Der Wähler, zieht man das Wahlergebnis als Anhaltspunkt heran, will keinen Mindestlohn, keine Bürgerbeteiligung, keinen Atomausstieg, keinen Sozialismus, keinen Feminismus, keine Wombats, keine Pädophilie und keine D‑Mark. Strukturelle Neuausrichtungen jeglicher Parteien sollten auf dieser Grundlage erfolgen.
Kurz verlinkt CXCII½: Von Fingerprinting und Befingertwerden
Wisst ihr noch, damals, 2012, als alle gesagt haben, niemand habe irgendein Interesse an unseren Daten und der Einsatz von NoScript sei paranoider Quatsch? Stellt sich raus: Nicht nur Geheimdienste finden diese Haltung gut.
Der Werbevermarkter Zanox setzt auf sogenanntes Browser-Fingerprinting für die Wiedererkennung von Browsern, wenn Cookies gelöscht, deaktiviert oder per Browser-Einstellung blockiert werden.
Wäre ja auch wirklich schade, wüsste so ein Reklameheini nicht genau, wer die Person ist, die gerade das Ergebnis seines „kreativen Prozesses“ (vermutlich also Kacken) ertragen muss.
(via Nachtwächter, der ein paar Lösungsansätze nennt)
Zur aktuellen Pädophiliedebatte wurden schon allerlei großartige Texte verfasst. Einer der großartigsten stammt von Sophie Dannenberg, die bekennt:
Um den 11. September 2001 herum wurde ich erwachsen und hörte auf, die Grünen zu wählen[.]
Lesenswert!
In eigener Sache: Wenn mein Plugin funktioniert, ist hier morgen bis 18 Uhr keinerlei Inhalt zu finden (der RSS-Feed funktioniert jedoch auch weiterhin, gegen das Caching von RSS-Clients ist nur schwerlich etwas Effizientes zu tun). Nutzt diese Gelegenheit, um das Plugin auch in eurem Blog einzusetzen.
Kurz verlinkt CXCII: Bouffiers Ehrenwort
An Absurdität ist diese Meldung dieser Tage ja auch nur noch schwerlich zu übertreffen:
Uneingeschränktes Ehrenwort: Bouffier will doch nicht mit der AfD
Weil Hessens Ministerpräsident (obwohl „das Gesicht der hessischen CDU“ natürlich auch passen würde) Volker Bouffier die AfD, eine Zwergpartei, deren Mitglieder sich aus F.D.P. (einer anderen Zwergpartei) und CDU rekrutieren und die den Euro, immerhin mit Recht, nicht sonderlich gut findet, nicht ausdrücklich als Koalitionspartner ausgeschlossen hatte, haben sich die politischen Mitbewerber hieraus einen Skandal gestrickt; es dürfe doch nicht sein, dass eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten überhaupt in Frage komme, und es werde nunmehr erwartet, dass man sich ausdrücklich von jedwelcher politischen oder taktischen Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten, die den europäischen „Zusammenhalt“ massiv zu schädigen imstande seien, noch vor dem Wahltag distanziere.
Ob die AfD dieser Bitte nachgekommen ist, konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen.
Ein Ratespiel mit der SPD
Achtung, eine Frage an die aufmerksamen Leser folgt!
Wenn ein überzeugtes SPD-Mitglied dies in sein Blog schreibt:
(…) mich nervt es gewaltig, dass dieser Verein sich zwar auf jede Menge Tradition beruft, es aber nicht hinbekommt, sich zeitgemäße Strukturen zu geben
Oder dies:
(…) ich will natürlich, dass wieder angeknüpft wird an die tollen Jahre Ende der 70er, Anfang der 80er
Oder dies:
Bislang gab es immer irgendein grottiges Gepicker und ich musste viel Geld in Brause, Bratwurst und Süßigkeiten investieren (…).
Oder dies:
(…) da verfehlt ein Vorstandschef Ziel um Ziel, ist aber nicht fähig zur Selbstkritik und über allem thront ein Aufsichtsrat, gegen den die Waschweiber eine verschwiegene Truppe sind
Wovon, aufmerksame Leser, spricht er dann wahrscheinlich?
(Nicht schummeln! Die Auflösung gibt es hier.)
