(Abbildung ähnlich.)
Muskelgedächtnissenilität. / Strg+Mist!
(Vorbemerkung: Ja, ich habe den angekündigten Nichtrücktritt des Limburger Bischofs zur Kenntnis genommen, aber nein, ich halte jedes weitere Wort hierüber für zu viel Aufmerksamkeit für jemanden, der die Ideale der katholischen Kirche so hervorragend repräsentiert wie kaum ein Zweiter. Daher schreibe ich stattdessen was über Computerkram.)
Wer meine Artikel gelegentlich aufmerksam verfolgt, der hat unter Umständen schon mitbekommen, dass für mich Texteditoren das sind, was für andere Autos, Smartphones oder Schuhe sind: Ich besitze zu viele von ihnen.
Auf Servern setze ich mal auf nano, mal auf Vim (je nach Anwendungsfall), auf dem Desktop bin ich bekanntlich jüngst von Sublime Text 3 auf Emacs umgestiegen (beziehungsweise entwerfe ich meine längeren Texte immer noch abwechselnd in einem dieser beiden Editoren). Auch zwei IDEs kommen zum Einsatz: Eines meiner aktuellen Programmierprojekte bearbeite ich größtenteils im Qt Creator (in dem ich immerhin einen Vim-Modus verwenden kann), für ein anderes muss ich aus technischen Gründen Visual Studio benutzen, für das es zwar ViEmu gibt, das aber mein Budget für derlei regelmäßig deutlich übersteigt. Dass ich nicht einfach für jeden Mist den gleichen Editor verwende, hat verschiedene Gründe: Serverseitig benutze ich keine GUIs, was Visual Studio von vornherein ausschließt, Emacs ist wegen seiner Tastenkürzel über PuTTy eine Qual, Vim eignet sich für andere Zwecke hervorragend als nano (das beim schnellen Editieren einer längeren HTML-Datei indes definitiv seine Stärken hat); und aber vor allem: Ich kann damit quasi im Schlaf arbeiten. (Mein früherer Arbeitgeber würde das mit dem Schlaf wahrscheinlich bestätigen.)
Nun sind die meisten Texteditoren Programme, deren flüssige Bedienung (eben das mit dem Schlaf) stark vom Muskelgedächtnis abhängt: Je häufiger man ihre Tastenkürzel verwendet, desto selbstverständlicher erfolgt dies. Um beim Beispiel nano zu bleiben: Wenn ich eine Datei auf dem Server mit nano [Datei] editiere, merkt sich meine Hand, dass der nächste Steuerbefehl wahrscheinlich Strg‑O Strg‑X (Speichern und Schließen) sein wird, und führt diesen quasi unbemerkt aus.
Blöderweise haben nano, Vim, Emacs und normale IDEs die Eigenschaft, völlig unterschiedliche Tastenkürzel zu unterstützen. Ja, einen Vim-Modus kann man meist – außer in nano – irgendwie nachrüsten, und möglicherweise sind auch die Emacs-Tastenkürzel sozusagen Gewöhnungssache (Mac OS X, mit dem ich mittlerweile mein Geld verdienen darf, verwendet sie immerhin auch, dafür hat’s weder eine Pos1- noch eine Ende-Taste), kompliziert wird es allerdings dann, wenn man – wie ich – häufiger zwischen den Editoren wechselt. Ein einfaches Beispiel: Ich möchte eine Datei speichern. Das geht in nano mit Strg‑O, in Vim mit Esc :w, in Emacs mit Strg‑X Strg‑S und überall anders mit Strg‑S. (Das ist ja auch so ein Phänomen von Open Source: Ergonomische Gesichtspunkte werden konsistenter Bedienung in der Regel übergeordnet. Zugegeben: Bei Unity bin ich mir da nicht so sicher.)
Mein Muskelgedächtnis mag das aber gar nicht.
Einmal antrainierte Tastenkombinationen bleiben blöderweise auch beim Wechsel zwischen ähnlichen Programmen „gespeichert“. Dass Emacs (jedenfalls in meiner Konfiguration) weder Strg‑O noch Strg‑S zum Speichern von Dateien versteht, vergesse ich immer wieder; gerade nach einer längeren Sitzung in anderen Programmen, die eine dieser Kombinationen verwenden, braucht das Muskelgedächtnis eine Weile, um zu bemerken, dass es nun wieder die anderen Befehle braucht. (Dann geht es aber wieder wie von selbst). Mit steigender Nutzungsdauer (und Editorenzahl) wird das im Übrigen auch nicht leichter, ganz im Gegenteil.
