PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXCII: Bouffiers Ehrenwort

An Absur­dität ist diese Mel­dung dieser Tage ja auch nur noch schw­er­lich zu übertr­e­f­fen:

Uneingeschränk­tes Ehren­wort: Bouffi­er will doch nicht mit der AfD

Weil Hes­sens Min­is­ter­präsi­dent (obwohl “das Gesicht der hes­sis­chen CDU” natür­lich auch passen würde) Volk­er Bouffi­er die AfD, eine Zwerg­partei, deren Mit­glieder sich aus F.D.P. (ein­er anderen Zwerg­partei) und CDU rekru­tieren und die den Euro, immer­hin mit Recht, nicht son­der­lich gut find­et, nicht aus­drück­lich als Koali­tion­spart­ner aus­geschlossen hat­te, haben sich die poli­tis­chen Mit­be­wer­ber hier­aus einen Skan­dal gestrickt; es dürfe doch nicht sein, dass eine Zusam­me­nar­beit mit den Recht­spop­ulis­ten über­haupt in Frage komme, und es werde nun­mehr erwartet, dass man sich aus­drück­lich von jed­welch­er poli­tis­chen oder tak­tis­chen Zusam­me­nar­beit mit den Recht­spop­ulis­ten, die den europäis­chen “Zusam­men­halt” mas­siv zu schädi­gen imstande seien, noch vor dem Wahlt­ag dis­tanziere.

Ob die AfD dieser Bitte nachgekom­men ist, kon­nte ich bis­lang nicht in Erfahrung brin­gen.

Politik
Ein Ratespiel mit der SPD

Achtung, eine Frage an die aufmerk­samen Leser fol­gt!

Wenn ein überzeugtes SPD-Mit­glied dies in sein Blog schreibt:

(…) mich nervt es gewaltig, dass dieser Vere­in sich zwar auf jede Menge Tra­di­tion beruft, es aber nicht hin­bekommt, sich zeit­gemäße Struk­turen zu geben

Oder dies:

(…) ich will natür­lich, dass wieder angeknüpft wird an die tollen Jahre Ende der 70er, Anfang der 80er

Oder dies:

Bis­lang gab es immer irgen­dein grot­tiges Gepick­er und ich musste viel Geld in Brause, Bratwurst und Süßigkeit­en investieren (…).

Oder dies:

(…) da ver­fehlt ein Vor­stand­schef Ziel um Ziel, ist aber nicht fähig zur Selb­stkri­tik und über allem thront ein Auf­sicht­srat, gegen den die Waschweiber eine ver­schwiegene Truppe sind

Wovon, aufmerk­same Leser, spricht er dann wahrschein­lich?

(Nicht schum­meln! Die Auflö­sung gibt es hier.)

Netzfundstücke
Kurz verlinkt CXCI: Gabeln werden vermisst.

Dies übri­gens dann auch mal emp­fohlen:

[E]ineinhalb Jahrhun­derte lang wur­den Hör­er auf Gabeln gek­nallt. Heute gibt es noch so ein paar Kun­st­stoffdinger mit einem einzel­nen Plas­tikpin, aus dem der Hör­er wieder raus­fliegt, wenn man ihn nicht gle­ich durch das Gehäuse häm­mert. In aller Regeln aber find­et das ja gar nicht mehr statt, und man been­det ein Gespräch, indem man einen winzi­gen Knopf drückt oder das Scheißd­ing gar stre­icheln muss, um die Fun­kleitung zu unter­brechen.

Smart­phone mit Gabel. Das wär’s.

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Ausgesucht wahllos

Nee, “SPIEGEL ONLINE”, eher nicht:

Marine-Reservist tötet wahl­los Ex-Kam­er­aden

“Wahl­los” bedeutet im mir bekan­nten Deutsch unge­fähr “ohne eine Gemein­samkeit zwis­chen den gewählten Optio­nen”. “Marine-Reservist tötet wahl­los Ex-Kam­er­aden” ist also unge­fähr so eine kluge Wort­wahl wie “Kind kauft wahl­los nur Erd­beereis”.

Apro­pos unklug: Es wird im Weit­eren davon aus­ge­gan­gen, dass es sich beim “Marine-Reservis­ten” um mehrere Per­so­n­en han­delt. Damit ist die Über­schrift gle­ich dop­pelt blöd, aber nun ja, ist halt SPIEGEL ONLINE, nicht?

