In den NachrichtenPersönlichesPiratenpartei
Ehe(,) die Freiheit endet

Auf der dies­jäh­ri­gen Demonstration „Freiheit statt Angst!“, über die sehr unter­schied­lich berich­tet wur­de, hat die poli­ti­sche Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland sym­bo­lisch die Freiheit gehei­ra­tet. Während ihr das zwei­fels­oh­ne eine löb­li­che Liebe zur Freiheit beschei­nigt (auf Vermögensteilung kann sie in die­sem Fall zumin­dest nicht hof­fen), stellt sich mir die Frage, was das für die ande­ren Menschen bedeu­tet, die eben­falls gern die Freiheit einen wich­ti­gen Teil ihres Lebens sein lie­ßen. Führt Frau Nocun eine offe­ne Ehe, oder steht die Freiheit nun nie­man­dem außer ihr mehr zur Verfügung?

„Freiheit, Freiheit ist das Einzige, was zählt.“
– Marius Müller-Westernhagen: Freiheit

„Du bist alles, was jetzt zählt.“
– Die Ärzte: Alles

Diejenigen von euch, die bis­lang das Vergnügen hat­ten, sich mit mir als Privatperson und nicht nur als vir­tu­el­lem agent pro­vo­ca­teur aus­ein­an­der­zu­set­zen, sind viel­leicht bereits damit ver­traut, dass ich so man­che Stunde mei­nes Lebens damit ver­bracht habe, dar­über zu sin­nie­ren, ob Zweisamkeit über­haupt eine Lösung sein kann, und bis­lang kei­ne dau­er­haft zufrie­den­stel­len­de Lösung fand. Wenn aber die Ehe das Maximum der Gefühle und nicht nur Selbstzweck mit Option auf Hinterhalt ist, ist es nicht die Symbolik allein, die die Delinquenten am Gemeinsam fest­hal­ten lässt?

Eine ziem­lich selt­sa­me Angewohnheit meist jun­ger Paare ist das Anbringen von „Liebesschlössern“ an Brücken (bevor­zugt in gro­ßen Städten):

Liebesschlösser; CC-BY-SA von Wikipedia-Nutzer "ILA-boy".

Vordergründig geht es hier wie auch bei der Eheschließung um die Besiegelung ewi­ger Liebe, und es näh­me mich nicht wun­der, behäl­ten die mei­sten von ihnen einen Schlüssel zur spä­te­ren Buße bei sich, nur zur Sicherheit. Nur schwer zu über­se­hen ist jeden­falls, dass ein Vorhängeschloss als Symbol für ewi­ge Liebe unge­fähr so taug­lich ist wie Handschellen (gekreuz­te Ringe, ein ver­brei­te­tes Symbol für die Ehe, sehen die­sen ja nicht unähn­lich); Vorhängeschlösser die­nen nun ein­mal vor allem dem Wegschließen von Dingen. Ein bes­se­res Symbol für Ewigkeit wäre viel­leicht eines die­ser alten Nokia-Mobiltelefone oder eine Deutschlandfahne. Deutschland ist, das wis­sen wir seit 1953, bekannt­lich eben­falls ewig.

Während Zweisamkeit in ihrer rei­nen Form, stets im Bewusstsein ihrer meist unab­wend­ba­ren Endlichkeit, dem eige­nen Leben bei Gefallen einen nicht unan­ge­neh­men Aspekt hin­zu­fü­gen kann, stellt ihre Festigung einen meist gra­vie­ren­den Einschnitt in die Freiheit dar, zumal Kompromisse auf Kosten der jeweils eige­nen Entfaltung in der Regel unab­wend­bar sind. Einer wie auch immer gear­te­ten Liaison, die nur des­halb Bestand hat, weil min­de­stens einer der von ihr Betroffenen Zugeständnisse macht und dabei Einbußen in Bezug auf sei­ne eige­ne Individualität in Kauf nimmt, gilt es ent­spre­chend zu begeg­nen. (Selbst das Annehmen des Namens des jewei­li­gen Partners im Zuge der Eheschließung ist eine Selbstaufgabe, indem man sich zu einem Bestandteil sei­nes Partners degra­diert, was anders­her­um aber nicht der Fall ist.)

Man ver­ste­he mei­ne Ausführungen nicht falsch: Freiheit und Beziehungen, wel­cher Art auch immer sie sein mögen, schlie­ßen sich nicht gegen­sei­tig aus. Allzu töricht ist es aber, auf­grund einer sol­chen Beziehung, die bis­lang unbe­scha­det Bestand hat­te, ohne erkenn­ba­ren Anlass wei­te­re Freiheit aufzugeben.

Insofern ist es womög­lich tat­säch­lich nur kon­se­quent von Frau Nocun, die Freiheit zu ihrem Lebenspartner zu wäh­len, denn nur in die­sem Fall wird ihre eige­ne Freiheit nicht ein­ge­schränkt. Ist halt nur, wie gesagt, doof für alle anderen.