Kurz verlinkt CXCI: Gabeln werden vermisst.
Dies übrigens dann auch mal empfohlen:
[E]ineinhalb Jahrhunderte lang wurden Hörer auf Gabeln geknallt. Heute gibt es noch so ein paar Kunststoffdinger mit einem einzelnen Plastikpin, aus dem der Hörer wieder rausfliegt, wenn man ihn nicht gleich durch das Gehäuse hämmert. In aller Regeln aber findet das ja gar nicht mehr statt, und man beendet ein Gespräch, indem man einen winzigen Knopf drückt oder das Scheißding gar streicheln muss, um die Funkleitung zu unterbrechen.
Smartphone mit Gabel. Das wär’s.
Medienkritik in Kürze: Ausgesucht wahllos
Nee, „SPIEGEL ONLINE“, eher nicht:
Marine-Reservist tötet wahllos Ex-Kameraden
„Wahllos“ bedeutet im mir bekannten Deutsch ungefähr „ohne eine Gemeinsamkeit zwischen den gewählten Optionen“. „Marine-Reservist tötet wahllos Ex-Kameraden“ ist also ungefähr so eine kluge Wortwahl wie „Kind kauft wahllos nur Erdbeereis“.
Apropos unklug: Es wird im Weiteren davon ausgegangen, dass es sich beim „Marine-Reservisten“ um mehrere Personen handelt. Damit ist die Überschrift gleich doppelt blöd, aber nun ja, ist halt SPIEGEL ONLINE, nicht?
Dazu dann auch dies:
Den getöteten Schützen hat die Polizei inzwischen identifiziert als den 34-jährigen Aaron Alexis aus Fort Worth in Texas, der vor kurzem einen Job als externer Mitarbeiter auf dem Stützpunkt begonnen hatte. (…) Es werde alles getan, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Die Verantwortlichen – also inklusive des Toten. Dann mal ab mit dem in den Knast!
„Dumme Gedanken hat jeder, nur der Weise verschweigt sie.“
– Wilhelm Busch
Disco Queen / We Forgotten Who We Are
Montag.
Melancholie an.
Melancholie aus.
Munter? Morgen!
Polonaise 2.0 (ohne Systemtechniker)
Ein Tweet ließ mich einen Blick in den ZDF-Videotext (Vorsicht: Flash!) werfen und amüsierte mich infolgedessen prächtig.
Wer – außer der BRAVO – wüsste besser einzuschätzen, was gerade im Trend liegt und was nicht, als das ZDF? Eben!
„In“ ist also das Verlassen eines geselligen Beisammenseins, bevor die Polonaise beginnt. Ich werde das anlässlich der nächsten Veranstaltung dieser Art einmal ausprobieren. Vor vier Uhr morgens wird das also nichts. Von diesen Veranstaltungen erholen sollte man sich allerdings im Süden, zum Beispiel in Bayern. Hui, Urlaub im Süden ist „angesagt“. Wie lange hat das ZDF dafür gebraucht?
Was hingegen „out“ ist, muss schon mal „in“ gewesen sein. Dass dazu das Zurufen von Sportergebnissen jemals gehört haben soll, halte ich für ein unwahres Gerücht, aber ich bin auch nicht beim ZDF beschäftigt und habe daher keine Ahnung von Trends. Ebenfalls „out“ ist es angeblich, auf billigen Schlafunterlagen angenehm zu ruhen. Im ZDF-Altenheim, wo die Insassen eine Feier stets nach dem Kuchen um 17 Uhr mit einer Polonaise beschließen, gehören also mal neue Matratzen angeschafft. Ein sehr subtiler Schrei nach Aufmerksamkeit, finde ich.
Garantiert niemals „in“ war es allerdings, als Systemtechniker alles Neue „2.0“ zu nennen. Diese dumme Angewohnheit wird meist von denen umgesetzt, die an einem Computer gerade mal den Ausschalter finden. – BWL-Absolventen und Schlipsträger eben. Systemtechniker hingegen nennen alles Neue „das kommende Ding“ und „hat bald jeder“, völlig unabhängig davon, ob das stimmt. (Schon mal ein Smartphone gesehen, das „2.0“ heißt?) Diesen Unterschied gilt es zu verstehen.
