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Kurzkritik: this­quiet­ar­my - Phantom Limbs

Ich könn­te mich an die­ser Stelle noch etwas aus­führ­li­cher zum noch immer schwe­len­den #Bombergate und zum ver­meint­li­chen Mitgliederschwund der Piratenpartei infol­ge einer sau­däm­li­chen Aktion ein­zel­ner Verwirrter äußern; tat­säch­lich haben eini­ge lang­jäh­ri­ge enga­gier­te Piraten, fru­striert von dem fre­ne­ti­schen Applaus, den die bei­den Protagonistinnen für ihr Loblied auf die Bombardierung Dresdens von ein­schlä­gig bekann­ten Berliner Piraten wie Oliver Höfinghoff („ihr habt den Krieg ver­lo­ren!“, kei­ne Pointe) beka­men, zu mei­nem per­sön­li­chen Bedauern vor­über­ge­hend abge­mu­stert. Einige Landesverbände der Piratenpartei - bezeich­nen­der­wei­se ist Höfinghoffs/Helms Berlin nicht dar­un­ter - haben sich inzwi­schen einer Erklärung ange­schlos­sen, die eine Unvereinbarkeit poli­ti­scher Gewalt mit libe­ra­len pira­ti­schen Idealen zu ver­ste­hen gibt, wofür es prompt Kritik aus Berlin hagel­te. Ja, die Berliner. Ein drol­li­ges Land vol­ler bor­nier­ter Schwachköpfe; an die­sem Durchschnitt ändert auch der her­aus­ra­gen­de Christopher Lauer nur wenig.

Aber eigent­lich woll­te ich hier weni­ger über Politik reden und mehr über Musik, schon aus Gründen der Entspannung. Von Musik wer­de ich nur sel­ten in Rage versetzt.

thisquietarmy - Phantom Limbs2012 ver­öf­fent­lich­te Eric Quach („this­quiet­ar­my“) nach dem groß­ar­ti­gen „Vessels“ mit dem bereits 2009 auf­ge­nom­me­nen „Phantom Limbs“ („Phantomgliedmaßen“) ein wei­te­res beacht­li­ches Werk, des­sen ein­zi­ges Instrument wie­der­um die Gitarre ist. Das Unterwassermotiv wur­de nicht bei­be­hal­ten, auf „Phantom Limbs“ geht es statt­des­sen ziem­lich gespen­stisch zu.

Das eröff­nen­de „Phantom Eye“ beginnt mit dis­so­nan­tem Brummen. Allmählich kom­men wei­te­re Gitarrenklänge hin­zu, die ruhi­ge Anfangsstimmung wird von ener­gi­schen, sich ver­dich­ten­den Riffs kom­pli­men­tiert, nach sechs­ein­halb Minuten implo­diert „Phantom Eye“ mit sei­ner Klimax. Das fol­gen­de „Phantom Brain“ wird von ambi­en­ten dro­nes domi­niert, zunächst klar instru­men­tal iden­ti­fi­zier­bar, dann dunk­ler und bedroh­li­cher wer­dend, bis das Klanggebilde schließ­lich aus­ge­blen­det wird. Ob die­se Ausblendung sinn­voll ist, bleibt unklar; „Phantom Pain“, das die dro­nes wie­der in ihre Bestandteile zer­legt, lebt eben­falls von ihren Effekten.

„Phantom Voltage“, das letz­te und mit Abstand läng­ste der vier Stücke, ist zugleich das unge­wöhn­lich­ste: Es beginnt mit Stille, lang­sam set­zen ein­zel­ne Klänge ein. Talk Talks „Spirit of Eden“ als Vergleich zu bemü­hen mag etwas über­zo­gen sein, Ähnlichkeiten sind aber durch­aus gege­ben. Wird da ein Rhythmus geklopft? Nein, es ebbt wie­der ab. Wieder ein­mal wird alles dich­ter. Der Geist wird schwer. Zurücklehnen und genie­ßen. Würde man von die­ser Musik träu­men, man träum­te wohl, man säße auf einer Wolke und sähe von dort aus einen die­ser anspruchs­vol­len Horrorfilme (zum Beispiel über das „Bombergate“) in Pastellfarben. Schön.

„Phantom Limbs“ - stream- und kauf­bar hier - ist in all sei­ner Dunkel- und Schlichtheit groß­ar­tig und die idea­le Begleitung zu einem Glas Whiskey zum Feierabend; oder eben auch ganz ohne Whiskey. Ihr könn­tet das mal ausprobieren.