In Hamburg treffen sich momentan “Hacker”, Interessierte und Journalisten, um sich gegenseitig davon zu berichten, dass sie das alles schon vor Jahrzehnten geahnt hatten. Die Einführungsrede stieß ins gleiche Horn; da man, jeder Einzelne im Saal, es ja schon immer gewusst habe, sei man, jeder Einzelne im Saal, Papst und “Teil der Lösung”.
Und die Journalisten? Sie sitzen da und staunen über die blinkenden Vorhänge und all die anderen kleinen Basteleien, die man sich als Hobbybastler in seiner Freizeit aus Vergnügen halt mal so zusammenlötet, aus ihren Redaktionen kennen sie das nämlich nicht, da gibt’s nur den Gilb. “Die IT-Profis” (SPIEGEL ONLINE), denn ein solcher wird man offenbar bereits mittels bloßer Anwesenheit auf einem dieser Kongresse, suchen “Mittel gegen die Überwachung durch Geheimdienste”; sie “suchen” also nach Tor und GnuPG/OpenPGP und sonstiger verschlüsselter Kommunikation, wie wirksam sie auch immer sein möge. Da müssen sie zwar nicht lange suchen, was SPIEGEL ONLINE eigentlich wissen sollte, aber irgendwie muss man’s sich ja schönschreiben.
Palaver, Palaver. “Die Hacker” haben sich vor lauter Begeisterung dieses Jahr sogar das Motto gespart. Ein Schaulaufen derer, die von Anfang an wussten, dass ein offenes Netz nicht nur für brave Hacker, sondern auch für Arschlöcher einsehbar ist. SPIEGEL ONLINE applaudiert, noch ganz benommen von der Saalästhetik: “Durch das ganze Gebäude zieht sich auf zwei Kilometer Länge gelbes Plastikrohr: Künstler und Hacker haben sich aus Staubsaugerteilen eine eigene Rohrpost gebaut.” Saal betreten, Hacker sein. Wahlweise: Künstler. So läuft das heutzutage.
Montag ist der Spuk vorbei. Die NSA wird immer noch da sein, SPIEGEL ONLINE aber schon beim nächsten großen event. Vielleicht irgendwas mit Klimaerwärmung oder so, direkt schneien tut’s ja momentan eher nicht. Die große Offenbarung wird auf dem 30C3 jedenfalls ausbleiben, vollkommen unabhängig davon, ob Julian Assange nun noch reden wird oder nicht.
