In den NachrichtenPolitik
Medienkritik XLII: Niedliche Krieger

Dummerweise fiel mein Blick mitt­ler­wei­le auf die heu­ti­ge Ausgabe der Braunschweiger Zeitung, bezüg­lich jour­na­li­sti­scher Qualität nicht weit von einem nie­der­säch­si­schen BILD-Äquivalent ent­fernt, und ich hielt zwei Texte für so furcht­bar, dass ich mir vor­nahm, sie hier zu ver­wur­sten, was ich nun­mehr mit Freude tun werde.

Der erste der bei­den Texte zier­te die Frontseite der Zeitung und han­del­te von den begin­nen­den Schneefällen im Harz. An pro­mi­nen­ter Stelle wur­de hier­zu Miriam Fusch oder Fuchs - lei­der konn­te sich die Redaktion nicht auf einen Namen eini­gen - vom Harzer Tourismusverband („Harz-Tourismus“) zitiert, die also, wie es heißt, sprach:

Für eine Schneeballschlacht soll­te es im Harz schon reichen.

Alternativ übri­gens auch:

Aber (…) für eine Schneeballschlacht reicht es schon.

Nein, lie­be Braunschweigerzeitungsredakteure, die Verbkonstrukte „soll­te rei­chen“ und „reicht“ bedeu­ten kei­nes­falls das­sel­be, und das wüss­tet ihr, wenn ihr schon ein­mal auf „das Eis müss­te dick genug sein“ her­ein­ge­fal­len wärt; seid ihr aber anschei­nend nicht.

Nun ist die Aussage der Frau Fusch oder Fuchs noch in ande­rer Hinsicht bemer­kens­wert, denn sie scheint eine Schneeballschlacht als klein­sten Nennwert für Spaß im Schnee zu ver­ste­hen. Ob der Winter mit all sei­nem Glatteis und sei­ner für uns nur mehr dezent befell­te Neuzeitmenschen unge­nü­gend nied­ri­gen Durchschnittstemperatur sich irgend­wie zu dau­er­haf­tem Spaß eig­net, über­las­se ich jedem selbst, ich mei­ner­seits bezweif­le es. (Nicht so jeden­falls die Supermarktketten, die es schon im September nicht abwar­ten konn­ten, end­lich min­der­qua­li­ta­ti­ven Schoko- und Zimtmatsch an Freizeitchristen zu ver­ticken, und die die­ser Tage nun auch, wie­so auch immer, die übli­chen besinn­li­chen Plastiktannen der zumin­dest theo­re­ti­schen Kundschaft vor die Füße stel­len, auf dass sie stol­pern und sich bäuch­lings der nun­mehr auf­stei­gen­den weih­nacht­li­chen Stimmung erfreu­en möge; aber ich schwei­fe ab.) Wer sich hin­ge­gen das Wort „Schneeballschlacht“ ein­mal genau­er anschaut, der wird bald fest­stel­len, dass es auf „-schlacht“ endet. Symbolisches Kriegsspiel - „abwer­fen“, so lustig es klingt, ist auch nur in Nuancen von „abknal­len“ ver­schie­den - als Einstieg in die Rodel- und Hinfall-Saison; schön, dass es dafür „auch schon reicht“. Den kriegs­lü­ster­nen Nachwuchs wird es freuen.

Andererseits sagt man die­ser Saison nach, sie wür­de Familien zusam­men­füh­ren und Kinder glück­lich machen. Natürlich freut sich ein Kind dar­über, trotz unan­ge­neh­mer Zwischenfälle in den vori­gen Monaten im Dezember das neue­ste Plastikspielzeug zu bekom­men, „weil Weihnachten ist“, und ich hat­te mir, katho­lisch ver­zo­gen, den Geist der Weihnacht immer irgend­wie anders vor­ge­stellt. Das kann natür­lich auch mit mei­nem Alter zu tun haben, denn ab einem gewis­sen Alter ist ein Mensch nicht mehr inter­es­sant. Die Braunschweiger Zeitung ver­öf­fent­lich­te näm­lich neben oben zitier­tem Artikel auch eine Kurzmeldung im Innenteil, die ich aus­nahms­wei­se fast voll­stän­dig wie­der­ge­ben möchte:

Bei einem Unfall (…) ist eine 13-Jährige schwer ver­letzt wor­den. Ihr 18-jäh­ri­ger Bruder war mit dem Auto von der Fahrbahn abgekommen.

Nur was ist mit dem Bruder gesche­hen? Lebt er noch? Ist er wohl­auf? Wurde er zer­schmet­tert und ende­te als blu­ti­ger Matsch in irgend­wel­chen Grünanlagen? Nein, das inter­es­siert das Journalistenpack nicht, 13-jäh­ri­ge Mädchen sind nun mal meist nied­li­cher als 18-jäh­ri­ge Knaben, zumin­dest behaup­ten das jene Personen, die nie eine 13-jäh­ri­ge Schwester hat­ten, und das Schicksal eines 18-jäh­ri­gen Knaben berührt kei­nen „Journalisten“, dem es nur dar­um geht, irgend­wie ein dritt­klas­si­ges Lokalblatt voll­zu­rülp­sen. Leser, das glau­ben die­se Menschen, wol­len von ihrer Tageszeitung emo­tio­nal berührt, nicht infor­miert wer­den. Leser, das glau­ben die­se Menschen, wol­len nicht wis­sen, was mit Leuten pas­siert, die nicht nied­lich oder stink­reich oder bei­des sind. Leser, das glau­ben die­se Menschen, geben sich mit der Information zufrie­den, der Bruder sei 18 Jahre alt gewe­sen, und sagen dann: Ach, er ist 18 Jahre alt und außer­dem ein lang­wei­li­ger Junge, na, dann juckt es uns nicht, was mit ihm pas­siert ist, aber erzählt doch mal mehr von dem nied­li­chen Mädchen!

Sie irren sich, die­se Menschen.

(Aus die­sen Zeilen mag Verbitterung spre­chen, Verbitterung jeden­falls auch über ein Volk, das sich von stin­ken­dem Gammelobst und piek­sen­den Bäumen davon ablen­ken lässt, wie tief es eigent­lich im Elend ver­sinkt. Irland bekommt, nach­dem Griechenland vor­erst befrie­digt ist, von Deutschland ein wenig finan­zi­el­le Zuwendung [„bai­lout“], hör­te ich rumo­ren. Vielleicht soll­te Deutschland sich auch ein­mal in die Reihe der Bittsteller bege­ben, denn dass Deutschland ein Land sei, das vor lau­ter Geld gar nicht mehr weiß, was es damit tun sol­le, lässt sich ohne blei­ben­den Hirn- oder jeden­falls Organschaden nur schwer­lich glaub­haft versichern.)


Nachtrag:
Habt ihr übri­gens das schon mit­be­kom­men, dass ein CDU-Parlamentarier (Vorsitzender des Rechtsausschusses, hier­zu ein drei­fa­ches *batsch* an die Stirn) gern zum Schutz vor Terror die Pressefreiheit, das höch­ste Gut der Demokratie, ein­schrän­ken würde?

