NerdkramsMir wird geschlechtNetzfundstücke
Computerfeminismus

Warum ich Libre­Of­fice trotz (oder wegen?) der fehlen­den Cloud­funk­tio­nen auch Microsoft Office 2013 immer noch vorziehe?

Es gen­dert nicht.

Word 2013 gendert

(Hier ist Microsoft ein Fehler unter­laufen, natür­lich heißt es “einem/r Dokument/in”. Na, vielle­icht mit dem näch­sten Update.)


Apro­pos Fem­i­nis­mus: Was kann man mit ein­er Socke so alles anstellen? Klar: Men­stru­ieren!

(via Nachtwächter)

Sonstiges
Medienkritik LXXXII: Das kann auch jedem anderen Internetnutzer passieren.

Mike hat die dieswöchige Aus­gabe des SPIEGEL der­art überzeu­gend gele­sen, dass ich nicht umhin kam, mir die dig­i­tale Aus­gabe auch mal zu, nun ja, besor­gen, und zwar wegen eines einzi­gen Artikels. Dieser Artikel trägt die Über­schrift “Der Tag, an dem ich schwul wurde” und beschreibt einen Selb­stver­such des SPIEGEL-Mitar­beit­ers Uwe Buse — hihi -, der ein paar White-Hat-“Hacker” (infla­tionär ver­wen­dete Berufs­beze­ich­nun­gen genieße ich bevorzugt mit Vor­sicht) auf die Frage ange­set­zt hat, was für Möglichkeit­en sich so ergeben, wenn man vollen — auch physis­chen — Zugriff auf fremde Hard­ware erhält.

Das macht der inves­tiga­tive SPIEGEL-Men­sch dann etwa so:

Zwis­chen uns auf dem Tisch liegen ein Lap­top und ein Handy. Auf bei­de Geräte haben meine Hack­er Spi­onage­pro­gramme geschleust (…).

So funk­tion­iert die Infek­tion in freier Wild­bahn: Drückt den Bösewichtern eure Hard­ware in die Hand und geht mal für eine Weile aus dem Zim­mer. :D

Dabei hat er doch so schön vorge­sorgt:

Der Viren­scan­ner des Lap­tops meldet: Dieser Rech­n­er ist viren­frei.

Und was die “Hack­er” da nicht so alles Span­nen­des her­aus­find­en!

Nach­dem die Hack­er auch meine E‑Mails durch­forstet haben, wis­sen sie, dass ich ver­heiratet bin, zwei Kinder habe, eine Tochter und einen Sohn, der noch in den Kinder­garten geht. Meine Hack­er ken­nen den Namen mein­er Frau, Bir­git.

Manche müssen dafür Her­rn Bus­es Mails lesen, andere nur den SPIEGEL. So kann’s gehen. Und was die “Hack­er” son­st so tun? Sie besor­gen sich Ama­zon- und Google-Pass­wörter und guck­en mal hinein. Das sei aber auch nicht weit­er schw­er:

Den Hack­ern wer­den all diese Infor­ma­tio­nen auf sehr kom­fort­able Weise geliefert. Es ist kaum Experten­wis­sen von­nöten.

Um für den SPIEGEL zu schreiben, muss man offen­bar auch nicht viel wis­sen. Eine steile Kar­riere ste­ht so jedem Men­schen offen, der lei­dlich gut lesen und schreiben kann. Wenn da nur nicht der Ekelfak­tor wäre!

Zumin­d­est hat sich der Autor ein paar höfliche “Hack­er” aus­ge­sucht, die vorher nach­fra­gen:

Meine Hack­er lassen mich wis­sen, dass sie mir nun noch Kinder­pornos auf den Rech­n­er schieben kön­nen, danach kön­nten sie die Polizei alarmieren. Ich bitte sie drin­gend, von dieser Idee Abstand zu nehmen.

Schade, vielle­icht wäre der Artikel dann doch noch was gewor­den.

Gibt es eine Moral von der Geschichte? Klar:

Um kün­ftig bess­er auf solche Angriffe vor­bere­it­et zu sein, frage ich meine Hack­er ein paar Tage später, wie ich mich schützen kann. (…) Keine Win­dows-Rech­n­er mehr benutzen, sagen sie, son­dern Lin­ux als Betrieb­ssys­tem. Soft­ware-Updates immer instal­lieren, und zwar schnell, das gilt vor allem für den Viren-Scan­ner.

Lin­ux, nicht erst seit 2003 ein bequemes Angriff­sziel von Schuften, sieht so ein “Hack­er” natür­lich beson­ders gern auf frem­den Geräten. Da hil­ft auch nicht, dass die im Artikel ver­wen­dete Mal­ware namens Mobis­tealth “für Android, nicht für Lin­ux” — das lasse ich der Däm­lichkeit wegen ein­fach mal als Zitat ste­hen — ver­füg­bar ist. Und Viren­scan­ner (“Viren-Scan­ner”)? Ihr wisst schon, das war das, das den Rech­n­er anfangs viren­frei nan­nte.

Der SPIEGEL hat im Print­res­sort halt nicht so fähige Autoren wie Frank Pat­a­long.

