Piratenpartei
Piratenleaks, 27. August 2013

Nachdem im Wahljahr 2013 von einigen Parteien schon unschöne Details aus der Vergangenheit (bei der F.D.P. das mit der Abstimmung gegen doppelte Staatsbürgerschaft und Gleichberechtigung bei Eheschließungen, bei den Grünen das mit dem Kinderficken) an die Oberfläche gespült wurden, können natürlich auch die Piraten nicht hinten anstehen.

Klar ist gerade in einer digital vernetzten Partei die Gefahr groß, dass sich Klüngel bildet. Nur selten wird das öffentlich gemacht.

Aktuell wird auf der internen Mailingliste des niedersächsischen Landesvorstands ein pikanter Sachverhalt diskutiert: Offenbar existierte (Vorsicht: Verweis auf NSA-Google!) bis vor kurzem eine Mailingliste namens „Pressekoordination der Landesverbände“, in die nicht alle Pressesprecher und nicht alle Landesvorstände, wohl aber allerlei ehemalige Vorstände Einsicht erhalten. Die Diskussion auf der Mailingliste ist recht erhellend:

Spiegelung in Textform (Quelle)

Nun wurden, wohl um Spuren zu verwischen, folgende drei „Tickets“, also Anträge, gestellt, die wahlweise die Veröffentlichung oder die Löschung des vorhandenen Archivs besagter Mailingliste zum Inhalt haben. (Leider ist mir das Archiv selbst nicht zugänglich.)

Lesenswert ist hierbei vor allem der Kontrast zwischen Befürwortern und Gegnern der Freigabe. Für Rechenkünstler übrigens noch folgendes Gedankenspiel: Der niedersächsische Landesvorstand hat zurzeit 11 Mitglieder, um eine Freigabe des Archivs zu erreichen, müsste es also mindestens 6 Dafür-Stimmen geben. Dass es keine sechste gibt (und nicht einmal der erste Vorsitzende bislang abgestimmt hat), ist vermutlich kein Zufall, wenn man den Chatausschnitt von der Mailingliste berücksichtigt.

Ich fasse zusammen: Ein ehemaliges Mitglied des Landesvorstands (Thomas Gaul), der momentan als Koordinator für die Pirate Party International tätig ist, hat also mithilfe einer geheimen Mailingliste, in die nicht jeder reinkommt (wir erinnern uns), und eines als Beisitzer erneut gewählten Mitglieds des Landesvorstands (Mario Espenschied) selbigen Vorstand offenbar voll im Griff und schreckt beim Versuch, diesen Griff halten zu können, auch vor Erpressungsversuchen nicht zurück. Und wie er sich darüber freut! Natürlich könnte man diesen Herrn einfach unsanft vor die Tür setzen, aber so kurz vor der Wahl ist schlechte publicity womöglich nicht erstrebenswert. Die basisdemokratische Mitbestimmung (OpenAntrag hatte ich ja bereits als positive Neuerung herausgestellt) nimmt gelegentlich imposante Ausmaße an.

Der niedersächsische Landesvorstand wird zurzeit von Kevin Price geleitet, der in seinen E-Mails an den Landesverband Niedersachsen nicht selten das Transparenzgebot erwähnt, dem er sich selbst unterworfen sieht. Ich übernehme das jetzt mal für ihn.

(Quelle: Internet.)


Nachtrag 1: Soeben wurden zwei der drei Tickets geöffnet, Kevin hat jetzt auch abgestimmt.

Nachtrag 2: Um 3:56 Uhr hat Kevin Price sich – laut eigener Aussage zwei Wochen nach erstmaliger Kenntnisnahme vom Sachverhalt – öffentlich zu dem Vorfall geäußert (Spiegel hier).

Senfecke

Bisher gibt es 6 Senfe:

  1. hm, Wahlkampf…ich kämpfe bei solchen Sachen auch immer mit mir selbst überhaupt wählen zu gehen.

  2. vier.

  3. Thomas D., Hausmarke, Smudo und And.Y?

  4. PINGBACK: Hirnfick 2.0 » Wahl-Schwach-o-Mat
  5. PINGBACK: Hirnfick 2.0 » Piratenleaks, 29. Juli 2014

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