Korrekt ist’s also, ZDF-Videotextredaktion, dass ihr keine Systemtechniker seid. Daher könnt ihr „2.0“ nennen, wonach immer euch der Sinn steht. Inkorrekt hingegen ist’s, dass „2.0“ ein „Internet-Begriff“ sei; selbst dann, wenn man das leere Gewäsch vom „Web 2.0“ als einen feststehenden Begriff betrachtet (denn wo kann ich diese Version der web.exe herunterladen?). Windows 2.0 gab es jedenfalls schon 1987, von „Unix 2“ fange ich hier gar nicht erst an.
Vielleicht ist das auch alles übertriebene Kritik, vielleicht schätze ich die ZDF-Kundschaft auch nur falsch ein. Das Wort „Videotext“ hätte mich eigentlich schon warnen müssen.
Videotext nämlich ist so was von „out“.
Grundrechte auf Piratisch
Ich wurde vorhin auf Twitter gefragt, ob ich Dogmatiker sei, weil ich in diesem Jahr nicht am Wahlkampf der Piratenpartei teilnehme. Hier habe ich ausreichend Platz für eine ausführliche Antwort:
Ich würde mich nicht als einen Dogmatiker bezeichnen, ich bin jedoch Idealist. Zu meinen politischen Idealen gehört Ehrlichkeit, denn die Unehrlichkeit der großen Parteien, die keinerlei Interesse daran haben, sich konsequent für die Umsetzung ihrer Wahlversprechen einzusetzen, zu adaptieren halte ich für wenig erstrebenswert. Und bei der Ehrlichkeit geht es schon los.
Kurz verlinkt CXC: Twittergedichte und Facebookgesichter
Den genauen Nutzen von Googles Suchvorschlägen hatte ich bisher zu erkennen versäumt. Normalerweise weiß ich, wonach ich suchen möchte, wenn ich eine Suchmaschine aufrufe. Die Betreiber des Twitter-Accounts @GooglePoetics haben aber die wahre Stärke der Vorschlagsfunktion entdeckt: Sie schreibt bessere Lyrik als so mancher dieser modernen „Popautoren“.
Manche der Gedichte haben mehrere Strophen, manchmal sind es auch tiefsinnige, dafür kurze Aphorismen:
I invented sex
I immediately regret this decision
Sollte aus meinen bisherigen Texten also hervorgegangen sein, dass ich die Google-Suche für überflüssigen Mist halte, so möchte ich dieses Urteil zumindest teilweise als revidiert verstanden wissen.
Apropos skrupellose Megakonzerne: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat die Internetspionage durch den amerikanische[n] Geheimdienst NSA (…) kritisiert[.]
Das hat natürlich einen verständlichen Grund: Zwar ist die NSA kein Betreiber eines „sozialen Netzwerks“, aber der Markt der Datensammler scheint hart umkämpft zu sein. Vergleichende Werbung hat ja durchaus Tradition.
Medienkritik LXXX: Dürfen die das?
Ganz Deutschland redet zurzeit nur über ein Thema: Fußball Peer Steinbrück. Das kommt der SPD vielleicht nur recht, denn sonst interessiert sich für die ehemalige Volkspartei ja nicht mal mehr der SPIEGEL. Aber was hat er getan? Er hat seinen Kritikern symbolisch den Mittelfinger herausgestreckt (das Bild hatte ich im vorigen Beitrag bereits gezeigt). Mit großem Krakeel echauffieren sich nun die Medien: Darf der das?
Das ist eine der Lieblingsfragen der Medien: Darf Peer Steinbrück unflätigen Kritikern beißend begegnen? Darf Birgit Rydlewski Sex haben? Darf Jasmin Maurer Fesselspiele mögen? Darf Gerhard Schröder sich die Haare färben? Darf Helmut Schmidt im Fernsehen rauchen? Darf Angela Merkel nicht auch Frau sein? Darf der Papst nicht kritisiert werden? Darf eine Bischöfin geschieden sein? Darf ich auf’s Klo gehen?