Montagsmusik
Die Goldenen Zitronen — Scheinwerfer und Lautsprecher

Worüber man sich ja auch mal wieder aufre­gen kön­nte:

Die Gold­e­nen Zitro­nen — Schein­wer­fer und Laut­sprech­er

Vielle­icht will ich auch nicht andauernd begrüßt wer­den! Ich will auch nicht ständig, dass man mir grat­uliert, ich will auch nichts gewon­nen haben! Ich will auch keinen Vor­sprung haben! Ich möchte nicht, dass man mir meine Vorteile aufzählt! Ich will auch nicht mit Gele­gen­heit­en in Ver­legen­heit gebracht wer­den! Ich will auch nicht meine Ruhe haben — ich will in Ruhe gelassen wer­den!

Was bleibt, ist Res­ig­na­tion.

Guten Mor­gen.

PersönlichesNerdkramsMir wird geschlecht
Eine ganze Wikipedia voller Manipulatoren

Eine der lustigeren Beschimp­fun­gen, die mir im Laufe mein­er Kar­riere als Inter­net­nutzer bish­er so ent­ge­gengeschleud­ert wur­den, ist übri­gens Manip­u­la­tor.

Was war passiert? Ich hat­te es nach aus­führlich­er Diskus­sion mit anderen Autoren gewagt, den von ver­schiede­nen Quellen als ten­den­z­iös und den Radikalfem­i­nis­mus (zur Bedeu­tung dieses Begriffs bitte Valerie Solanas erforschen) ver­harm­losenden Wikipedi­aar­tikel über Fem­i­nis­mus dergestalt zu ändern, dass er eine klare Tren­nung zwis­chen “dem Fem­i­nis­mus” — den es als homo­genes Kon­strukt nicht gibt — und den ver­schiede­nen sex­is­tis­chen bis gemäßigten Strö­mungen des­sel­ben vorn­immt. In der Folge wurde ich mehrfach, unter anderem auf Twit­ter, der Manip­u­la­tion bezichtigt.

Da ken­nen sie eben keinen Spaß, die Ver­fechter der neuen Offen­heit: Frei­heit ist super, aber sie möge nur dem eige­nen hehren Zweck dienen. Wer Artikeln in der Wikipedia einen neu­tralen Anstrich zu ver­passen ver­sucht, ist kein Wikipedi­aau­tor, son­dern ein Manip­u­la­tor (ach, nein: ein Möchte­gern-Manip­u­la­tor, was dann sog­ar dop­pelt Käse ist), als han­dele es sich um jeman­den, der wider­rechtlich in die Wikipedi­adaten­bank einge­brochen ist und da uner­laubt herumedi­tiert hat.

Inter­es­santes Gedanken­spiel: Wenn das Edi­tieren von Tex­ten, um deren Bear­beitung aus­drück­lich gebeten wird, bere­its mit Manip­u­la­tion gle­ichge­set­zt wird, wie schlimm muss es erst um freie Soft­ware bestellt sein? Man steuert in der Welt der freien Soft­ware also keinen Code mehr bei, man manip­uliert an Soft­ware herum. Wer es wagt, Codeän­derun­gen vorzunehmen, die nicht jedem Benutzer des jew­eili­gen Pro­gramms gefall­en, ist manip­u­la­tiv.

Ich schlage zur besseren Tren­nung zwis­chen guter und bös­er Manip­u­la­tion an dieser Stelle das Wort “wikip­u­la­tiv” neb­st Dek­li­na­tion und Ableitun­gen vor. Den Vor­wurf, wikip­u­la­tiv zu sein, lasse ich mir zumin­d­est gern gefall­en.

PolitikIn den Nachrichten
Normalitätsgebot

Am 30. Juni veröf­fentlichte Peter Welcher­ing einen Artikel, der gestern auch den Medi­en aufge­fall­en ist. Er beschreibt aktuelle Meth­o­d­en zur Ver­brechen­spräven­tion anhand von Algo­rith­men, die mich wirk­lich überzeu­gen:

Ein­mal kann man den Com­put­er ein­fach eine Szene, einen Platz ein­fach beobacht­en lassen und dann lernt er selb­st, was Nor­mal­ität ist, also die Men­schen bewe­gen sich ger­ade vom Einkauf­szen­trum zum Bahn­hof oder so. Und der Com­put­er lernt, was diese Nor­mal­ität ist. Und dann kann abwe­ichen­des Ver­hal­ten erkan­nt wer­den, automa­tisiert.

Da wir ja alle wis­sen, dass Nichtkrim­inelle sich grund­sät­zlich nor­mal bewe­gen, ist die Hälfte des Prob­lems schon mal gelöst. Jet­zt müssen wir nur noch hof­fen, dass Ter­ror­is­ten gemein­sam einen Kodex erar­beit­en, der vorschreibt, sich auf öffentlichen Plätzen unnor­mal zu bewe­gen, und die Welt ist ein für alle­mal sich­er. Wenn wir das nur vor zwölf Jahren schon gewusst hät­ten!

Na, hin­ter­her ist man klüger.

Musikkritik
Continental — All A Man Can Do

Zur Vorgeschichte bitte hier ent­lang.


Continental - All A Man Can DoAn manchem kommt man ja doch nicht ein­fach vor­bei. An Verkehrsun­fällen, an Explo­sio­nen und an CDs, die seit mehreren Wochen ungeduldig neben dem Lap­top liegen und darauf warten, dass man sich endlich mal mit ihnen beschäftigt. Ich gebe nun nach und widme mich mal diesem Album, Felix wird’s freuen.

