PolitikIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Hans-Peter Uhl, CSU.

Dieser Artikel ist Teil 8 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Hans-Peter Uhl, Innen­ex­perte und Vor­rats­daten­predi­ger bei der CSU, ist ja immer wieder für einen sprach­lichen und poli­tis­chen Faux­pas zu haben.

Nun hat man seit Monat­en nicht viel von ihm gehört; vielle­icht hat er einen Com­put­erkurs besucht (oder ver­bi­eten lassen). Jet­zt jeden­falls ist er zurück, und er hat ein neues The­ma mit­ge­bracht: Die Vor­rats­daten­spe­icherung ist ihm momen­tan nicht so wichtig, die erledi­gen ja bere­its seine amerikanis­chen Fre­unde. Stattdessen hat er sich ein anderes The­ma aus­ge­sucht, von dem er auch nichts ver­ste­ht, näm­lich Authen­tifizierungs- und Ver­schlüs­selungsmech­a­nis­men:

Unmit­tel­bar vor dem Tre­f­fen der Arbeits­gruppe Innen und Recht bei den Koali­tionsver­hand­lun­gen regte der Unions-Innen­ex­perte Uhl mehr Kom­pe­ten­zen für das Innen­min­is­teri­um an. „Eine Lehre aus der NSA-Affäre muss sein, dass wir uns in den Koali­tionsver­hand­lun­gen darauf ver­ständi­gen, die Ver­ant­wor­tung für sichere Kom­mu­nika­tion kom­plett dem Innen­min­is­teri­um zu unter­stellen. Das gilt auch für die Bun­desnet­za­gen­tur.“

Das Innen­min­is­teri­um ken­nt sich näm­lich aus mit sicher­er Kom­mu­nika­tion, immer­hin hat es Erfahrun­gen gesam­melt:

Ein weit­eres sicheres Ver­fahren, um elek­tro­n­is­che Nachricht­en zu über­tra­gen, ist das De-Mail-Ver­fahren, das vom deutschen Innen­min­is­teri­um koor­diniert wird.

De-Mail war das hier:

In der momen­ta­nen De-Mail-Spez­i­fika­tion wer­den die Serv­er zudem zu attrak­tiv­en Angriff­szie­len. Wenn nun die Kom­mu­nika­tion der gesamten Ver­wal­tung des Bun­des über diese weni­gen Serv­er abgewick­elt wer­den soll – oben­drein mit ein­er Ver­schlüs­selung, die ihren Namen nicht ver­di­ent –, ist der Dat­en-GAU vor­pro­gram­miert.

Dann kann ja nichts mehr schiefge­hen!

KaufbefehleMusikkritik
Møster! — Edvard Lygre Møster

Møster! - Edvard Lygre MøsterVer­störend wie son­st nur die Welt­poli­tik hätte sich “Edvard Lygre Møster” gle­ich auf zweifachem Weg in die Jahres­besten­liste 2013 geschum­melt: Erstens ist’s ein Liveal­bum, dem man das kaum anhört, und dann ist es auch noch 2011 aufgenom­men wor­den. So wird das nix mit meinem “Album des Jahres”. Dabei hätte “Edvard Lygre Møster” anson­sten ziem­lich gute Chan­cen auf diesen Titel.

Wie schon auf meinem Album des Jahres 2012 spielt Ståle Stor­løkken auch hier — an Syn­the­siz­er und Fend­er Rhodes — wieder mit. Der Mann scheint ein Gespür für avant­gardesque tolle Musik zu haben, man sollte seine musikalis­chen Aktiv­itäten also auch weit­er­hin ver­fol­gen. Møster!, eigentlich ein Solo­pro­jekt des nor­wegis­chen Sax­o­phon­is­ten Kjetil Møster (son­st bei Ultra­lyd und mit anderen Bands wie Low Fre­quen­cy in Stereo aktiv), ist hier ein Vier­man­nun­ternehmen; außer­dem dabei sind Niko­lai Eil­ert­sen, Bassist bei den famosen elephant9 (eben­falls mit Ståle Stor­løkken), und Schlagzeuger Ken­neth Kap­stad, der seit 2007 mit Motorpsy­cho zusam­men musiziert. Das Ergeb­nis dieses Zusam­men­spiels ist ein druck­voller instru­men­taler Jazz, bei dem kein Instru­ment zu kurz kommt, was ihn pos­i­tiv von dem ollen Trompe­tenkrams von Miles Davis abhebt, das mich immer, Sakri­leg!, schon eher gelang­weilt hat; aber ich schweife ab.