Dazu dann auch dies:

Den getöteten Schützen hat die Polizei inzwis­chen iden­ti­fiziert als den 34-jähri­gen Aaron Alex­is aus Fort Worth in Texas, der vor kurzem einen Job als extern­er Mitar­beit­er auf dem Stützpunkt begonnen hat­te. (…) Es werde alles getan, um die Ver­ant­wortlichen zur Rechen­schaft zu ziehen.

Die Ver­ant­wortlichen — also inklu­sive des Toten. Dann mal ab mit dem in den Knast!

“Dumme Gedanken hat jed­er, nur der Weise ver­schweigt sie.”
– Wil­helm Busch

Netzfundstücke
Polonaise 2.0 (ohne Systemtechniker)

Ein Tweet ließ mich einen Blick in den ZDF-Video­text (Vor­sicht: Flash!) wer­fen und amüsierte mich infolgedessen prächtig.

Videotext

Wer — außer der BRAVO — wüsste bess­er einzuschätzen, was ger­ade im Trend liegt und was nicht, als das ZDF? Eben!

“In” ist also das Ver­lassen eines gesel­li­gen Beisam­men­seins, bevor die Polon­aise begin­nt. Ich werde das anlässlich der näch­sten Ver­anstal­tung dieser Art ein­mal aus­pro­bieren. Vor vier Uhr mor­gens wird das also nichts. Von diesen Ver­anstal­tun­gen erholen sollte man sich allerd­ings im Süden, zum Beispiel in Bay­ern. Hui, Urlaub im Süden ist “ange­sagt”. Wie lange hat das ZDF dafür gebraucht?

Was hinge­gen “out” ist, muss schon mal “in” gewe­sen sein. Dass dazu das Zurufen von Sportergeb­nis­sen jemals gehört haben soll, halte ich für ein unwahres Gerücht, aber ich bin auch nicht beim ZDF beschäftigt und habe daher keine Ahnung von Trends. Eben­falls “out” ist es ange­blich, auf bil­li­gen Schla­fun­ter­la­gen angenehm zu ruhen. Im ZDF-Altenheim, wo die Insassen eine Feier stets nach dem Kuchen um 17 Uhr mit ein­er Polon­aise beschließen, gehören also mal neue Matratzen angeschafft. Ein sehr sub­til­er Schrei nach Aufmerk­samkeit, finde ich.

Garantiert niemals “in” war es allerd­ings, als Sys­temtech­niker alles Neue “2.0” zu nen­nen. Diese dumme Ange­wohn­heit wird meist von denen umge­set­zt, die an einem Com­put­er ger­ade mal den Auss­chal­ter find­en. — BWL-Absol­ven­ten und Schlip­sträger eben. Sys­temtech­niker hinge­gen nen­nen alles Neue “das kom­mende Ding” und “hat bald jed­er”, völ­lig unab­hängig davon, ob das stimmt. (Schon mal ein Smart­phone gese­hen, das “2.0” heißt?) Diesen Unter­schied gilt es zu ver­ste­hen.

Kor­rekt ist’s also, ZDF-Video­tex­tredak­tion, dass ihr keine Sys­temtech­niker seid. Daher kön­nt ihr “2.0” nen­nen, wonach immer euch der Sinn ste­ht. Inko­r­rekt hinge­gen ist’s, dass “2.0” ein “Inter­net-Begriff” sei; selb­st dann, wenn man das leere Gewäsch vom “Web 2.0” als einen fest­ste­hen­den Begriff betra­chtet (denn wo kann ich diese Ver­sion der web.exe herun­ter­laden?). Win­dows 2.0 gab es jeden­falls schon 1987, von “Unix 2” fange ich hier gar nicht erst an.

Vielle­icht ist das auch alles über­triebene Kri­tik, vielle­icht schätze ich die ZDF-Kund­schaft auch nur falsch ein. Das Wort “Video­text” hätte mich eigentlich schon war­nen müssen.

Video­text näm­lich ist so was von “out”.