„Dürfen die das?“
– Die Ärzte: Meine Freunde
Nur das grüne Hausblatt „taz“, momentan aus wahlkampftaktischen Gründen eher grünkonservativ ausgerichtet, hält sich noch mit dem Geblöke zurück, und das „noch“ ist womöglich tatsächlich genau so gemeint. Wie man mit solchen Fragen ganze Artikelserien füllen kann, ist mir unbegreiflich; was die Angesprochenen dürfen, regelt meist ein Gesetz. Um beim Beispiel zu bleiben: Einer nicht individuell benannten Personengruppe den Mittelfinger herauszustrecken ist nicht strafbar. Mit einem einfachen „Nö.“ jedoch kann man in den Medien heutzutage nicht viel Geld verdienen, die wollen Skandälchen, und gerade im Wahljahr; wissenschon.
Gemeint ist also wohl das mit der Tugend. Ganz vorn dabei ist stets die (wegen Explosionsgefahr hier nicht verlinkte) „BILD“, die dem Vernehmen nach stets vorn dabei ist, wenn es ein moralisch falsches Tun zu kritisieren gilt, selber aber zum Wahlkampf der CDU Schlagzeilen wie „So sexy kann Wahlkampf sein“ beisteuerte, und ich hoffe inständig, dass Angela Merkel nicht gemeint war. Dürfen die Medien frei darüber entscheiden, ab welchem Bekanntheitsgrad ein Mensch nicht mehr menschlich sein darf? Dürfen die Medien die Maßstäbe an Moral setzen, nach denen wir uns zu richten haben; und im Falle der Zustimmung: Gilt das für alle Medien? Dürfen das auch „BILD“ und „taz“?
„Was ist das bloß für eine Welt, in der man solche Sachen darf?“
– Die Ärzte: Meine Freunde
Ach, und noch was, ihr „Journalisten“ mit dem infantilen Wortschatz: Wenn euer Mittelfinger ein Stinkefinger ist, benutzt doch bitte mal Seife. Das ist doch ekelhaft.
Tschüss, feedly! Hallo, Alternativen?
Apropos „ärgerlicher Drang zum Umstieg“: Der RSS-Leser feedly, dessen Android-app ich an anderer Stelle schon mal gelobt hatte, ist vor einer Weile auf ein „Freemium“-Modell umgestiegen. Die grundlegende Funktionalität ist zwar weiterhin kostenlos, einige „erweiterte“ Funktionen sind aber nun mit dem Abschluss eines Abonnements verbunden, und vermutlich werden das noch mehr.
Die bisherigen „Pro“-Funktionen sind Integration von Evernote und Pocket zum „Vormerken“ einzelner Artikel sowie die Suchfunktion innerhalb der Feeds. Während ich Evernote- und Pocketanbindung allerdings sowieso in der Regel per Browsererweiterung vornehme, ist das mit der Suchfunktion schon weniger freundlich, zumal die Suchen-Leiste im feedly-Fenster auch für „Standard“-Nutzer sichtbar, aber eben nicht benutzbar, ist. Somit folgt auf den Umstieg – mit feedly beschäftige ich mich erst, seit es im Verlauf der Google-Reader-Flucht als überaus grandios angepriesen wurde – ein weiterer Umstieg. Allmählich bekomme ich Übung darin.
Ich nehme einfach mal an, dass es nicht nur mir so geht. Wer weiß schon, was die nächsten Funktionen sein werden, die es nur noch gegen Aufpreis gibt? Zwar bin ich bereit, für Qualität Geld zu zahlen, aber da es ebenfalls qualitativ akzeptable RSS-Leser gibt, die alles können, was ich brauche (was in diesem Fall Kategorien und Onlinesynchronisation nebst einer Nutzeroberfläche, die nicht von einem BWL-Erstsemester entworfen wurdem sind), bin ich in diesem Fall einfach mal geizig. (Ich frage mich ja, wie viele Nachrichtenredaktionen, die feedly als idealen Ersatz für den Google Reader angepriesen hatten, jetzt klammheimlich die Formulierung ändern.) Ich habe mir mal einige davon angeguckt.