Was ein Edvard Lygre ist, ver­mag ich auf­grund man­gel­nder Nor­wegis­chken­nt­nisse nicht zu wis­sen. Ist das nicht aber sowieso beina­he egal? Ich lasse lieber die Musik für sich sprechen. Und die geht, Verzei­hung!, tierisch ab. Ist das erste Stück “Plas­tic Dis­co” (12:10 Minuten; keine Sorge, bumm-tschack bleibt hier aus) schon ein prachtvoller Vor­bote für das Fol­gende, drehen die vier Her­ren danach erst so richtig auf. In “Ran­som Bird” ist erst­mals tat­säch­lich etwas Pub­likum (jubel­nd) zu hören. Wer kön­nte es ihm ange­hörs der schieren Instru­mente­neska­pade, her­aus­ra­gend vor­angetrieben von Schlagzeug und Bass, schon ver­denken? Das Inter­net schreibt hier von “rauschhafter Ekstase”, und ich kön­nte es kaum bess­er umschreiben.

Es fol­gt mit “Com­po­si­tion Task #1” ein ziem­lich nor­mal jazz­iges Stück, das mit sieben Minuten Laufzeit auch das kürzeste auf dem Album ist, bis nach eini­gen Minuten Kjetil Møster sein Sax­ophon­spiel ins Schräge abgleit­en lässt, wo er sich gut auszuken­nen scheint. “Com­po­si­tion Task #1” nimmt nach Stück 1 und 2 den­noch eine Son­der­rolle ein; eine “Com­po­si­tion Task #2” gibt es auf dem Album nicht. Den Abschluss bildet “The Boat”, in dem das Sax­ophon über eine Vier­tel­stunde lang aller­lei Elek­tro­n­is­chem, gespielt von drei der vier Musik­er (plus Schlagzeuger), mehr Raum lässt. Møster! kön­nen also sog­ar Space­rock, und ziem­lich guten noch dazu.

Entspan­nen­der Radio­jazz ist auf “Edvard Lygre Møster” tat­säch­lich nicht zu hören. Das ist aber auch nicht schlimm. “Lounge-Jazz”? Jazz für jede Gele­gen­heit! Hör­proben? Ama­zon. Aber wer liest schon nur einzelne Seit­en in einem Buch?

Spaß mit Spam
Kurzspam: Ihr Freund “YOU GET PAID INSTANTLY UP TO 325K+”, hat dieses Produkt gefunden, und zwar hier: KongMing

Endlich mal ’n ein­prägsamer Betr­e­ff!

Und was will mein Fre­und “YOU GET PAID INSTANTLY UP TO 325K+” (was für Eltern muss der haben?!) von mir? Mir scheint’s was empfehlen will er. Auszug aus der Mail:

Ihr Fre­und, “YOU GET PAID INSTANTLY UP TO 325K+”, hat dieses Pro­dukt 5er Set, beleuchtete weisse elek­trische Seerose mit Farb­wech­sel bei Kong­Ming gefun­den.

Hel­lo Friend!

This is Amaz­ing!

How Many Emails Can You Process In One Day? 2, 4, 7, 24, or 247 . .? Can You Do It 24/7?

Get Paid $25 For Every Email You Process

If You Can Send And Receive Emails, We Can Teach You To Trans­form Your PC Into A Mon­ey-Mak­ing Machine.

(Und so weit­er und so fort.)

Schön, so eine beleuchtete Seerose wollte ich schon immer mal haben. Aber dass mein PC zur Geld­mach­mas­chine wird, fände ich nicht so schön. Ich würde eigentlich gern damit arbeit­en.

Muss ich meine Seerose halt woan­ders kaufen.

PolitikIn den Nachrichten
Endlich: Regierung bekämpft Altersarmut!

Da nun mit der SPD höchst­wahrschein­lich mal wieder eine “sozial”-konservative Partei in die Regierung einzieht, will sich die CDU natür­lich nicht die But­ter vom Brot nehmen lassen und tut was gegen die Armut im Alter:

„Viele Men­schen kom­men mit ihren Niedriglöh­nen oder ihren gerin­gen Renten nicht aus. Eine große Zahl davon bessert daher mit dem Sam­meln von Pfand­flaschen ihren Leben­sun­ter­halt auf. Sie kön­nten von der Pfan­der­höhung direkt prof­i­tieren.“

Natür­lich kön­nte statt eines höheren Flaschenpfands auch ein­fach andere Beträge erhöhen, zum Beispiel die, die dafür sor­gen, dass die Bedürfti­gen über­haupt ohne Flaschen­sam­meln über den Win­ter kom­men; aber wer soll das denn dann wieder bezahlen?!