PiratenparteiPersönliches
Grundrechte auf Piratisch

Ich wurde vorhin auf Twit­ter gefragt, ob ich Dog­matik­er sei, weil ich in diesem Jahr nicht am Wahlkampf der Piraten­partei teil­nehme. Hier habe ich aus­re­ichend Platz für eine aus­führliche Antwort:

Ich würde mich nicht als einen Dog­matik­er beze­ich­nen, ich bin jedoch Ide­al­ist. Zu meinen poli­tis­chen Ide­alen gehört Ehrlichkeit, denn die Unehrlichkeit der großen Parteien, die kein­er­lei Inter­esse daran haben, sich kon­se­quent für die Umset­zung ihrer Wahlver­sprechen einzuset­zen, zu adap­tieren halte ich für wenig erstrebenswert. Und bei der Ehrlichkeit geht es schon los.

‘Grun­drechte auf Piratisch’ weit­er­lesen »

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CXC: Twittergedichte und Facebookgesichter

Den genauen Nutzen von Googles Suchvorschlä­gen hat­te ich bish­er zu erken­nen ver­säumt. Nor­maler­weise weiß ich, wonach ich suchen möchte, wenn ich eine Such­mas­chine aufrufe. Die Betreiber des Twit­ter-Accounts @GooglePoetics haben aber die wahre Stärke der Vorschlags­funk­tion ent­deckt: Sie schreibt bessere Lyrik als so manch­er dieser mod­er­nen “Popau­toren”.

Manche der Gedichte haben mehrere Stro­phen, manch­mal sind es auch tief­sin­nige, dafür kurze Apho­ris­men:

I invent­ed sex
I imme­di­ate­ly regret this deci­sion

Sollte aus meinen bish­eri­gen Tex­ten also her­vorge­gan­gen sein, dass ich die Google-Suche für über­flüs­si­gen Mist halte, so möchte ich dieses Urteil zumin­d­est teil­weise als rev­i­diert ver­standen wis­sen.


Apro­pos skru­pel­lose Megakonz­erne: Face­book-Chef Mark Zucker­berg hat die Inter­nets­pi­onage durch den amerikanische[n] Geheim­di­enst NSA (…) kri­tisiert[.]

Das hat natür­lich einen ver­ständlichen Grund: Zwar ist die NSA kein Betreiber eines “sozialen Net­zw­erks”, aber der Markt der Daten­samm­ler scheint hart umkämpft zu sein. Ver­gle­ichende Wer­bung hat ja dur­chaus Tra­di­tion.

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik LXXX: Dürfen die das?

Ganz Deutsch­land redet zurzeit nur über ein The­ma: Fußball Peer Stein­brück. Das kommt der SPD vielle­icht nur recht, denn son­st inter­essiert sich für die ehe­ma­lige Volkspartei ja nicht mal mehr der SPIEGEL. Aber was hat er getan? Er hat seinen Kri­tik­ern sym­bol­isch den Mit­telfin­ger her­aus­gestreckt (das Bild hat­te ich im vorigen Beitrag bere­its gezeigt). Mit großem Kra­keel echauffieren sich nun die Medi­en: Darf der das?

Das ist eine der Lieblings­fra­gen der Medi­en: Darf Peer Stein­brück unfläti­gen Kri­tik­ern beißend begeg­nen? Darf Bir­git Rydlews­ki Sex haben? Darf Jas­min Mau­r­er Fes­sel­spiele mögen? Darf Ger­hard Schröder sich die Haare fär­ben? Darf Hel­mut Schmidt im Fernse­hen rauchen? Darf Angela Merkel nicht auch Frau sein? Darf der Papst nicht kri­tisiert wer­den? Darf eine Bis­chöfin geschieden sein? Darf ich auf’s Klo gehen?

“Dür­fen die das?”
– Die Ärzte: Meine Fre­unde

Nur das grüne Haus­blatt “taz”, momen­tan aus wahlkampf­tak­tis­chen Grün­den eher grünkon­ser­v­a­tiv aus­gerichtet, hält sich noch mit dem Geblöke zurück, und das “noch” ist wom­öglich tat­säch­lich genau so gemeint. Wie man mit solchen Fra­gen ganze Artikelse­rien füllen kann, ist mir unbe­grei­flich; was die Ange­sproch­enen dür­fen, regelt meist ein Gesetz. Um beim Beispiel zu bleiben: Ein­er nicht indi­vidu­ell benan­nten Per­so­n­en­gruppe den Mit­telfin­ger her­auszus­treck­en ist nicht straf­bar. Mit einem ein­fachen “Nö.” jedoch kann man in den Medi­en heutzu­tage nicht viel Geld ver­di­enen, die wollen Skandälchen, und ger­ade im Wahl­jahr; wis­senschon.