Der Hive-Reader ist seit Monaten nur auf Einladung zugänglich – die Screenshots sehen schon vielversprechend aus, aber offenbar wird im Hintergrund noch fleißig gearbeitet. Ich empfehle, dem Entwickler auf Twitter zu folgen – wenn es irgendwann fertig ist, sollte es problemlos die meisten Konkurrenten in die Schranken verweisen können. Von diesen Konkurrenten gibt es freilich einige, auch große Namen sind dabei: Digg versucht ebenso wie AOL im Gespräch zu bleiben, das Ergebnis ist jedoch jeweils noch etwas schlicht und nur sehr begrenzt anpassbar:
Ein weiterer Publikumsliebling ist The Old Reader („Ye Olde Reader“), eine Art Google-Reader-Nachbau mit hässlichem, dafür omnipräsentem Logo. Kürzlich wurden Neuanmeldungen eingestellt, inzwischen gehen sie wieder. Dieser „Old Reader“ ist optisch arg gewöhnungsbedürftig und momentan eher gemächlich (angeblich gibt es technische Probleme), allerdings zumindest funktional:
Die „sozialen“ Kategorien oben links bekommt man mit Browsererweiterungen weg, eine kompaktere Ansicht für den kompletten reader gibt es leider nicht. Die verschiedenen Userstyles für The Old Reader sind zwar eine nette Idee, verursachen jedoch oft Darstellungsfehler in der Navigationsleiste. (Die bekommt man übrigens mit einem Bookmarklet per Klick aus- und wieder eingeblendet, das in den Einstellungen des „Old Readers“ zu finden ist.) Besonders unhübsch: The Old Reader lässt kaum Platz am rechten Browserrand – je breiter der Bildschirm, desto störender das Lesen. Löblich aber, dass es mit apps wie gReader sogar recht ansehnliche Android-Anbindung gibt; Desktopanwendungen sucht man jedoch (noch?) vergebens.
So gut der Old Reader auch durchdacht scheint: Mein Ästhetikempfinden scheitert am Versuch, sich mit ihm anzufreunden. Immerhin ist der RSS-Leser momentan (mangels tauglicher Windowsanwendungen) die von mir meistbesuchte Website, da isst das Auge eben mit. (Eklige Vorstellung, oder?) Also geht die Suche wohl weiter.
Der Entwickler von NewsBlur will Geld (sofern man keine Lust hat, eine auf ein Minimum reduzierte Fassung seiner Anwendung zu nutzen, die für mich schlicht untauglich ist). Für dieses Geld – momentan zwei US-Dollar pro Monat und damit weit günstiger als feedly pro – bekommt man einen RSS-Leser, der uns Nerds hellauf begeistern sollte, da er unter einer aufgeräumten Oberfläche das höchste Maß an Funktionalität besitzt, das ich mir von einem RSS-Leser wünschen könnte:
Lobenswert ist bei NewsBlur insbesondere die „Trainingsfunktion“: NewsBlur „lernt“ bei andauernder Benutzung, welche Artikel den Leser mehr interessieren könnten als andere, und kann entsprechende Änderungen vornehmen; quasi hat es ein „eingebautes“ Yones. Ich wäre durchaus willens, den Autor für diese Leistung finanziell zu entlohnen – leider akzeptiert er momentan nur eine Zahlung per Kreditkarte, und die kann oder will sich hierzulande nicht jeder leisten. (Diese USA sind schon ein dekadenter Haufen manchmal.) NewsBlur ist allerdings Open Source. Mich hält von einer Installation auf meinem Server eigentlich nicht viel ab, es scheitert vermutlich weniger am Technischen (obwohl FreeBSD als Plattform momentan nicht vorgesehen ist) als daran, dass die benötigten Bibliotheken meinen bisher mit Bedacht nicht vollgemüllten Server in einem reichlich unaufgeräumten Zustand hinterlassen würden. (Falls jemand von euch sich aber mal an die Installation wagen möchte: Ihr werdet nur schwerlich einen besseren „freien“ RSS-Leser finden. Tut dies somit zahlreich!)
Mit News+ ist momentan auch eine Android-app in Entwicklung, die auf dem gReader basiert und Unterstützung für NewsBlur (vermutlich leider nur die Bezahlvariante) und einige andere Plattformen in Form von Erweiterungen mitbringt. Das ist schon recht hübsch.
