Persönliches
Gedanken am Grab Albrecht Dürers (unvollständig)

Woher nahm Dür­er das Geld, sich hier in all der Pracht bestat­ten zu lassen?

Ist es erstrebenswert, nach seinem Tod in ein­er prunk­voll verzierten und beschrifteten Gruft dem Pil­ger­tum eine Stätte zu bieten?

Wer war der Herr im nur mit “Adolf” beschrifteten Grab?

Möchte ich im Alter meine Son­ntags damit ver­brin­gen, das Grab Tot­er zu pfle­gen?

Woher stammt der Totenkult, was hält ihn am Leben?

Ist das Fam­i­lien­grab eines Pfar­rers nicht ein selt­sames Relikt?

Würde ich wollen, dass man auf mein­er Leiche, gekreuzigt oder nicht, ein Kreuz zwecks später­er Iden­ti­fika­tion und, in Kon­se­quenz, etwaiger Verehrung oder einen Baum pflanzt?

Was ist nach dem Tod noch wichtig?

In den NachrichtenComputer
Facebook verkauft euch künftig auch nackt.

Nehmen Sie sich das Leben!Was hat der Welt, abge­se­hen von einem zün­fti­gen Atom­krieg, denn noch gefehlt? Richtig:

Face­book will die Sex­ting-App Snapchat für 3 Mil­liar­den US-Dol­lar kaufen. (…) Der Begriff Sex­ting ist ein Kof­fer­wort, das sich aus Sex und Tex­ting zusam­menset­zt und die pri­vate Ver­bre­itung ero­tis­ch­er Auf­nah­men des eigenes Kör­pers über MMS oder Instant Mes­sag­ing beschreibt.

Ich hat­te mich ja kurz gefragt, wieso eine app, die nur dem Zweck der Ver­bre­itung nack­ter Leiber dient, Face­book 3 Mil­liar­den US-Dol­lar wert sein sollte. Dann fiel es mir ein: Nack­te self­ies scheinen kein Nis­chen­phänomen zu sein, son­dern sind längst zum Hob­by avanciert. Wäre ich jet­zt noch ein wenig zynis­ch­er, würde ich behaupten, dass es nur wenig beste Fre­undin­nen gibt, die sich einan­der nicht ständig ihre Brüste präsen­tieren (irgen­deinen Grund muss es ja haben, dass sie bis weit in ihre Dreißiger hinein die Toi­lette miteinan­der teilen), aber das wäre ver­mut­lich unfair. Es gibt ja auch Jungs, die sich selb­st für so anziehend hal­ten, dass sie mit meist vor dem Badez­im­mer­spiegel im Eltern­haus fotografierten Fast­nack­t­bildern um Inter­essentin­nen wer­ben. — Unsere­ins hat so etwas ja nicht nötig.

Aber was hätte Face­book davon? Ein­nah­men erzielt dieses “Snapchat” nach meinem Ken­nt­nis­stand mit­nicht­en. Die ein­fach­ste Erk­lärung: Face­book, das schon jet­zt Benutzer­pro­file für Werbe­ma­te­r­i­al hält, kann dann auf einen noch reich­haltigeren Benutzer­daten­fun­dus zurück­greifen. Das Ange­bot kön­nte deut­lich attrak­tiv­er gemacht wer­den, indem direkt in der Snapchat-App eine Funk­tion “Teile dieses Foto auf dein­er Pin­nwand” ver­füg­bar ist. So ler­nen die Jugendlichen dann auch, dass es keine gute Idee ist, mit den eige­nen Eltern auf Face­book befre­un­det zu sein. Außer­dem hätte sich für Face­book dann die müßige Diskus­sion über Pri­vat­sphärene­in­stel­lun­gen endlich erledigt.

Der Kauf tät’ mich wohl schon amüsieren.

(via Nachtwächter)

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Frauentränen

Die hiesige Tageszeitung berichtet schon heute über aller­lei Aktio­nen zum “Inter­na­tionalen Tag für Frauen­rechte” (offiziell: “Inter­na­tionaler Tag zur Besei­t­i­gung von Gewalt gegen Frauen”) am 25. Novem­ber 2013. Als eye­catch­er im Artikel dient ein Bild von ein­er weinen­den Frau, wohl (ich habe das nur über­flo­gen) aus einem The­ater­stück.

Frauen­trä­nen näm­lich seien etwas, was es zu ver­mei­den gelte. Wir nor­malen Men­schen wür­den sagen, das habe den Grund, dass es sowieso immer und grund­sät­zlich verkehrt sei, anderen Men­schen psy­chis­ches Leid zuzufü­gen, aber wie bekan­nt sein dürfte, ist nicht jed­er Men­sch ein nor­maler solch­er, und so gibt es ganz offen­bar auch Trä­nen, über die man lachen kann. Beson­ders leicht zu belusti­gen ist offen­bar Jas­na “Faser­pi­ratin” Strick (das war die hier), die angesichts von Trä­nen nicht etwa Mitleid, son­dern Hochmut empfind­et:

Män­nerträ­nen sind mein Gum­mibären­saft.

Ein jed­er schöpfe Kraft aus seinem eig’nen Saft.

Die Pointe? Zu lachen gibt es eher nichts. Aber da es um Rechte geht: Das Recht, mich über das jew­eilige Leid von Ange­höri­gen des anderen Geschlechts lustig zu machen, weil sie nicht meinem selb­stre­dend vor jeglich­er psy­chis­chen Pein (“Gewalt”) zu beschützen­den Geschlecht ange­hören, und dafür nicht etwa Buhrufe, son­dern man­nig­falti­gen Applaus zu ern­ten, hätte ich auch gern mal.

Es ist ja nicht alles schlecht im Fem­i­nis­mus. Das ist ein biss­chen wie mit der Reli­gion: Ohne die gläu­bi­gen Katho­liken wäre die katholis­che Kirche echt eine pri­ma Idee.


