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Nie wie­der „Nie wie­der Krieg!“!

Apropos Afghanistan. Ein Rückblick: Um das Jahr 1979 her­um rot­te­ten sich die ihren letz­ten gro­ßen Drogenabsturz über­lebt haben­den Hippies aus der Frauen-, Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegung zu einer jun­gen, fri­schen Partei - zunächst son­sti­gen poli­ti­schen Vereinigung - zusam­men, die man­tra­ar­tig irgend­was von „Kein Strom aus Atom!“ und „Nie wie­der Krieg!“ vor sich hin­mur­mel­te. Die nach der deut­schen Einheit erziel­te Fusion mit dem ost­deut­schen Bündnis 90, das zum Teil aus Mitgliedern der Initiative Frieden und Menschenrechte bestand, ver­schob die Prioritäten offen­sicht­lich nur gering­fü­gig. Dabei war die­se Zweieinhalbthemenpartei so stur, dass man es irgend­wann nicht mehr aus­hielt und sie 1998 gar an der Bundesregierung teil­neh­men ließ, damit sie end­lich auf­hö­ren möge zu quen­geln. Noch Jahre spä­ter ver­tei­dig­ten Ortsverbände der Grünen den Slogan „Nie wider Krieg, nie wider Faschismus“, und dass „nie wider“ so ziem­lich das Gegenteil von „nie wie­der“ ist, ist den Verfassern wahr­schein­lich wohl bekannt.

Denn - ein Zeitsprung in das Jahr 2013 - die heu­ti­gen Grünen sehen das mit dem Frieden etwas gelas­se­ner; bereits im März 1999, nicht ein­mal ein Jahr nach der ent­schei­den­den Bundestagswahl, fand man vie­le Abers für sein Niemals:

Selbst in ihrem (…) „Magdeburger Programm“ heißt es wört­lich: „Bündnis 90/Die Grünen tra­gen mili­tä­ri­sche Friedenserzwingung und Kampfeinsätze nicht mit.“ [Am 7. März 1999] faß­te die 13. Ordentliche Bundesdelegiertenkonferenz in Erfurt einen Beschluß, in dem es heißt: „Bündnis 90/Die Grünen wen­den sich grund­sätz­lich gegen eine Nato-Selbstmandatierung für Militäreinsätze, damit das Gewaltmonopol der UNO nicht außer Kraft gesetzt wird.“ In Zukunft - soweit es für die Grünen eine gibt - soll­ten die Delegierten das Verfallsdatum der­ar­ti­ger Grundsatzentscheidungen gleich mitbeschließen.

Als der Bundestag nur weni­ge Stunden nach dem Angriff auf Serbien dar­über debat­tier­te, stell­te sich die Fraktion der Grünen mit einer Ausnahme geschlos­sen hin­ter die Regierung. Christian Ströbele, der als ein­zi­ger grü­ner Abgeordneter die Dinge beim Namen nann­te und der Regierung in einem erreg­ten Beitrag vor­warf, sie füh­re einen Angriffskrieg, stieß in der eige­nen Fraktion auf Unverständnis und schar­fe Ablehnung.

Die ehe­ma­li­ge Friedenspartei fin­det Kampfeinsätze unter bestimm­ten Bedingungen also ziem­lich in Ordnung, wenn sie nur nicht all­zu lan­ge dau­ern oder wenig­stens vom Gewaltmonopolisten UNO ange­ord­net wer­den. Dessen Befehlsgewalt ist selbst­ver­ständ­lich bindend.

Nun gibt es im Volk aber blö­der­wei­se Leute, die bewaff­ne­te Konflikte („Krieg“ ist ja ein Ausdruck, den es zu ver­mei­den gilt), zumal im fer­nen Ausland, eher weni­ger gut fin­den und die betei­lig­ten Friedenssicherer (das sind die mit den gepan­zer­ten Hubschraubern, wis­sen­schon, zum Brunnenbauen und so) nicht als Retter eines bedroh­ten Volkes, son­dern als Mörder bezeich­nen. Das ist ja auch ziem­lich respekt­los, Leute, die schwer bewaff­net ein frem­des Land über­fal­len, mit beab­sich­tig­ter Tötung von Menschen in Verbindung zu brin­gen. (Juristen mögen mir ver­zei­hen, dass „Tötung“ und „Mord“ hier ein­mal gleich­ge­setzt wer­den; das Ergebnis ist das­sel­be - jeweils eine Leiche liegt, bedingt durch mensch­li­chen Einfluss, tot in der Gegend herum.)

Wenn schon ein deut­scher Bürger auf Geheiß der Koalition aus der SPD und den Grünen jah­re­lang den USA beim Töten zuguckt (denn ein deut­scher Soldat nutzt sei­ne Waffen ja nie­mals nicht zum Töten), dann sol­le er nach sei­ner even­tu­el­len Rückkehr wenig­stens all­ge­mein gewür­digt wer­den, wie man das eben so mit Leuten, die schwer bewaff­net deut­sche Interessen im Ausland ver­tre­ten, machen soll­te. Man könn­te die­se Rückkehrer „Veteranen“ nen­nen. Aber „Veteranen“ hat so einen üblen Nachgeschmack, denn die­sen Titel tra­gen bereits die Teilnehmer der grö­ße­ren Kriege im 20. Jahrhundert, und in Afghanistan her­um­zu­schie­ßen ist viel ehren­vol­ler als in Polen her­um­zu­schie­ßen. Also muss nun ein bes­se­res Wort für einen Veteranen gefun­den wer­den; bevor­zugt eines, das die Gesellschaft dazu anhält, sei­ne immensen Leistungen ange­mes­sen zu preisen.

Da es bis­her noch kei­nen Konsens zu geben scheint: Wie wäre es mit „Shooting-Star“?

Gern gesche­hen.

Senfecke:

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