Ach ja: Montag!
Müde? Das macht nichts. Kaffee und das Caspar Brötzmann Massaker werden diesen Zustand alsbald korrigieren.
Guten Morgen!
Ach ja: Montag!
Müde? Das macht nichts. Kaffee und das Caspar Brötzmann Massaker werden diesen Zustand alsbald korrigieren.
Guten Morgen!
Letzte Woche fand in Bonn ein Parteitag der F.D.P. statt. Oberfreidemokrat Christian Lindner habe dort, so lässt’s die „FAZ“ verlauten, mitgeteilt, man könne „stolz sein“ auf „das Erreichte, auf die Schuldenbremse, die Euro-Rettungspolitik“. Gerade letztere hat bekanntlich wunderbar funktioniert. Konsequent hat man sich wie schon 2009 die Kanzlerin für Europa ausgesprochen:
Für seine Zukunft braucht Europa weder Skepsis, (sic! A.d.V.) noch Romantik. Europa braucht mehr Realismus und Bürgernähe, um Zukunft zu haben.
Europa brauche den Liberalismus die F.D.P. – und zwar für welche Position? Das hat Christian Lindner schon im November erklärt:
Die FDP als Partei von wirtschaftlicher Vernunft (…) wird aber gebraucht. (…) Es ist bedauerlich, dass wir unser marktwirtschaftliches Profil nicht schon im Wahlkampf an einem großen Thema geschärft haben.
Von Liberalismus ist schon gar nicht mehr die Rede. Mehr Europa, mehr Marktwirtschaft!
Wenn schon nicht in Deutschland, dann wenigstens in Europa, wo der Euro herkommt. Unheil richtet man eben am Besten an der Wurzel an.
Eine durchaus hörenswerte Mixtur aus Fuzzgitarren, Hallgesang und Elektrofrickeleien bieten Naam aus New York dem Hörer auf „The Ballad of the Starchild Vol. 1“, einem EP mit 5 Stücken drauf, erschienen bereits 2012. Auf Äußerlichkeiten geben die New Yorker nicht viel, „naam“ ist ein Lehnwort aus dem Sanskrit und bedeutet auf Thai etwa „Name“. Warum auch nicht?
Es sind die inneren Werte, die zählen, und an denen mangelt es wahrlich nicht. Ja, natürlich fischt man in bekannten Gewässern, das Coverbild (hier rechts im Bild) deutet’s schon an. Pink Floyd und Colour Haze. Hard Rock und Stoner Rock. Kleckern und klotzen. Is‘ schließlich New York, Mann. Hypnotisch, treibend. Ausnahme: „Sentry of Skies“, die kurze musikalische Ruhepause. Sehr willkommen, man wird ja auch nicht jünger.
Wenn Naam nicht den gleichen Fehler machen wie andere herausragende Musikgruppen und sich jetzt einfach auflösen, wird es hoffentlich auch eine „Ballad of the Starchild Vol. 2“ geben. Das fände ich sicher gut.
Gay sex is not a crime in Russia, so gay people can “feel calm, at ease, but leave children in peace, please,” Putin said at a meeting with Olympic volunteers in the mountain village of Krasnaya Polyana, the base outside Sochi for Olympic snow sports.
Im Gegensatz zu lästigen Demonstranten haben Schwule also anlässlich der kommenden Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi nichts zu befürchten, so lange sie nur die Kinder nicht sexuell behelligen. Dass exklusiv Schwule darauf hingewiesen werden, ist befremdlich; russische Homosexuelle scheinen entweder überdurchschnittlich häufig pädophil zu sein oder Präsident Putin – das ist die wahrscheinlichere Vermutung – kennt sich mit dem Unterschied zwischen Homosexualität und Pädophilie nicht aus.
Nein, nein, von kleinen Kindern hat man die Finger zu lassen, wenn man schwul ist.
Ansonsten halt nicht.

Bei Zuwiderhandlung droht Präsidentenamt nicht unter drei Jahren.
(via @AliCologne)
Übrigens: Das mit den Demonstrationen für Netzneutralität war ja bisher nur bedingt erfolgreich. The Joy of Tech zeigt, wie’s richtig geht.
Wegen der NSA sind die Leute erfreulich vorsichtig geworden, was ihre Privatsphäre im Netz betrifft; sie verschlüsseln ihre Mails häufiger, gehen mit Facebook und dergleichen etwas weniger naiv um und wissen um die Gefahren von Google, so fassen’s die Medien derzeit gelegentlich zusammen. Sie – die Leute – installieren dutzendweise „Tracking“- und JavaScript-Bekämpfungsmittel wie NoScript und Ghostery in ihren Browsern, was allgemein eine gute Idee ist (siehe auch hier, hier und hier).
