Die kanadische Formation Bolus war meiner Aufmerksamkeit bisher erfolgreich entgangen. Mit ihrem dritten Album “Triangulate”, auf dem sie mit dem Beitritt von Bassist Daniel Avner vom Duo auf ein (na, so was!) Trio angewachsen sind, ändere ich das mal.
Das Intro zum eröffnenden “Forward Facing”, vermutlich mit einem Banjo instrumentiert, das im Verlauf des Albums noch häufiger Gehör findet, sollte keine falschen Erwartungen wecken. Das Ländliche ist ihre Sache aber nicht, stattdessen dominiert solide, teils komplexe Rockmusik. Waren frühere Musikalben von Bolus dem Vernehmen nach noch hörbar von den Landsleuten Rush (kanadische Hard-Rock-Band, die man im Übrigen auch kennen sollte) inspiriert, haben sich die Präferenzen auf “Triangulate” verschoben, woran der Neuzugang vielleicht nicht ganz unschuldig ist.
Apropos Neuzugang: Ich bin ja ein großer Freund von dominantem, knackigen Bassspiel. Als ein solcher bin ich von dessen Leistung durchaus nicht abgeneigt. In dem kurzen Instrumentalstück “Backwards Man” kann er als Frontmusiker ebenso vortrefflich brillieren wie als Teil der Rhythmusgruppe, die in den übrigen Stücken im Hintergrund die Fäden zieht.
Nun erwarte niemand, dass Bolus mit “Triangulate” eine 180-Grad-Drehung vollführt haben; Rush (und viel Yes) sind vor allem in den Gesangspassagen noch immer präsent. Dass Bolus aber mehr sein wollen als nur der x‑te Abklatsch dieser Musikgruppen, wird in Stücken wie “Smoke at the Mirror” ebenso deutlich wie in “The Study of Madness”, das ebenso von Porcupine Tree oder deren Vordenker Steven Wilson stammen könnte, wäre da nicht der Stoner-Rock-Refrain.
Auch Metalrezensenten — jedenfalls die, die nicht nach einem Wachmacher suchen — finden positive Worte für “Triangulate”, von hohem Suchtpotenzial ist die Rede. Das ist sicherlich nicht verkehrt. Ein Genre zu vergeben halte ich trotzdem prinzipiell für nicht zweckdienlich, ich höre jedenfalls außer vorgenannten Referenzen auch ein deutlich eigenständiges Element heraus. Bei keinem der 13 Lieder entsteht Langeweile, Bolus halten ihr Niveau auf voller Albenlänge. Auf Bandcamp.com ist dies nachzuvollziehen.
“Triangulate” ist funkiger Indie-Neo-Prog-Rock oder was auch immer. Und es ist ziemlich gut.

