PersönlichesNerdkrams
Muskelgedächtnissenilität. / Strg+Mist!

(Vorbe­merkung: Ja, ich habe den angekündigten Nichtrück­tritt des Lim­burg­er Bischofs zur Ken­nt­nis genom­men, aber nein, ich halte jedes weit­ere Wort hierüber für zu viel Aufmerk­samkeit für jeman­den, der die Ide­ale der katholis­chen Kirche so her­vor­ra­gend repräsen­tiert wie kaum ein Zweit­er. Daher schreibe ich stattdessen was über Com­put­erkram.)

Wer meine Artikel gele­gentlich aufmerk­sam ver­fol­gt, der hat unter Umstän­den schon mit­bekom­men, dass für mich Texte­d­i­toren das sind, was für andere Autos, Smart­phones oder Schuhe sind: Ich besitze zu viele von ihnen.

Auf Servern set­ze ich mal auf nano, mal auf Vim (je nach Anwen­dungs­fall), auf dem Desk­top bin ich bekan­ntlich jüngst von Sub­lime Text 3 auf Emacs umgestiegen (beziehungsweise entwerfe ich meine län­geren Texte immer noch abwech­sel­nd in einem dieser bei­den Edi­toren). Auch zwei IDEs kom­men zum Ein­satz: Eines mein­er aktuellen Pro­gram­mier­pro­jek­te bear­beite ich größ­ten­teils im Qt Cre­ator (in dem ich immer­hin einen Vim-Modus ver­wen­den kann), für ein anderes muss ich aus tech­nis­chen Grün­den Visu­al Stu­dio benutzen, für das es zwar ViEmu gibt, das aber mein Bud­get für der­lei regelmäßig deut­lich über­steigt. Dass ich nicht ein­fach für jeden Mist den gle­ichen Edi­tor ver­wende, hat ver­schiedene Gründe: Ser­ver­seit­ig benutze ich keine GUIs, was Visu­al Stu­dio von vorn­here­in auss­chließt, Emacs ist wegen sein­er Tas­tenkürzel über PuT­Ty eine Qual, Vim eignet sich für andere Zwecke her­vor­ra­gend als nano (das beim schnellen Edi­tieren ein­er län­geren HTML-Datei indes defin­i­tiv seine Stärken hat); und aber vor allem: Ich kann damit qua­si im Schlaf arbeit­en. (Mein früher­er Arbeit­ge­ber würde das mit dem Schlaf wahrschein­lich bestäti­gen.)

Nun sind die meis­ten Texte­d­i­toren Pro­gramme, deren flüs­sige Bedi­enung (eben das mit dem Schlaf) stark vom Muskelgedächt­nis abhängt: Je häu­figer man ihre Tas­tenkürzel ver­wen­det, desto selb­stver­ständlich­er erfol­gt dies. Um beim Beispiel nano zu bleiben: Wenn ich eine Datei auf dem Serv­er mit nano [Datei] edi­tiere, merkt sich meine Hand, dass der näch­ste Steuer­be­fehl wahrschein­lich Strg‑O Strg‑X (Spe­ich­ern und Schließen) sein wird, und führt diesen qua­si unbe­merkt aus.

Blöder­weise haben nano, Vim, Emacs und nor­male IDEs die Eigen­schaft, völ­lig unter­schiedliche Tas­tenkürzel zu unter­stützen. Ja, einen Vim-Modus kann man meist — außer in nano — irgend­wie nachrüsten, und möglicher­weise sind auch die Emacs-Tas­tenkürzel sozusagen Gewöh­nungssache (Mac OS X, mit dem ich mit­tler­weile mein Geld ver­di­enen darf, ver­wen­det sie immer­hin auch, dafür hat’s wed­er eine Pos1- noch eine Ende-Taste), kom­pliziert wird es allerd­ings dann, wenn man — wie ich — häu­figer zwis­chen den Edi­toren wech­selt. Ein ein­fach­es Beispiel: Ich möchte eine Datei spe­ich­ern. Das geht in nano mit Strg‑O, in Vim mit Esc :w, in Emacs mit Strg‑X Strg‑S und über­all anders mit Strg‑S. (Das ist ja auch so ein Phänomen von Open Source: Ergonomis­che Gesicht­spunk­te wer­den kon­sis­ten­ter Bedi­enung in der Regel über­ge­ord­net. Zugegeben: Bei Uni­ty bin ich mir da nicht so sich­er.)