Con­ti­nen­tal also, irgend­wie aus dem Dun­stkreis der Drop­kick Mur­phys emporgestiegen, mis­chen, so behauptet’s der Pres­se­text, “ehrlich­es Song­writ­ing mit eingängi­gen Melo­di­en, die sich irgend­wo zwis­chen Blues, Folk, Coun­try und dem Spir­it der 77-Punk Ära (sic!) bewe­gen”. Eigentlich kön­nte man den Gen­re­quark ja ganz weglassen, aber dann wird der Zettel halt nicht voll. (Im Aus­land wird “All A Man Can Do” übri­gens mit einem noch hässlicheren Cover­bild verkauft.) Auf einem beigelegten Foto der Band sind Vater und Sohn Bar­ton zu sehen. Schlagzeuger Tom Maza­lews­ki bleibt eben­so unsicht­bar wie die sechs Gast­musik­er, von denen ich keinen einzi­gen namentlich kenne. Wie klis­chee­haft!

Klis­chee­haft sind zumin­d­est nicht die Texte zur Musik. Keine Coun­try­texte, nichts mit Kühen. Ein Glück! Einzig “Hey Baby” erfüllt mit der rel­a­tiv­en Kürze seines Texts und dessen Inhalt alle Voraus­set­zun­gen, dass man es sich eben­so gut von einem anderen Musik­er vorstellen kön­nte. Zum Beispiel Elvis.

One minute I feel alright, next minute I don’t feel alright;
hey baby, would you say, I’m doing a‑OK?
Hey Baby

Aber zur Musik. Die geht recht klis­chee­los, äh, los: “Curi­ous Spell”, sozusagen eine Eigen­cov­erver­sion Rick Bar­tons, begin­nt mit 80er-Ärzte-Gitarre, bekommt einen beschle­u­nigten Refrain drübergestülpt und ist son­st nicht weit­er schlimm. Ich möchte pos­i­tiv erwäh­nen, dass mir der Gesang der bei­den Bar­tons erfrischend wenig auf den Sack geht. Das ist ja dur­chaus nicht selb­stver­ständlich. (Neben­bei bemerkt finde ich es immer ein wenig niedlich, wie es klingt, wenn man einen ganzen Satz auf dem Wort “shit” betont, was auch hier passiert. Ha, ich bin so unanständig. Shit, hihi. Her­rje.)

Näch­stes Lied: “Shine”. Schon bess­er, keine Coun­try­popgi­tarre mehr als Intro. Erin­nert mich ein biss­chen an die Blues­rockscheiben im väter­lichen Besitz. Solide, mit “aaaaaahhhhh”-Hintergrundgesang in der bridge. Na ja, sagen wir, ich hab schon Schlechteres gehört. “Down­town Lounge”: Erin­nert mich an die frühen Rolling Stones, etwas ener­getis­ch­er vielle­icht, aber der Text (“All I want is some­day to be next to you”) ist blöde. Was mir hier im Übri­gen auch auf­fällt, sind die textlichen Wieder­hol­un­gen, die “All A Man Can Do” wie ein rot­er Faden durchziehen. Das Ende vom Lied? Ein­fach noch mal den Anfang hören. Das ist mal zwis­chen­durch in Ord­nung, aber nutzt sich irgend­wann dann schon ein biss­chen ab, spätestens jet­zt. “Red”: Je länger ich dieses Album höre, desto deut­lich­er wird die klan­gliche Nähe zu den Rolling Stones (dies­mal allerd­ings zu den etwas neueren). Warum ste­hen solche Ver­gle­iche, mit denen der lei­dende Rezensent sich eher anfre­un­den kann als mit Coun­tryscheiße, nie auf Wer­bezetteln?

Ich mag nun nicht jedes einzelne Lied sep­a­rat besprechen, mit steigen­der Spiel­d­auer pen­delt sich “All A Man Can Do” offen­bar bei erwäh­n­tem Blues­rock ein, der Coun­try traut sich nach dem ersten Lied nur sel­ten (beson­ders schreck­lich in “Wreck­ing Ball”) allzu auf­dringlich raus. Gravierende Aus­fälle gibt es außer “Hey Baby” (das auch musikalisch vol­lkom­men unin­ter­es­sant ist) nicht, lobend erwäh­nen möchte ich allerd­ings noch das recht eingängige “Dog­fight” und das abschließende “Mon­day Morn­ing”, das mit Hard-Rock-Refrain und ‑Gitarre aufwartet. Davon hätte ich mir auf den Album etwas mehr gewün­scht.

Mein Faz­it? Tja nun: Folk und “77-Punk” suche ich vergebens, der Coun­try erfüllt aber auch trotz der Ankündi­gun­gen eher eine Feigen­blat­t­funk­tion. Es hätte also schlim­mer kom­men kön­nen. Ich betra­chte “All A Man Can Do” aus der Per­spek­tive eines Musikhör­ers, der nor­maler­weise eher zu Gen­tle Giant, Yes, The Dillinger Escape Plan und King Crim­son als zu Papas Blues­rock­plat­ten greift, daher möge man mir nach­se­hen, wenn mein Jubel sich in Gren­zen hält. Als ein solch­er bin ich zumin­d­est pos­i­tiv über­rascht. Wer so Blues­rockzeug (und die Rolling Stones in ihren unex­per­i­mentellen Phasen) mag, der sollte mal nach­se­hen, ob er irgend­wo rein­hören kann. Die ein­schlägi­gen Rein­hör­web­seit­en bleiben stumm, auch Spo­ti­fy weiß nahezu keinen Rat. (Das, freilich, ver­mag nicht zu über­raschen.)