Und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Sicherheitslösungen „gegen Überwachung“ angekündigt werden, sei’s software‑, sei’s hardwareseitig.
Seit gestern etwa wird allenthalben das „Blackphone“, ein mit dem ominösen Android-Fork „PrivatOS“ versehenes „sicheres Smartphone“, angepriesen:
Blackphone will nun mit dem gleichnamigen Smartphone einen Weg aus der Misere bieten. So soll die gesamte Kommunikation – also Telefonate, Chats und sonstige Nachrichten – verschlüsselt ablaufen.
Mit Phil Zimmermann hat man sich schon einen Kryptografieexperten ins Boot geholt, die Herstellerfirma selbst sitzt in der Schweiz. Das klingt nach einem interessanten Produkt, vielleicht ist also ein Blick auf die Website von Blackphone lohnenswert.
Das geht aber nur, wenn man JavaScript aktiviert:
Mein Vertrauen erweckt das nicht. Aber gut, vielleicht ist das nur ein Ausrutscher. Die meinen das mit dem Datenschutz nämlich ernst:
Our business is to make and sell privacy-oriented smartphones. We take this very seriously. (…) The emphasis on privacy and security is what we do best.
Und nicht zu vergessen:
Your privacy is dependent on the proper handling of your personal information. We will never sell this data or give access to unauthorized third parties.
Vollmundige Versprechen also: „Ihre Daten gehören Ihnen allein! Kein Dritter soll sie haben!“
Schauen wir mal in den Quellcode der Website:
Gut, jQuery wird also schon mal nicht von Google eingebunden. Außer, wenn das Laden fehlschlägt, dann nämlich schon:
if (!jqueryLoaded) {
var script = document.createElement('script');
script.type = 'text/javascript';
script.src = '//ajax.googleapis.com/ajax/libs/jquery/1.4.4/jquery.min.js';
head.appendChild(script);
// (...)
}
Das dürfte aber zumindest in den seltensten Fällen der Fall sein. Sonst noch was von Google im Quellcode? Entwarnung: Nö. Dafür aber dieses Bonbon am Fuß der Seite:
<script type="text/javascript">
//<![CDATA[
var DID=223197;
var pcheck=(window.location.protocol == "https:") ? "https://sniff.visistat.com/live.js":"//stats.visistat.com/live.js";
document.writeln('<scr'+'ipt src="'+pcheck+'" type="text\/javascript"><\/scr'+'ipt>');
//]]>
</script>
Dies, meine Damen, Herren und Sonstigen, ist eine so genannte Trackingwanze, ein kleines JavaScript-Skript, das eure Daten an einen Fremdanbieter schickt, um zu gucken, wer ihr seid und was ihr gerade macht. VisiStat ist ein kalifornisches Unternehmen, das ganz besondere Dienste anbietet:
(…) Unternehmen wie Relead, VisiStat und FullContact bieten nach eigenen Angaben die Identifikation von Seitenbesuchern mittels Social Networks und Geodaten an.
Das kann man sich im Hause Blackphone doch nicht entgehen lassen!
Ihre Privatsphäre ist abhängig von der sauberen Verwertung Ihrer privaten Informationen. Wer diese Verwertung übernimmt, ist ja vollkommen unerheblich.
Mein Interesse daran, mich mit dem „Blackphone“ selbst zu beschäftigen, hält sich doch gerade sehr in Grenzen.
Ein Vorname wie „Pumuckl“ oder „Pepsi-Carola“ kann für ein Kind zur Qual werden – doch Deutschland ist offener geworden und bei Standesämtern werden ungewöhnliche Namenswünsche von Eltern immer seltener abgelehnt. (…) Eine Rückbesinnung auf traditionellere Namen macht das Münchner Standesamt aus: „Der Trend geht zu traditionellen Namen zurück“, sagt Leiter Gerhardt Wirsing.
„Wirsing“.
Der Leiter des Standesamtes, Frank Neubert, sagt: „Was in manchen Ohren fremd und exotisch klingt, kann in anderen Gegenden ein gebräuchlicher Vorname sein.“ Dazu zählt er Moka und Jazz für Mädchen sowie Orlando und Filou für Jungs.
