NetzfundstückeNerdkrams
Die Frei­heit, Böses zu tun

Erin­nert sich noch jemand an Hans-Peter Uhl? Hans-Peter Uhl hat­te 2013 für De-Mail gewor­ben. De-Mail war das hier:

Sie kön­nen mit De-Mail Ihre Nach­rich­ten und Doku­men­te, die Sie auf­grund ver­trau­li­chen und rechts­ver­bind­li­chen Inhalts bis­her per Brief­post ver­sen­det und emp­fan­gen haben (zum Bei­spiel Ver­trä­ge und Beschei­de), nun auch auf elek­tro­ni­schem Weg rechts­si­cher und nach­weis­bar ver­sen­den und emp­fan­gen.

De-Mail, der feuch­te Traum jedes Ver­fech­ters des „papier­lo­sen Büros“, hat sich bis heu­te so wenig durch­ge­setzt, dass offen­bar vie­le Leu­te fra­gen, wie man die­sen Daten­bal­last wie­der los­wird. Tja, ganz ein­fach auf dem rechts­si­che­ren Weg:

Um Ihren De-Mail-Ver­trag zu been­den, sen­den Sie uns bit­te eine unter­schrie­be­ne Kün­di­gung per Brief oder Fax zu[.]

:-?

(Nach­trag: Recht­li­che Hin­ter­grün­de beleuch­tet Didi in den Kom­men­ta­ren hier unten­drun­ter.)


Und dann war da noch die Free Soft­ware Foun­da­ti­on, die über Frei­heit und Unfrei­heit von Soft­ware­li­zen­zen wacht. Heut­zu­ta­ge hat anschei­nend bei­na­he jedes Pro­gramm eine bestimm­te Lizenz, an die die Benut­zer gebun­den sind. Und wie wenig es braucht, um eine Lizenz „unfrei“ zu machen!

The JSON Licen­se: (…) This licen­se uses the Expat licen­se as a base, but adds a clau­se man­da­ting: “The Soft­ware shall be used for Good, not Evil.” This is a rest­ric­tion on usa­ge and thus con­flicts with free­dom 0.

Nut­zern frei­er Soft­ware muss es erlaubt blei­ben, Böses mit der Soft­ware zu tun. (Außer gegen die Lizenz­be­din­gun­gen zu ver­sto­ßen, ver­steht sich; das ist selbst der Free Soft­ware Foun­da­ti­on zu böse.)

Das Böse ist immer und über­all!
Erste All­ge­mei­ne Ver­un­si­che­rung: Ba-Ba-Bank­über­fall

(via @horse_mans)

Senfecke:

  1. Ich ken­ne die AGB der Anbie­ter nicht, gehe aber davon aus, dass für die Kün­di­gung Schrift­form ver­ein­bart wor­den ist. Damit gilt § 126 BGB. Erfor­der­lich ist die eigen­hän­di­ge Unter­schrift. Wobei gemäß § 126 III BGB i. V. m § 126 b BGB die­se durch die elek­tro­ni­sche Form ersetzt wer­den kann. Dazu ist aber i. V. m. dem De-Mail‑G und dem SigG aller­lei tech­ni­scher Fir­le­fanz nötig: „…qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur nach dem Signa­tur­ge­setz ver­se­hen.“ Damit soll­te an sich die Kün­di­gung unter den ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen per De-Mail mög­lich sein. Offen­sicht­lich trau­en die Anbie­ter aber ihren Kun­den die­sen Auf­wand nicht zu. Ein­fa­cher erscheint die Kün­di­gung per Brief oder Fax. Wobei stren­ge­nom­men die Kün­di­gung per Fax unzu­läs­sig wäre, da „eigen­hän­dig“ das Ori­gi­nal bedeu­tet. Ein Fax ist eben nur einen Kopie. Aber die Anbie­ter las­sen das Fax aus­rei­chen. Wobei bei ein­fa­chem Brief und Fax im Streit­fall Beweis­schwie­rig­kei­ten auf­tre­ten könn­ten. Ich rate, Kün­di­gun­gen immer schrift­lich per Ein­wurf­ein­schrei­ben an die ladungs­fä­hi­ge Anschrift zu sen­den.
    Neben­bei: Man­che Anbie­ter bestehen ja dar­auf, dass für Kün­di­gun­gen irgend­wel­che von ihnen bereit­ge­stell­ten Online­for­mu­la­re mit bestimm­ten Form­erfor­der­nis­sen benutzt wer­den sol­len. Alles Quatsch mit Soße.