Ich bin lei­der juri­stisch nicht bewan­dert, aber ich bin ver­sucht, eine pas­sen­de Reaktion im Strafgesetzbuch zu fin­den. Siegfried Kauder, CDU, ist ein brand­ge­fähr­li­cher Mann und soll­te zum Schutz der öffent­li­chen Ordnung und der Demokratie in die­sem Land für ein paar Jahre weg­ge­sperrt wer­den. Ich bezweif­le aller­dings, dass es so weit kom­men wird.

PersönlichesSonstiges
Besser machen!

Man kennt ihn, den Spruch: „Mach’s besser!“.

Wann immer ein Fußballer meter­weit dane­ben­schießt und man sich über den pein­li­chen Anblick beöm­melt, wann immer Microsoft wie­der ein­mal Schrott fabri­ziert, wann immer die Politik fata­le Fehlentscheidungen trifft: „Mach’s besser!“.

Nun bin ich aber kein Fußballer, Microsoft-Entwickler oder Politiker und kann daher nicht ihre Aufgaben ver­su­chen bes­ser zu machen, ohne einen ande­ren Lebensweg ein­zu­schla­gen. (Microsoft-Entwickler wäre even­tu­ell mach­bar, wider­strebt mir aber aus ähn­li­chen Gründen wie eine Bewerbung bei Google Deutschland oder der BILD-Redaktion, wenn­gleich Microsoft sicher noch die am wenig­sten scheuß­li­che Wahl wäre, wür­de ich vor sie gestellt.)

Wenn ich einen Handwerker ins Haus kom­men lie­ße, der mir, statt das Klo zu repa­rie­ren, den Keller unter Wasser setz­te, dann wür­de ich ihn eben­so wie schlech­te Fußballer, Microsoft-Entwickler und Politiker einen Trottel nen­nen. Würde er mir „Machen Sie es halt bes­ser!“ ent­ge­gen­schleu­dern, so wür­de ich dies mit einem „Pfff!“ quit­tie­ren und sei­nem Vorgesetzten einen wort­rei­chen, doch sicht­lich erbost ver­fass­ten Brief schicken, in dem ich ihm mit­tei­len wür­de, was ich von der­lei Gestalten hal­te, näm­lich nicht viel. Vermutlich wür­de mir aber auch nie­mand in solch einem Fall sagen, ich sol­le es halt bes­ser machen, denn man weiß: Ich bin hand­werk­lich nicht son­der­lich geschickt.

Hingegen traut man sei­nen Mitmenschen die­ser Tage anschei­nend zumin­dest zu, bes­se­re Fußballer als die Nationalspieler, bes­se­re Programmierer als die Mitarbeiter der Windows-Entwicklerabteilung, bes­se­re Politiker als Guido Westerwelle zu sein. Letzteres ist, zuge­ge­ben, nicht der Rede wert; noch immer blei­ben die übri­gen Punkte in der Aufzählung. Der Einfachheit und Übersichtlichkeit wegen beschrän­ke ich mich im Folgenden auf erste­ren Punkt:

Hätte ich ein bes­se­rer Fußballer wer­den wol­len, hät­te ich mei­ne Jugend dar­an aus­ge­rich­tet. Jedoch hat­te ich nie son­der­lich viel Interesse an akti­vem Sport, und so über­las­se ich ihn denen, die man „Profis“, Professionelle also, nennt. Wenn die­se Professionellen nun im Namen „mei­nes“ Landes oder auch nur von mei­nem Geld ama­teur­haft zu Werke gehen und so das Ansehen „mei­nes“ Landes nach­hal­tig schä­di­gen oder alter­na­tiv bezie­hungs­wei­se außer­dem mein Geld sinn­los ver­pras­sen, dann betrach­te ich es als mei­ne ver­damm­te Bürgerpflicht, die­se Professionellen für die­se Chuzpe gebüh­rend zu beschimp­fen, hege jedoch nicht zugleich den Anspruch, es weni­ger schlecht hin­zu­be­kom­men, denn ich ver­die­ne mei­ne paar Kröten nicht damit, weni­ger schlecht Fußball zu spie­len. Das fän­de ich auch beschämend.

Ich kla­ge an, ich kla­ge an, ich kla­ge an.
- Tocotronic: Harmonie ist eine Strategie

Netzfundstücke
Küchenlatein

Als Klugscheißer geho­be­ner Natur gibt sich Stefan Sichermann vom BILDblog die­ser Tage, indem er den gleich­falls klug schei­ßen­den Herrn Wagner von der BILD kor­ri­giert, der da angeb­lich (ich wer­de es aus mora­li­schen Gründen nicht selbst über­prü­fen) geschrie­ben habe:

Historiker über­set­zen ter­re­re auch mit: „die aus dem Untergrund kommen“.
Terra – die Erde.
2000 Jahre spä­ter ist Deutschland in Terror-Angst. Irgendetwas kommt unsicht­bar aus der Erde.

Und der Stefan Sichermann dann so:

(…) Denn die Begriffe „Terror“ und „Terra“ haben ety­mo­lo­gisch soviel mit­ein­an­der gemein wie die deut­schen Begriffe „Wurst“ und „Durst“—nämlich vier Buchstaben.

Während die Wurzeln von „ter­re­re“ im alt­in­di­schen „trá­sa­ti“ (zit­tern) und im grie­chi­schen „tréo“ bzw. „tre­so“ zu suchen sind, bedeu­tet „ter­ra“ in etwa „das Trockene“ (sie­he griech. „terai­no“ bzw. lat. tor­re­re „dör­ren, trocknen“)*.

(Aus tech­ni­schen Gründen habe ich die grie­chi­sche Schreibweise hier ein­mal herauseditiert.)

Und der Stefan Sichermann kann also ver­mut­lich Latein bes­ser als der Franz Josef Wagner, aber mit sei­nem, dem Stefan Sichermann sei­nem, Altgriechisch ist es nicht weit her; denn, ana­log zu dem (kor­rek­ten) latei­ni­schen Infinitiv „ter­re­re“, die Infinitive zum grie­chi­schen Verb hei­ßen natür­lich „tréein“ bzw. „tre­sein“. Will man indes die erste Person Singular Indikativ Aktiv („tréo“ bzw. „tre­so“) ver­wen­den, so müss­te es gleich­sam „ter­ro“, „ich erschrecke“, hei­ßen. Die indi­sche Form ken­ne ich lei­der nicht.

Vielleicht hät­te hier nicht nur das „aus­führ­li­che latei­nisch-deut­sche Handwörterbuch, aus­ge­ar­bei­tet von Karl Ernst Georges“, sei­nen Dienst getan, son­dern zudem wäre ein Blick in ein Grammatiklexikon des Griechischen sicher­lich kei­ne schlech­te Idee gewe­sen. (Übrigens lau­ten die Formen im Neugriechischen noch immer nicht viel anders.)

