Nerdkrams
War­um ich auch unter Android auf kom­mer­zi­el­le Soft­ware setze

Dass ich ein Freund des mobi­len Betriebs­sy­stems Android bin, habe ich ja gele­gent­lich schon erwähnt. Ich tei­le aller­dings die Auf­fas­sung nicht, dass es nur des­halb bes­ser als ande­re mobi­le Syste­me ist, weil es frei ist. Zwar set­ze ich auf mei­nem Sam­sung-Smart­pho­ne anstel­le der teil­pro­prie­tä­ren Sam­sung-Android-Dis­tri­bu­ti­on eine freie Ver­si­on (zur­zeit eine von „tema­sek“ modi­fi­zier­te Ver­si­on der auf den unver­än­der­ten Quell­codes des Andro­id­sy­stems basie­ren­den Cya­no­gen­Mod-Dis­tri­bu­ti­on) ein, jedoch möch­te ich die­se Gele­gen­heit nut­zen, um für kom­mer­zi­el­le apps eine Lan­ze zu brechen.

Dass eigent­lich alle rele­van­ten apps unter Android frei sind, mag stim­men – ent­schei­dend ist aber die Qua­li­tät. Ich habe sehr lan­ge ver­sucht, den Kauf von apps zu ver­mei­den; es hat nicht funktioniert.

Dies lag nicht unbe­dingt dar­in begrün­det, dass ich mit den kosten­lo­sen Metho­den, das glei­che Ziel zu errei­chen, unzu­frie­den war – es gab schlicht oft kei­ne kosten­lo­se Lösung. Ein anschau­li­ches Bei­spiel ist etwa das kosten­pflich­ti­ge Tita­ni­um Back­up, das die ein­zi­ge mir bekann­te aktiv gepfleg­te app ist, mit­hil­fe derer man indi­vi­du­el­le apps (und etwa Spiel­stän­de) auto­ma­tisch sichern und nach einer Neu­in­stal­la­ti­on wie­der­her­stel­len kann.

Zwei­fels­oh­ne ist Tita­ni­um Back­up hier aller­dings eine (will­kom­me­ne) Aus­nah­me. Im Lau­fe der letz­ten Jah­re habe ich nur zwei­mal den Wech­sel von einer Bezahl- zu einer Gra­tis-app voll­zo­gen, als mein bevor­zug­ter Anwen­dungs­star­ter Laun­cher Pro und mein frü­he­rer RSS-Leser News­Rob Pro (inzwi­schen aus dem Play Store zurück­ge­zo­gen) nicht mehr wei­ter­ent­wickelt wur­den; in allen ande­ren Fäl­len ver­fuhr ich anders­her­um: Statt Dro­pSync ver­wen­de ich mitt­ler­wei­le Clou­dii zum Abgleich mei­ner Drop­box, anstel­le des Datei­ma­na­gers ES Datei Explo­rer kommt der Solid Explo­rer zum Ein­satz, zum Twit­tern nut­ze ich Fal­con Pro statt Twic­ca. Auch Halo, eine Art ver­bes­ser­tes Benach­rich­ti­gungs­sy­stem, ist, obwohl Teil des von mir benutz­ten Betriebs­sy­stems, mei­ner­seits schon nach dem ersten kur­zen (und ent­täu­schen­den) Test durch die (mei­nes Erach­tens) weit prak­ti­sche­ren Floa­ting Noti­fi­ca­ti­ons ersetzt worden.

(Ich möch­te an die­ser Stel­le übri­gens aus­drück­lich die app feed­ly posi­tiv her­vor­he­ben, die seit dem Ende des Goog­le Rea­ders wohl Markt­füh­rer in der Spar­te der RSS-Leser ist und trotz groß­ar­ti­ger, wenn auch unge­wöhn­li­cher und wohl ein­ma­li­ger Bedie­nung bis heu­te kosten­frei ist. Es steht zu befürch­ten, dass die Ent­wick­ler in abseh­ba­rer Zeit ein Geschäfts­mo­dell benö­ti­gen, um ihre Kosten zu decken – bis dahin sei feed­ly ein her­aus­ra­gen­des Bei­spiel für kosten­lo­se apps, bei denen es sich zu blei­ben lohnt.)

Gele­gent­lich wer­den apps im Lau­fe ihrer Ent­wick­lung auch schlech­ter. Der ES Datei Explo­rer etwa hat mit jeder neu­en Ver­si­on an Kom­ple­xi­tät, aber nicht an Nut­zen gewon­nen, eben­so mein einst bevor­zug­ter Musik­spie­ler Mix­Zing, der von tut, was er soll zu hat bun­te Fen­ster und stürzt stän­dig ab wei­ter­ent­wickelt wur­de. Ich möch­te das nicht. (Das ist aller­dings ein Vor­teil von kosten­lo­sen apps: Wenn die irgend­wann ver­hunzt sind, tut ein Wech­sel nicht so weh.)

