In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik LXXXV: Linux als Anachronismus

Man sollte ja meinen, dass der heise-Ver­lag — die c’t gibt es immer­hin seit 1983 — ein paar Fachkräfte beschäftigt, die einen Com­put­er nicht nur aus Wer­be­prospek­ten ken­nen, und in sein­er Nachricht­enredak­tion deshalb nicht unbe­d­ingt den Prak­tikan­ten, die son­st Kaf­fee kochen und den Redak­tion­s­garten harken, die eigene Open-Source-Sparte anver­traut.

Um so bedrück­ender ist natür­lich diese Mel­dung:

Unix-Sys­tem PC-BSD 10.0 bringt mod­erne Lin­ux-Desk­tops mit

Ja, PC-BSD 10.0 wurde veröf­fentlicht, und es ist (anders als Lin­ux) tat­säch­lich ein Unix-Sys­tem und tut nicht nur so. Da endet meine Zus­tim­mung zur Über­schrift aber auch schon.

Dass die “mod­er­nen Lin­ux-Desk­tops” — gemeint sind unter anderem Cin­na­mon und Gnome 3 — Konzepte umset­zen, die es schon viele Jahre vor einem “Lin­ux-Desk­top” gab, ist wom­öglich nicht zielführende Erb­sen­zäh­lerei. Die Begriff­skom­bi­na­tion “mod­ern­er Lin­ux-Desk­top” ist trotz­dem inter­es­sant: Bedeutet das, dass mod­erne Desk­tops alle­samt Importe aus Lin­ux sind? CDE zum Beispiel (das die ersten Ver­sio­nen von Xfce inspiri­erte) war jahre­lang Stan­dard­desk­top in der Unix-Welt (ist allerd­ings noch nicht in FreeB­S­D/PC-BSD enthal­ten); von ein­fachen Fen­ster­ver­wal­tern wie twm, dessen erste Ver­sion 1987 — vier Jahre vor Lin­ux FREAX 0.0.1 — her­auskam, reden wir lieber gar nicht erst. Die meis­ten Desk­tops wie Enlight­en­ment und Xfce sind Desk­tops für “unixoide Sys­teme” oder schlicht “für X”, also für das Grafiksys­tem, das Lin­ux aus der Unixwelt geschenkt bekam.

PC-BSD 10.0 bringt also keine “Lin­ux-Desk­tops” mit, son­dern weit­ge­hend plat­tfor­munab­hängige Desk­top­umge­bun­gen. So weit zur Über­schrift.

Aber Thorsten “thl” Leemhuis hat offen­sichtlich nicht nur von Lin­ux, son­dern auch von BSD keine Ahnung. Im Text fol­gt näm­lich fol­gen­der Schenkelk­lopfer:

PC-BSD ist wie Drag­on­Fly BSD ein Ableger von FreeB­SD, der wohl pop­ulärsten Aus­gabe der freien Unix-Sys­teme, die auf der freien Unix-Ver­sion 4.4BSDLite2   beruhen.

Knapp daneben: 4.4BSD-Lite2 wurde als let­zte offizielle BSD-Ver­sion erst 1995 veröf­fentlicht, als FreeB­SD und NetB­SD schon seit etwa zwei Jahren existierten. FreeB­SD und NetB­SD waren zunächst Fort­führun­gen des wegen Zeit­man­gels nur langsam weit­er­en­twick­el­ten, jedoch auf 4.3BSD-Net/2 basieren­den 386B­SD-Pro­jek­ts; erst 1994, als mit 4.4BSD-Lite die erste voll­ständig von lizen­zpflichtigem AT&T‑Quellcode befre­ite BSD-Ver­sion veröf­fentlicht wurde, änderte sich das.

Richtig ist, dass sowohl Drag­on­Fly BSD als auch PC-BSD Ableger von FreeB­SD sind. Falsch ist die implizite Gle­ich­set­zung. Während PC-BSD eine um ein paar grafis­che Spiel­ereien erweit­erte Dis­tri­b­u­tion von FreeB­SD ist (das Instal­la­tion­spro­gramm von PC-BSD 10.0 kann auf Wun­sch auch ein “nack­tes” FreeB­SD 10.0 instal­lieren), ist Drag­on­Fly BSD ein völ­lig neues Sys­tem, das ursprünglich auf FreeB­SD 4.8 basiert und inzwis­chen aller­lei Erweiterun­gen erhal­ten hat, so dass man die Ähn­lichkeit­en (etwa ein ähn­lich­es Portssys­tem) qua­si mit der Lupe suchen muss, wenn man nicht ger­ade beim heise-Ver­lag “arbeit­et”.