      • Doch. Per unter­schrie­be­nem Brief. Zuge­gan­gen ist die Kün­di­gung nur, wenn sie an die ladungs­fä­hi­ge Anschrift gelangt ist, also nicht an das Post­fach. Um das bewei­sen zu kön­nen: Ein­wurf­ein­schrei­ben. Wenn der Anbie­ter auf einen ein­fa­chen Brief z. B. schrift­lich reagiert, ist man auch aus dem Schnei­der. Wenn der Anbie­ter von sich aus ein Fax akzep­tiert und sich nicht raus­la­bern kann, eben­falls.

          • Brief und Fax sehe ich als Ent­ge­gen­kom­men des Anbie­ters. Ich sehe kei­nen Grund, war­um der Anbie­ter über etwa­ig ent­ste­hen­de Beweis­pro­ble­me auf­klä­ren soll­te. Es ist Sache des Kun­den, sich rechts­kun­dig zu machen. Aus­rei­chend wäre übri­gens auch der Ein­wurf eines unter­schrie­be­nen Brie­fes bei der ladungs­fä­hi­gen Anschrift. Das soll­te zum Bewei­se durch einen Zeu­gen gesche­hen, der sich die Kün­di­gung zuvor durch­ge­le­sen und den Brief selbst ein­ge­tü­tet hat.

              • Ich gehe davon aus, dass Du die­se Pas­sa­ge meinst:

                Sie kön­nen mit De-Mail Ihre Nach­rich­ten und Doku­men­te, die Sie auf­grund ver­trau­li­chen und rechts­ver­bind­li­chen Inhalts bis­her per Brief­post ver­sen­det und emp­fan­gen haben (zum Bei­spiel Ver­trä­ge und Beschei­de), nun auch auf elek­tro­ni­schem Weg rechts­si­cher und nach­weis­bar ver­sen­den und emp­fan­gen.

                Nö. Klappt ja. Wenn man weiß, wie es geht. Win­dows­er soll­te man da aber nicht sein. Das hät­te man durch­aus dazu­schrei­ben kön­nen.

              • Gera­de auch, weil dies die Anbie­ter über­flüs­si­ger­wei­se bereit­stel­len sol­len, wird De-Mail gemie­den.

              • Bei mir hat’s eher prak­ti­sche Grün­de: Ich bin noch nie auf „wir akzep­tie­ren auch De-Mails“ gesto­ßen.

              • Naja, wer ist schon so blö­de, sich ins öffent­li­che Ver­zeich­nis auf­neh­men zu las­sen oder sonst sei­ne De-Mail-Adres­se bekannt­zu­ma­chen, um kurz vor Fri­sten­de noch den Zugang rechts­er­heb­li­cher Wil­lens­er­klä­run­gen zuzu­las­sen? Ele­gan­ter ist es doch, wenn Kün­di­gun­gen per Post einen Tag zu spät ein­tru­deln. Viel­leicht auch nicht als Ein­wurf­ein­schrei­ben, so dass man den Zugang getrost allei­ne mit der Behaup­tung, man habe den Brief nicht erhal­ten, bestrei­ten kann. Außer­dem müss­te man stän­dig sein Post­fach im Auge behal­ten.

  2. Wol­len rechts­kraef­ti­ge Mail­tech­no­lo­gie for­cie­ren aber die Kuen­di­gung soll den­noch per Brief oder Fax. Welch Iro­nie. :ugly:

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