(Ich bitte um Verzei­hung, dass diese Mel­dung schon etwas älter ist — per tagesschau.de, eines dieser schnellen Qual­itätsme­di­en, wurde sie mir erst heute in meine Twit­ter-time­line gespült.)

Wer hat die doch gle­ich gewählt?

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Onlinejournalismus 2013, kurz zusammengefasst.

Zu den “Leis­tun­gen”, die der Online­jour­nal­is­mus in Deutsch­land erbringt und die es offen­bar rechtlich zu schützen gilt, gehört im Übri­gen so etwas:

Pres­sev­ertreter wer­den heute Abend wieder ins Yer­ba-Bue­na-Cen­ter im Zen­trum von San Fran­cis­co strö­men. Dort wird Apple um 19 Uhr mit­teleu­ropäis­ch­er Som­merzeit neue Pro­duk­te vorstellen.

Alle Räder ste­hen still, / wenn es Apple ger­ad’ so will. Um was für Pres­sev­ertreter geht’s? Die üblichen Verdächti­gen (Mash­able, Giz­mo­do, CNet, Giga.de und so weit­er) wer­den bericht­en, “Livet­ick­er” befind­en sich zur Stunde aber auch auf focus.de, WELT.de und FAZ.net, eben­so auf der Web­site des Ham­burg­er Abend­blatts, der Stuttgarter Zeitung und des STERN — alle­samt aktive Unter­stützer des Leis­tungss­chmutzrechts.

Und so, liebe Leser, wird Online­jour­nal­is­mus definiert: Irgend­wo in den USA ste­ht ein Fir­men­vor­stand auf ein­er Bühne und zitiert aus firmeneige­nen Wer­be­prospek­ten, um ihn herum sitzen “Jour­nal­is­ten” ver­sam­melt und schreiben das ab. Dann wollen sie dafür Geld sehen, damit ihr wichtiges Medi­um nicht schließen muss.

Es gibt augen­schein­lich immer noch viel zu viele Leute, die mit solchem “Jour­nal­is­mus” Geld ver­di­enen. Ich empfehle, oben genan­nte Zeitun­gen auch in Zukun­ft zu mei­den. Je eher diese Spe­ichel­leck­erei aus finanziellen Grün­den endet, desto größer ist die Wahrschein­lichkeit, dass der Markt für richti­gen Jour­nal­is­mus wieder geöffnet ist.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Medienkritik in Kürze: “Traurig, kein Fake” / Google belegt, dass Google belegen kann.

Um noch mal kurz zu verdeut­lichen, wo der Unter­schied zwis­chen gemäßigtem — das ist der, den ich prinzip­iell für nicht verkehrt befinde — und pop­ulis­tis­chem Fem­i­nis­mus liegt: Mir wurde heute Mit­tag diese Web­site in die Twit­ter-time­line gespült.

Zusam­menge­fasst geht es darum, dass eine Organ­i­sa­tion namens “UN Women” (also etwa “Frauen in den Vere­in­ten Natio­nen”) das schändliche Google als Beleg dafür herange­zo­gen hat, dass die Welt schlecht über Frauen denke. Das Ergeb­nis sind große Plakate mit Fotos von Frauen, über deren Mund Googles “Sofort­suche” gek­lebt wurde, vielle­icht, damit sie sich nicht noch mehr blamieren. Das sieht dann etwa so aus:

Google und die Frauenrechte

Googles “Sofort­suche” (“Google Instant”, in der Google-Hil­fe erk­lärt) schlägt nach Eingabe weniger Buch­staben häu­fige (und ergeb­nis­re­iche) Suchan­fra­gen mit dem gle­ichen Anfang vor. Offen­bar suchen also viele Leute danach, dass “Frauen nicht wählen/arbeiten” sowie “keine Rechte haben soll­ten”. Skan­dal!, (auf-)schreit das Inter­net, “die Frauen” wer­den sog­ar von Google unter­drückt!

Aber was bedeutet es, dass viele Leute nach “Frauen soll­ten keine Rechte haben” suchen? Es heißt doch nichts anderes als dass Frauen mehrheitlich eben doch Rechte haben. Viel schlim­mer wäre es doch, wäre “Frauen soll­ten Rechte haben” eine Top­suche wäre, denn das würde bedeuten, dass sie tat­säch­lich mehrheitlich keine Rechte haben. Aber so weit denkt der pop­ulis­tis­che Fem­i­nis­mus nicht, nach Satzan­fän­gen wie “Frauen sollten/dürfen nicht” schal­tet er sein brei­iges Hirn aus und zetert drau­f­los; ver­mut­lich hätte dieser Fem­i­nis­mus auch mit “Frauen dür­fen nicht angezün­det wer­den” ein Prob­lem, denn es sollte wom­öglich das Recht jed­er Frau sein, angezün­det zu wer­den, wenn ihr halt danach ist (und zwar nur dann). — Das war jet­zt etwas unsach­lich.