KDE läuft übri­gens auch unter Win­dows.

(via Elias)

KaufbefehleMusikkritik
The Tiger Lillies — Either Or

The Tiger Lillies - Either OrAus der Welt der Poli­tik zurück zur Musik. Noch so ein Album, das 2013 vergessen hat, bei mir vorstel­lig zu wer­den, ist übri­gens “Either Or” des britis­chen Trios The Tiger Lil­lies, dessen älteres Stück “Killer” ich hier im Okto­ber emp­fahl. Ich habe ja spätestens seit dem Debü­tal­bum der Stolen Babies ein offenes Ohr für Kabarett-Zirkus­musik mit düsterem Flair und werde hier keines­falls ent­täuscht.

Prä­gend für die Musik der Tiger Lil­lies sind Beset­zung und Konzept. Auf der Web­site ist zu lesen: The Tiger Lil­lies bieten jed­er einzel­nen Beschrei­bung die Stirn und han­deln inner­halb ihrer eige­nen exzen­trischen Def­i­n­i­tio­nen. Also gilt es zu para­phrasieren.

Front­mann und Grün­der Mar­tyn Jacques gibt bei den Tiger Lil­lies mit Maske und Akko­rdeon (manch­mal auch Ukulele oder Klavier) den trau­ri­gen Clown, der, umrahmt von Adri­an Stout (Bass, Sin­gende Säge, Theremin) und Mike Pick­er­ing (Schlagzeug, Perkus­sion), im Falsett skur­rile Texte zum Besten gibt:

She licks my cock, it’s kind of sad
as an actress I spose she’s bad
Sailor

Nein, leichte Fam­i­lienun­ter­hal­tung möge der geneigte Leser bitte woan­ders suchen. Aber darum geht es auch nicht. The Tiger Lil­lies wollen ihrem Pub­likum keinen ruhi­gen Abend bere­it­en, sie wollen es des­ori­en­tieren und fordern, schock­ieren und dadurch amüsieren. Das gelingt ihnen vortr­e­f­flich.

Dabei ist das lit­er­arische Niveau dur­chaus hoch. Waren unter den bish­eri­gen Alben der Tiger Lil­lies neben ein­er Oper (“Die Weberischen”) auch Adap­tio­nen des “Struwwelpeters” und der Werke Edward Goreys, stellte dies­mal die dänis­che Philoso­phie die Muse dar: Bere­its der Titel des Albums ist ein Zitat des Zweit­eil­ers “Entwed­er — Oder” von Søren Kierkegaard, die Texte sind über­wiegend vom let­zten Kapi­tel in “Entwed­er” inspiri­ert. Dass The Tiger Lil­lies im Gegen­satz zu Kierkegaard dem Chris­ten­tum in der Öffentlichkeit eher kri­tisch gegenüber­ste­hen, weiß dem Rezensen­ten ein Schmun­zeln zu ent­lock­en.

God almighty you are king
piss­ing hail­stones on me fling
No Sense

Kurt Weills Brecht-Inter­pre­ta­tio­nen seien, so geben es die Musik­er an, wichtige Ein­flüsse für ihre Musik gewe­sen. In der Tat ver­sprüht auch “Either Or” den Charme klas­sis­ch­er Chan­sons, ohne dabei alt­back­en zu wirken. Alte Ideen müssen nicht immer lang­weilig sein.

“Gut­ter” by The Tiger Lil­lies — LIVE at Prin­ci­pal Club

Ist ja auch mal nicht schlecht.


Der­weil ist SPIEGEL ONLINE völ­lig außer sich:

Kan­z­lerin Merkel hält im Bun­destag eine Regierungserk­lärung — im Sitzen. Das hat’s noch nie zuvor gegeben.

Davon wer­den wir noch unseren Großn­ef­fen erzählen!

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Lecker grüne Schweine

Auf Daten­schutz bedachte Android­nutzer haben es dieser Tage ja wirk­lich nicht leicht. Erst ver­sagte “Black­phone” beim Ver­such, Android auf eine ver­trauenswürdi­gere Basis zu stellen, und jet­zt das:

Spiele, Karten-Apps und soziale Net­zw­erke: Die Geheim­di­en­ste NSA und GCHQ spähen über Smart­phone-Apps die Dat­en der Nutzer aus. Über Anwen­dun­gen wie “Angry Birds” sam­meln sie Alter und Aufen­thalt­sort der Spiel­er — und sex­uelle Präferen­zen.

