifa” und “die Fem­i­nistin­nen” — siehe auch hier und hier und hier — mit “den Medi­en” (man lese mal spaße­shal­ber die aktuellen Gespräche von Don Alphon­so und verzwei­fle anschließend ein biss­chen) ver­bal darum prügeln, welche der beteiligten Grup­pen als het­ero­gen­ster aller Zusam­men­schlüsse wohl die größten Anführungsze­ichen ver­di­ent hat, machen die anderen Pirat­en übri­gens Wahlkampf.

Ich schrieb zur Auf­stel­lungsver­samm­lung für die Europawahl:

Dabei hätte es die Piraten­partei eigentlich ziem­lich leicht; als Partei, die nicht aus Deutsch­land nach Europa exportiert wer­den musste, son­dern die selb­st in ihrem deutschen Ableger ein europäis­ches Pro­dukt ist, muss sie das mit Europa nicht erst ler­nen, son­dern kann sich auf ihre poli­tis­chen Inhalte konzen­tri­eren. Ger­ade in Europa wären die Kern­the­men der Piraten­partei — strik­te Ablehnung jeglich­er Urhe­ber­rechtsver­schär­fun­gen zum Nachteil des Kon­sumenten, Kampf gegen den Patent­wahnsinn, freie Bil­dung für alle und so weit­er — eine höchst willkommene Alter­na­tive zu den gegen­seit­i­gen Ver­sprechen für mehr Ter­ror­bekämp­fung, mehr Bürokratie und so weit­er.

Die möglichen The­men­schw­er­punk­te für die Europawahl sind nun geset­zt: “Demokratie-Upgrade” (mehr Trans­parenz, mehr Mitbes­tim­mung), Urhe­ber­recht (vertreten durch Bruno Gert Kramm, dessen Reden ihr euch beizeit­en mal anhören soll­tet, denn sie sind sehr gut) und Asylpoli­tik ste­hen auf der Agen­da, let­zteres dem Umstand geschuldet, dass die Piraten­partei Europa als Ganzes begreift. (Warum man mit dem “Tan­dem nach Brüs­sel” ins Europäis­che Par­la­ment nach Straßburg fahren möchte, ist mir nicht so ganz klar; aber darum soll es ger­ade mal nicht gehen. Immer­hin schreibt auch das “Qual­itätsmedi­um” taz, die Pirat­en seien auf dem Weg nach Brüs­sel. Ist ja auch ganz hüb­sch dort.)

Die Kan­di­dat­en der Piraten­partei möcht­en also für Europa nicht wieder den gle­ichen Fehler machen wie anlässlich der Bun­destagswahl 2013, son­dern es aus­nahm­sweise mal wieder mit einem eige­nen Pro­fil ver­suchen; mit The­men, von denen sie Ahnung haben und die an das ein­stige image als pro­gres­sive Partei anknüpfen, und nicht mit den üblichen Gemein­plätzen, die die anderen Parteien eben­falls vertreten.

Gibt es schon inner­parteiliche Kom­mentare zu diesem The­men­plan? Klar; “stefan.pirat” kom­men­tierte:

Allerd­ings soll­ten wir auch im Blick haben, welch­es The­ma “massenkom­pat­i­bel” ist, damit wir auch poten­zielle Wäh­ler ansprechen, die nicht so ganz direkt in unserem derzeit­i­gen Dun­stkreis unter­wegs sind.

Aber Massenkom­pat­i­bil­ität ist genau das, was die Piraten­partei jet­zt nicht braucht. Bloß nicht auf­fall­en, bloß nicht aneck­en, bloß nicht anders sein? Zwar braucht man als Partei nur drei statt fünf Prozent, um die Europawahl erfol­gre­ich zu gewin­nen, aber warum dann die Piraten­partei? Weil wir uns so toll für Umwelt und Bil­dung ein­set­zen und weil wir irgend­was mit sozial im Pro­gramm haben? Nein, eine Reduk­tion auf die Kern­the­men ist das Beste, was “die Pirat­en” jet­zt beschließen kön­nen.