Ein Fund­stück zum The­ma: In Ham­burg sollen Män­ner bevorzugt auf eine Pro­fes­sur berufen wer­den, wenn ihr Geschlecht an ein­er Fakultät unter­repräsen­tiert ist.

Die Lan­deskon­ferenz der Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragten (LaKoG) ist strikt dage­gen. (…) Da es eine nachgewiesene Benachteili­gung von Frauen, nicht aber von Män­nern gebe, hält die LaKoG es für fraglich, ob deren Förderung mit dem Grundge­setz vere­in­bar ist.

Ken­nt ihr das, wenn euch zu etwas, was ihr lest oder hört, nur noch drei Punk­te (“…”) ein­fall­en?

Dies ist so ein Moment.

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Das “D” in “DSL” steht für Deutschland.

Oh, Twit­ter regt sich ger­ade auf. Der Anlass? Aus­nahm­sweise mal was mit Com­put­ern:

Die Deutsche Telekom will auf ver­schiedene Weise die Sicher­heit im Netz erhöhen. Neben einem speziellen Ange­bot für Unternehmen ist auch ein innerdeutsch­er Inter­netverkehr in Vor­bere­itung.

…, was nach der NSA-Sache natür­lich ein an sich ver­ständlich­er Schritt ist. Nun gibt es offen­bar Leute, denen es gar nicht undeutsch genug sein kann, und auch Mario Six­tus zieht die Nachricht auf eine selt­same Ebene:

Nicht das Inter­net ist (sic!) muss man repari­eren, son­dern das Konzept Nation­al­staat.

Hüb­sch, aber The­ma ver­fehlt. Dass Mario Six­tus auf einen kon­struk­tiv­en Vorschlag, was der Nation­al­staat kün­ftig bess­er machen sollte, verzichtet, ist selb­stre­dend seine eigene Entschei­dung; wer “gegen” etwas ist, muss ja nicht automa­tisch “für” irgen­det­was anderes sein. “x ist scheiße!” ist eben eine grif­fige Parole, die man auch betrunk­en grölen kann (deswe­gen sind die Parolen “Nazis raus!” und “Atom­kraft nein danke!” ver­mut­lich auch so beliebt; “raus aus wo und rein wohin?” intonierte einst Schorsch Kamerun von den Gold­e­nen Zitro­nen), denn wer dann noch nach der Lösung y fragt, der ist kein Diskus­sion­spart­ner mehr, son­dern poli­tis­ch­er Geg­n­er. “Nation­al” ist anscheinend auch so ein Wort, das die dun­klen Seit­en men­schlich­er Ide­ale zum Vorschein bringt.

Das Konzept Nation­al­staat hat mit dem Inter­net allerd­ings erst mal nicht viel zu tun. Was die Telekom hier wohl meint, ist ein Rout­ing über Serv­er, die in den Gren­zen deutsch­er Juris­dik­tion ste­hen:

Die tech­nis­chen Vor­bere­itun­gen seien weniger aufwendig als zunächst gedacht. Somit kön­nte der innerdeutsche Inter­netverkehr kün­ftig auch allein über rein deutsche Leitun­gen abgewick­elt wer­den.

Was klingt wie die bekan­nte Szene aus dem Aster­ix-Band “Das Geschenk Cäsars” (ich habe nichts gegen Dat­en, einige mein­er besten Fre­unde sind Dat­en; aber diese Dat­en da, die sind nicht von hier!), ist zumin­d­est nett gemeint. Die Idee dahin­ter: Dat­en, die über unsere eige­nen Serv­er laufen, kön­nen aus­ländis­che Dien­ste weniger leicht mitschnei­den als Dat­en, die wir ihnen qua­si auf dem Präsen­tierteller vor­legen. Bun­de­spudel Friedrich hat auch schon eine tolle Ergänzung vorgeschla­gen:

Im Laufe der Koali­tionsver­hand­lun­gen hat­te der amtierende Bun­desin­nen­min­is­ter Hans-Peter Friedrich (CSU) bere­its einen regionalen E‑Mail-Verkehr ins Spiel gebracht, der geset­zlich vorgeschrieben wer­den sollte.

Regionaler Mail­verkehr ließe sich ja zum Beispiel schon umset­zen, indem man sich ein­fach einen Mailserv­er auf ’nem im Inland gemieteten Sys­tem ein­richtet, aber ich befürchte, Hans-Peter Friedrich ste­ht der Sinn vielmehr nach der chro­nisch defek­ten “E‑Mail Made in Ger­many” — natür­lich mit aus­ländis­chem Mot­to — oder wie auch immer man das hin­ter­her nen­nen möchte.

Das geplante Sys­tem solle, so heißt es, Teil eines Gesamtkonzepts wer­den, dessen Zweck es sei, NSA, GCHQ und so weit­er auszus­per­ren:

Um Hin­tertüren auszuschließen, stam­men dem­nach sen­si­ble Kom­po­nen­ten vom Inter­netrouter bis zum Cloud Com­put­ing von deutschen Anbi­etern, die nicht mit aus­ländis­chen Geheim­di­en­sten kooperieren.

Von deutschen Geheim­di­en­sten und Behör­den fällt kein Wort, was wenig über­rascht, bedenkt man, dass Hans-Peter Friedrich noch vor weni­gen Jahren vornehm­lich als Ver­fechter des Ein­satzes von Schad­soft­ware seit­ens deutsch­er Krim­i­nal­beamter gegen deutsche Bürg­er die Titel­seit­en von Nachricht­en­magazi­nen aller Art geschmückt hat. Klar, dass man sich von so einem Typen — ich möchte nochmals das mit dem Aus­de­mamt­ja­gen vorschla­gen — seine Kom­mu­nika­tion stan­dar­d­isieren lassen möchte, oder?