Damit wäre das auch erledigt.

Sonstiges
Medienkritik LXXXI: Mein lieber Scholli! “Jolie” und der tägliche Penis.

Erin­nert ihr euch noch an die “Jolie”, das Mode- und Tratschkäse­blatt, das ich let­ztes Jahr schon mal verse­hentlich gele­sen habe? Jet­zt ist mir dieses Mal­heur bei der Novem­ber­aus­gabe 2013 (ist ja schon Anfang Okto­ber, da wird’s Zeit) doch glatt ein zweites Mal passiert!

Angesichts dieser Titelgeschichte mag man mir das allerd­ings auch verzei­hen:

Jolie-11-13

“Ein typ­is­ch­er Tag im Leben eines Penis” wird also in dieser Aus­gabe — natür­lich aus der Sicht ein­er Frau — beschrieben. Zum Glück wis­sen wir, dass Sex­is­mus gegen Män­ner nicht existiert, son­st wäre ich ern­sthaft ver­wun­dert; auch wegen der Leser­briefe: Eine Leserin schreibt, ihr Blick sei in der vorheri­gen Aus­gabe an “sexy Dav­ey”, einem oberkör­per­freien Muskel­protz, hän­gen geblieben, und es sei “schade”, dass er schwul sei. Ja, so ein Ärg­er­nis, dass nicht jed­er Schön­ling bere­it ist, eure Fleis­ches­lust zu stillen.

Nack­te männliche Oberkör­p­er laden offen­bar dazu ein, die Män­ner auf’s Kör­per­liche zu reduzieren. Wenn die Män­ner allerd­ings nicht den gängi­gen Schön­heit­side­alen entsprechen, sollen sie lieber ange­zo­gen bleiben, son­st sind sie eklige Sex­is­ten und dür­fen nicht mehr öffentlich Schlagzeug spie­len. Will you be a small weak woman and suck my dick? You know… while we’re all being sex­ist here.

Aber wir waren ja beim The­ma “ein Tag im Leben eines Penis”, und ohne darüber zu sin­nieren, ob es nicht “eines Peniss­es” heißen müsste (denn von Leuten, die für die “Jolie” mit “6 sexy Frisuren Trends” schreiben, ist kein gepflegter Umgang mit der deutschen Sprache mehr zu erwarten), nehme ich euch gle­ich eine Über­raschung: Es ste­ht genau das darin, was ihr ver­mutet.

Dabei sind Stellen wie diese hier (8:45 Uhr) noch nicht ein­mal das Schlimm­ste:

Da benei­de ich meine weib­lichen Kol­le­gen, die haben ihre Eier IM Kör­p­er, wie sich das gehört. Nur wir müssen uns mit diesem anhänglichen, nut­zlosen Miss­geschick der Evo­lu­tion herum­schla­gen.

Dafür haben Män­ner nor­maler­weise keine Brüste, ätsch. Aber dieser Penis­pro­tag­o­nist meck­ert nicht nur, er freut sich dur­chaus auch über die Annehm­lichkeit­en in seinem Leben:

(15:20 Uhr) Hur­raaaa! TITTEN!!!

Die gibt’s natür­lich nicht immer:

(19:00 Uhr) Hätte ich Hände, würde ich eher mich selb­st reiben. 24 Stun­den am Tag, sieben Tage die Woche.

So ein Tage­buch ist ohne eine ordentliche Sexszene natür­lich nicht voll­ständig; die fol­gt um 23:20 Uhr:

Oh, Vor­sicht mit den Zäh­nen, Prinzessin. Ja, so ist es bess­er. Oh ja. Ja. Genau so. Mmm­mm. Jaaa. (usw.)

Im “Intro” zur Rubrik “Pssst …!”, in der es um “Liebe, Lust, Leben” geht, wird erk­lärt:

Neu­rowis­senschaftler (…) haben ent­deckt, dass Müdigkeit durch die Auss­chüt­tung des Glück­shormons Sero­tonin verur­sacht wird (…). Also egal ob Lachen oder Gäh­nen — Haupt­sache hap­py!

Das Gäh­nen, das mich ger­ade überkommt, hat also nichts damit zu tun, dass die “Jolie” ein furcht­bar ödes Groschen­heftchen ist. Sie macht mich nur total fröh­lich. Schön, dass das gek­lärt ist.


Laut dieser Aus­gabe der “Jolie” ist Top­mod­el Miran­da Kerr (“Hochkaräter der Mod­el­szene”, jolie.de, 19. August 2013; “die schöne Aus­tralierin”, jolie.de, Anfang 2013; “die stylis­chste Mut­ter”, jolie.de, Ende 2011; “die Aller­schön­ste”, “meine Inspi­ra­tion” und so weit­er und so fort, jolie.de-Nutzerinnen, Ende 2012) übri­gens “nun wirk­lich kein Anhalt­spunkt für irgend­was”. Ist was dran — welche Frau will schon ein schönes Mod­el und/oder eine gut ausse­hende Mut­ter wer­den?