“Die Pirat­en wer­den ja doch noch vernün­ftig?!”, fragt ihr jet­zt vielle­icht erstaunt. Nein, keine Sorge, das wer­den sie nicht. Men­schlichkeit ist alles andere als Ver­nun­ft. Zumin­d­est aber wer­den “die Pirat­en” wieder eine Partei mit ein­er pro­gres­siv­en Agen­da. Wenn die mit der Flagge sich nicht ein biss­chen anstren­gen, kön­nte man fast darüber nachzu­denken, sie wieder zu wählen.

So weit ist es gekom­men.

PersönlichesIn den Nachrichten
Gestank und Geständnis

Ich wün­schte, ich hätte auch so oft so viel Spaß wie Thorge­Faehrlich, wenn ich im ÖPNV unter­wegs bin; aber ich lebe nicht in Ham­burg, was ich immer wieder bedau­re, wenn ich dort bin. Anders als zum Beispiel Berlin oder Han­nover ist Ham­burg näm­lich eigentlich recht sehenswert, dort stirbt man nicht aus Langeweile.

Die übliche Laufkund­schaft in hiesi­gen Zügen beste­ht aus mür­rischen Lang­weil­ern, die ungern mit Frem­den reden, was mir prinzip­iell sehr gefällt, nur sel­ten unter­brochen von spaßi­gen Zeitgenossen wie dem Jugendlichen, der sich just mit geschwun­genem Ruck­sack vor den Pas­sagieren im “Vier­er” nebe­nan auf­baute, gen­ervt “kannsch mich hier mal hin­set­zen oder so?” nuschelte und seit­dem mit bösem Gesicht­saus­druck auf sein Smart­phone star­rt, aus dem offen­bar Klänge an sein Ohr drin­gen, denn ein Kabel ragt aus ihm (dem Smart­phone, nicht dem Jugendlichen) her­aus und endet in dessen Ohr, wie üblich lock­er hineinge­hängt, denn eine anständi­ge Kabelführung hin­ter dem Ohr sähe genau so uncool aus wie eine richti­grumme Schir­m­mütze. Fröh­liche Musik scheint er nicht zu hören. Das “oder so” gefiel mir allerd­ings von vorn­here­in sehr gut.

Weniger gut gefall­en mir die Gerüche, die entste­hen, wenn die Jugendlichen im vollen Abteil plöt­zlich bemerken, dass in ihrer Hand ein Speiseer­satz von der Fir­ma mit dem großen “M” oder dem großen “BK” allmäh­lich abkühlt. Nicht, dass das Zeug kühl deut­lich schlechter schmeck­te, aber es geht ja ums Prinzip. Da sitzt man dann also gegenüber von ein­er dieser alten Frauen, wie man sie aus schlecht­en Karika­turen ken­nt, oft (auch im Som­mer) so schlimm erkäl­tet, dass der Auswurf einem die Schuhe durchtränkt, und dann kommt so ein läs­siger hip­per Tee­nie daher und trägt dazu bei, dass einem die Zug­fahrt stinkt. (Bemerkenswert­er­weise sind es immer junge Män­ner, die stink­enden Fraß im Zug in sich rein­stopfen. Frauen nicht. Klar: Plas­tik­burg­er sind nicht veg­e­tarisch genug. Dafür ist das Deodor­ant let­zt­ge­nan­nter Spezies oft eben­falls eine Wucht.)

Gegen kranke Mit­fahrer ist, haha, kein Kraut gewach­sen, aber zumin­d­est dem Ges­tank kann man vor­beu­gen. Es ist Zeit, dass ich ein Geständ­nis mache: Ich bin ein­er von Denen; aber nicht so richtig.

Nach meinen alltäglichen Erledi­gun­gen habe ich meist etwa vierzig Minuten Zeit, mich auf die Heim­fahrt vorzu­bere­it­en: Zwanzig Minuten, bis der Zug kommt, und zwanzig Minuten, bis er los­fährt. In der Regel lässt mir das zehn Minuten Zeit in einem vol­lends leeren Abteil, die genü­gen. um meine Geruch­sner­ven mit (schlechtem “Kaf­fee to go” oder) zum Beispiel einem eilends beim Bahn­hofs­bäck­er gekauften Brötchen mit irgen­deinem Belag (dort hat alles mehr Aro­ma als die Pappteile vom Pappteil­ver­trieb mit dem großen “M” oder dem großen “BK”) so weit an kom­mendes Unheil zu gewöh­nen, dass etwaige hastige hun­grige Nachzü­gler meine Kreise nicht weit­er stören kön­nen. Ja, ich esse im Zug; aber ich bin damit fer­tig, bevor weit­ere Pas­sagiere das Abteil betreten. Niemals käme ich auf die Idee, eingepfer­cht zwis­chen frem­den Einkauf­stüten und frem­den Men­schen mit Hygiene- oder Gesund­heit­sprob­le­men erst mal einen Burg­er auszu­pack­en.