Dass viele aktuelle Android­ver­sio­nen — ger­ade auch solche, die nicht von den Smart­phone­herstellern selb­st stam­men — mit dem Pri­va­cy Guard eine Möglichkeit bere­it­stellen, jeden­falls die Stan­dorter­fas­sung zu unterbinden, ist wom­öglich erwäh­nenswert. Ich kann dem von “SPIEGEL ONLINE” geflocht­e­nen Kon­text aber nicht ganz fol­gen:

“Angry Birds” zu hack­en ist ein logis­ch­er Schritt. Wer mit schwarzen explo­siv­en Vögeln in Bomben­form übt, sprengt später vielle­icht ganze Kle­in­städte in die Luft. Inter­es­sant ist allerd­ings die Frage, inwiefern Anwen­dun­gen wie “Angry Birds” Auskun­ft über die sex­uellen Präferen­zen erteilen.

Ander­er­seits will ich das wahrschein­lich auch gar nicht so genau wis­sen.


In weit­eren Nachricht­en: Der Ver­such der “Grü­nen”, das basis­demokratis­che Konzept der Piraten­partei zu kopieren, dürfte als gescheit­ert betra­chtet wer­den.

PolitikIn den Nachrichten
Volle Drohnung: Alles Gute kommt von oben!

Artikel 2 des Ver­trags über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutsch­land vom 12. Sep­tem­ber 1990 (“Zwei-plus-Vier-Ver­trag”):

Die Regierun­gen der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land und der Deutschen Demokratis­chen Repub­lik bekräfti­gen ihre Erk­lärun­gen, daß von deutschem Boden nur Frieden aus­ge­hen wird. Nach der Ver­fas­sung des vere­in­ten Deutsch­land sind Hand­lun­gen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenom­men wer­den, das friedliche Zusam­men­leben der Völk­er zu stören, ins­beson­dere die Führung eines Angriff­skrieges vorzu­bere­it­en, ver­fas­sungswidrig und straf­bar.

§ 80 StGB:

Wer einen Angriff­skrieg (…), an dem die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land beteiligt sein soll, vor­bere­it­et und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land her­beiführt, wird mit lebenslanger Frei­heitsstrafe oder mit Frei­heitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft.

N24.de, 30. Okto­ber 2013:

Das Oberkom­man­do des US-Mil­itärs für Afri­ka (AFRICOM) wurde 2007/2008 in Stuttgart neu ein­gerichtet. (…) Im rhein­land-pfälzis­chen Ram­stein (…) befind­et sich eine Flu­gleitzen­trale mit bis zu 650 Mitar­beit­ern, die auch den afrikanis­chen Luftraum überwachen.

Die Ein­heit­en in Stuttgart und Ram­stein sind nach eige­nen Angaben für Luft­op­er­a­tio­nen “in drei Kon­ti­nen­ten” und in “105 unab­hängi­gen Staat­en mit mehr als einem Vier­tel der Welt­bevölkerung” ver­ant­wortlich.

New York Times, 26. Jan­u­ar 2014:

A mis­sile sus­pect­ed to have been fired by a drone killed a mem­ber of the mil­i­tant group Shabab on Sun­day, a rebel com­man­der said, blam­ing the Unit­ed States for the strike. (…) Two Amer­i­can mil­i­tary offi­cials con­firmed that there was a mis­sile strike against a senior Shabab leader in Soma­lia.

CDUCSU.de, 2. Sep­tem­ber 2013, zu einem ganz anderen The­ma:

Deutsch­land ste­ht vor der Wahl, ob es zu den Fehlern der Ver­gan­gen­heit zurück­kehren will oder ob wir unser Land gemein­sam weit­er voran­brin­gen, schreibt Volk­er Kaud­er in seinem Bericht. (…) Das deutsche Beispiel beflügelt unsere europäis­chen Fre­unde und Nach­barn und trägt dazu bei, dass es in Europa nach langer Zeit endlich wieder aufwärts geht.

Poli­tik. Schlimm, das. Haupt­sache, Laris­sa bleibt im Dschun­gel­camp. Dreht ein­fach den Fernse­her lauter.

Es ist alles in Ord­nung.

PolitikSonstiges
Medienkritik in aller Kürze: Der Ströbele, der Kornblum, der Reichelt und der Jauch.

