KaufbefehleMusikkritik
Special Providence - Soul Alert

Special Providence - Soul AlertUnbedingt beach­tens­wert ist übri­gens auch „Soul Alert“, das drit­te und bis­lang letz­te Studioalbum von Special Providence. Special Providence ist ein unga­ri­sches Jazzrockquartett, das sti­li­sti­sche Abwechslung eben­so zu schät­zen weiß wie ich. Sehr schön!

Auf Gesang wird bei den vier Herren mit den ulki­gen Umlauten in ihren Namen tra­di­tio­nell ver­zich­tet, für das zehn­te Stück „Fences of Reality“ haben sie sich aller­dings den unga­ri­schen Sänger Balázs Tanka von der mir unbe­kann­ten Musikgruppe Turbo an Bord geholt; der aller­dings, was ich bedau­re, sei­nem Idiom eben­falls das Englische vor­zieht. Irgendwas ist ja immer.

Das Album ist exakt 1 Stunde lang, kei­ne Sekunde mehr oder weni­ger. Diese Zeit wis­sen die Musiker durch­aus gut zu nut­zen. Das Eröffnungsstück „Babel Confusion“ beginnt (wie soll­te es bei die­sem Titel auch anders sein?) mit Stimmengewirr, nach einem kur­zen Progressive-Metal-Intermezzo geht es aber jaz­zig wei­ter. Bassist Attila Fehérvári beherrscht sein Instrument und wagt sich damit auch mal in den Vordergrund; sel­ten, wenn „Babel Confusion“ wie­der in Metalgefilde abdrif­tet und Gitarrist Márton Kertész bril­lie­ren darf, fügt er sich in die Rhythmussektion ein. Der Progressive Rock mit­samt sei­nen Spielarten zieht sich nicht nur durch die­ses Stück, son­dern durch das gan­ze Album.

Apropos „sti­li­sti­sche Abwechslung“: „Lazy Boy“, das zwei­te Stück, wird durch­zo­gen von einem merk­wür­di­gen New-Wave-beat mit einer eben­sol­chen Melodie, die den Jazzrock nur unzu­rei­chend zu ver­decken ver­sucht. Zum Glück! Nach drei­ein­halb Minuten plötz­lich: Techno. Techno? Noch bevor man fer­tig ist, sich dar­über zu wun­dern, bläst wie­der der Progressive Metal aus dem Kopfhörer, dazu gibt’s Rave vom Keyboard. Dann: Symphonic Progressive Rock. Dann wie­der: Progressive Metal. Langweilig ist „Soul Alert“ jetzt schon nicht. Dass Keyboarder Zoltan Cséry gele­gent­lich, etwa zu Beginn von „Asparagus“ („Spargel“, ahja), Easy Listening zu simu­lie­ren ver­sucht, soll davon nicht ablenken.

An Ideen man­gelt es den Musikern von Special Providence nicht, „K2“ ent­wickelt sich bin­nen weni­ger Sekunden von einem mini­ma­li­sti­schen Elektronikstück über Jazz zum Symphonic Rock und wie­der zurück. Aufmerksamkeit wird emp­foh­len, auch für das nur 3:49 Minuten lan­ge „Standing Still“, das trotz sei­nes Namens noch ein­mal der etwas lau­te­ren Gangart der Rockmusik hul­digt, bevor es mit dem Titelstück „Soul Alert“ wie­der jazz­rockig zugeht.

Sonst so? „Fences of Reality“. Bass, Schlagzeug, Keyboardteppich. Die Melodie kenn‘ ich doch irgend­wo­her? Ah, „Lazy Boy“ wird hier zweit­ver­wer­tet, und zwar bes­ser. Balázs Tanka singt, nein, ruft einen Text, den ich gera­de nicht feh­ler­frei zusam­men­be­kom­me, auf hörens­wer­te Weise ins Mikrofon hin­ein, und dann ist das Album auch schon vorbei.

Auf ihrer Website beschrei­ben Special Providence ihre Musik als „Progjazzrockmetalturbochill“. Seltsam ist sie zwei­fels­oh­ne, und mir per­sön­lich geht das Keyboard gele­gent­lich ein wenig auf die Nerven; aber - ich wie­der­ho­le mich - irgend­was ist ja immer. Einen Stream von „Soul Alert“ gibt es jeden­falls auf Bandcamp.com zu hören. Möglicherweise soll­tet ihr das tun.

Senfecke:

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