Aber es passt her­vor­ra­gend zur Debat­te, denn unsach­lich ist die Wer­bekam­pagne selb­st. Bed­ingt durch die beschriebene Funk­tion­sweise der Suchver­voll­ständi­gung lässt sich so eigentlich alles bele­gen, was man gern bele­gen lassen würde. Ich habe das vorhin — natür­lich auf einem Fremdsys­tem — mal aus­pro­biert:

Google und die Männerrechte

Was uns das nun sagt? Nun, vielle­icht, dass “viele Leute suchen nach Umstand x” nichts über die Ver­bre­itung von x aus­sagt. Natür­lich befür­wortet es, belegt von der Plakatkam­pagne von “UN Woman”, die Mehrheit offen­sichtlich, dass Frauen wählen, arbeit­en, atmen, box­en (sic!), Rechte haben und Auto fahren dür­fen. Die hier­durch frei gewor­de­nen Kapaz­itäten kön­nten genutzt wer­den, um den Ver­ant­wortlichen für die Plakatkam­pagne mal zu erk­lären, wie Google eigentlich funk­tion­iert.

Das ist ja nicht so kom­pliziert.

Politik
Sei Legion!

Was mir sämtliche mir aufge­fal­l­enen poli­tis­chen Demon­stra­tio­nen für die Frei­heit der let­zten Monate — ob von Pirat­en, NGOs oder irgendwelchen “Anonymous”-Gruppen organ­isiert — ja auch gezeigt haben, ist, dass die Leute vergessen haben, wofür sie gekämpft haben. Schritt 1: warte, bis sich andere aufre­gen! Schritt 2: reg’ dich auf! Schritt 3: setz’ eine Maske auf! Schritt 4: ent­fällt. Ich würde ja gern was tun, aber im Fernse­hen kommt heute Tatort. Zum Demon­stri­eren muss man ja dank Mum­ble nicht mal mehr das Haus ver­lassen.

Ihr kriegt nicht mal einen ver­schisse­nen Innen­min­is­ter aus dem Amt gejagt, obwohl er es ver­di­ent hätte wie kaum ein­er vor ihm. Wir sind das Volk, und das Volk sitzt halt gern auf dem Sofa rum. Es wird käl­ter, nicht nur draußen. Da holt man sich doch schnell eine Erkäl­tung. Aber der gute Wille zählt bekan­ntlich, er gibt euch das behagliche Gefühl, dass ihr ja kön­ntet, wenn ihr woll­tet.

Die Regierung macht das schon. Keine Sorge. Es ist alles in Ord­nung. Das Geräusch, das ihr hört, ist der nagende Zweifel. Dreht ein­fach den Fernse­her lauter.

Wann wird man je versteh’n?
Mar­lene Diet­rich

PersönlichesNerdkrams
Muskelgedächtnissenilität. / Strg+Mist!

(Vorbe­merkung: Ja, ich habe den angekündigten Nichtrück­tritt des Lim­burg­er Bischofs zur Ken­nt­nis genom­men, aber nein, ich halte jedes weit­ere Wort hierüber für zu viel Aufmerk­samkeit für jeman­den, der die Ide­ale der katholis­chen Kirche so her­vor­ra­gend repräsen­tiert wie kaum ein Zweit­er. Daher schreibe ich stattdessen was über Com­put­erkram.)

Wer meine Artikel gele­gentlich aufmerk­sam ver­fol­gt, der hat unter Umstän­den schon mit­bekom­men, dass für mich Texte­d­i­toren das sind, was für andere Autos, Smart­phones oder Schuhe sind: Ich besitze zu viele von ihnen.