Zurück zum The­ma: Die Telekom möchte also kün­ftig so wenige Dat­en wie möglich unnötiger­weise durch’s Aus­land trans­portieren. Das ist, wie schon erwäh­nt, grund­sät­zlich lobenswert, aber es wird am Benutzer scheit­ern. Deutsche Leitun­gen hin und/oder her: So lange Face­book, Google, Microsoft und Apple ihre clouds von Ameri­ka aus betreiben, opfert die vielz­i­tierte Oma Lieschen lieber ihre dig­i­tale Mündigkeit als sich mit so Com­put­erkram zu beschäfti­gen. Die quellof­fe­nen Lösun­gen wie Dias­po­ra*, own­Cloud und Round­cube Mail ste­hen für die Gen­er­a­tion “Haupt­sache schnell” in keinem prak­tik­ablen Kosten-Nutzen-Ver­hält­nis.

“Alle meine Fre­unde sind auf Face­book”, was man eben so “Fre­unde” nen­nt, und das deutsche Inter­net hat dafür auch keine Lösung. Wie kann man es bess­er machen? Nun, zum Beispiel, indem man nicht die Symp­tome, son­dern die Ursache an der Wurzel bekämpft: Auf diplo­ma­tis­che Beziehun­gen mit dem Schurken­staat USA kann Deutsch­land gut und gern verzicht­en. Wir haben keine bil­li­gen Rohstoffe, für die sich eine Bom­bardierung lohnen würde.

Aber wer kauft uns dann die Panz­er ab?

Wirtschaft
Endlich: Das Klimaproblem ist gelöst!

Im Zuge der so genan­nten “Energiewende” (wo doch schon die let­zte “Wende” uns immer noch teuer zu ste­hen kommt) wet­teifern deutsche Unternehmen momen­tan darum, das grün­ste aller Unternehmen zu sein, den Schad­stof­fausstoß also auf ein Min­i­mum reduziert zu haben. Vorn mit dabei sind natür­lich Per­so­n­en­trans­portkonz­erne wie die Deutsche Bahn und die MFB Mein­Fern­bus GmbH.

Dabei hat sich in let­zter Zeit die merk­würdi­ge Ansicht durchge­set­zt, dass sich ein Fahrgast von dem Schad­stof­fausstoß, den er als Teil der Pas­sagier­gruppe zu ver­ant­worten hat, qua­si freikaufen kann; nicht unähn­lich dem Han­del mit Ablass­briefen, qua­si der Annul­lierung von Sün­den mit­tels Geldes, wie es vor ein paar Jahrhun­derten üblich war. Das Ver­fahren nen­nt sich allerd­ings inzwis­chen, weit weniger religiös, Kli­makom­pen­sa­tion:

Der Trans­fer der Kom­pen­sa­tion­szahlung zum Kli­maschutz-Pro­jekt wird mit soge­nan­nten Zer­ti­fikat­en ges­teuert. (…) Wer Geld für ein Kli­maschutzpro­jekt gibt, erwirbt solche Zer­ti­fikate. Der Vorteil dieses Prinzips ist es, dass Emis­sio­nen dort einges­part wer­den, wo es wirtschaftlich am gün­stig­sten umset­zbar ist.

Kli­maschutz klingt immer spitze, Ahnung muss man sowieso nicht haben, bere­its die bloße Aus­sage “wir sind ein grünes Unternehmen” verur­sacht bei gläu­bi­gen Zuhör­ern feuchte Jute­höschen, und so wirbt zum Beispiel auch die MFB Mein­Fern­bus GmbH für diese “Zer­ti­fikate”:

Zusät­zlich kön­nen Sie als Fahrgast die durch Ihre Fahrt entste­hen­den CO2-Emis­sio­nen (sic!) mit einem indi­vidu­ell berech­neten Betrag kom­pen­sieren und so voll­ständig kli­ma­neu­tral sein.

Mit dem einge­gan­genen Betrag wird dann nicht etwa das Ozon­loch zuge­tack­ert, son­dern er wan­dert zur mycli­mate Deutsch­land gGmbH, die ihn dann in irgendwelche Umwelt­pro­jek­te in Entwick­lungs- und Schwellen­län­dern (vielle­icht Griechen­land) investiert, wodurch in Deutsch­land zwar immer noch die Bäume einge­hen, aber wenig­stens die Wüste wieder blühen kann. Finanziert wer­den, so prahlt man auf der Web­site, etwa Bio­gasan­la­gen in Indi­en.

Bio­gasan­la­gen, den Leser mag’s inter­essieren, sind men­schengemachte Maschi­nen, die Gemüse (oder Kuh­dung, siehe Nach­trag) in Energie umwan­deln und dabei nicht nur viele Voge­larten gefährden, son­dern die Kohlen­stoff­diox­id­bi­lanz oben­drein nicht unbe­d­ingt verbessern:

Wird Wei­de­land umgepflügt zum Mai­sack­er, dann enthält der Boden zunächst viel Humus. Der darin gespe­icherte Kohlen­stoff ver­wan­delt sich durch ver­stärk­ten Luftkon­takt in CO2. Je nach Boden­typ kön­nen diese Emis­sio­nen so hoch sein, dass man jahre­lang Bioen­ergiepflanzen darauf anbauen muss, um allein diesen Kli­ma­ef­fekt auszu­gle­ichen.

Aber ’s ist eben grün. Da fragt kein­er nach dem Wie und Warum und jed­er zahlt gern etwas mehr für ein reines Gewis­sen.

Wie damals bei den Ablass­briefen.

Ich bin Super­man und Bat­man und Spinne
und Hulk, aber schön­er, ha! und grün­er sowieso!
Ich bin grün und rot!
Die Ärzte: Ich bin reich


Nach­trag: Kai Landwehr von mycli­mate erk­lärt in den Kom­mentaren (hier unten drunter) den Unter­schied zwis­chen Mais- und Kuh­dung-Bio­gasan­la­gen. Inter­essen­ten mögen dies zur Ken­nt­nis nehmen.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Zündung!

Dieser “Live-Fan­block” von “SPIEGEL ONLINE”, der zu einem Fußballtick­er jew­eils aktuelle Tweets zum Spiel anzeigt, hat ja schon seine inter­es­san­ten Momente.

Zündung!

