(Vorbemerkung: Die Geschichte mit der Süddeutschen Zeitung scheint doch noch nicht vorüber zu sein. Ich protokolliere das hier mal. Wenn ihr die Erstfassung dieses Textes schon auf Twitter oder Diaspora oder im IRC gelesen habt: Es geht noch weiter. Und ja, ich bin auch im “real life” so ein komischer Kauz wie hier.)
Dienstag
“Politiklehre kostenlos? :D”
Ich ging heute durch Braunschweig (also durch den dortigen Bahnhof). Dort traf ich, nicht sehr überrascht, auf die üblichen drei Süddeutsche-Zeitung-Verkaufsstudenten (ein Dunkelhäutiger unbekannter Abstammung, eine Quotenfrau und ein Typ ohne besonders hervorstechende Eigenschaften). Sie machten diesmal den Fehler, mich anzusprechen. “Süddeutsche kostenlos? :D”. Menschen, die Grins-Emoticons quasi mitsprechen, sind mir ja grundsätzlich suspekt.
Ich sah auf die Uhr, ich hatte noch etwas Zeit, und sprach: “Wie viele Argumente dagegen braucht ihr?”. Der Typ entgegnete siegessicher: “Ich widerlege alle :D”. Ich antwortete schlicht: “Leistungsschutzrecht?”.
Die drei blickten mich fragend an. Offenbar waren sie nicht damit vertraut, dass so ein Zeitungsverlag auch noch etwas anderes macht als die Zeit von Studenten zu verschwenden.
Es ergab sich ein Gespräch, in dem ich erklärte, dass mich das Thema vor allem als “Blogger” interessiert, was, Piratenpartei — der Anstecker fiel jedenfalls der Frau auf — hin oder her, ja nicht einmal gelogen war. “Aber die Gesetze sind halt so” war der einzige zaghafte Versuch der drei, mich davon zu überzeugen, mir doch trotzdem die Süddeutsche Zeitung zu kaufen. Wenn die Welt schon scheiße ist, dann wenigstens noch ’ne schlechte Zeitung dazu, um das auch so richtig genießen zu können.
Keine fünf Minuten später war es drei Süddeutsche-Zeitung-Verkaufsstudenten sichtlich unangenehm, wofür sie da gerade Werbung machten.
Wenn ihr solchen Vertretern begegnet, würdigt sie nicht keines Blickes, sondern redet mit ihnen. Die Welt wird keine bessere dadurch, dass die Wissenden unter sich bleiben. Jeden Tag eine gute Tat.
Mittwoch
“Come for the lulz, stay for the pirates.”
Mich erwarteten heute im Bahnhof zwei der drei “Süddeutschen”. Ich war wohl doch weniger überzeugend als erhofft. Immerhin war der Typ mit dem gesprochenen Grinsen diesmal nicht dabei. Während sich der Dunkelhäutige potenzieller Kundschaft widmete, bat mich die Frau mit schwäbischem Dialekt, ihr meinen gestrigen Vortrag noch einmal zu halten — sie habe nicht zugehört. Darauf war ich nicht vorbereitet. Von meinem anschließend improvisierten Referat schien sie dennoch beeindruckt, aber das heißt ja nichts, wie ich seit heute weiß.
Ich nutzte die Gelegenheit, um mich ausführlich darüber zu wundern, wieso man als Mensch Mitte 20 denn aus dem Süden nach ausgerechnet Braunschweig geschickt werde, um eine Zeitung in einem Bahnhof zu bewerben. Na ja, es bringe eben Geld, aber sie werde, wenn ihr Engagement für die Süddeutsche Zeitung vorüber sei, nie wieder promotion für eine Zeitung machen. Über die Ursachen blieb ich im Unklaren; vielleicht verbietet es ihr der Arbeitsvertrag, sie zu äußern.
Mittlerweile waren viele Leute in weitem Bogen beschleunigten Schrittes um den Stand herumgegangen, wie es Menschen eben so machen, die nicht unhöflich wirken wollen. Das müsste ich eigentlich auch mal ausprobieren: Wenn ich in einer belebten Innenstadt gern meine Ruhe hätte, einfach “entschuldigen Sie…” rufen. Ich berichte bei Erfolg.
Aber zurück zu der Frau von der “Süddeutschen”, die sich inzwischen lauthals kichernd hinter ihrem Stand krümmte (ich hoffe inständig, dass das an meinem Charme und nicht an meiner lustigen Nase lag): Da man sich, so ihre Argumentation, ja nun schon kenne, halte sie es für angebracht, unsere Namen einander preiszugeben, und wollte, mit Blick auf das Piratenemblem auf meiner Jacke, wissen, ob ich denn “bei den Piraten so richtig aktiv” sei. Nee, log ich, sei ich nicht, auf Parteitage ginge ich dennoch des Öfteren, aber das könne auch an meinem Humor liegen. Ob sie denn mal mitkommen könne, also mit mir, wollte sie wissen. Ichso: “Ein Pirat in weiblicher Begleitung? Und dann auch noch einer einzigen und nicht mindestens drei von ihnen?” Wieder kringelte sie sich vor Lachen. Sie schien mit den Gepflogenheiten in der Piratenpartei nicht vertraut zu sein. Sie musste noch viel lernen.
Den Spieß jedenfalls konnte ich umdrehen: Statt mir irgendeine Verschwendung von Druckerfarbe aufzuhalsen, bat sie mich nun darum, ihr Piraten-merchandising zukommen zu lassen (“oh, krieg ich auch so einen Anstecker?”). Zum Glück gehe ich nur selten ohne solches aus dem Haus. Also: Meidet diese Menschen nicht, sondern nutzt die Gelegenheit, um sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Ihr könnt eigentlich nur gewinnen.
Bevor ich ging, fragte ich, wie oft diese Gruppe denn noch in Braunschweig zu finden sei. Mindestens bis Dienstag, so wurde mir gesagt, würden sie noch an gewohnter Stelle um Kunden werben. Unser nächstes Aufeinandertreffen wird also voraussichtlich am Freitag stattfinden. Ich sollte dann womöglich mehr Informationsmaterial der Piratenpartei mitnehmen. Je mehr Zeit die armen Seelen damit verbringen, sich um Innenpolitik zu scheren, desto weniger Menschen drehen sie eine LSR-Zeitung an.
Das wird ein Spaß.
Nachtrag, Freitag: Es ist nichts passiert.


soso, du angelst dir also gerade eine schwäbische, kichernde Frau…
Es gibt auch nicht kichernde, schwäbische Frauen?
Mitnichten. Ich angle nicht. Ich trolle.
Die würde Dir auch eh gleich wieder vom Haken rutschen.
Hehe… “Haken”.
Ja, auch, weil Dein Material nicht sonderlich gepflegt wird, Du SCHWEIN!
Pinguin!