Gemeint ist also wohl das mit der Tugend. Ganz vorn dabei ist stets die (wegen Explo­sion­s­ge­fahr hier nicht ver­link­te) “BILD”, die dem Vernehmen nach stets vorn dabei ist, wenn es ein moralisch falsches Tun zu kri­tisieren gilt, sel­ber aber zum Wahlkampf der CDU Schlagzeilen wie “So sexy kann Wahlkampf sein” beis­teuerte, und ich hoffe inständig, dass Angela Merkel nicht gemeint war. Dür­fen die Medi­en frei darüber entschei­den, ab welchem Bekan­ntheits­grad ein Men­sch nicht mehr men­schlich sein darf? Dür­fen die Medi­en die Maßstäbe an Moral set­zen, nach denen wir uns zu richt­en haben; und im Falle der Zus­tim­mung: Gilt das für alle Medi­en? Dür­fen das auch “BILD” und “taz”?

“Was ist das bloß für eine Welt, in der man solche Sachen darf?”
– Die Ärzte: Meine Fre­unde

Ach, und noch was, ihr “Jour­nal­is­ten” mit dem infan­tilen Wortschatz: Wenn euer Mit­telfin­ger ein Stinkefin­ger ist, benutzt doch bitte mal Seife. Das ist doch ekel­haft.

Nerdkrams
Tschüss, feedly! Hallo, Alternativen?

Hat eigentlich was ganz anderes gemeint: Peer SteinbrückApro­pos “ärg­er­lich­er Drang zum Umstieg”: Der RSS-Leser feed­ly, dessen Android-app ich an ander­er Stelle schon mal gelobt hat­te, ist vor ein­er Weile auf ein “Freemium”-Modell umgestiegen. Die grundle­gende Funk­tion­al­ität ist zwar weit­er­hin kosten­los, einige “erweit­erte” Funk­tio­nen sind aber nun mit dem Abschluss eines Abon­nements ver­bun­den, und ver­mut­lich wer­den das noch mehr.

Die bish­eri­gen “Pro”-Funktionen sind Inte­gra­tion von Ever­note und Pock­et zum “Vormerken” einzel­ner Artikel sowie die Such­funk­tion inner­halb der Feeds. Während ich Ever­note- und Pock­e­tan­bindung allerd­ings sowieso in der Regel per Browser­erweiterung vornehme, ist das mit der Such­funk­tion schon weniger fre­undlich, zumal die Suchen-Leiste im feed­ly-Fen­ster auch für “Standard”-Nutzer sicht­bar, aber eben nicht benutzbar, ist. Somit fol­gt auf den Umstieg — mit feed­ly beschäftige ich mich erst, seit es im Ver­lauf der Google-Read­er-Flucht als über­aus grandios ange­priesen wurde — ein weit­er­er Umstieg. Allmäh­lich bekomme ich Übung darin.

Ich nehme ein­fach mal an, dass es nicht nur mir so geht. Wer weiß schon, was die näch­sten Funk­tio­nen sein wer­den, die es nur noch gegen Auf­preis gibt? Zwar bin ich bere­it, für Qual­ität Geld zu zahlen, aber da es eben­falls qual­i­ta­tiv akzept­able RSS-Leser gibt, die alles kön­nen, was ich brauche (was in diesem Fall Kat­e­gorien und Onli­ne­syn­chro­ni­sa­tion neb­st ein­er Nutze­r­ober­fläche, die nicht von einem BWL-Erstse­mes­ter ent­wor­fen wur­dem sind), bin ich in diesem Fall ein­fach mal geizig. (Ich frage mich ja, wie viele Nachricht­enredak­tio­nen, die feed­ly als ide­alen Ersatz für den Google Read­er ange­priesen hat­ten, jet­zt klammheim­lich die For­mulierung ändern.) Ich habe mir mal einige davon angeguckt.