One, two, three, fire! (Hey, hey, hey!)
Scoot­er: Fire

In den Nachrichten
Schuld und Söhne

Nehmen wir mal an, ihr wärt aus irgendwelchen widri­gen Umstän­den her­aus für Recht und Ord­nung in Halle und Umge­bung zuständig und fol­gen­der Fall würde euch zuge­tra­gen: Eine Mut­ter miss­braucht ihren dreizehn­jähri­gen Sohn sex­uell und zeich­net diesen Vor­gang auf, weil sie von ein­er Inter­net­bekan­ntschaft (männlich) darum gebeten wurde.

Wie würdet ihr entschei­den?

Richtig: Gefäng­nis für den Mann, Bewährung für die Mut­ter. Recht muss eben Recht bleiben.

Der Sohn braucht seine Mut­ter wahrschein­lich noch.

PersönlichesPiratenpartei
Die Drei von der Süddeutschen und ich (Teil 1)

(Vorbe­merkung: Die Geschichte mit der Süd­deutschen Zeitung scheint doch noch nicht vorüber zu sein. Ich pro­tokol­liere das hier mal. Wenn ihr die Erst­fas­sung dieses Textes schon auf Twit­ter oder Dias­po­ra oder im IRC gele­sen habt: Es geht noch weit­er. Und ja, ich bin auch im “real life” so ein komis­ch­er Kauz wie hier.)


Dien­stag

“Poli­tik­lehre kosten­los? :D”

Ich ging heute durch Braun­schweig (also durch den dor­ti­gen Bahn­hof). Dort traf ich, nicht sehr über­rascht, auf die üblichen drei Süd­deutsche-Zeitung-Verkauf­sstu­den­ten (ein Dunkel­häutiger unbekan­nter Abstam­mung, eine Quoten­frau und ein Typ ohne beson­ders her­vorstechende Eigen­schaften). Sie macht­en dies­mal den Fehler, mich anzus­prechen. “Süd­deutsche kosten­los? :D”. Men­schen, die Grins-Emoti­cons qua­si mit­sprechen, sind mir ja grund­sät­zlich sus­pekt.

Ich sah auf die Uhr, ich hat­te noch etwas Zeit, und sprach: “Wie viele Argu­mente dage­gen braucht ihr?”. Der Typ ent­geg­nete sieges­sich­er: “Ich wider­lege alle :D”. Ich antwortete schlicht: “Leis­tungss­chutzrecht?”.

Die drei blick­ten mich fra­gend an. Offen­bar waren sie nicht damit ver­traut, dass so ein Zeitungsver­lag auch noch etwas anderes macht als die Zeit von Stu­den­ten zu ver­schwen­den.

Es ergab sich ein Gespräch, in dem ich erk­lärte, dass mich das The­ma vor allem als “Blog­ger” inter­essiert, was, Piraten­partei — der Ansteck­er fiel jeden­falls der Frau auf — hin oder her, ja nicht ein­mal gel­o­gen war. “Aber die Geset­ze sind halt so” war der einzige zaghafte Ver­such der drei, mich davon zu überzeu­gen, mir doch trotz­dem die Süd­deutsche Zeitung zu kaufen. Wenn die Welt schon scheiße ist, dann wenig­stens noch ’ne schlechte Zeitung dazu, um das auch so richtig genießen zu kön­nen.

Keine fünf Minuten später war es drei Süd­deutsche-Zeitung-Verkauf­sstu­den­ten sichtlich unan­genehm, wofür sie da ger­ade Wer­bung macht­en.

Wenn ihr solchen Vertretern begeg­net, würdigt sie nicht keines Blick­es, son­dern redet mit ihnen. Die Welt wird keine bessere dadurch, dass die Wis­senden unter sich bleiben. Jeden Tag eine gute Tat.


Mittwoch

“Come for the lulz, stay for the pirates.”

Mich erwarteten heute im Bahn­hof zwei der drei “Süd­deutschen”. Ich war wohl doch weniger überzeu­gend als erhofft. Immer­hin war der Typ mit dem gesproch­enen Grin­sen dies­mal nicht dabei. Während sich der Dunkel­häutige poten­zieller Kund­schaft wid­mete, bat mich die Frau mit schwäbis­chem Dialekt, ihr meinen gestri­gen Vor­trag noch ein­mal zu hal­ten — sie habe nicht zuge­hört. Darauf war ich nicht vor­bere­it­et. Von meinem anschließend impro­visierten Refer­at schien sie den­noch beein­druckt, aber das heißt ja nichts, wie ich seit heute weiß.

Ich nutzte die Gele­gen­heit, um mich aus­führlich darüber zu wun­dern, wieso man als Men­sch Mitte 20 denn aus dem Süden nach aus­gerech­net Braun­schweig geschickt werde, um eine Zeitung in einem Bahn­hof zu bewer­ben. Na ja, es bringe eben Geld, aber sie werde, wenn ihr Engage­ment für die Süd­deutsche Zeitung vorüber sei, nie wieder pro­mo­tion für eine Zeitung machen. Über die Ursachen blieb ich im Unklaren; vielle­icht ver­bi­etet es ihr der Arbeitsver­trag, sie zu äußern.

Mit­tler­weile waren viele Leute in weit­em Bogen beschle­u­nigten Schrittes um den Stand herumge­gan­gen, wie es Men­schen eben so machen, die nicht unhöflich wirken wollen. Das müsste ich eigentlich auch mal aus­pro­bieren: Wenn ich in ein­er belebten Innen­stadt gern meine Ruhe hätte, ein­fach “entschuldigen Sie…” rufen. Ich berichte bei Erfolg.