Mein Muskelgedächt­nis mag das aber gar nicht.

Ein­mal antrainierte Tas­tenkom­bi­na­tio­nen bleiben blöder­weise auch beim Wech­sel zwis­chen ähn­lichen Pro­gram­men “gespe­ichert”. Dass Emacs (jeden­falls in mein­er Kon­fig­u­ra­tion) wed­er Strg‑O noch Strg‑S zum Spe­ich­ern von Dateien ver­ste­ht, vergesse ich immer wieder; ger­ade nach ein­er län­geren Sitzung in anderen Pro­gram­men, die eine dieser Kom­bi­na­tio­nen ver­wen­den, braucht das Muskelgedächt­nis eine Weile, um zu bemerken, dass es nun wieder die anderen Befehle braucht. (Dann geht es aber wieder wie von selb­st). Mit steigen­der Nutzungs­dauer (und Edi­toren­zahl) wird das im Übri­gen auch nicht leichter, ganz im Gegen­teil.

Mögliche Lösun­gen? Entwed­er sollte ich jeden Edi­tor, bei dem das möglich ist, auf die Vim-Bele­gung umstellen (das nano-Prob­lem bliebe beste­hen und Emacs ver­löre trotz der Annehm­lichkeit­en von 3cw und der­gle­ichen manche pro­duk­tiv­itätssteigernde Beson­der­heit, somit wäre das nicht aus­re­ichend prak­tik­a­bel) oder ein paar Edi­toren aus meinem Fun­dus ent­fer­nen. Ein geeigneter Kan­di­dat wäre nano, für das dann Ersatz nötig wäre; anbi­eten würde sich ein lokal instal­liertes Emacs, mit­tels dessen ich (wegen der inte­gri­erten her­vor­ra­gen­den SSH-Unter­stützung) das oben beschriebene PuT­Ty-Prob­lem ele­gant umge­hen kön­nte. Das Prob­lem daran? Unter Win­dows weigert sich der SSH-Modus (tramp-mode) behar­rlich zu funk­tion­ieren, außer “Emacs hängt sich auf” passiert da nicht viel. Wahrschein­lich ist das ein Prob­lem, das sich über einen ein­fachen Kon­fig­u­ra­tion­sein­trag lösen ließe, allerd­ings fehlt mir dafür ger­ade die nötige Muße.

Vielle­icht sollte ich ein­fach zukün­ftig nur noch Win­dows-Serv­er ein­set­zen. Da kann ich wenig­stens rumk­lick­en.


Neues aus der Net­zwelt: Iso­Hunt muss schließen. Wie schon seit vie­len Jahren sind wir eMule- und aMule-Nutzer nicht davon betrof­fen, weil wir schlicht keine Web­seit­en, Linkpor­tale, Such­maschi­nen und Web­brows­er brauchen, um zu find­en, was wir brauchen.

Senfecke:

  1. Schön dass wir doch alle die sel­ben Prob­leme haben (Wer­bung). Allerd­ings finde ich das Vim-Spe­ich­ern zwar gut zu merken, als wirk­liche Lösung kann ich es aber nicht akzep­tieren. Ich spe­ichere sich­er mehr als hun­dert mal am Tag, da sind mir vier Tas­ten­drücke (in aller Regel Esc, dann :w und Enter) schlicht zu viel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich daran gewöhne. Ich habe in Vim erst­mal Strg+s einge­baut.

    Und übri­gens: Ich mag Wurst.

    • Dem Muskelgedächt­nis ist die Anzahl an Tas­ten­drück­en einiger­maßen egal, glaube ich. Vom “Remap­pen” halte ich zumin­d­est in diesem Fall nichts. Zugegeben, Vims Tas­tenkürzel sind für ’ne QWER­TY-Tas­tatur gemacht wor­den (und die von Emacs für ein Space-Cadet-Key­board… brrr), insofern sind viele von ihnen auf unseren Tas­taturen nicht so prak­tisch wie sie eigentlich sein soll­ten, aber ob ich nun Strg oder Esc extra drück­en muss… :)

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