Mögliche Lösungen? Entweder sollte ich jeden Editor, bei dem das möglich ist, auf die Vim-Belegung umstellen (das nano-Problem bliebe bestehen und Emacs verlöre trotz der Annehmlichkeiten von 3cw und dergleichen manche produktivitätssteigernde Besonderheit, somit wäre das nicht ausreichend praktikabel) oder ein paar Editoren aus meinem Fundus entfernen. Ein geeigneter Kandidat wäre nano, für das dann Ersatz nötig wäre; anbieten würde sich ein lokal installiertes Emacs, mittels dessen ich (wegen der integrierten hervorragenden SSH-Unterstützung) das oben beschriebene PuTTy-Problem elegant umgehen könnte. Das Problem daran? Unter Windows weigert sich der SSH-Modus (tramp-mode) beharrlich zu funktionieren, außer „Emacs hängt sich auf“ passiert da nicht viel. Wahrscheinlich ist das ein Problem, das sich über einen einfachen Konfigurationseintrag lösen ließe, allerdings fehlt mir dafür gerade die nötige Muße.
Vielleicht sollte ich einfach zukünftig nur noch Windows-Server einsetzen. Da kann ich wenigstens rumklicken.
Neues aus der Netzwelt: IsoHunt muss schließen. Wie schon seit vielen Jahren sind wir eMule- und aMule-Nutzer nicht davon betroffen, weil wir schlicht keine Webseiten, Linkportale, Suchmaschinen und Webbrowser brauchen, um zu finden, was wir brauchen.
Schauspiel und Kunst. / Ich gründe aus Versehen eine Religion.
Die deutsche Ausgabe der Huffington Post, die Qualitätsautoren wie Boris Becker in ihren Reihen hat, wird auf Twitter schon so ausführlich und genussvoll zum Abfall erklärt, dass ich das nun nicht mehr tun muss. Allein diesen Text – irgendwas mit Sinnfindung, die hier wohl selbst vergebens wäre – tät‘ ich dann zwecks Anschauung doch dann gern mal weiterempfehlen.
Ein ganz anderes Thema ist ja auch viel interessanter. Eine Bekannte wies mich heute auf einen ihr bis dahin unbekannten Film hin, den sie zu sehen beabsichtigte; dies nicht etwa aufgrund nennenswerter Handlung, sondern weil eine Schauspielerin, die sie sehr schätze, Teil der Besetzung sei und der Film somit wahrscheinlich gar nicht schlecht sein könne. Das ist ziemlich skurril. Zwar gibt und gab es Filmkünstler, die in einer bestimmten Phase ihrer Karriere ausnahmslos hervorragende Werke hervorgebracht haben (Woody Allen und Luis Buñuel gehören dazu), dies lag aber nicht an den beteiligten Personen selbst, sondern am Zusammenspiel derer Fähigkeiten mit dem jeweiligen Drehbuch. Man stelle sich einmal Woody Allens „Der Stadtneurotiker“ mit Til Schweiger in der Hauptrolle vor, um das Problem zu begreifen.
Schauspieler werden oft als „Gesicht des Films“ missverstanden, in dem sie agieren. Tatsächlich aber zeichnet einen guten Schauspieler, wenn es nicht gerade um Slapstickkomödien geht, aus, dass er eben nicht als er selbst auffällt, sondern dem Zuschauer das Gefühl realen Geschehens im Beisein Unbekannter vermittelt. Insofern ist sogar Helge „Adolf“ Schneider ein besserer Schauspieler als zum Beispiel, ich erwähnte ihn bereits, Til Schweiger. Ich würde niemals einen Film nur deshalb ansehen, weil ich einen der Schauspieler mag, und wenn Luis Buñuel dem Grab entstiege und sich entschlösse, von nun an Liebesromane zu verfilmen, würde ich das allenfalls mit gerümpfter Nase und krauser Stirn zur Kenntnis nehmen und mich nicht umgehend ins Kino begeben. Das wäre mir unangenehm.
Eigentlich, so fuhr die Bekannte fort, sei es auch gar nicht von Belang, wie gut diese Schauspielerin denn ihre Rolle erfülle, denn sie sei im wahren Leben hübsch und sympathisch, was schon vollkommen genüge, um einen entsprechenden Film zu schätzen zu wissen. Mein Einwand, sie habe vermutlich nie ein Wort mit dieser Schauspielerin gewechselt, beendete den Dialog leider unsanft, bevor ich weitere Kenntnisse daraus gewinnen konnte.
Zu meiner Zeit waren Filme ja noch wegen der Handlung interessant.
In der Blogosphäre wird momentan rege eines dieser so genannten „Stöckchen“ weitergereicht, also eine Sammlung von Fragen, die man nach der Beantwortung einem anderen Blogger weiterleitet. Die ursprünglichen Fragen stammen vom BR und richten sich an die Netzgemeinde. Höhlenmalereigemeinde my ass. Es geht um die Gretchenfrage, wie das Netz es eigentlich so halte mit der Religion, und während ich noch nicht davon überzeugt bin, dass diejenigen, die sich selbst als Nerdblogger betrachten (könnten) und lustige 1337-Fake-sonstwie-Domains benutzen, irgendeiner retrovertierten Weltanschauung viel abgewinnen können und das Konzept eines devoten Glaubens im freien Netz ungefähr so interessant finden wie den BR, würde ich auf eine der gestellten Fragen ungefragterweise doch gern etwas näher eingehen (die anderen sind mir zu doof oder wurden im verlinkten Blog schon ausführlich genug zur Kenntnis genommen), nämlich gleich die erste:
Woran glaubt die Netzgemeinde?