Ein „Filou“ ist, das weiß das Wörterbuch, ein nichtsnütziger Lebemann. Zumindest das ist tatsächlich gebräuchlich. Einfach mal wieder Bus fahren!
Vor ein paar Jahren war es ja noch Sitte, seine Kinder nach Städten zu benennen. Ein kleiner Leinfelden-Echterdingen, der aus dem Kinderparadies abgeholt werden wollte, ist mir zum Glück noch nicht begegnet; dafür jede Menge Aldahs und Diggas.
Ob das Standesamt das durchgehen lassen würde?
Er ist über zehntausend Jahre alt / und hat viele Namen.
Ton Steine Scherben: Mein Name ist Mensch
Heute vor 95 Jahren wurden, wie mehrere Quellen berichten, die früheren SPD-Mitglieder Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die sich im Januar 1919 als Revolutionäre im Verlauf des Januaraufstands für den „Klassenkampf“ – in Karl Liebknechts Fall ausdrücklich auch bewaffnet – einsetzten, im Auftrag des SPD-Politikers und späteren Reichswehrministers Gustav Noske mit Billigung des SPD-Reichspräsidenten Friedrich Ebert erschossen. Provokant formuliert bedeutet das: Die Wiege der „linksextremen Gewalt“ sowie gleichzeitig die der „Gewalt gegen links“ war die frühe Sozialdemokratie.
Dass Rosa Luxemburg später Zitatgeberin für die „Rote Armee Fraktion“ wurde, hat sie sich sicherlich nicht ausgesucht, aber dass sie in der DDR im Gegenteil zwar verehrt, aber nicht zitiert werden durfte, ist eine zumindest erzählenswerte Anekdote. Die SPD hatte in den ersten Jahren des Ersten Weltkriegs eben noch eine kritischere Anhängerschar als heute.
Erst 1917 spaltete sich die ursprünglich sozialistische SPD in einen bürgerlichen (MSPD) und einen kommunistisch-sozialistischen Flügel (USPD), dem sich auch die Revolutionäre anschlossen, die ihn aber bald wieder verließen und 1918, nach der abwechselnden Ausrufung der Demokratie durch Philipp Scheidemann (MSPD) und der sozialistischen Republik durch Karl Liebknecht (USPD), schließlich die KPD gründeten. Eine solche Aufspaltung hat die SPD erst 2004 wieder erfahren, als sich der Arbeiterflügel der Partei als WASG selbstständig zu machen begann. Geschichte wiederholt sich.
Ein Sprung ins Jahr 2014: Die SPD-Regierung des Stadtstaats Hamburg hat Gefahrengebiete eingerichtet, in denen Passanten, die irgendwie links aussehen, präventiv einen Platzverweis bekommen, egal, wie alt oder gefährlich sie sind. Tatsächlich gibt es auch linksradikale Gewalttäter in Deutschland, das steht außer Frage; die Verhältnis- und Rechtmäßigkeit der angeordneten Sanktionen ist allerdings etwas, womit sich dieser Tage ja allerlei gute und weniger gute Berichterstatter beschäftigen. Die SPD als selbsternannte Partei des Volkes möchte aber wider Erwarten nicht, dass man ihr Handeln als blinden Eifer gegen eben dieses Volk interpretiert, und ruft die übrigen Hamburger Parteien, Bürger und Institutionen zur Demonstration gegen linke Gewalt auf. (Noch während ich dies schreibe, ist aus der Demonstration eine Kundgebung geworden. Die SPD ist dieser Tage erstaunlich flexibel.)
Die Reaktionen auf diesen Aufruf sind verschieden, sie reichen von „Was ist von einer Regierungspartei zu halten, die Demonstrationen plant?“ – tja nun, je nachdem, was mit der Demonstration bezweckt werden soll – bis zu Bonmots wie diesem:
Cool! Die #SPD will die erfolgte Abschaffung der Sozialdemokratie jetzt öffentlich und festlich zelebrieren: hamburg1.de/aktuell/Demo_gegen_linke_Gewalt_geplant-19615.html
Wie oben erläutert, zeigt der Schreiber trotz seiner Sympathien für die „Antifa“ hier vor allem seine Unkenntnis von der Geschichte der SPD. Vorgehen gegen linke Gewalt ist kein Zeichen von Abschaffung der Sozialdemokratie; ich würde es vielmehr Traditionspflege nennen. Die gutbürgerliche SPD als Fels, der die Arbeiter vor der Brandung in Form eines feindseligen Staates schützt? Wo lebt ihr denn?