Auf Servern set­ze ich mal auf nano, mal auf Vim (je nach Anwen­dungs­fall), auf dem Desk­top bin ich bekan­ntlich jüngst von Sub­lime Text 3 auf Emacs umgestiegen (beziehungsweise entwerfe ich meine län­geren Texte immer noch abwech­sel­nd in einem dieser bei­den Edi­toren). Auch zwei IDEs kom­men zum Ein­satz: Eines mein­er aktuellen Pro­gram­mier­pro­jek­te bear­beite ich größ­ten­teils im Qt Cre­ator (in dem ich immer­hin einen Vim-Modus ver­wen­den kann), für ein anderes muss ich aus tech­nis­chen Grün­den Visu­al Stu­dio benutzen, für das es zwar ViEmu gibt, das aber mein Bud­get für der­lei regelmäßig deut­lich über­steigt. Dass ich nicht ein­fach für jeden Mist den gle­ichen Edi­tor ver­wende, hat ver­schiedene Gründe: Ser­ver­seit­ig benutze ich keine GUIs, was Visu­al Stu­dio von vorn­here­in auss­chließt, Emacs ist wegen sein­er Tas­tenkürzel über PuT­Ty eine Qual, Vim eignet sich für andere Zwecke her­vor­ra­gend als nano (das beim schnellen Edi­tieren ein­er län­geren HTML-Datei indes defin­i­tiv seine Stärken hat); und aber vor allem: Ich kann damit qua­si im Schlaf arbeit­en. (Mein früher­er Arbeit­ge­ber würde das mit dem Schlaf wahrschein­lich bestäti­gen.)

Nun sind die meis­ten Texte­d­i­toren Pro­gramme, deren flüs­sige Bedi­enung (eben das mit dem Schlaf) stark vom Muskelgedächt­nis abhängt: Je häu­figer man ihre Tas­tenkürzel ver­wen­det, desto selb­stver­ständlich­er erfol­gt dies. Um beim Beispiel nano zu bleiben: Wenn ich eine Datei auf dem Serv­er mit nano [Datei] edi­tiere, merkt sich meine Hand, dass der näch­ste Steuer­be­fehl wahrschein­lich Strg‑O Strg‑X (Spe­ich­ern und Schließen) sein wird, und führt diesen qua­si unbe­merkt aus.

Blöder­weise haben nano, Vim, Emacs und nor­male IDEs die Eigen­schaft, völ­lig unter­schiedliche Tas­tenkürzel zu unter­stützen. Ja, einen Vim-Modus kann man meist — außer in nano — irgend­wie nachrüsten, und möglicher­weise sind auch die Emacs-Tas­tenkürzel sozusagen Gewöh­nungssache (Mac OS X, mit dem ich mit­tler­weile mein Geld ver­di­enen darf, ver­wen­det sie immer­hin auch, dafür hat’s wed­er eine Pos1- noch eine Ende-Taste), kom­pliziert wird es allerd­ings dann, wenn man — wie ich — häu­figer zwis­chen den Edi­toren wech­selt. Ein ein­fach­es Beispiel: Ich möchte eine Datei spe­ich­ern. Das geht in nano mit Strg‑O, in Vim mit Esc :w, in Emacs mit Strg‑X Strg‑S und über­all anders mit Strg‑S. (Das ist ja auch so ein Phänomen von Open Source: Ergonomis­che Gesicht­spunk­te wer­den kon­sis­ten­ter Bedi­enung in der Regel über­ge­ord­net. Zugegeben: Bei Uni­ty bin ich mir da nicht so sich­er.)

Mein Muskelgedächt­nis mag das aber gar nicht.

Ein­mal antrainierte Tas­tenkom­bi­na­tio­nen bleiben blöder­weise auch beim Wech­sel zwis­chen ähn­lichen Pro­gram­men “gespe­ichert”. Dass Emacs (jeden­falls in mein­er Kon­fig­u­ra­tion) wed­er Strg‑O noch Strg‑S zum Spe­ich­ern von Dateien ver­ste­ht, vergesse ich immer wieder; ger­ade nach ein­er län­geren Sitzung in anderen Pro­gram­men, die eine dieser Kom­bi­na­tio­nen ver­wen­den, braucht das Muskelgedächt­nis eine Weile, um zu bemerken, dass es nun wieder die anderen Befehle braucht. (Dann geht es aber wieder wie von selb­st). Mit steigen­der Nutzungs­dauer (und Edi­toren­zahl) wird das im Übri­gen auch nicht leichter, ganz im Gegen­teil.

Mögliche Lösun­gen? Entwed­er sollte ich jeden Edi­tor, bei dem das möglich ist, auf die Vim-Bele­gung umstellen (das nano-Prob­lem bliebe beste­hen und Emacs ver­löre trotz der Annehm­lichkeit­en von 3cw und der­gle­ichen manche pro­duk­tiv­itätssteigernde Beson­der­heit, somit wäre das nicht aus­re­ichend prak­tik­a­bel) oder ein paar Edi­toren aus meinem Fun­dus ent­fer­nen. Ein geeigneter Kan­di­dat wäre nano, für das dann Ersatz nötig wäre; anbi­eten würde sich ein lokal instal­liertes Emacs, mit­tels dessen ich (wegen der inte­gri­erten her­vor­ra­gen­den SSH-Unter­stützung) das oben beschriebene PuT­Ty-Prob­lem ele­gant umge­hen kön­nte. Das Prob­lem daran? Unter Win­dows weigert sich der SSH-Modus (tramp-mode) behar­rlich zu funk­tion­ieren, außer “Emacs hängt sich auf” passiert da nicht viel. Wahrschein­lich ist das ein Prob­lem, das sich über einen ein­fachen Kon­fig­u­ra­tion­sein­trag lösen ließe, allerd­ings fehlt mir dafür ger­ade die nötige Muße.

