Montagsmusik
Eatliz — Hey (unplugged)

Öfter mal ein Aben­teuer wagen.

Das Haus ver­lassen, wenn die Sonne scheint.

Mon­tagsmusik ein­fach mal nach­mit­tags veröf­fentlichen.

Und dazu Eatl­iz hören, die großar­ti­gen Eatl­iz mit der wun­der­baren Lee Trif­fon, die — was ich bedau­re — mit­tler­weile nicht mehr dabei ist.

Was bleibt? Hey, dies:

Prost.

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Always look on the dark side of Twitter

Was macht eigentlich der Fem­i­nis­mus ger­ade so?

Na ja, er spricht über Twit­ter, das seine Pro­tag­o­nis­ten nutzen, …

(…) um mitzubekom­men, was in der Welt oder bei unseren Freund_innen, Kolleg_innen und anderen Men­schen passiert, um GIFs zu posten, um uns zu freuen und manch­mal auch aufzure­gen – eben für alles, wofür soziale Net­zw­erke und dieses Inter­net™ so gut sind. Was wir da schreiben, kann jede_r lesen, es ist über Such­maschi­nen auffind­bar, kurzum: öffentlich.

Das Inter­net — ™ — ist also dazu da, um GIFs zu posten und sich zu freuen. Die Wikipedia gehört da gar nicht rein, da lernt man ja nur was. Kranke Scheiße.

Aber was, wenn man sich so freuen will, dass nur diejeni­gen es sehen, von denen man das will? Auch dafür hat das geschlechterg­erechte Twit­ter-Diskus­sion­steam von “klein­er­drei” — vier Frauen, ein Mann (der sich wom­öglich selb­st nicht im Klaren darüber ist, wie der Flauschi­wat­tibegriff “klein­er­drei” auf jeden denk­enden Men­schen wirkt) — einen Tipp:

Was vielle­icht erst ein­mal nicht ger­ade außergewöhn­lich klingt, führte in den let­zten Jahren dazu, dass sich neben dem öffentlichen “Tages­licht-Twit­ter” eine kleine Par­al­lel­welt entwick­elt hat, beste­hend aus großteils geschützten Accounts, die einan­der fol­gen. Eine Art Fil­ter­bub­ble in der Fil­ter­bub­ble also, auch bekan­nt unter dem Namen “Dark Twit­ter”.

“Auch bekan­nt”, und zwar exk­lu­siv den fünf Klein­er­dreiern, denn außer­halb der­er fil­ter­bub­ble voller Blub­berblasen ken­nt eine große Such­mas­chine “Dark Twit­ter” nur in Form von schwarzweißen Logos und der­gle­ichen, aber Bekan­ntheit ist eben immer, was man dafür hält. Die “Pop­stars” in der BRAVO ken­nt ja auch nie­mand, der es klaren Ver­standes zuzugeben gewil­lt wäre.

Aber solcher­lei lässt sich ja ändern:

Klein­er­drei-Autor_in­nen reden öffentlich über Dark Twit­ter.

Hur­ra!

Wir erfahren also, was zum Beispiel klein­er­drei-Autorin “Jule” dazu bewegte, ihr Twit­terkon­to zuzu­machen:

Ich hat­te den Ein­druck, dass ich einen Ort im Netz brauche, an dem ich sehr geschützt offen teilen kann, was mich bewegt, ohne direk­te Kon­se­quen­zen in meinem sozialen Leben außer­halb des Social Webs fürcht­en zu müssen.

“Geschützt offen teilen, ohne dass es jemand sieht”, also eigentlich gar nicht teilen, nur halt öffentlich. Ihr ver­ste­ht?

Mit dem Vor­marsch von Twit­ter (ramm­tamm­tamm, ramm­tamm­tamm! A.d.V.) wurde ich auch auf meinem pri­vat­en Account stärk­er als bish­er im pro­fes­sionellen Kon­text beobachtet. Das sorgte dafür, dass ich mir eine bes­timmte Leichtigkeit, die mein Twit­tern einst bes­timmt hat­te, stärk­er zen­sierte – auch im vorau­seilen­den Gehor­sam. Außer­dem war ich neugierig, wie sich die Tweets mein­er Fre­undin­nen und Fre­unde zu denen auf ihren “nor­malen” Accounts unter­schei­den wür­den, wenn sie geschützt wären.

Vorau­seilen­der Gehor­sam gegenüber ein­er Gruppe von Men­schen, denen das Twit­ter­ver­hal­ten von “Jule” weit­ge­hend schnuppe sein dürfte, in Verbindung mit Neugi­er darauf, wie sich Fre­unde ver­hal­ten, wenn kein­er zuguckt, also im Wesentlichen großes Mis­strauen gegenüber den Einzi­gen, die möglicher­weise wirk­lich inter­essiert, was “Jule” so an pri­vat­en Din­gen nichtöf­fentlich nicht­teilt; kein Wun­der kommt die deutsche Blo­gosphäre nicht aus dem Quark. Zu mein­er Zeit hat man Fre­unde ja noch anders definiert.

Mit­blog­ger­ixe “Anne” tut der­weil kund:

Immer mehr von meinen Freund_innen hat­ten einen und ich wollte aus­pro­bieren, ob das für mich vielle­icht auch sin­nvoll ist. Ich wollte auch gerne wieder ein biss­chen back to the roots und so twit­tern kön­nen, wie ich es ganz am Anfang tat (als mein Account noch pro­tect­ed war).

Nichtöf­fentlich­es Nicht­teilen als gemein­same Freizeitbeschäf­ti­gung sowie als “Befreiung” von einem Zwang, den “Anne” nie­mand aufer­legt hat: “Ich durfte frei schreiben, aber ich wollte nicht, und jet­zt darf ich das ganz viel mehr, also will ich es auch.” Klein­er­drei, hihi.