Könnte Rosa Luxemburg noch lesen, wie der Blick in ihre Zeit und auf ihre ehemalige Partei heute verklärt wird, sie würde sich vermutlich schämen.
Es hat die Fee doch sehr gequält, dass ihr der linke Flügel fehlt.
Ich sprach: „Da geht’s dir wie der SPD!“
Wise Guys – Kaiser Franz
ZEIT.de, 7. November 2013:
„Wir reden nicht über ein allgemeines No-Spy-Abkommen“, zitierte die New York Times jedoch einen ranghohen Mitarbeiter der US-Regierung.
ZEIT.de, 17. Dezember 2013:
Die USA verweigern Deutschland laut New York Times den Abschluss eines sogenannten Anti-Spionage-Abkommens.
ZEIT.de, 13. Januar 2014:
Immer mehr Informationen deuten darauf hin, dass das geplante No-Spy-Abkommen der Bundesrepublik mit den USA zu scheitern droht.
Es bleibt spannend.
Oh, USA – richtig. Ihr kennt das: Ihr wollt in aller Ruhe einen schönen entspannenden Kriegsfilm mit vielen schönen Leichen angucken, da geräuscht euch einer in den Film rein. Da gibt’s nur eine Lösung!
Weil ihn die Tippgeräusche auf dem Handy störten, hat ein Mann in einem Kino in Florida einen anderen Besucher erschossen. Der soll noch vor dem Beginn des Kriegsfilms „Lone Survivor“ eine SMS geschickt haben.
(Hoffentlich hat er wenigstens einen Schalldämpfer verwendet.)
Eines der erstaunlicheren Ereignisse rund um „American Idol“, die US-amerikanische Fassung von „Deutschland sucht den Superstar“, ist die Geschichte von Leslie Hunt, deren Solokarriere nach ihrer dortigen „Entdeckung“ branchentypisch schleppend verlief; statt allerdings das Schicksal der anderen ausgesonderten Teilnehmer zu teilen und einen richtigen Beruf ergreifen zu müssen, bekam sie die Gelegenheit, der bis dahin instrumental agierenden Retro-Prog-Band District 97 beizutreten.
District 97 wurden 2006 gegründet, sind aber durchaus keine Unbekannten mehr; nach zwei Studio- und zwei Livealben gaben sie 2013 einige Konzerte mit John Wetton (UK, King Crimson, Asia, Uriah Heep und andere), auf denen sie mancherlei King-Crimson-Stück (etwa Fallen Angel) spielten; und das gar nicht mal schlecht.
Dass Frau Hunt bei diesen Auftritten eher wenig zu Wort kam, ist nicht allzu verwunderlich, King Crimson hatten nie eine Sängerin. Ein bisschen schade ist es aber schon, denn trotz ihrer Teilnahme an besagter Fernsehsendung kann sie erstaunlich unnervig singen. Zum Beispiel so:
In diesem Sinne: Guten Morgen!
Erinnert ihr euch noch an die Onlinedemonstrationen der Piratenpartei? Was haben wir da nicht alle gelacht, wie naiv das doch sei und dass man den Kampf wohl kaum gewinnen könne, indem man sich im Internet „trifft“ und unterhält.
Heute fand ich in meinem Nachrichtenticker die Website The Day We Fight Back, eine Art Kampagnenseite von Mozilla, der EFF, Reddit und weiteren Teilnehmern. Die Beteiligten erklären darauf den 11. Februar 2014 zum „Tag, an dem wir gegen die Massenüberwachung zurückschlagen“. Das soll folgendermaßen geschehen:
Warum für letzteren Schritt auf die E‑Mail-Adresse verwiesen wurde, ist mir nicht klar. Die Nutzer können das doch sicher auch per Facebook tun!
Die 1970er Jahre waren derart voller junger, aufstrebender Musikgruppen insbesondere aus Großbritannien, dass es nur wenige von ihnen zu so etwas wie Ruhm gebracht haben. Fantasy gehören zu denen, denen ihre Konkurrenz zum Verhängnis geworden ist.
Fantasy (nicht die US-amerikanische Discoband gleichen Namens) wurden um 1970 herum als Chapel Farm gegründet, änderten mit dem Unfalltod ihres Bassisten, der an seinem achtzehnten Geburtstag betrunken zu unachtsam an Klippen entlangbalanciert war, und folgenden Umbesetzungen aber ihren Namen in Firequeen und begannen Demobänder an Plattenfirmen zu verschicken. Polydor nahm sie unter der Bedingung unter Vertrag, dass sie den Namen Firequeen durch irgendetwas Unblödes ersetzten; so wurde es eben Fantasy. (Bei Polydor standen später unter anderem Bro’Sis und Take That unter Vertrag. Tempora mutantur.) Polydor gewährte Fantasy dann einen Dreijahresvertrag und warf 1973 das Debütalbum „Paint A Picture“ auf den Markt.
