KaufbefehleMusikkritik
Pop Will Eat Itself — Box Frenzy

Pop Will Eat Itself - Box FrenzyDie 1980-er Jahre sind nicht dafür bekan­nt, eine reich­haltige Quelle guter Musik zu sein. Die Neue Deutsche Welle und die Depres­sion­s­musik von The Cure haben das dun­kle Jahrzehnt der Musik über­schat­tet wie (deine Mud­da beziehungsweise) ein tot­er Deutsch­er in den Nachricht­en grund­sät­zlich hun­dert tote Nicht­deutsche über­schat­tet. Die weni­gen Aus­nah­men von dieser Regel gilt es wie Rosi­nen aus einem vergifteten Kuchen zu pick­en, denn zumin­d­est bei der Wahl zwis­chen Rosi­nen und Gift gewin­nen bei mir die Rosi­nen.

Zu diesen im pos­i­tiv­en Sinne bemerkenswerten Hin­ter­lassen­schaften des dun­klen Jahrzehnts gehört im Übri­gen die britis­che Alter­na­tive-Rock-Band Pop Will Eat Itself, die 1987 mit “Box Fren­zy” ihr lobenswertes Debü­tal­bum, reich gefüllt mit Sprach­sam­ples, Beast­ie-Boys-Anlei­hen und ein­er ordentlichen Dosis Gitarre (und Plas­tikschlagzeug), vor­legten und sich Mitte der 1990er Jahre schließlich tren­nten.

Die derzeit auf Tour befind­liche Reunion, zu deren Beset­zung nur eines der ursprünglichen Mit­glieder (allerd­ings immer­hin der ein­stige Front­mann) gehört, wirkt auf Liveauf­nah­men ein wenig kraft­los. Wie viel aufre­gen­der ist es da, dem Orig­i­nal aus den 80-ern zu lauschen, unzufrieden mit dem zu sein, was sich heutzu­tage “Rock­band” nen­nen darf, und dies deut­lich anzuprangern, während man fröh­lich zu “She’s Sur­re­al” von besagtem Debü­tal­bum zap­pelt?

Pop Will Eat Itself — She’s Sur­re­al — Night Net­work

Die Antwort ist wenig über­raschend: Es ist sehr viel aufre­gen­der. Zwar hat man das alles schon mal irgend­wo — wom­öglich bei den Beast­ie Boys — gehört, aber erzählt der Welt mit dem begren­zten Ton­ver­mö­gen eines Men­schen doch ein­mal eine völ­lig neue Geschichte. Und an Viel­seit­igkeit man­gelte es Pop Will Eat Itself nicht, ich bin gar ver­sucht, sie als weniger ver­rück­te Ver­sion von Cheer-Acci­dent zu beze­ich­nen. Doofen Elek­tropop (“U.B.L.U.D.”) haben sie auf “Box Fren­zy” immer­hin genau so unter­brin­gen kön­nen wie das, was die Autoren der Wikipedia wahrschein­lich dazu ver­an­lasste, Pop Will Eat Itself in die Nähe der “Dance”-Musik zu rück­en:

Pop Will Eat Itself — live in ses­sion on Night Net­work in 1988

Neg­a­tiv anlas­ten kann ich “Box Fren­zy” allen­falls den “Plastik”-Klang des Albums; aber das waren eben die 80-er Jahre, da war ein Schlagzeug aus der Dose eine Offen­barung und nichts, worüber man sich aufgeregt hat. Das kön­nte man dann eigentlich mal nach­holen. Aber das soll nicht darüber hin­wegtäuschen, dass “Box Fren­zy” tat­säch­lich Spaß macht. Diesen Spaß teile ich mit euch, weil ich (wegen des Albums) ger­ade gut gelaunt bin. Da habt ihr noch mal Glück gehabt.

Vergnügt euch und vergesst nicht, gele­gentlich gute Musik in euer Leben zu lassen. Wie trist wäre es ohne sie?

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