Aber zurück zu der Frau von der “Süd­deutschen”, die sich inzwis­chen lau­thals kich­ernd hin­ter ihrem Stand krümmte (ich hoffe inständig, dass das an meinem Charme und nicht an mein­er lusti­gen Nase lag): Da man sich, so ihre Argu­men­ta­tion, ja nun schon kenne, halte sie es für ange­bracht, unsere Namen einan­der preiszugeben, und wollte, mit Blick auf das Piraten­em­blem auf mein­er Jacke, wis­sen, ob ich denn “bei den Pirat­en so richtig aktiv” sei. Nee, log ich, sei ich nicht, auf Parteitage gin­ge ich den­noch des Öfteren, aber das könne auch an meinem Humor liegen. Ob sie denn mal mitkom­men könne, also mit mir, wollte sie wis­sen. Ich­so: “Ein Pirat in weib­lich­er Begleitung? Und dann auch noch ein­er einzi­gen und nicht min­destens drei von ihnen?” Wieder kringelte sie sich vor Lachen. Sie schien mit den Gepflo­gen­heit­en in der Piraten­partei nicht ver­traut zu sein. Sie musste noch viel ler­nen.

Den Spieß jeden­falls kon­nte ich umdrehen: Statt mir irgen­deine Ver­schwen­dung von Druck­er­farbe aufzuhalsen, bat sie mich nun darum, ihr Pirat­en-mer­chan­dis­ing zukom­men zu lassen (“oh, krieg ich auch so einen Ansteck­er?”). Zum Glück gehe ich nur sel­ten ohne solch­es aus dem Haus. Also: Mei­det diese Men­schen nicht, son­dern nutzt die Gele­gen­heit, um sie mit ihren eige­nen Waf­fen zu schla­gen. Ihr kön­nt eigentlich nur gewin­nen.

Bevor ich ging, fragte ich, wie oft diese Gruppe denn noch in Braun­schweig zu find­en sei. Min­destens bis Dien­stag, so wurde mir gesagt, wür­den sie noch an gewohn­ter Stelle um Kun­den wer­ben. Unser näch­stes Aufeinan­dertr­e­f­fen wird also voraus­sichtlich am Fre­itag stat­tfind­en. Ich sollte dann wom­öglich mehr Infor­ma­tion­s­ma­te­r­i­al der Piraten­partei mit­nehmen. Je mehr Zeit die armen See­len damit ver­brin­gen, sich um Innen­poli­tik zu scheren, desto weniger Men­schen drehen sie eine LSR-Zeitung an.

Das wird ein Spaß.


Nach­trag, Fre­itag: Es ist nichts passiert.

PolitikIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Die Gaschke, die Mina und das Patriarchat.

Susanne Gaschkes (SPD) Ver­such, sich — ihr habt es sich­er mit­bekom­men — auf­grund ihres Qua­si­rauswurfs als Kiel­er Ober­bürg­er­meis­terin als Opfer ein­er patri­archis­chen Struk­tur zu gebär­den, war nur mäßig erfol­gre­ich.

Schon bess­er hat es Yas­mi­na Banaszczuk (Eigen­beze­ich­nung: “Frau für Din­gens und Gedöns”) gemacht, deren Aus­tritt aus (wiederum) der SPD auf Twit­ter nicht etwa hämisch bejubelt, son­dern als kon­se­quenter Schritt gelobt wurde. Vielle­icht ist sie ein­fach niedlich­er als Susanne Gaschke. Dabei sieht auch sie sich als Opfer des Patri­ar­chats:

Dieses Sys­tem von Parteivor­sitzen­den, die sich von jun­gen Frauen so bedro­ht fühlen, dass sie ihnen ein­fach pauschal unter­stellen, dass sie keine Ahnung von poli­tis­chen Prozessen im All­ge­meinen hät­ten (und so weit­er und so fort, A.d.V.).

’s ist ja auch frech, wenn die SPD ihr nicht ein­fach irgendwelche Beauf­tra­gun­gen und son­stige Annehm­lichkeit­en schenkt (Her­vorhe­bung von mir):

Ich würde gerne irgend­wann in die Partei zurück kom­men, wenn es denn Hoff­nung auf wahren Ein­fluss gäbe und darauf, dass sich irgen­det­was ändern würde.

Das liegt sich­er nur an den Männern!!1

Heute in Ihrer TL: junge gut ver­net­zte Män­ner geben Tipps, wie man in der SPD erfol­gre­ich wird

Immer diese Frauen­quoten­parteien mit ihrem Sex­is­mus! (Sich­er nicht zufäl­lig äußert sich Frau Banaszczuk in ihrem Jam­mer­text nur am Rande zu Den­nis Morhardt, der, wie sie immer­hin selb­st zugibt, auch nicht wesentlich weniger Arbeit und Leben­szeit in die Partei gesteckt hat als sie. Der ist näm­lich auch kein hohes Tier in der SPD gewor­den, obwohl er gar keine Frau ist.)

Julia Seel­iger (Grüne, oh the irony) fasst tre­f­fend zusam­men:

Fühlt sich Sig­mar Gabriel tat­säch­lich bedro­ht von jun­gen Frauen aus dem Inter­net? Wohl kaum. Und damit hat er recht. Ist ziem­lich arschlochhaft, hier die Geschlechterkarte zu ziehen, wo doch gar keine notwendig ist. Aber klar: Yas­mi­na kön­nte mit diesem pop­ulis­tis­chen Gepö­bel gut Juso-Vor­sitzende wer­den.

Yas­mi­na Banaszczuk schloss ihren Artikel mit einem Ver­sprechen:

Wenn eine andere Partei eine ern­sthafte Option wäre, wäre ich dort schon längst.

Da haben wir Pirat­en noch mal Glück gehabt.

NetzfundstückeMontagsmusik
Tracer — Too Much

Am kom­menden Sonnabend, dem 9. Novem­ber 2013, ist die Reich­skristall­nacht genau 75 Jahre her. Wer an dem Tag jeden­falls abends noch nichts vor hat, den lädt der Sauna-Well­ness­park namens “Kristall” zu einem entspan­nten Erleb­nis ein, näm­lich Roman­tik zu Feuer­schein:

Kristall-Nacht

Ich nehme ja an, dort wird es weniger heiß herge­hen als prophezeit. (Nach­trag von 12:53 Uhr: Sie haben es bemerkt. Schade.)

Viel heißer: Rock. Zum Beispiel von Trac­er.