Zwar habe ich eini­ge der genann­ten unfrei­en Anwen­dun­gen bereits ein­ge­setzt, als sie noch in der kosten­lo­sen Beta­pha­se waren, aber Tra­di­ti­on ver­pflich­tet mich nicht. Ich bin aus einem ganz ande­ren Grund auch nach ihrer Fer­tig­stel­lung bei ihnen geblie­ben: Ich kann­te kei­ne bedien­freund­li­che­re und gleich­zei­tig funk­ti­ons­rei­che­re Gra­tis-app für den glei­chen Zweck. Ein Smart­pho­ne ist für mich ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Zer­streu­ungs­ge­rät, aber kein Spiel­zeug. Mit einem Datei­ma­na­ger möch­te ich Datei­en ver­wal­ten und mich nicht stän­dig mit irgend­wel­chen Wer­be­po­pups der Art „hey, da du gera­de am Datei­en ver­wal­ten bist, wie wär’s mit ein paar bun­ten Bil­dern?“ her­um­schla­gen, wie sie im ES Datei Explo­rer qua­si stän­dig auf­tau­chen. Zum Syn­chro­ni­sie­ren von Datei­en in irgend­ei­ner cloud hät­te ich gern einen Dienst, der im Hin­ter­grund still sei­ne Arbeit ver­rich­tet (wie Clou­dii), und kei­nen, der stän­dig dar­auf hin­weist, dass es eine Bezahl­va­ri­an­te von ihm gibt, die viel kann, was ich über­haupt nicht brau­che. Twit­ter indes ist mein Abla­ge­platz für aller­lei kur­ze Wit­ze und Gedan­ken zum Welt­ge­sche­hen, die für die­se Web­site zu wenig umfas­send wären, da möch­te ich ein­fach bequem mei­ne time­li­ne im Blick haben; und da ich das häu­fi­ger tu‘, soll­te die app oben­drein ansehn­lich sein. (Wer einen noch ele­gan­te­ren Twit­ter­cli­ent als Fal­con Pro kennt, der möge jetzt spre­chen oder für immer schweigen.)

Es geht mir also nicht unbe­dingt dar­um, dass die apps, für die ich Geld aus­ge­be, beson­ders funk­ti­ons­reich sind; sie soll­ten nur genau das tun, was ich brau­che. Das ist mal mehr und mal weni­ger. (So ein Anwen­der will ja nicht sein Leben lang immer die glei­che Auf­ga­be aus­füh­ren.) Offen­bar ist es Ent­wick­lern frei­er Anwen­dun­gen nicht mög­lich, den poweru­ser im Blick zu behal­ten: Der in Cya­no­gen­Mod inte­grier­te Datei­ma­na­ger ist zwar zwei­fels­oh­ne (kosten­los und) gut, aber funk­tio­nal doch reich­lich schwach.

Aber wor­an liegt es, dass kom­mer­zi­el­le apps oft bes­ser sind als freie Lösun­gen? Hier kommt iro­ni­scher­wei­se der Gemein­schafts­sinn ins Spiel, das Bedürf­nis, einem Öko­sy­stem, von dem man selbst pro­fi­tiert, auch etwas zurück­zu­ge­ben. (Das ist unter iOS und Win­dows Pho­ne wahr­schein­lich auch nicht anders, dort sind nur die Hür­den höher gesetzt.) Es geht Ent­wick­lern von bei­na­he spen­den­fi­nan­zier­ten Pro­gram­men nicht um weni­ge Anwen­der, die dafür pro Per­son viel Geld bezah­len, son­dern dar­um, mög­lichst gute Soft­ware zu schrei­ben – die zwei Euro für eine gute app sind da nur ein Anreiz, die­se mög­lichst lan­ge aktiv zu pflegen.

Der Erfolg gibt ihnen Recht.

Senfecke:

    • Der OI File Mana­ger ist der CM-Datei­ma­na­ger (in älte­ren Ver­sio­nen) und dem neu­en sogar unter­le­gen … den Ghost Com­man­der schaue ich mir aber mal an, dan­ke. (Die Screen­shots sind schon mal gut.)

      Die Ent­wick­lung von Super Back­up ist ein­ge­stellt, oder sieht das nur so aus?