NerdkramsIn den Nachrichten
Eigentlich suchen wir doch alle nur nach dem aufdringlichsten Werber.

Mitunter ger­ate ich in ein Gespräch mit Mit­men­schen, die Google Chrome für gar nicht so schlimm hal­ten wie ich es im Sep­tem­ber zu erk­lären ver­sucht habe — immer­hin sei es open source, wenn Google irgendwelchen Quatsch damit anstelle, könne man zwar nichts dage­gen tun, aber es zumin­d­est sofort bemerken. Nun, wie wäre es damit?

Google could cre­ate an anony­mous iden­ti­fi­er, tied to users of its Chrome brows­er on a spe­cif­ic device, that adver­tis­ers would use to tar­get ads, accord­ing to a per­son briefed on the plan who declined to be iden­ti­fied because the plan is young and one of sev­er­al options being con­sid­ered.

Das, was Google Chrome kün­ftig also von anderen Browsern maßge­blich unter­schei­den wird, ist, dass seine Benutzer der Daten­sam­mel­wut von Wer­bern (und der NSA) nicht mehr ent­ge­hen kön­nen. Das sei aber auch gut so, denn die momen­tane Sit­u­a­tion sei auch für con­sumers (denn ein Inter­net­nutzer wird als Kon­sument und nicht als mündi­ger Men­sch wahrgenom­men) schi­er unerträglich:

Jor­dan Mitchell, co-chair of the group and a vice pres­i­dent at the Rubi­con Project, a dig­i­tal ad agency, called the cur­rent sit­u­a­tion for adver­tis­ers unre­li­able and uneco­nom­i­cal and “a lose-lose-lose sit­u­a­tion for adver­tis­ers, con­sumers, pub­lish­ers and plat­forms.”

Gut, dass Google sich dieses Prob­lems annimmt!

(via Fefe)


In weit­eren Nachricht­en: Merkel­phone ange­blich nicht merkeltauglich. Früher hieß das noch “idioten­sich­er”.

Persönliches
“Schnell, macht mal den Fernseher an, da kommt scheußlicher Schund!”

Twit­ter­nutzer wis­sen es: Wenn im Fernse­hen “Wet­ten, dass…?” oder “Tatort” läuft, herrscht Hochbe­trieb bei den Mikroblog­gern. Jede Szene wird spöt­tisch kom­men­tiert, wozu Markus Lanz und Til Schweiger, zugegeben, ger­adezu ein­laden. Nicht, dass ich mich an der kollek­tiv­en Selb­sten­thir­nung beteili­gen würde, denn ich habe kein Inter­esse daran, mit Schmud­delkindern zu spie­len. Ich muss Scheiße nicht fressen, um zu wis­sen, dass sie mir nicht schmeckt.

Kon­sens scheint es ohne­hin zu sein, dass zumin­d­est erst­ge­nan­nte Sendung qual­i­ta­tiv das Adverb “qual­i­ta­tiv” nicht ein­mal in Kom­bi­na­tion mit “schlecht” ver­di­ent. Nach dem — hihi — Auss­chei­den von Thomas Gottschalk kan­nten die Medi­en auch nur noch dieses eine The­ma: Mit der Sendung sei’s vor­bei, das werde nix mehr, es war sowieso schon immer schlecht und wurde nicht bess­er. Ja, damals, als deutsches Fernse­hen noch einen gewis­sen Anspruch hat­te und Mod­er­a­toren noch nicht jeden Satz mit “hehe­he” been­de­ten, war “Wet­ten, dass…?” noch eine ernst zu nehmende show und kein net­ter Zeitvertreib für Leute, die zu blöd sind, um sich mit ein­er Spir­i­tu­ose und einem Buch und/oder Lap­top vor den Kamin zu set­zen und/oder zu leg­en.

Beim Tatort kann ich es noch ver­ste­hen: Fernse­hzuschauer …

(…) brauchen, so scheint es, stets das Bild des Grauens vor ihren Augen.

Dabei geht es, wohlge­merkt, um tote Leichen, nicht um Markus Lanz. Was also ist das für ein selt­sames Phänomen, das die Leute dazu treibt, der ganzen Welt stolz mitzuteilen, dass sie nun­mehr begin­nen, eine Fernsehsendung zu kon­sum­ieren, die sie wed­er wertschätzen noch anderen zumin­d­est sym­pa­this­chen Men­schen empfehlen wür­den? Was bewegt Non­sens­me­di­en wie SPIEGEL ONLINE dazu, aller­lei belan­glos­es Geschehen rund um dieses in Szene geset­zte Lei­den (ebd.) zu doku­men­tieren?