Diese Formulierung ist treffend gewählt, denn ein kommerzieller Erfolg blieb aus. Fantasy waren ihrer Zeit nicht voraus, sondern waren spät dran. Für symphonische Rockmusik mit einer Vielfalt an Einflüssen und unblöden Texten von bis dahin unbekannten Gruppen wollte sich in der Zeit zwischen Hardrock und Punk kaum noch jemand Zeit nehmen. Auf Druck Polydors wurde in einem Tag die Single „Politely Insane“ geschrieben und aufgenommen, um den kommerziellen Erfolg zu steigern. Wenn ich 2014 höre, was Plattenfirmen 1973 für verkaufenswert hielten, muss ich ja immer fast ein bisschen weinen.
Gentle Giant („Young Man’s Fortune“), Caravan („Silent Mine“), Starcastle, die frühen Van der Graaf Generator, (natürlich) Genesis und allerlei andere zeitgenössische Bands standen für „Paint A Picture“ musikalisch Pate, die Gitarre setzt genau da die richtigen Akzente, wo man sie braucht, und selbst der Gesang, meist der Flaschenhals einer Band aus dieser Musikrichtung, vermag zu gefallen.
Zum Folgealbum „Beyond The Beyond“, das 1974 aufgenommen werden sollte, kam es dann aber vorerst nicht mehr. Wohl aufgrund des nicht erfolgten Durchbruchs mit „Paint A Picture“ ließ Polydor die Gruppe fallen, die sich anschließend enttäuscht auflöste. Dass das Album 1992 doch noch erschien (wenn auch nur auf CD), ist insofern eine erfreuliche Überraschung. Andererseits: Wer weiß, was passiert wäre, hätte Polydor damals Fantasys Potenzial erkannt?
Wenigstens ist ihre Musik unvergänglich.
Sind in der Piratenpartei jetzt (ich berichtete) nur noch Verrückte? Aber nein! Vielmehr ist es eine radikale Minderheit, die den „normalen Piraten“ (Don Alphonso) die Arbeit unnötig erschwert. Teil dieser radikalen Minderheit ist auch Julia Schramm (das war die hier), die sich diese Woche mal als linksradikale Marxistin positioniert. Mal gucken, wo sie nächste Woche steht.
Beachtenswert ist auch, dass Christopher Lauer sich von derlei Umtrieben öffentlich distanziert. Sollte es in nächster Zeit wieder ruhiger um ihn werden, wäre das also nicht besonders überraschend.
Diese Meldung ist schon etwas älter, aber immer noch lesenswert: Kanada verbietet Kohlekraftwerke, um die Luft sauber zu halten; in Deutschland steigt die Braunkohleverheizung derweil auf neue Spitzenwerte, um den Energieverlust aufgrund des Ausstiegs aus der Kernkraft aufzufangen. Deutschland: Wo saubere Luft der Homöopathie geopfert wird.
(via @Nuklearia)
Ich bin ja nicht nur Musikfreund und politischer Agitator, sondern mache manchmal auch was mit Computern. In dieser Eigenschaft pries ich im Juni 2010 die Vorzüge eines minimalistischen Windows mit tastaturgesteuerter Fensterverwaltung. Unter Unix und seinen Nachbauten ist letztere nun schon seit vielen Jahren nichts Neues mehr, abseits von Gnome, KDE und Openbox gibt es eine Vielzahl an Fensterverwaltern, die die Arbeit im Vollbild wie auch mit mehreren Fenstern nebeneinander deutlich vereinfachen. Im Zusammenspiel mit dem Statistikwerkzeug conky lassen sich so flexible und vielseitig anpassbare Arbeitsumgebungen schaffen (alle drei Konfigurationen zeigen awesome mit conky in der „Haupt“- oder einer eigenen Leiste), in denen man zwischen Vollbild- und gekachelten Anwendungen sowie virtuellen Desktops (auch mehreren gleichzeitig) per Tastenkürzel (unter awesome frei konfigurierbar, standardmäßig dient die Windowstaste als „Modifikator“) wechseln kann. Spart Bildschirmplatz, erhöht die Produktivität. Im Forum von #! Linux gibt es einen mehr oder weniger ausführlichen Test (mit Bildern) von über 30 mal „kachelnden“, mal (wie KDE, Mac OS X und Windows) „schwebenden“ Fensterverwaltern abseits der „großen“ Desktopumgebungen, den ich jetzt einfach mal als Einstieg empfehle.