Ich wäre ein her­vor­ra­gen­des Vor­bild, glaube ich.


Apro­pos “her­vor­ra­gen­des Vor­bild”: Feuer­wehr befre­it nack­ten Mann aus Waschmas­chine (…). Der Unglück­liche hat­te seine Fre­undin über­raschen wollen und war deshalb in den Toplad­er gek­let­tert. Über­raschung!

Die Reak­tion der­sel­ben ist nicht über­liefert.

In den NachrichtenMontagsmusik
Neneh Cherry & The Thing — Dream Baby Dream

Krawall, Krawall! Ein nen­nenswert­er Teil von Ham­burg ist momen­tan Gefahrenge­bi­et, selb­st Anwohn­er wer­den prinzip­iell darum gebeten, den Bere­ich weiträu­mig zu mei­den, ganz beson­ders aber “rel­e­vante Per­so­n­en­grup­pen”, also ver­mut­lich jed­er, der aussieht wie ein­er von diesen Linken. Dies sei auf­grund “wieder­holter Angriffe gegen Polizis­ten” geschehen, was selb­stver­ständlich ohne jeden erkennbaren Anlass geschehen sei.

Der Rechts­bei­s­tand der Gegen­seite sieht das anders, selb­st der “Bun­de­sar­beits­ge­mein­schaft Kri­tis­ch­er Polizistin­nen und Polizis­ten (Ham­burg­er Sig­nal) e.V” ist empört:

Die Ham­burg­er Polizei führt sich auf wie eine Ord­nungs­macht des fin­steren Mit­te­lal­ters.

Da hil­ft nur noch eine wirk­lich große Explo­sion. Oder Jazz.

Ich ver­suche es mal mit Jazz.

Keep those dreams burnin’ for­ev­er!

Guten Mor­gen.

PersönlichesMusik
Vinyl 3 / Ein Plädoyer.

caschy frug heute:

Ich weiss (sic! A.d.V.) gar nicht mehr, wann ich wirk­lich das let­zte Musik-Album mal gekauft habe. Wie schaut es bei euch aus?

Ich mein­er­seits habe mein bis­lang let­ztes Musikalbum erst in dieser Woche gekauft, weil der Wille, Dinge zu besitzen, mir wie wohl den meis­ten Men­schen gegeben ist; Musik, die mir gefällt, wie früher Videokas­set­ten für einen begren­zten Zeitraum zu mieten (und gegebe­nen­falls zu ver­längern) wider­spricht meinem Selb­stver­ständ­nis. Ein gutes Musikalbum möchte ich ja auch in ein paar Jahrzehn­ten noch ohne weit­eren Auf­preis hören kön­nen, nicht nur bis Ende der Woche (oder des Jahres).

Bei caschy in den Kom­mentaren merkt Stephan Lip­phardt an:

Ich nutze auss­chließlich Stream­ing. (…) Daten­träger, CDs, MP3, LPs etc. finde ich nur noch unhan­dlich.

Für­wahr, “MP3s” sind schon ziem­lich sper­rig, damit zu ver­reisen ist ein Ärg­er­nis son­der­gle­ichen. Die passen ja nicht mal ins Handgepäck. Herr Lip­phardt ist also umgestiegen auf Stream­ing (laut caschy somit auf ein ster­ben­des Pferd), denn ein Tablet oder einen Lap­top (oder gar einen Desk­to­prech­n­er) find­et er offen­sichtlich nicht so sper­rig wie einen MP3-Spiel­er. Musik im chro­nisch kaput­tkom­prim­ierten MP3-For­mat, so las ich kür­zlich, ermüde das Gehirn; wahrschein­lich ist unge­fähr so etwas damit gemeint. (Andere Kom­men­ta­toren, etwa Michael Mey­er, brin­gen auf caschys Frage hin ja auch nur noch ein “Spo­ti­fy <3” her­vor. Län­gere Texte kann Mit­men­sch Trend­nutzer auf seinem gad­get sowieso nicht mehr fehler­frei tip­pen.)