Vielle­icht sollte ich ein­fach zukün­ftig nur noch Win­dows-Serv­er ein­set­zen. Da kann ich wenig­stens rumk­lick­en.


Neues aus der Net­zwelt: Iso­Hunt muss schließen. Wie schon seit vie­len Jahren sind wir eMule- und aMule-Nutzer nicht davon betrof­fen, weil wir schlicht keine Web­seit­en, Linkpor­tale, Such­maschi­nen und Web­brows­er brauchen, um zu find­en, was wir brauchen.

PersönlichesSonstigesNetzfundstücke
Schauspiel und Kunst. / Ich gründe aus Versehen eine Religion.

Die deutsche Aus­gabe der Huff­in­g­ton Post, die Qual­ität­sautoren wie Boris Beck­er in ihren Rei­hen hat, wird auf Twit­ter schon so aus­führlich und genussvoll zum Abfall erk­lärt, dass ich das nun nicht mehr tun muss. Allein diesen Text — irgend­was mit Sin­n­find­ung, die hier wohl selb­st vergebens wäre — tät’ ich dann zwecks Anschau­ung doch dann gern mal weit­erempfehlen.


Ein ganz anderes The­ma ist ja auch viel inter­es­san­ter. Eine Bekan­nte wies mich heute auf einen ihr bis dahin unbekan­nten Film hin, den sie zu sehen beab­sichtigte; dies nicht etwa auf­grund nen­nenswert­er Hand­lung, son­dern weil eine Schaus­pielerin, die sie sehr schätze, Teil der Beset­zung sei und der Film somit wahrschein­lich gar nicht schlecht sein könne. Das ist ziem­lich skur­ril. Zwar gibt und gab es Filmkün­stler, die in ein­er bes­timmten Phase ihrer Kar­riere aus­nahm­s­los her­vor­ra­gende Werke her­vorge­bracht haben (Woody Allen und Luis Buñuel gehören dazu), dies lag aber nicht an den beteiligten Per­so­n­en selb­st, son­dern am Zusam­men­spiel der­er Fähigkeit­en mit dem jew­eili­gen Drehbuch. Man stelle sich ein­mal Woody Allens “Der Stadt­neu­rotik­er” mit Til Schweiger in der Haup­trol­le vor, um das Prob­lem zu begreifen.

Schaus­piel­er wer­den oft als “Gesicht des Films” missver­standen, in dem sie agieren. Tat­säch­lich aber zeich­net einen guten Schaus­piel­er, wenn es nicht ger­ade um Slap­stick­komö­di­en geht, aus, dass er eben nicht als er selb­st auf­fällt, son­dern dem Zuschauer das Gefühl realen Geschehens im Bei­sein Unbekan­nter ver­mit­telt. Insofern ist sog­ar Helge “Adolf” Schnei­der ein besser­er Schaus­piel­er als zum Beispiel, ich erwäh­nte ihn bere­its, Til Schweiger. Ich würde niemals einen Film nur deshalb anse­hen, weil ich einen der Schaus­piel­er mag, und wenn Luis Buñuel dem Grab entstiege und sich entschlösse, von nun an Liebesro­mane zu ver­fil­men, würde ich das allen­falls mit gerümpfter Nase und krauser Stirn zur Ken­nt­nis nehmen und mich nicht umge­hend ins Kino begeben. Das wäre mir unan­genehm.

Eigentlich, so fuhr die Bekan­nte fort, sei es auch gar nicht von Belang, wie gut diese Schaus­pielerin denn ihre Rolle erfülle, denn sie sei im wahren Leben hüb­sch und sym­pa­thisch, was schon vol­lkom­men genüge, um einen entsprechen­den Film zu schätzen zu wis­sen. Mein Ein­wand, sie habe ver­mut­lich nie ein Wort mit dieser Schaus­pielerin gewech­selt, been­dete den Dia­log lei­der unsan­ft, bevor ich weit­ere Ken­nt­nisse daraus gewin­nen kon­nte.