Der Hive-Read­er ist seit Monat­en nur auf Ein­ladung zugänglich — die Screen­shots sehen schon vielver­sprechend aus, aber offen­bar wird im Hin­ter­grund noch fleißig gear­beit­et. Ich empfehle, dem Entwick­ler auf Twit­ter zu fol­gen — wenn es irgend­wann fer­tig ist, sollte es prob­lem­los die meis­ten Konkur­renten in die Schranken ver­weisen kön­nen. Von diesen Konkur­renten gibt es freilich einige, auch große Namen sind dabei: Digg ver­sucht eben­so wie AOL im Gespräch zu bleiben, das Ergeb­nis ist jedoch jew­eils noch etwas schlicht und nur sehr begren­zt anpass­bar:

Quelle: http://mashable.com/2013/06/27/digg-reader-ios/

Ein weit­er­er Pub­likum­sliebling ist The Old Read­er (“Ye Olde Read­er”), eine Art Google-Read­er-Nach­bau mit hässlichem, dafür omnipräsen­tem Logo. Kür­zlich wur­den Neuan­mel­dun­gen eingestellt, inzwis­chen gehen sie wieder. Dieser “Old Read­er” ist optisch arg gewöh­nungs­bedürftig und momen­tan eher gemäch­lich (ange­blich gibt es tech­nis­che Prob­leme), allerd­ings zumin­d­est funk­tion­al:

Quelle: http://tranquility.net/2013/no-more-google-reader/

Die “sozialen” Kat­e­gorien oben links bekommt man mit Browser­erweiterun­gen weg, eine kom­pak­tere Ansicht für den kom­plet­ten read­er gibt es lei­der nicht. Die ver­schiede­nen User­styles für The Old Read­er sind zwar eine nette Idee, verur­sachen jedoch oft Darstel­lungs­fehler in der Nav­i­ga­tion­sleiste. (Die bekommt man übri­gens mit einem Book­marklet per Klick aus- und wieder einge­blendet, das in den Ein­stel­lun­gen des “Old Read­ers” zu find­en ist.) Beson­ders unhüb­sch: The Old Read­er lässt kaum Platz am recht­en Browser­rand — je bre­it­er der Bild­schirm, desto stören­der das Lesen. Löblich aber, dass es mit apps wie gRead­er sog­ar recht ansehn­liche Android-Anbindung gibt; Desk­topan­wen­dun­gen sucht man jedoch (noch?) vergebens.

So gut der Old Read­er auch durch­dacht scheint: Mein Ästhetikempfind­en scheit­ert am Ver­such, sich mit ihm anzufre­un­den. Immer­hin ist der RSS-Leser momen­tan (man­gels tauglich­er Win­dowsan­wen­dun­gen) die von mir meist­be­suchte Web­site, da isst das Auge eben mit. (Eklige Vorstel­lung, oder?) Also geht die Suche wohl weit­er.

Der Entwick­ler von News­Blur will Geld (sofern man keine Lust hat, eine auf ein Min­i­mum reduzierte Fas­sung sein­er Anwen­dung zu nutzen, die für mich schlicht untauglich ist). Für dieses Geld — momen­tan zwei US-Dol­lar pro Monat und damit weit gün­stiger als feed­ly pro — bekommt man einen RSS-Leser, der uns Nerds hel­lauf begeis­tern sollte, da er unter ein­er aufgeräumten Ober­fläche das höch­ste Maß an Funk­tion­al­ität besitzt, das ich mir von einem RSS-Leser wün­schen kön­nte:

Quelle: http://kikolani.com/google-reader-alternatives.html

Lobenswert ist bei News­Blur ins­beson­dere die “Train­ings­funk­tion”: News­Blur “lernt” bei andauern­der Benutzung, welche Artikel den Leser mehr inter­essieren kön­nten als andere, und kann entsprechende Änderun­gen vornehmen; qua­si hat es ein “einge­bautes” Yones. Ich wäre dur­chaus wil­lens, den Autor für diese Leis­tung finanziell zu ent­lohnen — lei­der akzep­tiert er momen­tan nur eine Zahlung per Kred­itkarte, und die kann oder will sich hierzu­lande nicht jed­er leis­ten. (Diese USA sind schon ein dekaden­ter Haufen manch­mal.) News­Blur ist allerd­ings Open Source. Mich hält von ein­er Instal­la­tion auf meinem Serv­er eigentlich nicht viel ab, es scheit­ert ver­mut­lich weniger am Tech­nis­chen (obwohl FreeB­SD als Plat­tform momen­tan nicht vorge­se­hen ist) als daran, dass die benötigten Bib­lio­theken meinen bish­er mit Bedacht nicht voll­gemüll­ten Serv­er in einem reich­lich unaufgeräumten Zus­tand hin­ter­lassen wür­den. (Falls jemand von euch sich aber mal an die Instal­la­tion wagen möchte: Ihr werdet nur schw­er­lich einen besseren “freien” RSS-Leser find­en. Tut dies somit zahlre­ich!)