“Maike” betra­chtet das Dunkeltwit­tern hinge­gen eher als well­ness:

Außer­dem war ich neugierig, wie sich so ein geschützter Account wohl anfühlen würde.

Mir läuft’s auch schon kalt den Rück­en hin­unter. — Wie wohltuend dage­gen die boden­ständi­ge Begrün­dung von “Lena”:

Diese Unbeschw­ertheit, die ich von meinen ersten Tweets Anfang 2008 noch kenne, hat sich für mich irgend­wann ver­loren – teil­weise durch die ver­mehrte Nutzung im Arbeit­skon­text, aber auch dadurch, dass ich manche Gedanken und emo­tionalen The­men inzwis­chen ein­fach nur noch mit ein­er sehr begren­zten Anzahl von Men­schen teilen möchte.

Wenn ich mit ein­er sehr begren­zten Anzahl von Men­schen geson­dert kom­mu­nizieren möchte, dann tu’ ich das ja nor­maler­weise nicht auf ein­er Web­site, deren Zweck es ist, der ganzen Welt etwas mitzuteilen, son­dern nutze Grup­pen­chats oder E‑Mail, aber ich schreibe ja auch nicht für klein­er­drei, wo der Twit­ter-Stum­mel­sprech deut­liche Spuren hin­ter­lassen hat, son­dern weiß mein Hirn und das Inter­net gle­icher­maßen angemessen zu benutzen. So wird nie etwas aus mir.

Eine span­nende Frage fol­gt lei­der erst später:

Was bedeutet Dark Twit­ter (DT) für dich?

Das wurde zwar schon weit­er oben in den Grundzü­gen erläutert, aber bei klein­er­drei sieht man einan­der gern beim Schwafeln zu, so lange es den eige­nen fem­i­nis­tis­chen Grun­dregeln gehorcht, egal, ob’s von einem Mann kommt:

Daniel: Er bedeutet für mich meine Freund_innen immer mit meinem Smart­phone in mein­er Tasche zu haben – ein Safe Space, an dem ich mich nicht zurück­hal­ten oder Angst haben muss, verurteilt zu wer­den. Außer­dem geben wir einan­der sehr viel Rück­halt und spenden Trost, was mir sehr viel bedeutet.

Fre­unde, die Leid und Trost im Fre­un­deskreis gle­icher­maßen auf 140 Zeichen beschränken: Angenehm zeits­parend, aber ein biss­chen bedauer­lich. Ander­er­seits: Safe Space! Bin­go!

“Anne” (“Dark Twit­ter ist ein Grup­pen­chat auf sehr sen­si­bler Ebene.”) sieht das ähn­lich, allerd­ings naiv­er als “Maike”:

Ich bin nur mit sehr weni­gen Men­schen dort ver­bun­den und füh­le mich an einen sehr inti­men Chat-Raum erin­nert – wobei das ja gar nicht so recht zutrifft, weil wir keine homo­gene Gruppe sind und zum Teil mit unter­schiedlichen Men­schen ver­bun­den sind und es lediglich einige Über­schnei­dun­gen gibt. Es ist schon erstaunlich, wie gut es tut, sich öff­nen zu kön­nen und auch mal Dinge zu äußern, die man son­st für sich behal­ten hätte. Ich habe viel über und durch die Men­schen gel­ernt, mit denen ich dort ver­bun­den bin.

Man kann dort über alles reden, weil man einan­der ver­traut, obwohl man einan­der ja oft gar nicht viel gemein­sam hat, aber man kann sich so toll irgend­wo zuge­hörig fühlen, weil so’n Klick auf einen “Folgen”-Knopf schon intimer ist als Sex, seinem Sex­u­al­part­ner erzählt man ja auch nicht immer alles. Safe Space, ihr wisst schon.

Und was machen die Auto_r/s/en auf “Dark Twit­ter” genau anders als im nor­malen Twit­ter? “Jule” geste­ht:

Auf Dark Twit­ter bin ich unge­filtert mit mein­er Mei­n­ung und meinen Stim­mungen. Ich reagiere emo­tionaler und unmit­tel­bar­er auf das, was mir passiert. Ich teile dort nicht so viele Links, son­dern reflek­tiere vor allem über meinen Tag.

Wäre ich etwas zynis­ch­er, würde ich mich dankbar zeigen, dass das wenig­stens unter Ver­schluss bleibt; so aber ver­gle­iche ich mit ihrem nor­malen Account namens @julianeleopold, wo ich nicht über­ra­gend viele Links, wohl aber aller­lei Befind­lichkeit­en sehen kann. Ich mag mir ihr dun­kles Twit­terkon­to gar nicht vorstellen: Ein Dop­pelpunk­ta­pos­trophk­lam­mer­auf pro Stunde?

Während­dessen hat “Daniel” ganz andere Vorstel­lung von sein­er dun­klen Zweiti­den­tität:

Ich bin viel expliziter und unge­filtert­er auf Dark Twit­ter. Manch­mal for­muliere ich auch hal­b­gare Gedanken vor mich hin und schaue ihnen beim Wach­sen zu.

Lebe, Krea­tur! Lebe! Das “geheime Twit­ter” als Notizblock für hal­b­gare “Inter­views” mit sich selb­st, unge­filtert und ungeschlif­f­en wie die Murmel, die im Kopf des Autor_s_n herumeiert. Alle Neune.

Maike: Ich schreibe auf meinem geschützten Account, ohne lange zu über­legen und voller Ver­trauen. Das ist sehr, sehr schön.

Ich schreibe dort, wo es kein­er sehen soll, jede blöde Idee auf und freue mich dann, wenn es nie­mand weit­er­sagt. Das kön­nte ich auch auf einem Stück Papi­er oder in ein­er Notiz in meinem Twit­terg­erät tun, aber da sieht es ja kein­er. Das ist sehr, sehr bescheuert.