Vielle­icht ist es Tra­di­tion. Leute guck­en “Wet­ten, dass…?”, weil sie das vor 20 Jahren schon getan haben, sie wählen CDU, weil sie das vor 20 Jahren schon getan haben, sie lesen Tageszeitung (oder die jew­eils gängige Online­fas­sung der­sel­ben), weil sie das vor 20 Jahren schon getan haben. Grug Crood wäre ihnen ein stolz­er Vater. Wir aber, wir jun­gen Wilden, sind anders aufgewach­sen. Wir haben gel­ernt, unser Leben selb­st zu gestal­ten. Will nicht jede Gen­er­a­tion ganz anders sein als die Gen­er­a­tion ihrer Eltern? Wir lesen nicht die Zeitung unser­er Eltern. Wir wählen nicht die Lieblingspartei unser­er Eltern. Wenn nur Grütze im Fernse­her läuft, lassen wir den Scheißfernse­her ganz ein­fach mal aus oder kaufen uns am Besten gar nicht erst einen.

Aber wahrschein­lich löst sich dieses Prob­lem bald von selb­st.

Politik
Ja, wo isser denn? Warum Deutschland den Liberalismus braucht.

Schland.Rain­er Hank schrieb gestern auf FAZ.net, die Schuld am Nieder­gang der F.D.P. könne gar nicht auss­chließlich verur­sacht wor­den sein von so jäm­mer­lich schwachen Gestal­ten wie Philipp Rösler, Daniel Bahr oder Dirk Niebel, die Ursachen lägen somit tiefer in der Geschichte ver­bor­gen. In diesem Zusam­men­hang taucht auch immer wieder der Begriff des “Lib­er­al­is­mus” auf, der nun­mehr am Boden liege. Das stimmt so nicht.

Die F.D.P. ist seit ihrer Grün­dung nach dem Krieg eine Partei, die ver­schiedene For­men des Lib­er­al­is­mus ver­tritt und dabei auch eine 180-Grad-Wen­dung sel­ten auss­chließt. Der starke nation­al­lib­erale Flügel der Partei etwa, beson­ders stark in Nor­drhein-West­falen, kon­nte es nicht ver­hin­dern, dass sich die Bun­despartei trotz der Alt­nazi-Stammwäh­ler­schaft poli­tisch auf die SPD zube­wegte; die sozial­lib­erale Koali­tion aus der (damals noch sozialen) SPD und der (damals noch sozial­lib­eralen) F.D.P. hielt immer­hin bis 1982 an und ließ sich erst von Hel­mut Kohl, der in sein­er ersten Regierungserk­lärung “Weniger Staat — mehr Markt” forderte und damit zugle­ich den so genan­nten Neolib­er­al­is­mus formte und den neuen Koali­tion­spart­ner, der im Begriff war, sich poli­tisch freizuschwim­men, an die kurze Leine nahm, die dieser bis heute nicht durchzubeißen geschafft hat, von ihrem Weg abbrin­gen. Über­haupt liest sich diese Regierungserk­lärung wie ein best of der neueren F.D.P.-Wahlplakate:

Ins­ge­samt stellen wir mit diesem Dringlichkeit­spro­gramm die Weichen zur Erneuerung: weg von mehr Staat, hin zu mehr Markt; weg von kollek­tiv­en Las­ten, hin zur per­sön­lichen Leis­tung; weg von verkrusteten Struk­turen, hin zu mehr Beweglichkeit, Eigenini­tia­tive und ver­stärk­ter Wet­tbe­werb­s­fähigkeit.

Leis­tung muss sich wieder lohnen! 2006 griff Kurt Beck (SPD, muss man nicht ken­nen) diesen Satz auf, die F.D.P. druck­te ihn kaum mod­i­fiziert auf große gelb-blaue Plakate neben ein Kon­ter­fei der Leis­tungsträgerin Sil­vana Koch-Mehrin, die, von ihrem ergaunerten Dok­tor­ti­tel befre­it, inzwis­chen auf län­derüber­greifend­er Ebene in der ALDE (dazu komme ich weit­er unten noch) vor sich hinox­i­diert, wenn sie mal da ist. Wir sehen erneut: Die CDU war schon immer recht gut darin, nicht die Schuld an den Fol­gen ihres eige­nen Tuns zu tra­gen.

Moment — sozial­lib­er­al? Da war doch was! Ja, auch die Piraten­partei (beziehungsweise ihr stets zu unüber­legtem Geschwätz in Mikro­fone hinein bere­it­er Vor­sitzen­der Bernd Schlömer) hat erst vor gefühlt kurz­er Zeit bekan­nt­gegeben, sie sei sozial­lib­er­al. Die Piraten­partei ist schon auf­grund ihrer Struk­tur eine pro­gres­sive, mithin def­i­n­i­tion­s­gemäß linke, inhaltlich lib­erale bis lib­ertäre Partei, die anson­sten ver­mut­lich selb­st mit dem linken Flügel der CDU mehr poli­tis­che Übere­in­stim­mung find­et als mit der Duckmäuser‑F.D.P.; damit wäre das im Übri­gen auch gek­lärt. Sozialer Lib­er­al­is­mus ist sicher­lich nicht verkehrt, aber wer hier noch immer an eine Liai­son von SPD und F.D.P. denkt, also an Alter­sar­mut für alle, denen kein Hotel gehört, die haben da etwas falsch ver­standen. Und das ist nur eines der Prob­leme, die der Nieder­gang der F.D.P. so mit sich brachte: Der Begriff des Lib­er­al­is­mus ist dauer­haft beschädigt. (Nach­trag, Sep­tem­ber 2016: Bernd Schlömer ist mit­tler­weile ein erfol­gre­ich­er Abge­ord­neter der Berlin­er F.D.P.; da wächst zusam­men, was schon viel früher hätte zusam­menwach­sen sollen.)