Ich spare mir einen Link, da’s ohnehin jede so genannte „Zeitung“ momentan über ihre Website (mannigfach vervielfältigt per Twitter und dergleichen) in heller Aufregung bekanntgibt: Thomas – hehe – „Hammer“ Hitzlsperger, ehemaliger deutscher Fußballnationalspieler, habe nicht einfach verkündet, dass er Männer als Lebenspartner bevorzugt; nein, er habe sein coming-out, sein outing gehabt, kurz: er habe sich geoutet. Mir als Freund wohlüberlegter Wortwahl verschlägt es mir da ausnahmsweise mal nicht wegen der Verwendung eines Lehnworts die Sprache.
Was diese Begriffe nämlich eigentlich aussagen, ist, dass man sich als Mensch mit nicht heterosexuellen Vorlieben verstecken müsse, bis man sich raus traue aus der Deckung. Das coming-out – hehe – als „Befreiung“ – wovon?
Hitzlsperger sagt: „Ich habe mich nie dafür geschämt, dass ich nun mal so bin“.
Wovon hat er sich dann befreit? Das „erklärt“ Jan Schnorrenberg:
Klassische “Männerdomänen” wie der Fußball skizzieren die Männlichkeit und tun dies auch über den Ausschluss von Homosexualität, auch wenn dies gar nicht der Lebensrealität der Beteiligten entspricht.
Der Fußball schließt Homosexualität genau wie aus? Müssen Fußballspieler regelmäßig zum Schwulentest? Richtig: Sie werden schlicht nicht gefragt. Müssen sie ja auch nicht, auf dem Fußballfeld ist es ja einigermaßen egal, ob der Typ im gegnerischen Tor vor dem Spiel homo‑, hetero- oder pansexuellen Spaß hatte. Und weil es auf die Spielqualität keinen Einfluss hat, in welcher Art von Lebewesen die Mitspieler normalerweise ihren jeweiligen Penis versenken, wird darüber auch in der Mannschaft eher selten gesprochen. In Thomas Hitzlspergers Fall wurden ín der Mannschaft angeblich häufig Schwulenwitze gemacht; dass diese Witze vermutlich unterblieben wären, wenn er, statt mitzulachen, seine Sexualität bekanntgegeben hätte, ist ihm offenbar nicht einmal in den Sinn gekommen.
Jan Schnorrenberg zitiert einen weiteren Fußballer:
Der Preis für meinen gelebten Traum von der Bundesliga ist hoch. Ich muss täglich den Schauspieler geben und mich selbst verleugnen. (…) Ich weiß nicht, ob ich den ständigen Druck zwischen dem heterosexuellen Vorzeigespieler und der möglichen Entdeckung noch bis zum Ende meiner Karriere aushalten kann.
Er spricht im Weiteren von der „hässliche Fratze der Heteronormativität“, die Menschen „zwinge“, ihre Identität und ihre Gefühle zu verleugnen; von einer Gesellschaft, in der Homosexualität etwas Unnatürliches ist. Selbst auferlegte Heteronormativität ist keine. Jemand, der von „Bekenntnissen“ oder „coming-outs“ redet, wenn es um Menschen geht, die nicht heterosexuell sind, verurteilt diese Eigenschaft allerdings schon durch seine Wortwahl als etwas Unübliches, Unnatürliches.
Ein homosexueller Fußballer wird von nicht benannten Personen zum „heterosexuellen Vorzeigespieler“ stilisiert und muss dieses Bild aufrechterhalten, weil sonst was passieren würde? Angst davor, für etwas ausgelacht zu werden, haben Menschen mit entweder geringem Selbstbewusstsein oder peinlichen Talenten. Dritten dafür die Schuld zu geben ist eine mögliche, aber nicht die beste Lösung. Die Gesellschaft ist schuld. Die Sexualität eines Menschen wird für den Großteil der Gesellschaft allerdings erst dann relevant, wenn er sie aus irgendwelchen Gründen (die auch noch zu klären sind) publik macht.