Zu diesen anderen Plattformen gehört im Übrigen auch das von mir auch schon mal erwähnte Tiny Tiny RSS, wiederum ein quelloffener RSS-Leser, der allerdings lediglich ein Minimum an Abhängigkeiten verlangt, was mir sehr entgegenkommt. Die beiden offiziellen Android-apps sind im Übrigen eher rudimentär, insofern bin ich für News+ besonders dankbar:
Was mich ursprünglich dazu bewogen hatte, mich für feedly statt Tiny Tiny RSS zu entscheiden, war, dass Tiny Tiny RSS standardmäßig eine sehr rustikale Bedienoberfläche mit sich bringt. Faulpelz, der ich bin, hatte ich die Möglichkeit, themes zu verwenden, gar nicht beachtet. Das feedly-theme sieht aber gar nicht mal schlecht aus, da ist der vorübergehende Mangel an Desktopclients schon zu verschmerzen:
Eine Tiny-Tiny-RSS-Instanz habe ich ohnehin vor ein paar Monaten installiert, aber (wegen feedly) nie als eine solche benutzt. Immerhin habe ich jetzt die Gewissheit, dass mein Server zuverlässig arbeitet und nicht zwischendurch Daten frisst, wenn ihm mal langweilig ist.
Momentan ist also Tiny Tiny RSS der RSS-Leser meiner Wahl, und ich bin davon überzeugt, dass ich niemals einen besseren Feedleser finden werde; jedenfalls so lange, bis NewsBlur sich neue Bezahlformen einfallen lässt und/oder der Hive-Reader endlich öffentlich ist. Meine Definition von „niemals“ ist also eine eher ironische. Ich wäre eine tolle Bundeskanzlerin.
Nachtrag von Januar 2015: Der Entwickler verschenkt Premiumzugänge, wenn ihr gern zahlen würdet, aber nicht könnt.
Da wir gerade beim Umsteigen und bei Anglizismen sind, hier noch ein update für diejenigen von euch, die kürzlich meinen Umstieg von Sublime Text mitbekommen haben: Ich bin nun bei Emacs gelandet. Ganz nett, doch.
Medienkritik in Kürze: Qual-itätsjournalismus
Apropos „Nachrichtenportale machen Kopf kaputt“:
„In unserem Haus wird hochwertiger Qualitätsjournalismus in einigen Jahren eine größere Rolle spielen als heute.“ (…) Daher konzentriere sich der Verlag auf die Titel Bild und Welt.
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Politik.
Medienkritik in Kürze: Von preiswert war ja nie die Rede.
Heute wurde ein neues iPhone vorgestellt – naturgemäß ein Ereignis, anlässlich dessen renommierte Nachrichtenmagazine wie SPIEGEL ONLINE Krieg und Fußball vorübergehend links liegen lassen und sich reichlich Küchenrollen zwecks Entfernung des eigenen begeisterten Speichelns zurechtlegen.
Und tatsächlich handelt es sich um einen wahren Paukenschlag. Apple präsentierte nicht etwa einen Neuaufguss des altbewährten Konzepts, sondern eine Weltneuheit in Form eines Geräts, dessen umgangssprachliche Bezeichnung variiert: Die Berliner Zeitung spricht von einem „Billig-iPhone und Billig-Handy“, t3n.de und AndroidPIT schließen sich an. Einzig Matthias Kremp und Ole Reißmann von SPIEGEL ONLINE ließen sich mit „Billigmodell“ selbst etwas einfallen, verbargen ihren Markenfetisch ansonsten aber nur unzureichend:
Die neuen iPhones sind nicht die herausragenden Geräte, die sie hätten sein sollen.
Bedauerlich!
Einig sind sich die Medien aber immerhin darin, dass es sich um ein Billigmodell handelt. Die Übersetzung für den journalistischen Fachbegriff „billig“ liefern sie immerhin gleich mit:
Das Modell mit 16 GB Speicher kostet rund 600 Euro, das mit 32 GB rund 700 Euro.
Prima für den kleinen Geldbeutel. Da muss man einfach zuschlagen!
Mitten rein.
Linuxwitz des Tages: Die Sicherheit in Linux basiert zu einem beachtlichen Teil auf einem proprietären Chip. Das ist bestimmt dieses „ihr könnt den Code angucken“, von dem immer alle reden.