Na, viel­leicht beim näch­sten Mal.

(Ich habe den Autor der Freundlichkeit hal­ber via Mail auf sei­nen Fauxpas auf­merk­sam gemacht. So viel fair­ness muss dann doch sein.)

Nachtrag:
Stefan Sichermann schrieb mir, er habe, wie im Griechischen üblich, absicht­lich die 1. Person Singular Indikativ Aktiv als Grundform ver­wen­det. Nun, dann bleibt zumin­dest die Übersetzung miss­ver­ständ­lich. Aber das ist in den alten Sprachen ja so manches.

Persönliches
Studiengebühren bei der Arbeit

Das, was ich an nie­der­säch­si­schen Hochschulen so sehr mag, ist ja unter ande­rem auch ihre tech­ni­sche Ausstattung.
An der Hochschule, die ich trotz allem nach wie vor besu­che (und tat­säch­lich bin ich eher ein Besucher als ein Student, auf Latein also ein sich Mühender), ist es bei­spiels­wei­se nicht leicht, dau­er­haft, also ohne stän­di­ge Internetausfälle, Freude an dem (nicht unbe­dingt flin­ken) WLAN zu haben. Tatsächlich erfreu­en kann man sich an der Unileitung nur, wenn man das Glück hat, in der Nähe einer LAN-Buchse zu sein. Und davon gibt es nicht viele.

Zwar steht schon seit eini­ger Zeit neue Ausstattung bereit, aber um die­se ins Netz ein­zu­bin­den, müss­te ein Verantwortlicher sei­nen Hintern von sei­nem Sitzmöbel tren­nen und ein Kabel ein­stecken. (Nein, viel mehr wäre das nicht.) Und wie das so läuft in einer öffent­li­chen Einrichtung, kann das noch eine Weile dauern.

Dafür traf heu­te eine E-Mail ein:

Der Radiusserver der Hochschule über­nimmt die Überprüfung von Benutzernamen und Kennwörtern für das WLAN. Er ist inzwi­schen ca. 10 Jahre alt und wird daher am Mittwoch, den 24.11.2010 aus­ge­tauscht. Im Zuge der Umstellung wird nicht nur eine neue Hardware zum Einsatz kom­men, son­dern auch der Name des Servers wird (…) geändert.
Die Arbeiten wer­den am Mittwoch in der Zeit von 11:30 Uhr bis 13:30 Uhr erfol­gen. Aus die­sem Grund ist an allen Hochschulstandorten im genann­ten Zeitraum kein WLAN-Zugriff möglich.

’s ist ja schön, dass end­lich etwas pas­siert. Nicht, dass ich bis­her Probleme damit gehabt hät­te, mich im Uni-WLAN anzu­mel­den, son­dern nur damit, dau­er­haft drin zu blei­ben, aber immer­hin: Neue Hardware! Neuer Name! Und das Ganze direkt vor der Mittagspause, die etwa um 13:30 beginnt!

Gut, letz­te­res ist nun kein posi­ti­ves Argument und lässt mich beim Gedanken dar­an, dass sich am 24.11. gegen „halb zwei“, wie der Volksmund auch sagt, mal eben Studenten vie­rer Campus gleich­zei­tig ver­su­chen ins Hochschulnetz ein­zu­wäh­len (sagt man das noch so?), erschau­dern. Warum man so etwas nicht vor Beginn oder nach Ende der Vorlesungen macht? Klar: Im öffent­li­chen Dienst arbei­tet man ungern zu der­art unmensch­li­chen Zeiten.

Ich habe mich das bis­her nicht gefragt, aber jetzt gera­de kann ich der Frage nicht mehr ausweichen:
Was genau pas­siert eigent­lich mit unse­ren Semestergebühren?

(Das könn­te ich wahr­schein­lich irgend­wo nach­gucken, aber ich fand die Frage in rhe­to­ri­scher Gestalt viel besser.)

In den NachrichtenPolitikProjekteSonstiges
Terror: Keine Überraschung!

Wir wer­den übri­gens alle­samt in Bälde eines grau­si­gen Todes ster­ben, weil ver­däch­tig aus­se­hen­de Menschen wie die­ser hier nur wegen der aus­ge­setz­ten Vorratsdatenspeicherung in Deutschland Anschläge bege­hen wer­den kön­nen, zumin­dest höchst­wahr­schein­lich, denn:

Dafür, dass Kashmiri im Moment an Anschlagsplänen für Europa feilt, gibt es zwar kei­ne Bestätigung. (…) Sicherheitsbehörden wären jedoch kei­nes­wegs über­rascht, soll­te sich her­aus­stel­len, dass der Pakistaner sol­che Operationen plant.

Gleich in die Luft spren­gen, das gan­ze Terrorland!
(Also Pakistan jetzt, nicht die USA.)


In eige­ner Sache (1): Während ich gemein­sam mit Mike® dar­an arbei­te­te, das hier ver­wen­de­te the­me ein biss­chen bes­ser weni­ger schlecht zu gestal­ten, fiel mir auf, dass anstel­le der blau­en Hintergrundfläche das Einfügen eines Hintergrundbildes womög­lich eine sinn­vol­le Änderung wäre.

Hierfür neh­me ich gern Anregungen ent­ge­gen. :)


In eige­ner Sache (2): Heute vor 10 Jahren wur­de die erste Version von Gamers.IRC ver­öf­fent­licht, mehr dazu kann der geneig­te Leser auf gamersirc.net erfah­ren. Obwohl ich selbst erst seit 2003 Mitglied der Entwicklergemeinschaft bin, so möch­te ich die­ses Projekt doch jedem Windowsnutzer ans Herz legen. Im IRC selbst emp­feh­le ich den Kanal #La-Familia im QuakeNet, des­sen herr­lich absur­de Diskussionen mich in den ver­gan­ge­nen Jahren nicht sel­ten lachen machten.

NerdkramsNetzfundstücke
blek­ko

Was seit Anfang die­ses Monats und somit noch nicht all­zu lan­ge, zu mei­nem per­sön­li­chen Erstaunen zuerst auf dem sonst nicht unbe­dingt für sei­ne Aktualität bekann­ten Portal WinFuture.de, für Wirbel sorgt, ist die neue Suchmaschine blek­ko, und als ich den Namen zum ersten Mal las, dach­te ich zunächst an den Clown Beppo aus den NICHTLUSTIG-Bildwitzen und an die des Öfteren in der Serie Ren & Stimpy zu sehen­de Werbung für Holzklötze von Blammo.