Ich würde ja sagen, ich glaube an den menschlichen Verstand, aber ich kenne Twitter. Was steht uns wohl überwiegend liberalen, technikbegeisterten Freidenkern denn so an Religionen abseits derjenigen Religionen, für die sich der Unterschied zwischen Leben und Glauben nur in Form irgendwelcher absurden Rituale manifestiert, zur Verfügung? Ich bin ein großer Anhänger der Church of Satan, da sie einen rationalen, unaufgeregten Lebensstil predigt, und ich bin durchaus (von ihr selbst völlig unabhängig) versucht, nach ihren Regeln zu leben, aber das ist wiederum ebenso wenig eine Sache des Glaubens wie es meine Übereinstimmungen mit den anderen größeren Religionen sind. „Du sollst nicht töten“ ist ein durchaus vernünftiges Gebot, der Glaube dahinter mit dem weltfremden Bild (beziehungsweise eben Nichtbild) von einem Schöpfergott, der uns irgendwann alle ins Fegefeuer werfen wird, weil wir uns über ihn lustig machen, ist aber nicht mit meinem Selbstverständnis als denkender Mensch vereinbar. Es gilt also zur wahrheitsgemäßen Beantwortung der Frage alternative Glaubensgemeinschaften heranzuziehen.
Die Church of Revengeday? „Wir glauben an das Internet“ bzw. an „wissen wir selbst nicht“, ja, das klingt nach einem typischen Internetnutzer, aber seinen virtuellen Lebensraum zur Religion zu erheben halte ich für gefährlich, mit dem Netz wird auch ohne Religionsstatus schon genug Schindluder betrieben. Mein Bett ist ja auch keine Religion. Passt dann eine dieser Internetreligionen eher zu mir? Wie steht’s mit dem Fliegenden Spaghettimonster? An sich interessant, aber einige der acht „Gebote“ dieser Religion bereiten mir gehöriges Kopfzerbrechen, schon wegen ihrer linksfeministischen Ausrichtung. Eine Religion ist doch keine Partei, herrje.
Auch recht beliebt bei uns Nerds ist der Diskordianismus. Eine zweifelsfrei interessante Idee, die aber in ihren Grundzügen nichts anderes als „Denke selbst!“ besagt – das ist wahrscheinlich nicht das, was mit der Frage gemeint war. Eines allerdings gefällt mir schon, nämlich der Teil mit dem diskordianischen Papst. Ich exkommuniziere in meiner Eigenschaft als unfehlbarer Papst euch allesamt hiermit ebenso wie mich und damit ist die Sache dann auch erledigt. Da kommt der Kopimismus der Netzgemeinde schon eher entgegen, der Glaube an Filesharing, mithin an die Ehrwürdigkeit sozialen Teilens (zum Beispiel von Musik). Wiederum ist dies aber eine Religion, deren Zusammenhang zum allgemeinen Glaubensbegriff ich nicht verstehe. „Ich glaube an Filesharing“ ist wie „ich glaube ans Einkaufen“. Habe ich jetzt versehentlich den Shoppismus ins Leben gerufen? Gedenkt meiner dereinst als Papst der Lehre von Rewe, Amazon und Saturn!
Nein, die Netzgemeinde glaubt eigentlich nur daran, dass sie als homogene Einheit lediglich ein Hirngespinst schlechter und offenbar überbezahlter (weil übermotivierter) „Journalisten“ von öffentlich-rechtlicher Gnade ist. Der Glaube war in dunklen Zeiten stets eine Zuflucht für Menschen, die keine Hoffnung mehr zu finden vermochten. Was das Netz betrifft, bleibt insofern zu konstatieren: Gott ist tot. Wir machen uns jetzt unsere eigenen Götter („A‑Blogger“) und lassen sie im Fernsehen und auf Twitter dumme Dinge sagen, die dann trotzdem als unsere Meinung dargestellt und von den Politikern nichtsdestoweniger vollkommen ignoriert werden. Was nämlich will die Netzgemeinde? Erst mal Sascha Lobo fragen.
Und sie sahen, dass es nicht gut war.
Datenschutz ist schlimmer als Hitler!
Die Datensammlerindustrie hat jetzt ihren eigenen „Godwin“:
‚Ein Optout entspräche nach unserer Sicht einem ’nein, ich will nicht, dass Urheber die vom Gesetzgeber zugestandene, angemessene Vergütung für ihre Werke erhalten.‘ „
Genau! Wer auf die Wahrung seines Rechts auf Datenschutz im deutschen Internet pocht, ist schuld, wenn die Urheber verhungern!
Einsperren, alle einsperren!
unbekannter Internetnutzer
Pleite? Einfach mehr Geld dazuerfinden!