Und dabei brauchen wir die F.D.P. so sehr wie noch nie, sagt die F.D.P.:

Die Lücke, die durch das Auss­chei­den der FDP aus dem Deutschen Bun­destag in der poli­tis­chen Land­schaft ent­standen sei, werde bere­its sicht­bar[.]

Was der Wäh­ler zumin­d­est offen­sichtlich nicht braucht, ist einen Markt, der alles regelt. Insofern wäre es nur kon­se­quent gewe­sen, hätte er die CDU, die dem Markt über­haupt erst die Posi­tion zuge­s­tanden hat, die die F.D.P. for­t­an zu hal­ten beab­sichtigte, abgewählt, aber kon­se­quentes Han­deln erwarte zumin­d­est ich von deutschen Wäh­lern schon lange nicht mehr. Tat­säch­lich fehlt in der deutschen Poli­tik nicht die F.D.P., son­dern der Lib­er­al­is­mus in sein­er reinen, nicht wirtschafts­getriebe­nen Form. (Die Piraten­partei hätte jet­zt ver­mut­lich leicht­es Spiel, würde sie, manchen per­son­ellen Wech­sel natür­lich voraus­ge­set­zt, diesen Platz annek­tieren, aber wer passt dann auf’s Inter­net auf?) Aber was ist Lib­er­al­is­mus über­haupt? Der “Veg­gie Day” sei Lib­er­al­is­mus, pos­tuliert Christo­pher Gohl, F.D.P.-Bundestagsdirektkandidat im Wahlkreis 290 und somit jemand, der es eigentlich bess­er wis­sen sollte, für ZEIT ONLINE. Leitziel des Lib­er­al­is­mus sei die Frei­heit des Indi­vidu­ums vornehm­lich gegenüber staatlich­er Gewalt, so steht’s momen­tan in der Wikipedia, und staatlich aufer­legte Speise­pläne zählen nun nicht zu den Din­gen, die mir beim Stich­wort “Frei­heit gegenüber dem Staat” als Erstes ein­fall­en wür­den.

Der Lib­er­al­is­mus — ja, sog­ar die F.D.P. — ist außer­halb Deutsch­lands auch ein Erfol­gsmod­ell. Die lib­erale Frak­tion ALDE im Europäis­chen Par­la­ment ist zumin­d­est die drittgrößte der dor­ti­gen Frak­tio­nen. (Die Europäis­che Union ist im Übri­gen auch nicht ger­ade das, was der Wikipedia- oder der “neolib­eralen” Def­i­n­i­tion von Lib­er­al­is­mus ent­ge­genkommt. Der Markt hat sich die Energies­par­lam­p­en sicher­lich eben­so wie der Einzelne nicht aus­ge­sucht.) Lib­er­al­is­mus ist also keineswegs tot; im Gegen­teil: Da der zu Recht gescholtene Neolib­er­al­is­mus, sein­erzeit von Lud­wig Erhard (wiederum CDU) als “soziale Mark­twirtschaft” ange­priesen, sich jeden­falls in Deutsch­land bis auf Weit­eres erledigt hat (der Markt hat’s höh­nisch geregelt), kann sich der Lib­er­al­is­mus nun nach den Jahrzehn­ten, in denen er sich der Geldelite fügen musste, neu auf­stellen.

War nie wirk­lich weg, hab’ mich nur ver­steckt.
Mar­ius Müller-West­ern­hagen: Wieder hier

Ein neuer sozialer Lib­er­al­is­mus, der die wirtschaft­slib­eralen Aspek­te außer Acht lässt, wäre der gegen­wär­ti­gen poli­tis­chen Land­schaft in Deutsch­land tat­säch­lich zuträglich. Von CDU und Grü­nen müssen wir hier gar nicht weit­er reden, dass sel­bige nicht lib­er­al sind, sollte erkennbar sein; und auch die SPD, die Lib­er­al­is­mus und Neolib­er­al­is­mus nicht auseinan­der­hal­ten kann, wird das nicht leis­ten kön­nen. Es fehlt eine Partei, die den Frei­heits­be­griff auch in Wirtschaft und Außen­poli­tik zur Maxime erk­lärt, ohne ihn ein­er höheren Instanz (etwa den Märk­ten, wer auch immer das sein soll) unterzuord­nen. Die Alter­na­tive für Deutsch­land hat das zumin­d­est erkan­nt und ver­sucht, die Fehler der F.D.P. auszu­gle­ichen; doof nur, dass sie nur sel­ten die dur­chaus fach­lich bewan­derten Wirtschaft­spoli­tik­er in ihren Rei­hen mit der Presse sprechen lässt, son­dern meist die Pop­ulis­ten mit Pro­fil­neu­rose zu Wort kom­men. So wird das nichts mit der lib­eralen Erneuerung; und in ein­er Zeit, in der die Mitte, der Ein­heits­brei aus kon­ser­v­a­tiv-reak­tionär­er Beständigkeit­spoli­tik, unwider­sprochen den Ton angibt, ist es um die Bere­itschaft mündi­ger Bürg­er, sich über­haupt noch für Poli­tik zu inter­essieren, ver­mut­lich nicht zum Besten bestellt. Also muss doch die F.D.P. den Lib­er­al­is­mus in Deutsch­land ret­ten. Das wird noch lustig.