Was nehmen die Autoren son­st so aus “Dark Twit­ter” mit? Nun, “Daniel” (der mit dem Safe Space) freut sich auch über den Bei­s­tand:

Dark Twit­ter hat mir schon über viele schwere Zeit­en hin­wegge­holfen (an dieser Stelle noch ein­mal ein dick­es Bus­si an meine Dark-Twit­ter-Time­line! <3). Da ich tat­säch­lich einige Men­schen im Dark Twit­ter habe, die ich vorher noch nicht so gut kan­nte, habe ich diese noch ein­mal von ein­er ganz anderen Seite ken­nen gel­ernt.

Ein Safe Space voller “Freund_innen”, die man nicht gut ken­nt; das ist wohl so was wie Face­book, aber Face­book bekommt kein Bus­si.

Warum dann über­haupt noch Twit­ter? Ganz ein­fach:

Jule: Ich liebe Dark Twit­ter als Ort, der neben mein­er Tages­licht-Time­line Rück­zug bietet und Unter­stützung. Es ist, wenn es gut ist, der schnell­ste Weg, Fre­unde aus dem Inter­net zu erre­ichen.

Und:

Daniel: Ich möchte nicht mehr auf Dark Twit­ter verzicht­en. Es ist essen­tieller Bestandteil mein­er Twit­ter­nutzung gewor­den und bringt mir liebe Men­schen sehr nah, obwohl bzw. trotz dem sie physisch vielle­icht weit weg sind.

Und:

Anne: (…) Außer­dem mag ich wirk­lich sehr wie es mich mit Freund_innen näher zusam­men­bringt, die ich lei­der viel zu sel­ten offline sehe, weil sie z.B. woan­ders wohnen oder ger­ade viel um die Ohren haben.

Und:

Maike: Es ist mir sehr, sehr wichtig. Hier habe ich eine Stan­dleitung zu jenen Men­schen, die mir am Herzen liegen mit all ihren wun­der­vollen Facetten, und die ich zum Teil viel zu sel­ten sehen kann.

Wie Inter­net also. Nur kürz­er.

Schön, dass wir darüber gesprochen haben.

(Mit Dank an S.!)

Persönliches
Impressionen: Romantische Betrachtung einer Sommernacht am Fluss (Versuch 9)

Über­rascht von der plöt­zlichen Stille hält man plöt­zlich inne und bleibt ste­hen. Der Krach der Stadt wird ver­schluckt von der Weite des Wassers. Am Hor­i­zont flim­mert das Leben vor­bei.

Viel zu helles Straßen­licht ver­fol­gt einen ein­samen Rad­fahrer, der sein Gefährt vorüber­schiebt. Ob er nach Hause geht oder zu Fre­un­den? Sein Gesicht ver­rät es nicht. Stim­men schwellen an und ebben ab; kein Men­sch begleit­et sie. Man ist allein mit sich und der unendlich scheinen­den Frei­heit, die sich vor den eige­nen Augen auf­tut.

In Sichtweite tost der All­t­ag, Men­schen eilen der Zeit hin­ter­her, als sei dieser Tag ihr let­zter ohne Ket­ten. Dass sie gefes­selt sind von der Zwölf, wird ihnen niemals bewusst sein.

So, weiß man, möchte man niemals wer­den. Man lässt sie rauschen und entschle­u­nigt mit Blick auf das Wass­er. Die Lat­er­nen trüben das, was vor einem liegt.

Es kön­nte in diesem Moment nicht gle­ichgültiger sein.

Fotografie
Betatscht von’nem Engel

Ein unsichtbarer Engel!

“Haben Sie mir ger­ade an den Arsch gefasst?!”

“EIN ENGEL! EIN UNSICHTBARER ENGEL!”

“Ach so.”

(Erweit­erte Ver­sion mit Gratis‑s/ss-Fehler, nur für kurze Zeit.)

PolitikIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Peter Tauber, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 10 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Zu mein­er großen Ver­wun­derung gibt es in der tech­nikfeindlichen CDU offen­bar auch Leute, die das Inter­net für beina­he alltägliche Dinge (Bloggen, Einkaufen, Kinder­pornografie) ver­wen­den. Ein­er der­er, die zumin­d­est ein Blog besitzen, ist Peter Tauber, der “schwarze Peter”, wie er sich — haha, hoho — spaße­shal­ber selb­st nen­nt.

Wie es so die Art von CDU-Mit­gliedern ist, redet Peter Tauber offen­bar beson­ders gern darüber, wie blöde doch die Anderen sind, wenn sie Dinge erk­lären, die er selb­st völ­lig falsch ver­ste­ht. Zum Beispiel das Inter­net.

So jam­merte er am Mittwoch:

Im Feuil­leton der Frank­furter All­ge­meinen Zeitung find­et seit eini­gen Monat­en schon eine Diskus­sion über die Her­aus­forderun­gen der Dig­i­tal­isierung statt. Ich wurde schon mehrfach darauf ange­sprochen, warum dort „aus­gewiesene“ Net­zex­perten wie Mar­tin Schulz ihre Ideen veröf­fentlichen kön­nen, die Union aber nicht stat­tfind­et. Die Antwort darauf ist ein­fach: Das scheint nicht gewün­scht.

Eine andere mögliche Antwort lautet ja, dass die Hal­tung der “aus­gewiese­nen Net­zex­perten” von der CDU — das Inter­net sei ein her­vor­ra­gen­des Überwachungswerkzeug und darüber hin­aus lediglich Leben­sraum für Spott und Unsitte (zum Beispiel Peter Taubers Blog) — bis zum Über­druss bekan­nt ist und man danach nicht ständig fra­gen muss, wenn man es sowieso dreimal täglich in den Nachricht­en hört, aber das ist jet­zt nur meine Inter­pre­ta­tion.