In der Krise um die Erhöhung der Schuldenobergrenze der USA steht eine Lösung unmittelbar bevor. Führende Demokraten und Republikaner im Senat haben eine Einigung erzielt.
Diese „Einigung“, dieser Kompromiss gar, gestaltet sich wie folgt:
Der Republikaner John Boehner, der Sprecher des Repräsentantenhauses, gestand die Niederlage ein. (…) Er werde die Republikaner ermutigen, für das Gesetz zu stimmen. Es gebe keinen Grund, mit Nein zu stimmen.
„Einigungen“ in den USA: Eine Partei stampft so lange mit einem Fuß auf, bis der Fuß kaputt ist. Dann nimmt sie den anderen. Woher wir das kennen? Natürlich von den gescheiterten Kohl‑, äh, Koalitionsverhandlungen zwischen den Grünen und den beiden schwarzen Parteien; nur dass in diesem Fall nicht der schwarze Fuß es war, der kaputtging, sondern die Grünen waren es. Das Stampfen war jedenfalls recht überzeugend.
Um was für ein Gesetz geht es eigentlich? Es geht darum, dieses Szenario abzuwenden:
Wird die Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar nicht angehoben, droht ab morgen die Zahlungsunfähigkeit.
Die USA haben fast 16,7 Billionen (16.700.000.000.000) US-Dollar Schulden angehäuft, mehr dürfen sie nicht, und ihre Lösung lautet nicht etwa, unrentable Ausgaben (NSA, Militär, Staatspräsidentenamt) einzustellen, sondern den Punkt mit dem „Dürfen“ neu zu konzipieren. Wäre Hans-Werner Sinn US-Amerikaner, er würde ein empörtes Interview geben.
Entschuldigt mich dann morgen mal. Ich muss zur Bank – ich habe eine Einigung zu erzielen.
(Mit Dank an L.!)
Computerfeminismus
Warum ich LibreOffice trotz (oder wegen?) der fehlenden Cloudfunktionen auch Microsoft Office 2013 immer noch vorziehe?
Es gendert nicht.
(Hier ist Microsoft ein Fehler unterlaufen, natürlich heißt es „einem/r Dokument/in“. Na, vielleicht mit dem nächsten Update.)
Apropos Feminismus: Was kann man mit einer Socke so alles anstellen? Klar: Menstruieren!
(via Nachtwächter)
Medienkritik LXXXII: Das kann auch jedem anderen Internetnutzer passieren.
Mike hat die dieswöchige Ausgabe des SPIEGEL derart überzeugend gelesen, dass ich nicht umhin kam, mir die digitale Ausgabe auch mal zu, nun ja, besorgen, und zwar wegen eines einzigen Artikels. Dieser Artikel trägt die Überschrift „Der Tag, an dem ich schwul wurde“ und beschreibt einen Selbstversuch des SPIEGEL-Mitarbeiters Uwe Buse – hihi -, der ein paar White-Hat-„Hacker“ (inflationär verwendete Berufsbezeichnungen genieße ich bevorzugt mit Vorsicht) auf die Frage angesetzt hat, was für Möglichkeiten sich so ergeben, wenn man vollen – auch physischen – Zugriff auf fremde Hardware erhält.
Das macht der investigative SPIEGEL-Mensch dann etwa so:
Zwischen uns auf dem Tisch liegen ein Laptop und ein Handy. Auf beide Geräte haben meine Hacker Spionageprogramme geschleust (…).
So funktioniert die Infektion in freier Wildbahn: Drückt den Bösewichtern eure Hardware in die Hand und geht mal für eine Weile aus dem Zimmer.
Dabei hat er doch so schön vorgesorgt:
Der Virenscanner des Laptops meldet: Dieser Rechner ist virenfrei.
Und was die „Hacker“ da nicht so alles Spannendes herausfinden!
Nachdem die Hacker auch meine E‑Mails durchforstet haben, wissen sie, dass ich verheiratet bin, zwei Kinder habe, eine Tochter und einen Sohn, der noch in den Kindergarten geht. Meine Hacker kennen den Namen meiner Frau, Birgit.
Manche müssen dafür Herrn Buses Mails lesen, andere nur den SPIEGEL. So kann’s gehen. Und was die „Hacker“ sonst so tun? Sie besorgen sich Amazon- und Google-Passwörter und gucken mal hinein. Das sei aber auch nicht weiter schwer:
Den Hackern werden all diese Informationen auf sehr komfortable Weise geliefert. Es ist kaum Expertenwissen vonnöten.
Um für den SPIEGEL zu schreiben, muss man offenbar auch nicht viel wissen. Eine steile Karriere steht so jedem Menschen offen, der leidlich gut lesen und schreiben kann. Wenn da nur nicht der Ekelfaktor wäre!
Zumindest hat sich der Autor ein paar höfliche „Hacker“ ausgesucht, die vorher nachfragen:
Meine Hacker lassen mich wissen, dass sie mir nun noch Kinderpornos auf den Rechner schieben können, danach könnten sie die Polizei alarmieren. Ich bitte sie dringend, von dieser Idee Abstand zu nehmen.
