(Vorbemerkung: Die Musikgruppe Frei.Wild ist mir nur namentlich bekannt, ich finde die meisten gegenwärtigen Deutschrockgruppen untalentiert bis belanglos und habe daher bisher darauf verzichtet, mich abermals davon zu überzeugen.)
Derzeit wird außer Johannes Ponader, über den man auf SPIEGEL ONLINE, dem renommierten Desinformationsmagazin zur Piratenpartei, dieser Tage wieder allerlei nicht Verlinkenswertes berichtet, auch eine andere Sau durchs Dorf getrieben, nämlich die Rockband “Frei.Wild”:
Die Rechtsrocker von Frei.Wild sind für einen Echo nominiert. Für Kraftklub ein Grund abzusagen. Auch Die Ärzte finden das “politisch fragwürdig”. (…) Die Ärzte lassen sich durch Frei.Wild den Echo nicht verderben.
Frei.Wild waren bereits vor einigen Wochen in die Schlagzeilen geraten, als das zumindest musikalisch beachtenswerte Musikmagazin “Visions” seine Förderung eines Festivals absagte:
Mit Frei.Wild hat das With Full Force eine Band bestätigt, die sich mit nationalistischen Tendenzen in der Mitte der Gesellschaft positioniert. VISIONS will das nicht unterstützen und zieht sich deshalb aus der Präsentation des Festivals zurück.
Als einer der Belege für nicht unterstützenswertes Verhalten seitens Frei.Wilds wird dort ein Liedtext angeführt:
Das Video zum Song „Halt die Schnauze“ von 2008 zeigt eine weitere Seite der Band, die wir in einem hohen Maße ablehnen. Dort heißt es: “Du hast mich provoziert/ Nichts als Hass geschürt/ Und mich nichts als schikaniert/ Jede Meinung ignoriert/ Es war dir scheißegal/ Ganz im Gegenteil/ Provokation total/ Und feurig fatal/ Ich sag’s dir ein allerletztes Mal/ Halt die Schnauze!” (…) Hau die um, die dich provozieren, und tritt rein, wenn sie am Boden liegen. Ab wann Gewalt zum probaten Mittel wird, ist dabei nur noch abhängig von der Länge der Zündschnur des Provozierten.
Die von SPIEGEL ONLINE als positives Beispiel genannten Ärzte — im Hause “Visions” vielfach geschätzt — veröffentlichten 1995 das Album “Planet Punk”, deren “Schunder-Song” aufgrund des großen Erfolgs mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. In diesem Lied heißt es:
Jetzt liegst Du vor mir und wir sind ganz allein,
und ich schlage weiter auf Dich ein.
Das tut gut. Das mußte einfach mal sein.
Immer mitten in die Fresse rein!
Gleicher Inhalt, anderer Kontext (bzw. eben jeweils gar keiner). Gewalt ist ein probates Mittel, wenn’s Die Ärzte besingen; oder wenn der Ironiedetektor der “Visions” halt gerade mal nicht defekt ist.
“Halt die Fresse! Red’ kein’ Stuss, wenn du nicht musst! Mein Gott, wen juckt’s? Hey, Schnauze!”
– Die Fantastischen Vier: Schnauze


Bei den Ärzten gab es aber auch nie eine Nähe zu nationalistischen Parteien geschweige denn Überzeugungen.
Frei.Wild haben mehrfach betont, ebenfalls keine überzeugten Nationalisten zu sein. Wenn man aber unbedingt was finden will, findet man auch was. Auch Die Ärzte haben sich nie von “Eva Braun” distanziert, es lediglich irgendwann nicht mehr gespielt. Nun ja.