So ein Dezember hat es ja traditionell eher schwer, seine Bedeutsamkeit zu verteidigen: Hat er erst einmal begonnen, sind die meisten Küren und Fernsehsendungen zum was-auch-immer des Jahres meist schon erfolgt. Im Dezember woll’n wir nicht mehr informiert werden, sondern erst besinnlich sein (Heiligabend) und uns in den Folgetagen die Besinnlichkeit wieder aus dem Schädel saufen (Jahreswechsel). Prost Mahlzeit.
Um so erstaunlicher ist es, dass den Dezember, in dem sich die Medien ebenfalls traditionell mit so etwas wie Politik — was machen eigentlich die Verantwortlichen für den “Bundestrojaner” gerade? — gar nicht mehr weiter beschäftigen, jetzt doch noch (zumindest heute und vielleicht morgen) ein was-auch-immer des Jahres dominiert, das obendrein mit Politik zu tun hat: Die Gefüdespra ernennt “Groko” zum Wodeja. “Groko” klingt ja erst mal ganz putzig, aber verschleiert, worum es eigentlich geht. Was verleitet das Volk dazu, eine SPD-CDU-CSU-Koalition als “Groko” (“GroKo”) zu verniedlichen? Das ist ja, als würde man anlässlich seiner bevorstehenden Erschießung von “Gewehris” und “Soldatis” sprechen.
Selbstverständlich ist das kürzer als jedes Mal “große Koalition” sagen zu müssen, was der Faulheit des Menschen, der aus ähnlichem Grund ja auch “Nahnebensprechen” sagt, wenn er “Nahnebensprechdämpfung” (was bekanntlich das genaue Gegenteil bedeutet) meint, entgegenkommt. Interessant ist aber die Frage, ob in der Kürze tatsächlich die “Würze” liegt oder ob sie nicht kontraproduktiv ist.
Das Ziel dieser Sprachpolitik ist es, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation des Volkes in enge, kontrollierte Bahnen zu lenken.
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“Groko” klingt niedlich nach Schnappi und irgendwelchen gadgets, das sagt man doch gern, das tut keinem weh, das macht Spaß. Mit dem Babo aus der Groko für das Öko in den Dispo! So viele “o”, so viel oh-oh. Ich wäre ein schlechter Rapper.
Wie gesagt: Das Volk neigt zur Verniedlichung. “Stasi”, “Gestapo”, “Groko” — je kürzer das Wort ist, desto weniger bedrohlich (und bürokratisch) wirkt es. Die Menschen reden sich ihre Welt eben gern schön, um vor dem Gedanken zu fliehen, dass sie letztlich zur Erfüllung des großen Ganzen bedeutungslos sind, weil sie es selbst sein wollen. Wer nichts verändern möchte, der macht es sich auch in der Jauchegrube gemütlich.
Insofern spiegelt “Groko” den Zeitgeist 2013 vielleicht doch ganz gut wider.