Mit News+ ist momen­tan auch eine Android-app in Entwick­lung, die auf dem gRead­er basiert und Unter­stützung für News­Blur (ver­mut­lich lei­der nur die Bezahlvari­ante) und einige andere Plat­tfor­men in Form von Erweiterun­gen mit­bringt. Das ist schon recht hüb­sch.

Zu diesen anderen Plat­tfor­men gehört im Übri­gen auch das von mir auch schon mal erwäh­nte Tiny Tiny RSS, wiederum ein quellof­fen­er RSS-Leser, der allerd­ings lediglich ein Min­i­mum an Abhängigkeit­en ver­langt, was mir sehr ent­ge­genkommt. Die bei­den offiziellen Android-apps sind im Übri­gen eher rudi­men­tär, insofern bin ich für News+ beson­ders dankbar:

News+

Was mich ursprünglich dazu bewogen hat­te, mich für feed­ly statt Tiny Tiny RSS zu entschei­den, war, dass Tiny Tiny RSS stan­dard­mäßig eine sehr rustikale Bedienober­fläche mit sich bringt. Faulpelz, der ich bin, hat­te ich die Möglichkeit, themes zu ver­wen­den, gar nicht beachtet. Das feed­ly-theme sieht aber gar nicht mal schlecht aus, da ist der vorüberge­hende Man­gel an Desk­top­clients schon zu ver­schmerzen:

Tiny Tiny RSS

Eine Tiny-Tiny-RSS-Instanz habe ich ohne­hin vor ein paar Monat­en instal­liert, aber (wegen feed­ly) nie als eine solche benutzt. Immer­hin habe ich jet­zt die Gewis­sheit, dass mein Serv­er zuver­läs­sig arbeit­et und nicht zwis­chen­durch Dat­en frisst, wenn ihm mal lang­weilig ist.

Momen­tan ist also Tiny Tiny RSS der RSS-Leser mein­er Wahl, und ich bin davon überzeugt, dass ich niemals einen besseren Feedleser find­en werde; jeden­falls so lange, bis News­Blur sich neue Bezahlfor­men ein­fall­en lässt und/oder der Hive-Read­er endlich öffentlich ist. Meine Def­i­n­i­tion von “niemals” ist also eine eher iro­nis­che. Ich wäre eine tolle Bun­deskan­z­lerin.

Nach­trag von Jan­u­ar 2015: Der Entwick­ler ver­schenkt Pre­mi­umzugänge, wenn ihr gern zahlen würdet, aber nicht kön­nt.


Da wir ger­ade beim Umsteigen und bei Anglizis­men sind, hier noch ein update für diejeni­gen von euch, die kür­zlich meinen Umstieg von Sub­lime Text mit­bekom­men haben: Ich bin nun bei Emacs gelandet. Ganz nett, doch.

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik in Kürze: Von preiswert war ja nie die Rede.

Heute wurde ein neues iPhone vorgestellt — naturgemäß ein Ereig­nis, anlässlich dessen renom­mierte Nachricht­en­magazine wie SPIEGEL ONLINE Krieg und Fußball vorüberge­hend links liegen lassen und sich reich­lich Küchen­rollen zwecks Ent­fer­nung des eige­nen begeis­terten Spe­ichelns zurechtle­gen.

Und tat­säch­lich han­delt es sich um einen wahren Pauken­schlag. Apple präsen­tierte nicht etwa einen Neuauf­guss des alt­be­währten Konzepts, son­dern eine Welt­neuheit in Form eines Geräts, dessen umgangssprach­liche Beze­ich­nung vari­iert: Die Berlin­er Zeitung spricht von einem “Bil­lig-iPhone und Bil­lig-Handy”, t3n.de und Android­PIT schließen sich an. Einzig Matthias Kremp und Ole Reiß­mann von SPIEGEL ONLINE ließen sich mit “Bil­lig­mod­ell” selb­st etwas ein­fall­en, ver­bar­gen ihren Marken­fetisch anson­sten aber nur unzure­ichend:

Die neuen iPhones sind nicht die her­aus­ra­gen­den Geräte, die sie hät­ten sein sollen.