Das wird nur funk­tion­ieren, indem die Idee von der sozialen Mark­twirtschaft keine dom­i­nante Kon­stante mehr ist. Die Märk­te sind gesät­tigt, das Ange­bot über­steigt, Opti­mierun­gen sei Dank, längst bei Weit­em die Nach­frage. Vielle­icht ist es also an der Zeit, Märk­te und Banken in Ruhe miteinan­der spie­len zu lassen, die Tür hin­ter ihnen zu schließen und sich endlich wieder um den Bürg­er und seine Frei­heit zu küm­mern — nicht nur die Frei­heit im Inter­net und die Herrschaft über die eigene Iden­tität (darum küm­mern sich die Pirat­en schon ganz gut), son­dern vor allem auch um die Frei­heit, diese Iden­tität, also das Leben, selb­st zu gestal­ten. Bürg­er­recht­slib­er­al­is­mus, wie ihn unter anderem Sabine Leutheuss­er-Schnar­ren­berg­er, der man anson­sten häu­figer mal ein Mikro­fon unter die Nase hal­ten sollte, das man Wind­beuteln wie Philipp Rösler dafür get­rost weg­nehmen kann, ver­tritt, sollte die lib­erale Aus­prä­gung sein, die sich durch­set­zt. Frei wie in “freie Rede”, nicht wie in “Frei­bier”.

Wie groß die Lücke, die die F.D.P. 1982 hin­ter­lassen hat, eigentlich ist, fällt dem Wäh­ler, der seine poli­tis­che Bil­dung zur Gänze von Wahlplakat­en und aus den Medi­en bezieht, erst 2013 auf; falls er’s denn über­haupt bemerkt. Gut, dass diese Lücke nun auch sicht­bar gewor­den ist. Jet­zt hat der Lib­er­al­is­mus wieder eine Chance. Die Nach­frage regelt den Rest.

Immer wieder find­et man in den intel­li­gen­testen Men­schen zugle­ich die lib­er­al­sten und in den Unge­bildet­sten die radikalsten.
Sul­ly Prud­homme

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Esmerine — La lechuza

Esmerine - La lechuzaMusik gewor­dene Trauer. “La lechuza”. Die Eule. Das kommt mir spanisch vor; Esmer­ine, gegrün­det vor nun­mehr zehn Jahren, kom­men trotz­dem aus Kana­da. Das Duo ist kein unbekan­ntes: Bruce Caw­dron war vorher vornehm­lich bei God­speed You! Black Emper­or, Rebec­ca Foon bei A Sil­ver Mt. Zion aktiv, wobei let­zteres wiederum ein Neben­pro­jekt der umtriebi­gen GY!BE-Musiker ist, was per­son­elle Über­schnei­dun­gen eben­so erk­lärt wie den Umstand, dass sich in Mon­tréal alle Musik­er gegen­seit­ig zu ken­nen scheinen. Mon­tréal, Stadt der GY!BE-Nebenprojekte.

Dieses Duo jeden­falls veröf­fentlichte 2011 mit “La lechuza” ein Album, das mit dem mitunter ver­spiel­ten Postrock des Haupt­pro­jek­ts nicht allzu viel zu tun hat. Ähn­lichkeit­en? Klar. Esmer­ine machen Kam­mer­musik mit Cel­lo, Perkus­sion, Marim­ba und Melan­cholie. Auch ein schönes Instru­ment eigentlich. Gesang? Ja.

Son­stige Assozi­a­tio­nen? Vielle­icht A Whis­per In The Noise. Noch so’n Duo. Musikalis­che Jahreszeit: Herb­st.

Das aktuelle Album “Dal­mak” erschien am 3. Sep­tem­ber 2013. Ich nehme an, es ist eben­falls sehr gut. Rein­hören? Hier ent­lang. Musik für Kopfhör­er und ein Wohnz­im­mer mit Kamin. Schön.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt CXCVII: Moment, meine Banane klingelt.

Manche Witze ver­lieren mit der Zeit ihre Pointe. Heute schon wieder ein­er:

Nach Sam­sung will auch LG in Kürze ein gebo­genes Smart­phone vorstellen. Offen­bar will LG dabei aber etwas radikaler vorge­hen als Sam­sung, denn das als LG Z oder Z1 beze­ich­nete neue Smart­phone soll “wie eine Banane” gebo­gen sein.

Es gibt zwar noch keine Presse­fo­tos, jedoch hat man in Tai­wan bere­its ein Konzept veröf­fentlicht:

Bananaphone

Der Mehrw­ert eines gebo­ge­nen Bild­schirms leuchtet mir immer noch nicht ein. Lediglich den Scherzfre­und wird’s freuen. Warum immer mehr Her­steller die Geräte, die bere­its deut­lich zu groß zum beque­men Hosen­taschen­trans­port sind, nun auch noch biegen müssen, wodurch sich der benötigte Stau­raum wiederum erweit­ert, ist mir ins­beson­dere unbe­grei­flich.

Aber ich nehme es ihnen nicht krumm.