Schade, vielleicht wäre der Artikel dann doch noch was geworden.
Gibt es eine Moral von der Geschichte? Klar:
Um künftig besser auf solche Angriffe vorbereitet zu sein, frage ich meine Hacker ein paar Tage später, wie ich mich schützen kann. (…) Keine Windows-Rechner mehr benutzen, sagen sie, sondern Linux als Betriebssystem. Software-Updates immer installieren, und zwar schnell, das gilt vor allem für den Viren-Scanner.
Linux, nicht erst seit 2003 ein bequemes Angriffsziel von Schuften, sieht so ein „Hacker“ natürlich besonders gern auf fremden Geräten. Da hilft auch nicht, dass die im Artikel verwendete Malware namens Mobistealth „für Android, nicht für Linux“ – das lasse ich der Dämlichkeit wegen einfach mal als Zitat stehen – verfügbar ist. Und Virenscanner („Viren-Scanner“)? Ihr wisst schon, das war das, das den Rechner anfangs virenfrei nannte.
Der SPIEGEL hat im Printressort halt nicht so fähige Autoren wie Frank Patalong.
Die Goldenen Zitronen – Scheinwerfer und Lautsprecher
Worüber man sich ja auch mal wieder aufregen könnte:
Vielleicht will ich auch nicht andauernd begrüßt werden! Ich will auch nicht ständig, dass man mir gratuliert, ich will auch nichts gewonnen haben! Ich will auch keinen Vorsprung haben! Ich möchte nicht, dass man mir meine Vorteile aufzählt! Ich will auch nicht mit Gelegenheiten in Verlegenheit gebracht werden! Ich will auch nicht meine Ruhe haben – ich will in Ruhe gelassen werden!
Was bleibt, ist Resignation.
Guten Morgen.
Eine ganze Wikipedia voller Manipulatoren
Eine der lustigeren Beschimpfungen, die mir im Laufe meiner Karriere als Internetnutzer bisher so entgegengeschleudert wurden, ist übrigens Manipulator.
Was war passiert? Ich hatte es nach ausführlicher Diskussion mit anderen Autoren gewagt, den von verschiedenen Quellen als tendenziös und den Radikalfeminismus (zur Bedeutung dieses Begriffs bitte Valerie Solanas erforschen) verharmlosenden Wikipediaartikel über Feminismus dergestalt zu ändern, dass er eine klare Trennung zwischen „dem Feminismus“ – den es als homogenes Konstrukt nicht gibt – und den verschiedenen sexistischen bis gemäßigten Strömungen desselben vornimmt. In der Folge wurde ich mehrfach, unter anderem auf Twitter, der Manipulation bezichtigt.
Da kennen sie eben keinen Spaß, die Verfechter der neuen Offenheit: Freiheit ist super, aber sie möge nur dem eigenen hehren Zweck dienen. Wer Artikeln in der Wikipedia einen neutralen Anstrich zu verpassen versucht, ist kein Wikipediaautor, sondern ein Manipulator (ach, nein: ein Möchtegern-Manipulator, was dann sogar doppelt Käse ist), als handele es sich um jemanden, der widerrechtlich in die Wikipediadatenbank eingebrochen ist und da unerlaubt herumeditiert hat.
Interessantes Gedankenspiel: Wenn das Editieren von Texten, um deren Bearbeitung ausdrücklich gebeten wird, bereits mit Manipulation gleichgesetzt wird, wie schlimm muss es erst um freie Software bestellt sein? Man steuert in der Welt der freien Software also keinen Code mehr bei, man manipuliert an Software herum. Wer es wagt, Codeänderungen vorzunehmen, die nicht jedem Benutzer des jeweiligen Programms gefallen, ist manipulativ.
Ich schlage zur besseren Trennung zwischen guter und böser Manipulation an dieser Stelle das Wort „wikipulativ“ nebst Deklination und Ableitungen vor. Den Vorwurf, wikipulativ zu sein, lasse ich mir zumindest gern gefallen.
Normalitätsgebot
Am 30. Juni veröffentlichte Peter Welchering einen Artikel, der gestern auch den Medien aufgefallen ist. Er beschreibt aktuelle Methoden zur Verbrechensprävention anhand von Algorithmen, die mich wirklich überzeugen:
Einmal kann man den Computer einfach eine Szene, einen Platz einfach beobachten lassen und dann lernt er selbst, was Normalität ist, also die Menschen bewegen sich gerade vom Einkaufszentrum zum Bahnhof oder so. Und der Computer lernt, was diese Normalität ist. Und dann kann abweichendes Verhalten erkannt werden, automatisiert.
Da wir ja alle wissen, dass Nichtkriminelle sich grundsätzlich normal bewegen, ist die Hälfte des Problems schon mal gelöst. Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass Terroristen gemeinsam einen Kodex erarbeiten, der vorschreibt, sich auf öffentlichen Plätzen unnormal zu bewegen, und die Welt ist ein für allemal sicher. Wenn wir das nur vor zwölf Jahren schon gewusst hätten!