Viele Musik­grup­pen haben sich entsprechend ori­en­tiert und verkaufen ihre Werke primär auf Schallplat­te mit beigelegtem Down­load­code oder ganz ohne physis­chen Ton­träger. (Der Musik­gruppe, deren CD ich vor weni­gen Tagen erwarb, nahm ich allerd­ings nur eine CD-Pres­sung ab, dies schon deshalb, weil die einzige physis­che Alter­na­tive eine Kas­sette gewe­sen wäre.) In ein­er Zeit, in der nur noch zwei Arten von Leuten CDs kaufen, ein­er­seits diejeni­gen, die sie sowieso gle­ich nach Erhalt dig­i­tal­isieren und dann nie wieder aus dem Schrank holen wollen, ander­er­seits diejeni­gen, denen es um das art­work und die Hap­tik geht, ist das erfreulich kon­se­quent. Eine Schallplat­te hat oben­drein nor­maler­weise eine deut­lich län­gere “Lebens­dauer” als das chemisch insta­bile Medi­um CD, tech­nisch gese­hen ist auch das heute lei­der übliche Kaput­tkom­prim­ieren der enthal­te­nen Musik auf Kosten der Dynamik auf Vinyl deut­lich schwieriger als das ein­er CD. Die CD ist ein ster­ben­des Medi­um, und so schlimm ist das nicht.

Wen wun­dert es da noch, dass Plat­ten­spiel­er mit USB-Anschluss einen steigen­den Mark­tan­teil haben? Ein Musikalbum hört man als Fre­und von Nicht­down­loads sowieso nicht pro Lied, son­dern im Gesamten, und die Dig­i­tal­isierung ist denkbar ein­fach — der Plat­ten­spiel­er ist ein Tonein­gangs­gerät wie son­st zum Beispiel ein Mikro­fon. Zu dieser Dig­i­tal­isierung sind nicht mal “Ripping”-Programme nötig wie noch bei der CD, ein ein­fach­er Audiorecorder, wie er selb­st in Win­dows seit vie­len Jahren enthal­ten ist, genügt vol­lkom­men.

Auch ich nutze gele­gentlich Stream­ing, manch­mal per Band­camp, manch­mal per Groove­shark, manch­mal per Spo­ti­fy, manch­mal auch per Ama­zon. Ich nutze es als Hör­probe, um zu wis­sen, ob sich die Anschaf­fung des jew­eili­gen Musikalbums lohnen kön­nte. Blind­käufe wage ich nur gele­gentlich, sie enden zu häu­fig mit einem mauen Ein­druck. Bei diesem Stream­ing geht es aber auch genau darum: “Nur mal rein­hören.” Niemals käme ich auf die Idee, mit der Begrün­dung, es gebe ja einen preiswerten Stream davon, vom Kauf eines grandiosen Musikalbums abzuse­hen. Zwar bele­gen die Musikalben Platz im Schrank, aber sie gehen voll­ständig in meinen Besitz über. Wenn meine Fest­plat­te mal explodiert oder meine Abon­nements alle­samt aus­laufen — die Musik bleibt ver­füg­bar, lässt sich jed­erzeit zur portablen Nutzung in eines dieser “ver­lust­freien” For­mate über­führen und wird jeden dig­i­tal­en Trend, jeden cloud-Anbi­eter über­leben.

CDs “hal­ten” bei sorgsamem Umgang etwa zehn Jahre (oder wenig mehr), dann frisst sich die Chemie langsam durch die Ton­schicht, und selb­st das ist im schnel­llebi­gen Inter­net eine lange Zeit. Eine Schallplat­te hinge­gen über­lebt, wenn er sie nicht ger­ade als Piz­za­teller oder für ähn­liche Per­ver­sitäten ver­wen­det, bei eben­solchem Umgang oft sog­ar ihren Besitzer.

Dieter Bohlens “Super­stars” wer­den es ver­mut­lich nie auf eine Schallplat­te schaf­fen. Allein das sollte Anreiz genug sein.