Andere Medien sparen sich übrigens Wörter mit „out“, die sie ja doch selbst nicht verstehen, und reden stattdessen von einem „Bekenntnis“. Vergib mir, Vater, ich habe gesündigt. Gibt es überhaupt eine wenig affige Wortwahl für diese Nichtmeldung? Natürlich: „Thomas Hitzlsperger ist homosexuell“. Eine solche Schlagzeile ließe allerdings den fehlenden Nachrichtenwert der sexuellen Vorlieben eines ehemaligen Profisportlers noch deutlicher werden. Über die Sexualität der Bundeskanzlerin hätte ich ja zum Beispiel auch lieber keinerlei Informationen. Seht her, Person x hat gern Sex mit Personen aus Gruppe y!
Qualitätsjournalismus, wissenschon.
Während sich auf Twitter „die Piraten“ und „die Antifa“ und „die Feministinnen“ – siehe auch hier und hier und hier – mit „den Medien“ (man lese mal spaßeshalber die aktuellen Gespräche von Don Alphonso und verzweifle anschließend ein bisschen) verbal darum prügeln, welche der beteiligten Gruppen als heterogenster aller Zusammenschlüsse wohl die größten Anführungszeichen verdient hat, machen die anderen Piraten übrigens Wahlkampf.
Ich schrieb zur Aufstellungsversammlung für die Europawahl:
Dabei hätte es die Piratenpartei eigentlich ziemlich leicht; als Partei, die nicht aus Deutschland nach Europa exportiert werden musste, sondern die selbst in ihrem deutschen Ableger ein europäisches Produkt ist, muss sie das mit Europa nicht erst lernen, sondern kann sich auf ihre politischen Inhalte konzentrieren. Gerade in Europa wären die Kernthemen der Piratenpartei – strikte Ablehnung jeglicher Urheberrechtsverschärfungen zum Nachteil des Konsumenten, Kampf gegen den Patentwahnsinn, freie Bildung für alle und so weiter – eine höchst willkommene Alternative zu den gegenseitigen Versprechen für mehr Terrorbekämpfung, mehr Bürokratie und so weiter.
Die möglichen Themenschwerpunkte für die Europawahl sind nun gesetzt: „Demokratie-Upgrade“ (mehr Transparenz, mehr Mitbestimmung), Urheberrecht (vertreten durch Bruno Gert Kramm, dessen Reden ihr euch beizeiten mal anhören solltet, denn sie sind sehr gut) und Asylpolitik stehen auf der Agenda, letzteres dem Umstand geschuldet, dass die Piratenpartei Europa als Ganzes begreift. (Warum man mit dem „Tandem nach Brüssel“ ins Europäische Parlament nach Straßburg fahren möchte, ist mir nicht so ganz klar; aber darum soll es gerade mal nicht gehen. Immerhin schreibt auch das „Qualitätsmedium“ taz, die Piraten seien auf dem Weg nach Brüssel. Ist ja auch ganz hübsch dort.)
Die Kandidaten der Piratenpartei möchten also für Europa nicht wieder den gleichen Fehler machen wie anlässlich der Bundestagswahl 2013, sondern es ausnahmsweise mal wieder mit einem eigenen Profil versuchen; mit Themen, von denen sie Ahnung haben und die an das einstige image als progressive Partei anknüpfen, und nicht mit den üblichen Gemeinplätzen, die die anderen Parteien ebenfalls vertreten.
Gibt es schon innerparteiliche Kommentare zu diesem Themenplan? Klar; „stefan.pirat“ kommentierte:
Allerdings sollten wir auch im Blick haben, welches Thema “massenkompatibel” ist, damit wir auch potenzielle Wähler ansprechen, die nicht so ganz direkt in unserem derzeitigen Dunstkreis unterwegs sind.
Aber Massenkompatibilität ist genau das, was die Piratenpartei jetzt nicht braucht. Bloß nicht auffallen, bloß nicht anecken, bloß nicht anders sein? Zwar braucht man als Partei nur drei statt fünf Prozent, um die Europawahl erfolgreich zu gewinnen, aber warum dann die Piratenpartei? Weil wir uns so toll für Umwelt und Bildung einsetzen und weil wir irgendwas mit sozial im Programm haben? Nein, eine Reduktion auf die Kernthemen ist das Beste, was „die Piraten“ jetzt beschließen können.