Wie man auf einen so blö­den Namen kommt, habe ich mich bei Suchmaschinen nicht erst seit „Guuugl“ nicht mehr gefragt. Je blö­der der Name, desto bes­ser kann man ihn sich mer­ken. (Eigentlich ist das scha­de, dass man die­se Regel nicht auch auf ande­re Lebensbereiche anwen­den kann, denn so bleibt die Musikgruppe Ejwuusl Wessahqqan wohl auch wei­ter­hin nahe­zu unbe­kannt.) Blekkos Stärke liegt jeden­falls, wie ein erster Test mei­ner­seits ergab, nicht dar­in, beson­ders vie­le beson­ders tol­le Ergebnisse zu fin­den, son­dern viel­mehr dar­in, die Ergebnisse auch ver­nünf­tig zu filtern.

Nachdem Clusty (inzwi­schen Yippy, da haben wir es wie­der) vor eini­gen Jahren der Vorreiter in manu­ell gefil­ter­tem Suchen war, indem es erlaub­te, die Suchergebnisse nach­träg­lich anhand von Stichwortlisten zu ver­bes­sern, indem zum Beispiel eine Suche nach „Antarktis“ in der Spalte „Clouds“ links dahin gehend ein­ge­schränkt wer­den konn­te, dass nur Treffer auf­ge­führt wur­den, die zusätz­lich den Term „Pinguine“ beinhal­te­ten, was die Relevanz der Suchergebnisse ins­ge­samt doch deut­lich zu ver­bes­sern ver­mag (Google, wir erin­nern uns, woll­te das unlängst semi-auto­ma­ti­sie­ren), und die­se Technik all­mäh­lich auch in ande­re Suchmaschinen inte­griert wur­de und wird, setzt blek­ko auf einen ande­ren Ansatz.

Benannt hat man die­sen Ansatz „slash­tags“, auf gut Denglisch also „Schrägstrich-Tags“, er dient der Spambekämpfung und er funk­tio­niert unge­fähr so:

Statt, wie bei ande­ren Suchmaschinen üblich, ein­zel­ne Internetseiten mit Parametern wie etwa „inurl“ expli­zit aus der Suchanfrage aus­zu­schlie­ßen, falls man bei­spiels­wei­se Informationen über ein Produkt aus­schließ­lich außer­halb von eBay und Amazon suchen möch­te, fasst blek­ko Gruppen von Webseiten in „Tags“ zusam­men. Viele Tags gibt es schon, wei­te­re kann der Benutzer selbst defi­nie­ren. Falls man also etwa nach „s:flo2 /techblogs“ sucht, so wer­den nur Suchergebnisse ange­zeigt, die auf Seiten ver­wei­sen, die in die­sem Slashtag gespei­chert sind. Natürlich sind die­se Tags noch alles ande­re als voll­stän­dig, gera­de deutsch­spra­chi­ge Angebote sind der­zeit nur wenig ver­tre­ten, aber jeder Benutzer kann sei­ne eige­nen Slashtags frei defi­nie­ren und ande­ren zur Verfügung stel­len, so dass sich gro­be Lücken in Bälde geschlos­sen haben dürf­ten. (Ich habe da schon eini­ge Ideen.) Das deut­sche Blog netzwertig.com etwa hat kürz­lich eine Liste deutsch­spra­chi­ger Technologie-Blogs als eben­falls für jeden Nutzer frei nutz­ba­ren Slashtag bereitgestellt.

Ein, wie ich mei­ne, durch­aus gutes und gut durch­dach­tes Konzept, das zu ver­fol­gen ich jedem mei­ner Leser vor­erst ans Herz legen möchte.

Nachtrag vom 7. Februar 2011: Die Suchmaschine DuckDuckGo hat einen eben­falls ziem­lich blö­den Namen, unter­stützt aber auch so etwas wie Slashtags (hier !Bang genannt).

NerdkramsNetzfundstücke
Bewertungen aus dem Pott

Schlau gewählt ist der Name für Googles „neu­es“ Bewertungssystem für Hotels, Gaststätten und ver­gleich­ba­re Einrichtungen, auf das ich bei Caschy (der schon wie­der!) gesto­ßen bin, nicht unbe­dingt: Bei einem „Hotpot“ muss ich ent­we­der an einen Schreibfehler (das South-Park-Plane’arium lässt grü­ßen, ihm geht’s gut, dan­ke der Nachfrage) oder an einen Pott den­ken, mit­hin also auch an das mit­un­ter so bezeich­ne­te, nun ja, Scheißhaus.

Und irgend­wie hat es auch mit einem Scheißhaus zu tun, denn mit Hotpot soll man, so die Ankündigung, in der Lage sein, via Mobiltelefon, qua­si unter­wegs, ein gera­de besuch­tes Etablissement zu bewer­ten, unter ande­rem eben als „Scheißhaus!“.

Und was die Pottbewertungen von den diver­sen frei erfun­de­nen „Kundenbewertungen“ bei Amazon (da war doch was?) unter­schei­den soll, glaubt Caschy auch zu wissen:

Die Sache ist natür­lich klar. Wer glaubt schon irgend­wel­chem Bullshit-Bingo auf Webseiten. Da spre­chen Bars und Restaurants von tol­lem Ambiente in gepfleg­ter Atmosphäre, was mich natür­lich wenig inter­es­siert. Mich inter­es­sie­ren Meinungen ech­ter Menschen, der Menschen in mei­nem Netzwerk.

Schön und gut, nur trifft das („Meinungen ech­ter Menschen“) auch auf jede mir bekann­te Amazon-Rezension zu. Wer aus­rei­chend skru­pel­los ist, sein eige­nes Unternehmen unter fal­schem Namen als her­aus­ra­gend pri­ma dar­zu­stel­len, den hält auch die Notwendigkeit, sich hier­für geson­dert eines Smartphones bedie­nen zu müs­sen, wohl kaum davon ab.

Somit ist Hotpot letzt­lich auch ein miss­lun­ge­nes Konzept und bie­tet im Vergleich mit dem bereits seit Längerem ver­füg­ba­ren Google Places und ähn­li­chen Diensten kei­nen wirk­li­chen Mehrwert, wie auch Caschy schreibt:

Google Hotpot ist nichts ganz neu­es, son­dern greift auf Google Places zu.

Dafür also brauch­te es nun einen neu­en (furcht­ba­ren) Namen, der, gewollt oder nicht, nicht exi­sten­te Eigenständigkeit sym­bo­li­siert? Herrje! Und mal im Ernst, Caschy, der du die­sen Beitrag hier ohne­hin als Pingback refe­ren­ziert bekom­men wirst, so wich­tig ist das mit den Kneipenbewertungen doch wohl kaum, dass …

Es ist schon komisch. Man kommt irgend­wie als sozi­al ver­knüpf­ter Netzwerker kaum noch um Google und Android herum.

… man sie als Beleg dafür her­neh­men kann, dass man „als sozi­al ver­knüpf­ter Netzwerker“ (das haben Netzwerke so an sich) qua­si unver­meid­lich auch zum Googler wird, „die mei­sten haben eh ein Google-Konto“, wis­sen die mei­sten das?

Caschy hat es schon erfasst:

Wer glaubt schon irgend­wel­chem Bullshit-Bingo auf Webseiten.