Piratenpartei
Blindgänger entschärft: Die Piraten zur Europawahl

Am 25. Mai 2014 wird zum acht­en Mal das Europäis­che Par­la­ment gewählt. Natür­lich hofft auch die Piraten­partei Deutsch­land auf die Möglichkeit zur Entsendung von Vertretern in sel­biges, weshalb sie heute und mor­gen in Bochum eine entsprechende Liste zusam­men­wählt.

Dabei hätte es die Piraten­partei eigentlich ziem­lich leicht; als Partei, die nicht aus Deutsch­land nach Europa exportiert wer­den musste, son­dern die selb­st in ihrem deutschen Ableger ein europäis­ches Pro­dukt ist, muss sie das mit Europa nicht erst ler­nen, son­dern kann sich auf ihre poli­tis­chen Inhalte konzen­tri­eren. Ger­ade in Europa wären die Kern­the­men der Piraten­partei — strik­te Ablehnung jeglich­er Urhe­ber­rechtsver­schär­fun­gen zum Nachteil des Kon­sumenten, Kampf gegen den Patent­wahnsinn, freie Bil­dung für alle und so weit­er — eine höchst willkommene Alter­na­tive zu den gegen­seit­i­gen Ver­sprechen für mehr Ter­ror­bekämp­fung, mehr Bürokratie und so weit­er.

Sie kön­nte den Wäh­ler eigentlich mit The­men überzeu­gen, die ihn im Jahr 1 nach Snow­den wirk­lich bewe­gen, statt auf den Gemein­plätzen herumzure­it­en, die von kleinen Split­ter­grup­pen der Partei vehe­ment vertei­digt wer­den und die außer­halb Deutsch­lands noch weniger Rel­e­vanz besitzen als im Inland. Sie kön­nte die Schlagkraft ein­er europäis­chen Sam­mel­be­we­gung von Wut­bürg­ern demon­stri­eren, die die Piraten­partei ins Leben gerufen hat­ten, weil sie nicht mehr Bittsteller sein, son­dern nicht weniger als die Welt ändern woll­ten.

Eigentlich.

Antifa-Flagge auf dem #bpt141

(leise weinend ab)

Im Grunde ist eine Fahne als Sym­bol des Anar­chis­mus ein Wider­spruch zum Auf­stellen ein­er Liste für ein Par­la­ment, oder?
Bir­git Rydlews­ki

In den Nachrichten
Medienkritik LXXXIV: “Ostdeutschland muss wieder ostdeutsch werden!”

Chris­t­ian Ban­gel (ZEIT ONLINE) find­et es etwas schade, dass zum Mauer­fallju­biläum kaum noch Ost­deutsche mit komis­chen Brillen und Pullis und Autos zu sehen sind:

Wo sind eigentlich die Ost­deutschen? Man erken­nt sie nicht am Namen und am Beruf, nicht mehr an ihrer Klei­dung und an der Frisur.

Thüringer und Sach­sen weiß ich wohl noch als solche zu erken­nen, wenn sie zu par­lieren begin­nen, anson­sten würde ich ein­fach mal unter­stellen, Ost­deutsche seien in Ost­deutsch­land anzutr­e­f­fen. Nord­deutsche ver­mutet man ja auch primär im Raum Ham­burg und Emden.

Und was ist mit den alten Ost­deutschen passiert? Viele sind gestor­ben, andere nicht:

Eine halbe Gen­er­a­tion ging in den West­en und lernte west­deutsch.

West­deutsch, so richtig mit west­deutsch­er Gram­matik. Ihr ken­nt das.

Zwei Sys­teme zu ken­nen, zu wis­sen, dass keines für ewig ist – das ist ein Vorteil für jeden, der es erlebt hat. So wird ganz Deutsch­land nach und nach ost­deutsch­er.

Ost­deutsch, ost­deutsch­er, am ost­deutschesten. In welch­er Ein­heit misst man das eigentlich? — Und ver­ste­he ich das jet­zt richtig, dass Herr Ban­gel der Ansicht ist, man müsse einen unterge­gan­genen Staat bewohnt haben, um zu wis­sen, dass auch ein ander­er, völ­lig anders struk­turi­ert­er Staat ähn­lich unterge­hen werde? Worin beste­ht der genan­nte Vorteil?