Bis vor weni­gen Minuten saßen im “Ersten” diverse geistige Licht­gestal­ten, darunter BILD-“Chefreporter” Julian Reichelt, der ehe­ma­lige US-amerikanis­che Botschafter John Korn­blum und der schwammige Inzest­be­für­worter Hans-Chris­t­ian Strö­bele von der ehe­ma­li­gen Friedenspartei “Bünd­nis 90/Die Grü­nen” bei Gün­ther Jauch herum und tauscht­en sich darüber aus, ob die NSA jet­zt irgen­det­was falsch gemacht habe oder nicht. Auf Twit­ter wird bejubelt, wie ele­gant das Team USA (Reichelt und Korn­blum) argu­men­ta­tiv zer­legt wurde, natür­lich ins­beson­dere von der schö­nen Piratin Mari­na Weis­band, wie etwa @nadnoennas befind­et:

“Und wenn wir gar nichts davon hät­ten, wir soll­ten es tun, weil es richtig ist.” @afelia sagt, wofür es sich zu kämpfen lohnt. #jauch

Ja, die Deutschen kämpfen; was man eben so Kampf nen­nt. Deutsche ohne tat­säch­liche poli­tis­che Entschei­dungs­ge­walt unter­hal­ten sich im Fernse­hen mit US-Amerikan­ern ohne Entschei­dungs­ge­walt über das Han­deln von Insti­tu­tio­nen, die von einem Sender namens “Das Erste” vielle­icht noch nichts gehört haben. So, Frau Weis­band, kämpft’s sich eben leicht.

Im Anschluss an das Wort­ge­fecht sendet “Das Erste” jet­zt ein Inter­view mit Edward Snow­den, Berieselung für die Menge. Nach diesem Fernse­habend gehen alle Beteiligten zu Bett, mor­gen reden sie dann wieder über irgendwelche Dschun­gelsendun­gen und das Wet­ter. Ja, es lohnt sich zu kämpfen. Und warum ver­sauert ihr vor dem Fernse­her?

Der Mann mit der Mütze geht nach Haus’
und uns’re Achtung nimmt er mit und unseren Applaus.
Udo Jür­gens: Der Mann mit der Mütze

PolitikIn den Nachrichten
Ein Spaß für die ganze Familie!

Kinder­pornografie: Ganz schlechte Idee. Frau von der Leyen, die sich — wenn schon son­st mit nicht vielem — zumin­d­est mit Kindern ausken­nt, find­et das auch, ihren Spitz­na­men “Zen­sur­su­la” hat sie sich immer­hin hart erkämpft.

Dass sie jet­zt in ihrem neuen Min­is­teri­um (“Vertei­di­gungsmin­is­teri­um”, obwohl “Auswär­tiges Amt” natür­lich auch passen würde) nicht mehr für Fam­i­lien oder Arbeit­nehmer, son­dern für bewaffnete Söld­ner so tun soll, als würde sie etwas tun, scheint ihr nicht so recht zu gefall­en; also wan­delt sie stattdessen das Vertei­di­gungs- in ein kom­biniertes Arbeits- und Fam­i­lien­min­is­teri­um um:

Mein Ziel ist es, die Bun­deswehr zu einem der attrak­tivsten Arbeit­ge­ber in Deutsch­land zu machen. [Die Truppe muss] Dienst- und Fam­i­lien­zeit­en bess­er aufeinan­der abstim­men.
Ursu­la von der Leyen, Anfang Jan­u­ar 2014

Für Fam­i­lien mit beina­he erwach­se­nen Kindern wurde bere­its vor Beginn ihrer Amt­szeit vorge­sorgt:

Allein im Jahr 2013 wur­den 1032 17-Jährige eingestellt. (…) “Sie wer­den an der Waffe aus­ge­bildet, aber nicht an der Waffe einge­set­zt”, sagte ein Min­is­teri­umssprech­er.

Damit sie schon mal auf den Ernst des Lebens vor­bere­it­et sind, nehme ich an:

Es gehe darum, Jugendliche für den frei­willi­gen Dienst als Sol­datin (sic! wegen der Frauen­quote, nehme ich an. A.d.V.) oder Sol­dat zu wer­ben, die sich in der Berufs­find­ungsphase befän­den.

So als Jugendlich­er muss man ja was haben für später. Ahnung vom Leutetotsch­ießen oder ein Jodeldiplom zum Beispiel, bei­des ist bei der Arbeit­splatz­suche ver­mut­lich ähn­lich hil­fre­ich. (Ander­er­seits: Mit dem Ein­stieg in das Sol­da­ten­tum ist die Wahrschein­lichkeit, dass man sich noch mal irgend­wo bewer­ben muss, schnell mit dem Neue­in­steiger zusam­men in alle Winde zer­streut.)

