Persönliches
Schlechte Karten

Es ist ja nicht so, dass ich das Konzept der “Kun­denkarte” aus wirtschaftlich­er Sicht nicht prinzip­iell ver­ste­hen kön­nte.

Die, die man mit irgendwelchen Punk­ten befüllen kann, damit man irgend­wann am Ende eines Jahres einen hässlichen Kochtopf neb­st Messer­set (das man den Ver­ant­wortlichen dann wenig­stens als feed­back hin­ter­lassen kann) oder einen Stoffted­dy mit Schlüs­sel­ring dran sein eigen nen­nen “darf”, sind hin­länglich bekan­nt und zu Recht Zielscheibe diversen Spotts (Rache!), aber es gibt auch noch die kleinen, unschein­baren, die man ein­fach bekommt und dann liegen sie halt herum und lan­den irgend­wann im Nach­lass. Man ist also irgend­wann tot und die Urgroßn­ef­fen spie­len mit den Hin­ter­lassen­schaften und find­en darin Karten, deren Zweck ihnen eben­so wenig bekan­nt ist wie ihrem nun­mehr verblich­enen Urgroßonkel, und sind entwed­er stolz auf die augen­schein­liche Beliebtheit ihres Vor­fahrens oder denken sich: “Was war das bloß für ein Spin­ner?”. Die Gen­er­a­tion mein­er Urgroßonkel hin­ter­lässt wenig­stens noch coole Sol­daten­abze­ichen.

Es gibt “Kun­denkarten”, die dur­chaus einen nen­nenswerten Zweck erfüllen, etwa Mit­glied­sausweise irgendwelch­er Clubs, in die man, “ey”, son­st “nisch reinkommt”, oder irgendwelch­er poli­tis­ch­er Parteien sowie zum Beispiel Bib­lio­thek­sausweise, die jed­er Ober­stufen­schüler heutzu­tage gefäl­ligst zu beantra­gen hat und sich dann damit immer­hin irgend­wie gebildet fühlt, nur um sie dann später nie wieder zu ver­längern, weil: Wikipedia.

Und dann gibt es die, mit denen man vor allem sein Porte­mon­naie, das ja son­st so schreck­lich leer und kom­pakt wäre, dick­er machen kann, die aber son­st vor allem etwas bescheini­gen, was man gar nicht unbe­d­ingt bescheinigt haben möchte. Das sind aus irgen­deinem abson­der­lichen Zufall her­aus dann auch diejeni­gen Karten, deren Begleitschreiben meist anmah­nt, dass sie zwar für das Gros ihrer Besitzer ohne jeden prak­tis­chen Wert seien, aber ständi­ges Bere­i­thal­ten unbe­d­ingt emp­fohlen werde, um sich immer und über­all als Mit­glied des jew­eili­gen unfass­bar elitären Zirkels zu erken­nen geben zu kön­nen. Am Paketschal­ter seine Gold­card zück­en und sich so als Mit­glied der Brud­er­schaft der Paketempfänger aus­geben — die Frauen wer­den euch zu Füßen liegen!

Vor Lachen.

Diese Woche tat eine Karte das, was Karten eben so tun, und trudelte mit der Post ein. Sie stammt vom heise-Ver­lag und weist mich — zumin­d­est zutr­e­f­fend­er­weise — als einen Abon­nen­ten der Zeitschrift c’t aus. (Dass die c’t immer schlechter wird, lass’ ich an dieser Stelle mal undisku­tiert, darüber möge der Insol­ven­zver­wal­ter eines Tages urteilen.) Der Name dieser Karte: “c’t‑Netzwerkkarte”. Ich hätte beina­he ein wenig geschmun­zelt.

Mit dieser “Net­zw­erkkarte” — haha, hoho — kommt man zwar nicht ins LAN, aber “exk­lu­siv” an “zahlre­iche weit­ere Vorteile”, etwa:

  • Ver­sand­kosten­freier Einkauf im heise-shop
  • Bis zu 15 % Rabatt auf viele Artikel im heise-Shop

(Fettdruck und wech­sel­nde Schreib­weisen wie Orig­i­nal.)

Wie muss man sich das vorstellen? Die Karte besitzt offen­bar kein­er­lei dig­i­tal­en Daten­spe­ich­er, auf’s “Daten­feld” aufge­druckt sind nur Name, Kun­den­num­mer und Abon­nement­be­ginn. Muss man die Karte, um in den Genuss der “exk­lu­siv­en Vorteile” zu kom­men, nun ein­scan­nen oder vor­ab postal­isch ein­schick­en? Das “Infoblatt” schweigt. Auf der Web­site zur “Net­zw­erkkarte” — das Beina­h­eschmun­zeln friert mir allmäh­lich im Gesicht fest — kann man sich aber immer­hin anmelden. Mit den Kar­tendat­en? Aber natür­lich nicht:

Loggen Sie sich bitte mit Ihren Abo-Zugangs­dat­en ein.

Welch­er Art also ist der Dienst, den die “Net­zw­erkkarte” — holt­mich­hier­raus — dem zahlen­den Bestand­skun­den angedei­hen lässt? Tja:

mit diesem Schreiben erhal­ten Sie die neue c’t‑Netzwerkkarte, die Sie als Abon­nent (sic! Dek­li­na­tion kön­nense auch nicht, A.d.V.) ausweist[.]

Ach so.

Ich geh’ mich dann mal enteisen.

Senfecke:

    • Entschuldige, ich werde umge­hend auf CHIP, Com­put­er-BILD und Lin­ux-irgend­was umsteigen, um mich dem Niewo mein­er juris­tis­chen Leser anzu­passen.

  1. Also ich finde die sehr prak­tisch. Benutze ich immer zum Unter­stre­ichen, wenn ich kein Lin­eal finde.

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