Na, hinterher ist man klüger.
Continental – All A Man Can Do
Zur Vorgeschichte bitte hier entlang.
An manchem kommt man ja doch nicht einfach vorbei. An Verkehrsunfällen, an Explosionen und an CDs, die seit mehreren Wochen ungeduldig neben dem Laptop liegen und darauf warten, dass man sich endlich mal mit ihnen beschäftigt. Ich gebe nun nach und widme mich mal diesem Album, Felix wird’s freuen.
Continental also, irgendwie aus dem Dunstkreis der Dropkick Murphys emporgestiegen, mischen, so behauptet’s der Pressetext, „ehrliches Songwriting mit eingängigen Melodien, die sich irgendwo zwischen Blues, Folk, Country und dem Spirit der 77-Punk Ära (sic!) bewegen“. Eigentlich könnte man den Genrequark ja ganz weglassen, aber dann wird der Zettel halt nicht voll. (Im Ausland wird „All A Man Can Do“ übrigens mit einem noch hässlicheren Coverbild verkauft.) Auf einem beigelegten Foto der Band sind Vater und Sohn Barton zu sehen. Schlagzeuger Tom Mazalewski bleibt ebenso unsichtbar wie die sechs Gastmusiker, von denen ich keinen einzigen namentlich kenne. Wie klischeehaft!
Klischeehaft sind zumindest nicht die Texte zur Musik. Keine Countrytexte, nichts mit Kühen. Ein Glück! Einzig „Hey Baby“ erfüllt mit der relativen Kürze seines Texts und dessen Inhalt alle Voraussetzungen, dass man es sich ebenso gut von einem anderen Musiker vorstellen könnte. Zum Beispiel Elvis.
One minute I feel alright, next minute I don’t feel alright;
hey baby, would you say, I’m doing a‑OK?
Hey Baby
Aber zur Musik. Die geht recht klischeelos, äh, los: „Curious Spell“, sozusagen eine Eigencoverversion Rick Bartons, beginnt mit 80er-Ärzte-Gitarre, bekommt einen beschleunigten Refrain drübergestülpt und ist sonst nicht weiter schlimm. Ich möchte positiv erwähnen, dass mir der Gesang der beiden Bartons erfrischend wenig auf den Sack geht. Das ist ja durchaus nicht selbstverständlich. (Nebenbei bemerkt finde ich es immer ein wenig niedlich, wie es klingt, wenn man einen ganzen Satz auf dem Wort „shit“ betont, was auch hier passiert. Ha, ich bin so unanständig. Shit, hihi. Herrje.)
Nächstes Lied: „Shine“. Schon besser, keine Countrypopgitarre mehr als Intro. Erinnert mich ein bisschen an die Bluesrockscheiben im väterlichen Besitz. Solide, mit „aaaaaahhhhh“-Hintergrundgesang in der bridge. Na ja, sagen wir, ich hab schon Schlechteres gehört. „Downtown Lounge“: Erinnert mich an die frühen Rolling Stones, etwas energetischer vielleicht, aber der Text („All I want is someday to be next to you“) ist blöde. Was mir hier im Übrigen auch auffällt, sind die textlichen Wiederholungen, die „All A Man Can Do“ wie ein roter Faden durchziehen. Das Ende vom Lied? Einfach noch mal den Anfang hören. Das ist mal zwischendurch in Ordnung, aber nutzt sich irgendwann dann schon ein bisschen ab, spätestens jetzt. „Red“: Je länger ich dieses Album höre, desto deutlicher wird die klangliche Nähe zu den Rolling Stones (diesmal allerdings zu den etwas neueren). Warum stehen solche Vergleiche, mit denen der leidende Rezensent sich eher anfreunden kann als mit Countryscheiße, nie auf Werbezetteln?
Ich mag nun nicht jedes einzelne Lied separat besprechen, mit steigender Spieldauer pendelt sich „All A Man Can Do“ offenbar bei erwähntem Bluesrock ein, der Country traut sich nach dem ersten Lied nur selten (besonders schrecklich in „Wrecking Ball“) allzu aufdringlich raus. Gravierende Ausfälle gibt es außer „Hey Baby“ (das auch musikalisch vollkommen uninteressant ist) nicht, lobend erwähnen möchte ich allerdings noch das recht eingängige „Dogfight“ und das abschließende „Monday Morning“, das mit Hard-Rock-Refrain und ‑Gitarre aufwartet. Davon hätte ich mir auf den Album etwas mehr gewünscht.