Lassen sich Rutschau­tos eigentlich zu effizien­ten Panz­ern umrüsten?

NetzfundstückeFotografie
Heda, De Beukelaer, olle Kexfabrik!

Ich bin ja wirk­lich fasziniert von der sprach­lichen Gewitztheit, mith­il­fe der­er ihr eure Pro­duk­te (zum Beispiel “Kex”) benen­nt, aber das Geld, das ihr Leuten zur Ver­fü­gung stellt, die sich blöde Marken­na­men aus­denken, fehlt halt jet­zt euren Grafik­ern.

Kex

Ein Plus­punkt zwar für die für eure Stammkund­schaft sicher­lich unge­mein hil­fre­iche Bedi­enungsan­leitung, aber dass da unten rechts nicht “Scheiß-But­terkeks” ste­ht, glaube ich euch beileibe nicht.

(Bild via @frank_eckert)


Ihr wollt das mit der “Stammkund­schaft” genauer erk­lärt haben? Nun, ich mei­de ja Fernsehsendun­gen (und Räume), in denen Markus Lanz und/oder Sahra Wagenknecht auftritt, prinzip­iell, aber laut Inter­net trafen bei­de unlängst im Fernse­hen aufeinan­der.

Weil die Leute, die vom vie­len Fernse­hen schon so doof gewor­den sind, dass sie den Aus­knopf nicht mehr find­en, das Darge­botene nicht ertra­gen woll­ten, fordern sie jet­zt in ein­er Peti­tion — der deutschesten aller Rev­o­lu­tions­for­men — die Abset­zung Her­rn Lanz’. Die Peti­tion hat momen­tan über 130.000 “Unter­stützer”. Zum Ver­gle­ich: Die medi­al disku­tierte Peti­tion gegen die Vor­rats­daten­spe­icherung kommt auf nicht ein­mal 32.500 von ihnen.

Tja.

Und so zer­bröselt der Keks nun mal.
Bruce Nolan, c/o “Bruce Allmächtig”

Persönliches
Spaß im ÖPNV (3): Uff!

In Region­al­bah­nen sitze ich gern auf der Seite, die vom Hal­tepunkt am Weitesten ent­fer­nt ist, weil die furcht­bar stören­den Zug­geräusche (und der Luft‑, hehe, ‑zug) von geschlosse­nen Türen wenig­stens ger­ingfügig gedämpft wer­den; wohl wis­send, dass die Jugend bis ins hohe Alter hinein es zwar immer schafft, diese Türen auf-, aber nicht zuzumachen (vielle­icht mögen sie auch ein­fach nur die Fahrt­geräusche, dann bitte ich die Betr­e­f­fend­en an dieser Stelle um Verzei­hung dafür, dass ich ihnen immer wieder den Genuss verderbe), verzichte ich gern auf einen allzu hochfre­quen­tiert besucht­en Sitz­platz.

Nicht min­der unan­genehm ist die Ange­wohn­heit von jun­gen zumeist weib­lichen Pas­sagieren, an ver­traulichen Gesprächen mit der Sitz­nach­barin sämtliche anderen Mit­fahrer teil­haben zu lassen, ob diese das nun wollen oder nicht. Ein Licht­blick sind eben­solche Pas­sagiere, die das ähn­lich sehen; so etwa eine solche, die sich heute gemein­sam mit ihrem Begleit­er einen Platz suchte und mit den Worten “hät­ten wir uns vor die Tür geset­zt, hät­ten wir uns die ganze Zeit irgendwelche Lebens­geschicht­en anhören müssen” in mein Abteil gestürmt kam. Leute, die sich mein Abteil aus­suchen, weil sie es gern ruhiger hät­ten, weiß ich sehr wohl zu schätzen. Dass es dann mit der Ruhe aber vor­bei war, weil die eige­nen, nun, Lebens­geschicht­en dann doch noch erzählt wer­den mussten, ist eine allerd­ings wenig über­raschende Wen­dung.

Auch der Begleit­er war allerd­ings nicht ohne; zwar sprach er nicht viel (er kam ja kaum zu Wort), allerd­ings begann sein Ein­stand im Abteil mit geräuschvollem Set­zen. “Uff!” Kon­fron­tiert mit den Sitzen im Zug war der agile Etwazwanzigjährige plöt­zlich merk­lich geal­tert und ließ sich auf einen der Sitze fall­en, was ihm hör­bare Anstren­gung bere­it­ete. Die Jugend von heute: So aus­ge­bran­nt, dass selb­st Sitzen ger­adezu unmen­schlichen Kraftaufwan­des bedarf. Danke, SPD!