Egal, die Anderen haben den schwarzen Peter die Schuld; ob F.D.P., Linke oder SPD, Weit­sicht hät­ten sie, so Peter Tauber, alle­samt nicht. Gut macht­en es nur die Grü­nen:

Grün ist bekan­ntlich die Farbe der Hoff­nung. Und Hoff­nung macht die Antwort der grü­nen Front­frau Katrin Göring-Eckardt auf Mar­tin Schulz. Sie ver­weist darauf, dass der Men­sch als freies Indi­vidu­um nicht zwangsläu­fig zum Opfer der Algo­rith­men wer­den muss. Sie beschreibt die Chan­cen des Net­zes, wirkt dabei aber nicht naiv und hat gle­ichzeit­ig die Her­aus­forderun­gen im Blick. Damit hebt sie sich wohltuend von Schulz und seinen Apolo­geten ab, wen­ngle­ich ihr nicht alle in ihrer Partei mit dieser Grund­hal­tung fol­gen dürften.

Schwarz ist bekan­ntlich die Farbe der Trauer, und was das über die CDU aus­sagt, weiß vielle­icht nur Peter Tauber selb­st.

Was macht die Union? Sie hat sich für einen eige­nen Auss­chuss für dig­i­tale The­men im Deutschen Bun­destag einge­set­zt und die Dig­i­tal­isierung zu einem der wichtig­sten The­men für die Zukun­ft unseres Lan­des erk­lärt. Von Volk­er Kaud­er liest man, es werde in dieser Leg­is­laturpe­ri­ode kein Gesetz zur Vor­rats­daten­spe­icherung geben, mit Nadine Schön wird eine Net­zpoli­tik­erin stel­lvertre­tende Frak­tionsvor­sitzende der CDU/C­DU-Bun­destags­frak­tion und Alexan­der Dobrindt ver­sorgt das Land mit schnellem Inter­net. Über allem wacht ein fröh­lich twit­tern­der Peter Alt­maier im Kan­zler­amt, der schon lange die Chan­cen der Dig­i­tal­isierung erkan­nt hat. Wie gesagt: Auch in der Poli­tik ändert das Netz alles.

Und Peter Tauber blog­gt sog­ar! — Die Vorstöße ander­er CDU-Poli­tik­er, das Inter­net zu einem besseren Ort zu machen (etwa durch Stopp­schilder), kom­men in sein­er Aufzäh­lung nicht vor. Das ist etwas schade.

Nadine Schön ist übri­gens auch im Auss­chuss für dig­i­tale The­men, ihre weit­eren Auss­chüsse sind oder waren die für Fam­i­lie, Senioren und Frauen & Jugend; eine Kar­riere wie einst Ursu­la von der Leyen also. Anson­sten hört man von dem Auss­chuss nicht viel, allzu viel, was tat­säch­lichen Ergeb­nis­sen ähnelt, hat er aber auch bish­er schon auf­grund intrans­par­ent nichtöf­fentlich­er Sitzun­gen nicht vorzuweisen. Die CDU über­lässt den nicht papier­nen Teil der Net­zpoli­tik also offen­bar auch weit­er­hin dem CCC, also zumin­d­est denen, die sich ausken­nen.

So viel zur Parteipoli­tik. Zum Inter­net selb­st gibt es natür­lich auch was zu sagen, ins­beson­dere aller­lei Unsinn:

Wir stellen fest, dass dieses Inter­net uns offen­sichtlich zwingt, über unsere Welt neu nachzu­denken.

Diese Erken­nt­nis ist sehr lange gereift, wie mir scheint — der Anfang des öffentlichkeit­stauglichen Inter­nets mit Webauftrit­ten für jeden Willi­gen reicht immer­hin bis Mitte der 1990-er Jahre, die Zeit von Com­puServe und GeoC­i­ties, zurück, seit­dem hat sich mancher­lei verän­dert. Manche benutzen das Inter­net sog­ar schon mith­il­fe ihres Tele­fons, das oft nicht ein­mal mehr eine Wählscheibe besitzt. Eider­daus!

Und Peter Tauber dachte, getrieben von seinem Ver­säum­nis, hek­tisch drau­f­los:

Keine Frage. Es ist eine Auf­gabe von Poli­tik, Reg­ulierung so zu gestal­ten, dass das Inter­net Fortschritt bedeutet und Chan­cen.

So weit, so Quatsch. Was ein von Bürg­ern für Bürg­er gestal­tetes Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel unter welchen Umstän­den für wen bedeutet, gehört nicht staatlich reg­uliert. Das Inter­net ist kein Markt. Kon­stan­tin von Notz, Mit­glied im Auss­chuss, ver­wies noch zur Bun­destagswahl 2009 auf das Grun­drecht auf dig­i­tale Intim­sphäre. Jed­er hat im Inter­net die gle­ichen Chan­cen und sein Fortschritt ist unge­bremst, weil jeden­falls unser Staat nicht ver­sucht, die tech­nis­chen Entwick­lun­gen in ein bürokratis­ches Korsett zu zwän­gen. Keine Frage.

Das hat Peter Tauber selb­st ja auch beina­he ver­standen: Wenn Blinde über Far­ben — nee, Blödsinn:

Wenn Christ­demokrat­en über das Inter­net und die Chan­cen und Her­aus­forderun­gen reden, dann gilt zunächst zu klären, auf welch­er Basis wir das tun. Für uns ist das Netz nicht per se gut oder böse. Das Inter­net ist das, was wir damit und daraus machen.

Richtig. Und was hat eine Partei damit zu tun?

Ach so:

Wir sind in vie­len Fra­gen bish­er aber die Antwort schuldig geblieben, wie wir all­ge­mein gültige Recht­snor­men auch in der dig­i­tal­en Welt durch­set­zen oder uns auch der kri­tis­chen Debat­te stellen, ob die dig­i­tale Welt einen Teil dieser Nor­men verän­dert.