Um der­lei zu ver­mei­den, hilft also auch kei­ne Android-Äpp. Aber viel­leicht wäre es ein guter Ansatz, ein­fach weni­ger Blogs zu lesen.

Netzfundstücke
Das Selbstverständnis der Blogosphäre

Nur noch mal zur Verdeutlichung dient die­ser Beitrag:

Vor einer Weile ließ ich mich unter dem Titel „Von Bloggern, Blogs und Gurus“ über die selbst ernann­ten „Blogger“ aus, die ihre Hauptaufgabe dar­in sehen, ande­re „Blogger“ zu ver­lin­ken, als Quelle zu nut­zen und sonst­wie mit vir­tu­el­len Sternchen zu ver­se­hen, um im Gegenzug auch von die­sen am vir­tu­el­len Bauch gepin­selt zu werden.

Heute nerv­te mich im Feedreader dann auch mal wie­der Caschy, der das zwar auch schon bemerkt hat, dass sich die „obe­ren Hundert“ der deut­schen „Blogs“ stän­dig in gegen­sei­ti­gen Lobhudeleien ergie­ßen (und sich selbst ver­mut­lich auch über ihre Tastatur, Besucherstatistiken und Werbeeinnahmen machen’s mög­lich), was ihn als einen der häu­fi­ger ver­link­ten „Blogger“ aber nur peri­pher zu sche­ren scheint. Vielmehr sieht er es sogar als selbst auf­zu­er­le­gen­de Pflicht an, ein „Blog“ der „Blogosphäre“ wegen zu betreiben.

Alle Wege füh­ren zurück zu Robert Basic, der in der Quintessenz das­sel­be ins Internet schmiert, es sich aller­dings auch lei­sten kann, denn er ist einer der deut­schen „Blogger“, die erfolg­reich miss­ver­stan­den haben, wor­um es in einem Blog nor­ma­ler­wei­se geht: 2009 ver­scher­bel­te er sein dama­li­ges Blog für 46.902 Euro. Da ist es nur wenig beru­hi­gend, dass SPIEGEL Online das mit dem Bloggen damals auch schon nicht ver­stan­den hat­te, denn man nann­te ihn „Deutschlands meist­ver­link­ten und damit doch irgend­wie auch wich­tig­sten Blogger“. Robert Basic ist so unfass­bar wich­tig, dass die Nennung bei Caschy das, wenn ich mich nicht irre, ins­ge­samt zwei­te Mal war, dass ich irgend­et­was von ihm in mei­nem Feedleser ver­linkt sah.

Caschy geht da auch gleich, Herrn Basic Honig um das ver­gol­de­te Maul schmie­rend, mit „gutem“ Beispiel voran:

Auch wenn ich nicht alle ver­gan­ge­nen Aussagen und Aktionen von Robert 1:1 unter­schrei­be, so zeigt die­ser Beitrag doch, dass er das blog­gen beherrscht (und auch ein her­vor­ra­gen­der Gesprächspartner ist).

„Hach, das ist Balsam für die Seele!“ wird Robert Basic da wohl den­ken und sich total dar­über freu­en, weil er jeden freund­li­chen Hinweis auf sei­ne Bloggerei bestimmt auch total wich­tig findet.

Aber Hauptsache, man kann davon leben, dass man immer die glei­chen Rübennasen sei­nem Leser als Leseempfehlung hin­rotzt, nur um die gesam­mel­te Rotze dann irgend­wann an den Meistbietenden zu ver­hö­kern und mit dem gewon­ne­nen Geld dann end­lich auch mal so tun zu kön­nen, als hät­te die Sekretkollektion jemals irgend­was bewirkt außer­halb des engen Korsetts aus den besten­falls zehn bis fünf­zehn Leuten, die, nicht hin­ter­fra­gend, jede Blähung des eige­nen Gedärms als Gotteswort prei­sen; amen.

Wie mich die­ses Gewürm, das meint, mir vor­schrei­ben zu kön­nen, wie und wann ich gefäl­ligst wen als Quellenangabe zu nut­zen habe, anwi­dert! Wie „man Blogs“ ver­linkt, weiß ich schon; man neh­me den a-Tag und set­ze den URL hin­ein, gut ist’s, und wenn ich kei­ne Lust habe, etwas zu ver­lin­ken, dann muss ich das auch nicht tun, und ich habe sel­ten kei­ne Lust, son­dern mich hal­ten eigent­lich nur ethi­sche Gründe davon ab, man­cher­lei mit einem Direktlink zu ver­se­hen. Da bedarf es indes kei­ner zehn wich­ti­ger Regeln und Gründe von Leuten, die nicht ver­linkt wer­den, weil sie der Welt irgend­was neu­es mit­zu­tei­len hät­ten, son­dern nur des­we­gen, „weil man das halt so macht“, weil sie Koniferen Koryphäen ihrer Zunft sind und wir alle ohne sie ver­mut­lich nicht mal wüss­ten, was ein Blog ist; näm­lich eine in Byte gegos­se­ne Sammlung nich­ti­ger Plattitüden, die sich von ande­ren Webseiten nur dadurch unter­schei­det, dass sie mit min­de­stens neun ande­ren Sammlungen nich­ti­ger Plattitüden untrenn­bar ver­bun­den ist, ohne dass der Blick für’s Wesentliche - die Werbeeinnahmen näm­lich - ver­lo­ren gehen darf. So läuft das in der Rezession, mhm.

(Anmerkung des Verfassers: Ich bit­te die bei­den Verlinkungen von deutsch­spra­chi­gen Blogs kei­nes­falls als Versuch, an die „Blogosphäre“ anzu­knüp­fen, zu wer­ten. Hierzu bit­te auch dem in der Seitenleiste hin­ter­leg­ten Verweis „Dies ist kein Blog.“ folgen.)


Nachtrag: Robert Basic hat mich einen „Blogversteher“ („Blog-Versteher“) genannt und mich ver­linkt und mein­te das, also das Nennen, ver­mut­lich abschät­zig und ich glau­be, ich wer­de nach­her ein biss­chen dar­ob betrübt sein.

In den NachrichtenPolitik
Dreimal CDU

(Alles via Fefe und als ergän­zen­de Pointen zu verstehen.)

CDU zum Ersten:

„Wer durch eine Sitzblockade einen hoheit­lich geneh­mig­ten Transport behin­dert und dadurch einen Schaden ver­ur­sacht wie etwa Mehrkosten für den Polizeieinsatz, der darf nicht von vorn­her­ein straf­frei blei­ben“, sag­te der nie­der­säch­si­sche Justizminister Bernd Busemann (CDU) der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Wer dem Steuerzahler unnö­ti­ge Kosten ver­ur­sacht, gehört bestraft; so weit ist das gut und rich­tig. Was Bernd Busemann ver­ges­sen hat: Damit bean­tragt er genau genom­men eine Strafe für sich selbst und sei­nes­glei­chen, denn nie­mand liegt den Bürgern der­zeit mehr und vor allem aus absur­de­ren Anlässen her­aus auf der Tasche als die Regierung. (Bonuspointe: Konsequenterweise müss­te Bernd Busemann Gefängnisinsassen dafür bestra­fen las­sen, dass sie im Gefängnis sit­zen, denn sie ver­ur­sa­chen Mehrkosten für den Polizeieinsatz.)