Ent­ge­gen dem Trend in aktuellen Diskus­sio­nen auf Twit­ter ist in Zügen von irgendwelchen Dschun­geln übri­gens nicht die Rede. Der durch­schnit­tliche Promi­nen­tenan­teil in Zügen ist allerd­ings bedeu­tend höher als in irgendwelchen “Camps”, denn in ihnen sehe ich gele­gentlich Men­schen, die ich nicht nur kenne, weil sie einen enorm dum­men und daher ein­prägsamen Namen tra­gen. (Train­ing für wahre Über­leben­skün­stler: Ohne Kopfhör­er mit­tags Nahverkehrszüge benutzen.)

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Pleiten, Pech und Pannenstatistik: Weltknall vom 20. Januar 2014

Die Drohnen­sache ist noch längst nicht aus­disku­tiert, da hat Ama­zon schon wieder neue Pläne: Wom­öglich wer­den dem­nächst Pakete schon geliefert, die man noch gar nicht bestellt hat. Angesichts mein­er Ama­zonempfehlun­gen macht mir das ein biss­chen Sorge.


OHMEINGOTTOHMEINGOTTOHMEINGOOOOOOTT:

Der Auto­mo­bil­club hat Betrug beim Auto­preis Gel­ber Engel zugegeben. (…) Die Zahl der abgegeben (sic! A.d.V.) Stim­men für den Pub­likum­spreis Lieblingsauto sei geschönt wor­den, nicht aber die Rei­hen­folge der Ergeb­nisse[.]

“Pub­likum­spreis Lieblingsauto”. Deutsch­land in 27 Buch­staben.


Die “Wis­senschaft­sredak­tion” von “SPIEGEL ONLINE” ver­sucht es der­weil mit Qual­ität­sjour­nal­is­mus (bin ich eigentlich der Einzige, der “Roset­ta” für einen unglück­lich gewählten Namen für eine Sonde hält?):

“Roset­ta” ist auf dem Weg zum 1969 ent­deck­ten Kome­ten Tschur­ju­mow-Gerasi­menko. Wer den Namen zu sper­rig find­et, kann gern auch “Tschuri” sagen.

Jö, Christoph “Chrisi Sei­di” Sei­dler, sper­rig finde ich auch Ihren Humor, aber den muss ich ja hin­ter­her auch nicht wegräu­men.


Apro­pos Sprach­fehler; Luise “F.” Pusch, Sprach­wis­senschaft­lerin, Autorin und promi­nente Mit­be­grün­derin der fem­i­nis­tis­chen Lin­guis­tik in Deutsch­land, hat mal wieder ein Buch geschrieben, angesichts dessen Car­o­line Fetsch­er (wiederum “ZEIT ONLINE”) beina­he ins Inter­net reine­jakuliert:

Genussvoll knackt die Kri­tik­erin alte Sprach­nüsse und präsen­tiert deren brüchi­gen Inhalt. (…) Warum, stichelt Pusch, ken­nen wir eine “Kan­z­ler­gat­tin” aber keinen “Kan­z­lerin­nen­gat­ten”?

Nun, vielle­icht, weil “wir” (also die Frauen Pusch und Fetsch­er) wed­er Cicero noch Süddeutsche.de (11. Sep­tem­ber 2007) noch Stern.de noch die Säch­sis­che Zeitung (15. Okto­ber 2005) noch FAZ.net (22. Sep­tem­ber 2013) noch die Berlin­er Mor­gen­post (14. Juli 2006) lesen. Es muss lang­weilig zuge­hen am Pusch’schen Früh­stück­stisch.


Und weil wir ger­ade bei Wirrköpfen waren, noch eine lustige Anek­dote: Wisst ihr, wer so gut wie pleite ist? Richtig: Die Hum­boldt-Uni­ver­sität. Das war die hier.

In den NachrichtenPolitik
Vernunft statt F.D.P.!

Let­zte Woche fand in Bonn ein Parteitag der F.D.P. statt. Ober­frei­demokrat Chris­t­ian Lind­ner habe dort, so lässt’s die “FAZ” ver­laut­en, mit­geteilt, man könne “stolz sein” auf “das Erre­ichte, auf die Schulden­bremse, die Euro-Ret­tungspoli­tik”. Ger­ade let­ztere hat bekan­ntlich wun­der­bar funk­tion­iert. Kon­se­quent hat man sich wie schon 2009 die Kan­z­lerin für Europa aus­ge­sprochen:

Für seine Zukun­ft braucht Europa wed­er Skep­sis, (sic! A.d.V.) noch Roman­tik. Europa braucht mehr Real­is­mus und Bürg­ernähe, um Zukun­ft zu haben.