Die Antwort bleibt Herr Ban­gel schuldig, unbeküm­mert schwafelt er weit­er daher:

Woher kommt es, dass heute kaum noch jemand Parteibuch­mack­er (…) erträgt? Die pro­fes­sionelle Poli­tikdeu­tung erk­lärt das vor allem mit dem Natur­ereig­nis Angela Merkel.

(Her­vorhe­bung von mir.)

Ihre Ide­olo­gieskep­sis, ihre Nüchtern­heit aber kom­men aus dem Osten (…). Hat sich die im Osten schon lange ver­bre­it­ete Insti­tu­tio­nenskep­sis in den West­en geschlichen?

Denn wer ein wack­er­er Ost­deutsch­er war, der stand der Ide­olo­gie skep­tisch gegenüber, die ihm Macht und Anse­hen ver­liehen hat; weshalb Partei­funk­tionäre in der DDR, auch die der erst 1990 gegrün­de­ten Parteien, es meist lieber gese­hen hät­ten, wenn die DDR sich mit dem West­en lieber nicht zusam­mengeschlossen hätte. Die eige­nen Insti­tu­tio­nen waren eben immer die besseren.

Das mit dem Osten ist ja sowieso Geschichte:

Einige wird es schon empören, dass in diesem Text über­haupt von Ost- und West­deutschen die Rede ist.

Das “empört” dann wahrschein­lich die gle­ichen Leute, die son­st einen selb­stver­ständlichen Unter­schied zwis­chen Nord- und Süd­deutschen zu erken­nen ver­mö­gen, aber vor Nord­deutsch­land stand natür­lich auch keine Mauer, weswe­gen der Ver­gle­ich in dem Fall ein viel besser­er ist. Im Fußball jeden­falls ist das erlaubt. So sindse, die Bay­ern.

Das, immer­hin, hat Chris­t­ian Ban­gel erkan­nt und fordert das gle­iche Recht auch für die Ost­deutschen:

Warum soll­ten nicht auch die Ost­deutschen ihr Ander­s­sein, ihre Wider­sprüche und inneren Kämpfe nach außen tra­gen?

Die wesentliche Ander­sar­tigkeit “der Ost­deutschen” hat sich ein Viertel­jahrhun­dert nach dem Mauer­fall vielle­icht auch ein­fach von selb­st erledigt, nur Berlin pflegt noch sein inof­fizielles Mot­to “wir sind bescheuert­er als alle anderen”. Eine der­art ein­fache Antwort auf die Frage kommt Her­rn Ban­gel allerd­ings nicht in den Sinn. Die waren doch früher auch immer anders!

Wieso spricht nie­mand über ein Bun­des­land Ost­deutsch­land?

Selb­st Her­rn Ban­gel scheint “sein” Bun­des­land Berlin etwas lästig zu wer­den. Auch diese Frage ist aber ein­fach zu beant­worten: Auch Sach­sen sind lern­fähig. Ein Zusam­men­schluss mehrerer finanziell angeschla­gen­er Bun­deslän­der jeden­falls wird das Mal­heur ver­mut­lich eher nicht beseit­i­gen.

Ist der sozial­ro­man­tis­che und postkom­mu­nis­tis­che Osten am Ende gar neolib­eraler als der West­en?

Im Inter­esse aller: Es wird Zeit für die Ost­deutschen, sich großzu­machen.

Jaha: Der West­en ist noch nicht neolib­er­al genug, es wird Zeit, dass sich eine neolib­erale Macht erhebt und das ändert! Und zwar nicht in unserem Sinne, …

… [n]icht als Gesamt­deutsche, son­dern als Ost­deutsche, deren Ein­fluss erkennbar wer­den muss.

Die Ost­deutschen hat­ten jet­zt lange genug Spaß daran, Gesamt­deutsche zu sein. Das muss endlich aufhören!

Sie tra­gen seit Langem die richti­gen Schuhe. Es wird Zeit, in ihnen zu gehen.

Ostdeutsche Schuhe

Keine Pointe.

Chris­t­ian Ban­gel fragt übri­gens zwis­chen­durch in seinem Artikel:

Warum gibt es kein rel­e­vantes ost­deutsches Medi­um? Der Erfolg der ZEIT im Osten zeigt doch, wie groß der Bedarf an intel­li­gen­ten Sprech­ern und ein­er Plat­tform mit Anspruch ist.