CDU zum Zweiten:

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel E. Fischer kri­ti­siert die gän­gi­ge Praxis, sich in Internet-Diskussionsforen mit einem Fantasienamen zu Wort zu melden.

Kennt ihr die Die-Simpsons-Folge, in der Homer J. Simpson ver­sucht, sei­nen zwei­ten Vornamen zu erfah­ren? Ich bezweif­le, dass Axel Fischer mit zwei­tem Vornamen „Eeh“ heißt. Geht das bereits als Fantasiename durch? Wie man anson­sten her­aus­fin­den soll, ob ein ange­ge­be­ner Name echt ist, lässt er offen. Der „ePerso“ wur­de als Beispieltechnik ange­führt; wenn die­se zukunfts­si­che­re Erfindung künf­tig also im deut­schen Internet die Integrität eines Diskussionsforums gewähr­lei­sten soll, kom­men noch spa­ßi­ge Zeiten auf uns zu.

CDU zum Dritten:

Charlotte Roche hat Bundespräsident Christian Wulff ein unmo­ra­li­sches Angebot unter­brei­tet: Die Bestsellerautorin bie­tet dem deut­schen Staatsoberhaupt Sex an, wenn Wulff sein Veto bei der Laufzeitverlängerung der Atomkrafte gibt.

…, und nicht ein­mal mir wür­de gera­de ein bes­se­res Argument ein­fal­len, die Laufzeitverlängerung zu unter­schrei­ben; zur Sicherheit gleich dop­pelt, damit Frau Roche es auch mit­be­kommt. Schauderhafte Vorstellung!

Sonstiges
Medienkritik XLI: Das Beste kommt noch!

Meine Vorliebe für Fahrten im öffent­li­chen Personennahverkehr ver­schafft mir nicht nur Einblicke in das Familienleben mir unbe­kann­ter Menschen, son­dern mit­un­ter auch eini­ge for­mi­da­ble Fundstücke, die oft auch lang­le­bi­ger sind als die leid­lich aktu­el­len YouTube-Ausschnitte und ähn­li­che Netzfundstücke, die ich hier mit euch, lie­be Leser, zu tei­len pfle­ge. So ist es bei­spiels­wei­se auch noch 20 Jahre nach der Einheit belu­sti­gend, sich einen öster­rei­chi­schen Busfahrschein ein­mal genau­er anzusehen:

Hier sind sogar zwei (ähnliche) Witze versteckt!

Heute jeden­falls fuhr ich wie­der ein­mal mit dem Bus durch die Gegend und wur­de auf eine dort acht­los lie­gen gelas­se­ne Broschüre auf­merk­sam gemacht, die vom „Missionswerk Werner Heukelbach“ her­aus­ge­ge­ben wor­den war und „Gedanken zum Älterwerden“ zu beinhal­ten ver­spricht. Ihr Name lau­tet: „Das Beste kommt noch!“.

Das erste Kapitel nach dem Vorwort (nicht von Werner Heukelbach übri­gens) ist „Der Herr ist mein Hirte.“ beti­telt und bezieht sich auf Psalm 23, der bei christ­lich auf­ge­wach­se­nen Jugendlichen samt und son­ders bereits bei sei­ner Erwähnung Augenrollen ver­ur­sa­chen dürf­te, weil: irgend­wann is‘ mal gut.

Und was da so als Bestes noch kom­men wird, das ver­hei­ßen Abschnitte wie „Persönliche Einladung.“ und „Gottes Geschenk für Sie!“, in denen mit­hil­fe jeweils einer Kreuzfotografie nur wenig Zweifel dar­an gelas­sen wird, zu was für einem gran­dio­sen Geschenk hier ein­ge­la­den wer­den soll; zum Tod nämlich:

Und wer jetzt noch immer noch nicht bereit ist, das „Missionswerk Werner Heukelbach“ für unzu­rech­nungs­fä­hig zu erklä­ren, dem schicke ich auf Anfrage gern das voll­stän­di­ge Pamphlet zu, gemäß des­sen unter ande­rem auch Krebskranke sich ihres Lebens freu­en soll­ten, denn immer­hin sind sie kei­ne Sünder:

Das Beste kommt noch - na, Gott sei Dank!

(Mit Dank an V. für den Hinweis, das Fundstück und den wun­der­bar blö­den Humor.)

NerdkramsNetzfundstücke
Apple ist an allem schuld!

Peter hat auf sei­nem iPhone offen­bar die Kaffeeuntersetzer-App akti­viert, und ich könn­te jetzt meter­lang dar­über refe­rie­ren, wie­so er selbst schuld ist, dass er sich wil­lens in die Hände eines skru­pel­lo­sen Weltkonzerns bege­ben hat, aber das habe ich anders­wo schon getan.

Stattdessen soll­te die stei­gen­de Komplexität und gleich­zei­tig stei­gen­de Fehleranfälligkeit moder­ner Kommunikationsmittel ange­sichts der kom­men­den besinn­li­chen Zeit (dazu gege­be­nen­falls spä­ter mehr) ein Anlass sein, sich an die Ursprünge des digi­ta­len Nirwanas zu erin­nern, um wenig­stens jeman­dem die Schuld geben zu können.

Und da ist es doch hübsch, dass gera­de wie­der ein Jubiläum ansteht: Die Redaktion von SPIEGEL Online fei­ert die­ser Tage zum zwei­ten Mal „20 Jahre WWW“ und erläu­tert, wie­so sie das noch mehr­fach tun wird. Tatsächlich sind 20 Jahre dann auch eine eher gro­be Schätzung:

Ende 1990 stell­te Tim Berners-Lee den von ihm und eini­gen Mitarbeitern am CERN ent­wickel­ten Dienst erst­mals der Öffentlichkeit vor. Ursprünglich dien­ten sei­ne Pläne für ein ver­netz­tes System zum Wissensaustausch, das ist SPIEGEL Online zu ent­neh­men, allein ihm als Merkhilfe, da er von sich behaup­tet, ein furcht­bar schlech­tes Gedächtnis sein eigen zu nen­nen. Mit den Jahren aber reif­te das „World Wide Web“ her­an zu einem System ähn­lich dem im Folgejahr ein­ge­führ­ten Gopher her­an und stell­te mit HTTP und HTML wesent­li­che Elemente der heu­ti­gen digi­ta­len Kommunikation bereit.