Europa brauche den Lib­er­al­is­mus die F.D.P. — und zwar für welche Posi­tion? Das hat Chris­t­ian Lind­ner schon im Novem­ber erk­lärt:

Die FDP als Partei von wirtschaftlich­er Ver­nun­ft (…) wird aber gebraucht. (…) Es ist bedauer­lich, dass wir unser mark­twirtschaftlich­es Pro­fil nicht schon im Wahlkampf an einem großen The­ma geschärft haben.

Von Lib­er­al­is­mus ist schon gar nicht mehr die Rede. Mehr Europa, mehr Mark­twirtschaft!

Wenn schon nicht in Deutsch­land, dann wenig­stens in Europa, wo der Euro herkommt. Unheil richtet man eben am Besten an der Wurzel an.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Naam — The Ballad of the Starchild Vol. 1

Naam - The Ballad of the Starchild Vol. 1Eine dur­chaus hörenswerte Mix­tur aus Fuz­zgi­tar­ren, Hallge­sang und Elek­trofrick­eleien bieten Naam aus New York dem Hör­er auf “The Bal­lad of the Starchild Vol. 1”, einem EP mit 5 Stück­en drauf, erschienen bere­its 2012. Auf Äußer­lichkeit­en geben die New York­er nicht viel, “naam” ist ein Lehn­wort aus dem San­skrit und bedeutet auf Thai etwa “Name”. Warum auch nicht?

Es sind die inneren Werte, die zählen, und an denen man­gelt es wahrlich nicht. Ja, natür­lich fis­cht man in bekan­nten Gewässern, das Cover­bild (hier rechts im Bild) deutet’s schon an. Pink Floyd und Colour Haze. Hard Rock und Ston­er Rock. Kleck­ern und klotzen. Is’ schließlich New York, Mann. Hyp­no­tisch, treibend. Aus­nahme: “Sen­try of Skies”, die kurze musikalis­che Ruhep­ause. Sehr willkom­men, man wird ja auch nicht jünger.

NAAM // STARCHILD

Wenn Naam nicht den gle­ichen Fehler machen wie andere her­aus­ra­gende Musik­grup­pen und sich jet­zt ein­fach auflösen, wird es hof­fentlich auch eine “Bal­lad of the Starchild Vol. 2” geben. Das fände ich sich­er gut.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
“U can’t touch this!”

Puh, hm, tja:

Gay sex is not a crime in Rus­sia, so gay peo­ple can “feel calm, at ease, but leave chil­dren in peace, please,” Putin said at a meet­ing with Olympic vol­un­teers in the moun­tain vil­lage of Kras­naya Polyana, the base out­side Sochi for Olympic snow sports.

Im Gegen­satz zu lästi­gen Demon­stran­ten haben Schwule also anlässlich der kom­menden Olymp­is­chen Win­ter­spiele im rus­sis­chen Sotschi nichts zu befürcht­en, so lange sie nur die Kinder nicht sex­uell behel­li­gen. Dass exk­lu­siv Schwule darauf hingewiesen wer­den, ist befremdlich; rus­sis­che Homo­sex­uelle scheinen entwed­er über­durch­schnit­tlich häu­fig pädophil zu sein oder Präsi­dent Putin — das ist die wahrschein­lichere Ver­mu­tung — ken­nt sich mit dem Unter­schied zwis­chen Homo­sex­u­al­ität und Pädophilie nicht aus.

Nein, nein, von kleinen Kindern hat man die Fin­ger zu lassen, wenn man schwul ist.

Anson­sten halt nicht.

Don't putin

Bei Zuwider­hand­lung dro­ht Präsi­den­te­namt nicht unter drei Jahren.

(via @AliCologne)


Übri­gens: Das mit den Demon­stra­tio­nen für Net­zneu­tral­ität war ja bish­er nur bed­ingt erfol­gre­ich. The Joy of Tech zeigt, wie’s richtig geht.