Die dig­i­tale Welt als real­er Raum ohne jeman­den, der Recht­snor­men durch­set­zt, ist eine ansprechende, lei­der völ­lig ver­quere Meta­pher. Ver­suchen wir mal Analo­gien zu find­en: Eine Web­site ist ein mul­ti­me­di­ales “schwarzes Brett”, eine E‑Mail eine größere Postkarte, eine Tauschbörse eine, nun, Tauschbörse. Höh­len­malereige­meinde my ass. Dass es ver­boten ist, mith­il­fe ein­er E‑Mail jeman­den zu ermor­den, auszu­rauben oder ihm son­stiges kör­per­lich­es Leid zu bere­it­en, ist nichts, was durchge­set­zt wer­den müsste, schon weil eine Zuwider­hand­lung nicht so ein­fach zu bew­erk­stel­li­gen sein dürfte. Alles Weit­ere — Ver­leum­dung, Betrug und der­gle­ichen — ist auch ohne weit­ere Reg­ulierung bere­its Strafver­fol­gung aus­ge­set­zt. Dass solche Ver­fahren oft ein­fach eingestellt wer­den, ist nichts, was man­gel­nder Reg­ulierung des Inter­nets anzu­las­ten wäre.

Ein paar konkrete Vorschläge, was in Deutsch­land bess­er laufen kön­nte, macht Peter Tauber nach all dem Müsste und Sollte aber doch noch:

Wir müssen endlich Daten­poli­tik machen. Das Schlag­wort von den Dat­en als Währung der Zukun­ft ist in aller Munde. In der Tat haben Dat­en einen Wert. Darum ist auch das Gerede von der Datensparsamkeit nicht klug. Sam­melt mehr Dat­en!

Richtig: Je mehr Dat­en es über einen Bürg­er gibt, desto bess­er ist es, sie zu sam­meln und zu spe­ich­ern und sicher­heit­shal­ber den amerikanis­chen Fre­un­den zur Sicher­heitsver­wahrung zu über­lassen. Damit man ein back­up hat.

Lasst uns darüber reden, wie wir innere und äußere Sicher­heit sowie meine Rechte als Bürg­er auch in der dig­i­tal­en Welt ins Gle­ichgewicht brin­gen. (…) Der Staat hat die Auf­gabe für meine dig­i­tale Sicher­heit und dig­i­tale Integrität zu garantieren. Wir müssen unsere eige­nen Nachrich­t­en­di­en­ste und Insti­tu­tio­nen in die Lage ver­set­zen, Angriffe von außen abzuwehren. (…) Wenn wir unseren eige­nen Staat dazu in die Lage ver­set­zen wollen, müssen deutsche Behör­den die dafür notwendi­gen Kom­pe­ten­zen haben und materiell entsprechend aus­ges­tat­tet sein. (…) His­torisch mag das Mis­strauen der Deutschen gegenüber dem eige­nen Staat begründ­bar sein. Aber wenn wir von unserem Staat einen gewis­sen Schutz erwarten, dann müssen wir sich­er­stellen, dass der Staat die Auf­gabe, die wir ihm zuschreiben erfüllen kann.

Sicher­heit! Ohne sie kein pop­ulis­tis­ch­er Wort­beitrag von der Union. Überwachung? Sicher­heit! Flugzeuge abschießen lassen? Sicher­heit! Das Inter­net vor staatlich uner­wün­schter Benutzung schützen? Sicher­heit! Sicher­heit und dig­i­tale Integrität. Was das ist, erk­lärt Peter Tauber nicht, aber bes­timmt irgend­was mit Sicher­heit. Alles zum Wohl der Bürg­er! — Dass dafür von Steuergeld mehr Ein­griff­s­möglichkeit­en für die Krim­i­nalpolizei geschaf­fen wer­den müssen, ist doch ein­leuch­t­end, oder?

Das Wort “his­torisch” bedeutet im all­ge­meinen Sprachge­brauch im Übri­gen so etwas wie “lange her, längst ver­gan­gen”. Natür­lich hat der BND noch min­destens 2013 mit der NSA kooperiert, um Bürg­er noch bess­er unter Gen­er­alver­dacht stellen zu kön­nen, aber das ist doch alles Schnee von gestern. Eigentlich genau wie die CDU.

Ach, Sicher­heit. Das ist ja auch nur eins der bei­den größen The­men der Kan­z­lerin. Das andere The­ma ist das Wach­s­tum. Und was, wenn nicht die Förderung der Bin­nenökonomie, ist eine vornehme Auf­gabe des Inter­nets? Eben!

Wir müssen entschei­den, ob wir die Chan­cen für Fortschritt und volk­swirtschaftlich­es Wach­s­tum, die das Inter­net uns bietet, nutzen wollen. Unter dem Stich­wort Indus­trie 4.0 schre­it­et die Dig­i­tal­isierung der Volk­swirtschaften unaufhalt­sam voran.

Das Wort “Volk­swirtschaft” erin­nert mich an vergessen geglaubte Arbeit­er- und Bauern­staat­en. Das Inter­net als Mit­tel zur Erfül­lung des Vier­jahre­s­plans? Um Him­mels Willen, Herr Tauber — der Sozial­is­mus funk­tion­iert ja nicht mal ohne Ver­net­zung.

Oh, par­don, es geht ja gar nicht um Acker­bau, son­dern um die “Säulen unser­er Wirtschaft”:

[Wir müssen] unsere Stärke, näm­lich den inno­v­a­tiv­en Mit­tel­stand ger­ade in den Bere­ichen Maschi­nen­bau und Auto­mo­tive, aber auch in allen anderen Branchen bis hin zur Dien­stleis­tung bess­er mit der Dig­i­tal­isierung verknüpfen.