Bedauer­lich!

Einig sind sich die Medi­en aber immer­hin darin, dass es sich um ein Bil­lig­mod­ell han­delt. Die Über­set­zung für den jour­nal­is­tis­chen Fach­be­griff “bil­lig” liefern sie immer­hin gle­ich mit:

Das Mod­ell mit 16 GB Spe­ich­er kostet rund 600 Euro, das mit 32 GB rund 700 Euro.

Pri­ma für den kleinen Geld­beu­tel. Da muss man ein­fach zuschla­gen!

Mit­ten rein.


Lin­uxwitz des Tages: Die Sicher­heit in Lin­ux basiert zu einem beachtlichen Teil auf einem pro­pri­etären Chip. Das ist bes­timmt dieses “ihr kön­nt den Code anguck­en”, von dem immer alle reden.

NetzfundstückePolitik
Kurz verlinkt CLXXXIX: F.D.P.: Zurück zur Spaßpartei?

Im Wahlkampf möchte die F.D.P. im Übri­gen ihren Mit­be­wer­bern in nichts nach­ste­hen und hat sog­ar ein Infor­ma­tion­sportal im Inter­net auf­bauen lassen, das unschlüs­sige Wäh­ler über ver­schiedene Gründe in Ken­nt­nis set­zen soll, sie (die F.D.P.) zu wählen. Sie hat lei­der vergessen, ihre Argu­mente mit konkreten Beispie­len zu bele­gen. Das ist wahrschein­lich bess­er so. Einiges hat­te ich ja in der Ver­gan­gen­heit schon kri­tisiert, aber die Selb­st­darstel­lung der F.D.P. lädt zur Lang­fas­sung ein:

Die FDP ist die einzige Partei der Frei­heit. Deshalb stellen wir uns weit­er gegen jeden Ver­such, die Vor­rat­daten­spe­icherung (sic!) in Deutsch­land einzuführen. Wir arbeit­en weit­er für wirk­samen Daten­schutz, Net­zneu­tral­ität, eine mod­ernisierte Sicher­heit­sar­chitek­tur in Deutsch­land, mehr Bürg­er­beteili­gung, die weit­ere Gle­ich­stel­lung gle­ichgeschlechtlich­er Lebenspart­ner­schaften und die grund­sät­zliche Zulas­sung der Dop­pel­ten Staats­bürg­er­schaft.

(Alle Links von mir.)

Eigentlich macht es ja gar keinen Spaß mehr, sich damit satirisch auseinan­derzuset­zen.

Montagsmusik
Elora — Se taire

Wisst ihr eigentlich, warum Veg­an­er selb­st über ihr Mit­tagessen hochemo­tionale Diskus­sio­nen zu führen imstande sind? Ich habe da eine The­o­rie: Die Östro­gene sind schuld.

Es wäre mir nun natür­lich ein Leicht­es, aus dieser selt­samen Ein­leitung jet­zt eine geeignete Über­leitung zur dieswöchi­gen Mon­tagsmusik zu gener­ieren, anbi­eten würde sich etwa irgend­was von Birth Con­trol. Stattdessen gebe ich unumwun­den zu, dass ich die Inspi­ra­tion hierzu aus der Serie “The Big Bang The­o­ry” bezo­gen habe, schäme mich ein biss­chen dafür, dass ich kurzzeit­ig im Begriff war, sel­bige Infor­ma­tion als Ergeb­nis eigen­er Recherche her­auszustellen, und spiele euch was ganz anderes vor.

Statt Birth Con­trol, den alten Krautrock­ern, rotiert näm­lich just in diesem Moment, in dem ich dies schreibe, das aktuelle Album “Crash” der franzö­sis­chen Artrock­band Elo­ra im sta­tionären Musik­spiel­er. Ein Adjek­tiv, das sich anbi­etet: Atmo­sphärisch. Por­cu­pine Tree sind niemals fern. Und wie kön­nte man eine Woche bess­er begin­nen als mit atmo­sphärisch­er Musik?

Genau.

Guten Mor­gen.