Mein Fazit? Tja nun: Folk und „77-Punk“ suche ich vergebens, der Country erfüllt aber auch trotz der Ankündigungen eher eine Feigenblattfunktion. Es hätte also schlimmer kommen können. Ich betrachte „All A Man Can Do“ aus der Perspektive eines Musikhörers, der normalerweise eher zu Gentle Giant, Yes, The Dillinger Escape Plan und King Crimson als zu Papas Bluesrockplatten greift, daher möge man mir nachsehen, wenn mein Jubel sich in Grenzen hält. Als ein solcher bin ich zumindest positiv überrascht. Wer so Bluesrockzeug (und die Rolling Stones in ihren unexperimentellen Phasen) mag, der sollte mal nachsehen, ob er irgendwo reinhören kann. Die einschlägigen Reinhörwebseiten bleiben stumm, auch Spotify weiß nahezu keinen Rat. (Das, freilich, vermag nicht zu überraschen.)
Damit wäre das auch erledigt.
Medienkritik LXXXI: Mein lieber Scholli! „Jolie“ und der tägliche Penis.
Erinnert ihr euch noch an die „Jolie“, das Mode- und Tratschkäseblatt, das ich letztes Jahr schon mal versehentlich gelesen habe? Jetzt ist mir dieses Malheur bei der Novemberausgabe 2013 (ist ja schon Anfang Oktober, da wird’s Zeit) doch glatt ein zweites Mal passiert!
Angesichts dieser Titelgeschichte mag man mir das allerdings auch verzeihen:
„Ein typischer Tag im Leben eines Penis“ wird also in dieser Ausgabe – natürlich aus der Sicht einer Frau – beschrieben. Zum Glück wissen wir, dass Sexismus gegen Männer nicht existiert, sonst wäre ich ernsthaft verwundert; auch wegen der Leserbriefe: Eine Leserin schreibt, ihr Blick sei in der vorherigen Ausgabe an „sexy Davey“, einem oberkörperfreien Muskelprotz, hängen geblieben, und es sei „schade“, dass er schwul sei. Ja, so ein Ärgernis, dass nicht jeder Schönling bereit ist, eure Fleischeslust zu stillen.
Nackte männliche Oberkörper laden offenbar dazu ein, die Männer auf’s Körperliche zu reduzieren. Wenn die Männer allerdings nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, sollen sie lieber angezogen bleiben, sonst sind sie eklige Sexisten und dürfen nicht mehr öffentlich Schlagzeug spielen. Will you be a small weak woman and suck my dick? You know… while we’re all being sexist here.
Aber wir waren ja beim Thema „ein Tag im Leben eines Penis“, und ohne darüber zu sinnieren, ob es nicht „eines Penisses“ heißen müsste (denn von Leuten, die für die „Jolie“ mit „6 sexy Frisuren Trends“ schreiben, ist kein gepflegter Umgang mit der deutschen Sprache mehr zu erwarten), nehme ich euch gleich eine Überraschung: Es steht genau das darin, was ihr vermutet.
Dabei sind Stellen wie diese hier (8:45 Uhr) noch nicht einmal das Schlimmste:
Da beneide ich meine weiblichen Kollegen, die haben ihre Eier IM Körper, wie sich das gehört. Nur wir müssen uns mit diesem anhänglichen, nutzlosen Missgeschick der Evolution herumschlagen.
Dafür haben Männer normalerweise keine Brüste, ätsch. Aber dieser Penisprotagonist meckert nicht nur, er freut sich durchaus auch über die Annehmlichkeiten in seinem Leben:
(15:20 Uhr) Hurraaaa! TITTEN!!!
Die gibt’s natürlich nicht immer:
(19:00 Uhr) Hätte ich Hände, würde ich eher mich selbst reiben. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
So ein Tagebuch ist ohne eine ordentliche Sexszene natürlich nicht vollständig; die folgt um 23:20 Uhr:
Oh, Vorsicht mit den Zähnen, Prinzessin. Ja, so ist es besser. Oh ja. Ja. Genau so. Mmmmm. Jaaa. (usw.)
Im „Intro“ zur Rubrik „Pssst …!“, in der es um „Liebe, Lust, Leben“ geht, wird erklärt:
Neurowissenschaftler (…) haben entdeckt, dass Müdigkeit durch die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin verursacht wird (…). Also egal ob Lachen oder Gähnen – Hauptsache happy!
Das Gähnen, das mich gerade überkommt, hat also nichts damit zu tun, dass die „Jolie“ ein furchtbar ödes Groschenheftchen ist. Sie macht mich nur total fröhlich. Schön, dass das geklärt ist.
Laut dieser Ausgabe der „Jolie“ ist Topmodel Miranda Kerr („Hochkaräter der Modelszene“, jolie.de, 19. August 2013; „die schöne Australierin“, jolie.de, Anfang 2013; „die stylischste Mutter“, jolie.de, Ende 2011; „die Allerschönste“, „meine Inspiration“ und so weiter und so fort, jolie.de-Nutzerinnen, Ende 2012) übrigens „nun wirklich kein Anhaltspunkt für irgendwas“. Ist was dran – welche Frau will schon ein schönes Model und/oder eine gut aussehende Mutter werden?
Kōenji Hyakkei – Sunna Zarioki
Kein guter Leistungssport: Schnelllesen.