Deutsch­lands Stärke: Aus­ländis­che Arbeit­skräfte für einen Hunger­lohn in steuervergün­stigten Län­dern Maschi­nen zusam­men­bauen lassen und diese in Deutsch­land verkaufen. Dabei hil­ft das Inter­net. Garantiert!

Hinzu kommt die dig­i­tale Wirtschaft selb­st. Set­zen wir die richti­gen Rah­menbe­din­gun­gen für inno­v­a­tive Start Ups?

(Ich musste diesen Satz mehrfach lesen, bevor mir klar wurde, dass keine Start — Ups!, son­dern Start-ups gemeint sind; ich weiß nicht, ob das mit Peter Tauber zu tun hat.)

Was wären denn die richti­gen Rah­menbe­din­gun­gen für junge Unternehmen? Klar: Mehr Markt!

Die Bun­desregierung prüft nun die von Net­zpoli­tik­ern der CDU vorgeschla­gene Ein­führung eines Markt 2.0 als neuem Börsenseg­ment.

“Markt Zwein­ull”, mit “2.0” dran klingt eben alles nach Inter­net und Neu­land und pri­ma Tech­nik, außer wenn man berück­sichtigt, dass sog­ar Inter­net­brows­er Ver­sion 30 längst hin­ter sich gelassen haben, aber die CDU plant eben langfristig und nach­haltig. Beständigkeit ist das Stich­wort. Vielle­icht kauft sie sich dem­nächst sog­ar mal ein Faxgerät.

Der Markt als Reg­ulierungs­fak­tor für das Inter­net — das hätt’ die F.D.P. kaum bess­er gemacht. Ich ver­misse sie jet­zt schon ein biss­chen weniger.

Zumal’s um die Steuern ja schon etwas schade sei:

Natür­lich sollen amerikanis­che Konz­erne in Europa gute Geschäfte machen, aber sie sollen hier auch Steuern zahlen.

Wenn ich ein Unternehmen in Deutsch­land grün­den wollen würde, hätte ich zwei Anliegen:

  1. Eine sta­bile, schnelle Inter­netleitung eines frei wählbaren Anbi­eters, der nicht durch aller­lei Lob­byspenden weit­ge­hend unge­hin­dert schal­ten und wal­ten darf.
  2. Einen Staat, der von jedem Unternehmer, der durch sein Tun das BIP zu erhöhen beab­sichtigt, nicht die Hälfte sein­er Ein­nah­men in die Kriegskasse zu zahlen fordert.

Bei­des bekäme ich in Deutsch­land derzeit garantiert nicht. Dafür gibt es mancher­lei Ursache — die Wirtschaft gehört jeden­falls nicht dazu.

Wie wollen wir in der dig­i­tal­en Gesellschaft leben, ler­nen und arbeit­en?

“Die dig­i­tale Gesellschaft” als Abgren­zung zur übri­gen Gesellschaft. Wir gehen nicht mehr essen, wir sur­fen ein­fach ins Bistro. Ach, Herr Tauber… — ein­fach ach. Zumin­d­est stellen Sie im gle­ichen Absatz noch die wichtige Frage:

Ver­mit­teln wir aus­re­ichend Medi­enkom­pe­tenz? Wer sich an den Infor­matikun­ter­richt in den 1980er Jahren erin­nert, der zuckt inner­lich zusam­men bei der Vorstel­lung schon Grund­schüler eine Pro­gram­mier­sprache ler­nen zu lassen.

Das werte ich als Nein.

Dabei gibt es so viele Län­der um uns herum, von denen wir so vieles ler­nen kön­nten:

Mit Est­land gibt es ein echt­es Muster­land in Europa wenn es um die Dig­i­tal­isierung geht. Wir soll­ten die Prob­leme anpack­en, ler­nen von denen, die sich den Her­aus­forderun­gen der Dig­i­tal­isierung nicht nur stellen, son­dern sie meis­tern.

In Est­land wer­den seit 2010 über 800 Web­sites (“Glücksspiel”, wie es heißt) block­iert, eine ein­jährige Vor­rats­daten­spe­icherung ist Pflicht für jeden Anbi­eter. Die Her­aus­forderun­gen der Dig­i­tal­isierung scheinen nicht nur Peter Tauber zu über­fordern.

Also flüchtet er sich lieber in Fik­tion:

Die Men­schen arbeit­eten (in Star Trek, A.d.V.) im 24. Jahrhun­dert, um sich „selb­st zu verbessern. Und den Rest der Men­schheit.” Davon sind wir noch weit weg. Das ist Sci­ence Fic­tion. Aber das war das Inter­net vor 40 Jahren, 1974 als ich geboren wurde, auch noch.

1974 existierten die noch heute ver­füg­baren Dien­ste und Pro­tokolle für E‑Mail, Tel­net und FTP bere­its seit eini­gen Jahren, 1979 fol­gte das Usenet.

Aber davon ist Peter Tauber bekan­ntlich weit weg.

PersönlichesComputer
Warum 1 und 1 manchmal doch Nullen ergibt

Mit weni­gen Aus­nah­men halte ich mich hier auf dieser mein­er Inter­net­präsenz ja zurück mit dem Belei­di­gen großer Zusam­men­schlüsse von Men­schen, die mir unter Umstän­den für mein ehren­rühriges Benehmen ordentlich einen rein­drück­en kön­nten; das bedeutet, sobald ich das tu’, muss schon einiges passiert sein.

Ein wenig Vorgeschichte: Es ist nur wenige Jahre her, als ein neuer DSL-Anbi­eter ins Haus musste. Ich war damals noch nicht mit aus­re­ichend Ken­nt­nis­sen von den ver­schiede­nen Konkur­renten aus­ges­tat­tet und musste mich somit auf die schö­nen neuen Heilsver­sprechen aus der Wer­bung ver­lassen. Die Telekom, das war damals schon klar, war nie für ihre Kun­den­fre­undlichkeit bekan­nt. Ganz anders 1&1, ein Unternehmen, das noch vor weni­gen Jahren mit Mar­cell d’Avis, dem Leit­er für Kun­den­zufrieden­heit, warb. Ein Leit­er für Kun­den­zufrieden­heit? Ja, der war echt!