„Die Piraten werden ja doch noch vernünftig?!“, fragt ihr jetzt vielleicht erstaunt. Nein, keine Sorge, das werden sie nicht. Menschlichkeit ist alles andere als Vernunft. Zumindest aber werden „die Piraten“ wieder eine Partei mit einer progressiven Agenda. Wenn die mit der Flagge sich nicht ein bisschen anstrengen, könnte man fast darüber nachzudenken, sie wieder zu wählen.
So weit ist es gekommen.
Ich wünschte, ich hätte auch so oft so viel Spaß wie ThorgeFaehrlich, wenn ich im ÖPNV unterwegs bin; aber ich lebe nicht in Hamburg, was ich immer wieder bedaure, wenn ich dort bin. Anders als zum Beispiel Berlin oder Hannover ist Hamburg nämlich eigentlich recht sehenswert, dort stirbt man nicht aus Langeweile.
Die übliche Laufkundschaft in hiesigen Zügen besteht aus mürrischen Langweilern, die ungern mit Fremden reden, was mir prinzipiell sehr gefällt, nur selten unterbrochen von spaßigen Zeitgenossen wie dem Jugendlichen, der sich just mit geschwungenem Rucksack vor den Passagieren im „Vierer“ nebenan aufbaute, genervt „kannsch mich hier mal hinsetzen oder so?“ nuschelte und seitdem mit bösem Gesichtsausdruck auf sein Smartphone starrt, aus dem offenbar Klänge an sein Ohr dringen, denn ein Kabel ragt aus ihm (dem Smartphone, nicht dem Jugendlichen) heraus und endet in dessen Ohr, wie üblich locker hineingehängt, denn eine anständige Kabelführung hinter dem Ohr sähe genau so uncool aus wie eine richtigrumme Schirmmütze. Fröhliche Musik scheint er nicht zu hören. Das „oder so“ gefiel mir allerdings von vornherein sehr gut.
Weniger gut gefallen mir die Gerüche, die entstehen, wenn die Jugendlichen im vollen Abteil plötzlich bemerken, dass in ihrer Hand ein Speiseersatz von der Firma mit dem großen „M“ oder dem großen „BK“ allmählich abkühlt. Nicht, dass das Zeug kühl deutlich schlechter schmeckte, aber es geht ja ums Prinzip. Da sitzt man dann also gegenüber von einer dieser alten Frauen, wie man sie aus schlechten Karikaturen kennt, oft (auch im Sommer) so schlimm erkältet, dass der Auswurf einem die Schuhe durchtränkt, und dann kommt so ein lässiger hipper Teenie daher und trägt dazu bei, dass einem die Zugfahrt stinkt. (Bemerkenswerterweise sind es immer junge Männer, die stinkenden Fraß im Zug in sich reinstopfen. Frauen nicht. Klar: Plastikburger sind nicht vegetarisch genug. Dafür ist das Deodorant letztgenannter Spezies oft ebenfalls eine Wucht.)
Gegen kranke Mitfahrer ist, haha, kein Kraut gewachsen, aber zumindest dem Gestank kann man vorbeugen. Es ist Zeit, dass ich ein Geständnis mache: Ich bin einer von Denen; aber nicht so richtig.
Nach meinen alltäglichen Erledigungen habe ich meist etwa vierzig Minuten Zeit, mich auf die Heimfahrt vorzubereiten: Zwanzig Minuten, bis der Zug kommt, und zwanzig Minuten, bis er losfährt. In der Regel lässt mir das zehn Minuten Zeit in einem vollends leeren Abteil, die genügen. um meine Geruchsnerven mit (schlechtem „Kaffee to go“ oder) zum Beispiel einem eilends beim Bahnhofsbäcker gekauften Brötchen mit irgendeinem Belag (dort hat alles mehr Aroma als die Pappteile vom Pappteilvertrieb mit dem großen „M“ oder dem großen „BK“) so weit an kommendes Unheil zu gewöhnen, dass etwaige hastige hungrige Nachzügler meine Kreise nicht weiter stören können. Ja, ich esse im Zug; aber ich bin damit fertig, bevor weitere Passagiere das Abteil betreten. Niemals käme ich auf die Idee, eingepfercht zwischen fremden Einkaufstüten und fremden Menschen mit Hygiene- oder Gesundheitsproblemen erst mal einen Burger auszupacken.
Ich wäre ein hervorragendes Vorbild, glaube ich.
Apropos „hervorragendes Vorbild“: Feuerwehr befreit nackten Mann aus Waschmaschine (…). Der Unglückliche hatte seine Freundin überraschen wollen und war deshalb in den Toplader geklettert. Überraschung!
Die Reaktion derselben ist nicht überliefert.