Trac­er — Too Much music video

Guten Mor­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Überraschung: Geheimdienste operierten im Geheimen!

Die Bun­desregierung löst dann mal das Spi­onageprob­lem:

Die Bun­desregierung will von der US-Regierung eine Zusicherung, dass amerikanis­che Geheim­di­en­ste kün­ftig nicht mehr ohne Erlaub­nis auf deutschem Boden tech­nis­che Aufk­lärung betreiben.

(Her­vorhe­bung von mir; E‑Mails von deutschen Bürg­ern dür­fen also kün­ftig nur noch im Aus­land abge­fan­gen wer­den. Gut gemacht!)

Was man für diese Erlaub­nis tun muss, ist nicht bekan­nt; wahrschein­lich wird es genü­gen, vor Ter­ror zu war­nen. “Hal­lo, wir sind von der NSA, und die Ter­ror­is­ten wollen…”, und wenn sie’s halt not­falls sel­ber sind. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht. Bei Zuwider­hand­lung ist Frau Merkel jedoch sicher­lich empört.

Nach ein­er solchen Zusicherung dürfte die NSA in Deutsch­land nicht mehr mit mod­ern­er Lauschtech­nik abhören.

Muss ja auch nicht — die alte Lauschtech­nik funk­tion­iert ja auch immer noch. Immer­hin wird auf die wirk­lich wichti­gen Aspek­te aus­drück­lich Rück­sicht genom­men:

Teil des bilat­eralen Abkom­mens soll auch eine gegen­seit­ige Zusicherung sein, nicht den jew­eili­gen Regierungschef zu überwachen.

Die schwammige “Zusicherung” ist natür­lich auch putzig aus­ge­drückt. Und: Den Rest der Leute halt schon.

Aber wahrschein­lich mache ich mir zu viele Gedanken. Wenn es aus­ländis­chen Spi­o­nen aus­drück­lich ver­boten ist, in anderen Län­dern zu spi­onieren, dann liegt es nahe, diese “Scheiße” (Ronald Pofal­la, ander­er Zusam­men­hang) ein für alle­mal für been­det zu erk­lären. So ein­fach ist das!

Eigentlich sollte die Bun­desregierung noch viel mehr schlimme Dinge ver­bi­eten, zum Beispiel Mord und Dieb­stahl. Dann hört das sicher­lich auch auf.

Netzfundstücke
Mpieptee

Wenig­stens haben bei all dem Wahnsinn in den Nachricht­en ein paar Leute noch den Überblick behal­ten und wis­sen, wo die wirk­lich wichti­gen Prob­leme liegen:

im tee­laden “cal­iban” frank­furter allee (fhain, berlin) hat­ten se ne teesorte “M*kopf”. ich hab d. ange­sprochen (erfol­g­los) noch wer bock?

Gemeint ist natür­lich “Mohrenkopf”, ein Wort, das man als aufrechter Link­er natür­lich nicht schreiben darf, auch nicht als Zitat, und wer es trotz­dem tut, der ist min­destens ein Ver­harm­los­er des Holo­causts oder was eben ger­ade so in ist im rotieren­den Belei­di­gungs­fun­dus der Sprach­weltverbesser­er. (Ich würde ja gern mal einen von ihnen zum Bäck­er begleit­en. “Hal­lo, ich hätte gern einen… äh… einen schö­nen Tag noch!”)

Mohrenkopf­tee, dies sei kurz erläutert, ist — hihi, haha, hoho — ein Schwarz­tee, der geschmack­lich wohl an die gle­ich­namige Süßspeise erin­nern soll. Dass der Tee so heißt, hat also eher mit dem Gebäck als mit dem dunkel­häuti­gen Zeitgenossen unklar­er aktuell zu bevorzu­gen­der Fremd­beze­ich­nung zu tun, besagtes Teegeschäft (“Cal­iban”) deshalb nun zu behel­li­gen halte ich für nicht zielführend. Erschießt den Boten! Dass der Name “Mohrenkopf” unge­fähr so viel mit Ras­sis­mus zu tun hat wie der Name “Schwarz­er” (i.e. Alice), kön­nte zwar eine bedenkenswerte Infor­ma­tion sein, aber der deutsche Michel empört sich eben gern.

Die Frage “Noch wer Bock?” ist insofern auch eine recht inter­es­sante. Wie läuft das empörte “Ansprechen” dann eigentlich ab — zahlre­iche smart­phonebe­wehrte Twit­ter­er scharen sich um das Geschäft und ver­lan­gen eine Umbe­nen­nung oder sor­ti­mentsweit­er Ent­fer­nung besagten Tees und wer­fen bei Zuwider­hand­lung und/oder Nicht­beach­tung Tomat­en und/oder Eier ans Ein­gangsportal? So ähn­lich läuft das doch bei Klam­ot­ten­lä­den ab, sofern mich entsprechende Berichte in den Medi­en nicht völ­lig fehlin­formierten. (Ich nehme an, ein Aufruf zum gle­ichzeit­i­gen Boykott von Ama­zon ist auch bere­its im Inter­net zu find­en.) “Nie wieder darf etwas Leck­eres einen poli­tisch nicht kor­rek­ten Namen tra­gen.”

Ein Mohrenkopf ist — in manchen Regio­nen vielle­icht anders beze­ich­net — ein Gebäck, das mehr oder weniger wie ein Kopf geformt und mit Pud­ding gefüllt ist. Ich über­lege ger­ade, woran mich das erin­nert.

PersönlichesPolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Operiert, verstimmt und pleite.

Zunächst die Wirtschaft­snachricht­en: Das Finanzmin­is­teri­um der USA (das waren die hier) hat endlich den Schuldigen am verko­rk­sten Weltwirtschaftssys­tem gefun­den — Deutsch­land.