Unken­rufen von Fre­un­den, 1&1 sei alles andere als empfehlenswert, schenk­te ich keinen Glauben. Irgend­was ist ja immer. Wessen Anbi­eter ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein. So hat­te ich nun jeden­falls einige Jahre lang ziem­lich prob­lem­los DSL via 1&1, es gab keine untyp­is­chen Prob­leme, die nicht mit Stro­maus­fällen oder ähn­lichen Din­gen zu tun hat­ten.

Bis gestern.

Gestern gegen 13 Uhr beschloss 1&1, dass der hiesi­gen Wohn­re­gion ein zün­ftiger Leitungsaus­fall mal gut täte. Bei so etwas sind sie dann auch immer recht schnell. Eine Kleinigkeit, sollte man meinen, ger­ade auch, da 1&1 momen­tan voll­mundig im Fernse­hen dafür wirbt, dass ern­sthafte Prob­leme in der Regel bin­nen eines Werk­tages gelöst wür­den.

1&1 sah das anders. Die “bekan­nte Störung” sei bere­its dabei, behoben zu wer­den, hieß es noch am Dien­stagabend; heute Mit­tag — der Router zeigte eine “DSL-Störung” an — hieß es schließlich, das Prob­lem könne nicht von der Ferne aus behoben wer­den, ein Tech­niker müsse Mon­tag kom­men. Mon­tag? Ach, was — vor Mittwoch gebe es ohne­hin keinen freien Ter­min.

Früh­estens Mittwoch.

Früh­estens siebenein­halb Tage (also einen sehr lan­gen 1&1‑Werbungstag) nach dem Aus­fall find­et man im Hause 1&1 Zeit und Muße dafür, dass Tele­fon und Inter­net bei einem, zugegeben, nur Pri­vatkun­den mal wieder läuft. Also vielle­icht.

Wisst ihr Fer­kel­wemser von 1&1 eigentlich, wie lange siebenein­halb Tage so sind? Das ist über eine Woche. Eine Woche ist unge­fähr ein Vier­tel eines Monats. Ein Monat ist der Zeitraum, für den ihr ver­mut­lich regelmäßig euer immer noch deut­lich zu hohes Gehalt bezieht. Keine Sorge, ich werde mein Scher­flein dazu beitra­gen, dass es angemessen gekürzt wird — ich zahle, sobald ich wieder funk­tion­ieren­des Inter­net habe, um euch rück­sicht­slosen Kun­den ver­ach­t­en­den Scheißladen endlich durch einen anständi­gen Anbi­eter mit wenig­stens geringem Anspruch an die Zufrieden­heit sein­er Kun­den zu erset­zen, euch schon bald nichts mehr ein.

Mar­cell d’Avis ist längst Geschichte. Ein Unternehmen wie 1&1 braucht nun mal keine Schnittstelle zum Kun­den mehr.

Und wisst ihr, was ihr eigentlich auch sparen kön­nt, ihr von 1&1? Richtig: Die Kun­den! Aber keine Sorge, das Prob­lem löst sich sicher­lich von ganz allein. Macht ein­fach so weit­er.

Montagsmusik
Elbow — With Love

(Beziehungsweise eben: Liebe.)

Elbow — With Love

Fill your boots, fill your spine, fill your dome, fill your eyes with love, wie man’s auch definieren mag, und irgend­was muss die Welt vom Zer­brechen abhal­ten; die EU jeden­falls nicht.

Prost und guten Mor­gen.

ProjekteNerdkrams
WP-WahlBlackout: jetzt europawahltauglich!

Die heutige Europawahl, über deren Ergeb­nisse und deren Zus­tandekom­men ich lieber ein­mal den Man­tel des Schweigens aus­bre­it­en möchte (ander­er­seits: angesichts dessen, “Volksparteien” wie CDU und SPD immer pünk­tlich am Wahlt­ag die vor sich hin­siechen­den Alten aus ihrem Delir­i­um her­aus eigens zum Wahllokal und dann zurück ins Heim fahren lassen, wun­dert es mich nur noch wenig), traf mich so über­raschend, dass ich gar nicht daran gedacht habe, rechtzeit­ig das WP-WahlBlack­out-Plu­g­in europawahltauglich zu machen.

Die neue Ver­sion ist unter dem bekan­nten Link zu find­en und funk­tion­iert jet­zt auch mit anderen Wahlen als Bun­destagswahlen zusam­men. Die näch­ste Land­tagswahl kommt bes­timmt.

MusikPolitik
Klaus der Geiger — Nein, nein, wir woll’n nicht eure Welt

Wählt die Richti­gen! Wählt die Guten, nicht die Bösen! Wählt die mit den buntesten Plakat­en! Wählt die mit der schlimm­sten Kan­z­lerin! Wählt die mit dem blödesten Humor! Wer x wählt, ist doof, wer y wählt, ist dööfer!

Demokratisch in den Unter­gang. Ihr habt ja mor­gen euer Kreuz gemacht. Oder ihr habt es mor­gen gelassen. Apathie und Vere­len­dung, aber wenig­stens gibt es wieder Erd­beeren und Spargel.

Prost Mahlzeit.

Klaus der Geiger — Nein, nein wir woll´n nicht eure Welt

PolitikNetzfundstücke
CDU gegen Wasserhacker

Was AfD, Piraten­partei, Die PARTEI und andere Parteien im Europäis­chen Par­la­ment gern tun wür­den, wird in den ein­schlägi­gen Medi­en ja in aller Aus­führlichkeit besprochen. Dabei kom­men natür­lich andere Parteien zu kurz.