Zu mein­er Zeit waren Filme ja noch wegen der Hand­lung inter­es­sant.


In der Blo­gosphäre wird momen­tan rege eines dieser so genan­nten “Stöckchen” weit­erg­ere­icht, also eine Samm­lung von Fra­gen, die man nach der Beant­wor­tung einem anderen Blog­ger weit­er­leit­et. Die ursprünglichen Fra­gen stam­men vom BR und richt­en sich an die Net­zge­meinde. Höh­len­malereige­meinde my ass. Es geht um die Gretchen­frage, wie das Netz es eigentlich so halte mit der Reli­gion, und während ich noch nicht davon überzeugt bin, dass diejeni­gen, die sich selb­st als Nerd­blog­ger betra­cht­en (kön­nten) und lustige 1337-Fake-sonst­wie-Domains benutzen, irgen­dein­er retro­vertierten Weltan­schau­ung viel abgewin­nen kön­nen und das Konzept eines devoten Glaubens im freien Netz unge­fähr so inter­es­sant find­en wie den BR, würde ich auf eine der gestell­ten Fra­gen unge­fragter­weise doch gern etwas näher einge­hen (die anderen sind mir zu doof oder wur­den im ver­link­ten Blog schon aus­führlich genug zur Ken­nt­nis genom­men), näm­lich gle­ich die erste:

Woran glaubt die Net­zge­meinde?

Ich würde ja sagen, ich glaube an den men­schlichen Ver­stand, aber ich kenne Twit­ter. Was ste­ht uns wohl über­wiegend lib­eralen, tech­nikbegeis­terten Frei­denkern denn so an Reli­gio­nen abseits der­jeni­gen Reli­gio­nen, für die sich der Unter­schied zwis­chen Leben und Glauben nur in Form irgendwelch­er absur­den Rit­uale man­i­festiert, zur Ver­fü­gung? Ich bin ein großer Anhänger der Church of Satan, da sie einen ratio­nalen, unaufgeregten Lebensstil predigt, und ich bin dur­chaus (von ihr selb­st völ­lig unab­hängig) ver­sucht, nach ihren Regeln zu leben, aber das ist wiederum eben­so wenig eine Sache des Glaubens wie es meine Übere­in­stim­mungen mit den anderen größeren Reli­gio­nen sind. “Du sollst nicht töten” ist ein dur­chaus vernün­ftiges Gebot, der Glaube dahin­ter mit dem welt­frem­den Bild (beziehungsweise eben Nicht­bild) von einem Schöpfer­gott, der uns irgend­wann alle ins Fege­feuer wer­fen wird, weil wir uns über ihn lustig machen, ist aber nicht mit meinem Selb­stver­ständ­nis als denk­ender Men­sch vere­in­bar. Es gilt also zur wahrheits­gemäßen Beant­wor­tung der Frage alter­na­tive Glaubens­ge­mein­schaften her­anzuziehen.

Die Church of Revenge­day? “Wir glauben an das Inter­net” bzw. an “wis­sen wir selb­st nicht”, ja, das klingt nach einem typ­is­chen Inter­net­nutzer, aber seinen virtuellen Leben­sraum zur Reli­gion zu erheben halte ich für gefährlich, mit dem Netz wird auch ohne Reli­gion­ssta­tus schon genug Schind­lud­er betrieben. Mein Bett ist ja auch keine Reli­gion. Passt dann eine dieser Inter­ne­tre­li­gio­nen eher zu mir? Wie steht’s mit dem Fliegen­den Spaghet­ti­mon­ster? An sich inter­es­sant, aber einige der acht “Gebote” dieser Reli­gion bere­it­en mir gehöriges Kopfzer­brechen, schon wegen ihrer links­fem­i­nis­tis­chen Aus­rich­tung. Eine Reli­gion ist doch keine Partei, her­rje.

Auch recht beliebt bei uns Nerds ist der Disko­r­dian­is­mus. Eine zweifels­frei inter­es­sante Idee, die aber in ihren Grundzü­gen nichts anderes als “Denke selb­st!” besagt — das ist wahrschein­lich nicht das, was mit der Frage gemeint war. Eines allerd­ings gefällt mir schon, näm­lich der Teil mit dem disko­r­dian­is­chen Papst. Ich exkom­mu­niziere in mein­er Eigen­schaft als unfehlbar­er Papst euch alle­samt hier­mit eben­so wie mich und damit ist die Sache dann auch erledigt. Da kommt der Kopimis­mus der Net­zge­meinde schon eher ent­ge­gen, der Glaube an File­shar­ing, mithin an die Ehrwürdigkeit sozialen Teilens (zum Beispiel von Musik). Wiederum ist dies aber eine Reli­gion, deren Zusam­men­hang zum all­ge­meinen Glaubens­be­griff ich nicht ver­ste­he. “Ich glaube an File­shar­ing” ist wie “ich glaube ans Einkaufen”. Habe ich jet­zt verse­hentlich den Shop­pis­mus ins Leben gerufen? Gedenkt mein­er dere­inst als Papst der Lehre von Rewe, Ama­zon und Sat­urn!