Die erste Internetseite der Welt, in einer archi­vier­ten Version noch erhal­ten, war betont schlicht gehal­ten: Schwarze Schrift auf wei­ßem Grund, for­ma­tiert allein mit Überschriften und Einrückungen (das <dl>-Tag kennt heu­te auch kein so genann­ter „Webdesigner“ mehr wirk­lich, des­sen „Arbeit“ dar­in besteht, mit­hil­fe einer lusti­gen bun­ten gra­fi­schen Oberfläche Pixel zu ver­schie­ben). Man betrach­te nur ein­mal den Quelltext! Beizeiten kamen neue Elemente auf und ver­schwan­den oft auch wie­der, mar­quee und blink haben sich zur all­ge­mei­nen Erleichterung lang­fri­stig nicht durch­set­zen können.

An der Schlichtheit frü­he­rer Tage lässt es die heu­ti­ge Vorstellung einer „moder­nen Internetseite“ indes lei­der völ­lig feh­len, der Grundsatz „HTML ist kein Papier“ soll­te in jedem HTML-Handbuch die­ser Welt in gro­ßen, roten Buchstaben auf jeder Seite ein­ge­fräst sein, damit das selbst­ver­lieb­te Pack von „Mediendesignern“ (als gäbe es kei­ne ande­ren Medien, an denen sie sich aus­las­sen kön­nen!) end­lich auf­hört, irgend­was von „fester Breite“ zu blafaseln.

Und es wird nicht bes­ser: „HTML 5“ (das neue Bullshit-Bingo-Trumpfwort, nach­dem sich „Web 2.0“ offen­bar dan­kens­wer­ter­wei­se abge­nutzt hat) hat mit einer „Hypertext Markup Language“ nicht mehr viel zu tun. Tatsächlich näm­lich dient es nur noch als Rahmen für Javascript- und CSS-Spielereien, von denen nicht nur ich mich fra­ge, was genau das im Internet ver­lo­ren hat. Es stimmt, dass die Bedeutung Weg wei­sen­der Technik oft ver­kannt wird, aber dar­auf, zu erfah­ren, wel­chen Weg die­se Entwicklung wei­sen wird, bin ich der­zeit nicht son­der­lich erpicht.

Der erste Webserver war übri­gens eben­so wie der Computer, auf dem die Software ent­wickelt wur­de, ein NeXT-Rechner. NeXT war ein Soft- und Hardware pro­du­zie­ren­des Unternehmen eines gewis­sen Steve Jobs, der Apple (wo man heu­te unter ande­rem, ich erwähn­te es, das furcht­ba­re iPhone ent­wickelt) ver­las­sen hat­te. 1996 kauf­te Apple NeXT und mach­te das Betriebssystem NeXTStep zu einer der tech­ni­schen Grundlagen für Mac OS 10 („X“). So kann man mit Fug und Recht auch mit lan­gem Blick zurück noch behaup­ten: Apple ist an allem schuld; selbst an der Gründung von Google.

Ach, ich mag Kreise, die sich schließen.

Überhaupt ist das Jahr 2010 bis­her ein ganz gro­ßes Jahr.
Und was passt bes­ser zu einem ganz gro­ßen Jahr als eine ganz gro­ße Würdigung lang­le­bi­ger Klassiker?

Etwas älter als das WWW, näm­lich inzwi­schen 26 Jahre alt, ist das Spiel „Tetris“, das meh­re­re Generationen jun­ger Konsolenspieler in der einen oder ande­ren Form auf ihrem Weg zur gei­sti­gen Reifung beglei­te­te. Ebenso wie der SPIEGEL-Online-Beitrag zu zwei Dekaden WWW ist auch die Würdigung von Tetris inzwi­schen über ein Jahr alt, der ganz gro­ße Knall hat aber noch gefehlt.

Der kam mir nun mit Tetris HD (mit Dank an V., die unbe­dingt auch mal wie­der erwähnt wer­den will) vor die Augen, und obwohl das Spiel auch bereits aus dem Vorjahr stammt, so lässt sich kaum leug­nen, dass es eine wirk­lich ganz gro­ße Würdigung ist.

Ich wün­sche viel Spaß.

Projekte
TinyTodo build 20101112 (für Ungeduldige)

Didi mag es eine „ewi­ge Baustelle“ nen­nen, und es sieht mit­un­ter, zuge­ge­ben, auch so aus, als wür­de die Entwicklung schlicht nicht mehr wei­ter­ge­hen; aber ich habe es nun doch geschafft, den Anzeigefehler von TinyTodo bei mir zu behe­ben. Die Schuld trug gdipp, das sich manch­mal ein wenig merk­wür­dig ver­hält. Flugs eine Ausnahme für die AIR-Bibliotheken ein­ge­tra­gen und es konn­te weitergehen.

Und so prä­sen­tie­re ich heu­te mit geschwol­le­ner Brust und min­de­stens eben­sol­chem Kopf, Kopfweh sei’s gedankt, eine neue Testversion von TinyTodo.

Herunterladen könnt ihr, wer­te Leser, den gan­zen Krempel wie üblich per Klick auf den Screenshot. Neu ist vor allem die (ange­kün­dig­te) Auf- und Zuklappfunktion für Kategorien, wie auf dem Bild zu sehen. Die (gleich­falls ange­kün­dig­te) Onlineanbindung aller­dings wird noch ein wenig län­ger dauern.

Ich wün­sche den­noch viel Spaß.

Nachtrag 1: Voraussichtlich in der kom­men­den Version wer­den die Pfeile für auf- und zuge­klapp­te Kategorien mit­ein­an­der ver­tauscht, um dem all­ge­mei­nen Verständnis, etwa in Dateimanagern und Texteditoren, die gleich­falls Unicodesymbole für die­sen Zweck ver­wen­den, ein wenig entgegenzukommen.

Nachtrag 2: In der aktu­el­len TinyTodo-Version wird wie­der­um eine vor­be­füll­te Datenbank mit­ge­lie­fert, die die vor­han­de­ne Datenbank über­schreibt. Ich emp­feh­le, die vor­han­de­ne Datenbank (im Programmverzeichnis als TinyTodo.db gespei­chert) zu sichern und nach erfolg­ter Aktualisierung zurück­zu­ko­pie­ren. Gleichfalls wer­de ich dies jedoch für die kom­men­de Version ändern. Damit steht einer prak­ti­schen Nutzung auch über Aktualisierungen hin­weg künf­tig nichts mehr im Weg.

In den NachrichtenMir wird geschlechtNerdkramsNetzfundstückePolitik
Kurz ver­linkt XXIX: Feminismus und die AusweisApp

Unterhaltsame, jedoch nur bedingt ver­gnüg­li­che Lektüre hin­ter­ließ bereits am Montag Stefan Sasse im Weblog „Oeffinger Freidenker“, indem er über die gegen­wär­ti­gen Strömungen des Feminismus‘ refe­rier­te.