„Bewahrt ein­an­der vor Herzleid. (…) Bewahrt ein­an­der vor der Zweisamkeit.“
– Rammstein: Herzeleid

Senfecke:

  1. Was es ist

    Es ist Unsinn
    sagt die Vernunft
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe

    Es ist Unglück
    sagt die Berechnung
    Es ist nichts als Schmerz
    sagt die Angst
    Es ist aussichtslos
    sagt die Einsicht
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe

    Es ist lächerlich
    sagt der Stolz
    Es ist leichtsinnig
    sagt die Vorsicht
    Es ist unmöglich
    sagt die Erfahrung
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe

    • Das ist rich­tig und hat Gründe. Du darfst mich natür­lich trotz­dem „stup­sen“, „liken“ und - nee, nicht teilen.
      Ich hal­te „liken“ aber auch für viel zu ein­sei­tig. Wo ich nicht „ich mag das nicht“ sagen kann, will ich auch nicht „ich mag das“ sagen.

      Aber ich mag sowie­so nicht viel.

    • Uaaahhh…schreibt frau jetzt „doch“ oder „ja“. Grammatikalische Fäule setzt an, oder ein (?)

      • Tja - ich bin auch mal dran! ;) - Die gram­ma­ti­ka­li­sche Fäule, die sich bereits bei der Ersetzung des geschlechts­lo­sen „man“ durch „frau“ (dann sei kon­se­quent und schneid‘ auch den letz­ten Buchstaben ab: „fra“) zeigt, setzt ein und dann an. Wie bei Schokolade. Die setzt auch erst hin­ter­her an.

    • Den Ablass über­las­se ich denen, die damit regen Handel betrei­ben. Einem Jeden sei­ne (Zettel-)Wirtschaft. Schreck, lass‘ nach!

      Was führt dich eigent­lich wie­der in die­se Gefilde?

    • Erstaunlich - ein Zug, der auch mal hält. Ist nicht der Schnellste, der Zug. Aber das passt, wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten.

      Wärste mal eingestiegen!

    • „Wärste, wär­ste, Fahrrad…kette“. Logisch!

      Jo, wär­ste, dann hät­te­ste. Haste nich‘, jetzt haben wir also bei­de nich‘. Is‘ doof.

    • Zwei Doofe auf einem (recht klei­nen) Haufen. Das kann ja nur ein Erfolg wer­den. Aber die Distanz ver­hin­dert die Musik! Die Flötentöne kann ich also nicht vergeigen.

  2. Würde gern mehr piep­sen. Oder ist das kei­ne gute Idee, äh ich mein(e) Gefühl. Habs hin und wie­der nicht mit Feingefühl..wenns nicht grad um mich geht. Eher grobmaschig..schlechte Augen.

    • Zwitschere tap­fer drauf­los! Hier wird’s viel­leicht unüber­sicht­lich, aber mei­ne E-Post-Adresse ändert sich nicht unan­ge­kün­digt. Matschig, oh ja. Aber so ein Grashalm greift sich ja nicht von allein. Das mit dem Feingefühl, inde­ed, haut mich nicht mehr um. ;)

    • Könnte man, aber ich las­se das aus gutem Grund nicht zu. Ich hab‘ ja noch Ästhetikempfinden! Irgendwo ganz tief drin. (Hehe. Drin.)

    • Mein Wecker tüdelü­tet um spä­te­stens 8, das mache ich mal davon abhän­gig, wie müde ich dann bin. Oh, Störer weiß ich abzu­wei­sen, pseud­ony­me Kommentare muss ich hier ohne­hin hän­disch bestä­ti­gen. Dann kann ich mir viel Zeit bei der Antwort las­sen. Aber war­um soll­te mich ein Vogelzwitschern stö­ren? ;)

  3. Da hat das Schweinchen dann aber auch nix mehr von.

    Oh das Schweinchen tut mir leid, jetzt werd ich ganz trau­rig. Kennst mich ja mit mei­nen Tierchen. :)

  4. Muss ja nicht direkt auf die Schlachtplatte geschickt wer­den. Aber so ist das halt. Läuft alles mal rund…

  5. Mist die­ses tou­chi tou­chi. Nein, Kind, der Laptop hat nun mal Tasten. (Ich hol dich ein mit dem Altern.)

  6. Ich mer­ke dass der intel­lek­tu­el­le Höhepunkt mei­nes Lebens vor­über ist. Merkst du sicher auch…bei mir. :)

    Aber hey, ich lache gern.

    • Ach, du kommst mir gar nicht so sehr anders vor. Nur wei­ter weg irgend­wie. Das ist recht anpran­gerns­wür­dig. Die inter­es­san­te Zeit dei­nes Lebens hast du ja „zu Hause“ ver­bracht. Mit dei­nem Mann. ;)

    • Nää. Ich krieg‘ auch ohne Touchscreen oft genug eine gewischt. Mich gibt’s aller­dings als Schießbudenfigur und Stehaufmännchen.

  7. Dann hol dir mal dei­nen Schlaf ab, ich bin nacht­ak­tiv weil krank. Unabhängig von­ein­an­der aber auch. Und ver­wirrt! :D

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