Nein, die Net­zge­meinde glaubt eigentlich nur daran, dass sie als homo­gene Ein­heit lediglich ein Hirnge­spinst schlechter und offen­bar über­bezahlter (weil über­mo­tiviert­er) “Jour­nal­is­ten” von öffentlich-rechtlich­er Gnade ist. Der Glaube war in dun­klen Zeit­en stets eine Zuflucht für Men­schen, die keine Hoff­nung mehr zu find­en ver­mocht­en. Was das Netz bet­rifft, bleibt insofern zu kon­sta­tieren: Gott ist tot. Wir machen uns jet­zt unsere eige­nen Göt­ter (“A‑Blogger”) und lassen sie im Fernse­hen und auf Twit­ter dumme Dinge sagen, die dann trotz­dem als unsere Mei­n­ung dargestellt und von den Poli­tik­ern nichts­destoweniger vol­lkom­men ignori­ert wer­den. Was näm­lich will die Net­zge­meinde? Erst mal Sascha Lobo fra­gen.

Und sie sahen, dass es nicht gut war.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Datenschutz ist schlimmer als Hitler!

Die Daten­samm­lerindus­trie hat jet­zt ihren eige­nen “God­win”:

‘Ein Optout entspräche nach unser­er Sicht einem ’nein, ich will nicht, dass Urhe­ber die vom Geset­zge­ber zuge­s­tandene, angemessene Vergü­tung für ihre Werke erhal­ten.’ „

Genau! Wer auf die Wahrung seines Rechts auf Daten­schutz im deutschen Inter­net pocht, ist schuld, wenn die Urhe­ber ver­hungern!

Einsper­ren, alle einsper­ren!
unbekan­nter Inter­net­nutzer

PolitikIn den NachrichtenWirtschaft
Pleite? Einfach mehr Geld dazuerfinden!

Ärg­er­lich:

In der Krise um die Erhöhung der Schulde­nober­gren­ze der USA ste­ht eine Lösung unmit­tel­bar bevor. Führende Demokrat­en und Repub­likan­er im Sen­at haben eine Eini­gung erzielt.

Diese “Eini­gung”, dieser Kom­pro­miss gar, gestal­tet sich wie fol­gt:

Der Repub­likan­er John Boehn­er, der Sprech­er des Repräsen­tan­ten­haus­es, ges­tand die Nieder­lage ein. (…) Er werde die Repub­likan­er ermuti­gen, für das Gesetz zu stim­men. Es gebe keinen Grund, mit Nein zu stim­men.

“Eini­gun­gen” in den USA: Eine Partei stampft so lange mit einem Fuß auf, bis der Fuß kaputt ist. Dann nimmt sie den anderen. Woher wir das ken­nen? Natür­lich von den gescheit­erten Kohl‑, äh, Koali­tionsver­hand­lun­gen zwis­chen den Grü­nen und den bei­den schwarzen Parteien; nur dass in diesem Fall nicht der schwarze Fuß es war, der kaputtging, son­dern die Grü­nen waren es. Das Stampfen war jeden­falls recht überzeu­gend.

Um was für ein Gesetz geht es eigentlich? Es geht darum, dieses Szenario abzuwen­den:

Wird die Schulde­nober­gren­ze von derzeit 16,7 Bil­lio­nen Dol­lar nicht ange­hoben, dro­ht ab mor­gen die Zahlung­sun­fähigkeit.

Die USA haben fast 16,7 Bil­lio­nen (16.700.000.000.000) US-Dol­lar Schulden ange­häuft, mehr dür­fen sie nicht, und ihre Lösung lautet nicht etwa, unrentable Aus­gaben (NSA, Mil­itär, Staat­spräsi­den­te­namt) einzustellen, son­dern den Punkt mit dem “Dür­fen” neu zu konzip­ieren. Wäre Hans-Wern­er Sinn US-Amerikan­er, er würde ein empörtes Inter­view geben.

Entschuldigt mich dann mor­gen mal. Ich muss zur Bank — ich habe eine Eini­gung zu erzie­len.

(Mit Dank an L.!)