NerdkramsIn den Nachrichten
Blackoutphone / Schweizer Datenschutzlügen

Wegen der NSA sind die Leute erfreulich vor­sichtig gewor­den, was ihre Pri­vat­sphäre im Netz bet­rifft; sie ver­schlüs­seln ihre Mails häu­figer, gehen mit Face­book und der­gle­ichen etwas weniger naiv um und wis­sen um die Gefahren von Google, so fassen’s die Medi­en derzeit gele­gentlich zusam­men. Sie — die Leute — instal­lieren dutzendweise “Track­ing”- und JavaScript-Bekämp­fungsmit­tel wie NoScript und Ghostery in ihren Browsern, was all­ge­mein eine gute Idee ist (siehe auch hier, hier und hier).

Und es verge­ht kaum ein Tag, an dem nicht neue Sicher­heit­slö­sun­gen “gegen Überwachung” angekündigt wer­den, sei’s software‑, sei’s hard­ware­seit­ig.

Seit gestern etwa wird allen­thal­ben das “Black­phone”, ein mit dem ominösen Android-Fork “Pri­vatOS” verse­henes “sicheres Smart­phone”, ange­priesen:

Black­phone will nun mit dem gle­ich­nami­gen Smart­phone einen Weg aus der Mis­ere bieten. So soll die gesamte Kom­mu­nika­tion – also Tele­fonate, Chats und son­stige Nachricht­en – ver­schlüs­selt ablaufen.

Mit Phil Zim­mer­mann hat man sich schon einen Kryp­tografie­ex­perten ins Boot geholt, die Her­steller­fir­ma selb­st sitzt in der Schweiz. Das klingt nach einem inter­es­san­ten Pro­dukt, vielle­icht ist also ein Blick auf die Web­site von Black­phone lohnenswert.

Das geht aber nur, wenn man JavaScript aktiviert:

Blackphone.ch

Mein Ver­trauen erweckt das nicht. Aber gut, vielle­icht ist das nur ein Aus­rutsch­er. Die meinen das mit dem Daten­schutz näm­lich ernst:

Our busi­ness is to make and sell pri­va­cy-ori­ent­ed smart­phones. We take this very seri­ous­ly. (…) The empha­sis on pri­va­cy and secu­ri­ty is what we do best.

Und nicht zu vergessen:

Your pri­va­cy is depen­dent on the prop­er han­dling of your per­son­al infor­ma­tion. We will nev­er sell this data or give access to unau­tho­rized third par­ties.

Voll­mundi­ge Ver­sprechen also: “Ihre Dat­en gehören Ihnen allein! Kein Drit­ter soll sie haben!”

Schauen wir mal in den Quell­code der Web­site:

Gut, jQuery wird also schon mal nicht von Google einge­bun­den. Außer, wenn das Laden fehlschlägt, dann näm­lich schon:

if (!jqueryLoaded) {
  var script = document.createElement('script');
  script.type = 'text/javascript';
  script.src = '//ajax.googleapis.com/ajax/libs/jquery/1.4.4/jquery.min.js';
  head.appendChild(script);
  // (...)
}

Das dürfte aber zumin­d­est in den sel­tensten Fällen der Fall sein. Son­st noch was von Google im Quell­code? Ent­war­nung: Nö. Dafür aber dieses Bon­bon am Fuß der Seite:

   <script type="text/javascript">
    //<![CDATA[
    var DID=223197;
    var pcheck=(window.location.protocol == "https:") ? "https://sniff.visistat.com/live.js":"//stats.visistat.com/live.js";
    document.writeln('<scr'+'ipt src="'+pcheck+'" type="text\/javascript"><\/scr'+'ipt>');
    //]]>
  </script>

Dies, meine Damen, Her­ren und Son­sti­gen, ist eine so genan­nte Track­ing­wanze, ein kleines JavaScript-Skript, das eure Dat­en an einen Frem­dan­bi­eter schickt, um zu guck­en, wer ihr seid und was ihr ger­ade macht. Visi­S­tat ist ein kali­for­nisches Unternehmen, das ganz beson­dere Dien­ste anbi­etet:

(…) Unternehmen wie Relead, Visi­S­tat und Full­Con­tact bieten nach eige­nen Angaben die Iden­ti­fika­tion von Seit­enbe­such­ern mit­tels Social Net­works und Geo­dat­en an.

Das kann man sich im Hause Black­phone doch nicht ent­ge­hen lassen!

Ihre Pri­vat­sphäre ist abhängig von der sauberen Ver­w­er­tung Ihrer pri­vat­en Infor­ma­tio­nen. Wer diese Ver­w­er­tung übern­immt, ist ja vol­lkom­men uner­he­blich.

Mein Inter­esse daran, mich mit dem “Black­phone” selb­st zu beschäfti­gen, hält sich doch ger­ade sehr in Gren­zen.