„Noch 30 Minuten in diesem Kapitel“, sagt es. Du bist langsam, du nichtsnutziges, faules Leserschwein.
Guter Leistungssport: Dauerhören, zum Beispiel Musik.
Guten Morgen!
Eigentlich suchen wir doch alle nur nach dem aufdringlichsten Werber.
Mitunter gerate ich in ein Gespräch mit Mitmenschen, die Google Chrome für gar nicht so schlimm halten wie ich es im September zu erklären versucht habe – immerhin sei es open source, wenn Google irgendwelchen Quatsch damit anstelle, könne man zwar nichts dagegen tun, aber es zumindest sofort bemerken. Nun, wie wäre es damit?
Google could create an anonymous identifier, tied to users of its Chrome browser on a specific device, that advertisers would use to target ads, according to a person briefed on the plan who declined to be identified because the plan is young and one of several options being considered.
Das, was Google Chrome künftig also von anderen Browsern maßgeblich unterscheiden wird, ist, dass seine Benutzer der Datensammelwut von Werbern (und der NSA) nicht mehr entgehen können. Das sei aber auch gut so, denn die momentane Situation sei auch für consumers (denn ein Internetnutzer wird als Konsument und nicht als mündiger Mensch wahrgenommen) schier unerträglich:
Jordan Mitchell, co-chair of the group and a vice president at the Rubicon Project, a digital ad agency, called the current situation for advertisers unreliable and uneconomical and “a lose-lose-lose situation for advertisers, consumers, publishers and platforms.”
Gut, dass Google sich dieses Problems annimmt!
In weiteren Nachrichten: Merkelphone angeblich nicht merkeltauglich. Früher hieß das noch „idiotensicher“.
„Schnell, macht mal den Fernseher an, da kommt scheußlicher Schund!“
Twitternutzer wissen es: Wenn im Fernsehen „Wetten, dass…?“ oder „Tatort“ läuft, herrscht Hochbetrieb bei den Mikrobloggern. Jede Szene wird spöttisch kommentiert, wozu Markus Lanz und Til Schweiger, zugegeben, geradezu einladen. Nicht, dass ich mich an der kollektiven Selbstenthirnung beteiligen würde, denn ich habe kein Interesse daran, mit Schmuddelkindern zu spielen. Ich muss Scheiße nicht fressen, um zu wissen, dass sie mir nicht schmeckt.
Konsens scheint es ohnehin zu sein, dass zumindest erstgenannte Sendung qualitativ das Adverb „qualitativ“ nicht einmal in Kombination mit „schlecht“ verdient. Nach dem – hihi – Ausscheiden von Thomas Gottschalk kannten die Medien auch nur noch dieses eine Thema: Mit der Sendung sei’s vorbei, das werde nix mehr, es war sowieso schon immer schlecht und wurde nicht besser. Ja, damals, als deutsches Fernsehen noch einen gewissen Anspruch hatte und Moderatoren noch nicht jeden Satz mit „hehehe“ beendeten, war „Wetten, dass…?“ noch eine ernst zu nehmende show und kein netter Zeitvertreib für Leute, die zu blöd sind, um sich mit einer Spirituose und einem Buch und/oder Laptop vor den Kamin zu setzen und/oder zu legen.
Beim Tatort kann ich es noch verstehen: Fernsehzuschauer …
(…) brauchen, so scheint es, stets das Bild des Grauens vor ihren Augen.
Dabei geht es, wohlgemerkt, um tote Leichen, nicht um Markus Lanz. Was also ist das für ein seltsames Phänomen, das die Leute dazu treibt, der ganzen Welt stolz mitzuteilen, dass sie nunmehr beginnen, eine Fernsehsendung zu konsumieren, die sie weder wertschätzen noch anderen zumindest sympathischen Menschen empfehlen würden? Was bewegt Nonsensmedien wie SPIEGEL ONLINE dazu, allerlei belangloses Geschehen rund um dieses in Szene gesetzte Leiden (ebd.) zu dokumentieren?
Vielleicht ist es Tradition. Leute gucken „Wetten, dass…?“, weil sie das vor 20 Jahren schon getan haben, sie wählen CDU, weil sie das vor 20 Jahren schon getan haben, sie lesen Tageszeitung (oder die jeweils gängige Onlinefassung derselben), weil sie das vor 20 Jahren schon getan haben. Grug Crood wäre ihnen ein stolzer Vater. Wir aber, wir jungen Wilden, sind anders aufgewachsen. Wir haben gelernt, unser Leben selbst zu gestalten. Will nicht jede Generation ganz anders sein als die Generation ihrer Eltern? Wir lesen nicht die Zeitung unserer Eltern. Wir wählen nicht die Lieblingspartei unserer Eltern. Wenn nur Grütze im Fernseher läuft, lassen wir den Scheißfernseher ganz einfach mal aus oder kaufen uns am Besten gar nicht erst einen.
Aber wahrscheinlich löst sich dieses Problem bald von selbst.