Die Gazetten dieses Lan­des bericht­en heute zwar nur wenig über so über­flüs­si­gen Käse wie das Wirtschaftssys­tem (dem geht’s doch gut, sofern man zum Beispiel in der Schweiz wohnt), dafür aber zahlre­ich über Gina-Lisa Lohfink. Sel­bige ist — ich musste das jet­zt glück­licher­weise recher­chieren — erst als Teil­nehmerin der abscheulichen Serie “Germany’s Next Top­mod­el” (Platz 12), dann als Darstel­lerin in irgen­deinem ominösen Erwach­se­nen­film bekan­nt gewor­den; heute ist sie, wie es heißt, trotz­dem irgen­dein “Top­mod­el”, was wieder ein­mal belegt, dass man für diesen Beruf nicht son­der­lich gut ausse­hen muss.

Dabei ist sie, dies verkün­den die Nachricht­en, beschei­den geblieben:

(…) ich bin echt — bis auf meine Brüste, okay.

Und bis auf den über­wiegen­den Rest des Oberkör­pers, aber so genau müssen wir das ja jet­zt nicht nehmen. Jour­nal­is­mus in Deutsch­land (auch): Eigen­lob irgendwelch­er ehe­mals mit­telmäßig “Promi­nen­ter” unhin­ter­fragt in die Klatschspal­ten schmieren. Dass sie echt ist, ist anson­sten natür­lich erwäh­nenswert. Manch­mal möchte man es lieber nicht glauben.

Ich weiß nun (eben­falls glück­licher­weise) nicht, was für eine Stimme Frau Lohfink hat, aber es fällt mir nicht leicht, mir obiges Zitat in ein­er anderen Ton­lage als kurzat­migem Piepsen vorzustellen. Dazu stelle ich mir das Gefuch­tel vor, das die Mäd­chen heutzu­tage offen­bar von US-amerikanis­chen Pop­sternchen abgeschaut haben, und mein Bild von Gina-Lisa Lohfink ist per­fekt.

Warum kurzat­miges Piepsen? Nun, als jemand, der auch wegen der men­schlichen Katas­tro­phen, die dort stat­tfind­en, mit öffentlichen Verkehrsmit­teln fährt, habe ich in let­zter Zeit häu­figer bemerkt, dass junge Mäd­chen, die beisam­men sitzen und pausen­los plap­pernd über ihre Fre­undin­nen lästern, zwecks Imi­ta­tion der­sel­ben ihre Stimme mehrere Oktaven höher schrauben, sofern ihnen das möglich ist. Die Absur­dität der Sit­u­a­tion, dass Mäd­chen mit Piepsstimme eine noch piep­sigere Stimme annehmen, um Zitate unlieb­samer Zeitgenossin­nen zu kennze­ich­nen (und lieb­same Zeitgenossin­nen scheint man im Alter von 14, vielle­icht 15 Jahren nur zu ken­nen, wenn sie ger­ade in Hör­weite sind), soll­tet ihr euch jet­zt ein­fach mal vorstellen.

Mit dem Kon­junk­tiv wäre Bus­fahren viel angenehmer.

(Eigentlich hat­te ich für das Gepiepse einen viel aus­führlicheren Artikel im Sinn, aber da ich vergessen habe, den aufzuschreiben, bleibt es nun bei diesem kurzen Aufreger. So.)


Noch etwas Poli­tik mit Lese­be­fehl zum Abschluss: Nico Lum­ma, wohl das beina­he einzige SPD-Mit­glied, das lei­dlich gut mit dem Inter­net umge­hen kann, sülzte heute sel­biges Inter­net damit voll, dass wir die Dig­i­tal­isierung ver­schlafen hät­ten. Nico Lum­ma von der Vor­rats­daten­spe­icherungs-SPD.

Der Nachtwächter hat dazu mal was gesagt.

Nerdkrams
LaTeX und pandoc: Es muss ja nicht immer Office sein.

Ein­er der Nachteile von Textver­ar­beitungssoft­ware ist, dass man sich als Autor stets genötigt sieht, sich außer dem reinen Text auch auf dessen Darstel­lung zu konzen­tri­eren. Während ein Absatz geschrieben wird, wer­den automa­tisch Absatz- und For­matierungs­marken einge­fügt. Wenn später ein anderes lay­out ange­wandt wer­den soll, ist das oft eine fürchter­liche Klick­erei; selb­st das Anle­gen von Absatz- und Doku­mentvor­la­gen befre­it nicht von der Ablenkung durch die bere­its vorhan­dene Darstel­lung. WYSIWYG ist zwar schön bunt, aber oft auch entset­zlich nervig.

Wenn man seine Autoren­tätigkeit ins web ver­legt, kommt man vom Regen in die Traufe: Auch HTML, dem WYSIWYM-Konzept zumin­d­est nicht völ­lig ent­ge­genge­set­zt, ist anfäl­lig für Ablenkung durch For­matierung. Ein­fach einen Text, der aus mehr als einem Absatz im Fließ­text beste­ht, ins Netz zu stellen set­zt, wenn man sich nicht auf die weni­gen Möglichkeit­en von sozialen Net­zw­erken beschränken möchte, eben­falls bere­its beim Schreiben einige For­matierungsar­beit voraus, die mit steigen­der Textlänge wom­öglich auch immer wieder Änderun­gen benötigt. Eine einiger­maßen flex­i­ble For­matierung geht nur per CSS — wiederum etwas, das bere­its beim Schreiben auf­grund der manuellen Zuweisung von class-Attribut­en wom­öglich mehr Zeit ver­schlingt als das Erstellen des eigentlichen Inhalts. (So ein Besuch­er guckt sich Web­seit­en ja nor­maler­weise nicht nur deshalb an, weil sie so schön bunt sind.) Zumin­d­est hier­für hat sich mit Mark­down und Mul­ti­Mark­down eine Lösung etabliert, die HTML-For­matierungscodes durch Inter­punk­tion erset­zt und in ver­schiede­nen Dialek­ten zum Beispiel auf Stack Over­flow, in sozialen Net­zw­erken (Google+, Dias­po­ra) und neueren Blog­plat­tfor­men wie Ghost zum Ein­satz kommt.