  1. Ah, war mir neu, danke!
    Sieht so as, als wäre Super Back­up tot, Simp­le ADB Back­up (jetzt Holo Back­up) scheint auch ne Ver­schnauf­pau­se ein­ge­legt zu haben, immer­hin gibts dafür ne Sei­te auf Github:
    https://github.com/omegavesko/SimpleADBBackup/commit/0790701f68d723bac89acefe1a06abff70509601
    Viel­leicht reicht dir ja auch die ADB, mit ein biss­chen Scrip­ting lässt sich mit der nati­ven Back­up-Funk­ti­on von Android (4.0+) eini­ges anstellen.

  2. Statt Tita­ni­um kann man auch App Mon­ster ein­set­zen um Apps zu sichern – davon gibt es auch eine Free-Version.

  3. Kei­ne Ahnung, ich habe für Back­ups nie kom­mer­zi­el­le Soft­ware genutzt, nur Spar­se Back­up und ein paar ande­re freie Apps. App Mon­ster beschränkt sich im Gegen­satz zu Tita­ni­um nur auf Apps, ist wohl nicht vergleichbar.

  4. Braucht es denn die vie­len Funk­tio­nen von die­sem Tita­ni­um? Vie­le Anwen­dun­gen spei­chern ihre Con­fig doch eh im Nut­zer-Spei­cher (wie auch immer das bei Android heißt), und der wird bei einer Neu­in­stal­la­ti­on des Systems nicht zwin­gend über­schrie­ben. Da Tita­ni­um das Back­up auch nur auf die SD-Kar­te oder den inter­nen Spei­cher schrei­ben kann, bie­tet ein Back­up unter Android ja eigent­lich sowie­so kei­nen Vor­teil, oder? Da kann ich ja gleich manu­ell kopie­ren. Und SMS und Logs auf die SD-Kar­te schrei­ben kön­nen zig freie Tools. Oder schau­felt Tita­ni­um die Back­ups in irgend­ei­ne Cloud rein?http://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_confusednew.gif

  5. Obleich es mir miss­fällt, hier die FSF-Keu­le zu schwin­gen, möch­te ich trotz­dem kurz auf den Unter­schied zwi­schen „Free as in free speech“ (offen zugäng­li­cher und frei modi­fi­zier­ba­rer Quell­code) und „Free as in free beer“ (kosten­los) hin­wei­sen und dar­auf, dass Pro­gram­me sowohl bei­den, aber auch nur einer die­ser Grup­pen ange­hö­ren können. 

    Ein häu­fi­ges Argu­ment von Free Soft­ware Leu­ten lau­tet näm­lich „nur weil ihr die Soft­ware unter einer frei­en Lizenz ver­öf­fent­licht, könnt ihr sie trotz­dem verkaufen“.

    Ich beto­ne dies, weil es vor allem im Zusam­men­hang mit dem Android OS inter­es­san­ter­wei­se eini­ge Apps gibt, auf die das zutrifft. Als da wären der wun­der­ba­re Android Mum­ble Cli­ent „Plum­ble“, oder die Open­Street­maps Navi Soft­ware „OsmAnd (Pro)“. Das funk­tio­niert des­halb ganz gut, weil die mei­sten Leu­te lie­ber 1 oder 2 Euro aus­ge­ben, als sich den Quell­code run­ter­zu­la­den und das gan­ze sel­ber zu kompilieren.

    Mir ist bewusst, dass die­ser Sach­ver­halt für dich nichts Neu­es sein mag, doch bin ich mir nicht sicher, ob das auch auf alle dei­ner Leser/​innen zutrifft.
    Auch wenn ich sel­ber kein „Hard­core-Free­soft­ware­ler“ bin und durch­aus pro­prie­tä­re Pro­gram­me ver­wen­de, wenn ich sie über­zeu­gend fin­de, so liegt mir doch etwas dar­an, ande­re Men­schen (v.a. Leser/​innen von Blogs wie dem dei­nen) für die­sen klei­nen aber fei­nen Unter­schied, durch Wahl (und ggF. Erläu­te­rung) der rich­ti­gen Ter­mi­no­lo­gie zu sensibilisieren.

    Lie­be Grü­ße und dan­ke für dei­ne Beiträge

    • Natür­lich: Auch freie Soft­ware kann bezahlt wer­den. Ich spen­de gele­gent­lich für die Ent­wick­lung von Vim oder Free­BSD, obwohl die das Geld wahr­schein­lich nicht mal nötig haben. Aber der Punkt ist: Hin­ter frei­er Soft­ware steht meist kein teu­er bezahl­tes QS-Team (wie man ja an OpenSSL momen­tan ganz gut sieht) – das wirkt sich in der Regel dar­auf aus, wie das Pro­gramm sich hin­ter­her benimmt.

      Aber dan­ke für dei­ne Ergän­zung. Über den Unter­schied von frei­er Soft­ware und Free­ware habe ich ja hier an der einen oder ande­ren Stel­le mal etwas geschrie­ben. :)

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