Was möchte denn zum Beispiel die CDU erre­ichen, wenn sie erneut ins Europäis­che Par­la­ment einzieht? Darüber erfährt man wenig, die CDU ist eben Kon­sens, da hin­ter­fragt nie­mand mehr etwas. Erfreulicher­weise erteilt aber zumin­d­est das Wahl­pro­gramm Auskun­ft:

Wir wer­den Wass­er, Strom, Telekom­mu­nika­tion­snet­ze und andere soge­nan­nte kri­tis­che Infra­struk­turen vor Angrif­f­en aus dem Inter­net bess­er schützen.

Auf dass nie­mand einen Com­put­er­wurm ins Wass­er schütte!

(via @tollwutbezirk)

Sonstiges
Medienkritik XC: “JOY”: So werden Sie besonders widerstehlich!

JOY Juni 2014Mein heim­lich­es Lieblings­frauen­magazin “JOY” — ihr erin­nert euch sich­er — geht in sein­er aktuellen Aus­gabe der Frage nach, die wohl jede Frau bewegt:

Män­ner ver­rat­en: Das macht Frauen unwider­stehlich

Dieses inter­es­sante The­ma kommt natür­lich nicht ganz zu Anfang der “JOY” an die Rei­he, denn außer­dem will noch aller­lei Klatsch und Tratsch ver­bre­it­et sein, aufge­lock­ert von Leben­shil­fe wie dem Tipp, Erhol­ung — “Oooohhh­m­mm …” — müsse sein, und dass Ohm etwas mit Ver- beziehungsweise Entspan­nung zu tun hat, zeugt entwed­er von einem guten Gespür für Wort­spiele oder für das Bedürf­nis nach einem Rechtschreib­wörter­buch, sowie dem Artikel “Ihr inneres GPS”. Ein GPS ist, wie der kluge Leser weiß, ein Sys­tem zur einiger­maßen genauen Bes­tim­mung des eige­nen Stan­dorts, weshalb die Abkürzung auch für “Glob­al Posi­tion­ing Sys­tem”, “glob­ales Posi­tion­ierungssys­tem”, ste­ht. Moment: Die Leserin­nen der “JOY” haben einen Kom­pass ver­schluckt? Aber nein:

10 Gründe, warum Sie in der Liebe auf Ihren Bauch hören soll­ten

Ach so — das Bauchge­fühl. Nicht ratio­nal erfass­bar und nicht beson­ders gut dazu geeignet, her­auszufind­en, wo man sich ger­ade unge­fähr befind­et, aber die typ­is­che “JOY”-Leserin weiß eben nicht, was ein GPS ist (außer “das blinkt so lustig”), da kann man schon mal ein Detail vergessen. Schon hil­fre­ich­er — zwei Seit­en weit­er — ist in der Rubrik “Mon­i­tor” zu lesen, wie diejenige “JOY”-Klientel so tickt, die sich dadurch ausze­ich­net, gern an bescheuerten Umfra­gen teilzunehmen:

JOY-Umfrage zu Achselhaaren

“Aber die stars machen das doch auch!”

Ein­er dieser stars, Gas­tau­torin Sophie Andresky, “Deutsch­lands erfol­gre­ich­ste Erotik-Autorin” (“JOY”), durfte seine fehlende Lebenser­fahrung in ein­er eige­nen Kolumne unter Beweis stellen:

Stellen Sie sich mal eine wun­der­schöne Flöten­melodie inmit­ten eines Rock­konz­erts vor. Klingt absurd? Eben.

Eben nicht, und der geneigte Musik­fre­und weiß das, aber in der Welt der “JOY” ist alles sauber geord­net: Rock­musik hat Gitar­ren und andere Musik hat eben Flöten. “JOY”, das Mag­a­zin für ord­nungsliebende Haus­frauen. — Ist es also richtig, was andere tun? Sollte die typ­is­che “JOY”-Leserin nicht vielmehr darauf bedacht sein, selb­st größt­mögliche Attrak­tiv­ität zu erre­ichen? Das klärt eins der Titelthe­men, näm­lich (ich kündigte es ja oben bere­its an):

Män­ner ver­rat­en: Das macht Frauen unwider­stehlich

Befragt wur­den die üblichen Schön­linge und wenige Alibi-“Nerds”, alle­samt typ­is­che Män­ner also; und diese gaben dann dies als Kri­te­rien für weib­liche Unwider­stehlichkeit an. Zwis­chen den üblichen Nul­laus­sagen (die Frau solle “lustig” und “authen­tisch” sein) ver­birgt sich auch tat­säch­lich etwas Lesenswertes; ein gewiss­er “Mark” äußerte klug:

Frauen, die sich auch direkt nach dem Auf­ste­hen mögen, finde ich super. (…) Eine unwider­stehliche Frau geht auch ohne Make-Up zum Bäck­er, weil sie weiß, dass sie natür­lich schön ist.

Passend dazu gibt’s in dieser Aus­gabe der “JOY” auf ins­ge­samt, wenn ich mich nicht verzählt habe, 27 Seit­en Schmink­tipps und Wer­bung für entsprechende Pro­duk­te, darunter auch zur Erzielung eines nude looks, also zum Schminken, so dass man ungeschminkt aussieht. Das ist wohl diese “natür­liche Schön­heit”, die “Mark” emp­fiehlt.

“Ade­wale”, ein weit­er­er Mann in der Rei­he der Befragten, nen­nt “intel­li­gente (…) Frauen” das “Non­plusul­tra”. Blöd, wenn man stattdessen zur Ziel­gruppe der “JOY” gehört.

Falls ihr übri­gens auf diese Pointe gewartet habt: Zu den “Geschenken mit Geschmack” — ein weit­eres Titelthe­ma — zählen offen­bar wed­er aro­ma­tisierte Kon­dome noch ess­bare Unter­wäsche. Ganz schön prüde, diese “JOY”.