Eine Tren­nung von For­mat und Inhalt wäre aber auch im Druck wün­schenswert: Ich als Autor möchte mich darauf konzen­tri­eren kön­nen, einen Text dig­i­tal zu erfassen, und mir erst danach, wenn ich einen Gesamt­blick auf diesen Text habe, Gedanken über seine Darstel­lung machen müssen. Kommt zwis­chen zwei Kapi­tel meines Buch­es jet­zt jew­eils ein Seit­en- oder nur ein Zeilenum­bruch? Sollen Kapitelüber­schriften zen­tri­ert und kur­siv oder links­bündig und fett dargestellt wer­den? Das ist alles erst dann rel­e­vant, wenn das Buch, die Abschlus­sar­beit oder zum Beispiel das Bewer­bungss­chreiben fer­tig ist.

Natür­lich gibt es da eine Lösung: LaTeX. LaTeX ist im Wesentlichen eine Samm­lung von Makros und Vor­la­gen für das Textsatzsys­tem TeX, das in diesem Seg­ment den Qua­si­stan­dard darstellt. (Ich bitte diesen Aus­druck zu entschuldigen, ich ver­bringe offen­bar zu viel Zeit mit den Ergüssen von Schlip­strägern.) Dabei funk­tion­iert es nach dem WYSIWYM-Prinzip: Will ich ein neues Kapi­tel begin­nen, dann schreibe ich das genau so auf.

\chapter{Das erste Kapitel}
 
Alles, was hier steht, gehört zum ersten Kapitel.

Wie ich diesen Text hin­ter­her for­matiere, kön­nte ich zu diesem Zeit­punkt bere­its per Vor­lage und/oder For­matierungs­makros entschei­den, ich muss es aber nicht. Das ist natür­lich nun nur ein kurz­er Auss­chnitt aus einem LaTeX-Doku­ment; ein voll­ständi­ges Beispiel ist auf Wik­i­books zu find­en.

Dass LaTeX vor allem für wis­senschaftliche Pub­lika­tio­nen konzip­iert wurde, bedeutet im Übri­gen nicht, dass man sich auf diese Art des Druck­erzeug­niss­es beschränken muss. Ein­er der typ­is­chen Ein­satzz­wecke von Textver­ar­beitung­spro­gram­men — das Schreiben von Briefen — ist natür­lich auch mit LaTeX umset­zbar; Vor­la­gen inklu­sive. Mit dem KOMA-Script, das heutzu­tage fes­ter Bestandteil von LaTeX-Dis­tri­b­u­tio­nen ist, muss man sich auch über Beson­der­heit­en deutsch­er Brief­s­tan­dards keine Gedanken machen, die enthal­te­nen Vor­la­gen erledi­gen die meiste Arbeit qua­si von selb­st. (Dass auch eigene Vor­la­gen möglich sind, bedarf wahrschein­lich kein­er weit­eren Erwäh­nung. Hop­pla, zu spät!)

Um aus LaTeX-Code ein fer­tiges Doku­ment zu gener­ieren, wer­den zunächst ein­mal ein Texte­d­i­tor und LaTeX selb­st benötigt. Zu Ersterem komme ich weit­er unten noch, für Let­zteres empfehle ich das erfreulich unauf­dringliche TeX Live. Instal­lieren, läuft.

Um aus einem solchen LaTeX-Doku­ment im “Rein­text” jet­zt zum Beispiel unter Win­dows eine PDF-Datei zu erzeu­gen, empfehle ich eine Batch­datei fol­gen­den Inhalts zu erstellen (damit man sich nicht ständig wieder­holen muss):

@echo off
latex eingabedatei.tex
latex eingabedatei.tex
pdflatex eingabedatei.tex

Die ersten bei­den latex-Aufrufe “parsen” die LaTeX-Datei und leg­en zum Beispiel ein Inhaltsverze­ich­nis an. (Falls keines benötigt wird, genügt nor­maler­weise ein einziger Aufruf von latex, aber ein zweit­er ist ja dann auch zu ver­schmerzen.) pdfla­tex baut dann aus den gener­ierten Dat­en eine PDF-Datei zusam­men. The­o­retisch funk­tion­iert das auch ohne vorheri­gen Aufruf von latex, aber die “Hil­fs­dateien”, die dadurch entste­hen, erle­ichtern so manch­es (zum Beispiel, wenn man AUC­TeX benutzen möchte).

AUC­TeX? Ach so, ja, das mit den Texte­d­i­toren. Ein LaTeX-Doku­ment lässt sich einiger­maßen kom­fort­a­bel in den meis­ten großen Texte­d­i­toren bear­beit­en, Syn­tax­her­vorhe­bung und manch­mal automa­tis­che Ver­voll­ständi­gung inklu­sive. Noch kom­fort­abler wird es, wenn man einen speziellen LaTeX-Edi­tor ein­set­zt. Für Emacs gibt es etwa das AUC­TeX- und für Vim das LaTeX-suite-Plu­g­in; wer mit bei­den Edi­toren nicht viel anfan­gen kann, dem sei TeX­works (in TeX Live enthal­ten) oder LyX emp­fohlen. Diesen Edi­toren ist eine Inte­gra­tion von LaTeX-Dis­tri­b­u­tio­nen gemein, PDF-Doku­mente lassen sich jew­eils sozusagen per Tas­ten­druck erzeu­gen. Obwohl für diesen Zweck Mark­down deut­lich bess­er geeignet ist, lässt sich LaTeX auch in Word­Press ein­set­zen — ein Plu­g­in, das die Ein­bindung von LaTeX-Code erlaubt, ist etwa WP-LaTeX.

Und wenn man dann ein LaTeX-Doku­ment erstellt hat, aber der­jenige, der es über­ar­beit­en will/soll, nur Microsoft Office benutzt? Pan­doc eilt zu Hil­fe:

pandoc -s eingabedatei.tex -o ausgabedatei.docx

Wie LaTeX (LPPL) ste­ht auch Pan­doc unter ein­er “freien” Lizenz (derzeit unter der GPL). Es ist nicht alles schlecht.

Fra­gen oder Anre­gun­gen sind willkom­men.