Zutreffend stellt er bei­spiels­wei­se fest:

Es kann kein Zweifel bestehen, dass die recht­li­che Gleichberechtigung längst erreicht ist. Dies wird auch von der Frauenbewegung nicht ange­zwei­felt, nicht ein­mal von ideo­lo­gi­schen ver­bohr­ten Altlasten wie Alice Schwarzer. Stattdessen erklärt die Frauenbewegung, dass die „fak­ti­sche Gleichberechtigung“ nicht erreicht sei. Dazu gehört die Legende von einer glä­ser­nen Decke, die es Frauen nicht erlau­be, in Führungspositionen auf­zu­stei­gen, weil dort ja nur Männer sit­zen, die unter sich blei­ben wol­len und Frauen des­we­gen nicht hoch­kom­men las­sen wol­len. Im glei­chen Zusammenhang steht die Behauptung, dass Frauen bei glei­cher Tätigkeit um ein Drittel schlech­ter bezahlt werden.

Resignierend kommt er zu dem Schluss, dass der Feminismus sich über die Jahrhunderte von einer bigot­ten Spielart des Egoismus‘ in der Oberschicht zu einer auch vor radi­ka­len Methoden nicht zurück­schrecken­den, aber gesell­schafts­fä­hi­gen Form des Sexismus‘ gewan­delt hat.
Ein sehr wich­ti­ges und rich­ti­ges Manifest sei­ner­seits und eine stän­di­ge Leseempfehlung mei­ner­seits. Besser wird es nicht.

Wer es übri­gens noch nicht mit­be­kom­men hat:
Ein Pirat (Jan Schejbal, das war u.a. auch der hier) hat den neu­en Personalausweis geknackt.

Mit „geknackt“ ist hier kei­nes­falls gemeint, dass man nun sei­nen Ausweis selbst fäl­schen könn­te; viel­mehr stellt die zum Ausweis gehö­ren­de „AusweisApp“ (ein scheuß­li­cher Name) eine gewal­ti­ge Sicherheitslücke für das System dar, auf dem sie läuft:

Ein (…) Angreifer, wel­cher den Netzwerkverkehr belie­big mani­pu­lie­ren kann, jedoch nicht in der Lage ist als sicher gel­ten­de Verschlüsselung zu bre­chen oder den Client des Opfers vor­her zu mani­pu­lie­ren, kann somit auf­grund zwei­er Implementierungsfehler in der AusweisApp über die Auto-Update-Funktion Schadsoftware einspielen.

Böse Zungen wür­den behaup­ten, das sei Absicht, denn eine ein­fa­che­re Möglichkeit, heim­lich Überwachungsmechanismen auf den Computern mög­lichst vie­ler Bürger zu instal­lie­ren, ist kaum vor­stell­bar. Es könn­te aller­dings auch blo­ße Inkompetenz sein, wofür auch sprä­che, dass das gan­ze Ding in Java, der rück­stän­di­gen und noto­risch unsi­che­ren Mehrzweckprogrammiersprache, ent­wickelt wur­de. Was auch immer zutref­fen mag: Von „Kinderkrankheiten“ kann kei­ne Rede mehr sein.

Et nunc, reges, intel­li­gi­te; eru­di­mi­ni, qui iudi­ca­tis terram.

NerdkramsSonstiges
Medienkritik XL: Skandal: Es gibt unli­zen­zier­te Software!

Im August äußer­te ich mich über die Wirre der Zeitschrift „PC-WELT“ (nur echt mit Brüllbuchstaben), habe es aber ver­säumt, ein Bild davon anzu­fer­ti­gen. Heute stieß ich auf ein geeig­ne­tes Surrogat:

„Microsofts Geheimplan“ für „Windows 8“ ist so schreck­lich geheim, dass er in einer der­ma­ßen preis­wer­ten Zeitschrift nur als Randnotiz vor­kommt; also ver­mut­lich welt­ex­klu­siv.

Viel mehr Aufsehen erreg­te bei „Europas gro­ßem Magazin für Windows-Anwender“ die­ses „Internet“, von dem alle in letz­ter Zeit reden, denn dort, Skandal!, gibt es „über­all“ eine „ille­ga­le Version“ der „Hacker-Edition“ von Windows 7. Und weil das so skan­da­lös und ille­gal ist, ver­zich­tet man bereits auf dem Titel nicht dar­auf, auf die Risiken von Betriebssystemdistributionen aus zwei­fel­haf­ten Quellen hin­zu­wei­sen, näm­lich, dass die „Hacker-Edition“ „bes­ser & schnel­ler als das Original“ sei (hier­zu sie­he auch mei­ne Kritik an Windows 7), „[o]hne ner­vi­ge Aktivierung“ aus­kom­me und sogar „Photoshop & Co. vor­in­stal­liert“ habe, ins­ge­samt also sicher nicht ein­mal die Suche nach Quellen wert sei.

(Ich neh­me ohne­hin an, selbst die Suche erleich­tert „Europas gro­ßes Magazin für Windows-Anwender“ mit­hil­fe mehr oder min­der ein­deu­ti­ger Hinweise. Allerdings war es mir die sie­ben Euro neun­und­neun­zig - ein stol­zer Preis für, wie erwähnt, min­de­stens welt­ex­klu­si­ve Warnungen vor gefähr­li­chen „ille­ga­len Versionen“ - dann doch nicht wert, die­se These selbst zu überprüfen.)


Und dann war da noch das Strickwarenfachgeschäft „Wollrausch“, des­sen Betreiber zwar ein Gespür für Wortspiele zu haben schei­nen, aber dann doch den Gedanken nicht zu Ende geführt haben; denn noch schö­ner wäre es doch, hie­ße es „Woll-Lust“!
Nichts zu danken.

(Auch schön übri­gens: Heute im Supermarkt sah ich eine Kleinanzeige, mit­tels derer jemand ver­such­te, einen Dachgebäckträger an den Mann zu brin­gen. Klingt nützlich!)

Spaß mit Spam
Schneller leben, schö­ner sterben

Spammer, der du mir und ande­ren Mitmenschen, die du nicht per Blindkopie adres­sier­test, vor­hin ein Exemplar dei­ner Massenmails zukom­men ließest:
Ich bedan­ke mich, ich habe herz­lich gelacht!

Denn unter der Überschrift

Skandal Britney Spears tot

erwar­tet man in sei­nem Posteingang sicher kei­nen lyri­schen Erguss, damit aller­dings hät­te ich dann doch nicht gerechnet:

5, 10 oder sogar 25 Kilo weni­ger? Wer will das nicht! Nur schafft es kaum
ein Mensch. Zumindest nicht ohne Hilfe.

Versuchen Sie! es sofort selbs$t, har­te Tatsachen bewei­sen mehr als
unza­eh­li­ge Worte. Wenn Sie sehen, wie Ihre Pfunde schw#inden, wer­den Sie
eupho­risch sein. Noch nie war Gewicht ver­lie­ren so einfach!

Den belang­lo­sen fol­gen­den Werbeschmarrn ein­mal bei­sei­te gelassen:
Stimmt! Keine Art, Gewicht zu ver­lie­ren, ist weni­ger anstren­gend als ein­fach - zu sterben.

Ob die Weight Watchers wohl auch eine Kopie erhal­ten haben?