Ich behaupte: Das Gegen­teil ist der Fall. Aber ich als nord­deutsch­er Wes­si hab’ wahrschein­lich auch ein­fach keine Ahnung.

NetzfundstückeNerdkrams
Nützliche Helferlein: Readability und Instapaper

Was am Inter­net ja auch eher unbe­friedi­gend ist, ist der Hang zur Über­ladung. In so einem Brows­er ist ja Platz, also nutzt man ihn auch voll aus und quetscht den eigentlichen Text in eine dünne Spalte, damit mehr Platz für Metain­halte, “ähn­liche Artikel” und der­gle­ichen bleibt. Die optis­che Tren­nung der Bere­iche ist dann manch­mal so schlecht gelun­gen, dass man zum Beispiel schon die Kom­mentare liest und es gar nicht merkt.

Eben­falls ver­bre­it­et ist die Ange­wohn­heit, schw­er les­bare oder zu kleine Schriften einzuset­zen. Func­tion fol­lows form. “Seht nur, wie schön unsere Seite ist!” — “Und was ste­ht dort?” — “SEHT NUR, WIE SCHÖN SIE IST!”

Das sind natür­lich Prob­leme, die man mit einem RSS-Leser nicht hat, aber vielle­icht möchte sich nicht jed­er nur für zwei oder drei regelmäßig besuchte Web­sites mit RSS beschäfti­gen müssen und ruft diese Seit­en lieber aus sein­er Leseze­ichen­leiste her­aus auf (oder macht sie gar nicht erst zu). Ein­fache Abhil­fe: Read­abil­i­ty (der Dienst, nicht die Reed­er-Funk­tion).

Read­abil­i­ty hat ver­schiedene Funk­tio­nen, unter anderem — nach Anmel­dung — eine “Leseliste” (ähn­lich Pock­et), so dass man sich inter­es­sante Artikel vormerken kann, um sie später zu lesen, und natür­lich ste­hen auch apps für Android und iOS sowie eine Erweiterung für Fire­fox und so weit­er zur Ver­fü­gung, beson­dere Beach­tung ver­di­ent aber die Funk­tion zur besseren Les­barkeit von Artikeln.

Die ist am Ein­fach­sten als “Book­marklet” (als Leseze­ichen eben) zugänglich, dafür ziehe man diesen Ver­weis in seine Leseze­ichen­leiste, sofern vorhan­den (wenn nicht, soll­tet ihr den Brows­er wech­seln; Aus­nah­men: textbasierte Brows­er machen Artikel sowieso von Haus aus les­bar). Sel­biger Ver­weis sendet die im aktuellen Tab/Fenster geöffnete Web­seite an Read­abil­i­ty. Das funk­tion­iert erstaunlich gut, in eini­gen Monat­en der regelmäßi­gen Nutzung habe ich nur ein einziges Blog gese­hen, in dem Read­abil­i­ty statt der Kom­mentare den eigentlichen Artikel­text ent­fer­nt hat.

Readability vorher Readability nachher

In der (ein­klapp­baren) Seit­en­leiste hat der geneigte Benutzer Zugriff auf die Darstel­lung­sop­tio­nen (andere Schrift­größe, andere Schrif­tart, ander­er Seit­en­rand, ander­er Hin­ter­grund) und auf die “Leseliste”, let­ztere natür­lich bevorzugt nach Anmel­dung.

Wenn jeman­dem das Ausse­hen der von Read­abil­i­ty “les­bar” gemacht­en Artikel trotz der Optio­nen nicht gefällt, gel­ten die genan­nten Vorzüge im Übri­gen auch für Instapa­per, eine medi­al hochgelobte Read­abil­i­ty-Alter­na­tive mit ähn­lich­er Funk­tion­al­ität, allerd­ings anscheinend ohne die Möglichkeit ein­er Nutzung ohne vorherige Reg­istrierung. Getestet habe ich den Dienst aber nicht.


Nach­trag vom 22. Juni 2018: Mir wurde zuge­tra­gen, dass Read­abil­i­ty in Kürze geschlossen wird. Mit­tler­weile haben Web­brows­er allerd­ings meist eine eigene Lese­funk­tion, wom­it sich dieser Artikel erledigt hätte.